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  • Die Insel Taiwan: Vom Spielball der Mächte zur eigenen Stimme

    Taiwan ist einer der geopolitischen Brennpunkte des 21. Jahrhunderts. Wer den Konflikt darum verstehen will, muss die Geschichte der Insel kennen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer:

    • wie die japanischen Kolonialherren die Taiwaner abwertend nennen,
    • warum Japan um 1915 seine Kolonialpolitik ändert,
    • wie die alte Bezeichnung für Taiwan lautet,
    • auf welche Weise die japanisierten Taiwaner nach 1945 zu "echten Chinesen" gemacht werden sollen,
    • welche Buttons die Schulkinder in Taiwan damals tragen müssen.

    Taiwan hat eine Geschichte der Fremdbestimmung. Jahrtausende leben fast ausschließlich mehrere Gruppen von Ureinwohnern auf der Insel. Dann streiten europäische Kolonialmächte und China um ihren Einfluss. Seit dem 17. Jahrhundert herrschen die chinesischen Kaiser. Doch als China 1895 einen Krieg gegen Japan verliert, wird Taiwan zur japanischen Kolonie.

    Das ändert sich erst, als es China im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe der Alliierten gelingt, die Insel – rund 160 Kilometer vor der chinesischen Küste im Pazifik – einzunehmen. Die Taiwaner hoffen nach 50 Jahren Kolonialherrschaft auf Gleichberechtigung und Mitbestimmung. Doch in China bricht nach dem Zweiten Weltkrieg erneut Bürgerkrieg aus. Auf dem Festland kämpfen Anhänger der von Chiang Kai-shek geführten nationalchinesischen Partei KMT gegen die Kommunisten unter Mao Zedong.

    Taiwan steht unter KMT-Verwaltung und wird ausgebeutet. Erst Ende der 1980er-Jahre beginnt ein Demokratisierungsprozess. Seither können die Taiwaner erstmals selbst über ihr Schicksal entscheiden. Auch deshalb lehnen Umfragen zufolge rund 90 Prozent eine Vereinigung mit dem chinesischen Festland ab.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Gunter Schubert (Sinologe, Universität Tübingen)
    • Stephan Thome (Autor und Schriftsteller, Taipeh)
    • Stephan Thome: Schmales Gewässer, gefährliche Strömung. Berlin 2024
    • David Demes und Frédéric Krumbein: Taiwan. Bonn 2024
    • Klaus Bardenhagen: Die wichtigste Insel der Welt. Freiburg im Breisgau 2024
    • Gunter Schubert: Kleine Geschichte Taiwans. München 2024

    Weiterführende Links:
    • NDR: China-Taiwan-Konflikt - worum geht es?
    • Phoenix: Taiwan - Angst vor der Invasion
    • ZDF: Zehn Fakten zum China-Taiwan-Konflikt

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Tobias Sauer
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Holger Maerten

    15 min
  • Ich kann, ich will: Der Tag, an dem Island stillsteht

    Welche Wirkung hat es, wenn in einem Land einen Tag lang alle Frauen die bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen? Am 24.10.1975 probieren es die Isländerinnen aus.



    In diesem Zeitzeichen erzählen Merle Schaack und Michael Richmann:

    • weshalb viele Frauen in Island zunächst nicht streiken wollen,
    • wie viele Frauen sich schließlich am Streiktag beteiligen,
    • warum an diesem Tag die Hotdogs ausverkauft sind,
    • welchen Namen der Tag bei den Männern bekommt,
    • welche politischen Auswirkungen der Frauenstreik für die isländischen Frauen hat.

    Die Idee hat ihren Ursprung in New York. Dort schließen sich 1969 Feministinnen zum "Red Stocking Movement" zusammen und wollen mit roten Strümpfen für mehr Geschlechtergerechtigkeit kämpfen. Schnell wird die Bewegung weltweit bekannt. Auch in Skandinavien schließen sich Frauen zusammen.

    In Island marschieren die Rotsocken erstmals am 1. Mai 1970 bei der Kundgebung zum internationalen Arbeitertag mit und machen auf ihr Anliegen aufmerksam. Als die Vereinten Nationen das Jahr 1975 zum "Jahr der Frau" ausrufen, fragen sich die Rotsocken: Was, wenn einfach mal alle Frauen im Land für einen Tag die Arbeit niederlegen? Und zwar nicht nur die Erwerbsarbeit, sondern auch die zu Hause?

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen:
    • Gerður Óskarsdóttir (Mitinitiatorin des isländischen Frauenstreiks)
    • Eva Berendsen (Politikwissenschaftlerin der Bildungsstätte Anne Frank)

    Weiterführende Links:
    • WDR: "Ein Tag ohne Frauen" - Doku über Islands Frauenstreik
    • Dokumentation über die Redstocking-Bewegung in Island 1970 bis 1980
    • Homepage der New Yorker Redstockings

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin und Autor: Merle Schaack und Michael Richmann
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Jens Baumgart

    14 min
  • Widerstand im Wasser: Gertrude Ederle durchquert den Ärmelkanal

    Sie ist fast taub, unterschätzt, entschlossen – und Vorbild für Frauen: Am 23.10.1905 wird Gertrude Ederle, die erste Frau, die den Ärmelkanal durchschwimmt, geboren.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • warum Trudy ihr Gehör zeitlebens zu schaffen macht,
    • von ihrer zweiten Leidenschaft: dem Lesen,
    • von Männern, die Gertrude helfen – und solchen, die sie ausbremsen,
    • wie Trudy nebenbei den Bikini erfindet,
    • von ihrem Triumphzug und den schweren Zeiten danach.

    Anfang des 20. Jahrhunderts gilt es als unnötig und unschicklich, dass Frauen schwimmen lernen. Aber einem Mädchen ist das völlig egal: Gertrude Ederle. Die am 23. Oktober 1905 in New York geborene "Trudy" lässt sich auch von männlichen Rekorden nicht beeindrucken. Nach unzähligen gewonnenen Titeln, darunter auch Olympia-Gold, sucht sie eine neue Herausforderung: Sie will als erste Frau durch den Ärmelkanal schwimmen. Eine lebensgefährliche Aktion.

    Ein erster Versuch scheitert – in erster Linie an der Missgunst ihres Trainers. Doch sie nimmt einen zweiten Anlauf. Mit neuen Begleitern und neuem Anzug trotzt sie Wellen und Nebel, bricht ihr Vorhaben auch nicht ab, obwohl ihr von außen dazu geraten wird. Und tatsächlich: Nach 14 Stunden und 31 Minuten steigt Gertrude Ederle auf wackeligen Beinen am Kingsdown Beach bei Dover aus dem Meer. So schnell hat kein Mann vor ihr den Ärmelkanal durchquert.

    Gertrude Ederle stirbt mit 98 Jahren. Ihre Liebe zum Meer bleibt bis zum Schluss.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Anne-Kathrin Kilg-Meyer (Juristin und Autorin)
    • Anne-Kathrin Kilg-Meyer: Gertrude Trudy Ederle. Eine Schwimmerin verändert die Welt, Kellinghusen 2020

    Weiterführende Links:
    • WDR Retro: Interview mit dem Rekordschwimmer Ernst Vierkötter
    • Stichtag 7. Januar 2005 - Vor 220 Jahren: Erster Ballonflug über den Ärmelkanal

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Jürgen Mönkediek

    15 min
  • Alessandro Scarlatti: Meister der Harmonie und Mordverdächtiger

    Der italienische Barock-Komponist Alessandro Scarlatti (gestorben am 22.10.1725) hat die Oper Europas geprägt - und ein spannendes Leben geführt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vratz:

    • was man unter dem Neapolitanischen Opernstil versteht,
    • wie Scarlatti sein berufliches Netzwerk knüpft,
    • wie Papst Innozenz XI. die Oper aus der Öffentlichkeit verbannt,
    • wie der Nachruf auf ein Mordopfer Scarlatti mit der Tat in Verbindung bringt.

    Alessandro Scarlatti verlässt mit zwei seiner sieben Geschwister die Heimat Sizilien wegen einer Hungersnot. Der erst Zwölfjährige gelangt nach Rom, wo er wahrscheinlich Unterricht bei Giacomo Carissimi, dem Erfinder der geistlichen Oper, erhält.

    Scarlatti hat großes Geschick in der Sponsoren-Aquise. Unter anderem wird er von Pietro Ottoboni gefördert. Ottoboni ist ein Großneffe des Papstes, Vizekanzler der Kirche, dazu Kunstliebhaber und Lebemann, wie sein erster Biograph schreibt. Er liebt Pracht, Verschwendung und die Wollust, ist dabei aber leutselig und guttätig.

    Als Scarlatti sich unter dem sittenstrengen Papst Innozenz XI. in Rom in seinen künstlerischen Freiheiten zu eingeschränkt fühlt, zieht er weiter nach Neapel, wo er Hofkapellmeister wird. Es ist der Beginn einer großen Karriere als Opernkomponist, der in in ganz Europa bekannt wird. Scarlatti rüttelt mit seinem Stil die italienische und europäische Musik auf.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dorothee Oberlinger, Flötistin
    • Sabine Ehrmann-Herfort/Gerhard Kuck (Hg.): Alessandro Scarlatti. Das kompositorische Schaffen. Kassel [u.a.] 2024.
    • Silke Leopold: Die Oper im 17. Jahrhundert. 2006
    • Benedikt Poensgen: Die Offiziumkompositionen von Alessandro Scarlatti. Hamburg 2004 (online verfügbar)

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Das Zeitalter des Barock
    • Planet Wissen: Barockmusik - Georg Friedrich Händel
    • Zeitzeichen: 17.12.1644: Christina von Schweden übernimmt die Regentschaft
    • Planet Wissen: Religion - Päpste

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    Autor: Christoph Vratz
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Undercover als Türke: Günter Wallraffs Buch "Ganz unten"

    Als "Ali" enthüllt Günter Wallraff die brutalen Arbeitsbedingungen der "Gastarbeiter". Sein Buch "Ganz unten" erscheint am 21.10.1985 und schockiert die Bevölkerung.



    In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:

    • wie Günter Wallraff sich auf seine Rolle als "Ali" vorbereitet,
    • wie schon in den 1980er-Jahren Übergriffe gegen Arbeitsmigranten und -migrantinnen zunehmen,
    • wie ausländische Arbeitnehmende in die illegale Leiharbeit getrieben werden,
    • mit welchen Mitteln Unternehmen gegen die Enthüllungen in "Ganz unten" kämpfen,
    • wieviele Verfahren gegen Unternehmen, Subunternehmer und Zeitarbeitsfirmen eingeleitet werden.

    Günter Wallraff, geboren 1942, ist Deutschlands wohl bekanntester Investigativjournalist. Seine Art, in Arbeitswelten der Republik einzutauchen, ist zum Fachbegriff geworden. "Wallraffen" ist für ihn keine rein journalistische Methode, sondern ein persönliches Bedürfnis. Er will Missstände sichtbar machen, um positive Veränderungen zu erreichen.

    1985 erscheint sein Buch "Ganz unten", ein Jahr später der gleichnamige Dokumentarfilm. Aufnahmen, die heimlich entstehen, während Wallraff sich als der türkische Leiharbeiter "Ali" abrackert. Ali wird mal zum Versuchskaninchen für die Pharmaindustrie, dann lässt er sich für die Industriereinigung einstellen. Auch bei McDonalds und auf Bauernhöfen verdingt er sich. Er probiert so ziemlich alles aus, wofür die "Gastarbeiter" damals gerne genommen werden.

    Politisch löst "Ganz unten" einen der größten Wirtschaftsskandale in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland aus. Unternehmen werden zu Millionenstrafen verurteilt. Die Mehrheitsgesellschaft bekommt das erste mal Einblick in die Arbeits- und Lebenswelt von Arbeitsmigranten.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Günter Wallraff (Investigativjournalist und Autor von "Ganz unten")
    • Osman Okkan (Übersetzer und Mitarbeiter bei "Ganz unten")
    • Mely Kiyak (Journalistin und Schriftstellerin)
    • Günter Wallraff: Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. Köln 1988
    • "Mittwochs in…" vom 30.10.1985 (WDR Archiv)
    • Archivberichte der ARD aus den Jahren 1986 bis 1990

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 09. Oktober 1977: Günter Wallraff präsentiert "Der Aufmacher"
    • Planet Wissen: Geschichte der "Gastarbeiter" in der Bundesrepublik Deutschland
    • Stichtag: 15. November 2002 - Der Bundestag beschließt Sozialgesetze um Hartz IV

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    Autor und Autorin: Ulrich Biermann und Veronika Bock
    Redaktion: Sefa Inci Suvak

    15 min
  • General unter Verdacht: Die Affäre Kießling

    Verkehrt der Vier-Sterne-General Günter Kießling in Schwulenbars? Allein der falsche Verdacht reicht aus, um den Offizier (geb. am 20.10.1925) aus dem Amt zu drängen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:

    • dass Homosexualität in den 1970er und 80er Jahren schlimmer empfunden wird, als "Nazi sein",
    • wie es zu den Gerüchten um Günter Kießling kommt und wie sie sich aufklären,
    • warum am Ende fast alle beteiligten Personen beschädigt sind.
    • vom § 175, der Homosexualität unter Strafe stellt - und erst zehn Jahre nach der Kießling-Wörner-Affäre abgeschafft wird.

    Anfang 1984. In Bonn herrscht helle Aufregung im Verteidigungsministerium. Der höchste deutsche General und stellvertretende NATO-Oberbefehlshaber Europas, Günter Kießling, wird unehrenhaft entlassen - weil er homosexuell sein soll. Udo Röbel ist damals stellvertretender Chefredakteur der Kölner Boulevardzeitung "Express". Er wird in der Kießling-Affäre eine der zentralen Figuren und deckt einen ungeheuerlichen Politskandal auf.

    Günter Kießling wird am 20. Oktober 1925 in Frankfurt/Oder geboren. Schon früh entscheidet sich der Mann mit geradezu preußischem Pflichtbewusstsein für ein Leben in Uniform. Kießling macht Karriere - bis im Herbst 1983 die Gerüchte aufkommen. Später wird Kießling zwar öffentlich rehabilitiert und mit großem Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedet, doch von seinen Offizierskollegen wird er zeitlebens geschnitten.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Heiner Möllers, Historiker und Oberstleutnant der Bundeswehr
    • Udo Röbel, Autor und Journalist ("Express")
    • Heiner Möllers: Die Affäre Kießling. Der größte Skandal der Bundeswehr. Berlin 2019

    Weiterführende Links:
    • Stichtag 13. August 2004 - Vor 10 Jahren: Manfred Wörner stirbt
    • Stichtag 10. November 2010 - Vor 10 Jahren: Bundestag billigt das Lebenspartnerschaftsgesetz

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    Autor: Herwig Katzer
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Die Honoria-Affäre: Westroms größter Skandal

    Im Jahr 450 rätselt das Weströmische Reich: Hat Kaiserschwester Honoria dem gefürchteten Hunnenkönig Attila einen Heiratsantrag gemacht? Sicher ist: Köpfe werden rollen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Tobias Sauer:

    • wie eine der größten Skandalgeschichten der Spätantike ihren Anfang nimmt,
    • warum die schöne Kaiser-Schwester Honoria das Image des Herrscherhauses verbessern soll,
    • wie Valentinian sich mit der unverheirateten Schwester potenzielle Rivalen vom Hals halten will,
    • wie Honoria im Widerstand gegen ihren Bruder im Jahr 450 richtig aufdreht.

    Justa Grata Honoria, ältere Schwester des römischen Kaisers Valentinian III., glänzt nicht gerade durch ihren vorbildlichen Lebenswandel. Vielmehr wird sie bei einer heimlichen Affäre mit ihrem Vermögensverwalter Eugenios ertappt.

    Kaiser Valentinian gefällt das nicht: Eugenius wird getötet, Honoria wird die Macht entzogen, außerdem wird sie mit Herkulanus verlobt, einem Mann konsularischen Ranges und guter Gesinnung.

    Offenbar ruft Honoria in dieser Situation ausgerechnet die Hunnen unter Attila zu Hilfe. Später wird erzählt, sie habe Attila durch Übersenden eines Ringes ihre Hand angeboten. Allerdings führt das zu einem folgenschweren Missverständnis und einem Krieg zwischen Westrom und den Hunnen 451/52.

    Die Protagonisten überleben diese Geschichte nicht lange: Attila stirbt zu Beginn des Jahres 453 - während der Hochzeitsnacht mit einer anderen Frau. Valentinian wird 455 ermordet. Die Spuren der Prinzessin Honoria, die an ihren Käfigstäben rüttelt und darüber die römische Welt ins Wanken bringt, verlieren sich im Dunkel der Geschichte.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Anja Busch, Historikerin, Expertin für Frauen der theodosianischen Dynastie
    • Professor Dr. Mischa Meier, Althistoriker, Universität Tübingen
    • Ernst Doblhofer (Hrsg.): Byzantinische Diplomaten und östliche Barbaren. Aus den Excerpta de legationibus des Konstantinos Porphyrogennetos ausgewählte Abschnitte des Priskos und Menander Protektor. Graz u.a.: Styria. 1955
    • John Given (Hrsg.): The Fragmentary History of Priscus. Attila, the Huns and the Roman Empire AD 430-476. Merchantville NJ: Evolution Publishing. 2014

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 20. Juni 451: Schlacht auf den Katalaunischen Feldern

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    Autor: Tobias Sauer
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Widerstand im Ring: Sinto-Boxer Rukelie Trollmann

    Am 18.10.29 boxt der Sinto seinen ersten Profikampf. Kurz darauf ist er Deutscher Meister - für drei Tage. Er trotzt den Nazis mit Ironie. Und bezahlt mit seinem Leben.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Gianna Felicita Scholten:

    • warum Boxen im deutschen Kaiserreich verboten ist,
    • wie Rukelie Trollmann mit seinem Kampfstil das Publikum begeistert,
    • mit welch fadenscheinigen Entscheidungen die Nazis Trollmann den Titel aberkennen,
    • wie Trollmann mit blondierten Haaren gegen die Nazis einen Wirkungstreffer erzielt.

    Johann Rukelie Trollmann ist ein außergewöhnlicher, unkonventioneller Boxer von internationalem Rang. 1933 gewinnt er überlegen die deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht. Doch als Sinto darf er nicht Meister sein. Nazi-Funktionäre und Presse beenden seine Karriere. 1944 wird Trollmann im KZ Neuengamme ermordet - als offizielle Todesursache geben die Nazis aber Herzversagen an.

    Rukelie Trollmann wird 36 Jahre alt. Er hat fünf Geschwister, die alle ein anderes Grauen erleben - Zwangsarbeit, Folter, Deportation, Tod. Die, die nicht interniert werden, bleiben in ihrer Heimatstadt Hannover. Ihnen wird der Zutritt zu Luftschutzbunkern verwehrt, während die Bomben fallen.

    Nach 1945 werden viele Sinti und Roma nicht in ihre Wohnungen zurückgelassen, sondern auf sogenannte "Sammelplätze" neben Fabriken, Friedhöfen oder Klärwerken am Stadtrand gedrängt. Es beginnt das, was man später "zweite Verfolgung" nennt.

    Erst 70 Jahre nach dem Titelgewinn und 59 Jahre nach seinem Tod wird Johann Wilhelm "Rukelie" Trollmann sein Meistertitel von 1933 offiziell zuerkannt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Kelly Laubinger, Sinti Union Schleswig Holstein
    • Bericht der Unabhängigen Kommission Antiziganismus, Berlin 2021
    • Stefanie Bart: Deutscher Meister. Berlin 2014
    • Hans Firzlaff: Knock-out. Hannover 1997

    Weiterführende Links:
    • WDR wahr_so auf TikTok: Sportschau - Johanns Traum endet zu früh
    • ARD Mediathek: Der lange Weg der Sinti und Roma
    • Planet Wissen: Boxen
    • Zeitzeichen: 12.06.1930: Max Schmeling wird Box-Weltmeister

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    Autor: Gianna Felicita Scholten
    Redaktion: Carolin Rückl, David Rother
    Technik: Anne Bohnen, Sophie Weber

    15 min
  • John Reed: US-Kommunist mit Ehrengrab am Kreml

    Ausgerechnet ein US-Amerikaner schreibt als Augenzeuge "Zehn Tage, die die Welt erschütterten" über die Oktoberrevolution. In Moskau gefeiert, in den USA geächtet.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:

    • warum ein US-Bürger an der Kremlmauer in Moskau begraben liegt,
    • wie ein wohlhabender Harvard-Absolvent zum Revolutionär wird,
    • weshalb sein Buch Lenin begeistert - und die USA empört,
    • und wie ein Hollywoodfilm den Mythos um John Reed neu belebt.

    John Reed, geboren 1887 in Portland, Oregon, wächst in einer privilegierten Familie auf. Doch statt im Schutz seines Elternhauses zu bleiben, sucht er die Nähe zu Arbeitern, Armen und Entrechteten. Als Journalist berichtet er von Streiks, vom Krieg - und schließlich von der Russischen Revolution.

    1917 erlebt er in Petrograd, wie Lenin und die Bolschewiki die Macht übernehmen. Sein Bericht "Zehn Tage, die die Welt erschütterten" wird zum Klassiker der Zeitgeschichte. Lenin nennt es eine "wahrheitsgetreue und lebendige Darstellung" der Revolution. 1920 stirbt John Reed mit nur 33 Jahren an Typhus in Moskau - und findet seine letzte Ruhestätte dort, wo die Sowjetmacht geboren wurde: an der Kremlmauer auf dem Roten Platz.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Maurice Isserman, Dozent für Amerikanische Geschichte am Hamilton College, New York
    • Norman Markowitz, ehem. Dozent für Geschichte an der Rutgers University, New Jersey
    • John Reed: Zehn Tage, die die Welt erschütterten, Berlin, 1922.
    • John Reed: The War in Eastern Europe, New York, 1916.
    • Maurice Isserman: Reds- The Tragedy of American Communism, New York, 2024.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Kommunismus
    • 12.03.1917 - Beginn der Russischen Revolution
    • 22.04.1870 - Geburtstag von Lenin

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    Autor:in: Christoph Tiemann
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Als das Wasser versiegte: Die große Dürre von 1540

    Trockene Böden, Missernten, Flüsse als Rinnsale, Schäden an Bäumen und Waldbrände. Die Trockenjahre häufen sich. Noch werden sie übertroffen von der großen Dürre 1540.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Anne Preger:

    • wie das Jahr 1540 als "Jahrtausenddürre" in die Geschichte eingeht,
    • warum Wein billiger wird als Wasser - und die Menschen in Köln betrunken auf den Straßen liegen,
    • von einer "katholischen Verschwörung", über die sogar auf dem Reichstag beim Kaiser gestritten wird,
    • und weshalb Forscher die Dürre heute als extremes, aber einmaliges Ereignis sehen - im Gegensatz zu den sich häufenden Hitzesommern unserer Zeit.

    Es ist ein Jahr ohne Regen. Elf Monate lang bleibt der Himmel über Mitteleuropa blau und gnadenlos heiß - von Norddeutschland bis Italien, von Polen bis Frankreich. Flüsse trocknen aus, Mühlen stehen still, Vieh verdurstet. In Würzburg erinnert eine einzelne Flasche "Steinwein" an diese Katastrophe: süß, schwer, fast sirupartig - und bis heute ungetrunken.

    1540 versiegt jedoch nicht nur das Wasser, sondern auch die Energie: ohne Wasserkraft kein Mehl, kein Brot, kein Leben. Chronisten berichten von brennenden Wäldern, toten Tieren und Menschen, die sich in Keller flüchten. Historiker nennen es "das extremste Hitzejahr der letzten Jahrtausende". Und doch: Schon zwei Jahre später kommt der Frost zurück.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Christian Pfister, emeritierter Historiker an der Uni Bern.
    • Dr. Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ, Hydrologe und Dürreforscher.
    • The year-long unprecedented European heat and drought of 1540 – a worst case. Climatic Change 2014.
    • Erderwärmung verstärkt Dürren weltweit, Nature 2025.

    Weiterführende Links:
    • Datenbank mit historischen Quellen zur Rekonstruktion des Klimas vergangener Jahrhunderte, Uni Freiburg
    • Extrem! Zwischen Dürre und Sintflut
    • BR Story: Die große Dürre · Was tun, damit Deutschland nicht austrocknet?
    • Planet Wissen: Klimaforschung

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    Diese und viele weitere Folgen vom WDR Zeitzeichen findet ihr in der ARD-Audiothek und überall da, wo es Podcasts gibt.


    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Anne Preger
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Joseph Baader/Thomas Bleuel

    15 min

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