ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Revolutionär Leo Trotzki trifft in Marseille ein (24.7.1933)
    Er organisierte die Oktoberrevolution in Russland, baute die Rote Armee auf und führte sie, gewann den Bürgerkrieg. Doch nach Lenins Tod besetzte Josef Stalin die wichtigsten Machtämter in der Sowjetunion und schaltete seinen Konkurrenten nach und nach aus – auch Leo Trotzki. Trotzki musste 1929 ins Exil. Zunächst ging er in die Türkei. Dann 1933 weiter nach Frankreich, wo er nicht nach Paris durfte, sondern nur nach Südfrankreich. Auch der französischen Regierung wurde der Flüchtling Trotzki langsam unangenehm – wegen des Drucks aus Moskau. Trotzki floh weiter nach Norwegen. Als er in Abwesenheit in den Moskauer Schauprozessen als vermeintlicher Drahtzieher eines Komplotts denunziert wurde, musste er weiterziehen – nach Mexiko. Der brillante Denker polemisierte und argumentierte unablässig gegen Stalin. 1940 gelang es einem eingeschleusten Agenten Stalins, den russischen Revolutionär mit einem Eispickel zu erschlagen. Trotzki, der im Bürgerkrieg jeden Antirevolutionär erbarmungslos verfolgt hatte, wurde selbst Opfer der Revolution und ihres Anführers. Sein Mörder Ramón Mercader wurde nach Verbüßung seiner Haftstrafe in Mexiko 1961 in der Sowjetunion mit einem Goldenen Stern ausgezeichnet – als "Held der Sowjetunion".
    15 min
  • Der Geburtstag von Cat Stevens auch bekannt als Yusuf (21.7.1948)
    "Morning has Broken", "Wild World", "Father and Son": Die Liste der Welthits von Yusuf alias Cat Stevens ist lang. Heute wird er 75 Jahre alt. Am 21. Juli 1948 wird der Musiker als Steven Demetre Georgiou in London geboren, als drittes Kind eines Emigrantenpaares. Seine Mutter ist Schwedin, der Vater stammt aus dem griechischen Teil Zyperns. Die Eltern betreiben ein Restaurant in London Westend, wo Stevens eine katholische Schule besucht. Mit 18 Jahren, 1966, feiert er mit dem Song "I Love My Dog" seinen ersten Hit. Die beiden Nachfolgesingles "Matthew & Son" und "I'm Gonna Get Me a Gun" werden Top-Ten-Hits und machen ihn über Nacht zum Teenie-Idol. Stevens tourt mit Künstlern wie Engelbert Humperdinck, The Walker Brothers und Jimi Hendrix. Doch eine längere Tuberkulose-Erkrankung unterbricht 1968 die Karriere des Sängers. Nach einer Nahtoderfahrung auf Malibu geht er auf Sinnsuche, widmet sich der ostasiatischen Philosophie und studiert den Koran. Ende der Siebzigerjahre dann der radikale Schnitt. Der Brite konvertiert zum Islam und nennt sich fortan Yusuf Islam. Der einstige Weltstar kehrt für viele Jahre dem Musikgeschäft den Rücken und veröffentlicht keine Platten mehr. Im selben Jahr heiratet Yusuf und engagiert sich in Hilfsprojekten unter dem Dach der Vereinten Nationen im Kosovo, im Irak, aber auch in seiner Heimatstadt London. Der fünffache Familienvater gründet islamische Schulen und kämpft gegen den schlechten Ruf an, den der Islam durch den weltweiten Terror erhält. Für sein Engagement gegen den Irak-Krieg und für eine besseres Islamverständnis in der westlichen Welt, wird Yusuf 2003 mit dem "World Social Award" und ein Jahr später mit der "Man of Peace"-Auszeichnung des Nobelpreis-Komitees geehrt. Doch Yusuf Islam gerät auch in die Kritik. Er wird verdächtig, den Mordaufruf gegen Salman Rushdie zu unterstützen, den er nie ganz beiseite räumen kann. Israel und die USA erteilen ihm ein Einreiseverbot, weil er der palästinensischen Hamas Geld spendet. Langsam taucht Yusuf aus seiner selbst gewählten musikalischen Abstinenz auf. 1997 tritt er mit Gitarre erstmals wieder öffentlich auf, spielt bei Benefiz-Festivals mit und bringt neue Platten heraus. Inzwischen ist sein offizieller Künstername Yusuf/Cat Stevens. Sein jüngstes Album "King of a Land" erscheint pünktlich zu seinem 75. Geburtstag. Es scheint Yusuf hat sich mit seiner Vergangenheit als Cat Stevens angefreundet und schaut nun gelassen auf beide seiner Leben zurück. Für seine Fans rund um den Globus hat der Pop-Folk Poet längst den Status eines Unsterblichen erreicht.
    15 min
  • Der Todestag von Bruce Lee, chinesisch-amerikanischer Kampfkünstler und Schauspieler (20.7.1973)
    "Be water, my friend" – "sei Wasser, mein Freund". Denn Wasser verändert die Form, kann sanft oder hart sein, fließen oder zerstören. Bruce Lee ist nicht nur der berühmteste Kampfkünstler aller Zeiten und eine Ikone der Pop-Kultur, sondern auch Begründer einer Kampfkunst-Philosophie. Im Jahr des Drachen wurde Lee Jun-fan 1940 in San Francisco geboren, als Sohn eines bekannten Schauspielers der kantonesischen Oper. "Kleiner Drache" wurde er genannt. Seine Kindheit verbrachte er in Honkong. Mit 12 Jahren begann er, Kampfkünste zu lernen, zuerst Taijiquan, dann wurde er Schüler des legendären Yip Man, von dem er Wing Chun Kung Fu erlernte. Zudem war er ein ausgezeichneter Tänzer, gewann 1958 eine Cha-Cha-Cha Meisterschaft. Da er sich an Straßenkämpfen beteiligte, schickten die Eltern den 18-Jährigen nach San Francisco. Dort arbeitete er als Tanzlehrer, Kellner und Kung Fu-Lehrer, studierte Schauspiel und Philosophie, und erlebte täglichen Rassismus. 1963 eröffnete er eine eigene Schule und entwickelte eine eigene Kampfkunstmethode: das Jeet Kune Do. Ein Fernsehauftritt machte ihn 1964 bekannt. Seine einzigartige Beweglichkeit, Explosivität, aber auch sein gutes Aussehen und seine Präsenz faszinierten das Publikum. Und so wurde er von Hollywood für Fernsehserien engagiert. Mit der Rolle des kampfstarken Chauffeurs "Kato" wurde er populär, zuerst in den USA, dann auch beim asiatischen Publikum. 1971 wurde der Spielfilm "Die Todesfaust des Cheng Li" ein Kassenschlager und Bruce Lee zum Filmstar. Seine Körperbeherrschung, Schnelligkeit und Ausstrahlung waren einzigartig. Bruce Lees Mimik, Gestik und Kampfschreie wurden auf der ganzen Welt in Kampfkunstschulen, auf der Straße und in Jugendzimmern nachgeahmt. Die von ihm choreografierten Kämpfe, seine Kunst mit den Holz-Schlagstöcken Nunchaku gingen in die Filmgeschichte ein. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms starb Lee mit nur 32 Jahren, vermutlich durch eine Hirnschwellung. Der "King of Kung Fu" ging in die Popkultur ein. Bruce Lee inspirierte TV-Serien, Songs wie "Kung Fu Fighting", die Black-Power Bewegung, die Hiphop-Kultur und Regisseure wie Quentin Tarantino. In Hongkong wird er als Widerstandskämpfer verehrt. Vor allem aber entwickelte er eine eigene Philosophie: "Ein wahrer Kampfkünstler lebt nicht für etwas. Er lebt."
    15 min
  • Der Todestag des Fußballtorwarts Bert Trautmann (19.7.2013)
    Ein deutscher Kriegsgefangener wird zur Fußball-Legende, ausgerechnet im Mutterland des Fußballs, beim sportlichen Rivalen in England. Auch, weil dieser Bert Trautmann einmal mit gebrochenem Genick weiterspielt und das Tor von Manchester City hütet...Diese Geschichte musste Bert Trautmann immer und immer wieder erzählen: Die Episode vom Endspiel zwischen Manchester City und Birmingham City. Als er nach einem Zusammenprall trotz eines Genickbruchs und fünf verrenkten Halswirbeln einfach weiterspielte. Dadurch wurde er in England zum Fußballhelden.Der 1923 in Bremen geborene Bernd Trautmann hatte als Fallschirmjäger für die deutsche Luftwaffe gekämpft und war gegen Ende des Krieges von britischen Truppen gefangen genommen worden. Zusammen mit anderen Gefangenen spielte er Fußball und schon bald sprach sich das Talent des jungen Deutschen herum. Sie gaben ihm den Namen "Bert". Nach der Entlassung und seiner Entscheidung in England zu bleiben, erhielt Trautmann erste Angebote von Fußallvereinen und landet später bei Manchester City. Viele Fans waren zunächst empört über den "Nazi" und empfingen ihn im Stadion mit Rufen wie "Off with the German" oder "Traut the Kraut". Doch nach und nach eroberte er sich als "Weltklassetorhüter" den Respekt und die Herzen der Fans. Als Bert Trautmann 15 Jahre später Großbritannien wieder verließ, war er eine Legende. 2007 wählten ihn die Anhänger zum zweitbesten Manchester-City-Spieler aller Zeiten.
    15 min
  • Thomas von Aquin wird heiliggesprochen (18.7.1323)
    Thomas von Aquin war der Kant des Mittelalters: Er hat versucht, Vernunft und Glaube zu kombinieren. Obwohl ihn – 50 Jahre nach seinem Tod – fast niemand aus dem Kirchenvolk kannte, sprach der Papst den klugen Denker heilig. Ein ungewöhnlicher Vorgang.Allenfalls mittelalterliche Gelehrte haben Anfang des 14. Jahrhunderts von Thomas von Aquin gehört. Von irgendwelchen Wundertaten ist keine Rede, einen Märtyrertod kann er nicht vorweisen. Dennoch – ungewöhnlicherweise – spricht der Papst diesen Mann heilig. Am 18. Juli 1323. Der Chef in Rom heißt damals Johannes XXII.. Und der in den Himmel Erhobene ist ein bis heute von seinen Schülern so genannter engelsgleicher Doktor, "doctor angelicus". Seine Ideen leben weiter. Bis heute. Auch weil er schon vor fast 800 Jahren die Frage zu klären versuchte: Lässt sich der Glaube, lassen sich die Lehren der Kirche wissenschaftlich untermauern?
    15 min
  • Die Drachenfelsbahn nimmt den Betrieb auf (17.7.1883)
    Die Strecke ist legendär. Hier lebten Drachen. Hier hausten Ritter. Hier hinterließ ein steinreicher Baron ein Märchenschloss. Auch sie ist eine Legende: Deutschlands erste Zahnradbahn. Sie fährt auf schmaler Spur zwischen Königswinter und dem Drachenfelsplateau. Die Drachenfelsbahn ist ein Publikumsliebling und eine der meist genutzten Zahnradbahnen Europas. Abermillionen Gäste lassen sich seit der Einweihung vor 140 Jahren vom Rheintal auf den Gipfel ziehen und wieder zurück. In blaugrün lackierten Wagons mit goldenem Symbol. Kein Zufall, dass die Farben an eine der ältesten Marken der Welt erinnern, an die Duftmanufaktur 4711. 1913 hatten die Firmeninhaber von Kölnisch Wasser die Bergbahn gekauft. Und die ist nach wie vor eine Attraktion. Ein Technikwunder. An steilen Stellen fahren die Schiene Zähne aus, die sich mit den Zahnrädern am Triebwagen verhaken und die Bahn zur Langsamkeit zwingen. Die Fahrt ist auch eine Reise durch Mythen, Märchen und Weitblick. Vorbei an der Nibelungenhalle, einem verwitterten Kuppelbau aus Art Deco und Klassizismus. Vorbei an der Drachenburg, einem Märchenschloss mit Zinnen, Erkern und einer abenteuerlichen Geschichte. Letzte Station: unweit der mittelalterlichen Burgruine auf dem Gipfel. Ein atemberaubender Blick aufs Rheintal. Und dann zurück zur Drachenfelsbahn. Auch mit 140 Jahren ist der Lack längst nicht ab.
    15 min
  • Die zweite Belagerung Wiens durch das Osmanische Reich (14.7.1683)
    Sie gilt als Wendepunkt der europäischen Geschichte und wurde zum heroischen Abwehrkampf des christlichen Abendlandes gegen islamische Eroberung stilisiert. Doch heute wird die zweite Belagerung Wiens im Jahr 1683 anders bewertet. Ein Ring von 120.000 Mann schließt sich um die Hauptstadt des Habsburger Reiches. Angeführt von Kara Mustafa Pascha, dem mächtigen Großwesir Mehmet des Vierten, streckt das Osmanische Imperium die Hand nach dem sogenannten "Goldenen Apfel" aus. Der österreichische Kaiser ist bereits geflohen und überlässt die Stadt seinem Stadtkommandanten Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg. Dieser soll mit einer Handvoll Verteidigern einem zehnmal stärkeren Angreifer widerstehen. Truppen aus Polen-Litauen und dem Heiligen Römischen Reich schließen sich zusammen, um der Stadt zu Hilfe zu eilen. Es ist ein Rennen gegen die Zeit. Die Zeitgenossen sehen die Belagerung in erster Linie als Eroberungskrieg eines der größten Imperien der damaligen Zeit. Religion spielt hierbei eine untergeordnete Rolle: Auf dem Balkan rebellieren Moslems gegen die osmanische Vorherrschaft, auf Seiten des Osmanischen Heers kämpfen protestantische Ungarn gegen die Herrscher im Kaiserhaus. Mit Frankreich wünscht sich sogar ein katholischer König die Niederlage für das verfeindete Habsburger Herrscherhaus. Vor allem aber scheint der gesamte Feldzug ohne Absprache mit dem osmanischen Sultan auf persönliches Bestreben des machthungrigen Kara Mustafa Pascha geplant worden zu sein. Die Belagerung dauert. Die Mauern Wiens sind von monatelangen unterirdischen Sprengungen durchlöchert und schwanken. Aus berechtigter Angst vor Grausamkeiten der Eroberer lehnt Starhemberg die Kapitulation rundweg ab. Buchstäblich in letzter Sekunde erreicht das Entsatzheer unter Führung des polnischen Königs Johann III. Sobieski die eingeschlossene Stadt. Das osmanische Heer wird vollständig aufgerieben und zerstreut. Ist für die Zeitgenossen die Abwehr der Osmanen in erster Linie ein Teil europäischer Machtpolitik, wird die Schlacht bald danach zur Abwehr der Islamisierung Europas stilisiert. Gleichzeitig fing man in West- und Nordeuropa an, die Niederlage als Beginn eines generellen Niedergangs des Osmanischen Reiches zu betrachten. Heute ist der Blick differenzierter geworden: Das Osmanische Reich durchlief in der Folge eine notwendige strukturelle und ökonomische Transformation. Und ob tatsächlich, wie lange behauptet, ganz Europa flächendeckend islamisch geworden wäre, darf angesichts des eher toleranten Umgangs mit Religionsvielfalt im osmanischen Reich ebenfalls bezweifelt werden. Europa ist heute ethnisch und konfessionell vielfältig, so wie es das Osmanische Reich vor und nach der Niederlage in Wien war. Die Belagerung Wiens bleibt Teil des kollektiven Gedächtnisses, auch wenn sich der Blick auf das Geschehene wandelt.
    15 min
  • Der Prinzenraub von Wiesbaden (13.7.1888)
    Heute würde wahrscheinlich die "Gala" berichten: über ein royalen Rosenkrieg, eine Mutter, die verzweifelt um ihr Kind kämpft, um Intrigen im Hintergrund und einen handfesten politischen Konflikt. Heute vor 135 Jahren fand der "Prinzenraub von Wiesbaden" statt. Am 13. Juni 1888 standen Schutzleute, Geheimpolizisten und zahlreiche Schaulustige vor der Villa Clementine in Wiesbaden. Drinnen befanden sich Königin Natalija von Serbien und ihr elfjähriger Sohn, Kronprinz Aleksandar. Obwohl vertraglich geregelt war, dass das Kind nach der Trennung bei der Mutter aufwachsen sollte, verlangte König Milan nun die Herausgabe des Thronfolgers. Natalija, in Russland geboren und mit dem Adel Europas verwandt, sendete Hilferufe an die regierenden Königshäuser Europas. Doch niemand stand ihr bei. Kaiser Wilhelm II. bat in einem persönlichen Telegramm, sie möge ihren Widerstand aufgeben und den Kronprinzen dem Bevollmächtigten seines Vaters übergeben. Und so lässt Serbiens Kriegsminister Kosta Protic den Aleksandar unter den Augen des Wiesbadener Polizeipräsidenten in den Zug nach Belgrad setzen, begleitet und bewacht von serbischen Offizieren. Der politische Hintergrund für das Vorgehen des serbischen Königs wurde erst später deutlich, als dieser im Februar 1889 überraschend abdankte. Der Sohn wurde König – aber der Vater behielt im Hintergrund weiter die Macht.
    15 min
  • Der Beginn der Wettermessung mittels Thermometer (12.7.1613)
    Giovanni Francesco Sagredo muss ein genussfreudiger und zugleich wissenschaftlich interessierter Mensch gewesen sein. Der Venezianer gilt als der erste, der regelmäßige Temperaturmessungen mit einer Art Thermometer durchgeführt haben soll – und zwar, um seinen Wein zu kühlen. Wie warm oder wie kalt ist es? Lange bleibt dies eine äußerst diffuse Angelegenheit, denn Temperatur empfindet jeder anders. Und ein System, Temperatur quantitativ zu messen, gibt es lange nicht. Bis der Italiener Galileo Galilei um 1600 ein dünnes Glasröhrchen mit einem luftgefüllten Kolben daran in ein Gefäß mit gefärbtem Wasser steckt und beobachtet, dass die Wassersäule im Röhrchen sinkt, wenn die Luft im Kolben erhitzt wird und sich ausdehnt. Dass die Wassersäule aber steigt, sobald die Luft sich wieder abkühlt, zusammenzieht und das Wasser sich deshalb zurück ins Röhrchen drückt. Diese Apparatur schickt er an seinen Freund Giovanni Francesco Sagredo nach Venedig – offenbar mit einer Kiste Wein. Sagredo schreibt: "Das Eintreffen Ihres köstlichen Weines und die derzeit herrschende Hitze veranlassen mich, die Hitze zu messen und den Wein zu kühlen." Als er eine Skala am dünnen Röhrchen anbringt, hat er eine Art Thermometer vor sich – und damit beginnt er als erster systematisch die Lufttemperatur zu messen.
    15 min
  • Der Geburtstag von John Wannamaker, Erfinder der modernen Werbung (11.7.1838)
    Er war einer der ersten, der die Macht von Werbung erkannte und sie auch zu nutzen wusste: John Wanamaker. Geboren am 11. Juli 1838 machte er aus einem kleinen Bekleidungsgeschäft seines Vaters in Philadelphia den größten Kaufhauskonzern der USA. Er starb 1922 mit einem Vermögen von geschätzten 100 Millionen Dollar. John Wanamaker ist ein Vollblut-Geschäftsmann. Aber er ist auch ein großer Musikfreund – und religiös dazu. 1911 lässt er im siebenstöckigen Innenhof seines Kaufhauses in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania die größte bespielbare Orgel der Welt aufstellen - und verwandelt das Haus so buchstäblich in eine Kathedrale des Konsums. Bis heute wird sie an jedem Werktag genutzt. Wannamaker verdient sich schon früh als Laufbursche sein Geld – und wird von seinem Auftraggeber schnell als organisatorisches Naturtalent erkannt. 1861 gründet Wanamaker sein erstes Bekleidungsgeschäft in seinem Heimatort – und macht es in nur acht Jahren zum größten seiner Art in den USA. 1877 verwandelt er ein ehemaliges Eisenbahndepot in das erste Kaufhaus, das in eigene Verkaufsabteilungen gegliedert ist. Seinen Kunden bietet er zudem erstmals nicht verhandelbare Festpreise an – und eine Geld-zurück-Garantie bei Unzufriedenheit. Dabei will Wanamaker den Erfolg seines Geschäfts nicht der Mund-zu-Mund-Propaganda überlassen. Erstmals in der Geschichte publiziert er ganzseitige Anzeigen in Zeitungen und engagiert mit John Powers einen eigenen Werbetexter. Dank solcher Maßnahmen kann er bis nach London und Paris expandieren. Seinen eigenen Einsatz sieht er nicht ohne Augenzwinkern. "Die Hälfte des Geldes, das ich für Werbung ausgebe, ist verschwendet", lautet sein berühmtestes Bonmot. "Leider weiß ich nicht, um welche Hälfte es sich dabei handelt." So sehr Wanamaker der heutigen Werbeindustrie den Weg ebnet: Mit ihren Marketingstrategien wäre er wohl kaum einverstanden gewesen. Von Übertreibungen und unmoralischen Angeboten will der fromme Geschäftsmann nichts wissen. "Ehrlichkeit in Wort und Schrift" lautet sein Motto. Überhaupt investiert Wanamaker viel Geld in Kirchen und soziale Einrichtungen. Seinen Angestellten bietet er eine Renten- und Krankenversicherung an.Nicht immer aber bleibt er dabei gänzlich auf dem Boden der Redlichkeit. 1889 nutzt er seine Freundschaft zum republikanischen US-Präsidenten Benjamin Harrison aus, um Postminister zu werden. Sein Ministerium verknüpft er mit den Interessen seines Kaufhausreichs. In den vier Jahren seiner Amtszeit werden zudem rund 30.000 Postangestellte entlassen und durch parteitreue Nachfolger ersetzt.
    15 min

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