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WDR Zeitzeichen episodes

  • Kindheit im Krieg: verschickt und umerzogen

    Am 5.10.1940 beginnt die Erweiterte Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg. Sie bringt Kinder in Sicherheit - und in die NS-Wehrerziehung.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:

    • warum man während des Zweiten Weltkriegs von "erweiterter" Kinderlandverschickung spricht,
    • wo die Kinder untergebracht werden und wie ihr Tagesablauf aussieht,
    • wie Erwachsene heute auf ihre Zeit im KLV-Lager zurückblicken,
    • von Heimweh, zensierten Briefen und schlechten Nachrichten von zu Hause.

    Im Zweiten Weltkrieg werden rund zwei Millionen Kinder in Gastfamilien, Jugendherbergen oder Lagern weit weg von der Heimat untergebracht. Diese "Erweiterte Kinderlandverschickung", wie es offiziell heißt, soll in erster Linie dem Schutz der Kinder vor den Bomben dienen. Das eigentliche Ziel ist jedoch ein anderes: Der Nachwuchs soll - ungestört von Elternhaus oder Kirche - im Sinne des Nationalsozialismus umerzogen werden.

    Oberaufsicht über die Lager haben jeweils ein Lehrer und ein Mitglied der Hitlerjugend oder des Bundes Deutscher Mädel. Besuche oder eine Rückholung ist verboten. In der Regel bleiben die Kinder zwischen sechs und neun Monaten.

    Die Kinderlandverschickung ist kostenlos - und zumindest formal freiwillig. Allerdings wird auf die Eltern zunehmend moralischer Druck ausgeübt, sich "nicht am Tode" des eigenen Kindes schuldig zu machen. Trotzdem ist die Verschickung für die meisten Eltern keine Option. Sie bringen ihre Kinder lieber zu Verwandten aufs Land - um sie nicht nur vor den Bomben, sondern auch vor dem NS-Regime zu schützen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Martin Rüther, Historiker (ehemals NS-Dokumentationszentrum Köln)
    • Gerhard Kock: Der Führer sorgt für unsere Kinder. Die erweiterte Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg. Paderborn/München/Wien/Zürich 1997
    • Gerhard E. Sollbach: Flucht vor den Bomben. Kinderlandverschickung aus dem östlichen Ruhrgebiet im 2. Weltkrieg. Hagen 2002
    • Sigrid Bremer: Muckefuck und Kameradschaft - Mädchenzeit im Dritten Reich. Frankfurt am Main 1989
    • Eduard Füller: Kriegsheimat. Die Kinderlandverschickung aus dem nördlichen Westfalen im Zweiten Weltkrieg. Münster 2010

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg
    • Stichtag: 26. Oktober 1945 - Beginn der "Aktion Storch"
    • Jugend! Deutschland 1918 - 1945
    • Haus der Geschichte: Videos von Zeitzeugen

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Jana Magdanz
    Redaktion: Christoph Tiegel / Frank Zirpins

    15 min
  • Stalins James Bond: Der deutsch-sowjetische Spion Richard Sorge

    Einer der berühmtesten Spione aller Zeiten - zumindest der bekannteste, der erwischt wurde: Richard Sorge (geboren am 4.10.1895) lebte ein filmreifes und komprissloses Leben...



    In diesem Zeitzeichen erzählt Joscha Seehausen:

    • warum Richard Sorge als "James Bond der Sowjetunion" gilt,
    • und doch ganz anders handelt,
    • wie sein Charisma Männer und Frauen dazu bringt, ihm bereitwillig vertrauliche Informationen anvertrauten.
    • wie er als scheinbar linientreuer Nazi-Journalist in Tokio die deutsche Botschaft für die Sowjetunion ausspioniert,
    • und damit den Verlauf des Zweiten Wltkriegs beeinflusst.

    Richard Sorge wird 1895 in Baku geboren, wächst in Berlin auf und meldet sich als junger Mann freiwillig zum Ersten Weltkrieg. Drei Verwundungen später ist sein Patriotismus verflogen. Eine Krankenschwester macht ihn mit dem Kommunismus bekannt - dem er sein Leben widmet.

    Nach Jahren in Moskau schickt ihn die Rote Armee als Agent nach Japan. Dort erwirbt er das Vertrauen deutscher Diplomaten, tritt sogar in die NSDAP ein - und funkt heimlich nach Moskau. Seine entscheidende Botschaft: Japan plant keinen Angriff auf Sibirien. Stalin verlegt daraufhin Truppen nach Westen und stoppt Hitlers Armeen bei Stalingrad.

    1941 verhaftet, 1944 in Tokio hingerichtet, wird Sorge später in der Sowjetunion zum Helden stilisiert – ein realer Spion, dessen Leben spannender ist als jeder Agentenfilm.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Helmut Müller Enbergs, Honorarprofessor an der historischen Fakultät Vigsby, 2015 bis 2021 Leiter der Spionageabwehr beim Verfassungsschutz Berlin.
    • Florian Schimikowski, Historiker des Spionagemuseums Berlin
    • Andreas Neuenkirchen, Autor der Richard Sorge Biographie „Einsatz in Tokio“
    • Robert Whymant: Der Mann mit den drei Gesichtern, Berlin 1999.
    • Isabel Kreitz: Die Sache mit Sorge – Stalins Spion in Tokio, Hamburg 2008.
    • Julius Mader: Dr.-SORGE-REPORT. Ein Dokumentarbericht über Kundschafter des Friedens mit ausgewählten Artikeln von Richard Sorge, Berlin 1985.

    Weiterführende Links:
    • arte Doku: Stalins James Bond: Richard Sorge
    • Planet Wissen: Spione
    • WDR Zeitzeichen: Kim Philby - vom Cambridge-Studenten zum Sowjet-Spion
    • WDR Zeitzeichen: Fritz Kolbe, Spion

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Joscha Seehausen
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Erziehung im Sinne der NS-Ideologie: Johanna Haarer

    Die Ärztin Johanna Haarer (geb. am 3.10.1900) schreibt mit "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" einen NS-Erziehungsratgeber, der noch jahrzehntelang nachwirken kann.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Vormweg:

    • zu welchen harten Erziehungsmethoden Johanna Haarer rät,
    • wie sehr Kinder auch Jahre später noch unter den Folgen dieser Erziehung leiden,
    • von Haarers nationalsozialistischen Überzeugungen, die sie zeitlebens beibehält,
    • wie es für Haarer und ihr Buch nach Kriegsende weitergeht.

    Disziplin und emotionale Distanz: Das sind die Grundpfeiler, auf denen die Erziehungstipps von Johanna Haarer aufbauen. Zärtlichkeit und Nachgiebigkeit produziere "Haustyrannen", warnt die Autorin in ihrem Buch "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind". Fast 700.000 Mal wird ihr Ratgeber im so genannten Dritten Reich verkauft. Auch deshalb gilt Haarer bis heute als Inbegriff von NS-Pädagogik. Dabei sind ihre pädagogischen Leitlinien nicht neu. Schon lange vor dem Nationalsozialismus propagieren vor allem Ärzte eine autoritäre, bindungsarme Erziehung, später "schwarze Pädagogik" genannt.

    Geboren wird Haarer am 3. Oktober 1900. Sie ist enorm ehrgeizig und schafft als eine der ersten Frauen in Deutschland den Aufstieg zur Lungenfachärztin. Ihre fünf Kinder erzieht Haarer ebenso streng, wie sie es anderen Müttern rät. Nach Kriegsende sind ihre Bücher in der DDR verboten. In der Bundesrepublik dagegen kommt schon bald eine Neuauflage heraus, die ungebrochen erfolgreich bleibt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Miriam Gebhardt, Buchautorin (Uni Konstanz)
    • Margarete Bolten, Leitung Liaisonpsychiatrischer Dienst (Luzerner Psychiatrie AG, Kinderspital Zentralschweiz)
    • Miriam Gebhardt: Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert (2009)
    • Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, München/Berlin 1938

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 06.07.2000 - Gesetz zur gewaltfreien Erziehung wird verabschiedet
    • Zeitzeichen: 24.11.1943 - Der Schweizer Kinderarzt und Entwicklungsforscher Remo Largo wird geboren

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Christoph Vormweg
    Redaktion: Christoph Tiegel / Matti Hesse
    Technik: Petra Laubach

    15 min
  • Pax Romana: Wie lebte es sich zur Zeit des Römischen Friedens?

    Zeitzeichen-Sonderfolge zum Römischen Frieden: Was ist Klischee und wie lebte es sich wirklich in der Epoche, die 27 v. Chr. begann: als Bürger, als Sklave, als Gladiator - und warum kommen nur Männer in der Geschichtsschreibung vor?



    In diesem Zeitzeichen erzählt Fritz Schaefer:

    • warum der "Römische Frieden" kein völliges Schweigen der Waffen bedeutet,
    • wie Kaiser Augustus innere Ruhe und politische Stabilität für Generationen schafft,
    • was die Einverleibung ins Römische Reich für Provinzen wie Britannien bedeutete,
    • welche Einblicke Plinius der Jüngere in Alltag, Freizeit und Amtsgeschäfte seiner Zeit gibt,
    • und warum Gladiatorenkämpfe oft weniger blutig sind, als Filme und Mythen vermuten lassen.

    Aus einem kleinen Dorf am Tiber wächst Rom zum Weltreich - und mitten im Expansionsdrang hält plötzlich Frieden Einzug: die Pax Romana. Von 27 v. Chr. bis etwa 235 n. Chr. bleibt das Reich weitgehend von Bürgerkriegen verschont, auch wenn an den Außengrenzen Legionäre kämpfen. Kaiser wie Augustus inszenieren sich als pflichtbewusste und gerechte Herrscher, deren Bilder auf Münzen, Statuen und in Ritualen bis in die fernsten Provinzen strahlen.

    Hinter dem Glanz steckt vor allem ein kluges System: wenige Beamte, präzise Volkszählungen, gut informierte Kaiser und ein fein gesponnenes Netz aus Statthaltern. Handel und Straßenbau lassen die Wirtschaft florieren, lokale Bräuche und Traditionen dürfen weiterleben.

    Die Spuren dieser Epoche prägen uns bis heute - von Monatsnamen wie Juli und August über Rechtsgrundsätze bis zu alten Straßenverläufen. Die Pax Romana ist weit mehr als ein politisches Konzept: Sie wird zum Vorbild für Ordnung und Frieden. Der Römische Frieden zu Anfang unserer Zeitrechnung ist ein relativer Frieden: An den Außengrenzen ringen Legionäre immer wieder mit Germanen, Dakern oder Parthern.
    Entstanden ist diese Zeitzeichen-Sonderfolge in Zusammenarbeit mit dem Team des SWR-Kultur-Podcasts "Der Römische Traum".

    Das ist unser Hörtipp:
    • Podcast: SWR Kultur "Der Römische Traum"

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Dr. Thoralf Schröder, Archäologisches Institut, Universität zu Köln
    • Prof. Dr. Muriel Moser-Gerber, Historisches Institut, Goethe-Universität Frankfurt
    • Kay Ehling, Saskia Kerschbaum (Hrsg.): Die Kaiser Roms. Von Augustus bis Justinian, Freiburg 2025.
    • David Stone Potter (Hrsg.): A Companion to the Roman Empire, Malden (MA) / Oxford 2006.
    • Esaù Dozio (Hrsg.): Gladiator. Die wahre Geschichte, Basel 2019.
    • Paul Erdkamp (Hrsg.): A Companion to the Roman Army, Malden (MA) 2007.
    • Achim Lichtenberger, H.-Helge Nieswandt, Dieter Salzmann (Hrsg.): Eirene / Pax. Frieden in der Antike, Dresden 2018.

    Weiterführende Links:
    • WDR Zeitzeichen: Römisches Reich, größte Ausdehnung (im Jahr 116)
    • WDR Zeitzeichen: Reformer und Begründer des römischen Kaiserreichs: Augustus
    • Planet Wissen: Ausdehnung des römischen Reiches
    • Planet Wissen: Das antike Rom

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    Autor: Fritz Schaefer
    Redaktion: Matti Hesse

    20 min
  • Nat Turners blutige Rebellion: umstrittenes Fanal für Freiheit

    Nat Turner wird am 2.10.1800 in Virginia geboren. Als Anführer eines Sklavenaufstands geht er in die Geschichte ein - um seinen Heldenstatus wird bis heute gerungen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:

    • von einem Nat Turner, der gleichzeitig Mörder und amerikanischer Held ist,
    • von einem umstrittenen Zeitzeugendokument, in dem Turner seine Taten schildert,
    • vom amerikanischen Bürgerkrieg und dem Ende der Sklaverei in den USA,
    • warum die Trump-Politik für viele ein offener Angriff auf die schwarze Gesellschaft ist.

    Der am 2. Oktober 1800 geborene Nat Turner ist einer von Millionen versklavten Menschen in den US-amerikanischen Südstaaten des 19. Jahrhunderts. Unter unwürdigen Bedingungen werden sie ausgebeutet. Vergewaltigungen und Peitschenhiebe sind an der Tagesordnung. Turner, überzeugter Christ, entscheidet sich, Widerstand zu leisten.

    Was als Flüstern beginnt, wächst binnen Stunden zu einem Aufschrei: Bei der "Nat-Turner-Rebellion" sterben 55 Weiße, darunter wohl auch Kinder. Als Vergeltung werden mehr als 100 unschuldige Versklavte getötet. Turner selbst gelingt vorerst die Flucht - bis man ihn nach Wochen unweit der Farm in einem Erdloch aufspürt und verhaftet. Zwölf Tage später wird er gehängt.

    Auch wenn Nat Turner wegen Gewaltexzessen umstritten bleibt, wird er zum festen Bestandteil der schwarzen Erinnerungskultur, zum Symbol für Widerstand und Selbstbehauptung. Er lebt als Mythos in Büchern, in Songs und auf der Leinwand weiter - bis heute.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Tahir Della, Sprecher der "Initiative Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD)
    • Heike Paul, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin
    • William Styron: The Confessions of Nat Turner
    • Kyle Baker: Nat Turner. A Graphic Novel

    Weiterführende Links:
    • Deutschlandfunk: Als Nat Turner Sklaven zum Aufstand führte
    • Zeitzeichen: 20.08.1619 - Erste Sklaven in Nordamerika
    • Stichtag: 22.09.1862 - US-Präsident Lincoln proklamiert Sklavenbefreiung

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Jonas Colsman
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Aquavit als Hausmittel: Anna, die patente Kurfürstin

    Anna von Sachsen mag etwas kontrollierend gewesen sein. Doch bei ihrem Tod am 1.10.1585 hinterlässt sie einen wahren Wissensschatz darüber, wie man einen Haushalt führt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:

    • warum sich Anna von Sachsen so gut mit Haushaltsdingen auskennt,
    • wie viele Briefe sich Anna und ihr Mann August während ihrer Ehe schreiben,
    • welche exotischen Zutaten die von Anna selbst hergestellten Medikamente enthalten,
    • wie begehrt das von ihr produzierte Aqua Vitae bei ihren Zeitgenossen ist,
    • warum Anna Gynäkokratie, also Weiberherrschaft, vorgeworfen wird.

    Geboren wird sie am 22. November 1532 als Tochter des Herzogspaares Christian und Dorothea von Schleswig-Holstein, die nur wenige Jahre später den dänischen Königsthron besteigen. Das Königreich Dänemark umfasst damals Teile Schwedens, des heutigen Norwegen, Island, Grönland.

    Mit 15 wird Anna nach Sachsen verheiratet, aus politischen Gründen. Sie nimmt es ohne Proteste hin. Annas Bräutigam August erbt das Kurfürstentum und so wird aus Anna von Dänemark 1553 Anna von Sachsen. Die Ehe von Anna und August hält 37 Jahre. Die beiden mögen das Gärtnern und die Arbeit im Labor. August interessiert sich für die Alchemie, Anna mehr für die Heilkunst. Sie stellt unter anderem aus Kräutern Medikamente her.

    Doch Anna von Sachsen ist nicht die brave gute Hausfrau - sondern eine Fürstin, die für die Interessen ihrer Familie und ihres Landes kämpft. Sie ist erst Anfang 50 Jahre alt, als sie immer häufiger krank wird. Sie stirbt kurz von ihrem 53. Geburtstag.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Katrin Keller (Historikerin, Direktorin des Instituts für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes, Österreichische Akademie der Wissenschaften)
    • Katrin Keller: Kurfürstin Anna von Sachsen. Biografie. Regensburg 2010
    • Katrin Keller: Anna von Dänemark. In: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde. Dresden 2007
    • Dirk Syndram, Antje Scherner: In fürstlichem Glanz. Der Dresdner Hof um 1600. Ausstellungskatalog, Staatliche Kunstsammlungen. Dresden 2004

    Weiterführende Links:
    • MDR: Schloss Augustusburg: Wenn Renaissance auf Biker trifft
    • ARD: Das dänische Königshaus - beliebt, modern, glamourös

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Maren Gottschalk
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Gelungene Integration: Eine feste Siedlung für fahrende Menschen

    In Rekordzeit hatte die Stadt Köln die Siedlung hochgezogen: Am 30.9.1975 zogen 108 Sinti in die festen Häuser im Kölner Norden ein - ein großer Schritt für sie und ihre Nachbarn.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Michael Reinartz:

    • warum ausrangierte Reichsbahn-Waggons ein moralisches Problem und zugleich Notbehelf für Kölner Sinti und Roma sind,
    • wie Nachbarn anfangs Angst vor Lärm und Wertverlust haben - und warum sich das Zusammenleben dennoch schnell beruhigt,
    • was der Einzug in Steinhäuser für Bildung, Arbeit und Nachbarschaft bis heute bedeutet.

    Als Kind sieht man Feuer zwischen Waggons auf freiem Feld - für die Jüngsten ein "Spielplatz", für die Erwachsenen ein Leben ohne Duschen, mit gefrorenen Fenstern im Winter. Die Waggons stammen aus Beständen der alten Reichsbahn, die während der NS-Zeit Sinti und Roma deportiert hatten.

    Anfang der 70er ist klar: So kann es nicht bleiben. Daraufhin entsteht der Plan für eine eigene Siedlung für Sinti und Roma. Von Frühjahr bis Spätsommer 1975 im Ortskern gebaut und am 30. September bezugsfertig - mit Stellplätzen für Wohnwagen, aber ohne Tiere. Es ist die erste feste Siedlung für Sinti in Westeuropa.

    Es gibt Skepsis, Polizeieinsätze wegen nächtlicher Musik - und doch wächst Normalität: Schule, Handwerk, Fußballverein. Heute wohnen noch rund 50 meist Ältere dort; der Mietvertrag läuft bis Ende September 2049 - wie es danach weitergeht, ist offen.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Markus Reinhardt, Musiker
    • Agnes Esser, Mitglied im Roggendorfer Bürgerverein

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Sinti und Roma in Deutschland
    • Dok-Zentrum dt. Sinti und Roma eröffnet (am 16.03.1997)
    • Erste urkundliche Erwähnung der Rom-Völker in Deutschland (20.09.1407)

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Michael Reinartz
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Päpstin Johanna: Legende oder Skandal?

    Das Pontifikat von Benedikt III. am 29.9.855 entfacht den Mythos der Päpstin Johanna. Als Mann getarnt soll sie das höchste Amt der Kirche eingenommen haben.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:

    • wie Lücken im "Liber pontificalis" Spekulationen über eine geheimnisvolle Päpstin nähren,
    • warum der ehrgeizige Kardinal Anastasius selbst in die Geschichte verwickelt sein könnte,
    • welche mittelalterlichen Chronisten die Legende immer weiter ausschmücken,
    • und wieso Rom bis heute keinen Beleg für eine Frau auf dem Heiligen Stuhl hat.

    Die Rede ist von der Päpstin Johanna - einer Gestalt, die im 13. Jahrhundert erstmals in Chroniken auftaucht. Demnach soll sie aus Mainz stammen und im 9. Jahrhundert zwei Jahre, sieben Monate und vier Tage als "Papst" in Rom regieren.
    Die Legende erzählt von einer hochgebildeten Frau, die in Männerkleidern Karriere macht, sich das Vertrauen der Kurie erschleicht, bis an die Spitze der Kirche aufsteigt - und schließlich mitten in einer feierlichen Prozession ein Kind zur Welt bringt.

    Beweise fehlen jedoch: Zeitgenössische Urkunden bezeugen stattdessen den damals amtierenden Papst Benedikt III.. Die Lücken in den alten Papstbüchern liefern zwar Stoff für Spekulationen, doch die Forschung sieht darin keine verschleierte Wahrheit: eine Geschichte, die sich jeder endgültigen Aufklärung entzieht.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Klaus Herbers, Professor für Mittelalterliche Geschichte Universität Erlangen
    • Professorin Elisabeth Gössmann, Professorin für Theologie Universität Bamberg
    • Klaus Herbers und Max Kerners: Die Päpstin Johanna. Biographie einer Legende. Köln, Weimar, Wien, Böhlau 2010
    • Elisabeth Gössmann: Die Päpstin Johanna. Der Skandal eines weiblichen Papstes. München 1994
    • Elisabeth Gössmann: Mulier Papa. Der Skandal eines weiblichen Papstes. Mitschnitt eines Vortrags von Professorin Elisabeth Gössmann an der Karl-Rahner-Akademie 1995

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Religion - Päpste
    • Planet Wissen: Der Vatikan - Staat der Priester

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    Autor: Christian Kosfeld 
    Redaktion: Viviane Jelenc, Matti Hesse

    15 min
  • Der Grüne Punkt: Müll wird zum Milliardengeschäft

    Der "Grüne Punkt" verändert seit dem 28.9.1990, wie Deutschland mit Verpackungen umgeht, der Punkt wird zum Symbol für Recycling und Mülltrennung - und für das Geschäft mit Wertstoffen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann:

    • wie viel Verpackungsmüll pro Kopf jedes Jahr in Deutschland anfällt,
    • wie Anfang der 1990er-Jahre der "Grüne Punkt" funktioniert,
    • warum dem "Grünen Punkt" schon bald nach dem Start das Aus droht,
    • weshalb Kunststoffe die größte Herausforderung beim Recycling darstellen,
    • wie Algen künftig als alternatives Verpackungsmaterial eingesetzt werden könnten.

    Spätestens ab Ende der 1980er-Jahre wachsen den Deutschen mit wachsendem Konsumverhalten die Müllberge über den Kopf. Die politisch Verantwortlichen müssen handeln. Allen voran Klaus Töpfer, damals CDU-Umweltminister.

    Töpfer kündigt für 1991 eine strenge "Verpackungsverordnung" an. Die Industrie führt neben dem normalen Hausmüll ein zweites, paralleles Sammelsystem ein. Es ist der Beginn des sogenannten Dualen Systems, das der Öffentlichkeit durch ein einprägsames Symbol bekannt wird: den Grünen Punkt.

    Der "Grüne Punkt" funktioniert Anfang der 1990er-Jahre so: Hersteller zahlen für jedes verpackte Produkt, das sie in Umlauf bringen, eine Lizenzgebühr an die eigens gegründete Firma, die DSD - Duales System Deutschland GmbH mit Sitz in Köln. Mit diesen Einnahmen baut die DSD eine Infrastruktur zum Sammeln, Sortieren und Recyceln auf.

    Seitdem verbessert sich die Recyclingquote von Jahr zu Jahr. 2023 werden 90 Prozent der registrierten Verpackungen wiederverwertet. Die restlichen zehn Prozent landen fälschlicherweise in der "grauen" Tonne.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Christian Hündgen, Entsorgungsunternehmer aus Swisttal
    • Dr. Fritz Flanderka, ehem. Bevollmächtigter DSD
    • Dr. Bettina Sunderdiek, Sprecherin ZSVR Osnabrück
    • Philipp Wisse, Unternehmer Fa. Greenfoil Nature

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 21. August 1998 - Verpackungsverordnung wird modifiziert
    • wdr.de: Weltrecyclingtag: So wird Müll richtig getrennt

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    Autor: Kay Bandermann
    Redaktion: Carolin Rückl, David Rother
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min
  • Der Erfinder des Weihnachtsmanns: Thomas Nast

    Von der pfälzischen Provinz nach New York: Thomas Nast (geboren am 26. oder 27.9.1840) wird in den USA zum wichtigsten Zeichner des Landes - geliebt von Präsident Lincoln und bis heute bekannt als Zeichner des Santa Claus.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Friedrich:

    • mit welchem Bild Thomas Nast den patriotischen Nerv der kriegsmüden Union im amerikanischen Bürgerkrieg trifft,
    • wie Thomas Nast in der Festungsstadt Landau aufwächst,
    • womit Thomas Nast dazu beiträgt, dass der korrupte Politiker William Tweed für zwölf Jahre ins Gefängnis muss,
    • wie US-Präsident Theodore Roosevelt Junior Gutes tun will und Nast letztlich einen schlechten Gefallen erweist.

    Thomas Nast: Ein Deutscher, der als Kind in die USA emigriert und in New York als politischer Zeichner eine beispiellose Karriere hinlegt. Hierzulande sorgt sein Name heute eher für Schulterzucken. Nie gehört. Santa Claus hingegen! Wer kennt ihn nicht, den Typen mit den dicken Wangen, dem Rauschebart, der Zipfelmütze?

    Als Chefzeichner von Harper‘s Weekly macht sich Thomas Nast schnell einen Namen. 25 Jahre kommentiert er mit seinen Karikaturen die amerikanische Politik. Als im April 1861 der Bürgerkrieg beginnt, steht Nast klar auf der Seite von Präsident Abraham Lincoln. Für seine Schlachten, die Thomas Nast an der Medienfront schlägt, adelt ihn Präsident Abraham Lincoln.

    1886 verlässt Thomas Nast Harper’s weekly. Er gründet eine eigene Wochenzeitung, die aber bald eingestellt wird. Er kauft Eisenbahnaktien und verspekuliert sich. Er erwirbt eine Silbermine, die kein Silber trägt. Am Ende ist das Vermögen verloren. Thomas Nast stirbt am 7. Dezember 1902 im Alter von 62 Jahren.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Gudrun Stübninger-Kohls, Vorsitzende des Thomas Nast-Vereins in Landau
    • Til Mette, Cartoonist
    • Clement C. Moore/ Thomas Nast (1823): Der Besuch von St. Nikolaus – The night before Christmas (mit allen Originalillustrationen/ Deutsch-Englisch/ Ü: Walter Sauer) Neckarsteinach 2017
    • Heinz-Helmut Lüger/ Edelgard Schneider-Jahn/ Werner Abriß (Hg.): Thomas Nast. Karikaturist zwischen Kunst und Kritik. Landauer Schriften zur Kommunikations- und Kulturwissenschaft (Band 27). Verlag Empirische Pädagogik. 2/ 2023
    • Thomas-Nast-Verein Landau (Hg.): Ein Landauer in Amerika – Thomas Nast. Karikaturist, Journalist und Künstler. 53 Cartoons von Thomas Nast. Landau 2018

    Weiterführende Links:
    • Thomas Nast-Verein Landau
    • Planet Wissen: Amerikanischer Bürgerkrieg 1861-1865
    • Zeitzeichen: 12.02.1809: Geburtstag des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln

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    Autorin: Claudia Friedrich
    Redaktion: David Rother
    Technik: Claudia Friedrich

    15 min

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Geschichten aus der Geschichte by Richard Hemmer und Daniel Meßner

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Talk ohne Gast

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Adoptivbrüder – mit Hannes & Jeremy by DASDING, Hannes & Jeremy

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