Das Schweigen, das er einstmals versprochen hat, fällt ihm offensichtlich doch schwer. Der emeritierte Papst Benedikt hat sich in der Missbrauchsdebatte zu Wort gemeldet. "Die 68er sind schuld", so könnte man seine Position beschreiben. Aus seiner Sicht liegen die Wurzeln für den Skandal des Missbrauchs in einem weitgehenden gesellschaftlichen und kirchlichen Verfall der Moral. Deshalb geht es aus seiner Sicht jetzt auch nicht um Kirchenreform. Im Gegenteil, die Kirche neu zu gestalten, das sei ein Vorschlag des Teufels. Josef Kardinal Ratzinger glaubt, wenn alle sich der Liebe Gottes zuwenden, wird alles wieder gut. Im Interview mit hr-iNFO kritisiert der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller die "eindimensionale und verzerrte" Sicht Ratzingers auf die Missbrauchsthematik. Mit dem Verweis auf das Böse in Kirche und Gesellschaft als Ursache für den Missbrauch lenke Ratzinger von seiner eigenen Verantwortung für Vertuschung und Verschleppung von Missbrauchsfällen ab, sagt Thomas Schüller.