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  • Zwei Jahre als Kaiser: Mittelalter-Hochstapler Tile Kolup

    Als Friedrich II. hält Kolup Hof - obwohl der seit 30 Jahren tot ist. Erfolgreich täuscht er Adel und Volk. Der rechtmäßige König macht dem Spuk am 7.7.1285 ein Ende.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Kath:

    • wie in Wetzlar noch heute an den vermutlich dreistesten Hochstapler des Mittelalters erinnert wird,
    • warum Tile Kolup nicht der Einzige ist, der sich im 13. Jahrhundert als Pseudo-Kaiser ausgibt,
    • was Kolup im Namen von Friedrich II. alles macht,
    • wie Tile Kolup eigentlich heißt und dass ihn selbst Gefängnis und Spott nicht von seiner Behauptung abbringen.

    Die Geschichte ist voll von Hochstaplern. Immer wieder gibt es erfundene Prinzen und Prinzessinnen, angebliche Könige - und sogar falsche Kaiser. Tile Kolup ist einer der bekanntesten. Er taucht erstmals um das Jahr 1283 in Köln auf und behauptet, Stauferkaiser Friedrich II. zu sein. Der ist damals allerdings schon mehr als 30 Jahre tot.

    Gut zwei Jahre lang kann Kolup die Menschen an der Nase herumführen. Vermutlich unterstützt von Mitgliedern des Hochadels, die sich durch ihn gegenüber dem regierenden König Rudolf I. von Habsburg politische Vorteile erhoffen. Kolup ist von einem ganzen Hofstaat umgeben, hält in Neuss sogar Gerichtstage ab.

    Schließlich bereitet König Rudolf dem Spuk ein Ende. Er lässt den falschen Friedrich am 7. Juli 1285 in Wetzlar auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Valentin Groebner, Mittelalterhistoriker, Universität Luzern
    • Alexander Schubert, Mittelalterhistoriker und Leiter des Historischen Museums der Pfalz in Speyer
    • Sonja Veelen, Soziologin, Psychologin und Medienwissenschaftlerin, Expertin für Hochstapelei
    • Valentin Groebner: Der Schein der Person. Steckbrief, Ausweis und Kontrolle im Europa des Mittelalters. München, 2004
    • Gerhard Menzel: Falsche Könige zwischen Thron und Galgen. Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne. Frankfurt a.M., 2012
    • Alexander Schubert: Herausforderer aus der Vergangenheit. König Rudolf und die falschen Friedriche. In: Die Habsburger im Mittelalter. Aufstieg einer Dynastie. Darmstadt, 2022
    • Victor Meyer: Tile Kolup (der falsche Friedrich) und die Wiederkunft eines ächten Friedrich, Kaisers der Deutschen. Historische Studie, Königsberg, 1868
    • Sonja Veelen: Hochstapeln - eine strukturell gefo(e)rderte Kulturpraktik? Soziologische Analyse am Beispiel von Bewerbung und Personalauswahl. Dissertation, 2019

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 04.01.1890: Victor Lustig - Der Hochstapler, der den Eiffelturm verkaufte
    • Zeitzeichen 30.03.1912: Der Schriftsteller Karl May stirbt in Radebeul
    • Zeitzeichen 24.05.1487: Hochstapler Lambert Simnel wird englischer König
    • Stichtag 09.07.1942: Hochstapler Franz Seraph Tausend stirbt

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Andrea Kath
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min
  • Wie prügelnde Eltern endlich zu Gesetzesbrechern wurden

    Körperliche Bestrafung von Kindern gilt lange Zeit als normal. Erst am 6.7.2000 wird Gewalt als Erziehungsmaßnahme in Deutschland gesetzlich verboten.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:

    • von Astrid Lindgren - einer vehementen Verfechterin einer Erziehung ohne Gewalt,
    • wie der "Struwwelpeter" Generationen von Kindern Albträume bereitet,
    • wie lang und debattenreich der Weg zu einer gewaltfreien Erziehung war und immer noch ist,
    • welchen Einfluss Religion und die deutsche Geschichte auf die Erziehung haben.

    Viele heute Erwachsene wurden in ihrer Kindheit noch ganz selbstverständlich geschlagen. "Wer nicht hören will, muss fühlen", hieß es dann - und von Gesetzes wegen war das völlig legal. Noch 1968 musste das Bundesverfassungsgericht darüber verhandeln, ob die Rechte des Grundgesetzes für Kinder überhaupt gelten.

    Wer heute sein Kind schlägt, kann angezeigt und bestraft werden. Denn am 6. Juli 2000 wird das "Gesetz zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung" verabschiedet. Darin steht: "Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig."

    Gleichzeitig macht eine Kampagne auf das neue Gesetz aufmerksam. Für Eltern werden Beratungsstellen und Trainings eingerichtet, in denen sie lernen können, ihre Kinder auch in Stresssituationen gewaltfrei zu erziehen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Reinhard Wiesner, langjähriger Leiter des Referats für Kinder- und Jugendhilferecht im Bundesfamilienministerium
    • Sabine Andresen, Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Goethe-Universität Frankfurt und Präsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes
    • Viertklässler der Grundschule Nikolaus-Groß in Hattingen-Niederwenigern
    • Horst Petri: Erziehungsgewalt. Frankfurt am Main, 1989
    • Alice Miller: Am Anfang war Erziehung. Frankfurt am Main, 1980
    • Johanna Haarer: Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind, München und Berlin, 1938
    • Klaus Harney und Heinz-Hermann Krüger (Hrsg.): Einführung in die Geschichte der Erziehungswissenschaften und Erziehungswirklichkeit. Opladen, 1997

    Weiterführende Links:
    • Astrid Lindgrens Rede gegen Gewalt
    • Stichtag: 25. September 1997 - Reform des Kindschaftsrechts
    • Stichtag: 16. November 2008 - Deutscher Kinderschutzbund gegründet

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Jana Magdanz
    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min
  • Erfinder der Wettervorhersage: Robert FitzRoy

    Mit Charles Darwin umsegelt FitzRoy (geb. am 5.7.1805) die Welt. Der Kapitän der HMS "Beagle" verfolgt dabei eine eigene Mission: Stürme vorhersagen und so Leben retten.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Stephan Beuting:

    • durch welchen traurigen Umstand Robert FitzRoy mit 23 Jahren Kapitän wird,
    • was ihn mit Forscher Charles Darwin verbindet - und warum sich die beiden streiten,
    • warum FitzRoy Mitglied des britischen Parlaments und Gouverneur von Neuseeland wird,
    • wie er mit seiner Wettererfahrung ein Passagierschiff in der Magellan-Straße vor dem Untergang bewahrt,
    • weshalb Robert FitzRoy trotz seines Erfolges immer wieder Ziel von Spott wird.

    Nach vielen Jahren als Kapitän tritt Robert FitzRoy 1854 eine neue Stelle an: als meteorologischer Statistiker in der Abteilung für Meteorologie der britischen Handelsbehörde. Er soll Schiffsrouten so berechnen, dass Stunden, vielleicht Tage einer Fahrt eingespart werden können. Dazu gehört auch, dass er sich eingehend mit Wetterdaten beschäftigt.

    FitzRoy sorgt dafür, dass Häfen und Küstenorte mit Barometern und Thermometern ausgestattet werden. Er baut ein Netz auf und sammelt Daten. Auf diese Weise bekommt er eine Vorstellung der Wetter-Muster, die er immer besser nutzen kann - in dem von ihm gegründeten "Met Office", dem späteren nationalen meteorologischen Dienst des Vereinigten Königreichs.

    Im August 1861 verarbeitet FitzRoy für sein Sturmwarnsystem bereits Daten aus 130 Beobachtungsstationen. Seine täglichen Auswertungen werden nun an Tageszeitungen verschickt, inklusive Blick auf die nächsten Tage. Es ist die Geburtsstunde der Wettervorhersage.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Peter Moore (Journalist und Sachbuchautor)
    • Peter Moore: Das Wetterexperiment - Von Himmelsbeobachtern und den Pionieren der Meteorologie, Hamburg 2016
    • John und Mary Gribbin: FitzRoy - The Remarkable Story of Darwin’s Captain and the Invention of the Weather Forecast, London 2003
    • Peter Nichols: Evolutions Captain - The Tragic Fate of Robert FitzRoy, the Man who Sailed Charles Darwin Around the World, London 2003

    Weiterführende Links:
    • Stichtag 10.03.1535: Die Entdeckung der Galapagos-Inseln
    • Stichtag 01.03.1960: "Tagesschau" führt Wetterkarte ein
    • Zeitzeichen 23.11.1977: Start des Wettersatelliten "Meteosat 1"
    • Met Office: Robert FitzRoy and the early Met Office

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Stephan Beuting
    Redaktion: Carolin Rückl und Matti Hesse

    16 min
  • 1945 wird massenhaft Weltkriegsmunition in der Ostsee versenkt

    Kurz nach Ende des 2. Weltkriegs fahren Fischerboote im Auftrag der Alliierten auf die Ostsee, um tonnenweise deutsche Granaten, Bomben und Chemie-Kampfstoffe zu versenken. Dort liegen sie größtenteils bis heute...



    In diesem Zeitzeichen erzählen Joachim Heinz und Markus Harmann:

    • wie viele Tonnen Munition und chemischer Kampfmittel im deutschen Teil der Ostsee noch vermutet werden,
    • zu welcher tödlichen Explosion es im August 1946 beim Verklappen von Sprengstoffen kommt,
    • warum Munition auch außerhalb der von den Briten vorgegebenen Versenkungsgebiete entsorgt wird,
    • welche Gefahr für Mensch und Umwelt heute noch vom Weltkriegsmüll ausgeht,
    • wie der Rest der Weltkriegsmunition geortet, geborgen und entsorgt werden soll.

    Mehr als zwei Millionen Tonnen Munition lagern am Ende des Zweiten Weltkriegs in deutschen Depots - von Kisten voller frisch produzierter Patronen bis zu einsatzbereiten Fliegerbomben. Sie im Meer zu versenken, erscheint damals als einfachste und beste Methode. Selbst als es zu Unterwasserexplosionen kommt.

    Viele deutsche Fischer, die die Versenkungen ausführen, sind für den Verdienst dankbar, den Briten und Amerikaner ihnen bezahlen. In der Lübecker Bucht finden im Januar 1949 die letzten Verklappungen statt.

    Kurz danach kommen die ersten Munitionsfischer und holen das Material wieder aus dem Wasser: Die Buntmetalle und der Stahl sollen als Rohstoffe wiederverwendet werden. Der Großteil der Munition bleibt allerdings auf dem Boden der Ostsee. Deren Bergung ist eine Generationenaufgabe.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Claus Böttcher (Nichtregierungsorganisation JPI Oceans)
    • Uwe Wichert (ehem. Marinesoldat und Unterwasserwaffenexperte)
    • Karin Bühring (Vorsitzende des Vereins für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung)
    • Museum für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung: Munition im Meer - das explosive Erbe. Pönitz 2025

    Weiterführende Links:
    • ARD-Magazin Panorama: Munition in der Ostsee (03.08.1970)
    • Planet Wissen: Meer - Ostsee

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    Autoren: Joachim Heinz und Markus Harmann
    Redaktion: David Rother

    15 min
  • Queerer Opernstar, gefürchtete Fechtkämpferin: Julie D'Aubigny

    Operndiva, Duellantin, queere Rebellin des 17.Jahrhunderts - und ein angeblich aus Liebe angezündetes Kloster: Das Leben von "La Maupin" ist filmreif. Was davon ist Fakt?



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Fischer:

    • wie Julie d'Aubigny als Kind die Kunst des Fechtens lernt,
    • wie sie zu ihrem Künstlernamen "La Maupin" kommt,
    • warum Julie eine tote Nonne ins Bett einer ihrer Geliebten gelegt haben soll,
    • welche Rolle Duelle bei Konflikten der Opernsängerin spielen,
    • wie Julie d'Aubigny 1696 beim Ball des Bruders von König Ludwig XIV. für einen Eklat sorgt.

    Beinahe nichts weiß man sicher über das Leben von Julie d'Aubigny. Klar ist nur, dass und welche Rollen sie an der Pariser Oper gesungen hat. Der Rest: Hörensagen, Spekulation - und Skandalgeschichten.

    Julie wächst in Versailles auf, am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Ihr Vater ist Reitmeister des Königs. Im Teenager-Alter kommt es zum ersten Skandal: Sie verwickelt sich in eine Liebesaffäre mit einem verheirateten Grafen, dem Chef ihres Vaters.

    Später tritt Julie bei Schaukämpfen als Fechterin gegen Männer an - unerhörterweise angeblich als Mann verkleidet. Als sie sich in Marseille als Opernsängerin versucht, tritt zum ersten Mal eine Frau in ihr bewegtes Liebesleben. Auch an der Pariser Oper werden "La Maupin" diverse Affären nachgesagt. Dann beendet Julie ihre Bühnenkarriere mit Anfang dreißig abrupt. Warum? Auch darüber wird spekuliert.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Anuschka Tischer (Professorin für neuere Geschichte an der Universität Würzburg)
    • Camille Rogers (Doctor of Musical Arts, University of Toronto)
    • Camille Rogers: Playing Queer and Performing Gender at the Turn of the Eighteenth Century - The Unconventional Life, Voice, and Body of Julie D’Aubigny Maupin. Toronto 2023

    Noch viel mehr spannende Frauen-Geschichte gibt es bei @frauen_geschichte vom BR auf Instagram

    Weiterführende Links:
    • Lost Sheroes: La Maupin - Die fechtende Opernsängerin aus Versailles
    • Zeitzeichen 01.09.1715: Todestag von König Ludwig XIV.

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    Autorin: Jana Fischer
    Redaktion: Matti Hesse

    15 min
  • Der konvertierte Jude, der den Islam modernisierte

    Bei seiner Geburt am 2.7.1900 ist Leopold Weiss vieles: Lemberger, Pole, Österreicher, Jude. Sein zweites Leben beginnt 1926, als er zum Islam konvertiert.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Melahat Simsek:

    • wie Leopold Weiss in Berlin Journalist und Assistent von Regisseur Friedrich Murnau wird,
    • warum ein Aufenthalt in Jerusalem zum Wendepunkt in "Poldis" Leben führt,
    • was Leopold Weiss alias Muhammad Asad mit dem saudi-arabischen König Abdul Aziz Ibn Saud verbindet,
    • wie er versucht, seinen Vater und seine Schwester vor dem KZ zu bewahren.

    "Ich wurde als Europäer geboren. Mit 13 Jahren war ich der Meinung, dass Muslime Barbaren sind und der Islam etwas Schlechtes ist", sagt Leopold Weiss alias Muhammad Asad. So sei es ihm in der Schule beigebracht worden. Erst viel später habe er die islamische Welt bereist. "Erst dann erfuhr ich einiges über den Islam und erkannte, wie falsch ich lag."

    Seine Neugierde und sein Wissensdurst führen ihn in Metropolen wie Berlin und New York. Auch in die entlegensten Ecken des Nahen und Mittleren Ostens. Dabei erlebt er Abenteuer, die so legendär sind, dass sie einen Indiana Jones erblassen lassen würden.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Rauf Ceylan (Religionssoziologe und Professor für Gegenwartsbezogene Islamforschung an der Uni Osnabrück)
    • Georg Misch (Dokumentarfilmer und Professor an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien)
    • Günther Windhager (Kultur- und Sozialanthropologe, Muhammad-Asad-Biograf)
    • Muhammad Asad: Der Weg nach Mekka. Düsseldorf 2009
    • Muhammad Asad: Die Botschaft des Koran. Düsseldorf 2009
    • Günther Windhager: Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Von Galizien nach Arabien 1900-1927. Wien 2002

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen 15.01.1875: Vom Wüstenführer zum König des Öls: Ibn Saud
    • Zeitzeichen 28.12.1888: Geburt des deutschen Stummfilmregisseurs Friedrich Murnau

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Melahat Simsek
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Thomas Bleul

    15 min
  • Gummi, Glanz und Elend: der tragische Erfinder Charles Goodyear

    Der Amerikaner Charles Goodyear, "Vater der Vulkanisation", ist sehr erfindungsreich aber zeitlebens kein guter Geschäftsmann. So stirbt er am 1.7.1860 hochverschuldet.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Kay Bandermann :

    • wie Goodyear durch einen Klecks auf dem Herd den modernen Werkstoff Gummi entdeckt,
    • warum seine geniale Erfindung ihm Schulden bringt, aber keinen Ruhm,
    • warum ein Besuch in einem New Yorker Geschäft Goodyears "Erweckungserlebnis" wird,
    • wie seine Entdeckung nach einem römischen Feuergott benannt wird.

    Ohne Charles Goodyear hätte Flugzeug bei der Landung keine Chance. Die Reifen, die die Maschine sicher auf den Boden bringen, verdanken ihre Elastizität einem Zufall: Goodyear experimentiert 1839 mit Naturkautschuk und Schwefel - als plötzlich etwas von der Mischung auf die heiße Herdplatte tropft. Der Effekt ist verblüffend, denn der Stoff verbrennt nicht, sondern wird elastisch, stabil - und wetterfest. Das Verfahren: Vulkanisation.

    Goodyear ist ein erfinderischer Tüftler, aber kein erfolgreicher Geschäftsmann. Seine Forschungen bringen ihn zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. So verkauft er die Schulbücher seiner Kinder, lebt in Armut und sitzt sogar zeitweise im Gefängnis. Die Reifenfirma, die später seinen Namen trägt, erlebt er nicht mehr. Doch sein Werkstoff bleibt – und prägt bis heute Produkte des Alltags: vom Flugzeugreifen bis zum Babyschnuller.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Volker Krings, Chemiker beim Deutschen Kautschuk-Verband
    • Charles Goodyear: Gum-Elastic and its varieties, with a detailed account of its applications and uses and of the discovery of vulcanization, New Haven 1953.

    Weiterführende Links:
    • Planet Wissen: Die Geschichte des Gummis
    • 15. Juni 1844 - Charles Goodyear erhält Patent für Gummi-Vulkanisation

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Kay Bandermann
    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
    Technik: Nico Söllner

    15 min
  • Nazis auf den Kanalinseln: Die vergessene Besatzung

    Am 30.6.1940 beginnt die Nazi-Besetzung der Kanalinseln - Besitz der britischen Krone. Eine jenseits der Inseln vergessene Geschichte von Anpassung, Kontrolle und Schuld.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jana Magdanz:

    • dass die Kanalinseln im Besitz der britischen Krone, aber kein britisches Staatsgebiet sind,
    • warum sich viele Familien mit Kaffee aus verbrannten Pastinaken und Kaninchenbraten über Wasser halten müssen,
    • wieso die Insel bis weit nach dem D-Day besetzt bleibt und nicht von den Briten zurückerobert wird,
    • wie ein ehemaliger deutscher Bunkerkommandant sich selbst als "ungewöhnlichen Nachbarn" bezeichnet - und daraus eine Freundschaft entsteht,
    • und wieso sich heute noch Enkelkinder in den alten Bunkern auf Spurensuche begeben.

    Nur 25 Kilometer vor der französischen Küste liegen sie im Ärmelkanal - die Kanalinseln Guernsey und Jersey. Als Hitler im Juni 1940 Frankreichs Atlantikküste erobert, wendet er seinen Blick auch auf die britischen Außenposten. In London beschließt Premierminister Winston Churchill, keine Soldaten zu opfern - die Inseln sollen dem Feind kampflos überlassen werden.

    Am 30. Juni landet ein deutsches Aufklärungsflugzeug auf Guernsey. Kein Schuss fällt. Weiße Fahnen liegen auf den Plätzen, es wird nicht gekämpft. Einen Tag später ist auch Jersey in deutscher Hand. Für Hitler ein Propagandasieg - obwohl die Inseln nicht zum Vereinigten Königreich gehören, sind sie geografisch gesehen ein Teil der britischen Inseln.

    Für die Insulaner beginnt eine fünfjährige Besatzung - mit Ausgangssperren, Propaganda und später: Hunger - auf beiden Seiten.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Peter Tabb: A pecculiar Occupation. New Perspectives on Hitler's Channel Islands. Surrey 2005.
    • Roy McLoughlin: Living with the Enemy. What really happened. St. Mary, Jersey 2014.
    • Charles Cruickshank: The German Occupation of the Channel Islands. Guernsey 1975.
    • Paul Sanders: The Ultimate Sacrifice. Jersey 1998.
    • Jonas Hoffmann-Schmidt: All you need to know about the Channel Islands. 2024.
    • Hans Max Freiherr von Aufseß: Tagebuch aus der Okkupationszeit der britischen Kanalinseln 1943-1945. Hamburg 2020.
    • Gilly Carr: Protest, Defiance and Resistance in the Channel Islands. German Occupation 1940-1945. London 2015.

    Und das sind unsere InterviewpartnerInnen:
    • Amy Malcolm, Vicepresident of the Channel Island Occupation Society
    • Peter Tabb, Autor
    • Michael Billings, Geschäftsführer Jersey War Tunnels
    • Prof. Dr. Gilly Carr, außerordentliche Professorin für Konflikt, Archäologie und Holocaust-Erbe an der Universität von Cambridge

    Weiterführende Links:
    • Jersey heritage: The German Occupation
    • Jersey War Tunnels
    • Phoenix: Guernseys Kriegskinder - Das Erbe der deutschen Besatzung
    • Planet Wissen: Nationalsozialismus - Der Zweite Weltkrieg

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    AutorIn: Jana Magdanz
    Redaktion: Matti Hesse
    Technik: Sarah Fitzek

    15 min
  • Ein Degendieb als Symbol für den antikolonialen Kampf des Kongo

    Es ist ein kurzer Augenblick des Triumphs in der traurigen Kolonialgeschichte des Kongo. Ein einziges Foto hält fest, wie sich Ambroise Boimbo am 29.6.1960 den Degen des belgischen Königs schnappt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:

    • von einem Terrorregime und einer jahrhundertelangen Jagd auf Sklaven im Kongo,
    • warum die Rede von Regierungschef Patrice Émery Lumumba für Fassungslosigkeit bei den westlichen Gästen sorgt,
    • warum Lumumbas gewaltsamer Tod dem Land eine große Chance nimmt,
    • wie das Leben von Ambroise Boimbo nach dem Degendiebstahl weitergeht.

    Es ist der 29. Juni 1960, ein Tag vor der Unabhängigkeit des Kongo. Der belgische König Baudouin grüßt anlässlich der Feierlichkeiten die Menschenmenge auf dem Prachtboulevard von Léopoldville, dem heutigen Kinshasa. In weißer Generals-Uniform steht er im offenen Cadillac, sein königlicher Degen liegt hinter ihm auf der Rückbank.

    Ein elegant gekleideter Mann geht neben dem langsam fahrenden Wagen her. Plötzlich greift er zu und rennt los - genau vor die Linse des deutschen Fotografen Robert Lebeck. Der drückt schnell ab.

    Der Mann wird nur wenig später von Soldaten überwältigt und der König erhält seinen Degen zurück. Erst viel später wird bekannt, dass der Dieb Ambroise Boimbo heißt, 30 Jahre alt und ein arbeitsloser Elektriker ist.

    Lebecks Foto hingegen wird sofort berühmt und vielfach abgedruckt. Es gilt als das Symbolbild für die Unabhängigkeit Afrikas. Es vereint koloniale Unterdrückung, Hoffnung auf Freiheit und auch die Enttäuschung dieser Hoffnung.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Boniface Mabanza, Handels- und Entwicklungsexperte, Koordinator der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika
    • Soundtrack to a Coup d’Etat. Dokumentationsfilm von Johan Grimonprez, Belgien, Frankreich. Niederlande 2024
    • Adam Hochschild: Schatten über dem Kongo. Stuttgart 2000
    • Dominic Johnson: Kongo. Kriege, Korruption und die Kunst des Überlebens. Frankfurt am Main 2014

    Weiterführende Links:
    • Zeitzeichen: 31.07.1993 - Todestag des belgischen Königs Baudouin I.
    • Zeitzeichen: 30.06.1960 - Kongo wird unabhängig
    • Zeitzeichen: 15.11.1908 - König Leopold II. von Belgien verkauft "seine" Kolonie Kongo an den Staat

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    Autor: Thomas Pfaff
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Christoph Schneider

    15 min
  • 17 Stunden Angst: Der Bankraub von Berlin-Zehlendorf

    Der Plan ist nahezu perfekt: Bankräuber stürmen eine Commerzbank-Filiale in Berlin. Am 28.6.1995 entkommen sie mit einer Millionen-Beute durch einen zuvor gegrabenen Tunnel.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Erik Hlacer:

    • wie die Geiseln die dramatischen Stunden erleben und welche Folgen der Raub für sie hat,
    • welche zum Teil abwegigen Forderungen die Täter stellen,
    • warum ein Regenwasserrohr den Tätern jede Menge Zeit erspart,
    • wie die Polizei im Anschluss von der Presse verhöhnt wird.

    In der Nacht zum 28. Juni 1995 flüchten in Berlin-Zehlendorf mehrere Bankräuber durch einen Tunnel. Im Gepäck: mehr als zehn Millionen D-Mark. Vorausgegangen ist dem Raub ein spektakuläres Ablenkungsmanöver.

    Vier Männer stürmen bereits am Vortag eine Bankfiliale. Sie nehmen Angestellte und Kunden als Geiseln und fordern 17 Millionen D-Mark Lösegeld. Es folgen Telefonate, Verhandlungen und immer weitere Forderungen. Wie sich später herausstellt nur zu einem Zweck: Zeit zu gewinnen.

    Kurz nach Mitternacht reißt der Kontakt zu den Geiselnehmern ab. Nach über 17 Stunden stürmt das SEK die Bank und befreit die Geiseln. Die Täter sind da längst weg - geflohen durch einen über Monate selbst gegrabenen Tunnel. Sechs von vermutlich elf Bankräubern werden später gefasst und gut die Hälfte der Beute sichergestellt.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Ralf Kahlbau, damals Leiter beim zuständigen Raubdezernat
    • Deutschlandfunk: Historischer Bankraub - wie zehn Millionen D-Mark durch einen Tunnel verschwanden
    • rbb|24-Podcast "Im Visier": Millionenraub in Zehlendorf
    • Spiegel: Bankraub - Gewaltiges Getöse

    Weiterführende Links:
    • ARD: Harter Brocken - Der Bankraub. Spielfilm Deutschland 2017
    • WDR Lokalzeit: Vor 50 Jahren - Bankraub mit Geiselnahme in Hilden

    Hörtipp:
    • Bayern 2: Tatort Geschichte - True Crime meets History. Ein Podcast über spannende Verbrechen aus der Vergangenheit

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    Autor: Erik Hlacer
    Redaktion: Frank Zirpins
    Technik: Nico Söllner

    15 min

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Geschichten aus der Geschichte by Richard Hemmer und Daniel Meßner

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Talk ohne Gast

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