ERF Plus - Wort zum Tag

ERF Plus - Wort zum Tag

By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
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ERF Plus - Wort zum Tag episodes

  • Gottes „Muss“ hat göttliche Ziele!
    Die Bibelstelle Apostelgeschichte 27,23-24 – ausgelegt von Gerhard Weinreich.

    Vielleicht sind Sie eben darüber gestolpert, dass der Engel Gottes zu Paulus sagte: „Du musst vor den Kaiser gestellt werden!“ Und haben sich gefragt: “Gibt es denn so ein göttliches Muss?“ Menschen beklagen sich oft: „Warum musste gerade ich so schwer erkranken?“ Oder: "Warum musste gerade ich so einen herben Verlust erleiden?" Es gibt ähnliche Fragen – meistens ohne Antwort. Ich bekam eine für mich als 25-jähriger Vikar beim ersten Hausbesuch in meiner ersten Gemeinde: einem alten Ehepaar, das in erbärmlichen Verhältnissen lebte! Die Frau klagte mir auch gleich ihre Not: „Wenn unser Sohn noch lebte, ginge es uns jetzt besser! Aber der wurde ja noch kurz vor Kriegsende mit seinem Flugzeug abgeschossen!" Ich versuchte, sie mit Worten der Bibel und des Glaubens zu trösten. Doch sie unterbrach mich bald: „Ach, Sie junger Spund, was verstehen denn Sie vom Leben!“ Daraufhin erzählte ich ihr, dass ich mit „17“ innerhalb von drei Wochen meine Eltern und viele Jahre zuvor meinen einzigen Bruder verloren habe. Sagte ihr, dass ich ohne Gottes Trost und Jesu Hilfe heute nicht bei ihr sitzen würde. Worauf sie zunächst lange schwieg, dann aber sagte: „Herr Vikar, jetzt glaube ich Ihnen auch, was sie mir von Gott und Jesus sagten!“ Im nächsten Moment ging mir auf: "Gerhard, deshalb musstest Du das Sterben dreier geliebter Menschen erleben, damit Du einmal Menschen in ihrer Trauer überhaupt verstehen und dann versuchen kannst, sie zu trösten!“

    Was für ein Beginn meiner Vikarszeit! Jetzt verstand ich, dass Paulus in einem seiner Briefe schrieb: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.“ Was Paulus von Gott erkannte, mit ihm erlebte und dann seelsorgerlich tun konnte, hat mein Pfarrersleben geprägt. Mich auch den Satz des Philosophen Sören Kierkegaard begreifen lassen: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts!“ Also erst im Rückblick auf finstere Täler oder herbe Einschnitte im Leben: ob sie mir nicht auch eine neue Sicht vom Leben schenken!

    Ich denke an eine Cousine. Sie lag nach einem komplizierten Wadenbeinbruch wochenlang im Krankenhaus. Als ich sie besuchte, meinte sie: „Was mir bis jetzt enorm wichtig war, wurde mir auf einmal völlig nebensächlich. Und was für mich bisher total unwichtig war, bekam auf einmal einen hohen Stellenwert.“

    Doch Sören Kierkegard sagte nicht bloß: „Verstehen kann man das Leben nur rückwarts“ sondern auch: „Leben muss man es aber vorwärts!“

    Meine Mutter fiel mir ein, die 13 Jahre nach dem Tod meines Bruders sagte: „Jetzt bin ich über ihn hinweg. Ich suche meinen Jungen nicht mehr 1,60 Meter unter der Erde, sondern oben bei Gott! Wer weiß, wovor er mein Kind bewahren wollte.“ Was für eine Lektion, die meine Mutter damit von Gott lernte! So manche Lektionen von Gott lernte auch meine Frau in den Höhen und Tiefen ihrer jahrelangen Krebserkrankung. Sie lebte mir dabei vor, was das Leben „vorwärts leben“ heißt. Nämlich, je länger umso mehr mit dem Satz des Paulus im Herzen: „Ich vergesse, was dahinten ist und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“

    Dem Erreichen göttlicher Ziele soll jedes „Muss Gottes“ im Leben dienen! Paulus hat das erlebt. In Rom wurde er nur zu einem Hausarrest in eigener Wohnung verurteilt, konnte aber trotzdem ungehindert das Evangelium von Jesus Christus verkündigen! Und danach bekam Paulus vermutlich von Gott sogar einen langersehnten Wunsch erfüllt: nämlich nach Spanien reisen und auch dort missionieren zu dürfen! Einen Philipp Friedrich Hiller ließ das dichten: „HERR, was sind wir, dass du Engel uns zu unsern Wächtern gibst? Menschen sind wir voller Mängel, Menschen, die du dennoch liebst. Engel, die dich allzeit sehn, sollen uns zu Diensten stehn. Engel hüten uns als Kinder, heilge Engel schützen Sünder.“  (Lied: Herr Gott, dessen starke Rechte)

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    Autor: Gerhard Weinreich

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    7 min
  • Menschenfischen
    Die Bibelstelle Lukas 5,5 – ausgelegt von Hans-Martin Richter.

    Fischers Fritz fischt frische Fische. Der Zungenbrecher gehört zum Volksgut.

    Es gibt eine weitere Redensart mit „fischen“, die kein Zungenbrecher – aber erklärungsbedürftig ist: Menschenfischen

    Dieses Wort aus der Bibel bedeutet, die christliche Botschaft auf mutige Weise bekannt zu machen.

    Das Neue Testament berichtet, wie ein Fischer namens Petrus zu einem Menschenfischer wird. Er sollte Frauen und Männer aus seinem Umfeld in die Gegenwart Gottes ziehen. Sie ließen sich taufen, veränderten ihr Leben und sammelten sich später in christlichen Gemeinden.

    Der Arbeitsplatz des Petrus war zuerst der heute rund 20km lange See Genezareth. Seine Handwerkszeuge waren Boot und Fischernetz. Sein Erfolg? Er wusste, wo und wann er für reiche Beute die Netze auswerfen musste. Auch wenn er an manchen Tagen trotzdem nichts fing.

    Einmal forderte ihn der Wanderprediger Jesus auf, sein Fischerboot als Verkündigungsort zur Verfügung zu stellen, als schwimmende Kanzel sozusagen. Petrus willigt ein. Nach der Predigt gibt Jesus, ausgebildeter Zimmermann, Petrus Anweisungen. - Das ist schwierig.

    Eigentlich ist alles, was Jesus Leuten aufträgt irgendwie schwierig und unmöglich:

    Einen Zollbeamten fordert er auf, urplötzlich seinen Arbeitsplatz zu verlassen.

    Blinde sollen sehen, Lahme gehen.

    Bei einem Sturm auf dem See fordert Jesus diesen Petrus auf, sein Boot zu verlassen und auf dem Wasser zu gehen.

    Später überträgt Jesus den Auftrag des Menschenfischens an alle seine Nachfolger, die sich heute Christen nennen. Verstehen Sie sich als Christ oder Christin? Dann ist Menschenfischen Ihre Bestimmung. Durch Sie soll der christliche Glaube in Ihrem Umfeld bekannt werden. Ich höre die Stimmen: Das geht nicht, weil … wir zu wenig Zeit, Geld, Kraft und Ideen haben. Ich habe schon so viel erfolglos versucht. Das geht nicht. Auch nicht in unserer Gemeinde oder Kirche.

    Ein positives Beispiel, wie heute Netze nach dem Wort von Jesus ausgeworfen werden:

    Alle Familien, die zu einer kleinen Gemeindegründung in Brandenburg kommen, besuchten davor deren Krabbelgruppe. Dort hörten die Kinder und vor allem die Eltern erstmals biblische Geschichten und lernten christliche Lieder. Weil es in der Stadt ein Überangebot an Kita-Plätzen gab, boten alle Kitas plötzlich Krabbelgruppen an. Niemand kam mehr in die christliche Krabbelgruppe in den abgelegenen Stadtteil. Was jetzt?

    Jesus sagt Petrus: Wirf die Netzte noch einmal aus, entgegen deiner Logik, entgegen deiner Erfahrung. Petrus antwortet: Auf dein Wort hin will ich es wagen. Er ahnt, dass die Worte von Jesus so stark sind wie die Worte von Gott, der bei der Schöpfung der Welt sagt „Es werde“ – und alles passiert so.

    Und Petrus erlebt, wie sein Fischernetz übervoll wird, dass er im Sturm auf dem Wasser gehalten wird, dass durch Jesu machtvolle Worte Menschen aus festgefahrenen Lebensmustern ausbrechen und mutig einen neuen Weg gehen, usw.

    In der Brandenburger Gemeindegründung gibt es übrigens seit neuem einen Eltern-Kind-Spielraum. Es kommen mehr Leute als zur Krabbelgruppe. Ein paar Mütter haben ihre Identität als Menschenfischer erkannt und sind bereit, im Vertrauen auf Jesu Worte die Netze neu auszuwerfen.

    Vielleicht sind Sie in einem Umfeld, in dem eher die Leinen eingeholt werden, statt mutig den starken Worten von Jesus zu vertrauen. Ich lade Sie ein, mit Petrus zu bekennen:

    „Wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen. Aber auf dein Wort hin, will ich die Netze auswerfen.“ (Lukas 5 Vers 5)

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    Autor: Hans-Martin Richter

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    5 min
  • Das Gefühl: Ich bin ausgeliefert
    Die Bibelstelle Psalm 138,7 – ausgelegt von Hans-Martin Richter.

    Kennen Sie das auch? Das Gefühl einer Übermacht ausgeliefert zu sein, die Sie in die Enge treibt? Sie weichen zurück, aber die Gefahr kommt immer näher.

    Dann spüren Sie plötzlich, dass es nicht mehr weitergeht. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand, während die Bedrohung weiter auf Sie zukommt.

    Die Bibel nennt das Bedrängnis. Martin Luther übersetzte dieses Wort oft mit Angst.

    Angst kann selbst Auswirkungen auf meinen Körper haben:

    • Wenn das Herz immer schneller schlägt oder sogar in die Hose rutscht.
    • Wenn die Körperhaare sich sträuben und der Atem schneller geht.
    • Angst kann mir manchmal sogar den Schlaf rauben.

    Die Ursachen sind unterschiedlich. Vielleicht rennt tatsächlich ein wildes Tier auf mich zu, gegen das ich mich nicht wehren kann.

    Meist sind es aber andere Bedrohungen, die mich in Bedrängnis bringen:

    • Wenn der Arzt sagt, der Tumor sei leider nicht gutartig.
    • Wenn klar wird, dass die Firma keine Zukunft hat.
    • Wenn der Chef von Kündigung spricht.
    • Wenn Kinder Wege gehen, die ich nicht für gut halte.
    • Wenn es in der Ehe kriselt.
    • Wenn die Finanzen nicht mehr ausreichen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
    • Wenn Zukunftshoffnungen zerplatzen.
    • Wenn meine Ehre und mein Ansehen zerstört wird.
    • Wenn die Kraft nicht mehr ausreicht.

    Für viele mögen meine Aufzählung eine schlichte Sammlung von Schlagworten sein. Aber wer sie durchleben muss, der weiß, wie die Angst das eigene Leben negativ verändert. Angst soll eine Schutzfunktion sein. Natürlich kann sie auch positive Auswirkungen haben. Aber meist macht sie mein Leben eng und raubt mir den Lebensmut.

    Was hilft?

    Ich erinnere mich an eine Nachtwanderung mit Kindern. Vorlaute Jungs wurden plötzlich ganz kleinlaut. Unbekannte Geräusche in der Nacht ließen sie nach der starken Hand des Leiters suchen. Wer jemand kennt, der stärker ist als die Bedrohung, bei dem verändert sich etwas. Die Angst weicht.

    So hat es wohl vor vielen tausend Jahren ein Beter erlebt, dessen Worte im Buch der Psalmen der Bibel aufgenommen wurden.

    Ich weiß nicht, was ihm Angst machte.

    Sein Feedback an Gott will mein Vertrauen stärken, dieselbe Erfahrung zu machen:

    Wenn ich mitten in der Angst wandle, anders übersetzt: wenn ich mitten durch Gefahren gehe, oder: wenn ich von Not umgeben bin, dann… greift Gott ein. Vielleicht beseitigt er das Problem. Auf alle Fälle verändert er den Blick auf das, was mir Angst einflößt. Gott lässt mich aufatmen.

    In der Basis-Bibel findet sich die Übersetzung: Wenn ich mitten durch Gefahren gehe, so erhältst du mich am Leben.

    Der Theologe Helmut Lamparter übersetzte: wenn ich mitten in der Angst wandle, SO ERHÄLTST DU MICH.

    Und Hans-Joachim Krauss: Muss ich mitten in der Bedrängnis wandle, Du gibst mir Leben.

    Ich kenne Ihre Bedrängnis nicht. Ich weiß nicht, was Ihnen heute Angst macht. Die Jungscharkinder suchten in der Nacht die starke Hand des Leiters. Ich möchte Sie an den Gott verweisen, der seine Leute seit Jahrtausenden erfahren lässt, was in Psalm 138,7 steht: „Wenn ich mitten in der Angst lebe, so erquickst du mich.“

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    Autor: Hans-Martin Richter

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    5 min
  • Jesus ist Jude
    Die Bibelstelle Apostelgeschichte 13,23 – ausgelegt von Jutta Schierholz.

    Shabbat Shalom! Heute ist Samstag. Heute haben unsere jüdischen Mitbürger ihren Ruhetag. Ich freue mich, dass es in unserem Land jüdische Gemeinden gibt. Denn das Judentum ist die Grundlage des Christentums. Jesus ist Jude, ebenso wie Paulus, von dem der Lehrtext der heutigen Losung der Herrnhuter Brüdergemeine stammt. Dieser Vers steht in der Apostelgeschichte, Kapitel 13, Vers 23. Dort steht: „Aus Davids Geschlecht hat Gott, wie er verheißen hat, Jesus kommen lassen als Heiland für das Volk Israel.“

    Paulus spricht diese Worte im Rahmen eines jüdischen Gottesdienstes in der Synagoge von Antiochia in Syrien. Denn Paulus glaubt, dass Jesus der Messias ist, auf den die Juden seit Alters her warten. Und er ordnet ihn hier in die jüdische Geschichte ein: Jesus steht in einer Linie mit David, dem großen König der Juden.

    In Jesus ist die Erfüllung dieser alten jüdischen Hoffnung gekommen. Christen gibt es nur, weil es vorher schon Juden gab. Das Alte Testament, also die jüdischen Schriften, bilden die Basis für das Neue Testament. Deswegen verdienen Juden und deren Gemeinden gerade von Christen besonderen Respekt. Und deshalb finde ich es aber auch sehr betrüblich, dass jüdische Gemeinden und Einrichtungen in Deutschland derzeit nicht ohne Polizeischutz auskommen. In Berlin-Kreuzberg und Nord-Neukölln, wo ich arbeite, ist es besonders deutlich, warum das nötig ist. Immer wieder finden hier israelfeindliche Demonstrationen statt. Und in unmittelbarer Nähe des einen Platzes, wo sich oft Demonstranten versammeln, steht aber auch eine Synagoge. Die Synagoge am Fraenkelufer.

    Mein Pastorenkollege Dietmar Päschel von der Adventgemeinde Hasenheide hat unmittelbar nach dem 7. Oktober 2023 eine Mahnwache vor dieser Synagoge initiiert. Immer freitagabends vor Beginn des Abendgebets versammeln sich Anwohner und Freunde der jüdischen Gemeinde vor der Synagoge und bleiben so lange dort, bis das Gebet in der Synagoge zu Ende ist. Natürlich ist dort auch immer viel Polizei vor Ort, aber diesen Menschen ist es wichtig zu zeigen: „Wir wollen, dass ihr als jüdische Gemeinde hier in Ruhe Gottesdienst feiern könnt. Wir wollen, dass es euch hier gibt, und wir wollen mit dazu beitragen, dass ihr euch hier sicher fühlen könnt.“

    Diese Mahnwachen finden nun schon seit über zweieinhalb Jahren jeden Freitag statt. Dietmar, der Pastor, ist inzwischen nur noch selten dabei, aber es hat sich inzwischen eine feste nachbarschaftliche Gruppe gebildet, die dort vor der Synagoge zusammenkommt. Neue Freundschaften sind entstanden und es ist immer eine fröhliche Runde, die da zum Plaudern zusammenkommt. Da werden Neuigkeiten ausgetauscht, da werden Verabredungen getroffen, da wird auch viel gelacht und entspannt in den Abend hineingelebt. Ich finde es wunderbar zu sehen, dass der Schutz jüdischen Lebens auch Spaß machen kann. Und dass das auch anregende Impulse in die übrige Gesellschaft senden kann.

    Ähnliche Initiativen gibt es auch an anderen Orten in Deutschland. Sie sind wichtig, gerade jetzt. Denn nur da, wo die Wurzeln des eigenen Glaubens gepflegt werden, kann dieser auch wirklich gedeihen.

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    Autor: Jutta Schierholz

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    4 min
  • Halt auf freier Strecke
    Die Bibelstelle Psalm 27,14 – ausgelegt von Jutta Schierholz.

    Neulich ist es wieder mal passiert. Ich saß im ICE, ich war unterwegs von Berlin in meine Heimat im Südwesten. Wir waren schon mit einiger Verspätung losgefahren, und irgendwo zwischen Erfurt und Fulda blieb der Zug dann einfach auf freier Strecke stehen. Es gab lange keine Durchsage, und so standen wir da, schauten hinaus auf die Wiesenblumen am Waldrand, und wussten nicht, was los war. Irgendwann kam dann doch die Durchsage: die Weiterfahrt verzögert sich, denn die Lokführerin wartet darauf, dass die Zentrale ihr den aktualisierten Fahrplan schickt. Nun gut. Ich hatte in diesem Fall Glück, ich hatte keinen dringenden Termin, der wegen der Verspätung in Gefahr war. Ich hatte ein gutes Buch dabei. Und ich wusste, dass die Deutsche Bahn ihre Züge nicht ewig auf freier Strecke stehen lässt.

    Nicht alle Zwischenfälle im Leben verlaufen so glimpflich. Manchmal ist die Ungewissheit sehr viel größer, die es auszuhalten gilt. Wenn ich nach einem Arztbesuch auf Ergebnisse warten muss. Weil er etwas gefunden hat, das erst mal untersucht werden muss. Oder wenn das Kind nicht zur verabredeten Zeit nach Hause gekommen ist. Oder wenn im Betrieb plötzlich der wichtigste Geschäftspartner aussteigt und unklar ist, wie es nun mit der Firma weitergeht. Da ist es nicht getan mit dem Satz: „Bitte haben Sie noch etwas Geduld.“ Da muss etwas Stärkeres her, das mir in diesem Moment Kraft gibt.

    Der Text der heutigen Losung der Herrnhuter Brüdergemeine steht in Psalm 27, Vers 14. Dort steht: „Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!“

    Ich mag diese wunderbaren alten Wörter hier in der Luther-Übersetzung. „Harren“ ist so ein altes Wort. Es bedeutet Warten, Hoffen, Geduld haben. „Getrost“ sein: Trost zu finden in der Gewissheit, dass Gott ein gutes Ende im Sinn hat. „Unverzagt“ finde ich besonders schön: „Verzagt“ ist jemand, der die Hoffnung verliert, der nur noch schwarz sieht und aufgibt. „Unverzagt“ ist das Gegenteil davon. Aber wo nehme ich die Kraft her, nicht zu verzagen?

    Der Psalmist David nennt den Grund dafür in dem Text, der diesem Vers vorangeht. Der Vers von heute ist der letzte Vers in einem Loblied auf Gott, in dem David Gott für die eigene Bewahrung dankt. Da schreibt er, in einer modernen Übersetzung: „Denn ich bin gewiss, dass ich am Leben bleiben und sehen werde, wie gütig der Herr ist.“

    Meine Bahnfahrt wurde dann tatsächlich irgendwann fortgesetzt und ich bin an diesem Tag zwar später als gedacht, aber doch noch gut an meinem Ziel angekommen. Nämlich in meinem Elternhaus. So ähnlich ist es dann auch mit den größeren Wartezeiten, die mir das Leben aufdrückt: Am Ende komme ich sicher ans Ziel. Oft erreiche ich tatsächlich noch rechtzeitig meine Zwischenhalte im Leben. Die Diagnose fällt günstig aus. Das Kind hat bloß bei einem Kumpel übernachtet und vergessen, Bescheid zu sagen. Für die Firma wird rechtzeitig ein neuer Auftraggeber gefunden.

    Aber es kann auch sein, dass der Zug des Lebens einmal direkt ohne Halt bis zur Endstation fährt. Die steht von vorneherein fest, und die wird auch sicher erreicht: nämlich das Vaterhaus. Dort wartet Gott schon, ganz getrost und unverzagt.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Jutta Schierholz

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    5 min
  • Nach der Wahl ist vor der Wahl
    Die Bibelstelle 5. Mose 30,9 – ausgelegt von Roberto Tappert.

    Die heutige Losung der Herrnhuter Brüdergemeine ist ein wunderbarer Zuspruch Gottes: „Der HERR, dein Gott, wird dir Glück geben in allen Werken deiner Hände.“ Ich finde sie im 5. Buch Mose, Kapitel 30, Vers 9. Meine Arbeit wird gelingen und ich werde mit meinem Tun erfolgreich sein. Das schafft Zufriedenheit und Wohlstand; ich kann sicher und ruhig leben. Doch mein Alltag sieht oft anders aus. Diese Zusage Gottes schaue ich mir genauer an, um sie richtig einordnen zu können. Denn der zitierte Satz ist nur ein kurzer Ausschnitt aus einer langen Rede Moses. Zuerst und direkt richtet sich dieses Wort an das Volk Israel. Kurz vor seinem Tod hält Mose eine bedeutende Rede an das Volk. 40 Jahre hat er die Israeliten durch die Wüste geführt. Dieser Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, geht nun dem Ende zu. Das Volk steht unmittelbar vor der Besiedlung des wunderbaren neuen Landes. Mose weiß, dass er sterben wird und das Volk das Land ohne ihn einnehmen muss. Noch einmal blickt er zurück, aber auch nach vorn. Er erinnert die Menschen an die mächtigen Taten Gottes an ihnen. Doch auch an ihr Versagen, ihre Widerspenstigkeit und Rebellion gegen Gott. Ein Höhepunkt der Ansprache Moses ist die Erinnerung an Gottes Worte: „Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählst.“ (Vers 19) Segen oder Fluch – ihr habt die Wahl!

    Jeder Mensch hat die gleiche Wahl: den Weg zum Leben oder den Weg des Todes zu gehen. Immer wieder haben Menschen den Weg des Fluches gewählt, den Weg ohne Gott. Sie wenden sich von ihm ab oder bestreiten, dass es ihn überhaupt gibt. Sie gehen ihre eigenen Wege und meinen, dass er ihnen doch nichts vorzuschreiben habe. Dennoch muss ich wählen, welchen ich gehen will. Der Weg zum Leben hat einen Namen: Jesus Christus. Jesus betont: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Johannes 14,6)

    Ich bin froh über Gottes Versprechen, mich zu segnen und zu versorgen. Aber Wohlstand kann auch zum Verhängnis werden. Ich habe alles, was ich brauche. Sogar noch viel mehr. Doch wie ernst nehme ich noch das Gebet „Unser tägliches Brot gib uns heute“? Ich bin dem Herrn dankbar, keine Not zu leiden. Doch gutes Auskommen allein kann nicht glücklich machen. Jesus warnt mich nicht vor Wohlstand und gutem Auskommen. Aber umso mehr vor den Sorgen dieser Welt und dem Betrug des Reichtums. Immer wieder ermahnt mich Gott in der Bibel, den Weg zu wählen, der der beste für mich ist. Jesus nennt es „den schmalen Weg, der ins Leben führt“, und fordert mich zur Entscheidung auf. (Matthäus 7,13.14) Gehe ich lieber den breiten und bequemen Weg, der ins Verderben führt? Ich habe die Wahl!

    Es ist etwas Schönes, dass Gott uns zusagt, das Werk unserer Hände zu segnen; wenn wir Glück und Erfolg bei unserem Tun haben. Aber wenn ich nur darauf schaue, stehe ich in der Gefahr, das Glück des Lebens dort zu suchen, wo es schnell vergehen wird. Ich wünsche Ihnen und mir, das richtige Maß zu finden. Immer wieder abzuwägen zwischen den Gütern des täglichen Lebens und unserer Beziehung zum Herrn. Wir können und sollen wählen. Das ist nicht einfach, sondern eine ständige Herausforderung zur Entscheidung. Deshalb ist nach der Wahl schon wieder vor der Wahl.

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    Autor: Roberto Tappert

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    5 min
  • Zweifeln, ohne zu verzweifeln
    Die Bibelstelle Lukas 7,22 – ausgelegt von Roberto Tappert.

    Es gibt Zeiten im Leben, in denen ich verunsichert bin und mich Zweifel überkommen. Dann habe ich mehr Fragen als Antworten. Auch Starke kommen in Situationen, in denen sie schwach sind. Mutige sind nicht immer tapfer, Kluge wissen mal nicht weiter und Heitere sind nicht immer fröhlich. Das geht Christen nicht anders. In meinem Leben gab es Zeiten, in denen meine Fragen unbeantwortet blieben und Zweifel an mir nagten: Bin ich noch auf dem richtigen Weg, der mich zum ewigen Ziel führt? Ist Gott noch bei mir? Interessiert es ihn überhaupt, wie es mir geht? Ist meine Schuld wirklich vergeben? Auch die Sünden, die mir schon mein Leben lang anhängen und die ich einfach nicht losbekomme?

    Im Zusammenhang mit dem heutigen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine wird von Johannes, genannt „der Täufer“, berichtet. Er sendet zwei seiner Mitarbeiter zu Jesus, um zu fragen: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Ausgerechnet Johannes, der vom Herrn lange Zeit in der Einöde auf seinen Dienst vorbereitet wurde. Er, dem Gott selbst gezeigt hat, dass Jesus der kommende Erlöser ist. Der den Geist Gottes auf Jesus herabkommen sah und Gottes Stimme hören konnte – gerade er stellt diese Frage. Johannes hat mutig und wirkungsvoll seinen Auftrag erfüllt, das Volk Israel zur Umkehr zu bewegen. Er sollte es auf das Kommen des lange angekündigten Messias vorbereiten. Doch nun saß er im Gefängnis, weil er es gewagt hat, den König auf seine Sünden hinzuweisen. „Jesus gab ihnen zur Antwort:“ – nachzulesen im Lukasevangelium, Kapitel 7, Vers 22 – „Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft verkündigt.“

    Jesus lässt ihm nicht einfach ausrichten: „Ja, ich bin es.“ Das kann jeder von sich behaupten und ist für Johannes keine Hilfe. Als Sohn eines Priesters ist Johannes mit der Heiligen Schrift vertraut. Er kennt die vielen Vorhersagen, die Gott durch seine Propheten über den Messias gegeben hat. Allein im Buch Jesaja findet sich eine Vielzahl von Ankündigungen der Wunder, die der kommende Erlöser tun wird: Blinde sehen, Taube hören, Lahme können gehen, Tote werden auferstehen und Elenden wird gute Botschaft verkündet. Die Jünger des Johannes sind Augenzeugen dieser Zeichen, die Jesus getan hat, und haben ihm davon berichtet. Warum ist Johannes trotzdem verunsichert? Es ist wohl nicht das, was er von Jesus und seinen Taten gehört hat. Eher das, was er nicht über ihn gehört hat! Heißt es nicht auch, dass er die Gefangenen aus dem Gefängnis holen und aus dem Dunkel befreien wird? Doch Johannes sitzt im Kerker; das zehrt an den Kräften. Und die Ankündigung, dass der kommende Erlöser Recht und Ordnung wiederherstellen und eine ewige Herrschaft antreten wird? Doch nun wirkt Jesus nicht einmal in der Königsstadt Jerusalem, sondern im weit entfernten Kapernaum in Galiläa. Was Johannes hört, entspricht nicht dem, was er erwartet hat. Das verunsichert ihn.

    Manchmal werde ich unsicher und bekomme Zweifel, auch im Glauben. Doch daran muss ich nicht verzweifeln! Johannes bleibt nicht bei enttäuschtem Grübeln. Er wendet sich mit seiner Frage an Jesus! Bei ihm bin auch ich richtig, wenn ich Gottes Handeln nicht verstehe. Wenn ich traurig oder mutlos werde. Wenn ich ängstlich bin und nicht weiß, wie es weitergehen wird. Oder wenn ich enttäuscht bin, weil sich meine Erwartungen mal wieder nicht erfüllen. Ich kann mich darauf verlassen, dass der Herr seine Versprechen einhält. Er wird mein Vertrauen nicht enttäuschen. Deshalb möchte ich auf Jesus warten – und auf keinen anderen.

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    Autor: Roberto Tappert

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    6 min
  • „Darf‘s ein bisschen mehr sein?“ – Wie Gott mit uns umgeht
    Die Bibelstelle Ruth 2,12 – ausgelegt von Monika Scherbaum.

    „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ – diesen Satz höre ich oft beim Metzger. Meist mit einem Lächeln gesagt, leicht, fast nebenbei. Natürlich ist es kein Geschenk, sondern die Frage, ob es ein wenig mehr sein darf, als ich bestellt habe. Und doch hat dieser Satz etwas Freundliches: ein kleines „Mehr“ als notwendig. Ein Wort, das mich an Großzügigkeit erinnert.

    Mit diesem Gedanken tauche ich in die Geschichte von Ruth ein. Ihr Weg besteht aus einfachen, treuen Schritten: früh aufstehen, hinaus aufs Feld, Ähren sammeln. Harte Arbeit – staubig, unscheinbar, ohne Applaus. Und doch sieht Gott genau ihr Leben und beschenkt sie.

    Die Losung präsentiert uns den Kern aus Ruth 2,12: „Du bist gekommen zu dem HERRN, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.“ Ein Satz voller Wärme und Nähe.

    Doch heute darf es ein bisschen mehr sein. Darum hören Sie den ganzen Vers aus Luther 2017: „Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.

    Drei Gedanken dazu:

    1. Ein bisschen mehr Segen

    Boas sieht Ruths Weg und spricht dieses Segenswort, es wirkt fast priesterlich. Er rechnet mit Gottes Handeln, Lohn und Zuwendung.

    2. Ein bisschen mehr Blick

    Gott sieht die Treue, die niemand sieht. Ruth kommt mit leeren Händen, doch mit einem vollen Herzen. Und Boas macht ihr klar: Gott übersieht das nicht.

    3. Ein bisschen mehr Nähe

    Zuflucht unter Gottes Flügeln ist ein zärtliches Bild von Geborgenheit, Schutz und Nähe. Ruth kommt müde und fremd und Gott macht sie zu einer Frau, die unter seinen Flügeln wohnt. Gemeint ist, sie darf ganz bei Gott geborgen sein.

    Gottes Großzügigkeit zeigt sich bei Ruth im Kleinen: ein Feld, auf dem sie sammeln darf; ein Mann, der sie freundlich behandelt; genug Getreide für den Tag. Hinter all dem steht Gottes liebevolle Hand. Und diese Spur führt weiter zu Jesus: Er gibt nicht nur Brot, er gibt sein Leben. Durch Jesu Sterben und seine Auferstehung schenkt Gott Rettung und Versöhnung.

    Wer von Gottes Großzügigkeit berührt wird, spürt den Auftrag, sie weiterzugeben – im Blick, im Zuhören, im Dasein für andere. Ruth ist eine Fremde im Land, und sie wird nicht übersehen. Das stellt auch mir die Frage: Wie gehe ich mit Menschen um, die wenig haben, wenig gesehen werden, wenig zählen?

    Und es kann sein: vielleicht erleben Sie selbst gerade ihr Leben als „Ährenlesen“ – treue, unscheinbare Schritte, die kaum jemand wahrnimmt. Gott sieht sie. Und er lädt Sie ein, heute irgendwo ein kleines „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ weiterzugeben: ein bisschen mehr Zeit, ein bisschen mehr Geduld, ein bisschen mehr Liebe.

    Gott gibt Ihnen die Fülle, aus der Sie leben und er birgt Sie unter seinen Flügeln.

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    Autor: Monika Scherbaum

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    6 min
  • „Was heißt Rühmen?“
    Die Bibelstelle Psalm 56,11 – ausgelegt von Monika Scherbaum.

    Rühmen ist heute kein Alltagswort mehr. Was bedeutet es? Es ist mehr als danken. Es ist ein inneres Ausrichten. Rühmen heißt: bewusst hervorheben, wertschätzen, sich daran festhalten. Und Gottes Wort rühmen meint Gottes Verheißungen ernst nehmen, sie laut bekennen und Gott dafür danken, noch bevor ich die Erfüllung sehe.

    David wiederholt sich hier nicht zufällig. Wenn er sagt: „Gottes Wort“ und „des HERRN Wort“, betont er: Es ist genau dieser Gott, der sich uns persönlich zuwendet, dessen Wort er rühmt. Nicht irgendeine religiöse Idee, sondern das verlässliche Wort des lebendigen HERRN.

    Ich frage mich, woher kennt David Gottes Wort? Nun, David hat die Tora, die Geschichten von Gottes Handeln mit Israel. Weiß um den Auszug aus Ägypten, die Verheißungen an sein Volk und persönliche Zusagen, die Gott ihm gegeben hat. Auf diese Worte verlässt sich David. So wie ich mich heute auf die ganze Bibel und auf Jesus als das lebendige Wort Gottes verlasse.

    Mitten in der Angst richtet David sich neu aus. Nicht auf das, was Menschen ihm antun können. Nicht auf das, was seine Gefühle ihm einflüstern. Sondern auf das, was Gott zugesagt hat.

    Das ist auch für mich eine sanfte Einladung: Wo brauche ich heute so eine Unterbrechung, um mich neu auf Gottes Wort auszurichten?

    David rühmt Gottes Wort vermutlich, ohne zu ahnen, wie weit Gott einmal gehen wird. Was er als Zusage hört, wird später Mensch: In Jesus bekommt Gottes Wort ein Gesicht.

    Das Neue Testament sagt: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.“ (Johannes 1,14)

    Alles, was David im Glauben ergreift – Gottes Schutz, Treue und Barmherzigkeit –, wird in Jesus greifbar. In einer Welt voller unsicherer Stimmen lädt Gott mich ein, mein Vertrauen auf den zu setzen, der sein lebendiges Wort ist: Jesus Christus.

    Er schenkt Vergebung für meine Schuld, neues Leben mitten in meiner Angst und Führung in meinen Fragen. Wenn ich Gottes Wort rühme, rühme ich letztlich Jesus.

    Im Leben fühlen sich Entscheidungen oft an wie Weggabelungen ohne klare Beschilderung. Bleibe ich im Job oder wage ich etwas Neues? Vertiefe ich eine Beziehung oder lasse ich los? Spreche ich etwas Schwieriges in der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde ehrlich an – oder schweige ich?

    In solchen Momenten werden meine Zweifel laut: „Was, wenn du dich irrst? Was, wenn du falsch entscheidest und scheiterst?“

    Genau hier spricht Psalm 56,11 hinein: „Ich will rühmen Gottes Wort; ich will rühmen des HERRN Wort.“

    Das ist eine Entscheidung: Ich gebe nicht meinen Ängsten das letzte Wort, sondern Gottes Zusagen.

    Vielleicht kann ich meine nächsten Entscheidungen einmal ganz anders beginnen: Nicht mit meinen Sorgen. Nicht mit meinen Risiken. Sondern mit Gottes Wort. Zuerst fragen: „Herr, was sagst du über Vertrauen, Mut, Treue, Liebe?“ Und dann beten: „Herr, zeige mir den nächsten Schritt und gib mir den Mut, ihn zu gehen.“ Amen.

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    Autor: Monika Scherbaum

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    6 min
  • Wer bin ich?
    Die Bibelstelle Psalm 139,17 – ausgelegt von Eveline Schubert.

    Wer bin ich? Wer bin ich?! Macht mein Beruf mich aus? Bin ich Kaufmann oder Müllwerker, Lehrerin oder Verkäuferin, Abteilungsleiter oder Friseurin, Studentin oder Schüler? Wer bin ich? Bestimmen mich meine Beziehungen? Bin ich vor allem Sohn oder Tochter, Mutter oder Vater, Freundin oder Kumpel? Wer bin ich?

    Wichtiger noch als der Beruf und andere Menschen ist das, was Gott über mich denkt. Manchmal erscheint mir Gott weit weg. Doch ich weiß, dieses Empfinden geht an der Wirklichkeit vorbei. Im Alten Testament wird in einem ausführlichen Gebet die Nähe Gottes zu uns Menschen beschrieben. Psalm 139 macht es ganz deutlich: Gott sieht mich, Gott kennt mich, Gott will mich.

    Psalm 139 beginnt mit den Worten: „HERR, du hast mich erforscht und kennst mich ´ganz genau`. Wenn ich mich setze oder aufstehe – du weißt es; meine Absichten erkennst du schon im Voraus.“ Ja, Gott bringt mir tiefe, liebevolle Aufmerksamkeit entgegen. Gott kennt nicht nur meine Taten, sondern auch meine Gedanken und das, was mich antreibt.

    Der Beter beschreibt dann, dass es keinen Ort gibt, an dem ich vor Gott fliehen könnte – weder in der Höhe noch in der Tiefe, weder im Licht noch in der Dunkelheit. Das ist Dank Jesus für mich keine Drohung, sondern ein Trost: Egal, wo ich bin oder wie ich mich fühle, Gott ist schon da. Ich bin nicht allein in meiner Angst, meiner Traurigkeit, meinem Zweifel. Dann betet der weiter: „Kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter.“ Ja, schon vor meiner Geburt hat Gott mich gesehen. Mein Leben ist kein Zufall, kein Versehen. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und mit Würde geschaffen. Das ist die tiefe Überzeugung und das Fundament in meinem Leben. Ich bin von Gott gewollt und geliebt.

    Am Ende des Psalms staunt der Beter darüber, wie unzählbar Gottes Gedanken über ihn sind. In Psalm 139 Vers 17+18 lese jch:

    „Wie kostbar sind für mich deine Gedanken, o Gott, es sind unbegreiflich viele!

    Wollte ich sie zählen, so wären sie zahlreicher als alle Sandkörner ´dieser Welt`.“

    Das heißt, Gott denkt an seine Menschen – nicht gelegentlich, sondern beständig. Mit Fürsorge, Liebe und Hoffnung.  Der Beter verwendet ein eindrucksvolles Bild, um zu veranschaulichen, wie oft Gott an ihn denkt. Er stellt sich vor, wie viele Sandkörner den Strand bedecken – doch Gottes Gedanken sind noch zahlreicher. Gott hat unbegreiflich viele gute, kostbare Gedanken über mich.

    Psalm 139 lädt mich ein, den großen Gott anzubeten und meine Gedanken auf ihn zu richten.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Eveline Schubert

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    4 min

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