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Eine schwere Woche liegt hinter uns: Das Abtreibungsverbot in Polen und die fehlende politische Reaktion der EU. Dann: Die Parität für deutsche Parlamente abgeschmettert, Rohnerin vertritt die Position, dass dies Unrecht bleibt; laStaempfli verweist auf französische Lösungen. So oder so: Deutschland manifestert sich als feministische Wüste. Ein Lichtblick: Katja Widermuth wurde die erste Intendantin des Bayrischen Rundfunks. Die Podcastin gratuliert.
“Trumpism ist medialer Dauerstress durch die digitale Revolution. Trumpism ist konstante Politikkommunikation im Selfie-Modus. Es geht nur um das Krawallpotential von Informationen. Trumpism erweitert den Politmarkt für sexuelle Gewalt. Trumpism ist Wareninformation bei welcher die unverschämteste Lüge gewinnt. Trumpism hat seine Wurzeln in der 1968er Bewegung und in der Hypernormalisation, einer Kunst, die sich auf Repräsentation & Hofnarrentum spezialisiert.” (laStaempfli)
Die Podcastin ergründet diese neuen Kommunikationsstrukturen des 21. Jahrhunderts und entwickeln Gegenstrategien: Der Wirklichkeit und nicht Codes, Klicks & Cash dienen. Statt Reality TV und Scripted Reality Wirklichkeitspolitik und Informationen, mit denen wir unsere Welt real gestalten können und nicht einfach nur mit Empörung bespielen.
Literatur dazu: www.regulastaempfli.eu Natürlich das Buch, aber vor allem auch der Literaturblog auf www.ensuite.ch Schauen Sie einer zeitgenössischen Politphilosophin beim Entwickeln der Weltphilosophie zu. Und ja: Zu Trumpism empfiehlt sich immer wieder neu: Hannah Arendt. Vita activa. Die beste Kritik an der “Eroberung der Welt als Code” (laStaempfli Zitat).
Die Podcastin redet über Kopfgeburten, starke Göttinnen, Archtypen, Naturverbundenheit, Peggy, die kluge IT-Veränderin.
laStaempfli: “Die Weltgeschichte weiblicher Macht wird in Mythen & Märchen in Ohnmacht transformiert: Aktuell im Spiegelinterview mit Prof.Dr. Ciesek”. “Ihnen ist klar, dass Sie Quotenfrau sind?” “Sie sind die Neue an Drostens Seite” & “Ihr Podcast klingt ein wenig nach Volkshochschule” . Auf solche Fragen kann frau nicht antworten. Wehrt frau sich, wird sie fertiggemacht, wehrt sich frau nicht, bleibt der Sexismus bestehen. Zudem: Die Selbstüberschätzung der Medienfrauen, die die Professorin als “Frau an der Seite” eines Beraterpodcasts zu Corona bezeichnen. Die Rohnerin bringt es auf den Punkt: “Dies ist eine reaktionäre, diffamierende Propaganda gegen erfolgreiche Frauen unter dem Deckmäntelchen eines kritischen Journalismus. Bäm!” #Quotenfrau läuft. laStaempfli twittert gegen Technik-Redakteur:”Olaf Stampf: Sie sind sich schon bewusst, dass Sie ihren Job nur gekriegt haben, weil Sie ein Mann sind?”
Und aufgepasst: Die Rohnerin und laStaempfli streiten sich. Archetyp oder Sexismus pur? Wir räumen auf oder ab. Mit Mythen, Märchen und negativen Frauenfiguren. Die Rohnerin hat die These des “Putzfimmel-Märchens”, laStaempfli die der “Heldinnenreise”. Beide finden, trotz Unterschiedlichkeiten: Update aller Märchen und Mythen: Now!
Hier weiterführende Literatur zu Märchen, Mythen von tollen Frauen:
Mineke Schipper, Mythos Geschlecht. Eine Weltgeschichte weiblicher Macht & Ohnmacht.
Carola Meier-Seethaler, Ursprünge und Befreiungen.
Luise Pusch, Feminismus. Inspektion der Herrenkultur.
Elisabeth Badinter: Der Infant von Parma oder die Ohnmacht der Erziehung.
Heide Göttner-Abendroht, Matriarchale Landschaftsmythologie.
Ein alter Mythos neu erzählt: Kassandra von Christa Wolf.
Mary Beard: Frauen und Macht.
Spiegel-Sexismus hier https://www.spiegel.de/wissenschaft/sandra-ciesek-ueber-corona-massnahmen-ein-gutes-beispiel-ist-daenemark-a-00000000-0002-0001-0000-000173548967
Heimat ist kein Gefühl, sie ist Demokratie: Isabel Rohner & Regula Stämpfli über den Nobelpreis, die correctiv-Recherche zu den Rechten & was Heimat für die Beiden bedeutet.
Zuerst etwas “Housekeeping”: Die Antwort unserer Beschwerde wegen “Schröder-Somuncu”. Dann: Good News: Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna kriegen den Nobelpreis für die Erfindung der Genschere CRISPR. Zwei Wissenschaftlerinnen, die schon 2014 dazu aufgerufen haben, verantwortungsvoll mit CRISPR umzugehen.
Dann fällt laStaempfli medias in res: Es geht um “correctiv”. Die besten Recherchen zur digitalen Transformation finden sich dort. Aktuell gibt es den erschütternden Bericht zu Instagram, das sich zum Tool der Rechten entwickelt hat. Männerbünde bedienen sich weiblicher Ästhetik, naturverbundenen Landschaftsbildern und rekrutieren via Instagram junge Menschen. »Die Mädels sind für das schöne Bild verantwortlich«, so offen sagt es eine Insiderin – so steht es auch im Bericht von correctiv. Eine eindrückliche Studie, die das vermeindlich “unpolitische” Portal Instagram entlarvt. Hier nachzulesen: https://correctiv.org/top-stories/2020/10/06/kein-filter-fuer-rechts-instagram-rechtsextremismus-frauen-der-rechten-szene/
laStaempfli springt vom correctiv-Begriff zur politischen Philosophie und erklärt, weshalb Heimat in der globalisierten Gesellschaft so wichtig wäre, denn die Metapher des Zuhause-Seins ist für alle Menschen wichtig. Die Rohnerin erklärt zuerst mal, was Sache ist, da laStaempfli wieder einmal zu sehr mit ihren Gedanken mäandert. Doch die Kurzversion: “Ästhetik des Grauens nach Leni Riefenstahl, farbig, digital auf Instagram” passt zum schwierigen Thema Heimat. Die Rohnerin wirft ein: “Rechts zeigt, wie die Verharmlosung der Frauen funktioniert.”
Die enge Verbundenheit von Heimat und Staatsbürger*innenschaft: Heimat und Recht als DAS FRAUENTHEMA. Frauen als Bürger*innen zweiter Klasse. Staatenlosigkeit führt zurück zu den Nationalsozialisten, führt aber auch vorwärts zur aktuellen Migrationspolitik, die leider im Podcast sträflicherweise nicht erwähnt wird. Wir machen es beim nächsten Mal besser.
Heimat bleibt ein heikles Thema für laStaempfli, deshalb redet sie soviel, weil viel zuviele traumatische Stories damit verknüpft sind, eben auch die Migrationsgeschichte der eigenen Familie, die gar nicht zur Sprache kommt. Die Rohnerin macht das Chaos mit rotem Faden wieder etwas übersichtlich und bringt die Diskussion auf den Punkt: “Wir suchen intellektuelle Heimaten” und tatsächlich: Heimat sollte es eigentlich nur im Plural geben.
Bücherempfehlungen, wie mit Heimat umgehen: Francesca Melandri, Alle ausser mir: ein Wunderwerk, wie frau Geschichte, Staatsbürgerschaft und Zeitgeschichte miteinander verknüpft. https://www.ensuite.ch/das-rechte-blut-francesca-melandri/
Bildquelle: Cecil Beaton by Lillian Gish.
Die Rohnerin redet über Solidarität (wie abgemacht), laStaempfli über den “erschöpften Mann” (wie nicht abgemacht): Passt. Denn beide Themen kommen zusammen.
Die mangelnde Solidarität einzelner Frauen ist erklärbar durch die ungebrochene Macht der Männer, die sich im Kampf gegen Weiblichkeit erstaunlich homogen erweisen. Dass das Schweizerische Nationalmuseum ausgerechnet auf das Jahr 2021, dem 50jährigen Frauenstimm- und wahlrechtsjubiläum der Schweiz, eine Ausstellung zum Titel “Der erschöpfte Mann macht”, ist ein Skandal. Unter einem ewiggleichen Männer-Kuratorenteam Steiner, Zweifel und Direktor Spillmann werden frauenlose Ausstellungen seit Jahren am besten Platz in Zürich inszeniert. Überall potente Männer.
Eine Dada-Ausstellung 2016 mit einem “Damenkränzchen”? 2018 ein Jubiläum zur 1968er Bewegung als Männerbewegung mit einer Frauengruppe? Hallo? 30 Millionen Franken haben die Nationalmuseen in der Schweiz jährlich zur Verfügung und bringen KEINE EINZIGE FRAUENAUSSTELLUNG zustande: 2021 ist DAS JAHR DER FRAUEN und es gibt… nur dank uns grossen Frauen ein Jubiläum für 50 Jahre Frauenwahlrecht. “Der erschöpfte Mann”, dieses Gelaber über die zerstörte Männerrolle ist ahistorischer Schrott und beflügelt Bewegungen wie QAnon, Proud Boys, Incel und wie die Männeraktionen alle heissen, die keine Resonanz, sondern nur Dominanz wollen.
30 Jahre deutsche Einheit: Auch hier eine Männergeschichte und dies im Jahr 2020. Frauen sind für Männer das Andere, sie sind aber auch für Frauen das Andere. Die Gleichschaltung funktioniert perfekt zwischen Männern und Männern. Und dazu kommt, dass Frauen nicht solidarisch sind, im Gegenteil. Zeigen sich Frauen solidarisch, werden sie sofort von anderen Frauen gescholten, siehe “Die billige Empathie der Privilegierten” https://www.sueddeutsche.de/politik/teuteberg-lindner-feminismus-kolumne-1.5043196?reduced=true
Die Rohnerin erklärt ganz klar: Wir verwechseln Solidarität immer damit, die gleiche Meinung haben zu müssen. Was völlig falsch ist. Und sie klärt über Voltaire und dessen bekanntestes Zitat: “„Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen“ auf. ES IST von Evelyn Beatrice Hall (1868-1956) in ihrer Biographie über Voltaire, nicht von Voltaire selbst.
Frauen sollen solidarisch sein, indem wir die Basis der Diskriminierung teilen und nicht, dass sie alle dieselbe Meinung teilen. Hier kommt aber Hannah Arendt ins Spiel: Frauen wird die Herstellung der Öffentlichkeit verhindert, damit auch deren Grundlage, gleich, frei und unterschiedlich öffentlich auftreten zu können.
Die Rohnerin mit einem anderen wunderbaren Satz: “Niemand würde einem Goetheforscher raten ein derart marginales Forschungsgebiet zu wählen”. Der Deutschlandpreis für KI-Forschung machte auf TWITTER die Runde: All men, all look the same, more and more of the same, same, same…
“Darf ich als Mann trotzdem noch in die Ausstellung eines männlichen Künstlers gehen oder fühlt sich dann jemand gekränkt?” fragt die wunderbare Künstlerin Elisabeth Eberle in ihrer umwerfenden Installation “Kai spricht” siehe http://www.elisabetheberle.ch/?element=17778.
Actionsszenen der Weltliteratur: Wenn ein Kulturminister die Grande Dame der Weltliteratur, Anna Seghers “alte Sau” schimpft https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article203105918/Achtionszenen-der-Weltliteratur-Johannes-R-Becher-und-Anna-Seghers.html
“Nehmt endlich die Füsse von unserem Nacken!” Es ist als wären wir in der emanzipatorischen Steinzeit gelandet. Anders als die Kolumnistin der Süddeutschen Jagoda Marinic, finden die Rohnerin und laStaempfli nicht, dass der Aufschrei gegen die Altherrenwitzler Lindner, Tichy, Merz “billige Empathie der Privilegierten” seien, sondern extrem wichtig, wenn sich etwas ändern soll. 75 Prozent der systemrelevanten Berufe werden von Frauen ausgeübt und den mächtigen Männern fällt nichts anderes ein als sie zu beschimpfen?
Dabei sind es die Frauen, die zuvorderst stehen, wenn es um Zukunft geht: Fridays for Future, DigitalTransformation & Demokratie werden alle von Frauen geleitet, die das Wagnis der Öffentlichkeit gehen, von Trollen verfolgt und von vielen Boomer-Journalisten ständig beschimpft werden.
“Die Zukunft ist weiblich” als Unsatz des Jahrhunderts: Nur weil Frauen, PoCs, LGBT* für mehr Sichtbarkeit plädieren, flippen viele Meinungsmacher aus, obwohl die Wirklichkeit immer krassere Ungleichheiten zeigt.
Die Rohnerin & laStaempfli plädieren für die Umkehr: Dazu gibt es einige Artikel von laStaempfli, die auch Max Frisch umgeschrieben hat, siehe https://www.ensuite.ch/wer-sehgewohnheiten-veraendert-durchbricht-die-blindspirale-gynae-faber-ein-kurzbericht/ oder auch https://www.ensuite.ch/die-welt-und-sich-verstehen/
Die Rohnerin & laStaempfli erzählen von einigen Beispielen arrivierter Politiker, die Sexismus als politsiches Werkzeug benutzen. Die Rohnerin weist klugerweise darauf hin, dass Frauenkritik immer sexualisiert ist. Sollen wir Männer sexualisieren? Vor 15 Jahren hat laStaempfli ihre Kritik an einem zutiefst sexistischen Artikel mit “Wenn der Penis nur noch tröpfeln kann” https://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k24_StaempfliRegula.html beantwortet und wurde von den Schweizer Medienmännern extrem abgestraft (sie hat es aber locker überlebt). Und ein Klassiker revisited: Gerd Brantenberg, Töchter Egalias, wo u.a. Schwestern ihre Brüder auslachen, weil sie “PHs” tragen müssen.
“Sexistische Kackscheisse” MUSS aufhören und die Kollegen sollen nicht einfach STÄNDIG schweigen.
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