Ehrlich, zugewandt und immer engagiert. So war Erich Loest und so hat er geschrieben. Bekannt wurde er durch Bücher wie "Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene“, "Durch die Erde ein Riss“ oder "Nikolaikirche“. Wie kein zweiter deutscher Autor seiner Zeit hat er den Alltag der kleinen Leute beschrieben, ihre Probleme und deren Ursachen benannt und damit auch die großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts zum Thema gemacht.
Geboren am 24. Februar 1926 in Mittweida, gestorben am 12. September 2013 in Leipzig. Erich Loest hat ein dreiviertel Jahrhundert und drei politische Systeme durchlebt. Als Jugendlicher war er ein glühender HJ-Führer und wurde noch am Ende des Krieges zum Werwolf ausgebildet. Als junger Mann bekannte er sich zum Kommunismus und trat der SED bei, die den unbequemen Autor drangsalierte und ihn, als er eine Entstalinisierung der DDR forderte, zu siebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilte. 1981 ging er in den Westen, weil er keine Chance mehr sah, dass seine Bücher veröffentlicht würden. Nach der Friedlichen Revolution siedelte er wieder zurück nach Leipzig, seine Stadt, schrieb unaufhörlich weiter und engagierte sich für die Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Was bleibt von Erich Loest? Aus Anlass seines 100. Geburtstages hat Geschichtsredakteur Stefan Nölke Selbstzeugnisse und Texte herausgesucht und Wegbegleiter befragt. Zu Wort kommen die Biografin Regine Möbius, der Buchwissenschaftler Siegfried Lokatis und Loests Freund Bernd Lutz Lange, Autor und Kabarettist.