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International episodes

  • Der Schatten der Schwarzarbeit über Italiens Landwirtschaft
    In der Schweiz und in ganz Europa kommt viel Italienisches auf die Teller. Doch die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Früchte und Gemüse ernten, haben oft weder Aufenthaltsbewilligung noch Arbeitsvertrag. Italiens Regierungen versprechen regelmässig Abhilfe, tatsächlich aber ändert sich wenig.
    Kurz vor den Sommerferien rüttelte ein schwerer Arbeitsunfall ganz Italien auf. Ein aus Indien stammender Feldarbeiter starb, nachdem ihm eine Maschine einen Arm abgetrennt hatte. Der Schwerverletzte wurde von seinem Arbeitgeber nicht in ein Spital gebracht. Denn er war nicht krankenversichert und verfügte auch über keinen Arbeitsvertrag. Gemäss Schätzungen arbeiten in Italiens Landwirtschaft rund 400'000 Angestellte schwarz.
    Das Problem ist bekannt und noch jede Regierung hat bisher versprochen, das Übel endlich anzugehen. Doch passiert ist wenig. Denn es profitieren viele von der Ausbeutung der Arbeitskräfte: Landwirtschaftsbetriebe, die tiefe Löhne zahlen. Grossverteiler, die billig Früchte und Gemüse einkaufen. Konsumentinnen und Konsumenten in ganz Europa, die günstig einkaufen können. Und Längst hat auch das organisierte Verbrechen seine Finger im Milliardengeschäft.
    Ein Augenschein in der Pontinischen Ebene südlich von Rom - einem der landwirtschaftlichen Zentren Italiens.
    28 min
  • Gefährdete Demokratie in Kuwait
    Darauf war Kuwait immer stolz: Als einziges Land am arabischen Golf war Kuwait in Ansätzen demokratisch. Das frei gewählte Parlament gilt als eines der mächtigsten im ganzen Nahen Osten. Oder besser: Galt. Denn vor wenigen Monaten hat der Emir das Parlament aufgelöst.
    Kuwait ist eines der reichsten Länder der Welt. Und trotzdem rückständig. Vetternwirtschaft, Korruption, ein aufgeblähter Staat und endlose politische Querelen sind die Gründe. Neidvoll schauen kuwaitische Unternehmer wie Khaled al-Khaled nach Abu Dhabi, Katar oder Saudi-Arabien. Sie fühlen sich abgehängt. Schuld daran sei die Demokratie, sagt al-Khaled: «Wie viele Menschen haben auf einem Schiff das Sagen: Ein Kapitän oder zehn?»
    Seit 1962 garantiert die Verfassung Kuwaits freie Parlamentswahlen. Und meistens fanden sie auch statt. Die Erbmonarchie und das Parlament teilten sich die Macht, doch das Nebeneinander funktioniert in der Praxis immer weniger. Im vergangenen Mai hat der Emir das Parlament für vier Jahre aufgelöst, und das Land ist zu einer Autokratie geworden. Kuwait ist ein kleines Land, aber einer der wichtigsten Ölexporteure der Welt. Was in Kuwait, geschieht, ist strategisch von Bedeutung.
    27 min
  • USA: Wie die Republikaner demokratiemüde wurden
    Es war ein beispielloser Angriff auf die Demokratie: Vor vier Jahren weigerte sich Donald Trump, seine Wahlniederlage anzuerkennen. Trotz dieser Lüge und dem Sturm aufs Kapitol nominierte ihn die republikanische Partei zum dritten Mal als Präsidentschaftskandidaten. Was ist da geschehen?
    «Trump kicks ass» steht auf Sharon Andersons Hut – «Trump ist ein harter Kerl», heisst das im übertragenen Sinn. Anderson ist Trump-Anhängerin der ersten Stunde, und sie würde ihn wählen, selbst wenn er im Gefängnis sässe. Für Anderson ist klar: Trump hat die bedeutendste politische Bewegung aller Zeiten geschaffen.
    Seit der Immobilienmakler und TV-Star in die US-Politik eingestiegen ist und 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, dominiert er die Schlagzeilen. Und die republikanische Partei. Manche Beobachter glaubten, nach dem gewaltsamen Ansturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol würde sich das republikanische Establishment von ihm abwenden. Zu plump schien seine x-fach wiederholte und x-fach widerlegte Lüge vom gestohlenen Wahlsieg, zu krude waren seine Angriffe auf den demokratischen Wahlprozess. Doch das Gegenteil geschah: Er schloss die Reihen hinter sich.
    Wie kam es dazu, dass sich so viele Parteigängerinnen und Parteigänger von den traditionellen konservativen Werten eines Ronald Reagan abwendeten und die republikanische Partei ganz zur Partei Trumps wurde?
    29 min
  • Dem Krieg trotzen: Das Sarajevo Filmfestival als Spiegel Bosniens
    Das Sarajevo Filmfestival ist das grösste Filmfestival in Südosteuropa. Dies allein ist bemerkenswert. Denn entstanden ist das Festival mitten im Bosnienkrieg, während der jahrelangen Belagerung Sarajevos. Aufgrund dieser Geschichte will das Festival mehr sein als ein reines Filmfestival.
    Selbst von den grausamen Folgen von Krieg und Nationalismus betroffen, hat sich das Filmfestival neben einer kulturellen auch eine aufklärerische und politische Mission gesetzt. Es versteht sich als Ort des Austausches, als Ort, der den Dialog über Landesgrenzen hinweg in der gesamten Region fördert. Gerade jetzt, wo weltweit die Spannungen wieder zunehmen und auch auf dem Balkan die Rhetorik aggressiver wird, ist dieser Ansatz so aktuell wie lange nicht. Davon ist der Festivaldirektor Jovan Marjanovic überzeugt.
    Doch nicht nur am Filmfestival, in ganz Bosnien Herzegowina sind die Folgen des Krieges weiterhin überall spürbar. Das Land ist weiterhin gespalten zwischen den einzelnen Volksgruppen. Bosnien ist geografisch und politisch aufgeteilt zwischen muslimischen Bosniaken, katholischen Kroaten und orthodoxen Serben. Die meisten Parteien sind ethnisch definiert und verstehen sich als Verteidiger ihrer jeweiligen Volksgruppen. Dabei haben sich die Politiker aller Seiten längst ein Klientelsystem aufgebaut, das einzig ihrem Machterhalt dient. Die Situation scheint zerfahren. Viele verlassen daher das Land und suchen ihr Glück anderswo.
    Das Filmfestival gab den Bewohnerinnen und Bewohner Sarajevos in den dunkelsten Stunden der Stadtgeschichte Halt. Und es bietet noch immer jenen Hoffnung, die auf Dialog und Verständigung setzen. Es nimmt damit eine Gegenposition ein in einer Region, in welcher der Nationalismus zuletzt in vielen Ländern wieder stärker wurde.
    27 min
  • Mongolei – im Würgegriff von Russland und China?
    Die Mongolei ist eingezwängt zwischen China und Russland und wirtschaftlich abhängig von den beiden autoritären Nachbarn. Doch die junge Demokratie will sich emanzipieren. Sie sucht nach neuen «Nachbarn» und hofft sogar auf spirituelle Kräfte.
    Die chinesische Führung sah rot, als 2016 im wichtigsten buddhistischen Kloster der Mongolei Babys zu krabbeln begannen. Es ging bei dem Ritual darum, den höchsten buddhistischen Würdenträger für die Mongolei zu finden - einen spirituellen Führer, der sich der Kontrolle Chinas entzieht.
    Als der religiöse Würdenträger gefunden war und der Dalai Lama dafür anreiste, belegte China den Nachbarstaat kurzerhand mit Wirtschaftssanktionen. Bis heute greift die asiatische Grossmacht zum Mittel der Erpressung und öffnet oder schliesst die Grenzen zur Mongolei je nach Grad der Verstimmung. Doch abhängig ist die Mongolei auch von Russland, dem zweiten Nachbarn. Wenn Russland die Energieversorgung drosselt, gehen in der Mongolei die Lichter aus. Aber die junge Demokratie möchte sich aus den Zwängen ihrer geographischen Lage befreien – sie hält Ausschau nach politischen und wirtschaftlichen Partnern anderswo in der Welt. Wie weit sie damit kommt – dazu die Reportage aus Ulaanbaatar.
    29 min
  • Irak baut an der Schnellstrasse zum Aufschwung
    Nach Jahrzehnten mit Kriegen und Zerstörung, glauben im Irak heute viele Menschen an eine bessere Zukunft. Ihre Hoffnungen liegen auch auf einem riesigen Bauprojekt.
    Der Plan ist ehrgeizig: Eine internationale Verbindungsstrasse soll künftig vom persischen Golf mitten durch den Irak bis in die Türkei und nach Europa führen. Eine Strasse, die einerseits Teil der neuen chinesischen Seidenstrasse sein soll, andererseits aber auch den Handel im Land selbst ankurbeln soll.
    «Mit der neuen Entwicklungsstrasse ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die irakische Wirtschaft wieder als heller Stern in der Region erstrahlen kann», sagt Rawan Al-Zaidi, eine junge Unternehmerin aus Bagdad. Viele im Land teilen ihren Optimismus.
    Doch damit es so weit kommt, reicht es nicht, eine grosse Strasse zu bauen. Das Land muss weitere Herausforderungen bewältigen: Die grassierende Korruption bekämpfen. Oder auch sich mit der kurdischen Bevölkerung im Norden des Landes versöhnen.
    Irak und die Hoffnung auf den Aufschwung: Eine Reportage quer durchs Land.
    28 min
  • Bis nichts mehr zu holen ist: Betrugsfabriken in Südostasien
    Eine Online-Bekanntschaft, schöne Gefühle. Und am Ende: kein Geld mehr. Weltweit werden Menschen von Betrügern um ihr ganzes Geld gebracht. Diese agieren zum Beispiel aus Südostasien, wo in den letzten Jahren diverse sogenannte Betrugsfabriken entstanden sind. Und wo Täter manchmal auch Opfer sind.
    Die Bezeichnung klingt martialisch: «Schweine schlachten». Im Betrügerjargon heisst das nichts anderes als: jemanden derart ausnehmen, ja ausweiden, bis kein Geld mehr zu holen ist. Das geschieht zum Beispiel über gefälschte Profile auf Dating-Plattformen, durch vorgetäuschte Interessen und Gefühle. Mit Hilfe perfider Techniken.
    Die Betrüger brauchen dazu nicht viel: in erster Linie Strom und Internet. Und ein Umfeld, das nicht so genau hinschaut, zum Beispiel in Staaten mit schwachen Institutionen und einem ausreichenden Mass an Korruption. Staaten wie Kambodscha, Laos oder auch Myanmar. In diesen Ländern sind in den letzten Jahren Industriegebiete und sogar Sonderwirtschaftszonen entstanden, die unter der Kontrolle zwielichtiger Gestalten aus China stehen. Von dort aus – aus gut ausgerüsteten Gebäudekomplexen – werden Menschen aus aller Welt belogen und betrogen.
    Einige Betrüger verrichten ihre Arbeit freiwillig. Andere werden jedoch dazu gezwungen und sind selbst Opfer der Betrugsindustrie.
    30 min
  • «Best of»: Südafrika: Die Regenbogennation am Scheideweg
    Nach dem Ende der Apartheid hoffte die Schwarze Bevölkerung Südafrikas auf ein besseres Leben. Doch nach 30 Jahren Dauerherrschaft der einstigen Freiheitsbewegung ANC stehen gerade die, die von der ANC-Politik mit profitiert haben, vor der Frage, was zählt mehr: Die Vergangenheit oder die Gegenwart?
    Es war 1994, als Südafrika die Wahl von Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes bejubelte. Seither bestimmt dessen ANC, der African National Congress, die Politik des Landes. Er schaffte die diskriminierenden Gesetze ab, die die schwarze Bevölkerungsmehrheit während Jahrzehnten zu Menschen zweiter Klasse degradiert hatten. Schwarze Südafrikanerinnen und Südafrikaner wurden gezielt gefördert, etwa in der Wirtschaft oder beim Staat. Historische Ungerechtigkeiten sollten überwunden werden.
    Seither ist jener Teil der Gesellschaft gewachsen, der sich aus der Armut hat befreien können: Die Schwarze Mittelschicht. Es sind Menschen wie Selina, Thapama und Pearl aus Soweto – südwestlich von Johannesburg - einst eine Hochburg des Widerstands gegen das weisse Apartheid-Regime.
    Alle drei sind vorangekommen im Leben. Und hadern doch mit dem Zustand ihres Landes.
    Korruption auf allen politischen Ebenen, hohe Kriminalität, grosse Arbeitslosigkeit - es läuft heute vieles schief in Südafrika. Der Alltag mit wiederkehrenden Ausfällen von Strom und Wasser ist bisweilen eine Zumutung. Und manchmal auch eine existenzielle Gefahr.
    Jetzt steht das Land erneut vor einer richtungsweisenden Wahl. Bei den Parlamentswahlen vom 29. Mai könnte der ANC zum ersten Mal seit 30 Jahren auf nationaler Ebene seine absolute Mehrheit verlieren. Und gerade Menschen wie Pearl, Thapama, Selina und viele aus dem Schwarzen Mittelstand, müssen sich fragen: Was zählt mehr: Die Vergangenheit? Oder die Gegenwart?
    (Erstausstrahlung: 25. Mai 2024)
    33 min
  • «Best of»: Born to be Opfer? Nein! sagen engagierte Wendekinder
    1989 waren sie klein, doch auch ihre Welt war ins Wanken geraten. Manche haben gelitten unter der rechten Gewalt der 90-er Jahre, andere genossen die Freiheit des rechtsfreien Raums. Heute teilen sie die Lust, ihre ostdeutsche Heimat zu gestalten und dem verbreiteten Frust etwas entgegenzusetzen.
    «Die meisten von uns waren so drauf: Wir machen es einfach selbst» sagt Patrick Hinz. «Das Coole war, dass es hier den Raum dafür gibt». Hinz leitet in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern eine Lokalzeitung. Dort deckt er mutig rechte Strukturen auf. Die Zeitung will zugleich zivilgesellschaftliche Initiativen unterstützen, denn «es gibt so viele, so gute Leute hier». Nadine Förster ist wie er in den 80-er Jahren in der DDR geboren und in der chaotischen Umbruchszeit gross geworden. Das selbsternannte «Inselkind» von Rügen tat, was ihre Eltern nicht durften: Sie bereiste die Welt und erkannte, wie einmalig ihre Heimat an der Ostsee ist. Jetzt kämpft sie als Lokalpolitikerin gegen den Ausverkauf ihres Dorfs. Auch Anna Stiede führt einen Kampf – es ist oft einer gegen das eigene Trauma der Vergangenheit. Ihre Jugend in den 90-er Jahren in Thüringen war umgeben von grauer Tristesse, Arbeitslosigkeit und rechter Gewalt. «Ich weiss selber, dass ich einen Schaden davongetragen habe». Sie verarbeitet den Wendeschmerz in Kunstprojekten. Janine Herntier schliesslich haute ab aus der düsteren brandenburgischen Provinz. Doch das Herz war stärker – jetzt ist sie mit ihrer Familie zurück.
    (Erstausstrahlung: 11. Mai 2024)
    30 min
  • «Best of»: Pharaonische Krise in Ägypten
    Seit gut zehn Jahren regiert der ehemalige General Abdel Fatah Al Sisi. Er stützt sich auf die Armee, die immer tiefer in die Wirtschaft verstrickt ist. Das bevölkerungsreichste arabische Land soll mit pharaonischen Bauprojekten in die Zukunft katapultiert werden. Doch die Armut steigt.
    Schnellstrassen, Metrolinien, eine gigantische neue Verwaltungshauptstadt mitten in der Wüste - die Projekte reissen gewaltige Löcher in die Staatskasse. Ägypten hängt am Tropf ausländischer Kreditgeber. Besserung ist nicht in Sicht. Staatspräsident Sisi schwört sein Land mit bizarren Vergleichen auf immer härtere Durststrecken ein: "Bei Gott, wenn der Preis für Fortschritt und Wohlstand der Nation darin besteht, hungrig und durstig zu sein, dann lasst uns weder essen noch trinken." Doch ob die Investitionen in die Infrastruktur und die milliardenverschlingenden Prestigeprojekte der Bevölkerung dereinst bessere Lebensperspektiven bringen, wird von Fachleuten in Frage gestellt. Bis jetzt profitiert vor allem die Armee: sie ist zum wichtigsten Akteur in der ägyptischen Wirtschaft aufgestiegen.
    Die Reportage aus Kairo und aus dem Nil-Delta.
    (Erstausstrahlung: 24. Februar 2024)
    30 min

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Die Welt ist unübersichtlich geworden – «International» hilft, sie zu verstehen. Mit den SRF-Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten reisen wir dorthin, wo Geschichten entstehen: Krisengebiete, Wirtschaftsmächte, vergessene Regionen.

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