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ZeitZeichen episodes

  • Der Todestag des römischen Kaisers Trajan (8.8.117)
    Er gilt als der Beste aller römischen Kaiser, als optimus princeps, seine Regierungszeit als die vielleicht glücklichste in der Geschichte Roms. Kaiser Trajan gründete auch eine große Stadt auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands: Die "Colonia Ulpia Traiana", kurz CUT, kennen wir heute als Xanten. Unter Kaiser Trajan hatte das römische Reich die größte Ausdehnung seiner Geschichte. Der Kaiser selbst gab sich bescheiden und galt als milde und gerecht. Städte gründete er im gesamten Römischen Reich, auch in den germanischen Gebieten. Die Colonia Ulpia Traiana, war deren drittgrößte römische Stadt – erst kam Köln, dann Trier, dann die Trajan-Stadt, die CUT, das heutige Xanten. Wer hier lebte, genoss das römische Bürgerrecht. Es gab Kanalisation, Wasserleitung, Amphitheater und zahlreicher Tempel – ein Abbild Roms am Rhein. Aber dann kam jener Tag im August, als die Nachricht vom Tod des geliebten Kaisers auch am Niederrhein eintraf...
    15 min
  • Die 1. Teilung Polen-Litauens (5.8.1772)
    Die Adelsrepublik Polen-Litauen führt im 18. Jahrhundert weder Krieg mit Russland noch mit Österreich oder Preußen. Doch die Nachbarn nehmen sich, was sie wollen und fangen an, das Land unter sich aufzuteilen. Polen-Litauen wird das Opfer imperialer Selbstbedienungsmentalität. Das Hauptproblem des Unionsstaates Polen-Litauen war die Schwäche seiner eigenen Armee. Die drei benachbarten Großmächte sahen alle die Gelegenheit, Einfluss und Gebiete im schwachen Polen-Litauen gewinnen. Einen Krieg wollten sie vermeiden – und so einigten sich die Russland, Preußen und Österreich auf die erste Teilung. Sie setzten sich damit über das geltende Prinzip der Legitimität hinweg und raubten Teile des Landes der Polen und Litauer. Friedrich II. war der große Sieger. So bekam der Preußenkönig endlich die Landverbindung von Brandenburg nach Ostpreußen. Ein Trauma war geboren, das bis heute nachwirkt. Denn nach der zweiten und dritten Teilung existierte kein eigener polnischer Staat mehr. Da halfen auch keine Aufstände. Erst nach dem Ersten Weltkrieg gewann Polen seine Souveränität zurück – wenn auch nicht lange. Denn die Diktatoren Hitler und Stalin hatten andere Pläne.
    15 min
  • Das Bundesverfassungsgericht stoppt die Abtreibungsreform (4.8.1992)
    Dieses Strafgesetz lieferte über 100 Jahre lang immer wieder Stoff für heftige Diskussionen: Das Abtreibungsverbot in §218. Einen nach der Wiedervereinigung entstandenen Reformansatz stoppte 1992 das Bundesverfassungsgericht. Viele Menschen in Deutschland waren empört. Dabei wollte der Bundestag Anfang der 1990er Jahre einen Kompromiss finden zwischen der stark umstrittenen Regelung zu Schwangerschaftsabbrüchen in der BRD und der vergleichsweise liberale Gesetzgebung in der DDR. Endlich sollte es eine gerichtsfeste Regelung geben, die Frauen im Fall einer Abtreibung bis zu einer bestimmten Frist Straffreiheit garantierte. Doch noch am Tag der Veröffentlichung des mühsam über die Fraktionsgrenzen hinaus erarbeiteten Kompromisses im Bundesgesetzblatt, legte eine Gruppe konservativer Abgeordneter (auch einige Frauen waren darunter) Widerspruch ein – und das Bundesverfassungsgericht stoppte die Abtreibungsreform. Es war nicht das erste Mal, dass das Gericht so urteilte. Bis heute sorgen die aus Sicht vieler Frauen unzureichenden Regelungen der Paragraphen 218 und 219 des Strafgesetzbuches für gesellschaftliche Diskussionen.
    15 min
  • Der Geburtstag der ersten praktizierenden Rabbinerin Regina Jonas (3.8.1902)
    Die erste Rabbinerin der Welt war die Berlinerin Regina Jonas. Während der Weimarer Republik war Deutschland ein Zentrum des liberalen Judentums, hier konnte auch eine Frau als Rabbinerin arbeiten – bis die Nationalsozialisten kamen. Die aktive Zeit der Regina Jonas und ihre außergewöhnlichen Predigten fielen ausgerechnet in die 1930er und 40er Jahre, in die Zeit der Judenverfolgung in Deutschland und des Holocaust. Während ihrer Ausbildung hatte es starke Vorbehalte in den jüdischen Gemeinden gegen ein "Fräulein Rabbinerin" gegeben. Aber Leo Baeck, der wichtigste Rabbiner in Deutschland, förderte sie nach Kräften. Rabbinerin Jonas wurde im Krieg zunächst 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert, wo sie weiterhin predigte und sich seelsorgerisch einsetzte. Die Nationalsozialisten ermordeten sie 1944 im Vernichtungslager Auschwitz. Regina Jonas wurde 42 Jahre alt. Nach dem Krieg war sie lange Zeit vergessen. Erst nach der Wende wurde ein Nachlass von ihr in einem ostdeutschen Archiv gefunden.
    15 min
  • Der Todestag des Schriftstellers James Krüss (02.08.1997)
    Der Schriftsteller James Krüss hat mit seinen Büchern, Hörspielen oder Gedichten über mehrere Jahrzehnte lang Kindheiten geprägt. Seine berühmteste Geschichte: Timm Thaler, der Junge mit dem verkauften Lachen, ist eine Romanfigur aus der Feder von James Krüss. James Krüss wuchs auf der Insel Helgoland auf und strebte zunächst eine Laufbahn als Volksschullehrer an. Nach bestandenem Examen übte er den Beruf allerdings nie wirklich aus und veröffentlichte stattdessen ab den 1950er Jahren erst Hörspiele, dann sein erstes Kinderbuch "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen". Krüss' wohl bekannteste Figur ist Timm Thaler. Aus dem Roman von Krüss macht das ZDF 1979 eine sehr erfolgreiche Fernsehserie mit Thomas Ohrner in der Hauptrolle. James Krüss selbst hat unzähligen Kindern ein Lachen geschenkt, als er heute vor 25 Jahren im Jahr 1997 auf Gran Canaria stirbt, wo er vorher drei Jahrzehnte lang mit seinem Partner gelebt hat. Seine letzte Ruhe findet er allerdings auf einer anderen Insel: vor der Küste seiner alten Heimat Helgoland.
    15 min
  • England verbietet das Tragen von Kilt und Tartan in Schottland (01.08.1747)
    Für die Beziehung zwischen England und Schottland gilt seit langem: Es ist kompliziert. Die wenig harmonische Geschichte der beiden Länder hat kuriose Höhepunkte: Heute vor 275 Jahren verbot England den Schotten, ihre traditionelle Kleidung aus Kilt und Tartan zu tragen. Seit 1603 werden die Königreiche Schottland und England in Personalunion vom selben Herrscher regiert und 1707 schließlich offiziell zum Königreich Großbritannien vereinigt. Das in vielen Jahrhunderten der Feindschaft gewachsene Misstrauen bleibt jedoch. Als der schottische Einfluss in den Jahrzehnten nach der Zusammenlegung schwindet, kommt es in Schottland immer wieder zu Aufständen. In der Mitte des 18. Jahrhundert reicht es den Engländern. Sie verabschieden mehrere Gesetze, die dazu dienen sollen, die Schotten zu entwaffnen und ihre nationale Identität zu schwächen. So auch den sogenannten "Dress Act", der das Tragen traditioneller schottischer Kleidung untersagt. Das Verbot zum Tragen von Kilt und Tartan wird bereits 1782 wieder aufgehoben. Das problematische Verhältnis zwischen England und Schottland hält dagegen bis heute an.
    15 min
  • Der Geburtstag des niederländischen Schriftstellers Harry Mulisch (29.7.1927)
    "In Holland bin ich weltberühmt" spottete der niederländische Schriftsteller Harry Mulisch noch zu Beginn der achtziger Jahre. Doch dann wurde er es wirklich – nämlich weltberühmt: 1992 brachte ihm sein großer Roman "Die Entdeckung des Himmels" den internationalen Durchbruch. Aber Harry Mulisch sagte auch "Ich bin der Zweite Weltkrieg" - eine Anspielung auf die eigene Herkunft. Er wurde am 29. Juli 1927 in Haarlem geboren, als Sohn eines ehemaligen österreichischen Offiziers, der später mit den Nazis kollaborierte, und einer jüdischen Mutter, deren Eltern im KZ umkamen. "Diese Zeit steckt mir im Blut". Das zeigt sich auch in seiner Literatur, in Romanen wie "Das Attentat", die Geschichte eines Mannes, der als einziger seiner Familie eine Vergeltungsaktion der Nazis überlebt (1086 verfilmt und mit einem Oscar prämiert.) Doch das ist nur ein Aspekt von Mulischs Gesamtwerks, das so vielseitig ist, so suchend, sprachlich dicht und philosophisch komplex, dass der Schriftsteller in seinem Land schon heute als Klassiker gilt, als "Monument der Gegenwartsliteratur" und "kulturelles Symbol seines Landes". Ansonsten gefiel er sich in der Rolle des Provokateurs: Politisch früher als Gegner des Vietnamkriegs und Bewunderer eines Sozialismus à la Fidel Castro, später – heute besonders aktuell - durch seine Skepsis gegenüber einem undemokratischen Islam. Persönlich provozierte er gerne durch sein herausforderndes Auftreten: ein hagerer Pfeifenraucher, elegant gekleidet und selbstbewusst, ein leidenschaftlicher Spötter und ein immer kritischer Geist. Als Harry Mulisch 2010 starb, wurde sein Tod auch von politischer Seite und höchst offiziell beklagt als ein "Verlust für die holländische Literatur und die Niederlande".
    15 min
  • Der Geburtstag des Schweizer Tiefsee-Forschers Jacques Piccard (28.7.1922)
    Die Tiefsee ist weniger erforscht als der Mond. Jacques Piccard hat das angestachelt, diese unbekannten Flecken des Planeten Erde zu erforschen. Er tauchte in einem U-Boot zum tiefsten bekannten Punkt der Erde - 10.916 Meter tief in den Marianengraben. Noch immer schlummern in der ewigen Dunkelheit des Meeresbodens blinde Flecken und es warten Arten, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Einer der ersten, der Lebewesen und Lebenswelten der Tiefsee sah, war der Schweizer Jacques Piccard. Mit seinem U-Boot "Triest" stellte er Tieftauchrekorde auf. Die NASA interessierte sich sehr für die Ergebnisse und Konstruktionen, um sie in der Weltraumfahrt anzuwenden. Piccard, der bis zu seinem 82. Lebensjahr aktiv war, war Sohn des Ballonpioniers Auguste. Von ihm hat der berühmte Entdecker die Einstellung geerbt, dass Träume durch Hartnäckigkeit wahr werden. Seine U-Boote sind noch heute ausgestellt. Forscherinnen und Wissenschaftler, die von Jaques Piccard inspiriert worden sind, entdecken die Tiefsee täglich ein Stück mehr - in einem Wettlauf gegen ihre Zerstörung durch die Menschheit.
    15 min
  • Der Todestag von Hans Schomburgk (27.7.1967)
    Er reiste mit 17 alleine nach Afrika, arbeitete dort als Polizeireiter, Großwildjäger und Kartograph. Berühmt wurde Hans Schomburgk dann mit seinen Filmaufnahmen, die den europäischen Blick auf Afrika bis heute prägen. Hans Schomburgk wurde 1880 in einer großbürgerliche Hamburger Familie hineingeboren und entschied sich dann früh für ein absolut nichtbürgerliches Leben als Abenteurer in Afrika. Die Lebenserwartung als Elefantenjäger betrage durchschnittlich zwei Jahre, zitierte Hans Schomburgk gerne eine englische Statistik: "Er hat die Wahl, von einem Elefanten zertreten, von einer Schlange gebissen zu werden, oder an einer Tropenkrankheit zu sterben." Hans Schomburgk überlebte und wurde ein berühmter Tierfilmer und Vortragsreisender, der mit seinen Filmaufnahmen das europäische Bild von Afrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägten. Sein eigener Blick auf den Kontinent wandelte sich nach und nach. Aus dem früheren Elefantenjäger wurde ein Tierschützer, der sich für einen respektvolleren Umgang mit Afrika, seinen Menschen und ihren Kulturen einsetzte. Hans Schomburgk starb am 27. Juli 1967 im Alter von 86 Jahren.
    15 min
  • Die Uraufführung von Richard Wagners "Parsifal" in Bayreuth (26.7.1882)
    Den "Parsifal" umgibt eine fast heilige Aura: Richard Wagner selbst nannte sein letztes Werk nicht Oper, sondern "Bühnenweihfestspiel". Kunst wird hier zur neuen Religion - das andächtig ergriffene Publikum sollte nicht einmal klatschen. Mit dem mittelalterlichen Parzival-Stoff hatte sich Richard Wagner schon in den 1840er Jahren befasst. Bereits in seinem "Lohengrin" taucht die Figur des Gralskönigs auf. Doch erst 1882 kam »Parsifal« im Bayreuther Festspielhaus zur Welt. Richard Wagner (und auch seinen Nachkommen) war dieses Werk so wichtig, dass sie sogar verfügten, der "Parsifal" dürfe nur im Festspielhaus aufgeführt werden. Opernhäuser und Sänger, die das Verdikt umgingen, wurden vom Wagner-Clan mit ewiger Verbannung aus Bayreuth gestraft. Fast wäre der "Parsifal" aber Richard Wagners erste amerikanische Oper geworden. Während der Fertigstellung der ersten Orchesterskizzen und nach der finanziellen Pleite mit dem "Ring" plante Wagner seine Emigration in die USA – den "Parsifal" wollte er mitnehmen. Im Stück spielt Wagner mit Symbolen und Motiven der christlichen Religion, die rituelle Speisung der Gralsritter ist dem Abendmahl verdächtig ähnlich. Der "reine Tor" Parsifal wird "durch Mitleid wissend" und erlöst den siechen Gralshüter Amfortas und mit ihm gleich eine ganze kranke Gesellschaft. Wagnerfreund Friedrich Nietzsche schäumte: Für ihn war Richard Wagner mit seinem letzten Werk zu Kreuze gekrochen. Doch Wagner zielte weiter, auf eine neue Kunst als Religionsersatz. Seine Jünger wollten es gern glauben und verboten gar Applaus nach dem ersten Aufzug.
    15 min

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