ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Erste urkundliche Erwähnung der Romvölker in Deutschland (20.9.1407)
    Seit über 600 Jahren leben Romvölker in Europa, doch ihr Weg auf den Kontinent lässt sich aufgrund spärlicher Quellen nur grob rekonstruieren. Der älteste Beleg für Deutschland ist eine Weinrechnung vom 20. September 1407. Bis heute ist das Wissen über diese größte Minderheit Europas höchst spekulativ. Kriminalisierend oder romantisierend fließt seit Jahrhunderten ein unhinterfragtes Bild dieser pauschal als "Zigeuner" bezeichneten Menschen in Lexika, Literatur, Malerei oder Oper ein. Europa hat die "Zigeuner" regelrecht erfunden und der "wandernde Zigeuner" wurde als "der Fremde" schlechthin markiert. So wurden nicht nur die Juden, sondern auch rund 200.000 Sinti und Roma zu Opfern der nationalsozialistischen Agitation gegen "Fremdrassen." Und sogar bis ins 21. Jahrhundert haben sich, z.B. in juristischen Urteilen, höchst fragwürdige kriminalisierende Zuschreibungen gehalten.
    15 min
  • Der Geburtstag von Emil Zátopek (19.9.1922)
    "Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft." Ein Zitat wie ein Paar zerschlissene Laufschuhe. Oft wiederholt und für immer mit Emil Zátopek verbunden. Denn es gibt kaum ein Laufbuch, in dem dieser Spruch nicht steht. Emil Zátopek ist schon zu Lebzeiten eine Legende. Sein Laufstil unorthodox, manche beschreiben ihn auch als schrecklich. Mit rudernden Armen und wackelndem Kopf wird "Lokomotive Zátopek" trotzdem der erfolgreichste Läufer seiner Zeit. Spätestens nach den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki wird er endgültig zum Lauf-Idol. Drei Goldmedaillen in nur acht Tagen – über 5.000 m, 10.000 m und im Marathon. Doch Zátopek, der eigentlich Lehrer werden will und dann als Schuhmacher in einer Schuhfabrik arbeitet, ist nicht nur leidenschaftlicher Sportler. 1968 unterzeichnet er das Manifest der 2000 Worte mit, das für Reformen in der damals kommunistischen Tschechoslowakei eintritt. Als die russischen Panzer den Prager Frühling brutal beenden, wird Zátopek öffentlich diffamiert und als Verräter beschimpft. Er, der einstige Volksheld, wird zur Persona non grata. Zátopek schuftet als Müllmann und im Uranbergbau. Erst nach der Samtenen Revolution und dem Ende des Kommunismus in der Tschechoslowakei wird Emil Zátopek 1990 vollständig rehabilitiert. Er stirbt am 21. November 2000 nach einem Schlaganfall mit 78 Jahren.
    15 min
  • Der Todestag des italienischen Kastraten Farinelli (16.09.1782)
    Er war ein Popstar, eine Legende, er gilt als eines der größten Stimmwunder der Musikgeschichte. Carlo Maria Michelangelo Nicola Broschi, besser bekannt als Farinelli. Der Klang seiner Stimme soll die Zuhörer in rauschähnliche Zustände versetzt haben. Fast ein Jahrhundert Dornröschenschlaf: Mit dem Begriff des Countertenors war lange Zeit kein Staat zu machen, bis er gegen Ende des 20. Jahrhunderts wiederbelebt wurde und einen regelrechten Boom auslöste. Ein Countertenor ist ein Tenor, der in Altlage singt. Zu den berühmtesten Vertretern dieses kastratenhaften Ziergesangs zählt Carlo Maria Michelangelo Nicola Broschi, kurz: Farinelli. Der 1705 im Königreich Neapel geborene Musiker gilt als eines der größten Stimmwunder der Musikgeschichte. Schwerpunkte seiner Erfolge liegen in Italien und in den drei Metropolen Paris, London und Madrid. Zeitgenossen überschütteten ihn mit überbordendem Lob, das bis heute nachhallt. Farinelli war ein Popstar, dem die größten Komponisten seiner Zeit neue Partien auf den Leib bzw. auf die Stimmbänder geschrieben haben.
    15 min
  • Die Domain google.com wird registriert (15.09.1997)
    Was für ein unspektakulärer Beginn: Am 15. September 1997 lassen zwei Stanford-Studenten im kalifornischen Silicon Valley eine Internet-Domain registrieren. Der Name: "google.com" revolutionierte die Nutzung des Internets und schuf einen der mächtigsten Konzerne des digitalen Zeitalters. Was mit dem Start der Suchmaschine im Jahr 1998 begann, entwickelte sich zu einem weitverzweigten, hochprofitablen Internet-Giganten, dessen Plattform-Strategie viele Geschäftsprozesse veränderte. Ganze Branchen wurden umgekrempelt. Der Nettogewinn betrug 2021 76 Milliarden US-Dollar. Larry Page und Sergey Brin – die Studenten von damals – sind heute Multi-Milliardäre. Mit der Größe wuchs auch die Kritik an der Dominanz und dem Macht-Missbrauch durch Google. So werfen Kritiker dem Konzern beispielsweise vor, Massenmedien und die Art und Weise, wie diese konsumiert werden, negativ zu beeinflussen. Der Duden nahm den Begriff googeln 2004 in seine Liste des deutschen Sprachgebrauchs auf.
    15 min
  • Der Geburtstag des Architekten Renzo Piano (14.09.1937)
    "Architektur ist auch eine Vision der Welt", sagt der Stararchitekt Renzo Piano. Die neue Brücke anstelle der eingestürzten Morandi-Brücke in Genua, bei deren Einsturz 2018 Menschen in den Tod gestürzt waren, hat er entworfen. Piano versprach: Seine Brücke werde mindestens 1000 Jahre halten. An Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht. Morgens sei er ein Poet, ab elf ein Humanist und ab Mittag ein Konstrukteur, der baue, um Menschen Obdach zu geben. Der Italiener Renzo Piano ist einer der renommiertesten und bedeutendsten Architekten der Welt. Er hat einen Teil des Potsdamer Platzes gebaut, zahlreiche Museen wie das Zentrum Paul Klee in Bern, in London The Shard, den höchsten Wolkenkratzer Europas, er hat das New York Times Building geschaffen, das Wissenschaftsmuseum NEMO in Amsterdam, ein Fußballstadion in Italien, ein Flughafenterminal in Osaka, außerdem bereits als junger Architekt das Centre Pompidou mitentworfen. Der Stararchitekt gehört keiner Bewegung an, keiner Schule; der vielseitige Piano denkt in eigenen Dimensionen. Er stammt aus einer Genueser Familie voller Bauunternehmer. Das sei wichtig für ihn gewesen, sagt er, weil er mit der Vorstellung groß geworden sei, dass Bauen eine Kunst ist.
    15 min
  • Der Todestag des Philosophen Ludwig Feuerbach (13.09.1872)
    Heute vor 150 Jahren ist Ludwig Feuerbach gestorben. Ein Leben nach dem Tod gab es für ihn nicht – zumindest nach seiner eigenen Lehre: "Stirbst du, so stirbst du ganz, Alles ist todt." Feuerbachs radikale Philosophie gilt bis heute als schärfste Gotteskritik, gemeinsam mit Nietzsches berühmtem Satz "Gott ist tot." Feuerbachs für damalige Verhältnisse skandalöse Überlegungen musste die bayrische Polizei 1830 in einer Schrift lesen, die in Nürnberg anonym erschienen war unter dem harmlosen Titel "Gedanken über Tod und Unsterblichkeit". Auf der Stelle verbot die Polizei das Büchlein. Als es ihr gelang, den anonymen Autor zu ermitteln, war sein Name sofort in aller Munde: Ludwig Feuerbach, Privatdozent für Philosophie an der Universität Erlangen. Von seinem Vater, einem bayrischen Juristen, musste sich der nun sagen lassen, dass er nach einem solchen Skandal nie mehr Professor an einer deutschen Universität werden könne. Es scherte den jungen Feuerbach nicht. In der Abgeschiedenheit bayrischer Dörfer schrieb er sein Hauptwerk "Das Wesen des Christenthums". Darin erklärt er nicht nur die Unsterblichkeit der Seele, sondern auch Gott selbst als eine Projektion menschlicher Phantasie. Karl Marx war begeistert: "Und es gibt keinen andern Weg für euch zur Wahrheit und Freiheit, als durch den Feuerbach."
    15 min
  • Archäologen vermuten Fund des Skeletts von Richard III. (12.09.2012)
    König Richard III. regierte England Ende des 15. Jahrhunderts für nur zwei Jahre. Bekannt ist er vor allem als buckliger Erz-Bösewicht in einem Shakespeare-Drama. Dabei hat ihm Shakespeare aber wohl Unrecht getan. Experten haben das gefundene Skelett des englischen Königs untersucht – er war demnach keinesfalls entstellt. Der Fund der Gebeine war ein echter Wissenschaftskrimi. 2012 wurde unter einem Parkplatz in Leicester ein Skelett gefunden. DNA-Untersuchungen bestätigten, dass es sich bei den Gebeinen um jene von Richard III. handelt, mit dessen gewaltsamem Tod 1485 die berühmten Rosenkriege endeten. Ein echter Wissenschaftskrimi, denn sowohl das Aufspüren des richtigen Ausgrabungsorts als auch eines Verwandten für den DNA-Abgleich über 500 Jahre nach dem Tod Richards war keineswegs simpel. Der Fund löste in England ein regelrechtes Richard-Fieber aus. Durch seine Gebeine konnten Wissenschaftler einige Fragen über das Leben und den Tod des wahren Richard beantworten, ehe der ehemalige König von England 2015 in der Kathedrale von Leicester jene ehrenvolle Beisetzung erhielt, die ihm nach seinem Tod auf dem Schlachtfeld 1485 versagt geblieben war.
    15 min
  • Konstantin, Konstantius und Konstans werden römischen Kaiser (09.09.337)
    Drei Brüder erben im Jahr 337 das riesige Römische Reich von ihrem Vater, Kaiser Konstantin dem Großen. Drei Brüder sollen gemeinsam ein Weltreich regieren? Die Konflikte sind vorprogrammiert… Ihr Vater hatte im Römischen Reich die Wende zum Christentum eingeleitet. Das Imperium erstreckt im Norden von Britannien und Germanien über Italien und Spanien bis in die heutige Osttürkei und nach Nordafrika und Ägypten. Bald schon regen sich unter den drei Kaiserbrüdern Neid, Missgunst, aber auch theologische Differenzen. Bereits 340 stirbt der 24-jährige Konstantin im brüderlichen Bürgerkrieg; 350 der jüngste der Brüder, Konstans. Der mittlere, Konstantius II., wird der prägende Herrscher dieses Zeitalters, dem es gelingt, die christlichen Reichsstrukturen so weit zu festigen, dass sie auch die radikal antichristlichen Jahre des Nachfolgekaisers Julian Apostata, der Abtrünnige genannt, überdauern.
    15 min
  • Der 2. Pädagogische Kongress in der sowjetischen Besatzungszone (08.09.1947)
    Heute vor 75 Jahren begann in Leipzig ein Kongress, die "Grundsätze für die Erziehung in der deutschen demokratischen Schule" festlegen sollte. Daraus entwickelte sich eine streng ideologisch ausgerichtete pädagogische Arbeit in der späteren DDR. Es war bereits der 2. Pädagogische Kongress, eröffnet "im festlichem Rahmen, würdig seiner großen Bedeutung", wie das SED-Blatt "Neues Deutschland" pathetisch mitteilte. Die Aufgaben waren schließlich auch gewaltig, galt es doch, die Hinterlassenschaften der nationalsozialistischen Rassenideologie und ihrer verbrecherischen Folgen zu überwinden – durch "Grundsätze für die Erziehung in der deutschen demokratischen Schule". Daraus entwickelte sich eine Volksbildungs-Ideologie, die vor allem von Margot Honecker verkörpert wurde. Die Frau des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker war das Gesicht der Volksbildung der DDR. 26 Jahre lange leitete sich das entsprechende Ministerium, in dem sie bereits seit 1954 arbeitete. Doch die Wurzeln für die spätere Bildungspolitik wurden schon 1947 in der sowjetischen Besatzungszone gelegt:
    15 min
  • Ein Bericht im Spiegel löst die Barschel-Affäre aus (07.09.1987)
    "Watergate in Kiel": Heute vor 35 Jahren löste dieser Bericht des "Spiegel" eine der folgenreichsten Affären der bundesdeutschen Politik aus. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel wurde etwa einen Monat später tot in der Badewanne eines Hotelzimmers gefunden – die Zusammenhänge sind bis heute nicht genau aufgeklärt. Kurz vor der Landtagswahl 1987 in Schleswig-Holstein hatte das Politik-Magazin "Der Spiegel" über "Barschels schmutzige Tricks" geschrieben: Es ging um Spitzelkationen und eine geplante Schmutzkampagne gegen SPD-Spitzenkandidat Björn Engholm. Durch Verleumdung und gezielte Aktionen sollte der Ruf des Konkurrenten von Ministerpräsident Uwe Barschel im Wahlkampfendspurt geschädigt werden. Barschel gab öffentlich sein Ehrenwort, von nichts gewusst zu haben. Doch weitere Spiegel-Recherchen und die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zwangen den Ministerpräsidenten zum Rücktritt. Einer der größten politischen Skandale der Bundesrepublik hatte seinen Lauf genommen. Am 11. Oktober wurde Uwe Barschel von zwei Reportern des "Stern" in Genf tot in der Badewanne seines Hotelzimmers gefunden. Die Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis: Suizid durch Schlafmittel. Wegen zahlreicher Ermittlungspannen von Polizei und Behörden ranken sich um Barschels Tod manche Verschwörungstheorien, die einen Suizid bezweifeln und von Mord ausgehen.
    15 min

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