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  • Das Guinness-Buch der Rekorde: vom Pub-Streit zum Weltbestseller

    Ein schneller Vogel und viele Fehlschüsse bringen Guinness-Geschäftsführer Hugh Beaver auf eine Idee: Ein Nachschlagewerk für Rekorde. Am 27.8.1955 erscheint es erstmals.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:
    was das Guinness-Buch der Rekorde mit irischem Bier und einer Marketing-Idee zu tun hat,
    welche Zwillingsbrüder die ersten Rekorde und Kuriositäten zusammenstellen,
    was als Grund für den kommerziellen Erfolg des Guinness-Buchs der Rekorde vermutet wird.

    "Das höchste Gebäude der Welt ist das Empire State Building." Das - zum Beispiel - steht in der ersten Ausgabe des Guinness-Buch der Rekorde. Diese bricht selbst einen Rekord und erobert nach wenigen Monaten noch vor Weihnachten 1955 den Platz Eins der Bestsellerliste. Auch die späteren Ausgaben kommen gut an.

    1956 erscheint die erste amerikanische Ausgabe, 1962 die französische und 1963 die erste deutsche. Danach folgen Exemplare auf Dänisch, Japanisch, Hebräisch, Arabisch, Indonesisch, Isländisch und so weiter. Mittlerweile sind es weltweit 40 Sprachen. Heute ist es nicht mehr nur ein Buch: Es gibt auch einen Youtube-Kanal und eine App.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    Professor Christian Gaum (Leitung Sportpädagogik, Ruhr Universität Bochum)
    Guinness World Records 2005. 50-Jahre-Jubiläumsausgabe. Hamburg 2004

    Weiterführende Links:
    Stichtag: 23.01.1803: Todestag des Brauereigründers Arthur Guinness
    ZDF Magazin Royale: Officially Amazing (not): Guinness World Records

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Carolin Rückl und Frank Zirpins

    15 min
  • Lidia Poët: von der ausgestoßenen Anwältin zum Serienstar

    Am 26.8.1855 wird in einem kleinen Alpendorf Lidia Poët geboren. Sie wird die erste Anwältin Italiens - aber um ihre endgültige Zulassung muss sie jahrzehntelang kämpfen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Maren Gottschalk:

    • zu welchem Thema Lidia Poët ihre Doktorarbeit schreibt,
    • wodurch die Juristin selbst zum Rechtsfall wird,
    • wie viele Jahre sie auf ihre dauerhafte Zulassung als Anwältin warten muss,
    • welche Chancen Frauen in Rechtsberufen zu dieser Zeit in den USA und Europa haben,
    • was über das Privatleben von Lidia Poët bekannt ist.

    Lidia Poët wird am 26. August 1855 in Perrero geboren - 60 Kilometer von Turin entfernt. Sie ist das jüngste von sieben Geschwistern einer wohlhabenden Familie. Vater Giovanni ist Bürgermeister. Lidia legt das Abitur ab und geht in die Schweiz, um Gymnasiallehrerin für Deutsch, Englisch und Französisch zu werden.

    Doch anstatt als Lehrerin zu arbeiten, schreibt sich die 22-jährige in Turin für das Jurastudium ein. Denn seit ein paar Monaten sind Frauen in Italien zum Studium zugelassen. Das ist damals noch Neuland: In Italien werden Frauen im 19. Jahrhundert rechtlich ähnlich behandelt wie Minderjährige. Sie dürfen nicht wählen und keine öffentlichen Ämter ausüben. Sie besitzen weder das volle Verfügungsrecht über ihr Vermögen noch über ihre Kinder.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professorin Angelika Nußberger (Akademie für europäischen Menschenrechtsschutz Universität zu Köln)
    • Marion Röwekamp (Juristin und Historikerin, Autorin eines Lexikons über frühe deutsche Juristinnen)
    • Ilaria Iannuzzi, Pasquale Tammaro: Lidia Poët, la prima avvocata. Milano 2024
    • Francesca Tacchi: Eva togata - Donne e professioni giuridiche in Italia dall’Unità a oggi. Turin 2010

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 11.10.1872: Die Frauenrechtlerin Emily Davison wird geboren
    • Zeitzeichen 17.04.1896: Richterin Maria Hagemeyer wird geboren
    • Zeitzeichen 06.12.1909: Suffragettes Self-Defence Club gegründet
    • Zeitzeichen 30.11.1918: Frauenwahlrecht in Deutschland
    • Zeitzeichen 20.12.1943: Todestag von Juristin Anita Augspurg

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Maren Gottschalk
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
    Technik: Nicolas Dohle

    15 min
  • Mutter aller Fake-News? Die New York Sun "entdeckt" den Mond

    Die New York Sun berichtet ab 25.8.1835 über Fledermausmenschen und Tempel auf dem Mond. Als Satire gedacht, wird es die Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christoph Tiemann:

    • wie die Satire-Idee des Journalisten Richard Adams Locke völlig nach hinten losgeht,
    • von der Geburt der Fledermausmenschen, die auf dem Mond fliegen, sprechen, Kunst schaffen und Tempel bauen,
    • was es mit dem kosmischen Pluralismus auf sich hat,
    • vom Konzept der "Penny Papers",
    • wie Zeitungen im 19. Jahrhundert Falschmeldungen einfach voneinander abschreiben.

    Es ist die Sensation im Sommer 1835 - die New Yorker Morgenzeitung "The Sun" druckt einen Bericht aus dem "Edinburgh Journal of Science", wonach der renommierte Wissenschaftler Sir John Herschel mit seinem Teleskop auf der Mondoberfläche Pflanzen, Bäume und seltsame Fabelwesen entdeckt hat. Weil die Geschichte sich so gut verkauft, wird eine sechsteilige Reihen daraus.

    Sun-Herausgeber Benjamin Day verdient gut mit den Artikeln. Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung bringt er die ganze Sache gesammelt als illustrierten Nachdruck für einen Vierteldollar pro Exemplar heraus. Er hat kein Interesse daran, die Falschmeldung aufzudecken. Erst zwei Wochen nachdem der letzte Teil der Serie in der Sun erscheint, kommt die Wahrheit ans Licht.

    Schaden erleidet die Sun durch die Enthüllung nicht, im Gegenteil: Sie wird nach dem großen Mond-Schwindel eine der meistgelesenen Zeitungen der Welt. Das Konzept der "Penny Papers" wird auch von anderen Herausgebern aufgegriffen. Es ist der Geburtsstunde des Boulevardjournalismus.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Matthew Goodman, Autor des Buches “The Sun and The Moon”
    • Dr. Tobias Jogler, Astropyhsiker, Leiter des LWL-Planetariums Münster
    • Matthew Goodman: The Sun and the Moon. New York 2008

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Der Mond
    • Planet Wissen: Astronomie
    • Planet Wissen: Fake News – die Macht der Falschmeldungen

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christoph Tiemann
    Redaktion: Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Ein Manifest gegen Frauenhass im Mittelalter: Christine de Pizan

    Im Jahr 1405 wagt eine Frau in Paris das Unvorstellbare: Sie widerspricht. Christine de Pizans "Stadt der Frauen" ist ein Meilenstein feministischer Literaturgeschichte.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Claudia Belemann:

    • wie Christine de Pizan dafür sorgt, dass sie als Frau und Autorin zu Lebzeiten sichtbar ist,
    • wie übel das Schicksal Christine ab 1380 mitspielt,
    • warum sie als Schriftstellerin im 14. Jahrhundert zunächst Geld mitbringen muss, bevor sie welches verdient,
    • dass über Christine de Pizans Tod wenig bekannt ist.

    Christine de Pizan wird in Venedig als Tochter des Arztes Tommaso da Pizzano geboren. Als ihr Vater zum Astrologen und Leibarzt von König Karl V., genannt der Weise, ernannt wird, kommt Christine als Vierjährige nach Paris. Ihrem Vater verdankt sie eine gute Bildung in Latein, Geometrie und Arithmetik, die sie durch Lektüre theologischer und profaner Literatur in französischer und lateinischer Sprache erweitert.

    Als kurz hintereinander ihr Vater und der Ehemann sterben, muss die alleinerziehende Mutter Christine de Pizan ab 1390 zusehen, wie sie sich, ihre Kinder, ihre Mutter und weitere Familienangehörige ernährt. Um Geld zu verdienen, besinnt sie sich auf ihr dichterisches Talent und beginnt zu schreiben.

    In schneller Folge entstehen Erziehungsratgeber, eine Biographie über König Karl V., religiöse Texte und sogar ein Buch über das Waffenhandwerk. 1405 veröffentlicht sie "Das Buch von der Stadt der Frauen". Eine Streitschrift und eine Antwort auf die Flut hasserfüllter Reden gegen Frauen, die um 1400 Konjunktur haben.

    Das ist unsere wichtigste Interviewpartnerin:
    • Prof. Margarete Zimmermann, Romanistin und Übersetzerin der Werke Christine de Pizans

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die Renaissance
    • Planet Wissen: Einflussreiche Frauen im Mittelalter

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    Autorin: Claudia Belemann
    Redaktion: Christoph Tiegel und Frank Zirpins

    15 min
  • Der Untergang der HMS Wager: Schiffbruch am Ende der Welt

    Am 23.8.1740 sticht die britische HMS Wager für eine riskante Mission in See. Was folgt, ist eine nahezu unglaubliche Geschichte von Heldenmut, Feigheit und Überlebenskampf.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Herwig Katzer:

    • wie ein abgetrenntes Ohr einen militärischen Konflikt auslöst,
    • mit welch abenteuerlicher Crew die HMS Wager auf gefährliche Fahrt geht,
    • welche Herausforderungen die Passage um das Kap Horn bereithält,
    • warum die juristische Nachbereitung des Wager-Schicksals verpufft.

    Die Geschichte der HMS Wager handelt von Seenot, Schiffbruch und vom Überlebenskampf ihrer Besatzung. Zu der gehört John Bulkeley, der Herr über die Kanonen auf der Wager. Der Dreimaster mit 28 Kanonen soll 1740 als Teil einer Kriegsflotte eine spanische Galeone kapern und ihr Gold rauben.

    Im Sturm vor Kap Horn verliert sich die englische Flotte. Die Wager unter Käpt'n David Cheap stemmt sich allein gegen die tobende See - und verliert den Kampf. Im Mai 1741 sinkt die HMS Wager vor der chilenischen Küste.

    Nach dem Schiffbruch führen Auseinandersetzungen zwischen Offizieren und Mannschaft zu einem Zusammenbruch der Disziplin. 81 Männer machen sich unter dem Geschützmeister John Bulkeley in kleinen Booten auf den Weg, um über die Ostküste Südamerikas nach England zurückzukehren. 20 Männer, darunter Kapitän Cheap, bleiben auf einer Insel, die heute den Namen "Wager Island" trägt. Nach einer Reihe von Katastrophen schaffen es gerade einmal zehn der ursprünglich 120 Mann nach England zurück - sechs aus Bulkeleys Gruppe und vier aus der Gruppe von Kapitän Cheap.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und unser Interviewpartner:
    • Professor (em.) Robert Bohn, Historiker, Kiel
    • David Grann: Der Untergang der Wager, München 2024
    • John Bulkeley und John Byron: The loss of the Wager. The narratives of John Bulkeley and the Hon. John Byron, London 1983

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die Geschichte der Seefahrt
    • Zeitzeichen: 10.08.1519 - Die Flotte von Fernando Magellan bricht zur Weltumsegelung auf
    • Stichtag: 01.08.1819 - Geburtstag von Herman Melville

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Herwig Katzer
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Wie der IS-Terror das Weltkulturerbe Palmyra verwüstet

    Fast 100 Jahre lang haben Archäologen die prächtigen Ruinen von Palmyra für die Welt sichtbar gemacht. Im August 2015 beginnt deren brutale Zerstörung durch Terroristen.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Marfa Heimbach:

    • wie der IS die historische Stätte für ein grausames Schauspiel missbraucht,
    • wie Palmyra ab dem 3. Jahrhundert zur "Königin der Wüste" wird,
    • welche tragende Rolle Kamele bei der Warenpreisfindung spielen,
    • warum die Römer in der Antike sogar in ihrem Nachtisch Pfeffer verwenden.

    Die martialisch vermummten Kämpfer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" präsentieren sich wie antike Feldherren in Siegerpose auf den Ladeflächen ihrer Pickups: Im Mai 2015 erobern sie die syrische Oasenstadt Tadmor mit den weltberühmten Ruinen der antiken Stadt Palmyra.

    Wenige Monate später beginnen die Sprengungen der monumentalen Ruinen durch den IS. Nach dessen Vertreibung aus Palmyra offenbaren Satellitenbilder das Ausmaß der Zerstörungen: Der Bel- und der Baalshamin-Tempel, der Triumphbogen, Teile der fast 1,5 km langen Säulenstraße quer durch die antike Stadt sind verwüstet. In Palmyra ist nichts mehr wie es war.

    Unschätzbare Funde sind für das kulturelle Gedächtnis Syriens für immer verloren. Münzen, Gold, Silber, Bronzen, Statuetten verkauft der Islamische Staat übers Darknet auf dem internationalen Schwarzmarkt. Abnehmer gibt es genug.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Dr. Michael Sommer, Althistoriker, Universität Oldenburg
    • Michael Sommer: Palmyra. Biografie einer verlorenen Stadt. Darmstadt 2017
    • Paul Veyne: Palmyra. Requiem für eine Stadt. München 2016

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Das antike Rom
    • Planet Wissen: Weltweiter Handel
    • Monitor: Sieg über den IS? Die verschwiegenen Opfer der US-Koalition

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Marfa Heimbach
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
    Technik: Sascha Schiemann

    15 min
  • Kreativität als Kampfzone: Künstler Christoph Schlingensief

    Er provoziert mit Kettensägen und toten Hasen - ist verletzlich und bewegt sich stets zwischen Trash und Kunst. Christoph Schlingensief stirbt am 21.08.2010 in Berlin.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Kosfeld:

    • wie ein produktiver Fehler den Künstler in Schlingensief weckt,
    • von Schlingensiefs ersten Filmproduktionen mit der Kamera des Vaters,
    • mit welchem Projekt Schlingensief in Wien Proteste, aber auch entlarvende Zustimmung provoziert,
    • wie Schlingensief sein eigenes Leben und Sterben künstlerisch verarbeitet.

    Christoph Schlingensief dreht schon als Kind mit der Kamera des Vaters und Freunden Filme: Slapstick, Stop-Trick, Krimis. Den ersten künstlerischen Gehversuchen folgen Film, Theater, Hörspiele und öffentliche Performances. Mit Anfang 40 ist Christoph Schlingensief einer der bekanntesten und umstrittensten Künstler seiner Zeit: 1997 wird er wegen Störung der öffentlichen Ordnung auf der Documenta in Kassel verhaftet.

    Anfang 2008 wird bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert und ein Lungenflügel entfernt. Christoph Schlingensief spricht öffentlich über seine Erkrankung. Auch dafür wird er kritisiert, doch viele Menschen sind berührt von seiner Offenheit. Schlingensief stirbt am 21. August 2010 mit 49 Jahren in Berlin.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Prof. Sven Lindholm, Szenische Forschung Ruhr-Uni Bochum, Regisseur und Medienkünstler
    • Christoph Schlingensief: Ich weiß, ich war’s. Nachgelassene biographische Texte zu Leben und Werk, hrsg. von Aino Laberenz. Köln 2012
    • Christoph Schlingensief: Kein falsches Wort jetzt. Gespräche, hrsg. von Aino Laberenz. Köln 2020
    • Schlingensief.com: Offizielle Archiv-Seite mit Filmen, Hörstücken, Interviews, Bildern, Texten zu Leben und Werk

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Richard Wagner - Die Familiendynastie der Wagners
    • Zeitzeichen: 26. Juli 1882 - Uraufführung von Richard Wagners "Parsifal" in Bayreuth
    • Zeitzeichen: 5. März 1922 - Filmregisseur Pier Paolo Pasolini wird geboren

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christian Kosfeld
    Redaktion: Sefa Inci Suvak

    15 min
  • Mit der Kleinen Eiszeit kommt das große Zittern über Europa

    Im Jahr 1560 mehren sich Berichte über Kälte, Ernteausfälle und verschobene Jahreszeiten. Die Kleine Eiszeit stellt die Menschen in Mitteleuropa vor extreme Probleme.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Mau:

    • wie lange die Kleine Eiszeit dauert,
    • wie in den Berner Alpen die Gletscher wachsen und Wiesen, Bauernhäuser sowie eine Kapelle unter sich begraben,
    • warum die Bevölkerung versucht, mit Bußgottesdiensten und Prozessionen gegen die Witterung vorzugehen,
    • weshalb bei den extremen Wetterverhältnissen die Hexenverfolgung eskaliert,
    • welche Erklärungen es für die Ursache der Kleinen Eiszeit gibt.

    Mit dem Begriff Kleine Eiszeit ist kein Erdzeitalter gemeint, sondern eine jahrhundertelange Kälteepoche mehr als 10.000 Jahre nach der letzten großen Eiszeit. Sie stellt die Gesellschaften Mitteleuropas vor extreme Herausforderungen. Zumal auch noch die Pest wütet und die Folgen des Dreißigjährigen Krieges die Menschen plagen. Die Krisen jener Zeit sorgen für gesellschaftliche Veränderungen, die bis heute nachwirken.

    Die Kleine Eiszeit beginnt etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts - nach einer wärmeren Phase im späten Mittelalter, als in Köln, Duisburg und England noch Wein angebaut wird. Besonders kalt ist es während der sogenannten Grindelwald-Fluktuation. Dieser Begriff bezeichnet eine Phase zwischen 1560 und 1630, in der der Schweizer Grindelwald-Gletscher in den Berner Alpen besonders stark wächst.

    Im Mittel ist es zu dieser Zeit etwa zwei Grad Celsius kälter als die Durchschnittstemperatur im 20. Jahrhundert. Es folgen immer wieder besonders kalte Winter auf besonders nasse Sommer. Der Lebensmittelanbau kommt ins Stocken. Viele Menschen müssen hungern.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Rüdiger Glaser (Lehrstuhl für Physische Geographie an der Universität Freiburg)
    • Philipp Blom (Schriftsteller, Autor, Historiker)
    • Wolfgang Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. München 2007
    • Rüdiger Glaser: Klimageschichte Mitteleuropas. Darmstadt 2008
    • Philipp Blom: Die Welt aus den Angeln. München 2017

    Das ist unser Hörtipp:
    • Quarks Daily: Plötzlich Hochwasser - Können wir uns überhaupt schützen?

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen im Jahr 1603: Das erste deutsche Leihaus eröffnet - weil die Kleine Eiszeit für Armut sorgt
    • tagesschau.de: Klimageschichte und ihre Temperaturabweichungen
    • Terra X: Eiszeit in Europa - 5 spannende Fakten

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    Autor: Thomas Mau
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak

    16 min
  • Schrödingers Katze: Das Symbol der Quantenphysik

    Tot und lebendig zugleich? Erwin Schrödingers Gedankenexperiment sprengt unser Weltbild. Und selbst manche Physiker verzweifeln daran. Am 19.8.1935 wurde sie "geboren".



    In diesem Zeitzeichen erzählt Daniela Wakonigg:

    • was es mit dem Gedankenexperiment von "Schrödingers Katze" auf sich hat,
    • wie Physik und Quantenphysik zueinander in Beziehung stehen,
    • welche zwei Physiker-Gruppen sich in den 1920er-Jahren über die Interpretation der Quantenphysik streiten,
    • was Max Planck, Albert Einstein und Niels Bohr mit der Quantenphysik zu tun haben,
    • welche Rolle Quantenphysik in unserem Alltag spielt.

    Die Quantenphysik beschäftigt sich mit den Naturgesetzen im atomaren und subatomaren Bereich. Unsere materielle Welt ist zusammengesetzt aus einer Vielzahl von Quantenobjekten: Atome, die ihrerseits aus unzähligen weiteren Quantenobjekten wie Elektronen, Protonen und Neutronen bestehen. Quanten sind kleinste Einheiten von Energie, Materie oder anderen physikalischen Eigenschaften.

    Jedes dieser Quantenobjekte für sich genommen unterliegt den Gesetzen der Quantenmechanik und kann in Überlagerungszuständen gegensätzliche Eigenschaften zur selben Zeit haben. Doch je mehr Quantenobjekte zusammenkommen zu komplexen Molekülsystemen wie Menschen, Tieren oder Objekten, desto weniger gelten die Gesetze der Quantenmechanik.

    Das klingt kompliziert? Das finden auch Experten. Der Physiker Richard Feynman hat einmal gesagt: "Ich verstehe die Quantenphysik nicht wirklich und ich glaube, es gibt niemanden, der sie wirklich versteht."

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Gernot Münster (emeritierter Professor für Theoretische Physik an der Universität Münster)
    • Brigitte Röthlein: Schrödingers Katze. Einführung in die Quantenphysik. München 1999
    • John Gribbin: Auf der Suche nach Schrödingers Katze. Quantenphysik und Wirklichkeit. München 1991
    • Wolfgang W. Osterhage: Eine Rundreise durch die Quantenphysik. Von der Unschärferelation bis zu Schrödingers Katze. Heidelberg 2014

    Weiterführende Links:
    • ARD-Archivradio: Erwin Schrödingers Vortrag "Unsere Vorstellung von der Materie"
    • Zeitzeichen 06.02.1924: Albert Einstein erklärt die Relativitätstheorie im Rundfunk
    • Zeitzeichen 04.10.1947: Todestag von Max Planck
    • Zeitzeichen 18.11.1962: Todestag von Niels Bohr

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    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Moritz Raestrup

    15 min
  • Laborheld und Kinderliebling: Siegeszug des Goldhamsters

    Alle Goldhamster weltweit stammen von vier Tieren ab - ein Inzucht-Experiment. Der erste Wurf in Gefangenschaft kommt am 18.8.1930 in Jerusalem zur Welt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:

    • wer den Syrischen Goldhamster, den Vorläufer des heutigen Goldhamsters, im 18. Jahrhundert zum ersten Mal schriftlich erwähnt,
    • warum Hamster-Mütter in besonderen Fällen ihren Nachwuchs totbeißen,
    • woran Labor-Weibchen die von ihnen zur Paarung favorisierten Wild-Männchen erkennen,
    • weshalb Kinder und Hamster nur schlecht zusammenpassen.

    1930 untersuchen Forscher der Universität Jerusalem die Entstehung und Übertragung einer Tropenkrankheit. In Tierversuchen sollen Behandlungsmöglichkeiten erforscht werden. Dafür werden chinesische Streifenhamster genutzt, die aber teuer importiert werden müssen. Sie im Labor zu züchten, gelingt offenbar nicht. Deshalb sollen syrische Hamster als Ersatz dienen.

    Eine Expedition gräbt schließlich in der Gegend von Aleppo auf einem Weizenfeld ein Hamster-Nest aus - mit einer Mutter und elf Jungen. Davon überleben schließlich vier Geschwister: ein Weibchen und drei Männchen. Da neugeborene Tiere nach rund einem Monat selbst geschlechtsreif sind, beginnt schon bald die Zucht.

    Am 18. August 1930 werden im Parasitologischen Institut der Hebräischen Universität Jerusalem die ersten Goldhamster in Gefangenschaft geboren. Sie erweisen sich als leicht zu reproduzierende Labortiere mit erstaunlicher Fertilität - ein einziger Wurf bringt im Schnitt acht Junge. Auch als Haustiere werden sie entdeckt. Sie alle sind direkte Nachkommen der vier Hamster-Geschwister aus Aleppo.

    Das sind unsere wichtigsten Interviewpartner:
    • Peter Fritsche (Verhaltensbiologe, Spezialgebiet Hamster)
    • Anna Lena Reister (Hamsterhilfe NRW)

    Weiterführende Links:
    • ARD-Wissen: Was treibt die Hamster ins Hamsterrad
    • Wissen macht Ah: Warum haben Hamster Backentaschen, und was ist "hamstern"?
    • Löwenzahn: Hamster

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    Autor: Marko Rösseler
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