Auf den Punkt

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Auf den Punkt episodes

  • Helfer im Erdbebengebiet: "Wir hören erst auf, wenn kein Hund mehr anschlägt"

    Immer deutlicher wird das Ausmaß der Zerstörung nach den Erdbeben im Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien. Die Opferzahlen steigen immer weiter. Mittwochmittag ist die Rede von mehr als 11 000 Toten, Tendenz weiter steigend. Oubadah Alwan, Sprecher der privaten syrischen Hilfsorganisation "Weißhelme" sagt der SZ, es sei "ein Wettlauf gegen die Zeit". Es gebe “keine Notunterkünfte, keine sichere Zone, keine Sicherheit”. Die Leute wüssten nicht wohin. Man sei mit etwa 3000 Freiwilligen vor Ort, im betroffenen Gebiet leben vier Millionen Menschen. Man brauche dringend internationale Unterstützung.

    In der Türkei sind inzwischen etwa 60 000 Helfer vor Ort. Dazu gehören auch Kräfte der 1993 gegründete gemeinnützigen Hilfsorganisation I.S.A.R. Einer von ihnen ist Peter Kaup, Hausarzt aus Oberhausen, der im türkischen Kirikhan nahe der syrischen Grenze an Rettungen beteiligt ist. In dieser Stadt sei jedes "zweite oder dritte Gebäude komplett zusammengebrochen", sagt Kaup, den wir während einer Rettungsaktion mitten in den Trümmern eines Hauses mit vier Etagen erreichen. Hier hat er gerade "technisch als auch mit Hunden" nach Überlebenden gesucht. Das Überleben von Verschütteten hänge "vom Zugang zu Wasser" ab, sagt Kaup. Aber bei den derzeitigen Minustemperaturen auch vom "Zugang zu Wärme". Bei der herrschenden Kälte könne man kaum glauben, dass Kinder länger als 48 Stunden überleben würden. "Aber wir haben alles schon erlebt." Man sei zur Rettung von Überlebenden gekommen und höre erst auf, wenn "wenn kein Hund mehr anschlägt". Das wäre ein sicheres Zeichen dafür, dass es dann keine Überlebenden mehr gibt.

    Weitere Nachrichten: Scholz sagt Erdbebenopfern Hilfe zu, Putin soll am MH17-Abschuss beteiligt gewesen sein.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Nadja Schlüter, Tami Holderried, Johannes Korsche

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über Weißhelme

    13 min
  • Nach dem Erdbeben: Große Gebiete noch ohne Hilfe

    Nach dem schweren Erdbeben in der türkisch-syrischen Grenzregion sprechen die Behörden mittlerweile von über 5 000 Toten – es könnten bis zu 10 000 werden. Etwa 20 000 Menschen sollen verletzt worden sein. Die internationale Gemeinschaft hat Hilfe für die betroffenen Gebiete versprochen. Die ersten Teams sind schon in der Türkei angekommen. Aber besonders im Bürgerkriegsland Syrien ist die Lage unübersichtlich und es ist unklar, wie Hilfe in die betroffenen Regionen kommen kann.

    Währenddessen fragen sich viele Menschen in der Türkei, ob man besser auf so eine Katastrophe hätte vorbereitet sein können. SZ-Experte Raphael Geiger sagt: “Die Opposition wirft der Erdoğan-Regierung vor, dass die Einnahmen aus der Erdbebensteuer nicht in den Erdbebenschutz geflossen sind.” Diese Steuer sei nach dem schweren Beben von 1999 etabliert worden, um das Land erdbebensicherer zu machen. Es gebe aber große Zweifel daran, ob das tatsächlich passiert sei – “auch wenn man sich vor so einer Katastrophe nicht komplett schützen kann.” Die Frage, was die Regierung tun kann, um die Menschen in Zukunft besser zu schützen, könnte nach Geigers Einschätzung jetzt auch ins Zentrum des türkischen Wahlkampfs rücken.

    Auch auf die Situation in Syrien blickt Geiger mit Sorge, weil hier noch weniger Hilfe ankomme. Syrien sei ein isoliertes und fragmentiertes Land, was internationale Hilfe noch schwieriger mache. Das sei die große Herausforderung in den nächsten Tage: “Wir als EU und Deutschland müssen uns überlegen, wie kann Hilfe dorthin gelangen?”, so Geiger.

    Weitere Nachrichten: RTL will 700 Stellen bei Gruner + Jahr abbauen, Claudia Plattner soll BSI-Chefin werden

    Moderation, Redaktion: Tami Holderried

    Redaktion: Johannes Korsche, Ayça Balcı

    Produktion: Justin Patchett

    Zusätzliches Audiomaterial über CNNTurk, Youtube @TheNationalUAEchannel

    14 min
  • Spionage-Ballon über den USA: Was dahinter stecken könnte

    Mehrere Tage ist ein chinesischer Ballon über die USA geflogen. Inzwischen wurde er abgeschossen, die Trümmer werden derzeit vor der amerikanischen Ostküste geborgen und ausgewertet. Die chinesische Regierung sagt, dass es sich dabei um einen Wetterballon gehandelt hat. Die USA gehen allerdings von Spionage aus. Heikel ist das, weil der Ballon auch über einer US-Militärbasis entlang flog. Dort sind Atomraketen stationiert.

    Dass es sich um einen chinesischen Spionage-Ballon handelt, nennt SZ-Politikchef Stefan Kornelius “die plausibelste Erklärung”. Auch weil es “auf der amerikanischen Seite in den letzten Monaten eine Umstellung gab in der Kommunikation der strategischen Raketen-Einheiten.” Daraus lasse sich auch der Einsatz des Ballons über der Militärbasis erklären: “Der Ballon kann länger über einem Ort schweben und kann dort nicht nur Filmaufnahmen oder Fotoaufnahmen machen, sondern auch abhören.” Das sei “die eigentliche Stärke gegenüber einem Satelliten”, so Kornelius.

    Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen sieht er “an einem Tiefpunkt” angekommen. Auch weil der Zwischenfall gezeigt habe: “Die Krisenkommunikation zwischen beiden Seiten ist wirklich verheerend schlecht”. Es wäre “ein sinnvolles Zeichen, wenn Tony Blinken, der US-Außenminister, nun seinen Besuch doch recht zügig nachholt.” Da ist Kornelius auch hoffnungsvoll: “Erfahrungsgemäß ist dann so ein Zwischenfall auch schnell wieder vergessen.”

    Weitere Nachricht: Erdbeben in Grenzregion von Türkei und Syrien.

    Die Reportage zur AfD finden Sie hier.

    Moderation, Redaktion: Johannes Korsche

    Redaktion: Sabrina Höbel, Tami Holderried

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über Reuters, Twitter: @EU_Commission.

    14 min
  • Am Wochenende: "Israel droht sich in eine defekte Demokratie zu verwandeln"

    Seit Mitte Dezember ist Benjamin Netanjahu Chef der rechtesten Regierung, die es im Staat Israel je gab. Das Bündnis seiner rechtskonservativen Likud-Partei mit religiösen Fundamentalisten und rechtsextremen Nationalisten will tiefgreifende Veränderungen durchsetzen: Unter anderem soll die Gewaltenteilung ausgehebelt werden, meint der deutsch-israelische Professor Meron Mendel.

    Gemeinsam mit 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem deutschsprachigen Raum kritisiert der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, dass "die israelische Demokratie praktisch ausgehöhlt wird". Netanjahus Regierungsmehrheit sei "kein Freischein, das System grundlegend zu ändern". Würden die Pläne der Regierung so umgesetzt, dann wäre Israel "keine liberale Demokratie mehr, wie wir sie seit 75 Jahren kennen". Das Land werde sich dann in eine "illiberale Demokratie oder defekte Demokratie" wandeln, in der die Gewaltenteilung "nicht mehr existiert". Aufhalten könnte die Pläne vor allem innenpolitischer Druck. Ihm mache das breite Bündnis aus dem "inzwischen sehr dezimierten Lager der israelischen Linken" mit Intellektuellen aller Couleur Hoffnung, sagt Mendel.

    Dazu müsse aber auch Druck von außen kommen. Die Bundesrepublik Deutschland, als "guter Freund" Israels, müsse deshalb deutliche Worte finden, meint Mendel. "Uns verbindet die liberale Demokratie, das Verständnis einer offenen Gesellschaft." Wenn Israel das verliere, dann gehe auch ein wesentlicher Teil dessen verloren, was die beiden Länder verbindet. Kritik sei deshalb ein "Akt der Solidarität mit Israel", ein "Akt der Freundschaft". Wenn der Kanzler dem israelischen Ministerpräsidenten seine Besorgnis mitteile, dann liege das im Interesse der israelischen Gesellschaft.

    Den Offenen Brief von Meron Mendel und anderen Wissenschaftlern finden Sie hier.

    Die kritische Auseinandersetzung mit dem Krieg in der Ukraine und westlicher Unterstützung des Philosophen Jürgen Habermas, finden Sie hier. Einen “Lob des Pazifismus” von Nele Pollatschek Sie hier. Einen kritischen Text von Sonja Zekri hier. Bei “Auf den Punkt” hatten wir den Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft DFG. Heribert Prantl setzt sich hier in seiner Kolumne kritisch mit der Thematik auseinander und hier finden Sie noch verschiedene Leserbriefe zu der Thematik.

    Redaktionsschluss für diese Sendung war Freitag, den 3. Februar um 16 Uhr.

    Weitere Nachrichten: Debatte um Kampfjets, Proteste in Frankreich und Großbritannien, SPD-Spitzenkandidatur von Nancy Faeser in Hessen.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Leonard Kahn, Vinzent-Vitus Leitgeb, Tami Holderied

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über dpa, Reuters, Twitter, Guardian News.

    Unseren Podcast zu Wirecard finden Sie hier.

    28 min
  • Streiks in Großbritannien: “Problematisch wird es, wenn man einen Krankenwagen braucht”

    Einen Winter des Unmuts, so nennen die Britinnen und Briten die Zeit gerade. Und meinen damit: Die größte Streikwelle, die das Land seit den 80ern erlebt hat. An diesem Freitag streiken die Zugführer, kaum ein Zug werde fahren, so die Ankündigung. Schon am Mittwoch waren Hunderttausende auf die Straße gegangen: Lehrer, Beamte, Mitarbeitende in Hochschulen und viele mehr. Sie fordern eine Angleichung ihres Lohns an die Inflation, die bei etwa 10 Prozent liegt. Die Regierung um Rishi Sunak bietet den Berufsgruppen weniger.

    Trotz erheblicher Einschränkungen stehe die Mehrheit hinter den Streiks, sagt der SZ-Korrespondent in London, Alexander Mühlauer. Zumindest bei den Pflegekräften. “Gerade weil sie in Großbritannien ja auch als die Heldinnen und Helden der Pandemie gelten.” Zollbeamte und Fahrprüfer hingegen hätten diese Rückendeckung nicht in diesem Maße.

    Die Schuld für die Streiks sehen die Briten allerdings bei Premier Rishi Sunak. Seine ersten 100 Tage im Amt seien “durchwachsen” gelaufen, sagt Mühlauer. Zwar habe Sunak den Ton geändert, aber: “Die Frage ist natürlich: Was sind die Taten? Und da tut er sich so wahnsinnig schwer.” Immerhin: Er stehe für einen anderen Politikstil als seine Vorgänger: “Das muss man, glaube ich, auch einfach in diesen Zeiten von Populismus immer wieder betonen: Da lügt einer nicht.”

    Die vierte Folge von “Verzockt - das System Sportwetten” finden Sie hier.

    Weitere Nachrichten: Spionage-Ballon fliegt über den USA, Bundesinnenministerin Nancy Faeser kündigt Kandidatur in Hessen an.

    Moderation, Redaktion: Johannes Korsche

    Redaktion: Ayca Balci, Tami Holderried

    Produktion: Jakob Arnu

    Zusätzliches Audiomaterial über SkyNews

    11 min
  • Bilanz der Corona-Maßnahmen: “Wir haben schon viel unnötig gelitten”

    Seit Donnerstag gibt es keine Maskenpflicht mehr im Fernverkehr. Schutz vor Corona wird vor allem in Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen aufrecht erhalten. Zeit, um mit Christina Berndt eine erste Bilanz zu ziehen. Sie ist Wissenschaftsredakteurin bei der SZ und hat von Anfang an über die Corona-Pandemie berichtet.

    “Wir sind insgesamt ganz gut durch die Pandemie gekommen”, sagt sie. Mit Blick auf das Auslaufen der Maskenpflicht im Fernverkehr sagt sie aber auch: “Mir tun die Menschen leid, die echt gefährdet sind.” Zwar mache das Corona-Virus kaum akute Probleme mehr, aber von einem Ende der Pandemie könne man noch nicht sprechen. Auch weil es “international noch riesige Probleme” gebe. Zum Beispiel in China.

    In der Rückschau sagt sie zu den Maßnahmen: “Man hätte andere Prioritäten setzen können und auch müssen.” Gerade Schul- und Kitaschließungen seien “ein Fehler” gewesen. Für die Zukunft fordert sie: “Wir brauchen verlässliche Pandemie-Pläne.”

    Weitere Nachrichten: Ursula von der Leyen besucht Kiew, EZB erhöht den Leitzins

    Moderation, Redaktion: Johannes Korsche

    Redaktion: Nadja Schlüter, Ayça Balcı

    Produktion: Imanuel Pedersen

    Zusätzliches Audiomaterial über ZDF, YouTube: Tagesschau

    13 min
  • Polizeigewalt in den USA: Wieso der Fall Tyre Nichols besonders ist

    Tyre Nichols ist nur 29 Jahre alt geworden. Am 7. Januar 2023 wurde er in Memphis, Tennessee, von fünf Polizisten zu Tode geprügelt und getreten. Am vergangenen Freitag wurden mehrere Videos von dem Vorfall veröffentlicht. Sie zeigen die brutale Gewalt durch die Polizisten und dass von Nichols selbst keine Gewalt ausgegangen ist. Die mutmaßlichen Täter sind wegen Totschlags angeklagt worden.

    Am Wochenende gab es landesweite Proteste gegen Polizeigewalt, die – entgegen der Vermutung der Behörden – meist friedlich geblieben sind. "Das liegt wesentlich an der Familie, vor allen Dingen an Nichols’ Mutter", vermutet Peter Burghardt, US-Korrespondent der SZ in Washington. "Sie hat immer gesagt, ihr Sohn war ein friedliebender Mensch, er würde das nicht wollen."

    Vergangenes Jahr hat es in den USA fast 1200 Tote im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen gegeben. 26 Prozent der Opfer waren Schwarze – obwohl sie nur 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Diesmal sind die mutmaßlichen Täter selbst Schwarze, was die immer schwelende Debatte um Polizeigewalt und Rassismus noch schwieriger macht. "Ich finde, das Beste dazu hat der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton gesagt: Die Täter könnten sich nicht hinter ihrem Schwarzsein verstecken", sagt Burghardt. "Das große Thema ist doch die ganz offensichtliche und in diesen Videos so gut zu sehende Polizeigewalt." Es brauche eine bessere Ausbildung der Polizei, zum Beispiel mehr Geld für Deeskalationstrainings.

    Hier geht es zur neuesten Folge des SZ-Recherchepodcasts "Das Thema".

    Weitere Nachrichten: Streik in Großbritannien, radioaktive Kapsel in Australien wiedergefunden

    Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter

    Redaktion: Lars Langenau, Vinzent-Vitus Leitgeb

    Produktion: Justin Patchett

    Zusätzliches Audiomaterial über Reuters

    12 min
  • Wahl in Berlin: Wiederholung mit skurrilen Situationen

    Am 12. Februar wird in Berlin die Wahl des Abgeordnetenhauses von 2021 wiederholt. Das führt teilweise zu absurden Situationen. Aber das Verfassungsgericht in Karlsruhe hat am Dienstag einen anderslautenden Eilantrag nicht angenommen. Trotzdem ist es eine Wahl unter Vorbehalt: Die genaue Prüfung kommt später.

    Das war ein "ganzes Bündel" von Fehlern, die zur Wahlwiederholung geführt haben, sagt SZ-Landeskorrespondent Jan Heidtmann. So habe es in den Wahllokalen zu wenig Platz und Zeit bis 18 Uhr gegeben und es haben Stimmzettel gefehlt. Aber aus Sicht des Berliner Senats hat sich dafür "niemand verantwortlich" gefühlt. Erst nach ein paar Wochen sei die Landeswahlleiterin zurückgetreten. Berlin habe "strukturelle Probleme", die Verantwortlichkeiten zwischen dem Senat und den Bezirken seien vielfach ungeklärt.

    Die Krawallnacht an Silvester werde aber nicht die Wahl bestimmen, meint Heidtmann. Allerdings sei dadurch die Möglichkeit eines schwarz-grünen Bündnisses gesunken. Die Grünen würden sich durch Aussagen der CDU über Menschen mit Migrationshintergrund "schwer tun". Das Thema einer "dysfunktionalen Hauptstadt" schwinge vielfach im Wahlkampf mit. Allerdings komme es auch nicht gut an, wenn sich etwa Politiker der CSU über Berlin echauffieren würden. Auf der anderen Seite gebe es aber "großen Unmut" über das Linksbündnis, das davor auch schon fünf Jahre lang regiert hat. Derzeit führt die CDU in den Umfragen. Die SPD liegt ungefähr gleichauf an zweiter Stelle mit den Grünen. Dadurch seien eine ganze Menge von Konstellationen möglich. Vieles hänge davon ab, wie die SPD der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey abschneiden wird.

    Weitere Nachrichten: Selbstmordanschlag in Pakistan, ungeprüfte Panzerbestände, Streiks in Frankreich

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Johannes Korsche

    Produktion: Imanuel Pedersen

    Zusätzliches Audiomaterial über Reuters

    12 min
  • Vermittler und Verhinderer: Die seltsame Rolle der Türkei

    In der Türkei sitzen viele Oppositionelle in Gefängnissen, die Medienfreiheit ist stark eingeschränkt und die Justiz wird massiv behindert. Seit der Einführung des Präsidialsystems 2018, das Präsident Tayyip Recep Erdoğan umfassende politische Macht verleiht, hat sich die Willkür noch verschärft, kritisiert Amnesty International.

    Jetzt aber formiert sich eine Opposition unter Führung der kemalistischen CHP, die Erdoğan bei seiner angestrebten Wiederwahl gefährlich werden könnte. Sie will zurück zum parlamentarischen System und möchte den Rechtsstaat wiederherstellen, sagt die langjährige Türkei-Korrespondentin der SZ, Christiane Schlötzer.

    Ihrer Meinung nach kann man es auch unter Wahlkampf verbuchen, dass sich Erdoğan gerade gegen den Nato-Beitritt von Schweden ausspricht. Die Türkei sei nicht grundsätzlich dagegen, "aber Erdoğan versucht, etwas auszuhandeln". Sie sei sich aber sicher, dass er "letztlich den Beitritt Schwedens nicht aufhalten wird". Doch die Türkei sei eben schon mitten im Wahlkampf. Und da sei es "für ihn günstiger, als starker Mann aufzutreten".

    International habe die Türkei als Verhandler im Ukraine-Krieg durchaus Erfolge aufzuweisen: So gebe es nur durch die Vermittlung Ankaras ein Getreide-Abkommen zwischen der Ukraine und Russland. Und es gibt "immer wieder einen Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine". Die Türkei spiele in dem Krieg "wirklich eine seltsame Rolle", sagt Schlötzer.

    Weitere Nachrichten: Solizuschlag ist rechtens, Debatten um Kampfjets und Wehrdienst

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Johannes Korsche

    Produktion: Imanuel Pedersen

    Zusätzliches Audiomaterial über ARD und VOA Türkçe

    15 min
  • Am Wochenende: “Für Russland ist ein schlechter Krieg besser als ein schlechter Frieden”

    Am letzten Mittwoch war klar: Deutschland liefert Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 an die Ukraine. Ende März oder Anfang April könnten sie laut Verteidigungsminister Pistorius dort sein. Der ukrainische Präsident Selenskij hat Deutschland zwar gedankt, aber er hat auch direkt noch mehr Unterstützung gefordert: Langstreckenraketen und Kampfflugzeuge. Die Ukraine steht gerade wieder stark unter Druck, in der letzten Woche gab es viele und große Angriffe aus Russland. Im Frühjahr wird außerdem eine russische Großoffensive erwartet.

    Sicherheitsexpertin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik beobachtet den Krieg in der Ukraine von Beginn an. Sie sagt: “Die Kampfpanzer sind ein qualitativer Gamechanger, aber sie werden diesen Krieg nicht alleine entscheiden." Sie warnt vor erhöhten Erwartungen und auch davor, jetzt direkt den nächsten Schritt von den Panzern zu den Jets zu gehen. Die Frage sei aber trotzdem: “Was passiert, wenn wir der Ukraine keine Waffen liefern würden?” Wenn Russland den Krieg gewinne, sei die sicherheitspolitische Lage in Europa deutlich gefährlicher als jetzt. Russland zeige derzeit keinerlei Bereitschaft, ohne Vorbedingungen über einen Frieden zu verhandeln: “Russland will die Ukraine als solche abschaffen.” Deshalb müsse Putin “mit militärischer Stärke an den Verhandlungstisch gebracht werden”.

    Redaktionsschluss für diese Sendung war Freitag, 27.01.2023 um 18 Uhr.

    Moderation, Redaktion: Tami Holderried

    Redaktion: Vinzent-Vitus Leitgeb, Sabrina Höbel, Lars Langenau

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über phoenix, afp, Büro des Präsidenten der Ukraine, Deutscher Bundestag, Netflix

    26 min

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