ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Die Entführung von John Paul Getty III. (10.7.1973)
    Sein Großvater ist der reichste Mann der Welt – weshalb die italienische Mafia vermutet, mit der Entführung des 16-jährigen John Paul Getty Millionen Dollar erpressen zu können. Doch Getty senior – bekannt als gefühlskalt und geizig – lässt die Entführer abblitzen...Es ist nachts um 3 Uhr auf der Piazza Farnese in Rom. John Paul Getty III. ist auf dem Nachhauseweg nach einer durchfeierten Nacht im Club "Tree Tops", als er in einen Transporter gezerrt wird. Er lebt mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern in der italienischen Metropole, seit sich die Eltern in den 1960er Jahren getrennt haben. Der "Goldene Hippie", wie die Boulevardpresse den zu der Zeit 16-Jährigen nennt, ist einer von 14 Enkeln des damals reichsten Mannes der Welt: John Paul Getty, amerikanischer Öltycoon, Kunstmäzen, als emotionskalt und geizig bis ins Mark bekannt.17 Millionen Dollar fordern die Entführer, Mitglieder der 'Ndrangheta, der kalabrischen Mafia. Doch Getty senior will nicht zahlen, auch als die Mutter des entführten Jugendlichen darum bittet, seine Schwiegertochter Gail Harris. Er würde sonst bald 14 entführte Enkelkinder haben, so sein Argument. Der Fall ist insofern pikant, als dass der entführte Paul – einst Lieblingsenkel des Milliardärs – alles andere als ein Musterknabe war. Sich der linken Szene angeschlossen hatte, von sieben Schulen geflogen, ähnlich seinem Vater in Alkohol- und Drogenexzesse abgeglitten, wegen Randalen auf einer Demo inhaftiert worden war und mit Kumpeln eine selbstinszenierte Entführung anvisiert haben soll, um vom Großvater einige Millionen zu erzwingen. Wochenläng nährt daher auch Getty senior das Gerücht, Paul selber stecke hinter der Entführung. Er spielt auf Zeit, inszeniert PR-Kampagnen, entsendet einen eigenen Ermittler, ignoriert Forderungen der Kidnapper und Bitten von Gail Harris. Bis die Entführer ein abgeschnittenes Ohr und eine Locke an eine Tageszeitung senden, gefolgt von einem Brief mit einem Foto von Paul, blauäugig, rotgelockt mit Sommersprossen, hier völlig abgemagert, durch das fehlende Ohr entstellt. Getty handelt die Entführer auf 2,8 Millionen Dollar runter. Verpackt in drei Säcken werden die Geldbündel auf der Autobahn bei Lagonero nahe Rom hinterlegt. Die Entführung endet am 15. Dezember 1973.Ein LKW-Fahrer soll den jungen Mann dann aufgegriffen haben. Blutverschmiert, zitternd, verwahrlost, die Kopfwunde nur notdürftig verbunden. Ausgesetzt im einsamen Gebirge der Region Basilikata, im Süden Italiens. Mehr als 5 Monate hatte John Paul Getty III. in Wellblechhütten und Höhlen in den Bergen von Kalabrien verbracht, berichtet er später. Das Familien-Drama für John Paul Getty III. war damit aber noch nicht zu Ende.
    15 min
  • Der Geburtstag des Ingenieurs und Rationalisierungsforschers Frank B. Gilbreth (7.7.1868)
    "The one best way" - die eine bestmögliche Weise, etwas zu tun - Frank Gilbreth war überzeugt: Es gibt sie! Dank effektiver Bewegungsabläufe. Gilbreth hat die Rationalisierung in die Arbeitswelt gebracht – und auf manchmal kuriose Art auch in sein Privatleben... Die erste Erleuchtung im Hinblick auf rationalisierte Arbeit ereilt Frank Gilbreth auf dem Bau. Wenn man eine Mauer mit Ziegelsteinen errichtet, dann kann man es sich entweder unnötig schwer machen – sich nach jedem Stein aufs Neue bücken, den Mörtel an unpraktischer Stelle stehen haben, was auch immer – oder man kann die Tätigkeit in so wenige und so zielgenaue Bewegungen wie möglich aufsplitten. Gilbreth tut das, wird erfolgreicher Bauunternehmer – und macht schließlich die Rationalisierung von Arbeitsabläufen zu seinem Lebensthema. Bald ist es auch das seiner Frau, der Ingenieurin Lillian Gilbreth, mit der er zwölf Kinder bekommen wird. Und weil man schließlich auch das Privatleben rationalisieren kann, lassen die Eltern ihre Kinder immer mal wieder unterschiedlichste Arbeitsabläufe durchspielen, zu Forschungszwecken. Der muntere Familienfilm "Im Dutzend billiger" wird diesem Haus voller Versuchskaninchen ein Denkmal setzen. Aber geht es dabei letztlich nicht nur um kalten Profit? Die Gilbreths meinten: nein. Anders als Frederick Taylor, der Arbeitsabläufe unerbittlich mit der Stoppuhr analysierte, argumentierten sie stets, dass auch die Arbeiter von ihren Analysen profitierten: So würden effiziente Abläufe etwa für weniger Ermüdung und körperlichen Verschleiß sorgen. Frank Gilbreth selbst jedoch scheint sein turbulentes Arbeitsleben nicht uneingeschränkt gutgetan zu haben. Er starb ziemlich jung, mit 55 – an einem Herzinfarkt.
    15 min
  • Der Geburtstag von Helene Wessel, eine der vier Mütter des Grundgesetzes (6.7.1898)
    Helene Wessel gehört zu der Generation von Frauen, die außerordentlich viele Umbrüche hautnah erlebt hat: Zwei Weltkriege, die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und das Fußfassen von Frauen in der Politik. Denn politisch engagierte und erfolgreiche Frauen waren in den 50er Jahren eher ungewöhnlich. Die durchaus streitbare Politikerin war das jüngste von vier Kindern des Bahnbeamten Heinrich Wessel und seiner Frau Helene. Ihr katholisches Elternhaus hat sie geprägt. Sie engagierte sich bereits als junges Mädchen in der Zentrums-Partei und war von 1949 bis 1952 die Vorsitzende des Zentrums und damit die erste weibliche Parteivorsitzende überhaupt. Helene Wessel wurde in den Parlamentarischen Rat gewählt und war eine der vier Mütter des Grundgesetzes. Sie trat in die SPD ein und war eine vehemente Gegnerin der Wiederbewaffnung und engagierte sich im Kampf gegen Atomwaffen.
    15 min
  • Die Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (5.7.1963)
    Wer die Sprache des anderen spricht, führt keinen Krieg. Und bezeichnet die anderen nicht mehr als "Erbfeind" – auch wenn es Jahrhunderte so üblich war. Auf diese Hoffnung setzen Staatspräsident de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer: Sie wollen die jungen Menschen Frankreichs und Deutschlands zusammenbringen. Wie nach zwei verheerenden Weltkriegen und der deutschen Besetzung Frankreichs von 1940 bis 44 die Nachbarn versöhnen? Die führenden Politiker beider Länder setzten auf die unschuldige Jugend: auf die Intensivierung ihrer Kontakte. Der im Januar 1963 ratifizierte Elysée-Vertrag war die Basis für die zukünftige deutsch-französische Zusammenarbeit. Ein halbes Jahr später folgte das Abkommen zur Gründung des "Deutsch-Französischen Jugendwerks". Es sollte den Austausch und die Annäherung fördern. Die Verwaltung des deutsch-französischen Jugendwerks ist strikt binational. Vom Kuratorium bis zur GeneralsekretärIn werden alle Ämter abwechselnd von Deutschen und Franzosen besetzt. Rund 10 Millionen jungen Menschen wurde so seit 1963 die Teilnahme an Austausch-Programmen ermöglicht. Die Regelmäßigkeit der Kontakte ist beiden Staaten heute 30 Millionen Euro pro Jahr wert.
    15 min
  • Papst Clemens VI. schützt die Juden (4.7.1348)
    Eine erstaunliche, weil seltene Botschaft aus der Kirchenführung: Mitten in der grassierenden Pest 1348 veröffentlicht der Papst ein Schreiben, das Juden in Schutz nimmt: Sie könnten nicht Schuld sein an der grassierenden Krankheit. Die päpstliche Bulle wird weitgehend ignoriert, also schickt er eine zweite, schärfere Botschaft hinterher... Die Pest sei eine Krankheit wie andere auch, verfügt Papst Clemens VI. – Menschen jüdischen Glaubens dürften daher nicht unter dem Vorwand verfolgt werden, sie verursachten den Schwarzen Tod. Der Papst verbot in einer Bulle – wie päpstliche Rundschreiben im Mittelalter hießen – jüdische Menschen aus diesem Grund zu verfolgen. Einige Monate später legte er noch nach und rief Priester auf, Christen, die Juden trotz dieses Verbotes quälen, aus der Kirche zu werfen, zu exkommunizieren. Dass Clemens VI. als Papst eher Lebemann als ein Mann des Glaubens war, dass er sich und die Seinen korrupt bereicherte, ist deshalb nur ein Teil seiner Biografie. Seine vernunftgeleitete Judenfreundlichkeit und das entschiedene Eintreten gegen Pogrome ist – leider – in der Kirchengeschichte und der Geschichte der Päpste eine seltene Ausnahme geblieben.
    15 min
  • Die Schlacht von Gettysburg (3.7.1863)
    Obstplantagen, sanftes Hügelland – und 45.000 Tote, Verwundete, Vermisste: Der kleine Ort Gettysburg steht für die blutigste Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs. Hier entschied sich der Kampf zwischen Truppen der Konföderierten gegen Regimenter der Nordstaaten, heute vor 160 Jahren. Zwei Jahre sind vergangen, seit die ersten Schüsse fielen und der Sezessionskrieg begann, the war between the states. An der Sklaverei hatte sich der Bürgerkrieg entzündet. Im Süden gilt die Sklaverei, euphemistisch als "peculiar institution" (besondere Einrichtung) bezeichnet, als eine Ordnung von Gottes Gnaden. Im Norden hingegen ist Sklaverei eine Sünde. Elf Südstaaten gründen eine Konföderation und geben sich eine Verfassung, in der die Sklaverei fest verankert wird. Abraham Lincoln, der 16. Präsident der USA, will die Union retten, wie er es sagt: um alle Sklaven zu befreien. Im Sommer 1863 bereiten sich die Soldaten auf die nächste der unzähligen Schlachten vor, im äußersten Süden Pennsylvanias. Am Morgen des 1. Juli wird das Feuer eröffnet. Ihr Handwerk hatten die gegnerischen Kommandeure in derselben Militärakademie in West Point gelernt. Jetzt führen sie tausende Soldaten in eines der furchtbarsten Gemetzel auf nordamerikanischem Boden. Drei Tage später sind zehntausende Männer tot, verwundet, vermisst. Die Korps der Nordstaaten gelten als die Sieger. Gettysburg steht für die Wende im Bürgerkrieg, der zwei Jahre später endet, mit der Kapitulation der Konföderierten.
    15 min
  • Der Geburtstag von Herta Heuwer, Erfinderin der Currywurst (30.6.1913)
    Currywurst ist Kult! Angeblich werden in Deutschland pro Jahr rund 800 Millionen Stück verdrückt. Herbert Grönemeyer hat der Currywurst ein Lied gewidmet. Aber erfunden hat die Currywurst - angeblich - eine Frau aus Berlin-Charlottenburg. "Ich habe das Patent und damit basta!" Gesagt hat das Herta Heuwer. Sie gilt als Erfinderin der Currywurst. 1913 in Königsberg geboren, zieht Heuwer mit ihren Eltern nach Berlin. Dort arbeitet sie Ende der dreißiger Jahre als Verkäuferin im KaDeWe. Nach dem Krieg eröffnet sie 1949 eine Imbissbude. Eines Tages mixt Heuwer nach eigener Aussage aus Langeweile eine Soße aus Tomatenmark und indischen Gewürzen. Die Soße wird zusammen mit einer kross angebratenen Brühwurst zum Verkaufsschlager. Herta Heuwer lässt sich ihre spezielle Mixtur Jahre später unter dem Namen "Chillup" patentieren. Bis 1979 verkauft Heuwer ihre Currywurst, dann schließt sie das Geschäft. Sie stirbt 1999 und nimmt das Rezept mit ins Grab. An der Stelle, wo damals ihr Imbiss war, hängt heute eine Gedenktafel. Und ihr zu Ehren wurde sogar eine Gedenkmünze herausgegeben. Darauf zu sehen: Herta Heuwer, zwei Currywürste und das Brandenburger Tor. Dass auch Hamburg und das Ruhrgebiet behaupten, die Heimat der Currywurst zu sein, ist für Berlinerinnen und Berliner Quatsch mit Soße.
    14 min
  • Ein Brand zerstört das Globe Theatre in London (29.6.1613)
    Theater im 17. Jahrhundert ist deftig, bunt - und braucht echten Kanonendonner. Als bei einer Aufführung eines Shakespeare-Stücks Funken sprühen, geht das schon damals berühmte Globe Theatre in Flammen auf. Das Globe Theater wurde 1599 im Londoner Stadtteil Bankside erbaut. Am rechten Themse-Ufer, mitten im verruchten Vergnügungszentrum. In Auftrag gegeben wurde es von der Schauspieltruppe "The Lord Chamberlain's Men", zu der auch der Dramatiker und Schauspieler William Shakespeare gehörte. Shakespeare schrieb eine Fülle von Stücken für seine Theatertruppe, die zu den erfolgreichsten in der elisabethanischen Zeit zählte. Bis zu 3000 Menschen konnte das das runde Globe Theater aufnehmen. Etwa 1000 fanden Platz auf den billigen Stehplätzen im Innenraum gleich vor der Bühne unter offenem Himmel. Die teureren Plätze gab es in den drei überdachten Galerien im Rund des Theaters. Zu Shakespeares Zeit hatte die Bühne keine aufwändigen Kulissen, dafür gab es prächtige Kostüme, viel Musik und eine Menge Effekte, Rauch und Kanonendonner. Eine dieser Kanonen wurde dem Theater zum Verhängnis. Bei einer Aufführung von Shakespeares "Heinrich VIII" fielen Funken eines Kanonschusses auf das Strohdach des Theaters. Der Brand zerstörte das Globe Theater. Verletzt wurde niemand. Schon im Jahr darauf war es wieder aufgebaut. Dieses Mal mit Ziegeldach.
    15 min
  • Der Todestag von Gerhard von Scharnhorst, preußischer General und Militärreformer (28.6.1813)
    Es war Preußens vielleicht größte Niederlage – in der ein weitsichtiger General die Chance für Reformen erkannte. Als Napoleon Preußen 1806 geschlagen hatte, machte sich General von Scharnhorst daran, eine moderne Armee zu schaffen. Die Idee vom "Staatsbürger in Uniform inklusive"... Nach der verlorenen Doppelschlacht gegen Napoleons Truppen bei Jena und Auerstedt war es 1806 aus mit Preußens Glanz und Gloria. Damals erkannten Reformer um General Gerhard von Scharnhorst aber auch die Chance für einen Neubeginn. Unter dem Motto "Jeder Bürger eines Staates ist der geborene Verteidiger desselben", schaffte er unter anderem die Prügelstrafe in der Armee ab und führte die allgemeine Wehrpflicht ein. Scharnhorsts Heeresreformen trugen maßgeblich dazu bei, die französische Fremdherrschaft zu brechen. Er starb am 28. Juni 1813 nach einer Verwundung in der ersten Schlacht der Befreiungskriege. Seine Reformen aber und die Idee vom Staatsbürger in Uniform gehören auch zu den Prinzipien der Bundeswehr. Nachdem die Wehrpflicht in Deutschland 2011 ausgesetzt wurde, steht heute ihre Wiedereinführung zur Debatte.
    15 min
  • Der Skandal von Bad Kleinen um die missglückte Festnahme von RAF-Terroristen (27.6.1993)
    War es eine Hinrichtung? Hat der Staat, hat die Bundesrepublik Deutschland gezielt einen Menschen töten lassen? Jahrelang halten sich Gerüchte, erheben Kritiker Vorwürfe. Fest steht bis heute nur: Am 27. Juni 1993 sterben bei einem Anti-Terroreinsatz zwei Menschen auf dem Bahnhof von Bad Kleinen. Einer der beiden ist Michael Newrzella, ein Beamter der Spezialeinheit GSG9. Der andere ist ein mutmaßlicher Terrorist der Rote Armee Fraktion (RAF), Wolfgang Grams. Er stirbt damals durch einen Nahschuss in die Schläfe – und eben diese Art des Todes hat Fragen aufgeworfen, die bis heute nicht restlos aufgeklärt sind. Unumstritten nach 30 Jahren: Der Einsatz damals war stümperhaft geplant und von peinlichen Pannen überschattet. Später mussten zehn Spitzenbeamte und der Bundesinnenminister von ihren Ämtern zurücktreten.
    15 min

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