Auf den Punkt

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  • Proteste in Iran: Beginn einer “feministischen Revolution”?

    Seit rund drei Wochen demonstrieren die Menschen in Iran bereits gegen die Unterdrückung durch das Mullah-Regime. Die Proteste wurden durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini ausgelöst, die am 13. September von der Sittenpolizei festgenommen worden war, weil sie gegen die strenge Kleiderordnung verstoßen haben soll. Es wird vermutet, dass sie in Polizeigewahrsam zu Tode geprügelt wurde.

    Angeführt wird der Protest nun von Frauen. Und viele Frauen weltweit solidarisieren sich mit ihnen und fordern jetzt auch ein stärkeres Eingreifen der internationalen Gemeinschaft.

    Die Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur hat mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen offenen Brief an die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock verfasst und konkrete Reaktionen auf die Proteste gefordert. Zum einen müssten neue Sanktionen die Revolutionsgarden oder das Regime treffen und nicht, wie bisher, die Bevölkerung. “Und ich finde auch, dass es einfach nicht sein kann, dass man sich nur mit den Atomverhandlungen beschäftigt”, so Amirpur. “Sich jetzt weiterhin mit den Iranern an einen Tisch zu setzen, ohne auch nur zu erwähnen, was da gerade im Land passiert und wie die Menschenrechtslage dort ist, das halte ich für eine sehr fehlgeleitete Politik.”

    Die Proteste selbst, sagt sie, könnten vielleicht der Beginn einer “feministischen Revolution” sein. Sie glaubt aber nicht, dass die Frauen für einen “feministischen Islam” in Iran eintreten werden. “Viele Menschen in Iran sind so gegängelt und so geknechtet worden von diesem islamistischen Regime, dass ihnen die ganzen Reformideen inzwischen egal sind.” Denn die Menschen in Iran, so Amirpur, wollen vor allem: Demokratie.

    Hier geht es zum Recherche-Podcast “Das Thema”.

    Weitere Nachrichten: neue EU-Sanktionen gegen Russland, viele Deutsche haben keine Rücklagen für unerwartete Ausgaben.

    Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter

    Redaktion:: Vinzent-Vitus Leitgeb

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über Bundestag, Reuters, Twitter

    14 min
  • Corona und Oktoberfest: Eine neue Normalität?

    Wie erwartet sind die Infektionszahlen in München und Bayern während dem Oktoberfest stark gestiegen. Trotzdem, sagt Immunologe Carsten Watzl, war es wohl richtig, dass es stattgefunden hat. Es gehe im Moment nicht mehr darum, Infektionen zu verhindern, sondern Erkrankungen.

    “Und da muss man auch berücksichtigen, dass natürlich viele Menschen durch die Impfung oder auch durch die Infektion jetzt eine hohe Immunität erreicht haben. Das heißt, man kann sich vielleicht noch infizieren, aber wirklich die wenigsten erkranken daran noch schwer”, so Watzl. Im Podcast spricht er auch darüber, was er für den Winter erwartet und wie wir weiter lernen, mit der Pandemie zu leben.

    Weitere Nachrichten: Bund-Länder-Beratungen zum Entlastungspaket, RWE steigt 2030 aus Kohle aus.

    Moderation, Redaktion: Antonia Franz

    Redaktion:: Tami Holderried

    Produktion: Justin Patchett

    13 min
  • Lula vs. Bolsonaro: Brasiliens Wahlkampf der Extreme

    Auf der brasilianischen Flagge steht: Ordem e progresso. Ordnung und Fortschritt. Doch die sind in Gefahr. Denn am Sonntag wird in Brasilien ein neuer Präsident gewählt. Und Amtsinhaber Jair Bolsonaro, 67, will seine absehbare Niederlage nicht eingestehen. Der 67-Jährige ist ein Ex-Soldat und Mann des Großkapitals, unter dem der Regenwald im Amazonasgebiet noch nie so gebrannt hat wie jetzt. Für seinen Gegner ist er ein “Faschist”.

    Dieser Gegner ist Lula das Luiz Inácio Lula da Silva, 76, kurz “Lula”. Schulabbrecher aus bitterster Armut. Fabrikarbeiter, Gewerkschaftschef, Chef der Arbeiterpartei PT und Ex-Präsident von 2003 bis 2011. 2017 wurde er wegen Korruption zu langjähriger Haft verurteilt, nach Berufungsverfahren wurde er nach 18 Monaten wieder in Freiheit entlassen, durfte aber in der Präsidentschaftswahl 2018 nicht antreten. Die hat damals Bolsonaro gewonnen, für den Lula ein “Dieb” und “Vaterlandsverräter” ist. Umfragen aber sehen Lula mit 48 Prozent der Stimmen vorn, den Amtsinhaber abgeschlagen bei nur 34 Prozent. Ein historisches Comeback von Lula?

    Das ist noch nicht ausgemacht, sagt der Lateinamerika-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Christoph Gurk. Die Wahl sei "omnipräsent". "Die Lula-Fans haben Angst, dass Bolsonaro Brasilien noch weiter nach rechts rückt, dass die Militärs und die Evangelikalen und die Agroindustrie noch mehr Macht bekommen. Die Bolsonaro-Anhänger wiederum haben Angst, dass mit Lula der Kommunismus einzieht." Lula habe "sehr viel getan" für Brasilien, aber er sei kein Heiliger. Lula sei auch "kein großer Umweltschützer". Zwar sei die Abholzung während seiner Regierungszeit gesunken. Aber auch damals seien große Staudammprojekte begonnen worden und er hat vor der Küste von Brasilien nach Öl bohren lassen. "Das ist kein Grüner, der jetzt den Regenwald retten wird, sondern das ist ein ehemaliger Gewerkschaftler, der um das Wohl der Armen und der Arbeiter kämpft", sagt Gurk. "Wenn er damit noch die Umwelt schützen kann, ist alles gut. Wenn nicht, dann halt nicht."

    Bolsonaros Amtszeit aber sei "verheerend". Angefangen von der ungehemmten Abholzung des Regenwaldes ohne Strafverfolgung bis zur Armut so vieler, die wieder stark angestiegen sei. Es kommt nun alles auf die Wahlen am Sonntag an, sagt Gurk. "Wenn Lula in der ersten Runde gleich 50 Prozent bekommt, dann würde es sehr schwer werden für Bolsonaro, diese Wahl anzuzweifeln."

    Weiterführende Texte zur Wahl in Brasilien finden Sie hier und hier .

    Weitere Nachrichten: Putin unterschreibt Dokumente zur Annexion ukrainischer Gebiete , Hurricane Ian erreicht Florida.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Tami Holderried

    Produktion: Imanuel Pedersen

    Zusätzliches Audiomaterial über Phoenix

    15 min
  • Gaslecks in der Ostsee: Die Folgen für die Umwelt

    Donnerstag ist ein weiteres Leck an den Nord-Stream-Gasleitungen in der Ostsee entdeckt worden. Ein zweites in schwedischen Gewässern, nachdem schon zwei in der dänischen Wirtschaftszone bekannt waren. Westliche Sicherheitsdienste gehen mittlerweile davon aus, dass das Sabotage war. Nahe der dänischen Insel Bornholm, so zeigen es Luftaufnahmen, sprudeln Gasmassen aus etwa 50 Metern Meerestiefe an die Oberfläche. Denn wie ein Gartenschlauch nach Gebrauch mit Wasser, sind auch Pipelines - auch außer Betrieb - noch mit Gas befüllt. Nach Angaben der dänischen Energiebehörde ist bereits mehr als die Hälfte des Erdgases entwichen, bis Sonntag könnten sie sich ganz entleert haben.

    Das sind sehr große Mengen und natürlich "trägt das zur Erderwärmung bei", sagt SZ-Wissenschaftsredakteur Hanno Charisius. Hauptbestandteil der unterschiedlichsten Sorten Erdgas sei immer Methan. Das bleibe nicht so lang wie CO2 in der Atmosphäre, sondern nur etwa zwölf Jahre. "Aber dafür ist die Einwirkung auf die Atmosphäre etwa 25-Mal stärker als die von CO2." Kurzzeitig trage Methan also "sehr viel mehr zur Erderwärmung bei, als wenn man die gleiche Menge CO2 in die Atmosphäre entlassen würde", sagt Charisius weiter.

    Weiterführende Texte zu den Gaslecks finden Sie hier: https://www.sueddeutsche.de/wissen/nord-stream-pipeline-leck-klima-umwelt-1.5665671

    https://www.sueddeutsche.de/politik/deutschland-energiekrise-liveblog-pipeline-nordstream-leck-1.5665937

    https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/nord-stream-1-nordstream-2-sabotage-e628658/

    Den Nachruf auf Coolio finden Sie hier.

    Weitere Nachrichten: Inflation steigt auf zehn Prozent, Bundesregierung einigt sich auf Gaspreisbremse, Putin will Annexion ukrainischer Gebiete am Freitag verkünden.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Tami Holderied

    Produktion: Imanuel Pedersen

    Zusätzliches Audiomaterial über ZDF

    12 min
  • "Nukleare Erpressung": Sicherheitsexpertin zu Putins Strategie

    Bis zu 99 Prozent Zustimmung für einen Anschluss an Russland: So lautet das angebliche Ergebnis der Scheinreferenden in den besetzten Gebieten in der Ukraine. Diese wurden seit vergangenem Freitag in Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja durchgeführt, werden aber international nicht anerkannt. Viele Menschen mussten dort offenbar unter Zwang ihre Stimme abgeben – und der Ausgang war schon im Voraus klar.

    Gleichzeitig hat der russische Präsident Putin nun noch einmal die Drohung erneuert, Atomwaffen einzusetzen. Vergangene Woche hatte er bereits die Teilmobilmachung der russischen Truppen angekündigt. Und am Dienstag wurden außerdem Lecks in den Nordstream-Pipelines in der Ostsee entdeckt – mutmaßlich ein Sabotageakt, hinter dem eventuell auch Russlands stecken könnte. Moskau weist die Vorwürfe zurück.Was will Putin also, was ist seine aktuelle Strategie im Angriffskrieg gegen die Ukraine?

    “Er will Fakten schaffen”, sagt die Sicherheitsexpertin Claudia Major. Denn wenn die Ukraine nun versuche, die bald annektierten Gebiete zu befreien, sei das aus Putins Sicht ein “Angriff auf russisches Territorium. Und das würde den Konflikt in eine ganz andere Dimension heben”. Die Drohung mit Atomwaffen nennt sie “nukleare Erpressung”. Die sehr nachvollziehbare Angst vor einem Atomschlag solle den Westen davon abhalten, zu handeln und die Ukraine weiter zu unterstützen.

    Weitere Nachrichten: Lecks in Ostsee-Pipelines, Durchsuchung der AfD-Parteizentrale

    Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter

    Redaktion:: Tami Holderried

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über Reuters

    13 min
  • Iran: Können die Proteste das Regime stürzen?

    Mahsa Amini, 22, starb am 16. September in Teheran im Gewahrsam der Sittenpolizei. Angeblich soll sie den Hidschab nicht richtig getragen haben. Seither treibt ihr Tod tausende Iranerinnen und Iraner auf die Straßen der Islamischen Republik. Sie protestieren gegen das islamische Herrschaftssystem und die systematische Diskriminierung von Frauen. Das Regime reagiert mit Gewalt. Nach offiziellen Angaben sind bislang 41 Menschen ums Leben gekommen, Menschenrechtsorganisationen sprechen von mehr als 70. Mindestens 1200 Menschen wurden bislang festgenommen.

    An den Protesten beteiligen sich vor allem Frauen, zudem Männer über Altersgrenzen hinweg, das scheint auch “klassenübergreifend” und über alle Ethnien hinweg zu sein, sagt der Iran- und Türkei-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Tomas Avenarius. Mahsa Amini sei durch ihren Tod zu einer “einzigartigen Identifikationsmöglichkeit für alle” geworden. “Es für eine völlig unschuldige junge Frau, die zu Besuch in Teheran war und dann im Sarg wieder nach Hause kommt.” Avenarius zweifelt zudem an neuen Sanktionen, die jetzt von der deutschen Außenministerin Baerbock (Grüne) und der EU ins Spiel gebracht werden. “Im Moment bin ich da eher sehr, sehr skeptisch”, sagt er.

    Den Link zum Podcast “Die Kunst zu stehlen” finden Sie hier.

    Weitere Nachrichten: Gasleck bei Nordstream, Widerstand gegen

    Isolationspflicht.

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Nadja Schlüter, Tami Holderried

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über Reuters

    14 min
  • Extreme Rechte siegt in Italien: Neuer Ärger für die EU

    Georgia Meloni von der “Fratelli d'Italia” hat die Parlamentswahlen in Italien mit rund 26 Prozent gewonnen. Mit Matteo Salvini von der Lega und Silvio Berlusconi von Forza Italia wird sie wohl künftig eine Regierung bilden. Sie wolle das Land einen, “auf das, was verbindet, nicht das, was trennt”, hat sie in der Wahlnacht versprochen. Und eine “Politik für alle Italiener” machen. Obwohl sie Hass gegen Minderheiten schürt.

    Die niedrige Wahlbeteiligung von nur 64 Prozent habe “den Rechten genützt und der Mitte-Links-Gruppe geschadet”, sagt die ehemalige SZ-Italien-Korrespondentin Andrea Bachstein. “Die Leute sind einfach frustriert gewesen.” Außerdem habe Meloni in den vergangenen zehn Jahren “konsequent Opposition gemacht”. Als einzige nennenswerte Parlamentspartei habe die "Fratelli d'Italia" nicht die große Koalition von Maria Draghi unterstützt - und sich nicht die “Hände schmutzig” gemacht.

    Zunächst dürfte sich die Postfaschistin den hohen Energiepreisen zuwenden – möglicherweise werde es mehr Staatszuschüsse geben. Zudem werde sie “ziemlich schnell härtere Maßnahmen beim Thema Migration einbringen”. Und eventuell werde sie sich auch schnell dem von der Sterne-Bewegung eingeführten Bürgergeld widmen, meint Bachstein. Auf die EU werde mit der neuen Regierung in Rom vor allem Ärger zukommen, ist sich die Politik-Redakteurin sicher. “ Sie hat ja nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie Viktor Orban in Ungarn für ein großes Vorbild hält.”

    Weitere Nachrichten: Gasumlage vom Tisch, Neue Demonstrationen in Iran.

    Den Link zu Geschichte Daily, den Geschichtspodcast, der durch die Zeit reist, finden Sie hier: https://www.sueddeutsche.de/politik/sz-podcast-geschichte-daily-1.5545923

    Moderation, Redaktion: Lars Langenau

    Redaktion: Nadja Schlüter, Tami Holderried

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über Bloomberg

    12 min
  • Geschichte Daily: Die Anfänge des Oktoberfests

    Geschichte Daily widmet sich jede Woche in fünf Folgen einem Thema, das uns auch heute betrifft. Warum ist in der Klimakrise so lange nichts passiert? Wie kam die Menschheit ins All? Und: Seit wann gibt es Terrorismus? Wir finden heraus, welche kleinen und großen historischen Momente unsere Welt geformt haben.

    In dieser Woche: Die Geschichte des Oktoberfests.

    Seit über 200 Jahren besuchen Menschen das Münchner Oktoberfest. Aber: Was feiert man da eigentlich?

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  • Italien-Wahl: Wird eine Postfaschistin Ministerpräsidentin?

    Italien steht am Sonntag vor einer echten Richtungsentscheidung . Denn dann werden vorgezogene Parlamentswahlen abgehalten, nachdem die Regierung von Mario Draghi im Sommer in die Brüche gegangen ist.

    Beste Chancen, diese Wahlen zu gewinnen, hat aktuell das sogenannte Mitte-Rechts-Bündnis. Das besteht aus der rechten Lega, der Forza Italia und den postfaschistischen Fratelli d'Italia. Deren Kandidatin, Giorgia Meloni, würde dann wahrscheinlich Ministerpräsidentin werden. Sie fällt im Wahlkampf vor allem durch populistische Forderungen und rechtsnationale Äußerungen auf.

    Dass die Rechte so stark ist, liegt laut SZ-Korrespondent Oliver Meiler auch daran, dass es bei dieser Wahl kein großes Mitte-Links-Bündnis gibt. Die Parteien links der Mitte würden sich gegenseitig bekämpfen und könnten deshalb den rechtsnationalen Parteien kaum etwas entgegensetzen. Das liegt auch am italienischen Wahlsystem, das große Koalitionen belohnt.

    Meiler meint, dass Giorgia Meloni vor allem beliebt sei, weil ihre Partei in den letzten Jahren nicht mitregiert habe – “und so sagen sich jetzt viele: Soll sie es doch mal probieren”. Ihr Programm sei klassisch für eine rechte Partei, so Meiler: “Italiener zuerst, weniger Europa, konventionelle Familie, möglichst wenige Migranten.” Gleichzeitig gebe sie sich zuletzt gemäßigter – um die internationalen Partner und die Finanzmärkte nicht zu verschrecken. Aber Meiler sagt: “Diese Mäßigung ist eine Maske!”

    Link zum Podcast “Die Kunst zu stehlen”: https://www.sueddeutsche.de/panorama/podcast-dresden-gruenes-gewoelbe-diebstahl-berlin-clans-1.5655469

    Weitere Nachrichten: Weitere Proteste in Iran, Scheinreferenden in der Ukraine starten.

    Moderation, Redaktion: Tami Holderried

    Redaktion: Nadja Schlüter, Antonia Franz

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über La7 Attualità und Pupia News

    14 min
  • Was die Übernahme von Uniper durch den Staat bedeutet

    Es ist die größte Verstaatlichung in der Geschichte der Bundesrepublik: Der Bund übernimmt den Gaszulieferer Uniper. Das hat das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwochmorgen bestätigt. Das Unternehmen hatte bisher vor allem günstiges russisches Gas eingekauft und muss nach dem Lieferstopp nun von anderer Stelle teureres Gas beziehen. Darum macht es aktuell täglich mehrere Millionen Euro Verlust.

    Uniper stellt 40 Prozent des Gases, das in Deutschland verbraucht wird. Deshalb hatte der Bund schon im Juli mit einem ersten Rettungspaket ausgeholfen. Jetzt übernimmt er für eine halbe Milliarde Euro die Anteile des finnischen Großaktionärs Fortum, der bisher Mehrheitsaktionär bei Uniper war. Außerdem zahlt er noch einmal acht Milliarden Euro, um das Eigenkapital des Unternehmens zu erhöhen.

    Wirtschaftsminister Robert Habeck hat am Mittwoch auch bestätigt, dass die umstrittene Gasumlage weiterhin kommt. Die Ampel-Koalition hatte sie beschlossen, um Energieunternehmen wie Uniper in der Krise zu stützen. Aber darum gibt es jetzt, nach der Uniper-Übernahme, neuen Streit.

    “Habeck argumentiert, dass die Gasverbraucher dann mit ihrem Geld einen Staatskonzern unterstützen und hat darum verfassungsrechtliche Bedenken”, sagt SZ-Energieexperte Michael Bauchmüller. Habeck wolle die Umlage vermutlich auch gerne “abschütteln”, so Bauchmüller weiter. Denn die höheren Gaspreise für die Verbraucher und Verbraucherinnen würden immer mit ihm in Verbindung gebracht. Finanzminister Lindner wolle aber unbedingt vermeiden, dass die Umlage gekippt wird. Denn die dann entstehende Lücke müsste mit Geld aus dem Staatshaushalt gestopft werden.

    Weitere Nachrichten: EU plant weitere Saktionen gegen Russland, Donald Trump wegen Finanzbetrugs angeklagt

    Moderation, Redaktion: Nadja Schlüter

    Redaktion:: Tami Holderried

    Produktion: Benjamin Markthaler

    Zusätzliches Audiomaterial über dpa

    13 min

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