ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag des Dichters Joachim Ringelnatz (7.8.1883)
    Als Kind wurde er gemobbt. Also zog er sich zurück, spielte mit Sprache statt mit Gleichaltrigen. Joachim Ringelnatz' Gedichte sprühen vor Witz und Skurrilität – und sie werden heute noch gelesen und geliebt. "Ich bin überzeugt, dass mein Gesicht mein Schicksal bestimmt hat", sagte Joachim Ringelnatz einmal. Seine große, gekrümmte Nase, das hervorstechende Kinn, die mädchenhafte Frisur – das machte ihn in der Schule zum Außenseiter. Und vielleicht auch zum einem der humorvollsten deutschen Dichter, dessen Name heute in einem Atemzug mit Heinrich Heine genannt wird. Dass Joachim Ringelnatz niemals den Mut verloren hat, ist bewundernswert. Als Hans Gustav Bötticher kommt er heute vor 140 Jahren in Wurzen zur Welt. Als junger Mann fährt er zur See, muss jedoch an Bord wieder Prügel und Spott aufgrund seines Andersseins ertragen. Ringelnatz dichtet, braucht aber zahlreiche Nebenjobs, um sich über Wasser zu halten. So arbeitet er als Wahrsagerin in einem Bordell oder hilft bei einem Hamburger Volksfest, Riesenschlangen zu tragen. Ab 1909 tritt er in der Münchner Künstlerkneipe Simplicissimus auf, veröffentlicht in der gleichnamigen Satire-Zeitschrift. Ringelnatz nimmt Privatunterricht, um seine Bildungslücken zu schließen, liest Werke der Weltliteratur, um einen Kontext zu haben. Ab 1920 steht er sehr erfolgreich im bekannten Berliner Kabarett Schall und Rauch auf der Bühne. Joachim Ringelnatz dichtet unermüdlich, schafft seine Kunstfigur Kuttel Daddeldu, einen ungehobelten Seemann, er verfasst Prosa und Kinderbücher. Zeit seines Lebens müssen Ringelnatz und seine Frau, die er Muschelkalk nennt, in äußerst bescheidenen Verhältnissen leben. Ringelnatz' Leben ist kein langes: Im November 1934 stirbt er mit nur 51 Jahren an Tuberkulose.
    15 min
  • Das Gastgeschenk des pakistanischen Außenministers für Mao Zedong sorgt für Hysterie (4.8.1968)
    Es fing an mit einem Staatsbesuch des pakistanischen Außenministers und einer Kiste mit 40 Mangos. Danach war China im Mango-Fieber. Denn Staatschef Mao Zedong verschenkte die pakistanischen Mangos an verdiente Arbeiter-Propaganda-Trupps, die er zu neuen Trägern der Kulturrevolution machte. Denn sie und ein Machtwort des Großen Vorsitzenden hatten den Terror der Roten Garden beendet, die seit 1966 das Land mit Terror überzogen und Kulturstätten zerstört hatten. Die Mango wurde zum Symbol des Sieges und der Kulturrevolution. Eine exotische Frucht, die man in China bis dahin nicht kannte. Es gab Mango-Paraden. Mango-Anstecker. Mango-Zigaretten. Die staatlich verordnete Mango-Manie war ein geschickter Propagandaschachzug Mao Zedongs. Mangos gab es für verdiente Arbeiter und überzeugte Maoisten, so genannte "schwarze Elemente" wie zum Beispiel Großgrundbesitzer oder kritische Intellektuelle gingen leer aus. Während der Kulturrevolution wurde die Mango wie eine Reliquie verehrt. Manche Original-Mango wurde in Formaldehyd eingelegt, in Vitrinen ausgestellt oder zierte den einen oder anderen Hausschrein. Und da die Mangos des pakistanischen Außenministers natürlich nicht für alle verdienten Maoisten reichten, wurden sie einfach aus Wachs nachgebildet. Mit dem Tod Mao Zedongs 1976 endete der Mango-Kult.
    15 min
  • Der Todestag des "Klettermaxe" Arnim Dahl, Deutschlands populärster Stuntman (3.8.1998)
    Er machte einen Kopfstand auf der Spitze des Empire State Building. Hängte sich an die Uhrzeiger eines Kirchturms: Arnim Dahl war der erfolgreichste deutsche Stuntmen der Nachkriegszeit. Sein Lebensmotto: "Lieber zehn Minuten Angst als einen Monat arbeiten." Über 100 Knochenbrüche soll ihm sein gefährlicher Beruf nach eigenen Angaben eingebracht haben. Mit waghalsigen Stunts wurde Arnim Dahl berühmt, er war das Filmdouble für Heinz Rühmann, Kirk Douglas und viele andere. Als Sohn eines Kunstspringers und einer Leichtathletin wurde Arnim Dahl 1922 in Stettin geboren. Er turnte im Verein, als deutscher Jugendmeister im Kunstspringen 1938 und potentieller Athlet für die Olympischen Spiele in Tokyo 1940 bahnte sich eine erfolgreiche Sportlerkarriere an, die allerdings durch den Zweiten Weltkrieg und seine Einberufung in den Kriegsdienst beendet wurde. Über den Zirkus kam Dahl zum Film. Sein erster Stunt: Er flog mit einem Motorrad in einen Ententeich. Von da an ging die Karriere steil bergauf. Fast jede und jeder im Nachkriegsdeutschland kannte den "Klettermaxe", so benannt nach einem erfolgreichen Film mit ihm. Auch in TV-Shows wie den "Spielen ohne Grenzen" trat Dahl regelmäßig auf. Erst mit Mitte 60 zog sich Arnim Dahl komplett aus dem abenteuerlichen Berufsleben zurück. Er starb am 3. August 1998 an einem Krebsleiden.
    15 min
  • Der Geburtstag von Emma zu Waldeck-Pyrmont, Vorfahrin von drei Königinnen (2.8.1858)
    113 Jahre lang wurden die Niederlande von Königinnen regiert – eine einzigartige Frauenherrschaft. Die Geschichte begann mit einem Mädchen, dass sich traute, einen 41 Jahr älteren Mann zu heiraten, dessen Spitzname "König Gorilla" lautete... Die älteren Schwestern Emmas zu Waldeck-Pyrmont hatten eine Heirat mit Wilhelm III. der Niederlande dankend abgelehnt, die 20jährige Emma sagt ja. Eine junge Deutsche begründet so eine Frauen-Dynastie auf dem niederländischen Thron. Die junge Königin Emma bekam eine Tochter: Wilhelmina. Emma verstand es geschickt, Werbung für die Thronfolgerin zu machen Sie reiste durch das Land, führte die süße kleine Prinzessin vor – und gewann so die Sympathien ihrer Untertanen für die zukünftige Königin. Außerdem führte sie Niederländisch als Sprache bei Hofe ein. Die Sprache hatte in besseren Kreisen zuvor als unschick gegolten. Dass ausgerechnet eine Deutsche, die erst Holländisch lernen musste, so handelte, brachte ihr zusätzliche Sympathien. Als Wilhelm III., Spitzname "König Gorilla" - der auch wegen seiner zahlreichen außerehelichen Kinder so genannt wurde - nach elf Jahren Ehe starb, übernahm Emma als Regentin die Vormundschaft für ihre minderjährige Tochter Wilhelmina. Acht Jahre lang regierte sie bis zur Volljährigkeit der jungen Königin. Deren Tochter Juliana und ihre Enkelin Beatrix regierten die Niederlande Emma starb mit 76 Jahren in Den Haag.
    15 min
  • Der Todestag der Western-Legende Calamity Jane (1.8.1903)
    Sie ist die berühmteste Frau des Wilden Westens - doch wer sie wirklich war, weiß keiner so genau. Calamity Jane hat viel dazu beigetragen, sich selbst zum Mythos als Revolverheldin zu machen. Als Western-Legende Calamity Jane geistert Martha Cannary aus Princeton, Missouri, durch unzählige Hollywood-Streifen und wurde sogar in einem Musical verewigt. In der Verfilmung von 1953 spielt Doris Day sie als fröhliches Raubein. Die strahlende Musical-Heldin hat mit der wirklichen Martha Cannary allerdings wenig gemeinsam: Als die 1903 in einem schäbigen Hotelzimmer starb, war sie ausgebrannt von einem harten, entbehrungsreichen Leben und viel zu viel Alkohol. An der eigenen Legende hat Martha eifrig mitgestrickt: Sie hat die tollsten Geschichten erzählt über ihre Abenteuer als Postkutschenfahrerin, Krankenschwester, Scharfschützin oder Scout für General Custers Truppen – wobei sie schon allein deshalb eine Sensation war, weil sie gelegentlich in Männerkleidung auftrat. Doch auch wenn die meisten ihrer Heldentaten wohl ebenso ins Reich der Phantasie gehören wie ihre Beziehung zu Wild Bill Hickok, muss Martha Cannary eine beeindruckende Persönlichkeit und eine ungewöhnliche Frau gewesen sein.
    15 min
  • Der Geburtstag des niederländischen Schriftstellers Cees Nooteboom (31.7.1933)
    Ein Schriftsteller, der durch Europa getrampt ist, und als Leichtmatrose in die Karibik geschippert ist: Cees Nooteboom hat viel erlebt – und herausragende Literatur verfasst. In Deutschland wird Nooteboom beinah mehr geschätzt und gelesen als in den Niederlanden. Dort ist Cees Nooteboom immer ein Außenseiter des Literaturbetriebs geblieben, während sich in Deutschland der renommierte Suhrkamp-Verlag seines Werks angenommen hat. Cees Nooteboom hat ein besonderes Verhältnis zu Deutschland, wo er einige Zeit lebte. Sein Roman "Allerseelen" von 1998 spielt in Berlin nach der Wende. Bereits mit 22 Jahren veröffentlichte der holländische Autor Cees Nooteboom 1955 seinen ersten Roman "Philip und die anderen". Dieser Band machte ihn in den Niederlanden bekannt. Seitdem ist eine Vielzahl an Büchern von ihm erschienen. Nooteboom arbeitet als Romanautor und Reiseschriftsteller, Lyriker und Essayist. Mit dem Buch "Rituale" von 1980 gelang ihm der internationale Durchbruch.
    15 min
  • Der Todestag des Autobauers Carl Friedrich Wilhelm Borgward (28.7.1963)
    In den 1950er Jahren waren Goliath, Isabella und der "Leukoplastbomber" die beliebtesten Renner auf deutschen Straßen. Erfinder dieser Autos war der Ingenieur Carl Friedrich Wilhelm Borgward. Begonnen hatte er seine Karriere mit einem schlichten Dreirad - 1935 besaß er die modernste deutsche Autofabrik mit 12.000 Angestellten. In der Nazi-Zeit musste der Betrieb auf Kriegsproduktion umstellen, Borgward wurde NSDAP-Mitglied und Reichswirtschaftsführer. Dafür inhaftierten ihn die Amerikaner nach dem Krieg. Drei Jahre lang lebte Borgward im Exil. Bei seiner Rückkehr hatte der Autokonstrukteur 30 Millionen Mark Startkapital im Koffer und einige neue Modelle im Kopf, z.B. den als "Leukoplastbomber" bekannten Kleinwagen "Lloyd 300" und die elegante Limousine "Isabella". Sie wurden seine größten Erfolge. Doch zu viel Konkurrenz, zu große Modellvielfalt und zu wenig kaufmännisches Geschick des Chefs trieben die Firma Borgward 1961 in den Konkurs. 23.000 Menschen, vor allem in Bremen, verloren ihre Arbeit. Diese Niederlage verkraftete Carl Friedrich Wilhelm Borgward nicht: Als gebrochener Mann starb er am 28. Juli 1963 – heute vor 60 Jahren.
    15 min
  • Der Todestag der Schriftstellerin und Märchenerzählerin Elsa Sophia von Kamphoevener (27.7.1963)
    Elsa Sophia von Kamphoevener liebte Märchen, vor allem orientalische. Sie sammelte, erzählte und bearbeitete sie – und lebte in ihnen, bis sich Fiktion und Wirklichkeit im Leben der "Märchenbaronin" untrennbar miteinander vermischten. Geboren wurde sie 1878 in Hameln, aufgewachsen aber ist sie in Istanbul, das damals, Ende des 19.Jahrhunderts, noch Konstantinopel hieß. Ihr Vater arbeitete als Heeresorganisator für den Sultan, sie selbst lernte durch das bunt zusammengewürfelte Personal im Haus mehrere orientalische Sprachen kennen. Wahrscheinlich kam sie da auch mit der Märchentradition des Nahen Ostens in Kontakt. Später erzählte sie allerdings phantastische Geschichten darüber, wie sie selbst als Junge verkleidet in der Tradition orientalischer Märchenerzähler durch das Land gezogen sei – wahrscheinlich alles erfunden. Doch ihr Verdienst, viele dieser Märchen gesammelt und nach ihrer Rückkehr nach Deutschland übersetzt und veröffentlicht zu haben, ist unbestritten - ihre Anthologie "An Nachtfeuern der Karawan-Serail" stand in den 1960er Jahren fast in jedem Bücherschrank. Unbestritten ist auch ihr großes Talent als Märchenerzählerin, das sie nach dem Zweiten Weltkrieg durch viele Lesungen und Rundfunkauftritte bewies. Als Elsa Sophia von Kamphoevener am 27. Juli 1963 starb, war sie deutschlandweit bekannt als "Die Märchenbaronin", viele ihrer Lesungen wurden dann postum auch als CDs veröffentlicht.
    15 min
  • Der Geburtstag des Regisseurs Stanley Kubrick (26.7.1928)
    Er drehte nur 13 Spielfilme, und gilt doch als einer der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte. Stanley Kubrick war ein Perfektionist, der in teils jahrelangen Dreharbeiten mit Bildwelten, Erzählformen und Technik experimentierte. Kubrick entzog sich dem Hollywood-Business, lebte und arbeitete als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent in seinem eigenen kreativen Universum. Mit jedem seiner Filme führte er Schauspielerinnen und Schauspieler, Filmcrews und Geldgeber in Grenzbereiche des Machbaren. Sein Vater war ein New Yorker Chirurg und stammte aus einer jüdischen Familie. Schon als Kind spielte Stanley Kubrick begeistert Schach, las exzessiv und fotografierte. Er arbeitete als Magazin-Fotograf in New York, und drehte ab 1951 drei innovative Dokumentarfilme. Seine ersten Spielfilme "Wege zum Ruhm" und "Spartacus" mit Kirk Douglas bedeuteten den Durchbruch. Danach galt er als Genie, das auch an den Kinokassen Erfolg hatte. Doch er verließ Hollywood, und schuf sich in England mit Familie, Freunden und Katzen ein abgeschiedenes Zuhause mit eigenen Filmstudios. Verheiratet war er mit Christiane Harlan, einer Nichte des NS-Propaganda-Regisseurs Veit Harlan. Stanley Kubrick widmete sich den existentiellen Themen des Menschen: Sehnsüchten und dunklen Trieben, Traum und Wirklichkeit, Vergänglichkeit und Transzendenz, Ordnung und Chaos. In jedem Genre schuf er Meisterwerke: den Science Fiction-Film "2001: Odyssee im Weltraum", für dessen Spezialeffekte er seinen einzigen Oscar bekam. Den Mystery-Horror Thriller "The Shining" mit Jack Nicholson, die Antikriegsfilme "Wege zum Ruhm" und "Full Metal Jacket", den Film Noir "The Killing", den Historienfilm "Barry Lyndon", die Komödie "Dr. Seltsam" mit Peter Sellers und die Gesellschafts-Dystopie "A Clockwork Orange". Außerdem die Literatur-Verfilmungen "Lolita" und "Eyes Wide Shut" mit Tom Cruise und Nicole Kidman. Legendär wurden auch seine unvollendeten, gigantischen Film-Projekte über Napoleon, das Holocaust-Filmprojekt "Aryan Papers" und "A.I.", den Steven Spielberg nach Kubricks Tod im Jahr 1999 verwirklichte.
    15 min
  • Das Gesetz zur Sommerzeit wird verkündet (25.7.1978)
    Im Jahr 1978 änderte sich der Lauf der Natur: Ein Tag hatte plötzlich nur 23 Stunden, ein anderer dafür 25. Würde auch bald die Sonne um die Erde kreisen oder der Mond herabfallen? Nun ja. Der Einfluss des Gesetzgebers auf die Kräfte der Natur blieb begrenzt... Der Tag wurde auch nicht zur Nacht gemacht, sondern nur ein bisschen. Ein früherer Start in den Tag sollte längere Abende bei Tageslicht ermöglichen – und im Zeichen der Energiekrise so helfen, Strom zu sparen. Der Preis dafür sind zweimal im Jahr Eingriffe in den Biorhythmus der Bevölkerung und in die Uhrwerke aller möglichen Zeitmesser – einmal eine Stunde nach vorn, einmal zurück. Der gewünschte Einspareffekt blieb aus. Aber die Zeitumstellung war gekommen, um zu bleiben, ebenso wie die unendliche Debatte darüber, ob und wie man die Sommerzeit wieder beenden könnte.
    15 min

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