Passage

Irène Schweizer – Aus Liebe zum Jazz


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2018 ist ein grosses Jahr für Irène Schweizer: Gleich zwei Preise hat die wegweisende Pianistin, Jazzmusikerin und Pionierin der Free Music erhalten: den Zürcher Kunstpreis und den Schweizer Musikpreis. Eine akustische Würdigung. Zu ihrem 75. Geburtstag spielt Irène Schweizer 2016 solo am Jazzfestival Schaffhausen. Sie tritt auf die Bühne und empfängt ihr Publikum so: «Min Name isch Pussy Riot! Herzlich Willkomme.»
Verblüffung zuerst, aber da gibts durchaus eine Verwandtschaft zur feministischen Frauenband, die gegen Konventionen und Regierung kämpft. Und sowieso ist Irène Schweizer gerne voller Schalk; ein 75-jähriges Riot Grrrl.
Lachen im Saal, fröhliches Kichern von der Bühne. Dann greift Schweizer mit einem resoluten «Also!» in die Tasten. Sofort ist der Raum eingefärbt von ihrer Musik. Einzelne Töne fliegen dem Publikum entgegen, bauen flirrend Spannung auf. Weite Intervalle kontrastieren mit engen Clustern. Sie stolpern, kollabieren, nehmen Fahrt auf und beginnen zu swingen. Das musikalische Feld ist aufgespannt, die Geschichte entfaltet sich.
Irène Schweizer verliebt sich mit 12 in den Jazz, als sie eine Studentenband proben hört im Schaffhauser Gasthof, in dem sie aufwächst. Seither erobert sie diese Musik mit kompromisslosem Einsatz.
Im Zürcher Club Africana entdeckt sie wenig später den südafrikanischen Jazz und ist so begeistert, dass sie eine Band über Jahre begleitet, um den Zauber ihres Spiels zu erschliessen.
In ihrer eigenen Musik klingt seit da immer wieder der fröhlich hymnische Charakter der Kwela Musik an, sogar in jenen wütenden Jahren, wo Schweizer in den Free Jazz eintaucht.
Nach dem Vorbild von Cecil Taylor haut sie in die Tasten, nimmt blaue Flecken an den Unterarmen in Kauf. Sie ist vorne mit dabei, als der europäische Jazz von einer eingeschworenen Szene neu erfunden wird, nimmt als erste Pianistin Europas Solo-Platten auf.
Vierzig Jahre her sind diese Premieren. In den Jahrzehnten danach spielt Irène Schweizer in vielen Konstellationen und entwickelt eine sanftere Spielweise.
Sie ist im Pensionsalter, als sie von zwei Konzertsälen für klassische Musik, KKL und Tonhalle Zürich, zu Solokonzerten eingeladen wird. Irène Schweizer geniesst die Auszeichnung, aber eigentlich spielt sie lieber vor kleinem Publikum. Der Jazzclub bleibt ihr Zuhause.
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