ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Forschungsbericht belegt den Zusammenhang von Rauchen und Lungenkrebs (27.6.1957)
    Rauchen ist gesund! So dachte man lange, schließlich war der Tabak als Heilpflanze nach Europa gekommen. Heute weiß jedes Kind, wie schädlich das Qualmen ist, auch wenn die mächtige Tabak-Lobby die Forschung dazu lange bekämpft hat: so auch eine britische Studie aus dem Jahr 1957. Gegen Kopfschmerz sollte Tabak helfen, ja gegen Brustleiden! Von den Ureinwohnern Nordamerikas lernten die Europäer, dass frische Tabakblätter, auf offene Wunden gelegt, mitunter heilende Wirkung haben konnten. Tabak-Rauch regt die Verdauung an. Wer qualmt, der galt lange als gesund: "Drei Wochen war der Frosch so krank! Jetzt raucht er wieder. Gott sei Dank!" dichtete Wilhelm Busch. Das alles ist lange her. Heute gilt es als Allgemeinwissen, dass Rauchen schädlich ist und der Raucher mit dem Tabak-Qualm zahlreiche krankmachende Ingredienzien einatmet. Aber bis dahin war es ein langer Weg. Eine mächtige Tabak-Lobby bekämpfte jede wissenschaftliche Studie, die den Nachweis erbrachte, wie schädlich das Rauchen ist. So auch 1957, als in Großbritannien ein früher Versuch unternommen wurde, die Schädlichkeit des Rauchens mit Hilfe einer medizinischen Studie öffentlich zu machen.
    15 min
  • Der Todestag von Lonesome George (24.6.2012)
    Als er starb, war die Trauer groß. Denn Lonesome George war berühmt – die wohl berühmteste Schildkröte der Welt. Über ihn wurden Bücher verfasst und Filme gedreht, er schaffte es in die Klatschspalten der Zeitungen und gleichzeitig in wissenschaftliche Journale. Und er wurde zur Ikone der Umwelt- und Artenschutzbewegung.Denn wie kaum ein anderes Tier stand der einsame Schildkrötenmann für die rücksichtslose Ausbeutung der Natur. Das Reptil war 1971 auf den Galápagos-Inseln vor Ecuador entdeckt worden galt lange als letzter Vertreter seiner Unterart. Nur er hatte anscheinend das jahrhundertelange Gemetzel durch Seefahrer überlebt, die seine Artgenossen als lebenden Proviant auf ihre Schiffe schleppten. Die Riesenschildkröte war bis zu ihrem Tod am 24. Juni 2012 in der Forschungsstation der Charles Darwin Foundation auf der Galápagos-Insel Santa Cruz untergebracht. Lonesome George wurde etwa 100 Jahre alt. Seine Unterart chelonoidis abingdonii gilt mit seinem Tod als ausgestorben.
    14 min
  • Der Geburtstag von Alan Turing (23.6.1912)
    Eine wahre Geistesgröße ziert die neue englische 50-Pfund-Note. Doch die Bank of England entschied sich nicht etwa für Isaac Newton, Stephen Hawking oder andere britische Forscher von Weltruf. Sondern für Alan Turing. Ein lange Zeit unbekannter Mathematiker, der erst jetzt zu verdientem Ruhm kommt. Die Wissenschaftsgeschichte hat Alan Turing erst vor kurzer Zeit entdeckt und gewürdigt. Mittlerweile ist der Mathematiker als Codeknacker-Genie des Zweiten Weltkriegs bekannt, Hollywood und Benedict Cumberbatch sei Dank. Dabei ist das nur eine Facette seines reichen, aber viel zu kurzen Schaffens. Die Mathenoten ließen nicht darauf schließen, dass Alan Turing ausgerechnet in diesem Fach einmal brillieren würde. Dafür pflügte Alan schon als Sechstklässler durch Einsteins Relativitätstheorie, interessierte sich für Planetenbahnen und Schimmelpilze. Als Student in Cambridge erregte er in den 1930ern Aufmerksamkeit mit Ideen für sogenannte "programmierbare Computer" und "künstliche Intelligenz". Heute gilt er als Vater der Informatik. So wurde er zu Beginn des Weltkrieges nach Bletchley Park berufen, wo der britische Geheimdienst an der Entschlüsselung des deutschen ENIGMA-Codes arbeite. Der galt als unknackbar. Turing knackte ihn – und wandte sich der Frage zu, wie die Natur Tieren und Pflanzen zu ihren Mustern verhilft. Das entsprechende Gesetz ist nach ihm benannt. Wer weiß, was noch alles dazu gekommen wäre, hätte Turing 1954 nicht seinem Leben im Alter von 42 Jahren ein Ende gesetzt.
    15 min
  • Puccinis "La Bohème" zum ersten Mal in Deutschland (22.6.1897)
    Leidenschaft, Übermut, Liebe bis in den Tod: Das Publikum erwärmt sich bis heute an einer frierenden Künstler-WG im Paris des 19. Jahrhunderts. "La Bohème" ist bis heute eine der weltweit am meisten aufgeführten Opern. "Wie eiskalt ist dies Händchen..." Es war der 22. Juni 1897, an dem, von Berlin aus, sich der Erfolg von Giacomo Puccinis neuer Oper "La Bohème" auch in Deutschland schnell verbreitete. Das Publikum liebte die Geschichte um Liebes- und Geldsorgen, künstlerischen Enthusiasmus einer Gruppe von jungen Leuten am Rande der Vorstellungen von bürgerlicher Ordentlichkeit. Vor allem der schleichende Tod der lungenkranken Näherin Mimi brachte und bringt das Opernpublikum bis heute zum Weinen. Mit "La Bohème" war Puccinis Weltruhm auf Dauer gesichert. Das ZeitZeichen spürt der Geschichte hinter der Geschichte von "La Bohème" nach und fragt nach dem Geheimnis der Wirksamkeit dieses ewigen Lieblingsstücks.
    15 min
  • Der Bundestag verabschiedet Tierschutzgesetz (21.06.1972)
    "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." So lautet der Grundsatz des 1972 verabschiedeten deutschen Tierschutzgesetzes. Doch darüber, was ein "vernünftiger Grund" ist, gehen die Meinungen auseinander. Das Verhältnis Mensch–Tier ist kompliziert. Einerseits widerspricht es unserem moralischen Kompass, Tieren Leid zuzufügen, andererseits betrachten wir es als normal, sie zu schlachten, an ihnen Experimente durchzuführen oder sie nach qualvollen Schönheitsidealen zu züchten. Der Spagat zwischen ethischen Grundsatzüberlegungen einerseits sowie ökonomischen und menschlichen Interessen andererseits begleitet die Diskussion um den Tierschutz im Recht seit ihrem Beginn im 19. Jahrhundert. Seit 2002 steht der Tierschutz in Deutschland sogar als Staatsziel im Grundgesetz. Doch helfen tut Tieren dies in der Praxis nicht unbedingt. Verstöße gegen den Tierschutz bleiben sogar nicht selten ohne Konsequenzen, weil rechtliche Konstruktionen das Eintreten Dritter für den Schutz der Tiere erschweren.
    15 min
  • Der Geburtstag Kurt Schwitters, deutscher Dichter und Maler (20.6.1887)
    Der Dichter, Maler und Alleskünstler Kurt Schwitters gilt heute als einer der Hauptvertreter des Dada. Dabei war er zu Lebzeiten ein Außenseiter der Szene. "Wählt Anna Blume!" So war es in Zeitungsanzeigen 1920 zu lesen, aber der, der dort für Anna Blume warb, wollte die erfundene Dame keineswegs ins Parlament bringen, sondern auf sich und seine Kunst aufmerksam machen. Kurt Schwitters war eben nicht nur Künstler, sondern auch ein ziemlich professioneller Werbefachmann. 1887 in Hannover geboren, studierte er an der Kunstgewerbeschule in Hannover und an der Kunstakademie in Dresden. Er betätigt sich als Maler, Bildhauer, Typograph, Graphiker, Bühnenkünstler und Dichter, sucht Kontakt zu den Dadaisten, die ihn nicht wirklich willkommen heißen. Erste Collagen entstehen 1918, ein Jahr später dann der künstlerische Durchbruch mit seinem Poem "An Anne Blume". Von nun an widmet er sich seiner Merzkunst, gründet die Zeitschrift Merz, ein Sammelwerk für avantgardistische Kunst und schafft einen ersten Merzbau, in dem Leben und Kunst miteinander verwoben sind. So wie Schwitters auch sein Leben als Gesamtkunstwerk betrachtet. Die Nationalsozialisten vertreiben Schwitters aus Deutschland. Er emigriert zunächst nach Norwegen, bis auch dort die Deutschen einmarschieren und er nach England geht. 1948 stirbt er dort. Die internationale Anerkennung seines Lebenswerkes setzt erst nach seinem Tod ein.
    15 min
  • Der Einbruch ins Hauptquartier der US-Demokraten: Der Beginn von "Watergate" (17.6.1972)
    Die Story vom Einbruch ins Parteigebäude der US-Demokraten landet als langweilige Polizeimeldung zunächst auf den hinteren Seiten der Zeitungen. Zwei Jahre später wird daraus der wohl größte Politskandal der Geschichte der USA. Am Morgen des 17. Juni 1972 erhält Katherine Graham, Herausgeberin der angesehenen Washington Post, einen Anruf ihres Chefredakteurs. Howard Simons berichtet, was in der vergangenen Nacht über den Polizeiticker lief. Ein Lastwagen war in ein Haus gerast, in dem sich gerade ein Pärchen beim Sex vergnügte. Mitsamt Bett wurden die beiden durch die Rückwand des Hauses ins Freie befördert, unverletzt, aber doch einigermaßen verstört. Die zweite Meldung: Fünf Männer mit OP-Handschuhen waren beim Einbruch ins Hauptquartier der demokratischen Partei erwischt worden. Graham und Simons lachen Tränen über die Bettgeschichte. Die Story vom Einbruch in das so genannte Watergate Gebäude finden sie langweilig, sie landet ganz hinten im Blatt. Erst 1974 wird daraus der vielleicht größte Politskandal in der Geschichte der USA. Präsident Richard Nixon muss zurücktreten – und zwei Redakteure der Washington Post, die sich der Sache dann doch gewidmet hatten, erhielten für ihre Recherche den Pulitzerpreis. Bis heute symbolisiert Watergate für viele die Existenz von Lügen, Korruption und Skrupellosigkeit im politischen Geschäft der amerikanischen Nation. Für andere zeigt die Affäre, dass das demokratische System aus Checks und Balances am Ende eben doch funktioniert.
    15 min
  • Das Erasmusprogramm wird beschlossen (15.6.1987)
    Beschluss 87/325/EWG – so der Bürokraten-Name. Doch "Erasmus" bedeutet für viele Studierende: Lebenserfahrung, Horizonterweiterung und Spaß am Studium im Ausland. Nicht selten beeinflusst das Erasmus-Programm die Lebensläufe: Eine Statistik besagt, dass Studierende mit Erasmus etwa doppelt so häufig Beziehungen mit ausländischen Partnerinnen oder Partnern eingehen wie Studierende ohne. Und auch die Arbeitslosenquote ist bei ehemaligen Teilnehmern der Erasmus-Programms niedriger als üblich. Am 15.6.1987 wurde das europäische Programm für Auslandsaufenthalte an ausländischen Universitäten auf Initiative der italienischen Erziehungswissenschaftlerin Sofia Corradi ins Leben gerufen. Seitdem haben europaweit Millionen junge Menschen das Programm genutzt und im Ausland Erfahrungen gesammelt, nicht nur für die Wissenschaft, sondern besonders für das ganz normale Leben.
    15 min
  • Die Eröffnung des Wiener Bestattungsmuseums (14.6.1967)
    "Der Tod, das muss ein Wiener sein", sang Georg Kreisler. Denn wo wird – wenn nicht in Wien - ein Tabu so gerne und so boshaft gebrochen. Ehrensache, dass diese Stadt ein besonders schönes Bestattungsmuseum hat. Gekreuzte Knochen, lorbeerumkränzte Schädel, Kaisergruft, Pestsäule, Herzstichmesser. Lust an der schönen Leich' liegt den Wienern im Blut: Sie können seit Juni 1967 im weltweit ersten Bestattungsmuseum in die Totenwelt reisen und gelegentlich auch probeliegen im Sarg. Heute befindet sich das Museum beim Zentralfriedhof. Die mit schwarzem Humor präsentierten Exponate laden ein zum Nachdenken über die Vergänglichkeit, auch die morbiden Souvenirs aus dem Museumsshop, wie ein Bastelborgen "Zentralfriedhof" oder ein Sportbeutel mit der Aufschrift: "Ich turne bis zur Urne".
    15 min
  • Der Geburtstag von Paavo Nurmi (13.6.1897)
    Er gehört zu den drei erfolgreichsten Teilnehmern an Olympischen Sommerspielen aller Zeiten. Der finnische Langstreckenläufer Paavo Nurmi war in den 1920er Jahren der Überflieger der Leichtathletik. Geboren 1897 in der Hafenstadt Turku und aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen ist er schon als Kind schneller als seine Spielkameraden. Die Lang- und die Mittelstrecke werden zu seinen Königsdisziplinen. Als einer der ersten trainiert der Ausnahmesportler unter professionellen Bedingungen und gilt als Mitbegründer des systematischen Intervalltrainings, bei dem sich Tempoläufe und kurze Entspannungsphasen abwechseln. Bei den Olympischen Sommerspielen gewinnt Paavo Nurmi insgesamt neun Gold- und drei Silbermedaillen. Vermutlich wären weitere hinzu gekommen, doch vor den Spielen in Los Angeles 1932 wird der schweigsame Finne wegen einer hohen Reisekostenerstattung und der damit verbundenen angeblichen "Verletzung des Amateurstatus" gesperrt. Der Spitzenathlet gründet daraufhin ein Textilgeschäft und ein Bauunternehmen, trotzdem verbittert ihn das erzwungene Karriereende. Eine Scheidung, viele Krankheiten und eine teilweise Erblindung lassen Nurmi depressiv werden und sein Leben negativ beurteilen: "Ich habe in meinem Leben nichts geleistet", sagt der Rekord-Olympionike. Einmal steht Paavo Nurmi aber noch im Rampenlicht: 1952 entzündet er das Olympische Feuer bei den Spielen in Helsinki.
    15 min

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