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International episodes

  • Wasserpfeifen und kugelsichere Westen
    Libanon und Irak: Seit Oktober 2019 demonstrieren Hunderttausende gegen die politischen und religiösen Eliten. Ihre Forderungen sind ähnlich, ihr Vorgehen friedlich. Doch während in den Strassen Libanons ausgelassen getanzt wird, riskieren die Demonstrierenden im Irak jeden Tag ihr Leben. «Krieg und Blut sind wir uns gewöhnt. Jetzt wollen wir endlich Frieden, Freiheit und Unabhängigkeit.» Das sagt Isra, 17 Jahre alt, Schülerin aus der irakischen Hauptstadt Bagdad. Seit drei Monaten harrt sie in einem Zelt auf dem Tahrir-Platz aus, dem Zentrum der Proteste, und versucht andere Demonstrierende vor Tod und Gewalt zu schützen. Manche sind weit jünger als sie.
    Allein in den ersten vier Wochen der Proteste, die im Herbst 2019 begonnen haben und bis heute andauern, wurden im Irak 200 Demonstrierende getötet. Offen auszusprechen wagt es kaum einer, doch hinter den meisten Tötungen stecken Milizen, die von der regionalen Grossmacht Iran gesteuert werden. Über hundert solche bewaffneten Gruppierungen gibt es im Irak mittlerweile.
    In Libanon verlaufen die Proteste vergleichsweise friedlich: Die arabische Version des Partisanenlieds «Bella Ciao» hallt durch die Strassen, es wird geraucht, getanzt, gefeiert, über politische Gräben und Konfessionen hinweg. Soha und Marcelle etwa, zwei Frauen aus Beirut, die eine Muslimin, die andere Christin, die die Männer in ihrem Stadtviertel ermahnen: Die Gewalt des Bürgerkriegs, die wollen wir nie wieder erleben.
    29 min
  • Kiribati – Südseeparadies vor dem Untergang?
    Die extremen Fluten werden immer häufiger, sagen die Menschen im Pazifikstaat Kiribati. Sie bauen Wälle, im Versuch, ihren Inselstaat zu schützen. Der grösste Teil des bewohnbaren Gebiets von Kiribati liegt keine zwei Meter über dem Meeresspiegel. Wird der Inselstaat also schon bald unbewohnbar? Kiribati, das sind 33 schmale Atolle, verteilt über eine riesige Wasserfläche, nur zwei Prozent davon sind Land.
    Dort leben 100'000 Menschen mit der bangen Frage, ob sie ihre Heimat bald kollektiv verlassen müssen, wenn der Meeresspiegel steigt und die extremen Wetterphänomene zunehmen.
    Auch Dürreperioden stellen die Lebensgrundlagen von Kiribati in Frage: Je weniger Regen fällt, umso mehr Salzwasser dringt in den Boden ein.
    Schon vor Jahren schlug der damalige Präsident Kiribatis Alarm. In der Klimadebatte ist das fragile Land in Ozeanien seither zum Symbol geworden, als verschwindendes Paradies und erstes Opfer des Klimawandels. Bleibt also nur die Auswanderung? Oder ist die Lage doch komplizierter und Anpassung noch möglich? Die Reportage aus der Südsee.
    28 min
  • Bergkarabach – Festgefahrene Fronten im Südkaukasus
    Seit einem Vierteljahrhundert herrscht Waffenstillstand zwischen Armeniern und Aserbaidschanern. Aber der Frieden ist noch weit weg. Im vorletzten Jahr hat in Armenien eine neue Generation westlich orientierter Politiker die Macht übernommen. Kommt jetzt Bewegung in den festgefahrenen Konflikt? Vor allem in Aserbaidschan weckt der Machtwechsel im benachbarten Armenien Erwartungen. Die vielen Flüchtlinge und Vertriebenen aus Berg-Karabach hoffen, dass eine Friedenslösung gefunden wird, so dass sie in ihre Heimat zurückkehren können. Der Bauer Mustafa Usubov würde am liebsten sofort aufbrechen und glaubt, dass er wieder friedlich mit den armenischen Nachbarn zusammenleben könnte. In Aserbaidschan glaubt man, dass Armenien ein Interesse an einer Lösung im Streit um Bergkarabach hat, weil es damit aus der Isolation ausbrechen könnte. Seit dem Krieg ist nicht nur die Grenze zu Aserbaidschan zu, sondern auch die zur Türkei.
    Allerdings sieht die wirtschaftliche Situation auf der armenischen Seite der Waffenstillstandslinie nicht so desolat aus, wie man in Aserbaidschan denkt. Bergkarabach hat sich unabhängig erklärt und nennt sich jetzt Republik Arzach. Aus Armenien und vor allem von der armenischen Diaspora in der ganzen Welt kommt Geld, das beim Wiederaufbau hilft. Die Bevölkerung Bergkarabachs kann sich nicht vorstellen, dass die geflüchteten Aserbaidschaner zurückkommen und die Armenier, die aus Aserbaidschan nach Bergkarabach geflüchtet sind, wollen nicht dorthin zurück.
    Die Wahrnehmung ist also völlig verschieden auf den beiden Seiten der Waffenstillstandslinie. Die Regierung in Baku ist zwar bereit, Bergkarabach Autonomie zu gewähren, aber nur als Bestandteil Aserbaidschans. Was würde passieren, wenn sich die neue Regierung in Armenien auf Verhandlungen einlassen würde?
    29 min
  • Osttimor: Unabhängigkeit ist noch nicht Freiheit
    Osttimor ist ein junger Staat: Erst 2002 wurde er in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen: nach mehreren 100 Jahren Kolonialzeit Portugals und 24 weiteren Jahren indonesischer Besatzung. Der Weg in die Eigenständigkeit war schwierig. Und noch schwieriger ist der Weg aus der Armut. Seit der Unabhängigkeit Osttimors sind fast 20 Jahre vergangen. Das Land kennt nun Frieden, aber noch immer keinen Wohlstand. Das Bildungs-, und das Gesundheitssystem funktionieren nicht. Es fehlt an Geld und an Wissen. Mit den indonesischen Soldaten verliessen auch Tausende Fachkräfte das Land. Die Hauptstadt Dili hatte damals noch 19 Ärzte für fast eine Million Einwohnerinnen und Einwohner. Das Geld in den Staatskassen kommt zu einem grossen Teil von den Einnahmen eines grossen Gasfeldes. Aber dessen Reserven sind bald erschöpft. Nun setzt die Regierung alle ihre Hoffnungen auf ein neues Gasfeld, das aber noch nicht erschlossen ist und entwirft grosse Zukunftsutopien. Die Bevölkerung jedoch ist desillusioniert. Die Unabhängigkeits-Dividenden sind bisher weitgehend ausgeblieben.
    32 min
  • Tunesiens Justiz leidet unter dem Erbe der Diktatur
    Polizei und Justiz waren in Tunesien jahrzehntelang willfährige Stützen der Diktatur. Folter war Methode in Gefängnissen, die politische Macht kommandierte auch die Justiz. Dieses Erbe der Diktatur belastet die junge Demokratie. Aber es gibt auch Versuche, zum Aufbruch in die Zukunft. Tunesien hat sich nach dem Sturz der Diktatur vorgenommen, mit der Vergangenheit zu brechen. Eine Wahrheitskommission, die «Instanz für Wahrheit und Würde» sollte die Menschenrechtsverletzungen in den Gefängnissen aufarbeiten und den Opfern Gerechtigkeit verschaffen.
    Doch dies erweist sich als schwierig: Richter klagen über Polizisten, die bei der Aufklärung nicht mitarbeiten, weil Kollegen aus dem Polizeikorps mutmassliche Täter sind. Auch die Praktiken der Diktatur haben überlebt: Folter war damals Methode – heute ist Folter die einzige Straftat, das nach Verfassung nicht verjährt. Trotzdem gehöre Gewalt gegen Häftlinge weiterhin zum Alltag in tunesischen Gefängnissen, sagen Menschenrechtsorganisationen. Die Täter könnten damit rechnen, dass sie straflos bleiben.
    Auch die Justiz ist weiterhin am Gängelband der Politik. Denn der Justizminister hat weiterhin ein Weisungsrecht gegenüber den Justizbehörden. Er kann so Strafuntersuchungen in Auftrag geben oder sie blockieren.
    Aber es gibt auch Hoffnungen: Eine neue Strafprozessordnung könnte mehr Transparenz schaffen und so einen Kulturwandel im tunesischen Justizsystem einleiten.
    29 min
  • Tansania: Schulverbot für schwangere Mädchen
    Das Bildungsgesetz in Tansania ist äusserst rigoros. Wer schwanger wird, darf nicht mehr zur Schule. Präsident John Magufuli persönlich setzt sich dafür ein, dass diese Regel auch befolgt wird. Und er lässt sich von Kritik nicht beirren. Für die betroffenen Teenager aber hat das gravierende Folgen. Im ostafrikanischen Tansania wächst die Zahl der Teenager, die schwanger werden, seit einiger Zeit. 2016 lag sie bei 27 Prozent aller Mädchen – das sind vier Prozentpunkte mehr, als noch sechs Jahre davor. Armut, überholte Traditionen und der Mangel an Aufklärung sind nur einige der Ursachen dafür. Mit den Konsequenzen bleiben die meist noch minderjährigen Mädchen oft alleine.
    «Ich wollte Ärztin werden», sagt Maidas, die kurz vor der Matura schwanger geworden ist. «Seit ich aus der Schule ausgeschlossen wurde, sind die Hoffnungen, die ich für mein Leben hatte, zerstört.»
    Die Praxis, schwangere Mädchen aus der Schule auszuschließen, gibt es in Tansania bereits seit den 60er-Jahren. Eine «Moral-Klausel» im Bildungsgesetz von 2002 hat sie noch einmal bestätigt. Und Präsident Magufuli persönlich hat Teenager, die ein Kind erwarten, quasi zu Staatsfeinden erklärt. Sie würden Tansania zugrunde richten, wenn sie als junge Mütter wieder zur Schule gingen, sagte er in einer Rede.
    Dass Schwangere ihre Schulbildung aufgeben müssen, hält eine Mehrheit der Tansanier für falsch. Darunter auch die grossen Kirchen des Landes. Beim Präsidenten allerdings stösst ihre Kritik auf taube Ohren.
    26 min
  • Best of International: «Wir leben in einer toten Stadt»
    Leere Ladenlokale, verarmte Innenstädte. Viele mittelgrosse Städte in Frankreich stecken in ernsthaften Schwierigkeiten. Einst traditionsreiche, dynamische Innenstädte sind zu blutleeren Zentren geworden. Mit spürbaren Folgen. Was tun? Augenschein in Vierzon, südlich von Paris. Zu vermieten, zu verkaufen. Die Schilder in der Innenstadt von Vierzon sind unübersehbar. Viele Ladenlokale stehen leer, viele Bistros haben dichtgemacht. Die einst blühende Industriestadt Vierzon hat in den letzten 40 Jahren fast 9000 Einwohner verloren und gleicht heute einer Stadt, die den Atem angehalten hat. Die junge Generation will nur noch weg, viele Alteingesessene trauern den alten Zeiten nach. Und immer wieder hört man Sätze wie: «Diese Stadt ist tot.» «Diese Stadt leidet». Vierzon ist in Frankreich keine Ausnahme. Viele der mittelgrossen Städte in Frankreich kämpfen mit Abwanderung, sozialer Armut und der Verödung ihrer Stadtzentren. Fachleute sprechen von einer ernsthaften Krise, einer Krise, die erst vor wenigen Jahren wirklich wahrgenommen wurde. Zu spät?
    Die Zentralregierung in Paris versucht nun, Gegensteuer zu geben. Im Rahmen des Programms «Action Coeur de ville» sollen 222 mittelgrosse Städte, darunter auch Vierzon, mit insgesamt fünf Milliarden Euro unterstützt werden. Doch wie effizient ist das?
    In Vierzon jedenfalls versuchen die Stadtverantwortlichen alles, den Optimismus nicht zu verlieren, obwohl die Probleme gross und die Finanzen knapp sind.
    (Erstausstrahlung: 7. September 2019)
    28 min
  • Best of .... «Schliesslich geschieht jeden Tag etwas Wichtiges…»
    Die Schweiz ignorierte den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 mit spektakulärer Nonchalance. Dafür schrieben deutsche Medien schon bald von einer «Schweizer Mauer». Die Schweiz und der Mauerfall. Das ist nicht bloss eine spannende, unterhaltsame Geschichte von früher. Sondern: Wir erfahren viel über uns selbst, die Schweiz.
    (Erstausstrahlung der Sendung: 9. November 2019)
    28 min
  • Best of...: Fertig Hygge? Dänemarks Wohlfahrtsstaat unter Druck
    Dänemark gilt als Vorbild, wenn es um faire Löhne, soziale Wohlfahrt und glückliche Menschen geht, die dem Staat vertrauen. Doch der Druck auf den Sozialstaat nimmt zu: wegen der Überalterung und weil Zugewanderte in Dänemark oft keinen Job finden. Gelassen dank sozialer Sicherheit - das ist der dänischen Gesellschaft wichtig. Alle zahlen bereitwillig hohe Steuern, wenn der Staat ihnen dafür Gesundheitsversorgung, Arbeitslosenunterstützung, Ausbildung und subventioniert Kinder-Krippen bietet.
    Das gute sichere Lebensgefühl gehört in Dänemark auch zur «Hygge: ein Begriff, den die meisten Dänen mit Gemütlichkeit, gemeinsam, Gemeinschaft übersetzen. Hygge ist deshalb auch ein politisicher Begriff, der eng mit dem dänischen Wohlfahrtsstaat verknüpft ist.
    Doch in den letzten Jahren ist dieser Wohlfahrtsstaat unter Druck gekommen. Immer weniger Menschen arbeiten in Dänemark: weil die Gesellschaft altert und jeder vierte Däne pensioniert ist. Das belastet den steuerfinanzierten Wohlfahrtsstaat - ebenso die Tatsache, dass viele ImmigrantInnen in Dänemark schlecht integriert sind, kein Dänisch sprechen und deshalb keine Arbeit finden. Alle grossen Parteien haben in den letzten Jahren die Migrationspolitik verschärft, zum Teil mit fremdenfeindlichen Vorschlägen. Vor allem für muslimische MigrantInnen ist das Leben in Dänemark nicht mehr wirklich hyggelig.
    29 min
  • Belize – Erkundungen im «Multikulti»-Staat
    Touristen tauchen den Pelikanen hinterher und lassen sich verzaubern vom bunten Unterwasserleben in den Korallenriffen. Mit Palmen, Papageien und Marimba-Musik bedient Belize die Klischees der Karibik - eine Facette eines winzigen Landes voller Gegensätze. In der Abgeschiedenheit der ehemaligen britischen Kolonie haben sich zugleich mennonitische Einwandererfamilien eine eigene Welt der Entsagung geschaffen, ohne Strom und Traktoren, während andere im Farmland am Belizefluss hochmoderne Landwirtschaft betreiben.
    Der Kleinstaat ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Maya, Mestizen, Mennoniten und Kreolen - aus der Vielfalt bildet sich zunehmend eine eigene «belizische» Identität heraus.
    Belize bleibt bis heute auch ein Ort der Zuflucht. Aus der zerrütteten mittelamerikanischen Nachbarschaft kommen Menschen in der Hoffnung auf bessere Arbeitsmöglichkeiten und Sicherheit.
    Der junge Staat an der Küste des karibischen Meers kann die Probleme, welche der Region zusetzen, dennoch nicht fernhalten: die Menschen klagen über Politikerkorruption, das Land ist Durchgangsstation für Drogen, und auch in Belize wachsen Vorstädte voller Armut, wo Jugendgangs ein Klima der Unsicherheit verbreiten.
    33 min

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Die Welt ist unübersichtlich geworden – «International» hilft, sie zu verstehen. Mit den SRF-Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten reisen wir dorthin, wo Geschichten entstehen: Krisengebiete, Wirtschaftsmächte, vergessene Regionen.

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