„An die Substanz. Bauhaus Dessau 100.“ Vor 100 Jahren zog das Bauhaus nach Dessau und das wird seit September 2025 mit Ausstellungen, künstlerischen Programmen, Konferenzen und zahlreichen Festen gefeiert. Höhepunkt ist am 28. März die Eröffnung der Hauptausstellung „Glas, Beton, Metall“, sowie drei kleinere Freiluftpräsentationen. Das Jubiläumsjahr will auch daran erinnern, warum das Bauhaus im Jahr 1925 nach Dessau kam: Aus ideologischen Gründen hatte die konservative Thüringer Landesregierung dem Bauhaus in Weimar die Finanzierung drastisch gekürzt. Zeitgleich nahmen die diffamierenden Angriffe auf das Bauhaus zu. 1933, ein Jahr nach dem erzwungenen Umzug des Bauhauses von Dessau nach Berlin, wurde es unter dem Druck der Nationalsozialisten als „entartet“ aufgelöst. Regina Bittner ist die Leiterin der Bauhaus-Akademie und Stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau. In ihren Verantwortungsbereich fallen die Konzeption und Lehre der postgradualen und transdisziplinären Programme zur transkulturellen Moderne in der Design-, Architektur- und Bauhausforschung. Regina Bittner kuratierte zahlreiche Ausstellungen zum Bauhaus und zur Kulturgeschichte der Moderne, u.a. 2019 die Sammlungspräsentation Versuchsstätte Bauhaus. Sie war u.a. von 2017 bis 2019 kuratorische Beraterin des Forschungs- und Ausstellungsprojektes Bauhaus Imaginista, im gleichen Zeitraum Jurymitglied der Kulturstiftung des Bundes zum Fond Bauhaus. Heute und seit 2019 ist Regina Bittner Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Mies van der Rohe Haus Berlin. Die Mitarbeit in internationalen Jurys und Kuratorien ist fester Bestandteil ihrer beruflichen Praxis. In die Jubiläumsausstellung in Dessau „Glas, Beton, Metall“ ab 28. März gab sie ihr Wissen in den Ausstellungsbaustein „Bauhaus im Glas“ ein. Regina Bittner treibt an, alltägliche Begebenheiten und Artefakte als Verflechtungsgeschichten zu erzählen, herauszufinden, warum diese für Menschen bedeutsam geworden sind. Und, sie mag und schätzt die Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden und jungen Forscherinnen. Das „Bauhaus Lab“ unter Ihrer Leitung bietet dazu viele Möglichkeiten. Jährlich lädt das „Bauhaus Lab“ acht junge internationale professionelle Architekten, Designer, Forscher und Kuratoren zu einer dreimonatigen Kollaboration ans Bauhaus ein, um an einem ausgewählten Objekt der Bauhausgeschichte Facetten transkultureller Kulturproduktion zu erforschen und daraus eine gemeinsame Ausstellung zu erarbeiten.
In Freiberg in Sachsen wurde Regina Bittner geboren. Sie studierte Kulturwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und promovierte am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität zu Berlin. Ihre Forschungen bewegten sich anfangs mit Studien zu urbanen und regionalen Transformationsprozessen in Ostdeutschland. Von 1996 bis 1998 unternahm Regina Bittner ethnografische Studien zum regionalen Strukturwandel einer altindustriellen und schrumpfenden Region mit dem Fokus auf Wohnkulturen und Nachbarschaftsbeziehungen, die 1998 unter dem Titel „Kolonien des Eigensinns“ veröffentlicht wurden. In ihrer Dissertation befaßte sie sich mit dem Identitätsbildungsprozeß der Stadt Dessau als Bauhausstadt. Seit 2019 ist Regina Bittner Honorarprofessorin am Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Martin-Luther-Universität in Halle. Von 2021 bis 2022 war sie Gastprofessorin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig.
Moderation: Thomas Bille
Redaktion: Angelika Zapf