ERF Plus - Wort zum Tag

ERF Plus - Wort zum Tag

By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
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ERF Plus - Wort zum Tag episodes

  • Ein Blick für die Menschen
    Die Bibelstelle 2. Chronik 30,18-19 – ausgelegt von Eveline Schubert.

    Leider wächst Hiskia ohne einen vorbildlichen Vater auf. Hiskias Vater hat zwar den wahren Gott gekannt, sich aber bewusst dafür entschieden, andere Götter zu verehren. Und Hiskias Vater verleitete auch die Menschen in seinem Umfeld, falsche Götter anzubeten. Obwohl Hiskia in seinem Vater kein positives Vorbild findet, handelt Hiskia verantwortungsvoll. Hiskia gebraucht seinen Einfluss, um Menschen zur Verehrung des einen wahren Gottes einzuladen. Als Hiskia 25 Jahre alt ist, wird er König. Er öffnet die lange verschlossenen Türen des Tempels in Jerusalem, damit die Menschen im Haus Gottes wieder beten können. Dann versammelt Hiskia die Priester und die Tempeldiener, die man auch Leviten nennt. Hiskia motiviert sie dazu, persönlich ausschließlich den einen Gott Israels anzubeten und zu lieben und nach seinen Geboten zu leben. Der Tempel soll wieder der Begegnung mit Gott und dem Lob Gottes dienen. Die Priester und Leviten räumen den Tempel 16 Tage lang gründlich auf. Sie entfernen alle Götzenbilder, die sich angesammelt haben und führen den Tempel wieder seiner Bestimmung zu. So lesen wir es im Alten Testament im 2. Chronikbuch, Kapitel 29.

    Als nächstes versucht Hiskia die Frömmigkeit im Volk zu fördern, indem er die religiösen Feste wieder einführt. Als erstes plant er eine große Feier des Passahfestes, das über 250 Jahre lang nicht mehr so großartig gefeiert worden ist, wie König Salomo es einst tat.

    Hiskia sendet Boten in alle Teile seines Landes, um die Menschen zum Passahfest einzuladen. Und Hiskia verbindet die Einladung zum Fest mit einer weiteren Einladung: Seine Volksgenossen sollen anders handeln als ihre Eltern, sie sollen Buße tun und nicht mehr den Götzen, sondern dem einen wahren Gott vertrauen.

    Viele Menschen folgen der Einladung Hiskias und kommen auf dem Tempelgelände zusammen, um das Passahfest zu feiern und damit Gott als ihren Retter zu bekennen. Doch nicht alle Menschen haben sich gemäß der religiösen Vorschriften vorbereitet.

    Wie geht Hiskia damit um? Soll er mit diesen Menschen schimpfen oder sie gar wegschicken?

    Hiskia betet bewusst für die Menschen, die sich nicht auf das Passahfest vorbereitet haben.

    Er betet: “HERR, vergib in deiner Güte jedem, der von ganzem Herzen mit dir, dem Gott seiner Vorfahren, leben will. Vergib ihnen, auch wenn sie sich nicht so gereinigt haben, wie es für dein Heiligtum angemessen wäre!“

    Hiskia hat einen Blick für die Menschen, deren Herz trotz aller Mängel auf Gott ausgerichtet ist. Hiskia bittet Gott, mehr auf die Aufrichtigkeit der Menschen zu sehen und weniger auf ihre fehlerhafte praktische Festvorbereitung.  Und Gott erhört dieses Gebet. Die Menschen feiern fröhlich und ausgiebig das Passahfest und erneuern damit ihre Verbindung zu dem wahren Gott und auch zueinander. Das gemeinsame Feiern und das gemeinsame Gotteslob führt sie in die Gemeinschaft. Nun haben sie Gott wieder vor Augen. Die Götzen haben ihnen nicht geholfen. Doch der wahre Gott ist gütig und gnädig, barmherzig und vertrauenswürdig.

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Eveline Schubert

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    5 min
  • Aussorgen – wie geht das?
    Die Bibelstelle Lukas 12,19-20 – ausgelegt von Martin Knapmeyer.

    Haben Sie schon ausgesorgt für den Rest Ihres Lebens? Haben Sie Ihr Dasein so organisiert, dass Sie sich keine Sorgen mehr zu machen brauchen und das Leben einfach nur noch genießen können?

    Jesus erzählt uns von einem Mann, der meinte, er hätte das geschafft. Einem reichen Bauern. Der sieht: Die Ernte von meinen Äckern wird in diesem Jahr sehr gut ausfallen. Ich habe gar nicht genug Platz in meinen Scheunen, um den riesigen Ertrag darin zu lagern. Was soll ich tun? Ich werde meine jetzigen Scheunen abreißen und größere bauen. Darin kann ich dann die Getreidemengen lagern und alles, was mir gehört. Und welche Absicht er mit diesem Plan verbindet, steht in der Fortsetzung der Geschichte – die ist gleichzeitig der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine für heute: Der reiche Mensch sprach: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?“Lukas 12, Verse 19 und 20.
     

    Jesus stellt uns den reichen Mann als abschreckendes Beispiel vor Augen. Wir sollen nicht so leben wie er. Aber was genau hat er falsch gemacht?

    Ich kann seinen Wunsch nach einem sorglosen Leben gut nachvollziehen. Und ich vermute: Viele von Ihnen, die heute zuhören, werden sich das auch wünschen: ausgesorgt zu haben; das Leben materiell so abzusichern, dass Sie sich keine Sorgen mehr um das Auskommen zu machen brauchen. Das verleiht mir doch ein gutes, beruhigendes Gefühl, nicht wahr?

    Jesus erzählt: Gott zerschießt dem Mann seine Sorglos-Strategie. Einfach durch die Ankündigung: Heute Nacht wirst du sterben. Und wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? Eine Frage, deren Antwort klar ist: „Wer auch immer es bekommt – du jedenfalls nicht. Du verlierst das alles mit deinem Tod.“

    Gott macht dem Mann klar: So sehr du dich auch mühst auszusorgen, die Sorgen hinter dir zu lassen – du kannst die große Unsicherheit deines Lebens nicht beseitigen. Deine Strategie zerschellt am unerwarteten Tod.

    Was sollen wir denn besser machen als dieser Mensch, Jesus? Gibt es eine Lebensstrategie, die dem Vergehen des Lebens trotzt? Ja, es gibt sie. Und zu ihr gehört es, über sich selbst hinauszuschauen. Der Mann in der Beispielerzählung kreist um sich selbst. Er spricht nur mit sich selbst: „Was soll ich tun? … Das will ich tun! … und will sagen zu meiner Seele …“ Seine Sorglos-Strategie hat nur mit ihm selbst zu tun und mit seinem Besitz. Davon erhofft er sich alles. Seine Mitmenschen kommen in seinen Überlegungen nicht vor. Menschen, mit denen er den Genuss seiner Güter teilen könnte - das würde sein Leben in einem tieferen Sinne reicher machen. Und auch Gott kommt in seinem Selbstgespräch nicht vor.

    Aber wie man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen sollte, sollte man seine Lebensstrategie nicht ohne den Schöpfer machen. Er hält in seinen Händen doch das Leben, das ich absichern und sorglos machen will. Gott nimmt mir die Sorgen nicht dadurch, dass er mich wissen lässt, was alles in der Zukunft auf mich zukommt. Sein Angebot, wie ich „aus-sorgen“ - die Sorgen loslassen - kann, ist anders: Werft die Sorgen auf mich; ich sorge für euch[1]. Bergt euch mit euren Sorgen in meinen Händen. Wer mir vertraut, wird in Ewigkeit bei mir geborgen sein.

     

    [1] Vgl. 1 Petr 5,7: „Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.“

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    Autor: Martin Knapmeyer

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    5 min
  • Auf die Auferweckung hoffen – durch Christus
    Die Bibelstelle 1. Korinther 15,20 – ausgelegt von Martin Knapmeyer.

    Bei einer Umfrage 2023 in Deutschland fragte man Menschen: „Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“ 43 % antworteten: „Wahrscheinlich nicht“ oder „Auf keinen Fall“. 41 % sagten: „Auf jeden Fall“ oder „Wahrscheinlich schon.“[1] Die übrigen gaben keine Antwort oder sagten: „Weiß nicht“. Fast die Hälfte derer, die auf die Frage eine Antwort gaben, konnten also mit einer Ewigkeitshoffnung etwas anfangen.

    Interessant wäre es zu erfahren: „Warum glauben Menschen, dass es nach dem Tod weitergeht? Wie begründet sich die Hoffnung von Menschen auf Weiterleben nach dem Tod?“ Das geht aber aus den Umfrage-Ergebnissen nicht hervor. Schade.

    Ich vermute: Viele meinen: „Es gibt etwas im Menschen, was der Tod nicht zerstören kann.“ Dass der Körper vergeht, ist unbestreitbar – und es wird heute ja bei der Mehrheit der Gestorbenen durch Einäscherung bewusst herbeigeführt. Aber gibt es nicht einen unzerstörbaren Kern im Menschen – oft „Seele“ genannt -, der diese Zerstörung überdauert? Dann würde jeder Mensch automatisch vom Leben in dieser Welt zum ewigen Leben übergehen. Was mit Zeugung und Geburt begonnen hat, würde nach dem Tod weitergehen.

    „Christus ist auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ Das ist der Lehrtext der Brüdergemeine für heute aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 20. Paulus bringt in diesem Satz auf den Punkt, was Christen angesichts des Todes hoffen, und welchen Grund diese Hoffnung hat.

    Zweierlei finde ich wichtig an Paulus´ Aussage:

    Erstens schreibt er nicht von einem „Weiterleben nach dem Tod“, sondern von einer Auferweckung. Das ist ein jüdischer Ausdruck – er setzt voraus: In uns Menschen ist nichts, was ewig währt und den Tod überdauert. Darum geht es nach dem Tod auch nicht automatisch weiter. Der Tod ist unser Ende, das müssen wir ernst nehmen. Es muss schon ein anderer her, um einen Neuanfang mit uns zu starten, uns vom Tod aufzuerwecken – einer, der stärker ist als wir und stärker als der Tod. Das kann nur Gott selbst sein, der Schöpfer allen Lebens.

    Der zweite Punkt: Die Hoffnung auf Auferweckung hat ihren Grund im ersten Auferweckten – das ist Christus. Er ist am Karfreitag gestorben – einen grausamen, schmerzhaften Tod. Aber Gott hat ihn zu Ostern von den Toten auferweckt. Als Ersten überhaupt, dem er ein neues Leben bei sich in der Ewigkeit schenkt. „Erstling unter denen, die entschlafen sind“, nennt Paulus ihn deshalb. Christus ist wie der Auftakt eines wunderbaren neuen Musikstückes, das Gott komponiert hat und zur Aufführung bringt. Auf die eine Note des Auftaktes vom Ostermorgen folgen viele andere Noten, die sich zu einer gewaltigen Ewigkeits-Symphonie aufbauen werden. „Erstling“ ist Christus, weil andere ihm folgen werden – die ihm vertrauen, die sich von ihm die Lebensmelodie vorgeben lassen und in sie einstimmen. Die zieht Jesus mit sich vom Tod ins ewige Leben bei Gott.

    Das ist es, wozu Gott uns im Angesicht des Todes einlädt: dass wir uns nicht verlassen auf die eigene vergängliche Lebenskraft, sondern auf ihn vertrauen, der uns vom Tod auferwecken kann. Dass wir uns an Christus hängen, den Ersten, der uns schon vorausgegangen ist ins ewige Leben.

    [1] Umfrage im Jahr 2023 des Meinungsforschungsinstituts Yougov für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) zum "Totenmonat" November; https://katholisch.de/artikel/48172-umfrage-leben-nach-dem-tod-juengere-glauben-mehr-daran-als-aeltere

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    Autor: Martin Knapmeyer

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    5 min
  • Ein Loblied auf den Herrn!
    Die Bibelstelle 2. Mose 15,11 – ausgelegt von Birgit Wolfram.

    Als ich im Januar die Anfrage bekam, eine Kurzandacht für den heutigen Tag zu schreiben, hüpfte mein Herz! Warum? Weil dieses Losungswort mich begeistert:

    HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?

    Zuerst dachte ich, das ist ein Vers aus den Psalmen. Aber nein, dieses Lob steht im zweiten Buch Mose, Kapitel 15, Vers 11.

    Es ist Mose selbst, der so überschwänglich und voller Staunen seinen Herrn lobt!

    Was hat er und das Volk Israel nicht alles schon mit diesem Gott erlebt:

    Die schwere Zeit der Sklaverei in Ägypten: auch wenn es den Israeliten damals nicht gut geht, Gott hat immer ein Auge auf sie. (2. Mose 3,9)

    Dann folgt die Auseinandersetzung mit dem Pharao: 10 Plagen sind notwendig, 10mal der Kampf zwischen den ägyptischen Göttern und dem Gott Israels. (2. Mose 7-11) Und der Gott Israels gewinnt:

    Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern?

    Anschließend der Durchzug durch das Schilfmeer: Zur rechten Zeit, am rechten Ort teilt Gott das Meer und rettet sein Volk. Die ägyptischen Verfolger kommen dabei um. (2. Mose 14)

    Wer ist dir gleich, der so herrlich und heilig ist, schrecklich, löblich und wundertätig?

    Niemand! Gott, du bist unvergleichlich!

    Mose preist Gott in einer Art und Weise, die fast schon „prophetisch“ einzuordnen ist. Denn dieses: Herr, wer ist dir gleich unter den Göttern?, hat mich an das erste Gebot erinnert, das allerdings erst fünf Kapitel später aufgeschrieben wird:

    Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (2. Mose 20)

    Das ist also ein Lobpreis nach Gottes Herzen! Anders kann ich es nicht beschreiben.

    Ein Lobpreis nach Gottes Herzen! Das ist auch mein Wunsch. Als Lobpreisleiterin in unserer Gemeinde ist es mir wichtig, Gott die Ehre zu geben mit all den Menschen, die in die Gottesdienste kommen. Mose hat das ja auch nicht allein gemacht: Damals singen er und die Israeliten dem Herrn! (2. Mose 15,1)

    Herrlich und heilig bist du Herr. Wer vollbringt so große und furchterregende Taten? Wer tut Wunder – so wie du?

    Voll Dankbarkeit blickt Mose zurück und staunt! Über diesen herrlichen und heiligen Gott.

    Am liebsten möchte ich mit einstimmen. Und dazu lade ich Sie jetzt ein, dass wir gemeinsam überlegen: Wofür bin ich Gott besonders dankbar? Haben Wunder dabei eine Rolle gespielt? Wie habe ich Gott bisher erlebt?

    Mose beschreibt seinen Herrn als herrlich und heilig, schrecklich (also furchterregend), als lobenswert und wundertätig. Aber Gott ist noch viel mehr!

    Es gibt so viele Eigenschaften, die IHN beschreiben. Ich nenne ein paar Beispiele aus der Bibel: Gott ist weise, gnädig, liebevoll, gerecht, verborgen, stark, vergibt, freundlich, allmächtig ….

    Wie haben Sie Gott bisher erlebt?

    Picken Sie sich doch einfach die Worte heraus, die das am besten beschreiben. Und dann lassen Sie es uns gleichtun mit Mose und ein persönliches Loblied singen auf diesen heiligen Gott!

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Birgit Wolfram

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    5 min
  • Habt Geduld mit allen!
    Die Bibelstelle 1. Thessalonicher 5,14 – ausgelegt von Birgit Wolfram.

    Die Kassenschlange beim Aldi ist endlos.                                                                             

    Heute will gefühlt jeder etwas von mir. Der Pfarrer hört überhaupt nicht mehr auf zu predigen. Und die Kinder trödeln besonders lange.

    Ich kenne solche Situationen. Wenn ich innerlich immer ungeduldiger werde und nervöser. Wenn der Stresspegel steigt und ich weiß: Wenn es jetzt nicht vorwärts geht, explodiere ich gleich….

    Es sind ja fast immer Menschen, die nerven. Im Alltag, in der Familie und auch in der Gemeinde. Ich wende dann gerne das erste Hilfe Gebet an: Herr, gib mir Geduld. Und zwar sofort!

    Um Geduld geht es heute auch bei dem Apostel Paulus. Er schreibt folgendes an die Gemeinde in Thessaloniki:

    Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen!

    Das ist der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeinde für den heutigen Tag. Nachzulesen im 1. Thessalonicher Brief Kapitel 5 Vers 14.

    Habt Geduld mit allen!

    Wahrscheinlich gab es in dieser Gemeinde ein paar ganz besonders ungeduldige Menschen. Wer ungeduldig ist, steht in der Gefahr lieblos zu werden. Ist oft gereizt oder verfällt in einen Aktionismus, der andere aufregt. Das alles ist nicht sehr hilfreich, wenn ich Menschen auf den rechten Weg bringen will. Oder wenn ich mit Menschen zusammen bin, die vom Leben entmutigt sind. Oder wenn ich genau zu diesen Menschen sage: Jetzt glaub doch mal endlich!

    Der Apostel Paulus weiß das. Deswegen schreibt er:

    Habt Geduld mit allen!

    Geduld bedeutet für mich auch: Nimm dir Zeit.

    Nimm dir Zeit für den Menschen, der sich schwertut, bestimmte Regeln in der Gemeinde zu akzeptieren. Der vielleicht einfach das tut, was er bisher für sich erkannt hat. Oder der vieles in Frage stellt: Wozu ist das gut? Steht das wirklich so in der Bibel?

    Nimm dir Zeit für die Menschen, die mutlos sind. Die sich nichts mehr zutrauen. Die Angst haben. Und davon gibt es viele in den Gemeinden. Mir kostet der Umgang mit diesen Menschen Kraft. Im Gespräch habe ich oft den Eindruck, dass sich letzten Endes nicht viel ändert. Ja, wer im seelsorgerlichen Bereich unterwegs ist, braucht viel Geduld. 

    Nimm dir Zeit für den Schwachen. Auch in den Gemeinden sehen viele lieber die Menschen, die stark sind, die sich einbringen. Was aber ist mit den glaubensschwachen Menschen? Die vielleicht einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften haben? Und im Moment auf das Gebet und auf die Begleitung der anderen angewiesen sind...

    Geduld aufzubringen, ist nicht leicht. Sie fällt mir auch nicht in den Schoß. Doch ich kann sie lernen. Im Deutschen sprechen wir von „Geduld üben“. Üben bedeutet: etwas immer wieder zu tun.

    Und ich darf sie erbitten. Geduld ist eine Frucht des Heiligen Geistes (Galater 5,22).  Am Anfang sind die Früchte noch ganz klein. Aber sie wachsen!

    Das gibt doch Hoffnung, oder? Mich stimmt das auf jeden Fall zuversichtlich. Bezüglich meiner eigenen Ungeduld - und im Umgang mit anderen Menschen. Das erste Hilfe Gebet ist dabei ein guter Anfang:

    Herr, gib mir Geduld. Und zwar sofort!

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    Autor: Birgit Wolfram

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    5 min
  • Der Geist kommt. Und plötzlich verstehen die Leute einander!
    Die Bibelstelle Apostelgeschichte 2, 5.7.11 – ausgelegt von Jürgen Werth.

    Wir verstehen einander nicht. Manchmal nicht mal uns selber. Dem österreichisch-amerikanischen Psychologen Paul Watzlawick schreiben viele den Satz zu: „Das Missverständnis ist der Normalfall der Kommunikation.“ Was an der Sprache liegt. Oder an der Kultur. Oder an unseren Persönlichkeiten - oder an allem zusammen.

    Und was hat das mit Pfingsten zu tun? Passen Sie auf. Ganz viel. Pfingsten nämlich heißt:

    Der Geist kommt. Und plötzlich verstehen die Leute einander!

    Der Geist nämlich löst die Zunge und macht sprachfähig.
    Er öffnet die Ohren und macht hörfähig.

    Und er schenkt gegenseitiges Verstehen und Verständnis.

    Die Pfingstgeschichte ist so der Gegenentwurf zu einer anderen großen Geschichte der Bibel, dem Turmbau zu Babel. Die steht im 1. Buch Mose, dem Buch Genesis, in Kapitel 11.

    Eine Sprache hatten die Menschen damals. Weil sie zum selben Volk gehörten, den Überlebenden der Sintflut. Alle waren sozusagen von Gott aus dem Wasser gezogen worden und lebten nun unter seinem Regenbogen, unter seiner Gnade.

    Gott war die Mitte ihres Lebenskreises. Alles und alle waren auf ihn bezogen.

    Bis – ja, bis sie wie Adam und Eva wieder selber Gott sein wollten und damit jeder der Mittelpunkt eines eigenen Lebenskreises. Die Folge: Niemand verstand mehr den anderen.

    Wer wie Gott sein will, verliert die Beziehung zu Gott. Und er verliert die Beziehung zu den anderen. Weil er will, dass künftig alles auf ihn bezogen ist.

    Ein Volk gab es bis dahin. Mit einem Gott. Und mit einer Sprache. Danach gab es ungezählte Möchtegern-Götter. Und viele Sprachen. Und die Menschen fingen an, aneinander vorbeizureden …

    Doch dann kommt Pfingsten!

    Pfingsten dreht Gott den Spieß um. Er schickt seinen Geist.

    Zu wem? Zu denen, die Buße tun. Sich taufen lassen. Sich die Sünden vergeben lassen. Zu denen, die wissen, dass sie vor Gott nicht bestehen können. Die bereit sind umzudenken und umzukehren. Die ihn wieder die Mitte ihres Denkens und Handelns sein lassen möchten. Der Geist öffnet ihnen alle Sinne für die Wirklichkeit Gottes. Ihn erkennen sie. Ihm nehmen sie neu in sich auf. Ihm widmen sie neu ihr Leben.

    Und er öffnet ihre Sinne für die Menschen links und rechts neben sich?

    Münder und Ohren tun sich neu auf und alle hören und verstehen alle. Später heißt es sogar über die erste Gemeinde, die entsteht: Sie sind ein Herz und eine Seele. Das hat aber leider nicht allzu lange angehalten. Vielleicht, weil sie diesem Geist nicht mehr so richtig Raum gegeben haben.

    Aber Gott hat nicht aufgegeben seitdem. Jeder Tag kann Pfingsten sein. In unseren Gemeinden. In unseren kleinen und großen Gemeinschaften. In unserem Land. In der Welt. Und solch ein Pfingsten haben wir heute bitter nötig, oder?

    Also: Bitten wir ihn rein, lassen wir ihn rein, den Geist. Heute und jeden Tag neu.

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    Autor: Jürgen Werth

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    5 min
  • Heilger Geist, kehr bei uns aus! O Heilger Geist , kehr bei uns ein!
    Die Bibelstelle Apostelgeschichte, 2, 2.4 – ausgelegt von Jürgen Werth.

    O Heilger Geist, kehr bei uns aus!
    O Heilger Geist, kehr bei uns ein!

    Dieses Fest hat es wahrlich nicht leicht bei uns. Fast niemand weiß, was Christen denn da feiern. Entsprechend reimte ein Berliner Privatsender vor Jahren:

    „Pfingsten - sind die Geschenke am geringsten.“

    Klar, wir legen nichts unter den Weihnachtsbaum und wir verstecken keine Eier - aber Geschenke am geringsten? Wir erinnern uns an Pfingsten daran, dass Gott uns seinen Geist schenkt. Und das ist nun wirklich nicht wenig. Weihnachten schenkt er uns seinen Sohn. Ostern schenkt er uns das Leben und nun, eben, an Pfingsten seinen Geist.

    Und was ist das? Oder, anders gefragt, wer ist das, dieser Geist?

    Im Glaubensbekenntnis bekennen wir uns zum Dreieinen Gott, zum Vater, zum Sohn, zum Geist. Die drei gehören untrennbar zusammen. Alle waren sie schon bei der Schöpfung beteiligt. Schon am Anfang schwebte Gottes Geist über dem Urmeer, erzählt das 1. Buch Buch Mose. Und dann hat der Vater alles durch den Sohn geschaffen, so schreibt Paulus im Brief an die Kolosser. Und durch diesen Sohn besteht alles bis zum Schluss.

    Ein Gott in drei Wesensarten, in drei Personen. Schwer vorstellbar, zugegeben, aber das Geheimnis des Gottes, zu dem sich die Christenheit bekennt.

    Der Geist ist dabei am schwersten vorstellbar. Schon die Apostelgeschichte tut sich schwer. Hören Sie noch einmal auf das neutestamentliche Wort, dass der Losung der Herrnhuter Brüdergemeine heute beigegeben wurde.

    „Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist.“

    Brausen und Sturm, auch von Feuerflammen ist später die Rede. Und davon, dass die Menschen plötzlich einander verstanden. Zueinanderfinden durch den Geist. Pfingsten gilt darum als Geburtsstunde der Kirche, der „Gemeinschaft der Heiligen“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt.

    Heißt umgekehrt: Ohne Gottes Geist gibt es keine Kirche, keine Gemeinde, keine Gemeinschaft. Ohne Gottes Geist bleibt jeder für sich. Gottes Geist führt Menschen zueinander.

    Und wie macht er das?

    Indem er uns zu Jesus lockt. Indem er Jesus in die Mitte unseres Lebens und unserer Beziehungen setzt. Auf Jesus weist er hin, auf den menschgewordenen Vater. Er tut nichts anderes. Darum nennt ihn Martin Luther einmal augenzwinkernd den „armen Heiligen Geist“. „Weil er ganz allein von Jesus Christus predigen kann und sonst nichts weiß.“

    Aber wir müssen ihn schon immer neu hereinbitten in unser Leben und in unsere Gemeinschaft. Ihn hereinbitten und hereinlassen. Das sagt die Losung des heutigen Tages: „Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe.“ (Psalm 24,7)

    Aber kann er das so einfach?

    Man erzählt sich, dass es einmal Krach gab in der Berliner Kirche. Dann sei der damalige Direktor der Berliner Stadtmission, Heinrich Giesen, aufgestanden und habe gebetet: „O Heilger Geist, kehr bei uns aus.“ Und nach einer kurzen Pause dann: „O Heilger Geist, kehr bei uns ein.“

    Erst muss er wohl auskehren, alles hinausschaffen, was zwischen uns steht. Auch das, was zwischen uns und Gott steht. Dann kann er neu einziehen und neu Gemeinschaft stiften.

    Lasst uns das darum immer wieder miteinander bitten: „O Heilger Geist, kehr bei uns aus. O Heilger Geist, kehr bei uns ein!“

     

    Sie haben Fragen zu Pfingsten, dem Heiligen Geist, zur Bibel oder zum christlichen Glauben? Dann fragen Sie gerne Nikodemus.AI.

     

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    Autor: Jürgen Werth

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    5 min
  • Gott, ich verstehe dich nicht!
    Die Bibelstelle Hiob 37,5 – ausgelegt von Wolf-Dieter Kretschmer.

    Ich habe früh gelernt, dass ich darauf achten muss, wer was sagt. Sicher geht es Ihnen ähnlich. Sie wissen, dass das Wort mancher Leute Gewicht hat, während sie auf das von anderen nicht so sehr achten müssen.

    Warum ist das so? Nun, es kann sein, dass jemand in der Unternehmenshierarchie über mir steht und deshalb weisungsbefugt ist. Zugegebenermaßen ist das die schwächste Form von Autorität, aber sie ist real und deshalb muss ich hinhören. Es kann aber auch sein, dass jemand über große Erfahrung, besondere Fertigkeiten oder Kenntnisse verfügt. Ich tue gut daran, fachkompetenten Menschen zu zuhören, wenn sie über Sachverhalte reden, über die ich wenig weiß.

    Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum Worte Gewicht haben können. Dieser ist in der Persönlichkeit des Betreffenden zu finden. Ich spüre, dass bei meinem Gegenüber Worte und Taten eine Einheit bilden, weil sie das Ergebnis sorgfältigen Nachdenkens sind.

    Die Bibel kennt mehrere Persönlichkeiten, auf die diese Beschreibung zutrifft. Eine ist Hiob, jener Mann, dem Schicksalsschläge nahezu alles genommen haben und der trotz großen Leids und Schmerzen an Gott festhält.

    Gelegentlich kommt die Wahrheit jedoch von unerwarteter Seite. Ein Beispiel dafür ist Elihu, einer von Hiobs Freunden. Der erinnert Hiob an eine schichte Tatsache, nachzulesen im Buch Hiob 37, Vers 5b: Gott tut große Dinge, die wir nicht begreifen.

    Auch wenn Elihu an anderer Stelle daneben liegt. Hier hat er Recht. Seine Worte sind mehr als theologische Richtigkeiten. Sie erinnern daran: Mein Wissen ist begrenzt. Ich verstehe längst nicht alles. Es gibt eine Wirklichkeit, die ich nicht begreife, weil sie sich mir entzieht.

    Und genau an dieser Stelle setzen Vertrauen und Glaube ein. Selbst wenn das, was ich erlebt habe, keinen Sinn macht und ich tief enttäuscht bin, so kann ich darauf vertrauen, dass Gott den Überblick nicht verliert. Er ist mit mir und meiner Situation nicht überfordert. Deshalb kann ich mich an die Überzeugung klammern, dass Gott es zutiefst gut mit mir meint. Das gilt auch dann, wenn ich nichts fühle oder mir die Kraft zum Weitermachen fehlt.

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    Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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    4 min
  • Ein unfassbares Privileg
    Die Bibelstelle Johannes 16,27 – ausgelegt von Wolf-Dieter Kretschmer.

    „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“, heißt es. Und: „Der letzte Eindruck bleibt“.

    Demnach haben letzte Worte besonderes Gewicht. Sie bleiben in Erinnerung. Es spielt keine Rolle, ob sie auf dem Bahnsteig, vor dem Sicherheitsbereich eines Verkehrsflughafens oder am Krankenbett gesprochen werden. Was zählt, ist das, was gesagt wird.

    Sehr häufig fallen dann Sätze wie „Pass auf dich auf.“ „Bleib gesund.“ „Melde dich, wenn du gut angekommen bist.“ Oder: „Ich hab dich lieb.“

    Ist das nicht bemerkenswert? Wenn wir den Eindruck haben, dass es wichtig ist, versichern wir uns gegenseitig unsere Liebe und Zuneigung.

    Das hat Jesus auch so gehandhabt. Als er wenige Stunden vor seiner Passion ein letztes Mal mit den Jüngern beisammensitzt, erinnert er sie an etwas Wesentliches, als er sagt: 

    Gott selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich liebt und glaubt, dass ich von ihm ausgegangen bin. Johannes 16, Vers 27

    In dieser schlichten Aussage von Jesus stecken zwei tiefe Wahrheiten:

    Zunächst einmal bezeichnet Jesus den allmächtigen Schöpfer von Himmel und Erde als Vater. Anders als in der Vorstellung vieler Philosophen jener Zeit ist Gott nicht weit entfernt und desinteressiert an dem, was hier auf der Erde passiert. Er ist auch nicht an einen Aufenthaltsort wie beispielsweise den Jerusalemer Tempel gebunden. Ihm sind Nähe und Beziehung wichtig.

    Die zweite Wahrheit betrifft Gottes Liebe. Die hat direkt mit Jesus zu tun, der von Gott ausgegangen ist. An anderer Stelle im Johannesevangelium wird Jesus mit den Worten zitiert: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Kapitel 3, Vers 16.

    Ich finde das erstaunlich. Jesus versichert den Jüngern, dass Gott sie trotz seiner Größe und Erhabenheit wie ein Vater liebt.

    Das ermutigt mich. Die Worte Jesu erinnern mich daran, dass ich es mit einem Gott zu tun habe, für den ich nicht unbedeutend bin. Vielmehr ist er mein Vater im Himmel. Durch Jesus Christus kann ich zu ihm kommen und ihn ansprechen. Was für ein Privileg!  

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    Autor: Wolf-Dieter Kretschmer

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    4 min
  • Am Ende das Lob
    Die Bibelstelle Psalm 150,2 – ausgelegt von Renate Schmidt.

    Am Ende der Psalmen steht diese Aufforderung zum Lob Gottes; mit schöner Musik, mit Harfen und Posaunen…: „Lobet Gott für seine Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!“ (Psalm 150,2)

    Und ich denke daran, wie auch am Ende der Bibel in der Offenbarung so ein Lob Gottes beschrieben ist: am Ende der Welt verbeugen sich Menschen vor dem Lamm auf dem Thron und singen: „Du bist würdig, Lob zu bekommen…“ (z. B. Kapitel 5)

    Am Ende der Psalmen und am Ende der Welt steht das Lob. Zwischendurch mag ich eher auf Klagen oder Seufzen gestimmt sein. So wie in den Psalmen das ganze bunte Leben drin ist: auch Klage und Trauer und Zweifel – und auch Dank, ja. Aber am Ende das Lob.

    So erlebe ich es auch bei älteren Christen, die anlässlich eines Geburtstages sagen, wie dankbar sie sind; wie wunderbar ihnen Gott geholfen hat; wie sie nun in der Rückschau über ihr Leben staunen, dass es so schön war. Einfach war es sicher nicht – aber am Ende steht der Dank und das Lob. Genial!

    Ob das Leben als Christ einfach anders ist – oder ob man es anders ansieht? Eher das Gute sieht?

    Denn ich erlebe auch das andere: dass Menschen im Alter bitter werden über das Schwere in ihrem Leben; was man ihnen angetan hat.

    Spannend! Und ich will eigentlich nicht so lange warten mit dem Lob Gottes, bis ich richtig alt bin (äh: wann ist man eigentlich richtig alt?!) – ich will schon jetzt das Loben einüben! Ich tue das gerne am Morgen. Denken Sie jetzt nur nicht, ich sei ein fröhlicher Morgenmensch – aber wenn ich den Sonnenaufgang sehe, dann bin ich oft überwältigt. Soooo schön! Einmal habe ich ein Foto gemacht, wie morgens im Wintergarten meine Katzen auf dem Fensterbrett saßen, schweigend. Die Sonne fing an, ihre Strahlen über die Berge zu werfen – und ich dachte: das ist ein Lobpreisgottesdienst anderer Art: schweigende Anbetung!

    Die Schönheit der Schöpfung verzaubert mich und steckt mich an: Herr, wie schön hast du das gemacht! Und jeden Morgen neu geht die Sonne auf, ein Wunder, ein Wunder!

    Ich staune oft – das ist so meine Art. Und dann muss ich meine Freude mit anderen teilen.

    Neulich erzählte ich einer Bekannten, wie auf dem Gras die Tautropfen bunt glitzerten, wie Juwelen: rot, blau, grün, gelb – und sie sagte „Ja, ja, das ist doch von der Brechung des Lichtes!“ Das war mir auch klar, wie man das physikalisch erklären kann, aber deswegen staune ich doch! Manchen Menschen genügt es offenbar, die Dinge hinzunehmen; dass es halt so ist, wie es ist. Mir genügt das nicht – und Staunen hebt meine Stimmung. Oft, wenn ich anfange zu danken, sehe ich erst das Gute! Ich überlege mir jeden Tag, was gut war – oft nehme ich meine 10 Finger dazu, um aufzuzählen. Und dann hebt sich meine Laune deutlich. Ich sehe nicht nur, was Probleme und Herausforderungen sind – die sehe ich nämlich auch seeehr gut! Und ich bin oft geneigt das zu sehen, was Gott nicht tut: so viele Menschen beten – und es ist immer noch Krieg in der Ukraine; ich bete – und immer noch hat mein Bekannter keine Arbeit. Oft schäme ich mich, dass ich so undankbar bin.

    Hat nicht Gott so ein Lob wirklich „verdient“? Er fordert ja nicht Unterwerfung – so wie ein Herrscher sich huldigen lässt, und dann ist alles in Ordnung, nein: er möchte seinen Geschöpfen Gutes tun. Er liebt sie, es geht um Liebe!

    Nein, ich will Gott loben für seine Taten und für seine Herrlichkeit – ich will das Gute sehen! Ich will mich nicht dran gewöhnen und es hinnehmen, wie wenn es selbstverständlich wäre.

    Was machen eigentlich Menschen, die Gott nicht kennen: wem danken sie? Wenn ihnen etwas gelungen ist, haben sie ja dafür gearbeitet – wozu also danken? Wenn das Essen gut war, loben sie den Koch. Wenn die Bahn pünktlich war – loben sie die Deutsche Bundesbahn. Wenn das Wetter gut ist, sagen sie „Es ist zu warm für diese Jahreszeit“. Ich werde demnächst geehrt für 25 Jahre passive Mitgliedschaft im Musikverein – aber ansonsten kommt Lob in unserem Leben nicht so oft vor…

    Wie bin ich froh, dass ich jetzt meinen Gott loben kann, mit Worten, mit Liedern, ich weiß: Er freut sich drüber – und es hebt meine Stimmung!

    Bibellesen unter bibleserver.com

    Autor: Renate Schmidt

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