ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Einführung des Hashtags für Kurznachrichten (23.8.2007)
    #Hashtag: Das Sonderzeichen ist seit genau 15 Jahren im aktuell bekannten Gebrauch – und aus der Netzwelt längst nicht mehr wegzudenken. Vorgeschlagen hat das Zeichen Chris Messina, der damit das Netz und Social Media aufräumen wollte. Benutzt wurde das Tastatur-Zeichen "#" schon zuvor. Man nannte es Doppelkreuz, Raute oder Number Sign – aber erst unter dem Namen "Hashtag" legte es eine Weltkarriere hin, nachdem der Amerikaner und Open-Source-Verfechter Chris Messina 2007 einen ganz neuen Nutzen für dieses Zeichen vorschlug: Es sollte Interessensgebiete in Kanälen bündeln und eine moderne Schlagwortsuche in Social Media ermöglichen. Fünfzehn Jahre nach Messinas Vorschlag ist der Hashtag aus dem Internet nicht mehr wegzudenken, besonders für Netzaktivisten und Marketing-Experten. Vermutlich hätten Kampagnen wie #metoo oder #blacklivesmatter ohne die Hashtag-Kultur niemals so viel Aufmerksamkeit generiert. Und kaum eine Werbekampagne kommt heute ohne Slogans mit vorangestelltem Doppelkreuz aus – sogar auf Plakaten und T-Shirts. Darüber hinaus hat es die Debattenkultur in unserer Gesellschaft nachhaltig verändert.
    15 min
  • Ausländerfeindliche Gewalttaten in Rostock (22.08.1992)
    In den 1990er Jahren beherrscht ein Angst-Thema die politische Debatte in Deutschland: Wie gehen wir mit Flüchtlingen um – die damals in weiten Kreisen noch "Asylanten" heißen? Am Abend des 22. August 1992 kippt in Rostock-Lichtenhagen die Stimmung, vor den Kameras und Augen der Welt passiert etwas, das später als "Pogrom" beschrieben wird… Die Angst vor Ausländern, die Legende von einem Deutschland, das kein Einwanderungsland sei: Seit den 1980er Jahren ist die Migrationspolitik ein politisches Minenfeld. CDU und CSU prägen das Wort vom "Asylbetrug" und heizen – gemeinsam mit den rechten Parteien, den Republikanern und der DVU das Thema weiter an. Nach der Wiedervereinigung verschärfen sich die Auseinandersetzungen, auch weil flüchtende Menschen aus den Kriegsgebieten des zerfallenen Jugoslawien nach Deutschland kommen. Immer häufiger kommt es in ganz Deutschland zu Übergriffen und Angriffen auf Ausländer und Flüchtlingsheime. Am Abend des 22. August 1992 versammeln sich etwa 2.000 bis 3.000 Menschen vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen. Bald fliegen Molotow-Cocktails durch die Fenster. Die Angriffe gegen die Bewohner eskalieren, es sind vor allem Vietnamesen. Die Polizei greift lange nicht ein. Das Bild eines im ausländerfeindlichen Rausch eingenässten Schaulustigen in Jogginghosen geht um die Welt. Vier Tage dauern die Übergriffe in Rostock, die als die bis dahin schlimmsten fremdenfeindlichen Ausschreitungen nach dem zweiten Weltkrieg in dies Geschichte eingehen.
    15 min
  • Der Todestag des Komikers Groucho Marx (19.8.1977)
    Eine ostfriesische Mutter, der Vater aus dem Elsass nach Amerika ausgewandert, wo Groucho Marx mit vier bettelarmen Geschwistern aufwuchs. An so einem Start ins Leben geht man zugrunde – oder man wird der größte Komiker seiner Generation. In den 30er und 40er Jahren gehörten die Marx-Brothers Chico, Harpo und Groucho zu den beliebtesten Komikern Amerikas. Der Schauspieler Jack Lemmon sagte, die Marx-Brothers seien für den Humor das, was Karl Marx für die politische Philosophie sei. Als Komödiant war Groucho Marx ein Anarchist, ein Meister der verdrehten Worte, bis die Welt zur Freude des Publikums im Unsinn versinkt. So hat Groucho Marx völlig zurecht darauf hingewiesen, dass er nicht in einer kleinen Blockhütte geboren wurde, die er Wochen vorher mit seinem Vater errichtet hatte. Richtig ist, dass er am 2. Oktober 1890 als Julius Henry Marx in New York als Sohn einer armen Einwandererfamilie zur Welt kam. Mit 12 Jahren verließ Julius die Schule, um Geld zu verdienen. Mutter Minnie wollte, dass ihre Söhne im Showbusiness landeten. Vom Varieté und Vaudeville gelang ihnen der Sprung zum Broadway. Und vom Broadway zum Kino. Groucho trat auf mit angemaltem Brikett-Schnurrbart, großer Zigarre und einem grotesk nach vorne fallendem Gang. Mit schwarzem Humor karikierte er die Gesellschaft. Groucho Marx war auch im Radio und Fernsehen ein Star. Er sagte: "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau und hinter ihr steht seine Ehefrau." Groucho Marx war dreimal verheiratet und wurde dreimal geschieden. 1974 wurde er mit dem Ehren-Oscar ausgezeichnet. Er starb mit 86 Jahren in Los Angeles.
    15 min
  • Die DIN 476 "Papierformate" veröffentlicht (18.8.1922)
    Es ist der größte (und einzige?) Exportschlager aus der deutschen Bürokratie: Weil im Kaiserreich unformatierte Briefe nicht in jeden Umschlag und das Blatt danach nicht in den Hefter passte, revolutionierte die "Deutsche Industrienorm 476" die Welt des Papiers. Ausgedacht hat sich die Papierformate Dr. Walter Porstmann, ein eher unauffälliger Ingenieur aus Berlin. Im Kaiserdeutschland schrieb man seine Briefe mal auf Papier im Reichsformat, mal auf Gross-Patria oder Super-Royal. Wie sollte man da Ordnung in die Papierordner und Aktenschränke bringen? Ständig musste man an überstehenden Rändern herumschnippeln. Ein Zehntel des Papiers ging so verloren. Auch das ärgerte Dr. Porstmann, denn er sorgte sich um den deutschen Wald. Und deshalb erfand er ein genial einfaches und einfach geniales Prinzip. Die DIN 476, also die Deutsche Industrienorm für Papierformate, beruht auf einer Grundfläche von einem Quadratmeter: DIN A0 hat ein Seitenverhältnis von etwa 1 zu 1,4. Der Kniff liegt darin, dass man den Quadratmeter halbieren kann, so oft man will: ob einmal auf DIN A1, zweimal auf DIN A2 oder eben viermal auf das bekannte DIN A4 – das Seitenverhältnis bleibt immer gleich. Dadurch lassen sich alle Formate leicht vergrößern oder verkleinern, ohne dass sie dabei verzerrt werden. Viele Länder der Welt haben das Prinzip übernommen, das heute vor 90 Jahren veröffentlicht wurde.
    15 min
  • Steffi Graf wird Nr. 1 der Tennis-Weltrangliste (17.8.1987)
    "Fräulein Vorhand" wurde sie genannt und "Gräfin Gnadenlos". Das war nicht böse gemeint, sondern eher anerkennend, aus Respekt vor Steffi Grafs Tennisspiel. Ihr Wille, ihre ungeheure Disziplin und ihr großer Ehrgeiz machten sie zur Nummer 1 der Tennis-Welt und zu einer echten Sport-Legende. Die wuchtigen Schläge mit der Vorhand waren Steffi Grafs Markenzeichen und von ihren Gegnerinnen gefürchtet. Mit 3 Jahren hatte die kleine Steffi Graf aus dem badischen Brühl zum ersten Mal einen Tennisschläger in der Hand. Mit 18 Jahren war sie die Nummer 1 der Tennis-Welt. Insgesamt stand sie 377 Wochen an der Spitze der Weltrangliste – so lange wie keine andere Spielerin. Privat war und ist sie ganz anders als auf dem Tennisplatz - liebevoll und schüchtern. Das weiß keiner besser als ihr Ehemann Andre Agassi, der selbst ein Weltklassespieler war. Steffi Graf hat eine Weltkarriere hingelegt, ist bis heute eine der großen Heldinnen des deutschen Sports, lebt auch ihr Leben nach dem großen Sportzirkus frei von großen Skandalen – kurz: Sie ist eine Ausnahmeerscheinung. Oder wie sie es in ihrer eigenen Bescheidenheit ausdrückt: "Mich zu motivieren ist mir immer sehr leicht gefallen."
    15 min
  • Die Hartz-Kommission legt ihren Bericht vor (16.08.2002)
    Sozialhilfe war gestern! Fördern statt fordern! So klangen die Schlagworte der Diskussion um den Umbau des deutschen Sozialstaats Anfang der 2000er Jahre. Bis heute geblieben ist der Ausdruck "Hartz IV" – als Kampfbegriff, Stigma und politisches Symbol. Es ist ein wichtiges Ziel der aktuell regierenden Ampelkoalition: Aus "Hartz IV" soll bis 2023 ein "Bürgergeld" werden. Unabhängig davon, welche Verbesserungen der Sozialpolitik die Umbenennung bedeuten wird – keine 20 Jahre nach seiner Einführung wird "Hartz IV" wohl Geschichte sein. Begonnen hat dieses Kapitel deutscher Sozialpolitik mit einer von SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder eingesetzten Kommission um den damaligen Volkswagenmanager Peter Hartz, der ein neues Zeitalter der Armutsbekämpfung einläuten sollte. Mit den Hartz-Reformen wurden Arbeitslose zu Kunden, Sachbearbeiter zu sogenannten Case-Managern und Arbeitsämter zum Job-Center. Auslöser der Reform war ein Skandal um die Bundesanstalt für Arbeit gewesen, die jahrelang die Arbeitslosenstatistiken geschönt hatte. Kritiker sahen in den Umgestaltungen von Anfang an vor allem eine Sparmaßnahme für den Staat, die bis heute insbesondere zu Lasten von Langzeitarbeitslosen gehe. Armutsforscher beklagen jedenfalls seitdem eine bedrohliche Zunahme von Ungleichheit in unserer Gesellschaft.
    15 min
  • Der Geburtstag der thailändischen Königin Sirikit (12.8.1932)
    Sie war der anmutige Part eines königlichen Glamour-Paars. Dabei hatte Königin Sirikit von Thailand nach dem ersten Treffen mit ihrem späteren Mann Bhumibol gestanden: "Es war Hass auf den ersten Blick". Mit 15 lernt die Botschaftertochter Sirikit in Paris ihren entfernten Verwandten Bhumibol kennen, den noch ungekrönten König von Thailand. Der junge Mann hatte sie drei Stunden warten lassen, besonders sympathisch ist man sich nicht. Als Bhumibol im Jahr darauf einen schweren Autounfall hat, bittet er Sirikit ins Krankenhaus, um ihr seine Liebe zu gestehen. Im April 1950 findet in Bangkok die Hochzeit statt, nur fünf Tage später wird Bhumibol als Rama IX. zum König gekrönt. Das royale Paar schafft es schnell, sich in Thailand beliebt zu machen: Sie werden bald wie Gottheiten verehrt. Zugleich steigen sie zum internationalen Glamour-Paar auf. Die anmutige Sirikit trägt vorzugsweise Pariser Haut Couture und wird in den 60er Jahren zur elegantesten Frau der Welt gekürt. In ihrer Heimat engagiert sich die Königin in zahlreichen sozialen Projekten. Politisch verhält sich das Paar zwiespältig: Mal unterstützen die beiden Demokratiebestrebungen, oft aber macht Bhumibol gemeinsame Sache mit den Militärs, die Proteste blutig unterdrücken. Seit dem Tod ihres Mannes 2016 trägt Sirikit den Titel Königinmutter. Ihr Sohn, der neue König, ist wegen seines schrillen Lebenswandels deutlich weniger beliebt als seine Eltern.
    15 min
  • Der Geburtstag des Schauspielers Diether Krebs (11.8.1947)
    Er war der Sozi-Schwiegersohn und Gegenspieler von Ekel Alfred. Er wurde mit "Sketchup" zu einem der ersten Comedy-Stars in Deutschland. Seine letzte Rolle in dem Film "Bang Boom Bang" wurde Kult. Doch der in Essen geborene Diether Krebs brillierte auch in ersten Rollen. Egal ob mit Hasenzahn-Gebiss, riesigen Brillengläsern oder verrückten Perücken: In der Comedy Show "Sketchup" schlüpfte Diether Krebs in die schrägsten Verkleidungen und blödelte neben seinen Spielpartnerinnen Beatrice Richter und Iris Berben hemmungslos herum. Doch Diether Krebs war auch im ersten Fach zu Hause. Schon als Gymnasiast stand er auf der Bühne, besuchte die renommierte Folkwangschule und startete seine Schauspielkarriere am Oberhausener Theater und bei Peter Zadek in Bochum. Einem breiten Publikum wurde er 1973 in der Fernsehserie "Ein Herz und eine Seele" als linker und schlagfertiger Konterpart von Ekel Alfred bekannt. Anfang der 80er Jahre engagierte ihn Rudi Carrell dann für seine satirische "Tagesshow". Zur gleichen Zeit ging Diether Krebs auch als Kommissar Herle auf Verbrecherjagd, in über 100 Folgen der ZDF-Krimiserie "Soko 5113". Sich selbst bezeichnete Diether Krebs als faul und genusssüchtig. Der Komiker war Kettenraucher und trank exzessiv Alkohol. Als Diether Krebs 1998 seine letzte Rolle in der Ruhrpott-Gangsterkomödie "Bang Boom Bang" spielte, war er schon schwer krank und vom Lungenkrebs gezeichnet. Anfang 2000 starb der vielseitige Vollblutschauspieler in Hamburg.
    15 min
  • Der Geburtstag des Film-Produzenten Sam Warner (10.8.1887)
    Er gilt als der Vater des Tonfilms: Sam Warner überzeugte seine drei Brüder im Jahr 1927, den ersten Tonfilm zu produzieren, "The Jazz Singer". Und so legten die Warner Brothers dank Sams Initiative das Fundament für ein Film- und Unterhaltungsimperium. Die vier Warner Brothers waren Söhne polnisch-jüdischer Einwanderer. Schon 1903 überredete Sam den Vater, einen Filmprojektor zu kaufen, um in einem kleinen Laden in Ohio "Der große Eisenbahnraub" zu zeigen: Der Film war einer der ersten Western. Mit seinem jüngsten Bruder Jack ging Sam nach Kalifornien. Dort baute er ab 1918 das Filmstudio der "Warner Brothers" auf. Mitte der 20er erkannte er als erster der Hollywood-Produzenten die Möglichkeiten des Tonfilms. Den Durchbruch der neuen Technologie erlebte er nicht mehr: Sam Warner starb einen Tag vor der Welturaufführung von "The Jazz Singer" in Los Angeles. Seine Brüder bauten "Warner Brothers" zu einem Film-Giganten aus. Sie drehten in eigenen Studios und vermarkteten die Filme in eigenen Kinos. Die "Looney Tunes" mit Daffy Duck und Bugs Bunny wurden in den 1930ern ein Erfolg. Dazu kamen Gangsterfilme mit James Cagney, Abenteuerfilme mit Errol Flynn, Klassiker wie "Casablanca" oder Hitchcocks "Bei Anruf Mord". In den 80ern produzierte "Warner Bros." aufwendige Fantasyfilme wie "Die Unendliche Geschichte". Weltweit eröffneten "Movie-World"-Themenparks, unter anderem in Bottrop-Kirchhellen. Schließlich fusionierte der Film- zum Medienkonzern "Time Warner". Heute arbeiten 26.000 Menschen für "Warner Bros. Discovery", ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 31 Milliarden Dollar.
    0 min
  • Der Strafbefehl gegen den "Weltbürger Nr. 1" Garry Davis (9.8.1957)
    Garry Davis kämpfte im Zweiten Weltkrieg. Und schon als Soldat machte er sich Gedanken, wie Kriege zukünftig verhindert werden könnten. Wenn es zum Beispiel gar keine Staaten mehr gäbe und alle Menschen Weltbürger wären? Vor 65 Jahren schritt Davis zur Tat… Bei einer Vollversammlung der UNO hielt Garry Davis von einem Besucherbalkon aus eine Rede, forderte eine Weltregierung – und wurde verhaftet. Auf seinen US-Pass hatte er schon kurz zuvor verzichtet und als Staatenloser Asyl bei den Vereinten Nationen beantragt. Nun stellte sich selber einen Pass aus als "Weltbürger Nr. 1". Und er forderte andere Menschen auf, sich bei seiner Registry of World Citizens einzutragen. 750.000 Menschen ließen sich registrieren, auch Berühmtheiten wie Albert Einstein und Albert Camus. Doch im Kalten Krieg verblasste Davis' Initiative mehr und mehr. Die dahinter steckende Idee allerdings nicht. Viele NGOs haben heute einen globalen Ansatz, von amnesty international über Greenpeace bis zu Fridays for Future. Sie sehen, dass globale Probleme nicht von einzelnen Staaten, sondern nur von globalen Organisationen gelöst werden können. Ein Gedanke, den wir auch dem 2013 gestorbenen Garry Davis verdanken.
    15 min

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