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  • Ex-Fußballerin Valentina Maceri: „Der Woke-Feminismus hat den gesunden Menschenverstand verloren“
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Sportjournalistin und Ex-Profifußballerin Valentina Maceri rechnet mit dem modernen Feminismus ab – und erklärt, warum gerade ihre Erfahrungen in Männerdomänen wie dem Profifußball sie dazu gebracht haben.

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    Probieren Sie es einfach aus und lesen Sie die Titelgeschichte der Mai-Ausgabe von Ulrich Thiele: "Nord-Stream-Anschlag. Auf der Anklagebank: die Ukraine"

    Valentina Maceri: Fuck Female Empowerment, Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag 2026

    Inhalt Podcast:

    04:52 "Habe ich zunehmend festgestellt, dass sich das in eine ungesunde Richtung entwickelt und vor allem, dass ich das in einer Richtung entwickelt, die nicht förderlich für das eigentliche Ziel, nämlich die Chancengleichheit, ist. Und das hat mich zunehmend gestört und genervt und das war jetzt in meinem speziellen Fall auch schon so, dass viele Männer, mit denen ich zusammenarbeite, mit denen wirklich gut klarkomme, sehr verunsichert waren in meiner Gegenwart, aber nicht wegen mir, sondern aufgrund genau dieser öffentlichen Diskussion. Angetrieben vom woken Feminismus. Also es war dann irgendwann soweit, dass Männer Angst hatten, mir Komplimente zu machen, weil sie panisch wurden in Anbetracht dessen, was so um sie herum passiert, dass Moderatoren gecancelt werden, dass Personen des öffentlichen Lebens gecancelt werden wegen Werken, die sie vielleicht vor zehn Jahren veröffentlicht haben und dass diese Machtposition ja da ist, dass das so passiert." (Valentina Maceri)

    11:10 "Ich höre immer mehr von jungen Männern auch, wie unsicher sie sind in ihrem Verhalten gegenüber Frauen, wie eingeschüchtert sie sich fühlen, weil sie gar nicht mehr wissen, was darf ich jetzt und was darf ich eigentlich nicht, was gehört sich und was gehört nicht, weil alles, was sie, also in ihrem Gedanken glaube ich, ist, alles was sie jetzt tun oder sagen, kann dann gegen sie verwendet werden. So ist schon die Auffassung. Im beruflichen Alltag, wie gesagt, sind es so Situationen wie das Marcel Reif beispielsweise, als ich ihn für mein Buch angefragt habe, der liefert daher auch ein Interview mit seiner Frau, hat er zu mir gesagt, heutzutage würde ich mich nicht mehr trauen, mit einer Frau allein in Aufzug zu steigen. So, und das zeigt ja schon, wie kaputt das Vertrauensverhältnis zwischen Mann und Frau geworden ist." (Valentina Maceri)

    29:55 "Man muss halt der Realität schon auch ehrlich ins Gesicht schauen und die Realität sieht nun mal so aus, dass der Weg zum Erfolg nicht bequem ist, ist einfach nicht so. Und diese ganzen Ideologien, die dieser Woke-Feminismus halt auf die Tagesordnung ruft, sind sehr bequem. Die sind sehr bequem, manchmal vielleicht auch eine Ausrede fürs eigene Scheitern." (Valentina Maceri)

    43 min
  • Psychiater Joachim Bauer im Interview mit Ralf Hanselle: „Digitale Gewalt erklärt Menschen für vogelfrei“
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Seit dem Fall Collien Fernandes diskutiert die Öffentlichkeit über digitale Gewalt. Gerne wird dabei vergessen, dass die Digitalisierung unser emotionales Erleben ganz grundsätzlich auf den Kopf gestellt hat. Ein Gespräch mit dem Psychiater Joachim Bauer über die Frage, was das Valley fühlen nennt.

    Joachim Bauer: Menschlichkeit in digitalen Zeiten. Warum wir ohne lebendige Wirklichkeit nicht leben können, Penguin 2026

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    Inhalt Podcast:

    04:12 "Der Punkt jetzt ist eben, dass die digitalen Hilfsmittel praktisch jede Beleidigung, die über die Plattformen läuft und jede Demütigung, jede Ausstellung einer anderen Person, durch ein Deepfake Video, was die andere Person dann nackt zeigt etc., dass jede dieser Untaten, die hier im digitalen Raum laufen, eben ein mindestens mittelgroßes bis großes Publikum hat. Das heißt, wir haben öffentliche Hinrichtungen, wir haben praktisch eine Situation, wie sie wahrscheinlich im Mittelalter laufend gegeben hat, nämlich, dass Leute auf dem Marktplatz öffentlich gedemütigt wurden, niedergemacht wurden, öffentlich gesteinigt wurden. Das ist das, was ich eben die Rückkehr hinter die Aufklärung bezeichnen, das, das was die Aufklärungen eigentlich uns gebracht hat, nämlich die Erkenntnis, dass jeder Mensch eine Würde hat, die zu achten ist, unabhängig von seiner Herkunft oder von seinem Stand, dass das praktisch aufgehoben ist und dass Menschen wieder vogelfrei sein können." (Joachim Bauer)

    25:26 "Da haben wir fundamentale Irrtümer, wie diese Informationstechniker, diese Mathematiker, diese Entwickler von KI über den Körper denken. So wie sie glauben, wie der Körper angeblich funktioniert, so funktioniert er nicht. Ich bin eben ausgebildeter Biologe und Mediziner. Ich bin auch in der Genforschung viele Jahre aktiv gewesen, erfolgreich. Und das Modell, was die haben, dass unser ganzer Körper nichts ist als eine Software, eine technologische Software, ist ein fundamentaler Irrtum." (Joachim Bauer)

    36:43 "Wir werden vielleicht im weiteren Verlauf des Gesprächs über die massiven Folgerungen, die das für die Pädagogik hat, sprechen, dass wir nämlich Kindern ermöglichen müssen mit ihren Körpern und dann Jugendlichen mit ihren Körpern in der analogen Welt unterwegs zu sein, und dass die digitale Übernutzung zu einer Entkörperlichung führt, die ein potenzielles Entwicklungsrisiko für die Kinder und Jugendlichen ist." (Joachim Bauer)

    44:08 "So eine technizistische Religion, wo wir jetzt hinterherlaufen müssen, also erinnert mich so ein bisschen, altes Testament, goldenes Kalb, nicht alle müssen das irgendwie toll finden, weil es jetzt eben en vogue ist. Das ist der Punkt. An und für sich sind das doch tolle Spielgeräte, mit denen wir technisch, aber auch im Zwischenmenschlichen was machen können. Also zum Beispiel mit diesen Geräten auch das soziale Leben abzubilden und sich auszutauschen, das ist ja alles fantastisch. Der Punkt ist diese Überwältigung des Ganzen, dieser totalitäre Anspruch, den wir momentan haben seitens der Digitec-Firmen und ihrer Anbieter, ihrer peripheren Anbieter, denen wir uns dann hier im Alltag gegenüber sehen, nicht, dass man das alles jetzt ungeprüft sofort maximal gut finden muss, das ist das, wogegen ich mich wehre." (Joachim Bauer)

    1 hr 5 min
  • taz-Journalist Nicholas Potter – „Wir erleben eine Renaissance autoritärer Ideen in der Linken"
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Nicholas Potter gehört zu den profilierten Beobachtern der linken Szene in Deutschland. Im Cicero Podcast Politik mit Mia Kilian spricht der taz-Journalist über sein neues Buch „Die neue autoritäre Linke“ – und warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung innerhalb progressiver Milieus. Ausgehend von eigenen Erfahrungen mit einer Hasskampagne beschreibt Potter, wie sich Teile der Linken von demokratischen Prinzipien entfernen und autoritäre Denkmuster an Einfluss gewinnen.

    Nicholas Potter: Die neue autoritäre Linke. Eine akute Bedrohung für die demokratische Gesellschaft, dtv 2026

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    Inhalt Podcast:

    4:04 "In den Wochen und Monaten danach sind Aufkleber mit diesen Online-Kacheln aufgetaucht in Berlin, an diversen Orten, an Litfasssäulen, an Mülleimern, an Ticketautomaten, wo ich beleidigt werde und wo weit hin behauptet wird, ich sei ein Genozid-Propagandist und das alles gipfelte darin, dass dann selbstgebastelte Fahndungsplakate in Berlin zu sehen waren, mit der Überschrift "Wanted", also "gesucht mit meinem Foto. Dazu das rote Dreieck der Hamas und der Aufforderung, mich zu eliminieren." (Nicholas Potter)

    11:00 „Wenn wir nicht auf eine demokratische Linke zählen können, als Teil eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses, das sich zu liberalen Werten bekennt, dann haben wir ein Problem.“ (Nicholas Potter)

    21:46 „Israel wurde zum Inbegriff des Kolonialen, des Imperialistischen. Und in dieser Lesart war es nur folgerichtig, dass man Israel als Speerspitze des Imperialismus bekämpft.“ (Nicholas Potter)

    25:29 "Aber ich glaube, es gibt genug Konflikte in der Welt. Ich würde mir wünschen, dass die auch mehr Aufmerksamkeit (…) verdienen. Das ist kein Whataboutism, zu sagen, warum reden wir nicht mehr über Sudan, wenn alle ständig über Israel-Palästina sprechen. Aber ein bisschen Nuance würde uns alle guttun und ein bisschen Balance auch." (Nicholas Potter)

    35:02 "Also zum Beispiel bei der Linkspartei selbst, ja, das ist schön und gut und viele Bundestagsabgeordnete, die die Missstände bei der Linksjugend gerade kritisieren, aber ich finde, die Partei als Ganzes hat gerade ein massives Problem mit autoritärer Weltbilder und mit Antisemitismus." (Nicholas Potter)

    36:27 "Ich finde, die globale Linke hat sich spätestens seit dem 7. Oktober ideologisch und inhaltlich verrannt. Und es liegt jetzt an der Linken, sich selbst zu erneuern oder in die Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Denn die liberale Demokratie ist sehr bedroht gerade von der extremen Rechten, von dem Aufstieg Parteien wie die AfD, aber auch von Putins imperialistischen Ambitionen, auch vom Iran, das ein breites Proxynetzwerk an islamistischen Terrororganisationen mitfinanziert und auch den Terrorismus weltweit exportiert und nicht zuletzt von China." (Nicholas Potter)

    39 min
  • Bayer. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU): „Landwirtschaftspolitik ist auch Sicherheitspolitik"
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Die bayrische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ist eine Freundin deutlicher Worte. Im Cicero-Podcast mit Volker Resing erklärt die CSU-Politikerin, was sie an der Berliner Politiker stört, was sie über Veganer denkt - und was das Lieblingsgetränk der Bayern ist.

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    Inhalt Podcast:

    06:00 "Es geht nicht darum, was einzig und allein eine SPD will oder einzig und allein eine Union will, sondern es geht darum, was braucht das Land, um jetzt wieder Fahrt aufnehmen zu können? Wirtschaftspolitisch und auch sozialpolitisch. Und all die Reformen, die jetzt anstehen, die muss man diskutieren, die brauchen wir auch. Und ich habe da natürlich ein bisschen Respekt wie alle anderen auch davor. Aber ich denke, diese Reformbereitschaft hört man ja in der Bürgerschaft schon. Die Menschen sagen ja selbst, die Bürger sagen ja selbst zu uns ganz offen, macht doch endlich was. Wir gehen ja sowieso, wir sind bereit, einen Weg mitzugehen. Aber er muss gut erklärbar sein, er muss gut händelbar sein und er muss am Ende des Tages die Ergebnisse liefern, dass tatsächlich, und das ist das, was ich im Einstieg gesagt habe, dass wir alle miteinander ordentlich und gut und gerecht und sozialverträglich wieder gut miteinander umgehen und leben können." (Michaela Kaniber)

    11:22 "Der zweite Punkt ist natürlich, dass aktuell die weltpolitische Lage alles andere als ruhig ist. Deswegen finde ich es auch richtig, dass wir die äußere Sicherheit stärken und die Verteidigungspolitik in dem Fall auch absichern. Aber niemand, niemand spricht tatsächlich über die zivile Verteidigung. Und da geht es nämlich auch darum, dass wir die Menschen in unserem Land versorgen müssen. Und nicht nur die Menschen unserem Land. Wenn tatsächlich der Bündnisfall eintreten würde, dann müssen wir ja auch die Streitkräfte versorgen. Ich will da keine Kriegsrhetorik pflegen, ganz im Gegenteil. Aber wir müssen einfach gewappnet sein und wir neigen ja dazu, in Deutschland immer alles wahnsinnig gut zu planen und bis wir mal in die Pötte kommen, ist der Fall vielleicht schon eingetreten." (Michaela Kaniber)

    16:16 "Aber im Endeffekt, also wenn ich da ein Fazit ziehen darf, auch nochmal zu mehr Mercosur, es ist eigentlich ganz einfach: Wenn wir weiter den Wohlstand in Deutschland verlieren, dann wird am Ende des Tages auch das Geld fehlen, um Premiumprodukte aus Bayern kaufen zu können oder aus Deutschland. Und deswegen braucht es solche Handelsabkommen und wenn wir jetzt nicht getan hätten, mit Verlaub, wenn dieses größte Handelsabkommen mit 740 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten nicht abgeschlossen hätten, dann hätten es andere Staaten dieser Welt gemacht und ich will jetzt nicht unbedingt behaupten, dass es vielleicht dann besser geworden wäre." (Michaela Kaniber)

    27:43 "Ich durfte mal mit dem Professor Hirschhausen, durfte ich mich mal auf einem Podium auseinandersetzen und er hat mich dann ein Stück weit provoziert, indem er gesagt hat, jeder Kunde, der ein Steak kauft, sollte eigentlich an der Ladentheke einen 5-Liter-Eimer Gülle mit nach Hause nehmen. Und ich drehe das jetzt einfach mal um. Jeder, der gerne veganes Essen kauft, sollte eigentlich mal fünf Liter Gülle mitbringen, damit wir dieses Essen auch düngen können. Oder was wollen wir eigentlich? Es geht um die Wertschöpfung, aber auch um diese Wirtschaftskreisläufe in der Landwirtschaft, für die wir Verständnis haben müssen." (Michaela Kaniber)

    40 min
  • Investigativ-Journalist Ulrich Thiele im Interview – „Nord-Stream-Saboteure sind Kinder der CIA“
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Ein mutmaßlicher Koordinator des Nord-Stream-Anschlags sitzt in Hamburg in Untersuchungshaft, während neue Recherchen auf ukrainische Netzwerke, CIA-Verbindungen und politische Verstrickungen hindeuten. Im Podcast spricht Ulrich Thiele über Hintermänner, Mediennähe zur Regierung und Kritik an seinem Buch „Die Sprengung“.

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    Probieren Sie es einfach aus und lesen Sie die Titelgeschichte der Mai-Ausgabe von Ulrich Thiele: "Nord-Stream-Anschlag. Auf der Anklagebank: die Ukraine"

    Oliver Schröm und Ulrich Thiele: Die Sprengung. Der Nord‑Stream‑Anschlag, die Jagd nach den Tätern und Deutschlands Verrat an der Ukraine. Ein Tatsachenthriller vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs, Piper 2026

    Inhalt Podcast:

    12:38 "Die Saboteure in der Ukraine, die sind sehr redewillig, die ist stolz auf ihre Tat, das ist für die ein patriotischer Akt, die sind stolz darauf und ich glaube, die freuen sich auch, dass darüber geschrieben wird. Ehrlich gesagt in der Ukraine sieht das auch keiner kritisch, in der Ukraine gelten die als Helden, würde ich sagen. Und auch in den USA haben wir mit sehr sehr ranghohen Quellen gesprochen, also wirklich Leute, die es wissen müssen, auch was die Rolle der CIA betrifft. Das war möglich, weil wir Journalistenkollegen in den USA hatten, die für uns die Tür geöffnet haben. Ohne die hätten wir das nicht geschafft. Also da braucht man Türöffner." (Ulrich Thiele)

    27:19 "Da hat das Kanzleramt ein bisschen Nebelkerzen geworfen. Es gab dann irgendwann Berichte, ich glaube es war der Spiegel, der erstmals von dieser CIA-Warnung an Berlin berichtet hat. Und da hat sich das KZ ein bisschen rausgeredet, das ist auch einerseits eine Flucht nach vorne und andererseits eine Nebel-Kerze. Man hat dann gesagt, diese Warnung der CIA war so allgemein, also da kommt da gar nichts drauf zurückführen und deswegen haben wir da auch nichts gemacht. Und man hat bewusst verschwiegen, dass man deutlich detailliertere Informationen hatte, dass Sägeschiff, Saluschnyi involviert, die Ostsee und so weiter. Und da hat man so ein bisschen versucht, die eigene Verantwortung zu vertuschen." (Ulrich Thiele)

    32:57 "Die Nord-Stream-Sabotage wurde genutzt, um sie direkt mit der Frage nach Waffenlieferungen, mit der Ukraine-Stütze zu verbinden und die deutsche Unterstützung für die Ukraine in Frage zu stellen. Was die Nähe angeht, wir beschreiben diesem Buch sehr ausführlich. Nähe zwischen Wolfgang Schmidt und wichtigen, einflussreichen Hauptstadtjournalisten. Diese Nähe ist berüchtigt im politischen Berlin." (Ulrich Thiele)

    43:02 "Dieser Fall ist ein großes Politikum, gerade weil diese Sprengung, dass es Ukrainer war, von vielen Seiten, vor allem AfD, BSW, also diese russlandfreundlichen Seiten, natürlich genutzt wird, um jetzt die Ukraine-Unterstützung in Frage zu stellen. Es ist ein grosses Politikum auch deshalb, weil hier eitel Konflikte wieder aufbrechen." (Ulrich Thiele)

    47 min
  • Joana Cotar im Interview mit Carsten Korfmacher – „Der Bundestag ist nichts als Show für Bürger und Presse“
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Nicht einzelne Parteien sind das Problem, sondern ein abgeschotteter Politikbetrieb, der sich selbst ernährt und nur durch maximale Disruption verändert werden kann, sagt Ex-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar im Gespräch mit Cicero-Wirtschaftschef Carsten Korfmacher.

    Joana Cotar: Inside Bundestag, Westend Verlag 2026

    Inhalt Podcast:

    06:10 „Es ist ein Systemproblem und ich habe es auch in meiner letzten Rede im Bundestag gesagt. Ich stand da vorne und habe allen Parteien gesagt, ihr alle seid das Problem. Parteien, so wie sie jetzt aufgebaut sind, wie sie strukturiert sind und funktionieren, sind das Problem und nicht die Lösung für dieses Land. Und sich zu überlegen, welche Partei kann ich mit der Faust in der Tasche noch wählen oder welches ist das kleinere Übel, das irgendwie noch irgendwas retten kann in diesem Land, ist die falsche Überlegung. In diesem System wird uns niemand retten, weil das System so aufgebaut ist, dass es sich selbst ernährt, dass es sich selbst füttert.“ (Joana Cotar)

    8:47 „Das Parlament soll ja eigentlich die Regierung kontrollieren. Tatsache ist aber, dass eine Regierung die Gesetze einbringt und dann die Parole rausgegeben wird: „Dieses Gesetz kommt durch, wir wollen ja nicht Herrn Merz beschädigen“. Da ist nichts mehr mit Kontrolle. Das ist ein reiner Abnickverein, das ist ein reiner Showverein.“ (Joana Cotar)

    12:44 „Das, was Sie im Plenum sehen, ist Show für die Bürger und Show für die Presse. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass da noch irgendwelche Argumente ausgetauscht würden, weil von vornherein klar ist, wie die Fraktion abstimmen wird. Sie gehen mit einem Plan in diese Sitzung, auf dem steht, wer redet und wie abgestimmt wird. (…) Das ist betreutes Abstimmen.“ (Joana Cotar)

    41:06 "Also es gibt gewisse Sachen, wo ich sagen würde, das sollten wir in keinem Fall in private Hände legen, wie eine äußere Sicherheit zum Beispiel, Verteidigung zum Beispiel. Auch eine innere Sicherheit. Ja, man kann private Sicherheitsleute etc. Es gibt ein paar Kernelemente des Staates, wo er verantwortlich ist. Wie viel brauchen wir, um das zu finanzieren? Und alles andere hätte ich gerne, dass die Bürger sich selber darum kümmern, weil ich der Meinung bin, der Bürger weiß selbst am besten, wofür er sein Geld ausgeben möchte. Er weiß selbst, was er braucht und nicht der Staat. Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer, der Staat ist nicht der bessere Lehrer. Von daher, halt dich einfach aus meinem Leben heraus." (Joana Cotar)

    48:22 „Wenn ich etwas in acht Jahren im Bundestag gelernt habe: Es wird am laufenden Band gelogen. Und jedes Mal, wenn man uns erzählt, es ist für eure Sicherheit, es ist für euren Schutz, dann ist genau das Gegenteil der Fall. Dann wollen sie irgendetwas durchbringen, was ganz sicher nicht für unseren Schutz positiv ist.“ (Joana Cotar)

    54 min
  • Jonas Schreiber im Interview mit Clemens Traub: „Lage an den Schulen ist dramatisch“ – Ein Lehrer packt aus
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Ein Schüler erschleicht sich zusätzliche Prüfungszeit, Eltern klagen auf bessere Noten, und Lehrer sollen Anforderungen senken, damit niemand durchfällt. Klingt absurd, ist aber Alltag an deutschen Schulen – darüber spricht Lehrer und Autor Jonas Schreiber in dieser Folge mit Cicero-Redakteur Clemens Traub.

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    Probieren Sie es einfach aus und lesen Sie die Titelgeschichte der April-Ausgabe "Gesellschaft in der KI-Revolution: Epochenbruch" von Carsten Korfmacher

    Jonas Schreiber: Realtalk: Lehreralltag

    Inhalt Podcast:

    2:42 "Das Buch soll eigentlich ein Wachruf sein, dass die Gesellschaft sieht, was bei uns passiert, weil wir haben in Deutschland keine großen Ressourcenkapazitäten im Boden, sondern eigentlich nur das Humankapital, was uns mal ausgezeichnet hat. Und wie wir jetzt ja auch medial Stück für Stück mehr sehen, schwindet das und die Schüler, die bei mir sind, die werden ja auf sich dann auch in den Arbeitsalltag kommen und sollen ja eigentlich das Land voranbringen und weiter möglichst positiv tragen. Wenn das schwindet, haben wir ein Riesenproblem." (Jonas Schreiber)

    5:27 "Eigentlich ist Leistung gesellschaftlich nicht mehr positiv und gut gesehen, sondern eher, ich sage es überspitzt, sozialistische Züge, alle sollen möglichst gleich sein, aber es hat nicht mehr auf das Individuum geachtet." (Jonas Schreiber)

    8:17 "…und sagt dann kurz bevor ich rausgehe, Herr Schreiber, die gleiche Prüfung, wie ich vor 10 Jahren geschrieben habe, kann ich nicht mehr schreiben, sonst würden nur 5 und 6 rauskommen. (…) Das heißt, wir als System, als Schule, fangen an, uns dem Schlechten, also den Nicht-Leisten-Wollenden, nach unten hin anzupassen. Und das bedeutet ja dann für die, die leisten wollen, dass sie sich dann auch nach unten anpassen, weil sie sehen, dass dieses Leisten sich überhaupt nicht mehr lohnt." (Jonas Schreiber)

    20:37 "Dann nehme ich wieder die Eltern, darum habe ich vorhin das Wort Verantwortung gesagt, nehme ich die wieder, die Eltern mit ins Boot. Wenn wir jetzt über eine Social-Media-Verbotsdebatte sprechen, frage ich mich, warum? Wenn ich in ein Restaurant reingehe und dann mich umschaue, dann sitzen Eltern da, die drücken einem 2-jährigen Kind oder einem 1-jährigen Kind ein Tablet in die Hand, bitte leise sein und beschäftige dich damit, am besten noch auf voller Lautstärke hören."

    21:05 "Ich als Elternteil bin verantwortlich dafür, dass das Kind jetzt das hat. Darum bin ich auch verantwortliche, dass ich meinem Kind das erlaube oder nicht erlaube. (…) Und da brauche ich keinen Staat, der vorgibt, das darfst du jetzt nicht mehr nutzen, sondern du hast ein Kind gekriegt. Du bist verantwortlich. Kümmere dich darum, dass es funktioniert." (Jonas Schreiber)

    36:04 "Aber am Ende ist die Keimzelle in Deutschland, die Familie, und die Familie muss die Werte, die wir als Gesellschaft hochhalten, eigentlich vermitteln. Und darum sind wir auch nur ein gewisser Baustein an der ganzen Geschichte, das weiterzugeben." (Jonas Schreiber)

    45 min
  • Ex-Greenpeace-Chef Thilo Bode im Interview mit Volker Resing – „Ohne die Zivilgesellschaft wäre die Demokratie tot“
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Thilo Bode ist eine Art Nestor der deutschen NGO-Szene. Im Cicero Podcast Politik mit Volker Resing fordert der einstige Greenpeace-Chef und Foodwatch-Gründer, der Staat solle weniger Geld an politische Organisationen geben.

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    **Inhalt Podcast:"

    2:33 "Wenn die NGOs Geld vom Staat nehmen, direkt für ihre Projekte oder für ihre Kampagnen und sich vom Staat finanzieren lassen und noch dazu im größeren Ausmaß, dann können sie ihre eigentliche Rolle sozusagen, die unabhängige kritische, nach allen Richtungen kritische Zivilgesellschaft und auch Einfluss zu nehmen auf die Politik nicht mehr wahrnehmen." (Thilo Bode)

    4:28 "Dass in der Tat NGOs, auch gerade bei der Ampelkoalition eine zu große Nähe zu der Grünen-Partei hatten, ja, und da gab es Verbindungen, Kontakte, die sind sicher nicht rechtswidrig in formeller Art. Aber das kann ja nicht die Aufgabe der NGOs sein. (…) Neutralität und kritische Distanz zu allen ist sehr wichtig." (Thilo Bode)

    12:09 "Politisch unterstütze ich diese Aktion (der letzten Generation) nicht, ja. Das habe ich, glaube ich, auch sehr, sehr intensiv bei Greenpeace gelernt. Die Aktionen müssen, die können ruhig Regeln brechen, aber man darf nicht weglaufen. Ja, ich stelle mich hin, bin kein Terrorist und gehe dann auch ins Gefängnis. (…) Sie machen nur Fortschritt, wenn Sie Leute begeistern. (…) Und da wurden die Autofahrer instrumentalisiert. Das fand ich nicht gut." (Thilo Bode)

    14:53 "Also ohne die Zivilgesellschaft wäre die Demokratie tot" (Thilo Bode)

    28:55 "Wenn wir eine wirkliche Energiewende wollen, und wenn wir wirklich die Klimaziele erreichen wollen und sagen, Atomenergie ist keine nachhaltige Energie, weil wir wissen gar nicht, wie wir die Entsorgung machen. Und wir haben heute, und das ist, glaube ich, einer der großen Verdienste, die die Umweltorganisationen außerhalb der Parlamente gemacht haben, dass sie sich effektiv für die regenerativen Energien eingesetzt haben, gegen großen Widerstand, (…) Das hätten wir noch gar nicht, dieses Spektrum an regenerativen Energien." (Thilo Bode)

    41:05 "Ich glaube, dass man die Wirtschaft viel mehr einhegen muss, damit sie die umweltpolitischen Ziele befolgt. Aber das ist für mich jetzt nicht mehr eine Systemfrage, sondern eine Machtfrage." (Thilo Bode)

    43:55 "Ich will einen starken Staat, der in der Lage ist, den Konzernen was entgegenzusetzen. Das ist doch ein Witz. Das ist auch ein absoluter Witz, dass man giftige Lebensmittelstoffe, (..) dass der Staat nicht in der Lage ist, aus Angst, oder unter dem Vorwand der Wettbewerbsfähigkeit diese Stoffe nicht zu verbieten. Das geht doch nicht. Es gibt doch Grundrechte. Schutz des Lebens und Gesundheit. Dazu muss auch in der Marktwirtschaft was geschehen." (Thilo Bode)

    53:23 "Ich kann Widerstand gegen eine schlechte Politik in unserer freiheitlichen Ordnung ausüben, muss ich auch, gegen die Konzerne, muss ich zum Beispiel im Nahrungsmittelbereich und gleichzeitig dieses System im Grundsatz unterstützen und gut finden, da sehe ich keinen Widerspruch." (Thilo Bode)

    55:13 "Da muss ich eine Kritik üben an meiner Branche, dass heute viel zu sehr in Konsenzrunden und Konferenzen gearbeitet wird. Wir sollen draußen bleiben, wir sollen von draußen Druck aus üben, damit die richtig was machen." (Thilo Bode)

    57 min
  • Ökonom Lars Feld: „Die Schuldenbremse ist nicht schuld an unserer miserablen Infrastruktur“
    Cicero – Magazin für politische Kultur

    Wussten Kanzler Merz (CDU) und Finanzminister Klingbeil (SPD) von Anfang an, dass die deutschen Sonderschulden größtenteils zweckentfremdet werden? Darüber spricht Ökonom Lars Feld, ehemaliger Berater des Finanzministeriums, mit Cicero-Wirtschaftschef Carsten Korfmacher.

    Lars Feld und Wolf Reuter: Schuldenwende. Der gefährliche Irrweg der Finanzpolitik, Herder 2026

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    **Inhalt Podcast:"

    4:26 „Das hat viel damit zu tun, dass es einen ungeheuren Interessengruppeneinfluss auf allen Ebenen gibt und jeder versucht, ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Und das sorgt am Ende dafür, dass wir einen massiven Anstieg der Finanzhilfen bekommen haben, also hohe Subventionen, die mittlerweile gezahlt werden.“ (Lars Feld)

    7:16 „Es kann Ihnen passieren, dass Sie in einem Klassenzimmer sitzen, da ist dann nicht nur ein Lehrer, sondern dann sind da auch noch vier Sozialarbeiter, die mitgeschleppt werden müssen. […] Man kann für alles immer irgendeine Begründung finden, aber man muss irgendwann auch sagen, man kann sich vielleicht nicht jeden Standard leisten. […] Die Eins-zu-eins-Betreuung, die da stattfindet, ist an vielen Stellen sicher auch überzogen.“ (Lars Feld)

    8:59 "Gerade auch bei den größeren Städten haben wir immer wieder Projekte, auch Bauprojekte. Die werden dann gerne als Investition gezählt. Aber es sind Prestigeprojekte, die braucht man dann vielleicht nicht in dieser Form durchzuführen. Ich finde die Elbphilharmonie ganz toll, es ist ein Wahrzeichen Hamburgs. Aber man könnte auch fragen: Hätte man das jetzt wirklich gebraucht?“ (Lars Feld)

    27:00 „Mich stört eben schon dieses Verschieben aus dem Kernhaushalt in das Sondervermögen, ohne dass es zu einem nennenswerten Anstieg der Investitionsausgaben dann kommt. Und das heißt einfach, dass wir im Vergleich zu der vorherigen Planung überhaupt kaum mehr zusätzliche Effekte bekommen. Das mag zwar juristisch alles so sein, dass dieses Kriterium der Zusätzlichkeit, das da eingezogen worden ist, eingehalten wird, aber ökonomisch passt das eben nicht.“ (Lars Feld)

    32:36 „Wenn Sie sich jetzt vorstellen, die beiden wussten nicht, dass es diesen Effekt geben würde, dann ist das ja noch umso schlimmer. Dann müsste man ja unterstellen, dass zwei Führungskräfte in der Politik, die eigentlich die politischen Mechanismen kennen sollten, ziemlich naiv wären. Ich habe beide, Lars Klingbeil deutlich weniger als Friedrich Merz, bei verschiedenen Treffen kennengelernt. Naivität würde ich den beiden nicht unterstellen. Das heißt also, sie durften damit rechnen.“ (Lars Feld)

    52 min
  • Pädagoge Zierer und Cicero-Autor Brodkorb: „Bildung ist, jeden Tag darum zu kämpfen, sich selbst zu überbieten"
    Cicero Podcast Politik

    Seit Jahren wird das sinkende Leistungsniveau an deutschen Schulen beklagt. Doch um mehr „Bildungsgerechtigkeit“ zu erreichen, mache die Politik genau das Falsche, sagen die Autoren Mathias Brodkorb und Klaus Zierer im Cicero-Podcast Politik.

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    Mathias Brodkorb und Klaus Zierer: Tyrannei der Gleichheit. Für mehr Gerechtigkeit in Schule und Gesellschaft, Matthes und Seitz Berlin 2026

    Inhalt Podcast:

    Zierer:

    02:52 "Es ist ein Ziel von Bildung, dass ich über Leistungen mich entwickle und es ist auch ein Ziel der Bildung mit Druck, der vielleicht im System steht, umgehen zu lernen. Erst daraus resultiert vielleicht Angst und selbst mit der Angst muss ich positiv umgehen können. Mit anderen Worten, wir tun der nachwachsenden Generation keinen Gefallen, weiter am Leistungsanspruch zu drehen, den rauszunehmen, weil Bildung nur über Leistung funktioniert."

    Brodkorb:

    03:41 "Also die Idee, wenn ein Kind fröhlich und zufrieden ist, dann ist es eher in der Lage zu lernen und tut es auch, als wenn es auch gewissem Druck ausgesetzt wird. So jetzt weiß jeder Vater, jede Mutter, das Pubertier ist ein merkwürdiges Lebewesen und nein, die Kinder räumen nicht von alleine das Zimmer auf. Und bei den Hausaufgaben sieht es genauso aus. Also dieses Weltbild, das da pädagogisch dahinter steht, hat einfach mit Heranwachsenden relativ wenig zu tun. Es mag manche Exemplare des Pubertiers geben, die auf so eine pädagogische oder Kuschelpädagogik anspringen, will ich nicht ausschließen, aber das sind eher Einzelphänomene."

    Brodkorb:

    15:51 "Es geht darum, dass wir sozusagen nicht mehr zu akzeptieren bereit sind, dass diese Dinge aber Grenzen haben, dass nicht aus jedem Schüler mit der richtigen Förderung Albert Einstein werden kann. Diese einfache Tatsache wollen wir nicht akzeptiert. Deswegen messen wir Jahr um Jahr, ob die Bildungsergebnisse zwischen den Schülern jetzt endlich gleicher geworden sind. Und das kriegen Sie nur hin, wie Pisa zeigt, eher erfolgreich, ja, jetzt gibt es mehr Gleichheit durch weniger Leistung, vor allem der Besten. Herzlichen Glückwunsch!"

    Brodkorb:

    22:07 "Unser Buch ist keine Anklage gegenüber Lehrern, sondern gegenüber der Politik. Das heißt, jeder Lehrer muss in jeder Klasse an den Schüler glauben, weil er nicht weiß, was nach ein paar Jahren Entwicklung rauskommen kann und muss deshalb auch entsprechend fördern. Aber eine Politik, die die Schulsysteme so aufstellt, als könnte wirklich am Ende jeder alles werden und dasselbe Ziel erreichen, eine solche Schulpolitik ignoriert Realitäten, gibt viel Geld aus und wundert sich dann nach vielen Jahrzehnten, dass sie das Ziel nicht erreicht hat, das sie sich gestellt hat, weil es von Anfang an Quatsch war."

    Brodkorb:

    27:40 "Ich will nur Folgendes sagen. Wenn man hohe Löhne und hohe Sozialleistungen behalten will, muss man technologisch Spitze sein. Und Technologiespitze geht nicht ohne Intelligenz und Wissen und Leistung. Es tut mir leid. Es ist unmöglich. Das heißt, eigentlich müsste jeder Politiker, mal wenn er mal ein bisschen langfristig denkt, sich klar machen, dass sich an dieser Frage der sozialen Zusammenhalt und der wirtschaftliche Erfolg dieses Landes und vielleicht sogar die Zustimmung zur Demokratie entscheiden wird. Das Problem ist nur, dass der Niedergang ja schrittweise kommt. Also wenn Sie den ersten Schülerjahrgang haben, der nicht mehr lesen, schreiben und rechnen kann, bei, ich weiß nicht, 40 Millionen Beschäftigten, das fällt noch nicht so auf. Das kann das System wegatmen, also der Arbeitsmarkt. Wenn dann der nächste Schülerjahrgang kommt, der wieder nicht lesen schreiben und rechne kann, wird's schon schwieriger. Und nach 10, 15 Jahren bricht die Hütte dann richtig schön zusammen. Das ist unser Dilemma."

    Zierer:

    35:46 "Wenn wir Leistungsförderung wollen, dann muss klar sein, dass die Besten irgendwo auch eine Anerkennung bekommen, was für die Guten gut ist und gleichzeitig auch für die, die noch nicht so gut sind, weil es eine Motivation in diese Richtung sein kann. Und ohne diesen Leistungsanspruch werden wir all die Herausforderungen, vor denen wir stehen, definitiv nicht meistern können."

    Brodkorb:

    40:09 "Und deswegen würde ich gerne da nochmal ganz deutlich sagen, ich ziehe einen guten Klempner, jederzeit einem mittelmäßigen Germanisten, vor, weil ich den guten Klempner für eine sehr viel produktivere Persönlichkeit halte für diese Gesellschaft als den mittelmäßigen Germanisten. Vom Schlechten ganz zu schweigen."

    Zierer:

    40:44 "Der Kit der Gesellschaft, der für den Zusammenhalt sorgt, ist ja nicht nur darin zu sehen, was wir sozusagen an Abschlüssen irgendwie messen können, was in der Regel häufig bestimmte Fächer sind, Mathematik, Deutsch und Englisch und die Naturwissenschaften, sondern der Kit der Gesellschaft hat ja sehr viel mit den Werten zu tun, mit Haltungen, die wir mitbringen, wozu ja auch Leistung gehört. Und das ist doch ein Bereich, der unabhängig vom Bildungsabschluss zunächst mal zu sehen ist und der eigentlich eine Kernaufgabe von Schule ist. Also wie schaffen wir es, dass alle Kinder, die durch das Schulsystem gehen, Selbstbeherrschung haben, Anstrengungsbereitschaft, ein Leistungsdenken, mit Fehler umgehen können, Solidarität machen können, tolerant sein können. Also wie schaffen wir es, diese Werte, die unsere Gesellschaft zusammenführen, für jedes Kind zugänglich zu machen? Das ist ein Anspruch, der jenseits dieser Bildungsabschlüsse zu sehen ist, wo wir Ungleichheiten haben und immer haben werden, wir sie sogar brauchen werden in einer arbeitsteiligen, leistungsorientierten Gesellschaft."

    Brodkorb:

    46:05 "Was ist Bildung oder was ist der Prozess der Bildung? Ich hoffe, Klaus, dass ich dich jetzt richtig wiedergebe. Das ist ein Vorgang, des permanent an das eigene Scheitern, an die eigenen Möglichkeiten gebracht zu werden. Bildung ist eigentlich, jeden Tag darum zu kämpfen, sich selbst zu überbieten. Also Bildung als Prozess. Und wenn das eigentlich Bildung ist, als Prozess, jeden Tag an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit zu gehen, um sie zu überwinden, dann brauche ich gerade im Deutschen solche Texte wie Goethe, weil sie anspruchsvoll sind. Weil nur anspruchsvolle Texte es überhaupt mir ermöglichen können, selber anspruchsvoll und niveauvoll zu werden."

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