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  • Als der Terror Flügel bekam: Der Skyjack-Sunday

    Am 6.9.1970 bringen Kommandos der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) vier Passagierflugzeuge in ihre Gewalt. Ihr Ziel: Mitstreiter freipressen und Aufmerksamkeit für ihren Kampf.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • wie der aufkommende Massentourismus und das Fernsehen Flugzeugentführungen für Terroristen interessant machen,
    • dass am 9. September ein fünftes Flugzeug entführt wird,
    • warum die PLO gegen die Entführungen ist,
    • worüber sich die Unterhändler innerhalb der westlichen Verhandlungsgruppe streiten.

    Der "Skyjack Sunday" markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Serie von Flugzeugentführungen durch palästinensische Terroristen. An diesem Sonntag sitzen in vier Maschinen Terroristen der PFLP. Eine Entführung scheitert schnell, da mitfliegende Sicherheitsbeamte einen der Terroristen erschießen können. Seine aus früheren Aktionen bekannte Komplizin Leila Chaled wird überwältigt.

    Um die Geiseln in den anderen Maschinen beginnt ein diplomatisches Tauziehen. Die westlichen Regierungen stecken in der Zwickmühle: Sollen sie hart bleiben oder den Forderungen der Palästinenser nachgeben und sich dauerhaft erpressbar machen? Die PFLP beharrt wiederum auf der Freilassung ihrer inhaftierten Komplizen. Es dauert drei Wochen, bis die letzten Geiseln freikommen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Annette Vowinckel, Professorin für Mediengeschichte am Leibnitz-Zentrum für zeithistorische Forschung in Potsdam
    • Thomas Skelton-Robbinson, Historiker, Zürich
    • Annette Vowinckel: Flugzeugentführungen. Eine Kulturgeschichte. Göttingen 2011
    • Thomas Skelton-Robinson: The Road not taken. Crisis management, dialogues and deal-making with Palestinian Fedayeen Groups in the context of the Jordanian Triple-Hijacking incident of September 1970. In: Hänni/Riegler/Gasztold (Hg.):Terrorism in the Cold War. State Support in the West, Middle East and Latin America. IB Tauris, London 2020

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 13. Oktober 1977 – Die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut"
    • Annette Vowinckel: Die kulturelle Überformung des Phänomens Flugzeugentführung (bpb)

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Kinderrepublik statt Knast: Homer Lanes Pädagogik des Vertrauens

    Der Pädagoge gründet Kinderrepubliken, in denen straffällige Jugendliche sich selbst regieren – mit Erfolg und Schattenseiten. Am 5.9.1925 stirbt Homer Lane in Paris.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Doris Arp:

    • wie Homer Lane den Weg von der Straße in die Reformpädagogik findet,
    • warum straffällige Jugendliche bei ihm dreimal täglich Obsttorte mit Eis haben dürfen,
    • von seinem besonderen Draht zu Kindern und Jugendlichen,
    • und wie er mit Charme und brillanter Rhetorik auch Förderer und Sponsoren für seine Projekte gewinnt.

    Homer Lane ist schon Anfang des 20. Jahrhunderts überzeugt: Wenn aus der Bahn geratene Jugendliche die Regeln des Zusammenlebens selbst bestimmen können, dann halten sie sich daran. Gefängnisse hingegen sieht er als kriminelle Lehranstalten, die selten zur Integration führen.

    Einen ersten Praxistest unternimmt Homer Lane 1907, als er die "Ford Republik" in Detroit übernimmt. Dort leben rund 60 auffällig gewordene Jugendliche in einer reformpädagogischen Wohngruppe, finanziert von der Ford-Familie. Er lässt sie selbst bestimmen, nach welchen Regeln sie zusammenleben wollen, aber auch die Konsequenzen aus Verstößen tragen – mit Erfolg.

    Bald gilt Homer Lane als die Autorität im Umgang mit jugendlichen Straftätern in den USA. 1912 folgt der Ruf nach England. In der Grafschaft Dorset baut er mit dem "Little Commonwealth" seine eigene Kinder- und Jugendeinrichtung auf. Als ihn zwei Mädchen des "unmoralischen Verhaltens" beschuldigen, muss er die Anstalt verlassen. Homer Lane stirbt am 5.9.1925 mit 50 Jahren in Paris.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Bernd Dollinger, Soziologe mit Schwerpunkt Jugendkriminalität, Universität Siegen
    • Prof. Jürgen Oelkers, Experte für historische Reformpädagogik, Universität Zürich
    • Homer Lane: Talks To The Parents And Teachers. London 1928
    • Elsie Bazeley: Homer Lane And The Little Commonwealth. London 1928
    • Johannes-Martin Kamp: Kinderrepubliken. Geschichte, Praxis und Theorie radikaler Selbstregierung in Kinder- und Jugendheimen, Wiesbaden 1995

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 17.10.1883 – Geburtstag des Reformpädagogen Alexander Sutherland Neill
    • Planet Wissen: Jung und kriminell – Was leistet unser Jugendstrafrecht?

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    Die Macherinnen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Doris Arp
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Petra Laubach

    15 min
  • Albert Schweitzer: der umstrittene Friedensnobelpreisträger

    Um nach Afrika zu gehen, wird Schweitzer Arzt - sein dritter Doktortitel. Am 4.9.1965 stirbt er als moralisches Vorbild. Später wird er als "weißer Retter" kritisiert.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Uwe Schulz:

    • von Schweitzers Klinik in Lambaréné und welche Krankheiten er dort behandelt,
    • wie sehr ihn seine Frau unterstützt, obwohl sie oft weit entfernt lebt,
    • wie Schweitzer zum Kolonialismus steht,
    • vom Streit um Schweitzers Erbe, der auch 60 Jahre nach seinem Tod weitergeht.

    Der Pfarrerssohn Albert Schweitzer hätte als Theologe Karriere machen können. Seine Doktorarbeit, eine kritische Bestandsaufnahme der Forschung zum Leben Jesu, erregt 1906 Aufsehen.

    Aber Schweitzer will kein Genie werden, sondern Menschen helfen. Dafür erwirbt der Theologieprofessor und Philosoph 1913 seinen dritten Doktortitel: den der Medizin. Als Arzt reist er noch im selben Jahr zusammen mit seiner Frau, der Krankenschwester Helene Breslau, nach Afrika. Im heutigen Gabun baut er mitten im Urwald eine Klinik auf. Geld dafür verdient er unter anderem mit Orgelkonzerten in Europa.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg engagiert sich Schweitzer zusammen mit Albert Einstein gegen die atomare Bewaffnung. Für seine Bemühungen um die Völkerverständigung erhält er 1952 den Friedensnobelpreis.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Nils Ole Oermann, Ethik-Professor an der Uni Lüneburg und Schweitzer-Biograf
    • Caroline Fetscher, Publizistin
    • Nils Ole Oermann: Albert Schweitzer. Ein Lebensbild, München 2009
    • Caroline Fetscher: Tröstliche Tropen. Albert Schweitzer in Afrika. Geschichte einer deutschen Projektion, Berlin 1999
    • Christian Nottmeier (Hg.): Albert Schweitzer heute. Ethik – Religion – Weltbild, Freiburg im Breisgau 2015
    • Hines Mabika, Hubert Steinke und Tizian Zumthurm: Schweitzers Lambarene. Ein globales Spital im kolonialen Afrika, Göttingen 2024

    Weiterführende Links:
    • SWR Retro - Der Südwesten damals: Bodenseewoche mit Albert Schweitzer
    • Zeitzeichen: 16.04.1913 - Albert Schweitzer trifft in Lambarene ein
    • Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum

    Hörtipp:
    • WDR 5 - Das Philosophische Radio

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Uwe Schulz
    Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

    16 min
  • Reporterin an vorderster Front: Marguerite Higgins

    Marguerite Higgins, geboren am 3.9.1920, wird berühmte Kriegsreporterin. Sie berichtet aus dem Zweiten Weltkrieg, Korea und Vietnam. 1951 erhält sie den Pulitzer-Preis.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Irene Geuer:

    • warum Marguerite Higgins kurz nach ihrem 30. Geburtstag stundenlang in einem Schützengraben liegt,
    • welche dringende Bitte Higgins im Koreakrieg an den amerikanischen Oberbefehlshaber Douglas MacArthur richtet,
    • wie Higgins sich im Koreakrieg den Respekt der amerikanischen Soldaten verdient,
    • welche schrecklichen Dinge Marguerite Higgins im KZ Dachau sieht und den amerikanischen Lesern berichtet.

    Marguerite Higgins wird 1920 in Hongkong geboren. Ihre Mutter ist Französin, ihr Vater Amerikaner. Der Erste Weltkrieg, den ihr Vater als Flieger erlebt, lässt auch die Tochter nicht los und entfacht ihre Leidenschaft: das Schreiben.

    1945 ist Higgins als Kriegsberichterstatterin in Deutschland und interviewt Hermann und Emmy Göring, Julius Streicher und andere. Higgins und ihr Kollege Peter Fürst sind als einzige Journalisten bei der Befreiung des KZ Dachau dabei.

    Ihre Berichte schaffen es meist auf die Titelseite der Harold Tribune. 1951 wird ihr als erster Frau überhaupt der Pulitzer-Preis verliehen, eine der weltweit wichtigsten journalistischen Auszeichnungen. Sie schafft es, die amerikanische Gesellschaft für den Koreakrieg zu interessieren. Dabei setzt sie immer wieder auch ihr Leben ein, unmittelbar an der Front.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Martina Thiele, Professorin für Medienwissenschaft an der Uni Tübingen
    • Rita Kohlmaier, Autorin
    • Rita Kohlmaier: Kriegsreporterinnen. Im Einsatz für Wahrheit und Frieden, München 2022
    • Marguerite Higgins: Kriegsschauplatz Korea. Das Tagebuch einer Kriegsberichterstatterin, Frankfurt a. M. 1951
    • Zeitungsartikel aus den 1940er- bis 1960er-Jahren

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 25.06.1950 - Der Koreakrieg beginnt
    • Zeitzeichen: 05.04.1964 - Todestag von Douglas MacArthur

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    Autorin: Irene Geuer
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Oktoberfest in Brasilien: Eine deutsche Kolonie im Regenwald

    Was hat die brasilianische Stadt Blumenau mit deutscher Kolonialgeschichte, Kultur und Tourismus zu tun? Am 2. September 1850 wurde sie von Hermann Blumenau gegründet.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:

    • mit wie vielen deutschen Einwanderern die spätere Stadt Blumenau gegründet wird,
    • mit welchen Widrigkeiten und welchem Widerstand die Kolonisten konfrontiert sind,
    • was es mit der kolonial-rassistischen Theorie des "branqueamento" auf sich hat,
    • mit welchen Getränken heute im südbrasilianischen Blumenau das Oktoberfest gefeiert wird,
    • was an Blumenau noch deutsch ist.

    Hermann Blumenau ist kein typischer Auswanderer: Als er 1846 seine erste Reise nach Brasilien antritt, ist er im Auftrag einer Auswanderungsgesellschaft unterwegs, die dort geeignetes Land für Deutsche sucht. Die meisten von ihnen verlassen die Heimat aus Not. Es sind verarmte Bauern aus dem Hunsrück, Rheinland-Pfalz, Franken oder Pommern.

    Für die Besiedlung wird die indigene Bevölkerung vertrieben. Wie viele Indigene in Blumenau und Umgebung getötet werden, ist nicht bekannt. Von all dem erfahren die Auswanderungswilligen in Deutschland nichts. Man will Menschen anwerben, nicht abschrecken.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Elisangela Leitzke (Historikerin und gebürtige Blumenauerin)
    • Frederik Schulze (Historiker und Lateinamerika-Experte an der Universität Köln)
    • Jutta Blumenau-Niesel (Urenkelin von Hermann Blumenau, Gründer der Siedlung)
    • Karl Fouquet: Dr. Hermann Blumenau. Ein Bild seines Lebens. Sao Leopoldo 1979
    • Elisangela Leitzke: Die deutsche Einwanderung in Brasilien im 19. und 20. Jahrhundert. Das Leben der Einwanderer und deren Nachkommen in Südbrasilien. Pastor Faulhaber als Beispiel eines Werdegangs. München 2012
    • Stefan Rinke und Karina Kriegesmann (Hg.): Zwischen Humanitarismus und Zivilisierung. Eine deutsch-portugiesische kritische Edition von Hugo Genschs "Die Erziehung eines Indianerkindes" (1908). Freiburg im Breisgau 2024
    • Frederik Schulze: Auswanderung als nationalistisches Projekt. "Deutschtum" und Kolonialdiskurs im südlichen Brasilien (1824-1941). Köln, Weimar, Wien 2016

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 13.05.1888: Die Aufhebung der Sklaverei in Brasilien
    • Zeitzeichen 17.03.1968: Bericht über Verbrechen an Indigenen in Brasilien
    • BR: Bayerisches Brasilien in Blumenau

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    Autorin: Andrea Kath
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Faltauto, Klapprad, Hubschrauber: Der Erfinder Engelbert Zaschka

    Er faltete fast alles, nicht alles klappte: Faltauto, Klapprad, Hubschrauber. Engelbert Zaschka (geb. 1.9.1895) - ein fast vergessener Erfinder, der seiner Zeit voraus war.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Ralph Erdenberger:

    • dass Zaschka eigentlich nicht die Technik, sondern Musikalität und Kreativität in die Wiege gelegt werden,
    • wie das Prinzip "Falt-Auto" funktioniert,
    • wie Sabotage Zaschkas Hubschrauber um den Erfolg bringt,
    • warum sich ausgerechnet das Klapprad durchsetzt.

    Engelbert Zaschka ist seiner Zeit voraus. Schon früh erkennt er das drohende Platzproblem im Straßenverkehr. Seine Lösung: faltbare Fortbewegungsmittel. Zaschka erfindet etwa das faltbare Auto - kein Statussymbol, sondern ein Vehikel des "kleinen Mannes". Denn das Falt-Auto ist steuerfrei und lässt sich ohne Führerschein fahren. Mit "Zaschkas Klapprad" entwickelt der Visionär außerdem das "Fahrrad für die Westentasche".

    Hinter seinen Erfindungen steht unter anderem ein sozialer Gedanke. Zaschka möchte Mobilität für alle praktisch und erschwinglich machen. Getreu dem Motto "Geht nicht, gibt’s nicht", erobert Zaschka auch die Luft. Während Charles Lindbergh den Atlantik überquert, arbeitet der Freiburger daran, in Hinterhöfen zu landen - mit einem Senkrechtstarter, der die Grundlage für die Entwicklung des Helikopters legt. Den Ruhm dafür ernten andere.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Michael Zaschka, Großneffe von Engelbert Zaschka
    • Stephan Berendt, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club
    • Engelbert Zaschka: Drehflügelflugzeuge. Trag- und Hubschrauber, Berlin 1936
    • Morton Grosser: Gossamer Odyssey, Minneapolis 2004
    • Kyrill von Gersdorff und Kurt Knobling: Hubschrauber und Tragschrauber, Bonn 1982
    • Rolf Besser: Technik und Geschichte der Hubschrauber, Bonn 1990/1996

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 25. November 1844 - Geburtstag des Autopioniers Carl Benz
    • Stichtag: 29. Dezember 1929 - Erfinder Wilhelm Maybach stirbt in Stuttgart
    • SWR-Doku: Technikgeschichten - Der Hubschrauber. Erfinder Engelbert Zaschka

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Ralph Erdenberger
    Redaktion: Matti Hesse

    14 min
  • Geliebt, genutzt, gegessen: Was sind Tiere dem Menschen wert?

    Mit der Gründung des Welttierschutzverbands am 31.8.1950 wird Tierschutz zur globalen Frage. Doch Kriege, Klimakrise und Populismus erschweren Tierschützern die Arbeit.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jonas Colsman:

    • wie mit der Industrialisierung auch die industrielle Ausbeutung von Tieren beginnt,
    • auf welchen zwei Säulen der globale Tierschutz steht,
    • wie die Gesundheit des Menschen, der Tiere und des Planeten miteinander verwoben sind,
    • was es mit "Fake Rescues" in den sozialen Medien auf sich hat.

    Mit schnell wachsenden Städten wächst Anfang des 19. Jahrhunderts in England auch das Leid vieler Tiere. Sie werden oft unter qualvollen Bedingungen gehalten und geschlachtet. Bis sich schließlich Tierschützer organisieren und die englische Regierung im Jahr 1822 dazu bringen, das weltweit erste Tierschutzgesetz zu erlassen.

    Nach dem Vorbild Englands organisieren sich auch andernorts Tierschützer - in Deutschland gründet der Pfarrer Albert Knapp 1837 den ersten deutschen Tierschutzverein. Auch in den USA formiert sich eine erste Bewegung. Während und nach den beiden Weltkriegen rückt das Tierwohl angesichts menschlichen Leids in den Hintergrund. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg formieren sich jedoch viele nationale Initiativen, die den Blick wieder auf die Situation von Tieren richten.

    1950 entsteht mit der Gründung der "World Federation for the Protection of Animals" (WFPA) ein neuer Versuch, den Tierschutz global zu denken - als gemeinsames Projekt über Grenzen hinweg.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Friederike Schmitz, Philosophin und Publizistin
    • Jan Schmidt-Burbach, Direktor für Wildtierforschung und Veterinärmedizin, World Animal Protection Denmark
    • Wiebke Plasse, Leiterin Kommunikation, Welttierschutzgesellschaft
    • Friederike Schmitz: Anders satt. Wie der Ausstieg aus der Tierindustrie gelingt, Mainz 2022
    • ARD Mediathek: Sprechende Schweine - KI übersetzt Tiersprache
    • SWR 2 Wissen: Ethik - Was dürfen wir mit Tieren tun, was nicht?

    Weiterführende Links:
    • Stichtag: 24. November 1933: Erstes deutsches Tierschutzgesetz verabschiedet
    • wdr.de: "Stall der Zukunft" zeigt neue Möglichkeiten der Schweinehaltung
    • Planet Wissen: Geschichte des Tierschutzes

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    Autor: Jonas Colsman
    Redaktion: Carolin Rückl, Sefa Inci Suvak
    Technik: Thomas Bleul

    14 min
  • Rausch und Nerven: Die Welt des Oliver Sacks

    Er nimmt Drogen, rast betrunken auf seiner BMW durch die Wüste. Als Oliver Sacks am 30.8.2015 stirbt, ist er der wichtigste Neurologe des 20. Jahrhunderts.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Ulrich Biermann:

    • warum Oliver Sacks' Mutter zu ihm sagt: "Ich wünschte, Du wärest nie geboren worden."
    • wie der Neurologe zu dem Spitznamen "Dr. Kniebeuge" kommt,
    • warum sich Sacks mit Drogen und Schlafmitteln betäubt,
    • dass Oliver Sacks den Stoff für den oscarnominierten Film "Zeit des Erwachens" liefert.

    Oliver Sacks' Eltern sind Neurologen, und er tritt in deren Fußstapfen. Aus der Enge des britisch-jüdischen Oberschichts-Elternhauses flüchtet er in die USA. Er genießt die Freiheiten der aufkommenden Hippie-Bewegung, vor allem als homosexueller Mann. Nächtelang rast er auf dem Motorrad durch Kalifornien – nicht immer nüchtern.

    1966 nimmt Oliver Sacks eine Stelle in einer Klinik für unheilbar Kranke in New York an. Dort trifft er auf Überlebende der Europäischen Schlafkrankheit, die alle nahezu leblos vor sich hinvegetieren. Es gelingt ihm, sie mit dem neuen Medikament L-Dopa zeitweise aus der Starre zu holen.

    Das Buch darüber, "Awakenings – Zeit des Erwachens", wird erst als Theaterstück aufgeführt, dann mit Robin Williams und Robert De Niro verfilmt. Oliver Sacks wird fortan zur Stimme der psychisch Kranken und trägt mit seinen Geschichten zur Entstigmatisierung neurologischer Erkankungen bei. Er stirbt am 30. August 2015 mit 82 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Cornelius Borck, Medizinhistoriker
    • Oliver Sacks: Briefe. Hamburg 2025
    • Oliver Sacks: Stumme Stimmen. Hamburg 1990
    • Oliver Sacks: Awakenings – Zeit des Erwachens. Hamburg 2008

    Weiterführende Links:
    • "My paradoxical mother", Interview mit Oliver Sacks
    • Zeitzeichen 06.04.1870: Geburtstag des Hirnforschers Oskar Vogt
    • Zeitzeichen 17.06.1925: Geburtstag des Chemikers und Pharmakologen Alexander Shulgin

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Ulrich Biermann
    Redaktion: Frank Zirpins

    15 min
  • Hurrikan Katrina: die Naturkastrophe und das Staatsversagen

    Am 29. August 2005 trifft ein extrem starker Wirbelsturm die US-Golfküste. Er verwüstet die Mississippi-Metropole New Orleans. "Katrina" gerät zum nationalen Trauma.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • warum der Wirbelsturm Katrina nicht allein verantwortlich für seine verheerenden Folgen ist,
    • warum in New Orleans rasend schnell das Wasser steigt,
    • warum vor allem Kranke, Alte, Arme und Schwarze in der Stadt zurückbleiben,
    • wie Sparmaßnahmen die Hilfe nach dem Sturm behindern,
    • warum Katrina eine Rassismus-Diskussion auslöst.

    Trotz aller Warnungen vor dem Hurrikan Katrina sind die Bars im French Quarter der Stadt New Orleans am Vorabend der Katastrophe gut gefüllt. Derweil lädt sich der Sturm über dem warmen Wasser des Golfs von Mexico rasant auf und nimmt Kurs auf Louisianas Küste.

    Experten warnen vergeblich vor den Folgen eines Hurrikans der Kategorie Fünf. Eine Computersimulation zeigt deutlich, dass die Stadt versinkt, wenn ein tropischer Wirbelsturm der Stärke fünf sie trifft. Mit einer Windgeschwindigkeit von 280 Stundenkilometern erreicht Katrina diese Stufe bereits über dem Golf von Mexiko.

    Katrina trifft New Orleans in den frühen Morgenstunden am 29. August 2005. Häuser wackeln, aber die Zerstörungen sind nicht übermäßig groß. Die Hoffnung, die Stadt sei noch einmal vergleichsweise glimpflich davongekommen, ist aber verfrüht. 8,5 Meter hohe Wellen drücken gegen die Deiche, die wie Kanäle und Pumpen zum Teil schon hundert Jahre alt sind und dem Druck nicht standhalten. Die Wiege des Jazz versinkt in den Fluten.

    Unsere wichtigste Quelle und unser Interviewpartner:
    • Prof. Ivor van Heerden, Meereswissenschaftler, ehemaliger stellvertretender Direktor des "Louisiana State University Hurricane Center"
    • Ivor van Heerden and Mike Bryan: The Storm. What went wrong and why during Hurricane Katrina - the inside story of a Louisiana scientist. Penguin Books 2006.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Stürme
    • Planet Wissen: Musik in New Orleans
    • tagesschau: 20 Jahre nach "Katrina" – Wie Trumps Sparpolitik die Hurrikangefahr verschärft

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    Autorin: Daniela Wakonigg
    Redaktion: Christoph Tiegel/Sefa Inci Suvak
    Technik: Alexander Buske

    15 min
  • Der unendliche Zauber fantastischer Geschichten: Michael Ende

    Am 28. August 1995 stirbt der Schriftsteller Michael Ende. "Jim Knopf", "Momo" und "Die unendliche Geschichte" haben ihm Weltruhm und seine Kritiker zum Schweigen gebracht.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:

    • welche Begebenheit den Anstoß zu "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer" gibt,
    • wie Michael Endes guter Freund Roman Hocke "Die unendliche Geschichte" deutet,
    • was Michael Ende mit Bertolt Brecht zu tun hat,
    • mit welchen Vorwürfen Kritiker auf die Bücher von Michael Ende reagieren,
    • warum der Schriftsteller gegen die Verfilmung von "Momo" vor Gericht zieht.

    Michael Ende kommt im November 1929 in Garmisch-Partenkirchen zur Welt. Kurz nach seiner Geburt ziehen die Eltern mit ihm nach München, wo er im Künstlerviertel Schwabing aufwächst. Sein Vater Edgar ist Maler, einer der ersten Surrealisten in Deutschland. Seine Kunst wird von den Nationalsozialisten als "entartet" diffamiert.

    "Um zu lernen, wie man schreibt", wie Michael Ende sagt, macht er 1948 an der Otto-Falckenberg-Schule in München eine Ausbildung als Schauspieler. Zehn Jahre später setzt er sich an sein erstes Buch "Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer". Es wird mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Um dem Rummel zu entgehen, zieht Ende mit seiner ersten Frau nach Italien.

    Dort entstehen "Momo" und "Die unendliche Geschichte". Nach dem Tod seiner Frau geht Michael Ende 1985 zurück nach München, wo er seine japanische Übersetzerin heiratet und die letzten zehn Jahre seines Lebens verbringt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Roman Hocke (Michael Endes Lektor, Verwalter seines literarischen Nachlasses)
    • Michael Ende: Die unendliche Geschichte. München 2010
    • Michael Ende: Momo oder Die Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Stuttgart 2005
    • Thomas Hettche: Herzfaden. München 2020

    Weiterführende Links:
    • SWR Retro: Verleihung des Kinderbuchpreises 1961 an Michael Ende in Stuttgart
    • Offizielle Webseite von Michael Ende
    • Planet Wissen: Kinderliteratur

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Andrea Klasen
    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother

    15 min

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