ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Das Endspiel der Schach-WM zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer (11.7.1972)
    Es war das Schachspiel des Jahrhunderts. Spasski gegen Fischer. Ost gegen West. Ein Kampf der Systeme und der Hirne. Dabei war einer der Kontrahenten erst gar nicht zur Schach-WM erschienen. Es ist Samstag, der 1. Juli 1972 und die Schach-WM soll heute feierlich eröffnet werden. Wer fehlt, ist Bobby Fischer. Man wirft dem US-Amerikaner einen Nervenkrieg gegen Boris Spasski vor, seinem sowjetischen Herausforderer. Spasski ist amtierender Schachweltmeister und Favorit. Bobby Fischer gilt als Enfant terrible der Schachszene. Rüpelhaft, exzentrisch, paranoid. Als Fischer nicht wie erwartet in Reykjavik erscheint, schaltet sich die US-Regierung ein. Angeblich soll der damalige US-Sicherheitsberater von Präsident Richard Nixon, Henry Kissinger, gesagt haben: "Amerika wünscht sich, dass Sie da hinfahren und die Russen besiegen." Ein britischer Millionär stiftet zusätzliches Preisgeld. Fischer reist am 3. Juli endlich nach Island. Das ursprünglich für den 4. Juli angesetzte erste Match wird auf den 11. Juli verschoben. Es wird dann eines der größten Schachspiele im kollektiven Gedächtnis der Menschheit. Bobby Fischer wird Schachweltmeister. Er bricht damit nach dem Zweiten Weltkrieg zum ersten Mal die Vorherrschaft der Sowjetunion im Schach. Es war das erste Mal, dass ein Schachspiel weltweit Aufmerksamkeit erregte. Für viele war es in der Hochphase des Kalten Krieges auch ein Wettkampf der Systeme: NATO gegen Warschauer Pakt.
    15 min
  • Der Geburtstag von Käthe Kollwitz (8.7.1867)
    Die Skulptur Mutter mit totem Sohn in der Berliner Neuen Wache ist wohl eines der eindrucksvollsten Kunstwerke der Käthe Kollwitz, die "erschüttert von all dem Hass in der Welt" war. Ein weiteres wichtiges Thema ihres Schaffens sind die Arbeiter, dessen Elend und Not sie eindringlich darstellt. Die Radierfolge "Ein Weberaufstand" markiert 1898 ihren Durchbruch, später widmet sie sich dem Zyklus Bauernkrieg. Für Kollwitz, prägende Vertreterin des Realismus und des Expressionismus, muss Kunst stets die gesellschaftlichen Bedingungen widerspiegeln. Als Kollwitz' Berliner Wohnung 1943 ausgebombt wird, zieht sie nach Moritzburg in Sachsen, wo sie am 22. April 1945, wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, mit 77 Jahren stirbt.
    15 min
  • Der G20-Gipfel in Hamburg beginnt (7.7.2017)
    Die Gipfel fanden seit den gewalttätigen Ausschreitungen in Genua immer an abgeschotteten Orten statt. Doch Deutschland wollte seinen G20-Vorsitz mit einer Konferenz in Hamburg krönen. "Den Hafengeburtstag wuppen wir doch auch jedes Jahr", so der damalige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz. Mit dieser fatalen Fehleinschätzung wischte der heutige Bundeskanzler Bedenken und Warnungen von Kritikern beiseite, die die Ausrichtung des G20-Gipfels inmitten der Hansestadt für keine gute Idee hielten. Mehr als 30.000 Polizisten waren im Einsatz, um die Delegationen aus den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern zu schützen und einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Doch es kam anders. Schon im Vorfeld zündeten Vermummte in mehreren Stadtteilen Autos an, zerstörten Schaufenster und leisteten sich Straßenkämpfe mit der Polizei. Am Abend des ersten Gipfeltages kam es dann zu weiteren Gewaltexzessen. Während die Polit-Prominenz in der Elbphilharmonie den Klängen von Beethoven lauschte, zerlegten Gipfelgegner und Randalierer das Hamburger Schanzenviertel. Sie errichteten Barrikaden, brachen in Läden ein, plünderten sie und zündeten eine Sparkassen-Filiale an. Die Einsatzkräfte der Polizei weigerten sich einzugreifen, da sie – so heißt es später – um ihr Leben fürchteten. Auch die Feuerwehr rückte nicht an. Erst Stunden später lösten zwei schwer bewaffnete Sondereinsatzkommandos, die eigentlich für Antiterroreinsätze ausgebildet waren, die gewaltsamen Proteste auf.
    15 min
  • Althea Gibson gewinnt als erste Afroamerikanerin Wimbledon (6.7.1957)
    Zum dritten Mal nimmt Althea Gibson 1957 am Tennisturnier von Wimbledon teil. Sie ist hochgewachsen, schlank, sportlich, schnell und schwarz. Und sie ist fest entschlossen, dieses Mal als Siegerin vom Rasen zu gehen. "Sie konnte eine Zigarette rauchen, ein Glas Whisky trinken – immer in Maßen, das war ihr Fitnesskonzept – und in der Badewanne Nachtclub-Balladen singen", schreibt Bruce Schoenfeld in seiner Biographie über die fast vergessene Tennislegende Althea Gibson. Für Althea Gibson, geboren am 25. August 1927 in South Carolina, aufgewachsen in New Yorks Stadtteil Harlem, ist Rassentrennung Alltag. Auch in den Turnieren herrscht Segregation. Das Spiel gegen weiße Sportlerinnen ist nicht erlaubt. Erst ein offener Brief des weißen Tennisstars Alice Marble ebnet ihrer jungen Kollegin Althea den Weg. 1950 nimmt Gibson an den US Open teil, ein Jahr später steht sie als erste Afroamerikanerin im Stadion von Wimbledon. Mitte der 1950er Jahre feiert Althea Gibson ihre größten Erfolge und zählt zu den besten Spielerinnen der Welt. Die Tennisgrößen Serena und Venus Williams stehen im Zenit ihrer Karriere, als Althea Gibson stirbt, am 28. September 2003. "Ich will, dass mich die Öffentlichkeit so in Erinnerung behält, wie ich war. Stark, sportlich, klug und gesund."
    15 min
  • Der Nansen-Pass wird eingeführt (5.7.1922)
    Ein Stück Papier, zuerst als einseitiger Brief, oft handschriftlich ausgeführt – und doch so viel mehr: Für viele Menschen war der Nansen-Pass die Eintrittskarte in ein neues Leben. Nach dem Ersten Weltkrieg waren viele Flüchtlinge, vor allem aus Russland, durch Vertreibung und Ausbürgerung staatenlos, besaßen also keine Staatsbürgerschaft mehr. Damit waren sie ungeschützt und unerwünscht. Der berühmte norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen, damals Hochkommissar des Völkerbundes für Flüchtlingsfragen, setzte einen ersten Flüchtlingsausweis durch. Mit ihm konnten sich die Betroffenen Wohnung und Arbeit suchen, heiraten und in alle Länder reisen, die dem Dokument zugestimmt hatten. Der Nansen-Pass war von über 50 Staaten anerkannt. Das Prinzip des Passes wurde 1946 durch das London Travel Document und das Reisedokument der Genfer Flüchtlingskonvention weitergeführt.
    15 min
  • Der Geburtstag der Schauspielerin Gina Lollobrigida (4.7.1927)
    In ihrem ersten großen Film "Fanfan, der Husar" wirft ihr Partner einen Blick auf ihr Dekolleté und ruft verzückt: "Donnerwetter - diese Täler und Hügel! Wirklich ein bezauberndes Panorama!" Gino Lollobrigida hat es bisweilen bedauert, dass sie sich nicht in anspruchsvollen Rollen beweisen konnte, andererseits hat die "Lollo" immer das Klischee der glutäugigen Diva bedient - und es damit zu einer der reichsten Frauen Italiens gebracht. Als ihr andere "Sexbomben" wie die sieben Jahre jüngere Sophia Loren den Rang abliefen, konzentrierte sich Gina aufs Fotografieren oder schuf gewaltige Plastiken nach ihren Filmfiguren, die sie geschickt über eine eigene Ladenkette vermarktete. Im Privatleben hatte sie weniger Glück: Nach der Scheidung von ihrem ersten Mann gab es eine skandalträchtige Beinahe-Hochzeit mit einem Betrüger und zuletzt einen hässlichen Rechtsstreit mit ihrem Sohn, der sie unter Vormundschaft stellen ließ.
    15 min
  • Hongkong fällt an China zurück (1.7.1997)
    99 Jahre war Hongkong britische Kronkolonie, Tor nach Westen oder Osten, je nach Blickwinkel. "Ein Land, zwei Systeme" – so hieß das Versprechen nach der Rückgabe an China vor 25 Jahren. Ein Trugschluss. Die Sonderstellung Hongkongs begann im 19. Jahrhundert, als China infolge zweier Opiumkriege die Kontrolle über die wichtige Hafenstadt verlor. Schon bald wurde der "Duftende Hafen" (so die Übersetzung des Namens Hongkong) zum Fluchtpunkt der Freiheit für viele Chinesen, unter anderem im Chinesischen Bürgerkrieg. 1997 wurde die britische Flagge eingeholt, die Insel fiel zurück an Festlandchina. Viele Einwohner Hongkongs, geprägt durch britisches Schulsystem, Rechtswesen und Administration, gewöhnt an Meinungs- und Pressefreiheit, hatten nun Angst. Würde das kommunistische China sein Versprechen halten? Ein Land, zwei Systeme? Die Angst vor einer schleichenden Integration der Insel in das politische und wirtschaftliche System der Volksrepublik war berechtigt. In den vergangenen 25 Jahren wurden Presse- und Meinungsfreiheit in Hongkong radikal eingeschränkt, festlandchinesische Investoren übernahmen zentrale Sektoren der Hongkonger Wirtschaft. Proteste gegen anti-demokratische Entwicklungen wurden und werden brutal niedergeschlagen, etwa 2014 im Zusammenhang mit Wahlen, die Peking mittels vorgegebener Kandidaten steuerte. Inzwischen geht die Furcht um, dass es 2047, wenn Hongkong – vermutlich – seinen Status als Sonderverwaltungszone verliert, heißen wird: zwei Länder, ein System.
    15 min
  • Der Bundestag beschließt gleichgeschlechtliche Ehe (30.6.2017)
    Es war eine unverhoffte Sternstunde des Bundestags: Kurzfristig setzt das Parlament in der letzten Sitzung vor der Sommerpause 2017 eine "Gewissensentscheidung" zu einem lange umstrittenen Thema an – und beschließt die "Ehe für alle". "Dulden heißt Beleidigen" - so zitiert Volker Beck von den Grünen in jener Bundestagsdebatte Goethe. Schwule und Lesben seien Menschen mit gleicher Würde und gleichen Rechten. Die Ehe dürfe der Staat ihnen nicht länger verwehren. Die Abgeordneten, die an diesem Tag die "Ehe für alle" auf den Weg bringen, wissen die Mehrheit der Bundesbürger hinter sich – und doch hat der gesetzgeberische Kampf dafür fast ein Jahrzehnt gedauert. Die Länder Berlin und Hamburg bringen bereits 2010 und 2011 entsprechende Initiativen im Bundesrat ein – und scheitern. Im Bundestag wiederum würde sich eine Mehrheit finden – wenn, ja wenn da nicht die Parteiräson wäre. Denn wirklich dagegen ist nur die CDU (die AfD sitzt damals noch nicht im Bundestag); aber deren jeweilige Regierungspartner, zunächst die FDP, dann die SPD, wollen den Koalitionsfrieden nicht aufs Spiel setzen. Ein politisches Taktieren, das viele Schwule und Lesben als würdelos und zutiefst verletzend empfinden. Doch dann geht auf einmal alles ganz schnell. Im Juni 2017 spricht die damalige Bundeskanzlerin Merkel davon, dass es sich bei dieser Frage um eine "Gewissenentscheidung" handele – die Abstimmung könnte also ohne Franktionsdisziplin stattfinden. Die Grünen wittern die Chance, bringen bei der letzten Sitzung vor der Sommerpause den ohnehin längst formulierten Gesetzentwurf abermals in den Bundestag ein – und bekommen, neben den Stimmen von SPD, Linken und der eigenen Partei, auch 75 Unionsabgeordnete auf ihre Seite. Eine historische Entscheidung, darin sind sie sich am Ende einig.
    15 min
  • Der Todestag der Bildhauerin Elisabet Ney (29.6.1907)
    Die erstaunliche Frau Ney war die vielleicht erste Bildhauerin, die von ihrer Arbeit leben konnte. Sie befeuerte ihre Karriere, indem sie die prominentesten Männer ihrer Zeit porträtierte: Bismarck, König Ludwig II. und ein Papst saßen für sie Modell. Mit 19 ertrotzte sich die Tochter eines Steinmetzes aus Münster einen Platz in der Münchner Kunstakademie. "Sie ist weder Frau noch Mädchen, sondern eine Künstlerin, und damit ist alles gesagt. Ein Weib, welches von ihrem 16. Jahr an männliche Körper lebend modelliert, muss wohl exzeptionelle Ansichten und Gefühle hegen." Für den Wissenschaftler Justus Liebig war klar, dass man der Bildhauerin Elisabet Ney eine gewisse Narrenfreiheit zugestehen musste: "Unterordnen kann sie sich nicht." Außer von Justus Liebig schuf die Künstlerin Skulpturen von Arthur Schopenhauer, Freiheitskämpfer Garibaldi und anderen Persönlichkeiten ihrer Zeit – so erhöhte sie unerschrocken und geschickt ihren Marktwert als Künstlerin in einer Männerdomäne. Dabei inszenierte sie sich als keusche Amazone, die ihr Leben ganz der Kunst widmet. Dass sie eigentlich verheiratet war, blieb ihr Geheimnis. Als sie schwanger wurde, wanderte Elisabet Ney mit ihrem Ehemann nach Texas aus. Fast 20 Jahre betrieb sie dort eine Plantage, bevor sie wieder zum Meißel griff und auch in Amerika als Bildhauerin erfolgreich wurde: Ihr Studio in Austin/Texas ist heute ein Museum für "The Ney".
    15 min
  • Der Geburtstag des Malers Peter Paul Rubens (28.6.1577)
    Ein unabhängiger Geist, ein künstlerisches Genie der Fleischeslust: Peter Paul Rubens war ein Mann von Welt, geboren in Siegen, später im Leben auch als Diplomat und Botschafter souverän auf internationaler Bühne. Peter Paul Rubens war nicht nur als Maler außerordentlich erfolgreich, erlangte mit seiner Kunst aber schon zu Lebzeiten großen Ruhm. Entsprechend gut war sein Selbstbewusstsein ausgebildet: "Ich betrachte die ganze Welt als meine Heimat". Die Fürstenhäuser Europas schätzten ihn um der Vielzahl seiner Begabungen willen. Pralle Sinnlichkeit und hochdramatisches Pathos machen seine Gemälde zu Musterbeispielen barocker Kunst. Nichts liebte er als Maler mehr als den nackten weiblichen Körper. Rubens wurde 1577 in eine zerrissene Welt hinein geboren: Kriege und Kirchenspaltung, Seuchen, Flucht und Verfolgung. Seine calvinistisch gesinnten Eltern mussten vor den spanischen Truppen aus Antwerpen fliehen, und so wurde ihr Jüngster, Peter Paul, in der heute nordrhein-westfälischen Stadt Siegen geboren.
    14 min

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