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  • Der Schock von München: Bombenanschlag auf das Oktoberfest

    Ein Volksfest, eine Explosion, eine Katastrophe. Am 26.9.1980 erlebt die Bundesrepublik ihr bis heute schwerstes Attentat. 13 Menschen sterben. Über 200 werden verletzt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • Warum die Geschichte des Oktoberfest-Anschlags auch eine Geschichte der Vertuschung und Verharmlosung ist,
    • wie Franz Josef Strauß den Anschlag im Bundestagswahlkampf nutzt,
    • warum ein Anwalt und ein Journalist Zweifel an der Theorie vom frustrierten Einzeltäter haben,
    • aus welchen politischen Gründen die Ermittlungen nach zwei Jahren zunächst eingestellt werden,
    • welche Rolle eine abgetrennte Hand bei weiteren Ermittlungen spielt.

    Am Abend des 26. September 1980 gibt es um 22.21 Uhr am Haupttor des Münchner Oktoberfestes eine gewaltige Detonation. 13 Menschen sterben sofort, über 200 werden verletzt.

    Die Ermittler der Sonderkommission "Theresienwiese" legen sich schnell darauf fest, dass ein frustrierter Einzeltäter die Bombe gelegt hat. Bereits ein halbes Jahr nach dem Anschlag gibt es einen Abschlussbericht.

    Der Journalist Ulrich Chaussy und der Anwalt Werner Dietrich zweifeln an der Erklärung, wollen Hintergründe und Hintermänner aufdecken. Sie finden immer mehr Hinweise darauf, dass die Theorie des frustrierten Einzeltäters nicht stimmen kann.

    2014 werden die Ermittlungen wiederaufgenommen. Doch trotz aller Gründlichkeit wissen die Ermittler nur in einem Punkt schließlich wirklich mehr. Der Täter handelt aus einer Nationalsozialistisch-faschistischen Gesinnung heraus. Er will mit dem Anschlag den Bundestagswahlkampf beeinflussen. Aber wer Gundolf Köhler motiviert oder unterstützt hat, wird wohl nie geklärt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Ulrich Chaussy, Journalist und Autor
    • Werner Dietrich, Opferanwalt
    • Ulrich Chaussy: Das Oktoberfest-Attentat und der Doppelmord von Erlangen. Wie Rechtsterrorismus und Antisemitismus seit 1980 verdrängt wird. München, 2025

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 23.12.1918 - Geburtstag von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt
    • Zeitzeichen: 03.10.1988 - Todestag von Franz Josef Strauß
    • Planet Wissen: Bayerische Traditionen - Münchner Oktoberfest

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Christoph Tiegel, Matti Hesse
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Widerstand als Lebensweg: Lisa Fittko

    Am 25.9.1940 beginnt die Exilaktivistin Lisa Fittko in Südfrankreich, NS-Verfolgte über die Pyrenäen nach Spanien zu führen. Unter ihnen der Philosoph Walter Benjamin.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:

    • wie eine handgezeichnete Skizze ihr den rettenden Weg über die Pyrenäen weist,
    • warum das Risiko des Aufbruchs für Walter Benjamin größer ist als das Bleiben,
    • wie Marseille 1940 zur überfüllten Falle für Hunderttausende Flüchtlinge wird,
    • und wie Lisa Fittko noch im hohen Alter für die Rechte anderer eintritt.

    Geboren 1909 als Elisabeth Ekstein in der heutigen Ukraine, wächst Lisa Fittko in einem politisch wachen Elternhaus auf. Früh kämpft sie als Kommunistin gegen den Faschismus, verteilt Flugblätter und lebt im Untergrund. Mit ihrem Mann Hans Fittko flieht sie 1933 nach Prag, später nach Paris.

    Nach Internierung im Lager Gurs entkommt sie und schließt sich in Marseille dem amerikanischen Fluchthelfer Varian Fry an. Von einem Bürgermeister erfährt sie von einem verborgenen Schmugglerpfad über die Pyrenäen. Mehrfach führt sie Flüchtlinge auf dieser gefährlichen Route in die Freiheit – unter ihnen der Philosoph Walter Benjamin.

    Lisa Fittko überlebt Exil und Verfolgung, stirbt 2005 mit 95 Jahren in Chicago. Bescheiden bis zuletzt bleibt sie eine Ikone des antifaschistischen Widerstands und der Zivilcourage.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Lisa Fittko: Mein Weg über die Pyrenäen. Erinnerungen 1940/41. München 2024
    • Dr. Eva Weissweiler: Biografie einer Fluchthelferin. Hamburg 2024
    • Dr. Uwe Wittstock: Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur. München 2024
    • Tania Schlie: Die Wagemutige. Hamburg 2022

    Und das sind unsere InterviewpartnerInnen:
    • Dr. Eva Weissweiler, Autorin und Journalistin
    • Uwe Wittstock, Autor
    • Tania Schlie, Autorin

    Weiterführende Links:
    • Walter Benjamin, Philosoph (Todestag 27.9.1940)
    • Sophie Scholl, Studentin, Widerstand (Geburtstag, 09.05.1921)
    • Zweimal im Widerstand: Das Leben der Anne Beaumanoir
    • Planet Wissen: Nationalsozialismus
    • Hörtipp: "Wie wir Menschen wurden" im ARD-Historypodcast "Alles Geschichte"

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    Autorin: Melahat Simsek
    Redaktion: Frank Zirpins, Christoph Tiegel
    Technik: Jens Buchheister

    16 min
  • Gott ändert seine Meinung: Die Mormonen und die Vielehe

    Ein Mormone darf ursprünglich mit mehreren Frauen verheiratet sein. Ein Problem für die Zugehörigkeit zu den USA. Mormonen-Präsident Woodruff reagiert pragmatisch und schafft die Mehrehe am 24.9.1890 ab.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Almut Finck:

    • Dass die Mormonen durchaus kreativ mit göttlichen Offenbarungen umgehen,
    • dass auch Mormonenfrauen gegen die Abschaffung der Vielehe protestieren,
    • wie die Vielehe Bildung und Ausbildung der Frauen unterstützt,
    • wie Religion Orientierung in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen bietet.

    Zwischen etwa 1830 und 1890 praktizierten etliche männliche Angehörige, vor allem Führungspersönlichkeiten der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", die so genannte Vielehe. Religionsgründer Joseph Smith soll mit etwa 40 Frauen zusammengewesen sein, angeblich auf göttliche Weisung hin.

    Insgesamt aber ist die Polygynie unter Mormonen sehr viel weniger verbreitet als oft angenommen. Nur etwa 3 bis 5 Prozent aller Mormonen haben mehrere Frauen. Offiziell verboten, führt die Polygamie dazu, dass Mormonen in den USA vor 1890 Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt sind.

    Am 24. September 1890 schließlich verbietet der vierte Mormonen-Präsident Wilford Woodruff seinen Glaubensbrüdern, wiederum auf angeblich göttliche Weisung hin, mehr als einen ehelichen Bund zu besiegeln, wie die Mormonen die Heirat nennen. Die Folge: Utah, mehrheitlich von Mormonen besiedelt, kann im Jahre 1896 der 45. Bundesstaat der USA werden.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Eric T. Hansen, US-Buchautor und Satiriker aus Berlin, wuchs in einer Mormonenfamilie auf und ist inzwischen aus der Kirche ausgetreten.
    • Michael Hochgeschwender, Historiker, Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, LMU
    • Laurel Thatcher Ulrich, feministische Historikerin (emer.), Harvard University, Mormonin
    • Eric Hansen: Losing my Religion: Die Mormonen und ich. Berlin 2017
    • Michael Hochgeschwender: Amerikanische Religion: Evangelikalismus, Pfingstlertum und Fundamentalismus. Frankfurt/M 2018.
    • Laurel Thatcher Ulrich: A House full of Females: Plural Marriage and Women’s Rights in Early Mormonism, 1835-1870. New York 2017.

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 23.12.1805 - Geburtstag des Propheten Joseph Smith
    • 3SAT Kultur: Glaube und Geld - Die Mission der Mormonen

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    Autorin: Almut Finck
    Redaktion: Sefa Inci Suvak, Frank Zirpins

    15 min
  • Dreadlocks für den Frieden: Bob Marleys letztes Konzert

    Mit seiner US-Tour will Bob Marley als Solokünstler durchstarten. Doch als er am 23.9.1980 in Pittsburgh auf die Bühne tritt, hat er den Kampf gegen den Krebs schon verloren.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Amy Zayed:

    • Warum Marley und seine Band jeden Auftritt mit dem "Rastaman Chant" beginnen,
    • wie eine Weltkarriere mit Bambus, Blechdosen und Kabeldraht ihren Anfang nimmt,
    • worum es in "No woman, no cry" tatsächlich geht,
    • wie es Bob Marley mit seiner Musik sogar gelingt, politische Widersacher auf der Bühne zusammenzubringen.

    Bob Marley bringt von der kleinen Karibikinsel Jamaika eine im Westen vollkommen unbekannte Musik in den weltweiten Popmainstream. Zusammen mit seinen Freunden Bunny Wailer und Peter Tosh gründet Marley eine Band, die noch einige Male ihren Namen ändert, bevor sie sich auf "The Wailers" einigt.

    1980 spielt Bob Marley in Europa die größte Tour des Jahres, auch in den USA soll ihm danach endgültig der Durchbruch als Solo-Künstler gelingen. Zwei Mal tritt er alleine auf, zwei Mal im Vorprogramm der Commodores im New Yorker Madison Square Garden. Am 23. September 1980 spielt er sein letztes Konzert in Pittsburgh, muss aber danach die Tour abbrechen, weil er zu schwer an Krebs erkrankt ist.

    Für einige Zeit geht er in ein alternatives Krankenhaus in Bayern, und versucht noch etwas Lebenszeit rauszuholen, doch dann beschließt er, zum Sterben nach Jamaika zurückzufliegen. Auf dem Rückflug wird er aber so krank, dass die Maschine in Miami zwischenlanden muss. Dort stirbt Bob Marley am 11. Mai 1981.
    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • David Rodigan, Reggae-DJ in Großbritannien und Jamaika
    • Bunny Wailer, Stiefbruder und ehemaliger Bandkollege von Bob Marley
    • Archivmaterial von Bob Marley und seiner Mutter Cedella Marley.
    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 11. September 1987 - Peter Tosh in Kingston ermordet
    • Planet Wissen: Kolonialismus – Europas Kolonien
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    Autorin: Amy Zayed
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Joseph Bader

    15 min
  • Aufstand der Geburtshelferinnen: Erster Hebammentag 1890

    Am 22.9.1890 beginnt mit dem ersten preußischen Hebammentag der Kampf der Hebammen um Anerkennung - gegen viele Widerstände. Er dauert an. Bis heute.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Carolin Courts:

    • aus welchem tragischen Grund die Berliner Hebammen 1885 einen Verein gründen,
    • welche Frau den ersten preußischen Hebammentag initiiert,
    • warum die Hygiene in der Geburtshilfe ein Thema auf dem Hebammentag ist,
    • wie prekär die Lage der Hebammen heute noch ist,
    • welche symbolische Anerkennung das Hebammen-Wesen 2023 erhält.

    1850 wird in Preußen die Geburtshilfe als Pflichtfach in der ärztlichen Ausbildung eingeführt. Damit ist ein Mittel gefunden, um das Jahrtausende alte Monopol der Frauen in der Geburtshilfe zu brechen. Die Honorare der Hebammen werden zusammengestrichen, das "innerliche und äußerliche Curieren" wird ihnen verboten.

    1878 wird die "Instruction für die Hebammen im Königreiche Preußen" erlassen, die den Geburtshelferinnen unter anderem Sittsamkeit und einen nüchternen Lebenswandel vorschreibt. Etwas Vergleichbares gibt es für Ärzte nicht. Von Hebammen wird außerdem fast uneingeschränkte Verfügbarkeit erwartet. Verlassen sie ihren Wohnort länger als 24 Stunden, müssen sie die örtlichen Ärzte darüber informieren.

    Die fehlende Wertschätzung führt dazu, dass sich die Hebammen zusammenschließen. Sie verhandeln seither ihre Belange gemeinsam. Sie treten auch ein für den Schutz und die Würde der Mütter und der Kinder.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartnerinnen:
    • Michelle Rump (Erste Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen in Nordrhein-Westfalen)
    • Mirjam Peters (Professorin für Hebammen-Wissenschaft an der Hochschule in Bochum)
    • Tina Lüpertz (Hebamme in Köln)

    Weiterführende Links:
    • WDR: Wie finde ich eine Hebamme in der Nähe?
    • NDR: Jeden Tag Geburtstag! - Hebammenstress im Krankenhaus
    • BR: Die Hebamme: Unverzichtbar bei Schwangerschaft und Geburt

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    Autorin: Carolin Courts
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Er verstand das Sehen: Alhazen, der vergessene Wissenschaftler

    Er erklärt als Erster, wie Sehen wirklich funktioniert - mit Experimenten, Logik und Licht: der arabische Gelehrte Alhazen. Und gerät dennoch fast in Vergessenheit.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:

    • warum Alhazen dem Kalifen von Kairo angeblich eine Geisteskrankheit vortäuscht,
    • welch unglücklicher Umstand der Legende zufolge Alhazen anregt, über das Licht zu forschen,
    • welche Erkenntnisse Alhazen aus Experimenten mit einer Camera Obscura gewinnt,
    • wie Alhazen mit seinen Forschungen die Grundsteine bis heute angewandter Experimentalphysik legt.

    Alhazen wird um das Jahr 965 in Basra, im heutigen Irak, geboren. Anscheinend ist er aber vor allem in Kairo tätig, das im Mittelalter ein wichtiger Ort für die Wissenschaften ist.

    Weil Alhazen sich mit seinem Vorhaben, einen Nil-Staudamm zu bauen, übernimmt, kommt es zum Zerwürfnis mit dem Kalifen. So jedenfalls behauptet es eine Legende. Alhazen kommt demnach in Hausarrest. Alhazen verwandelt sein Gefängnis in ein Forschungslabor und widmet sich fortan ungestört seinen bahnbrechenden Experimenten, vor allem auf dem Gebiet des Sehens.

    Akribisch dokumentiert Alhazen in seinem Werk "Buch der Optik", wie er schrittweise die Geheimnisse des Lichts und des menschlichen Auges erschließt. Er hat bereits erste Ideen zu einer Brille, die aber erst 300 Jahre später in Europa vom Mönch Roger Bacon erfunden wird. Alhazen selbst konstruiert die erste Camera Obscura, den Urahn des Fotoapparats, sowie "gläserne Lesesteine" - was einige bis heute behaupten lässt, er habe die Lupe oder sogar die Brille erfunden. Das stimmt so nicht, aber eventuell hat er andere durch sein Werk zu diesen Erfindungen angestiftet.


    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Peter Adamson, Professor für spätantike und arabische Philosophie in München und am Kings-College in London.
    • David C. Lindberg: Auge und Licht im Mittelalter. Die Entwicklung der Optik von Alkindi bis Kepler. Frankfurt / Main 1987
    • Hans Belting: Florenz und Bagdad. Eine westöstliche Geschichte des Blicks. München 2008.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Forschung - Was ist Licht?
    • Planet Wissen: Leben im alten Ägypten
    • Planet Wissen: Der Nil

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    Autor: Marko Rösseler
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min
  • Die Rainbow-Warrior-Affäre: mit Sprengstoff gegen Atomprotest

    Ein Schiff versenkt, ein Aktivist tot, ein Minister stürzt. Am 20.9.1985 wird klar: Frankreichs Geheimdienst steckt hinter dem Anschlag auf das Greenpeace-Schiff.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • wie die USA in den 1950er Jahren mit Atomwaffentests das Atoll Rongelap verseuchen,
    • über die Evakuierung der Bevölkerung durch Greenpeace,
    • wie die Besatzung die Explosionen auf der "Rainbow Warrior" im Hafen erlebt hat,
    • dass Mitglieder eines Segelclubs die entscheidenden Hinweise zur Aufklärung des Anschlags gegeben haben,
    • warum der Anschlag Greenpeace am Ende sogar stärkte.

    Es ist das französische Watergate: Am 10. Juli 1985 sinkt die Rainbow Warrior im Hafen von Auckland. Das Greenpeace-Schiff wollte von dort aus gegen französische Atomtests im Pazifik protestieren. Beim Untergang der "Rainbow Warrior" stirbt der Fotograf Fernando Pereira.

    Neuseeland startet eine groß angelegte Polizeiaktion, um die Hintergründe zu klären. Bald wird klar: Es handelt sich um einen gezielten Anschlag, dessen Spuren direkt zum französischen Geheimdienst führen. Die Weltöffentlichkeit ist fassungslos, die Verantwortlichen in Paris streiten lange ab, davon gewusst zu haben.

    Doch die Beweise sind erdrückend: Am 20. September 1985 treten Verteidigungsminister Charles Hernu und Geheimdienstchef Pierre Lacoste treten zurück. Und zwei Tage später gibt Frankreich auch offiziell zu, dass sein Geheimdienst das Greenpeace-Schiff auf Befehl versenkt hat. Bis heute ist unklar, ob Präsident François Mitterand von den Anschlagsplänen wusste.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Andreas "Andy" Biedermann, im Juli 1985 Schiffsarzt auf der Rainbow Warrior
    • Benedikt "Benne" Hoffmann, im Juli 1985 Zweiter Offizier auf der Rainbow Warrior
    • The Sunday Times Insight Team: Rainbow Warrior. The French attempt to sink Greenpeace. Hutchinson 1986.

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 23. März 2001 – Todestag von David McTaggart, Gründer von Greenpeace
    • Stichtag: 13. Oktober 1980 – Erste Greenpeace-Aktion in Deutschland
    • Greenpeace: You can't sink a Rainbow – Das Attentat auf die Rainbow Warrior
    • New Zealand Police: Rainbow Warrior, 40 years on

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    Autorin: Daniela Wakonigg
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa İnci Suvak
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Protest gegen Leerstände: in Frankfurt startet der "Häuserkampf"

    Am 19.9.1970 verschafft sich eine Gruppe junger Menschen Zutritt zu einem leerstehenden Gebäude in der Frankfurter City: die erste Hausbesetzung in Westdeutschland.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Anja Arp:

    • wie Zeitungen gegen Schlagstöcke schützen können,
    • über Hausbesetzungen in der DDR,
    • dass Angela Merkel zeitweise "schwarz" gewohnt hat,
    • warum es trotz Wohnungsmangel heute kaum noch Hausbesetzungen gibt.

    Sie kommen mit Eimern, Putzlappen, Werkzeug und Farbe: Die Besetzer der Altbauvilla in der Eppsteiner Straße 47 im Frankfurter Westend reparieren Heizungen, Toiletten, Parkett und streichen die Wände in den verlassenen Wohnungen.

    Damit durchkreuzen sie die Strategie der sogenannten "Entmietungen" im Westend – eine Praxis, bei der Mieter so lange schikaniert werden, bis sie ausziehen. Die leer stehenden Wohnungen werden zu Spekulationsobjekten, bereit zum Abriss und Verkauf an den Meistbietenden, damit darauf moderne Türme entstehen können.

    Die Besetzer finden breite Unterstützung in der Bevölkerung – und Nachahmer in Berlin, Hamburg und Köln. Der Häuserkampf wird zunehmend politischer und eskaliert: Demonstranten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei, die besetzten Gebäude werden gewaltsam geräumt.

    In Frankfurt hat sich der Kampf gelohnt. Das erste besetzte Haus in der Eppsteiner Straße bleibt stehen, auch das Westend bleibt – zumindest teilweise – ein Wohngebiet.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviepartner:
    • Alexander Sedlmaier, Historiker, Bangor University
    • Til Schulz, Besetzer und Zeitzeuge
    • Rene Rösler, Besetzer und Zeitzeuge

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 19. September 1970 – Erste Hausbesetzung in Deutschland
    • Stichtag: 19. November 1987 – Einigung im Konflikt um die Hafenstraße
    • Zeitzeichen: 1. November 1989 - Die Besetzung des Autonomen Zentrums "Rote Flora" in Hamburg

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    Autorin: Anja Arp
    Redaktion: Christoph Tiegel / David Rother

    15 min
  • Millionärstochter mit Maschinenpistole: Patty Hearst

    Die USA rätseln: Ist Patricia Hearst Opfer einer Gehirnwäsche oder eine knallharte Terroristin? Als die Erbin eines Medienimperiums am 18.9.1975 befreit wird, wird sie direkt festgeommen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • wie die Kunststudentin Patty Hearst im Februar 1974 brutal entführt wird,
    • warum die Kidnapper Lebensmittel statt Geld fordern,
    • wer sich hinter der Terroreinheit SLA verbirgt,
    • ob Patty Hearst unter dem umstrittenen "Stockholm Syndrom" gelitten hat.

    Patricia "Patty" Campbell Hearst, geboren 1954 in San Francisco, ist die Enkeltochter des mächtigen Medienmoguls William Randolph Hearst. Die Familie ist sehr reich, sehr katholisch-konservativ und mit den Spitzen der US-Politik eng verbunden. Damit ist Patty Hearst das ideale Entführungsopfer, das maximale mediale Aufmerksamkeit verspricht.

    Am 4. Februar 1974 überwältigen zwei Männer und eine Frau der Terrorgruppierung SLA Patty Hearst in ihrem Studentenappartement: "Du bist verhaftet für die Verbrechen, die deine Familie dem Volk zugeführt hat!", rufen die Linksextremisten der Kunststudentin entgegen.

    Wochenlang bleibt Patty Hearst in einem dunklen Schrank eingesperrt. Dann lässt sie verlauten, dass sie fortan als Tanya mit ihren Entführern für die Freiheit aller unterdrückten Völker kämpfen werde. Überwachungskameras zeigen sie bald bei einem Banküberfall, eine Maschinenpistole im Anschlag.

    Gut 19 Monate nach ihrer Entführung, am 18. September 1975, wird Patty Hearst befreit - und festgenommen. Ob sie nur Opfer oder auch Täterin ist, darüber wird jahrelang gestritten.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Patricia Campbell Hearst, Alvin Moscow: Every Secret Thing. Doubleday, New York 1981.
    • Jeffrey Toobin: American Heiress: The Wild Saga of the Kidnapping, Crimes and Trial of Patty Hearst. New York 2016.

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 23. April 1863 – Geburtstag des US-Verlegers William Randolph Hearst
    • Zeitzeichen: 2. Dezember 1915 – Geburtstag von Randolph Hearst
    • Stichtag: 4. Februar 1974 – Entführung der Verlger-Tochter Patty Hearst
    • FBI: Patty Hearst Kidnapping

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    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Solidarnosc: Aufstieg und Fall einer Bewegung

    Es ist eine Massenbewegung: Gewaltfrei will "Solidarität" für mehr Freiheiten für die Menschen in Polen kämpfen – ihre Gründung am 17.9.1980 besiegelt das Ende des Kommunismus.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Heiner Wember:

    • dass Versorgungsengpässe die eigentliche Ursache der Streiks sind,
    • warum Karol Wojtyla für Polens Befreiungs-Geschichte zum Glücksfall wird,
    • die Geschichte hinter dem Riesen-Kugelschreiber beim Danziger Abkommen,
    • warum Solidarnosc 1982 verboten und sieben Jahre später doch wieder zugelassen wird,
    • wie die Gewerkschaft dem eigenen Erfolg zum Opfer fällt.

    Polen, 14. August 1980: Die Arbeiter der Danziger Lenin-Werft legen ihre Arbeit nieder. Sie protestieren gegen die Entlassung von Anna Walentynowicz, einer aufmüpfigen Kranführerin, und fordern Lohnerhöhungen. In den folgenden Tagen bildet sich ein Streikkomitee, an dessen Spitze der vier Jahre zuvor entlassene Elektriker Lech Walesa steht.

    Als dieser Ende August das Danziger Abkommen unterzeichnet, ist das die Geburtsstunde der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc ("Solidarität"). Erstmals wird im Ostblock eine unabhängige Gewerkschaft anerkannt. Am 17. September 1980 gründet sich die Solidarnosc offiziell.

    Es folgen 500 Tage der Freiheit in Polen. Mit vielen Streiks: für die Freilassung politischer Gefangener, gegen Preiserhöhungen, für die Abschaffung der Samstagsarbeit. Die Gründung der Gewerkschaft gilt als ein Meilenstein beim Untergang des Sowjetimperiums. Bis zu zehn Millionen Mitglieder gehören in Hochphasen der Solidarnosc an.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Agnieszka Zaganczyk-Neufeld, Historikerin (Ruhr-Universität Bochum)
    • Agnieszka Zaganczyk-Neufeld: Die geglückte Revolution. Das Politische und der Umbruch in Polen 1976-1997. Paderborn 2014

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 19. Oktober 1984 - Priester Jerzy Popiełuszko wird entführt
    • Zeitzeichen: 2. Juni 1979 - Johannes Paul II. besucht Polen

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    Autor: Heiner Wember
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