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In der neuesten Folge von Augen zu, dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE begeben sich Florian Illies und Giovanni di Lorenzo zurück in die Hochrenaissance – und zurück zu Raffael, jenem Maler, der für Jahrhunderte als der größte Künstler überhaupt galt. Sie fragen: Was macht sein Genie aus – und was haben seine Bilder uns heute noch zu sagen?
1483 wurde Raffael in Urbino geboren, einem der glanzvollsten Musenhöfe der Renaissance, 1520 starb er in Rom, sein Schaffen umfasst also nur zwei Jahrzehnte – aber in jenen 20 Jahren schuf er Bilder für die Ewigkeit. Der Nachruhm Raffaels überstieg lange jenen von Leonardo und Michelangelo, den beiden anderen Genies der italienischen Renaissance, die uns im 21. Jahrhundert nun plötzlich als "moderner" erscheinen. Aber stimmt das?
Raffaels Weg führte ihn von Urbino über Florenz nach Rom – dort am Hofe des Papstes Julius II. stieg Raffael zum wichtigsten Künstler seiner Zeit auf. Vor allem seine Madonnenbildnisse sorgten für Furore, er schenkt Maria nicht nur eine ungeahnte Weiblichkeit, sondern definierte auch das Mutterschaftsverhältnis zum Sohn, zu Jesus, neu. Immer wieder gelangen ihm dabei neue Bilderfindungen – so auch in der Sixtinischen Madonna, seinem wohl berühmtesten Bild. Hier blickt das Jesuskind mit altersweisen Augen aus dem Bild – und zwar auf das Kreuz, das einst gegenüber hing und das seinen Lebens- und Leidensweg also bereits vorzeichnete. Unter diesem schwermütigen Blick aber tummeln sich die beiden lustigen kleinen Putti am Bildrand, die durch millionenfaches Merchandising wohl bekanntesten Schöpfungen Raffaels, die seit dem 18. Jahrhundert in den Dresdner Museen heimisch geworden sind.
Florian Illies und Giovanni di Lorenzo erzählen die Geschichte Raffaels, berichten von seinen großartigsten Schöpfungen und sind sich uneins darüber, wie sehr seine Malerei auch uns Heutige noch berührt. Denn darum geht es in jeder Folge von Augen zu – um die Frage, was große Kunst ausmacht, was sie für die Zeitgenossen bedeutete und wie es uns in unserer Gegenwart gelingen kann, wieder in ihren Bann zu geraten.
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Er ist ein Mythos, eine Ikone der deutschen Kunst – aber wer war Albrecht Dürer eigentlich wirklich? Warum ist dieses Genie der deutschen Renaissance auch nach 500 Jahren noch von einer solchen Modernität?
In Augen zu, dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE, zeichnen Florian Illies und Giovanni di Lorenzo den Lebensweg dieses außergewöhnlichen Künstlers und Menschen nach: Sie erzählen von seinen beiden zentralen Reisen, vor allem von der des Jahres 1505, die ihn nach Venedig führt, wo er seinerzeit so verehrt wird, dass der große Raffael aus Rom mit ihm Bilder tauscht und seine Grafiken bald an den Wänden der Ateliers aller relevanten italienischen Künstler hängen.
Seine bis heute berühmtesten Werke sind seine zeichnerischen und aquarellierten Darstellungen eines Feldhasen, eines Stücks Wiese und der betenden Hände. Wer sie sich einmal im Detail anschaut, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dürer gelingt es, zugleich mit einem Teleobjektiv und mit einem Weitwinkel auf die Wirklichkeit vor ihm zu schauen.
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Was genau ist eigentlich der Impressionismus und warum gilt Claude Monet als dessen wichtigster Vertreter? Ist seine Kunst eigentlich harmlos oder radikal? Oder wie gelang es ihm, gleich zwei Revolutionen in die Malerei einzuführen? Das sind die Fragen im neuesten Podcast Augen zu.
Es gibt Maler, die sind so berühmt, dass am Ende niemand mehr genau weiß, warum. Claude Monet ist ein solcher Fall, 1840 geboren und erst 1926 im biblischen Alter von 86 Jahren gestorben. Man verbindet ihn mit Mohnblumenfeldern, mit flackerndem Malstil, mit riesigen Seerosenbildern – überall finden sich inzwischen seine Motive, auf Postern, auf Taschen und auf Kühlschrankmagneten. Monet ist zum Inbegriff des Impressionismus geworden – aber warum? Davon erzählen Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in der neuesten Folge von Augen zu, dem Podcast von ZEIT und ZEIT ONLINE.
Schon als Schüler machte Monet durch seine hinreißenden Karikaturen auf sich aufmerksam, dann nahm ihn Eugène Boudin unter seine Fittiche, der große Maler des Meeres der Normandie, und bei ihm lernte er den Blick in den Himmel, er malte die Luft und er malte die Wolken. Dann ging Monet nach Paris, wo jener Mann, dessen Name manchmal mit seinem verwechselt wird, gerade für Furore sorgte: Manet. Und während Eduard Manet mit seinen Figurenbildern, dem Frühstück im Freien und seinem riesigen provozierenden Akt der Olympia für Aufruhr sorgte, wollte Monet das Gleiche mit seinen Landschaften erreichen, er setzte sich mit allen Sinnen dem Licht und der Natur aus. Manet wie Monet wurden vom offiziellen Salon ausgeschlossen und so zeigten sie 1874 in der ersten Impressionistenausstellung ihre malerischen Revolutionen. In der Ausstellung hing Monets hingeblinzelte Ansicht des Hafens von Le Havre im morgendlichen Dämmerlicht, die er Le Havre, Impression, Sonnenaufgang nannte. Und so gab sein Bildtitel einer ganzen Kunstbewegung den Namen. Worum ging es den "Impressionisten"? Sie glaubten nicht mehr daran, dass es eine Abbildung der Wirklichkeit gibt, die gültig ist, sondern hatten in der Natur erkannt, dass das Licht jeden Gegenstand verändert, dass er zu verschiedenen Tageszeiten ganz unterschiedliche Farben und Ausdrucksformen annehmen konnte. Es gibt keine Wahrheit mehr, es gibt nur noch Versionen - das ist Monets erste bahnbrechende Neuerung, darum malt er einen Heuschober zu den verschiedenen Tageszeiten und dann die Kathedrale von Rouen, er suchte, zeitgleich mit Marcel Proust, nach einer künstlerischen Form, die verstreichende Zeit zu malen. Diese Serienbilder Monets sind die wahren Vorboten von Andy Warhols legendäre Pop-Art-Serien von Marilyn Monroe.
Aber Monet hat uns nicht nur ein leuchtendes Werk hinterlassen, sondern auch das strahlendste Atelier, das die Kunstgeschichte kennt – seinen Garten in Giverny an der Seine nördlich von Paris. Hierhin war er 1883 gezogen und hier entwarf er in 40 Jahren einen weitläufigen Garten nach seinem Bilde, legte Kanäle an, pflanzte, baute Brücken und malte und malte. Die Blumen wurden zur Anregung für seine Palette und seine Bilder dann wieder zur Anregung für neue Pflanzungen. Wenn er in den 1920er-Jahren von seinem "Lebenswerk" sprach, dann meinte Monet damit sowohl seine Bilder als auch seinen Garten. Er vertiefte sich so meditativ in seine Pflanzungen wie in seine Malerei und erschuf eine moderne Vision eines Paradieses im Diesseits.
Der junge Monet raste rastlos dem Licht und dem Zufall hinterher, der Monet der mittleren Jahre versuchte, den flüchtigen Erscheinungen der Natur in seiner Malerei Dauer zu verleihen. Der späte Monet aber lässt die Natur und die Kunst zu einem vegetativen Kontinuum verschmelzen. In den aus Japan importierten Seerosen, für die er große Teiche anlegte, entdeckte Monet dann, als um ihn herum längst der Expressionismus und die Moderne tobte, sein wichtigstes Motiv, das er obsessiv in Malerei umsetzte, in riesigen Formaten. Die auf dem Wasser schwimmenden Seerosen verewigte er in lilagrünen Farbwelten, die in ihrer All-over-Struktur nichts weniger vorwegnehmen als die Großformate der amerikanischen Abstraktion nach 1945. Auf den meterlangen Farbseen Monets haben dann Jackson Pollock, Mark Rothko und Joan Mitchell ihre Boote in die Zukunft gesetzt.
Monets Ruhm also beruht darauf, dass wir ihm mit seinen Serien und mit seinen Seerosenbildern, in denen sich das Auge verliert, zwei zentrale Revolutionen des Sehens im 19. und 20. Jahrhunderts verdanken.
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In der neuesten Ausgabe des Podcasts "Augen zu" diskutieren Florian Illies und Giovanni di Lorenzo auf gewohnt kontroverse und leidenschaftliche Weise über die Rolle Frida Kahlos in der Kunst des 20. Jahrhunderts. In allen Umfragen wird Kahlo zur berühmtesten Künstlerin der Welt gewählt – und vor allem für junge Frauen ist ihre Lebens- und Leidensgeschichte ein Vorbild an weiblichem self empowerment.
Diese Frau ließ sich einfach nicht unterkriegen, nicht von ihrem tragischen Verkehrsunfall mit 18 Jahren, der sie zu Monaten im Bett, 32 Operationen und einem lebenslangen Schmerz im Rücken und Becken verdammte. Nicht von der patriarchalischen Gesellschaft, nicht von den snobistischen Surrealisten und nicht von ihrem Ehemann, dem Maler Diego Rivera. Frida Kahlo malte sich ihren Schmerz von der Seele – und zwar ganz buchstäblich: Fast ein Drittel ihres Gesamtwerkes machen Selbstportraits aus, in denen sie stolz ihr markantes, wunderschönes Gesicht und ihre mexikanischen Gewänder zelebrierte. Aber zugleich ist auch das Leiden allgegenwärtig in diesen Bildern, der Schmerz, der wie Feuer brennt, das blutende Herz, die Stange, die sich mit 18 Jahren durch ihr Leben gebohrt hatte, der Mann, Diego, der ihr wie ein drittes Auge auf der Stirn thront. Eine Frau malt um ihr Leben. Kann man Kahlo, die so gelitten hat, vorwerfen, wenn sie sich in ihrer Kunst zur Märtyrerin stilisiert?
Kahlos stolzer Feminismus und ihr selbstbewusstes Changieren zwischen den Geschlechtern machen sie zu einem der größten Idole unserer Gegenwart. Sie hatte unzählige Affären mit Männern wie mit Frauen, mit Leo Trotzki ebenso wie mit Josephine Baker, und mit ihrem Oberlippenflaum erinnerte sie nicht nur an den mexikanischen Revolutionsführer sondern auch an die Kraft der fluiden Geschlechtlichkeit. Im Podcast "Augen zu" von ZEIT und ZEIT ONLINE treten immer Experten auf, die mit Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in Dialog treten – bei Frida Kahlo ist es Lisa Zeitz, Chefredakteurin der "Weltkunst", die erklärt, warum Kahlos malerische Selbsterfahrungstrips vor allem für junge Frauen eine so große Anziehungskraft besitzen. Es scheint paradoxerweise so, als würde gerade das Strenge und Starre ihrer Selbstportraits besondere Empathie auslösen. Kahlo gilt als die erste Frau, die die Malerei in ein Medium des intimen Geständnisses verwandelt hat, das war bei Paula Modersohn-Becker doch noch viel gedämpfter, bei Meret Oppenheim viel verrätselter, bei Lotte Laserstein viel dezenter.
Angesichts der großen Symbolik ihrer Figur als einzigartigem Role Model und den Zentnern von Pathos, die auf ihrem Werk liegen, gerät die Frage nach der Qualität der Malerei von Frida Kahlo immer wieder in den Hintergrund. Und doch versucht "Augen zu" darüber zu diskutieren: Also worin denn eigentlich der spezifische Wert ihrer Kunst gelegen haben könnte – und ob sie wohl in 100 Jahren immer noch zu den wichtigsten Künstlerinnen der Kunstgeschichte gezählt werden wird. Kahlos Kunst wurde lange Zeit immer auf ihre Naivität reduziert, mit der sie die Volkskunst und die religiöse Votivmalerei in den Dreißiger- und Vierzigerjahren in die Malerei ihrer Zeit überführte. Ortrud Westheider jedoch, Direktorin des Museum Barberini in Potsdam und zuvor Kuratorin einer großen Kahlo-Ausstellung im Bucerius-Forum, weist als zweite Expertin im Podcast auf eine zusätzliche, oft übersehene Quelle hin: Kahlo war im New York der Dreißigerjahre in Kontakt mit allen wichtigen europäischen Kunstströmungen, die in den zeitgenössischen Ausstellungen zu sehen waren, und sie bezog zentrale Anregungen etwa von der Neuen Sachlichkeit aus Deutschland oder Giorgio de Chirico aus Italien.
Und was hat sie daraus gemacht? Also aus all dem, was sie gesehen, und all dem, was sie erlitten hat? Malerei, die uns heute so wenig in Ruhe lässt und herausfordert wie ihre Zeitgenossen vor fast hundert Jahren.
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Erst entzückte er das Wien um 1900 und seitdem die ganze Welt: Gustav Klimt. In der neuesten Folge des Podcasts Augen zu dreht sich alles um diesen Ausnahmekünstler des europäischen Jugendstils, der mit dem Kuss ein Jahrhundertbild geschaffen hat und der doch oft haarscharf an der Grenze von Kunst und Kitsch entlangsegelt.
Gustav Klimt ist einer der zehn beliebtesten Künstler überhaupt – seine ornamental verschlungenen Frauengestalten auf Goldgrund hängen als Poster in Millionen Jugendzimmern und prangen auf Millionen Teetassen. Unter diesem Nachruhm und den Souvenirs in seinem Namen gerät oft die Frage in den Hintergrund, was Klimts Kunst eigentlich auszeichnet – und ob er eventuell dennoch ein großer Künstler ist, obwohl er so oft verkitscht wird. Dieser Frage widmen sich Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in der neuesten Folge des Podcasts Augen zu, dem monatlichen Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE.
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Die erste Frau, die ihn liebte, war seine Mutter: Sie nahm den jungen Amedeo Modigliani schon mit 14 Jahren von der Schule im italienischen Livorno, weil sie merkte, dass er eigentlich nur malen wollte. So studierte er erst auf italienischen Akademien und zog dann weiter nach Paris, von der Mutter mit kleinen monatlichen Schecks versorgt.
Denn Bilder verkaufte er quasi keine, er schlug sich durch, nahm jede Art von Drogen und hatte unzählige Affären, erst in Montmartre, dann in Montparnasse. Ludwig Meidner, der deutsche Maler der Apokalypse, nannte ihn schon 1913 "den letzten Bohemien". Aber da fing er eigentlich erst an: Zuerst malte er eine Portraitserie, mit der er die wichtigsten Künstler aus dem Paris der Moderne verewigte. Und dann, 1916, als alle anderen Männer in den Ersten Weltkrieg gezogen waren, der ihm, dem lebenslang an schweren Lungenkrankheiten Leidenden, erspart blieb, malte er seine Serie von etwa 30 großformatigen Akten. Ihnen verdankte er bei seinen Zeitgenossen den Ruf als Skandalkünstler – und bis heute seinen Ruhm. Warum gerade zwei dieser Aktgemälde, die für 150 und 170 Millionen Dollar verkauft wurden, ihn zu dem nach Picasso und Leonardo teuersten Künstler der Kunstgeschichte machen, das erklärt in "Augen zu", dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT Online, Dirk Boll, der Präsident von Christie's in London.
Alle vier Wochen vertiefen sich in "Augen zu" Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in das Leben und das Werk eines besonderen Künstlers oder einer Künstlerin. Bei Amedeo Modigliani gehen sie der Frage nach, warum er allen seinen Figuren jene blinden, fast toten Augen malte, die in irritierendem Kontrast stehen zu den sinnlichen Körpern. Er ist damit natürlich so etwas wie der Hausgott eines Podcasts, der den Namen "Augen zu" trägt.
Es geht in dieser neuen Folge des Podcasts auch um die Frage, warum über all der Verführungskraft seiner Akte immer eine Schwermut liegt, eine Art Trauer über den vergangenen Rausch. Und es wird die Frage gestellt, wie das Werk Modiglianis, der bereits 1920 als 36-jähriger an Tuberkulose starb, kunsthistorisch einzuordnen. Es ist ihm auf einzigartige Weise gelungen, sowohl in der Skulptur als auch in der Malerei alle dargestellten Menschen in Geschöpfe seines eigenen künstlerischen Kosmos zu verwandeln: überlange, verdrehte Gliedmaßen, archaische Gesichtszüge, mandelförmige Augen. Und doch bleibt jeder Portraitierte auf faszinierende Weise er selbst. Diese schwebende Ambivalenz ist wohl Modiglianis größte künstlerische Leistung. Oder ist diese Unfähigkeit zur Abwechslung auch seine größte Schwäche? Florian Illies und Giovanni di Lorenzo sind sich da nicht ganz einig.
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Vermeer hat sein ganzes Leben in Delft verbracht, ist dort 1632 geboren worden und 1675 gestorben – und er hat zeitlebens nur fünfzig Bilder gemalt, von denen 35 erhalten geblieben sind. Aber diese 35 Werke entfalten seit Jahrhunderten eine einzigartige Magie: Immer wieder zeigt er Menschen in geschlossenen Räumen, die konzentriert und versonnen ihren Gedanken nachhängen, egal ob sie einen Brief lesen, ihre Perlenkette betrachten oder auf einen Globus schauen. Und es ist genau dieser innere Zwischenzustand des Tagtraums, in den Vermeer seine Figuren versetzt, der zeitlos erscheint und in den wir problemlos einsteigen können, um mit ihnen weiter zu träumen. Vom Innehalten heißt die großartige Ausstellung, die gerade in den Staatlichen Museen in Dresden gezeigt wird – und deren größte Entdeckung auch im Podcast intensiv diskutiert wird: Die Briefleserin, eines der wichtigsten Gemälde Vermeers überhaupt, hat nach einer Restaurierung plötzlich einen neuen Mitleser bekommen, der ihr über die Schulter schaut. Denn an der Rückseite des Raumes war für Jahrhunderte ein kleiner, etwas pummeliger Cupido, ein Liebesgott, übermalt gewesen – der nun zum Vorschein gekommen ist und den Bildcharakter komplett verändert.
In Augen zu, dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE, sprechen Florian Illies und Giovanni di Lorenzo, in jeder Folge mit zwei Telefonjokern: In diesem Fall ist es Elisabeth Schlesinger, die als Restauratorin anschaulich davon berichtet, was es bedeutet hat, über Monate Millimeter um Millimeter auf einem millionenschweren Kunstwerk eine neue Figur unter den alten Schichten freizulegen. Und Hanno Rauterberg, der Kunstkritiker der ZEIT, untersucht die Frage, wie diese restauratorische Entdeckung den Bildgehalt verändert hat, denn plötzlich ist das ganze Bild moralisch geworden, es geht darum, dass die Briefleserin ganz offenbar ein sehr leidenschaftliches Schreiben erhalten hat und dass der Cupido an der Wand vor der Kraft der Begierden warnen soll. Macht dies das Bild stärker oder schwächer?
Auf aufregende Weise kann nun neu diskutiert werden, wie dieser Meister der Stille, der nicht nur für Marcel Proust einer der größten Maler aller Zeiten war, auch als Moralist agiert hat. Und Augen zu versucht gleichzeitig, die Augen zu öffnen für die einzigartige Fähigkeit Vermeers, Stofflichkeit zu malen – er kann mit Pinsel und Öl den perfekten Eindruck eines Wollkleides erwecken, einem das Gefühl geben, auf einem echten Teppich zu wandeln und mit den Augen die Knicke auf einer papiernen Landkarte ertasten zu können.
Und es ist in Augen zu auch davon die Rede, warum gerade in Zeiten des Lockdowns Vermeers Bilder so eine tröstende Kraft entwickelt haben: weil er lange vor Corona Menschen zeigte, die in geschlossenen Räumen gefangen sind, die sich in Gedanken verlieren und dabei doch sich selbst finden.
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Das nennt man Vorsehung: An genau demselben Tag, und zwar am 13. Juni 1935, kommen in Bulgarien und in Casablanca sowohl Christo als auch seine spätere kongeniale Partnerin Jeanne-Claude zur Welt. Nachdem die beiden sich im Paris der frühen 1960er Jahre ineinander verliebt hatten, verhüllten sie fortan gemeinsam für sechs Jahrzehnte Gebäude und Brücken und Täler und Inseln. Was war Ihr Ziel, was wollten Sie damit enthüllen? Das diskutieren Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in der neuesten Folge von Augen zu, dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE.
Im Juni 1995 bescherten Christo und Jeanne-Claude mit ihrer Verhüllung des Deutschen Reichstages den Deutschen einen seltenen Moment heiterer Selbstreflexion. Indem sie das Parlamentsgebäude, das zuvor symbolisch für die Last der deutschen Geschichte stand, für zwei kurze sommerliche Wochen in unschuldiges Weiß verpackten, gelang es ihnen, das Ende der Bonner und den Beginn der Berliner Republik symbolisch einzuleiten. Im Podcast Augen zu erzählt die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, wie es in einem zähen, jahrzehntelangen Ringen gelang, eine Mehrheit im deutschen Bundestag für diesen einzigartigen Akt der Verhüllung eines staatlichen Symbols zu organisieren.
Alle Verpackungen von Christo und Jeanne-Claude sind Festspiele der Vergänglichkeit, also mindestens so sehr Werke des Barock wie der Konzeptkunst. Dass sie im kollektiven Gedächtnis bleiben, verdanken wir Wolfgang Volz, dem deutschen Fotografen, der seit 1971 an Seite von Christo und Jeanne-Claude steht. Er berichtet als zweiter "Telefonjoker" in Augen zu, wie es ihm gelang, als junger Fotografiestudent den gigantischen Vorhang in einem Tal in den Rocky Mountains zu fotografieren, bevor ihn der Wind zerfetzte.
In Spätsommer 2021 vollendete sich das Œuvre von Christo und Jeanne-Claude mit der Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris. Auch dies war, wie der "Wrapped Reichstag" ein jahrzehntelang vorbereitetes und viel diskutiertes Projekt. Als er 2021 durch weiß-leuchtende Stoffbahnen den Blicken der Gegenwart entzogen wurde, um die Fantasie zu enthüllen, da konnten dies seine Schöpfer selbst nicht mehr miterleben, da sie 2009 und 2020 gestorben waren.
Die große Frage ist nun: Was bleibt von diesem Künstlerpaar, wenn nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Werke von der Erde verschwunden sind? Genau diese Frage diskutieren Florian Illies und Giovanni di Lorenzo.
Alle vier Wochen widmet sich Augen zu dem Lebenswerk einer großen Künstlerpersönlichkeit. Stellt die Biografie ebenso vor wie die wichtigsten Werke. In der nächsten Folge wird sich Augen zu Jan Vermeer zuwenden, der zur Zeit mit einer großen Ausstellung in Dresden gefeiert wird.
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Kein Künstler steht so sehr für das andere Amerika, für das Melancholische, das Abwartende, das Insichgekehrte wie Edward Hopper. Fast fünfzig Jahre lang lebte und malte er in demselben kleinen Atelier am Washington Square in New York und schuf dort zwischen den Zwanzigerjahren und seinem Tod im Jahre 1967 ein eindrückliches Werk voll erzählerischer Kraft.
Seine "Nighthawks", also die verlorenen Figuren in einer nächtlichen Bar, sind zu einem der zentralen Bildsymbole des 20. Jahrhunderts geworden – dieser Zustand des ziellosen "Warten auf Godot", diese Figuren in Hotelzimmern, an Tankstellen und diese Häuser, die in der Landschaft stehen wie bestellt und nicht abgeholt – immer wieder thematisiert Edward Hopper in seinen kleinen Gemälden die Verlorenheit des modernen Menschen in der von Menschenhand gestalteten Umgebung (https://www.artic.edu/artworks/111628/nighthawks). In der neuesten Folge von "Augen zu", dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE diskutieren Florian Illies und Giovanni di Lorenzo über die Besonderheiten dieses Künstlers, über seine Stärken, seine Einflüsse – und seine Schwächen.
Hopper war ein besessener Kinogänger – und seine Gemälde selbst sehen darum oft auch aus wie die film stills aus nie gedrehten Filmen. Umgekehrt hat sein cineastischer Blick auf die Wirklichkeit, sein Aushöhlen der Häuser zu Kulissen eine magische Wirkung auf Filmregisseure gehabt – von Alfred Hitchcock über Roman Polanski bis Wim Wenders ließen sich die Größten ihres Faches immer wieder von diesem kauzigen, amerikanischen Maler und seinen Bildkompositionen inspirieren.
Worin liegt der eigentümliche Reiz seiner Kunst? Warum sehen seine Menschen nie wie Menschen, sondern immer wie Stereotypen aus? Warum malt er die Häuserfassaden genauer und zärtlicher als die menschlichen Gesichtszüge? Und ist es eigentlich wirklich große Malerei, die Edward Hopper geschaffen hat? Florian Illies und Giovanni di Lorenzo diskutieren diese Fragen sehr lebhaft und kommen zu ganz unterschiedlichen Antworten.
Der Podcast beleuchtet auch die seltsame Ehe von Edward Hopper und seiner Frau Josephine Nivison, die selbst eigentlich eine vielversprechende Malerin war, aber von Hopper künstlerisch zum Verstummen gebracht und zum weiblichen Modell all seiner Gemälde degradiert wurde.
Die größte Anziehungskraft von Hoppers zeitlosen Gemälden geht von dem Zwischenzustand aus, in dem er die Menschen einfängt. Lisa Zeitz, die Chefredakteurin der Zeitschrift "Weltkunst", ist als Telefonjokerin zugeschaltet und beschreibt sehr genau, wie Hopper seine Figuren immer in jenem Moment zu erfassen scheint, der nach oder vor einer Aktion liegt, wodurch der Betrachter zum Komplizen einer Ungewissheit wird.
Im Kunstpodcast "Augen zu" entführen alle 14 Tage Florian Illies, Kunsthistoriker und Herausgeber der ZEIT, und Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT, ihre Zuhörerinnen und Zuhörer in die wunderbare Welt der Kunst. Jede Folge widmet sich einem Künstler oder einer Künstlerin – ihren kühnsten biografischen Wendungen und ihren wichtigsten Bildern. Und am Ende hat jeder – auch mit geschlossenen Augen – den Kopf voller Bilder.
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Das abgeschnittene Ohr, das Malen wie im Fieberwahn – denken wir an Vincent van Gogh, dann haben wir sofort einen Maler vor Augen, der besessen um sein Leben zu malen scheint. War das wirklich so? Und warum ist er eigentlich so berühmt? Das fragen Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in der neuesten Folge von "Augen zu", dem Kunstpodcast von ZEIT und ZEIT ONLINE.
Erst war Vincent van Gogh Kunsthändler, dann war er Prediger und erst in der Zeit um 1880 wird er zum Maler. Ihm bleiben kaum zehn Jahre, um sein Gesamtwerk zu schaffen, bevor er 1890 stirbt – mit einer Kugel in der Brust. Diesem tragischen und leidvollen Leben widmet sich "Augen zu" in seiner neuen Folge. Es wird gefragt, aus welchen Verhältnissen Vincent van Gogh gekommen ist, wie sein Werk zu verorten ist zwischen Begriffen wie Impressionismus und Expressionismus, und wie es gekommen ist, dass in seinem Fall die Lebensgeschichte so gut zu einem Leben als Märtyrer taugt. Der Kunsthistoriker Stefan Koldehoff berichtet als Telefonjoker darüber, wie sehr früh durch die Bücher von Julius Meier-Graefe und dann durch den Film von Kirk Douglas die Legende vom gepeinigten, wahnsinnigen Künstler in unser aller Köpfe gedrungen ist – und was das mit der Wirklichkeit zu tun hat.
In "Augen zu" zeichnen Florian Illies und Giovanni di Lorenzo den Lebensweg dieses Ausnahmekünstlers nach. Wir folgen ihm von den Niederlanden über Paris bis in den Süden Frankreichs wo er zwischen Zypressen, Nachtcafés und Irrenanstalten 1890 auf tragische Weise aus dem Leben scheidet. Mit dem zweiten Telefonjoker klären wir dann die große Frage, welche psychische Erkrankung diesen großen Künstler eigentlich gepeinigt hat. Claas-Hinrich Lammers, Chefarzt der Psychiatrie der Hamburger Klinik Nord in Ochsenzoll, analysiert nach den Tagebuchaufzeichnungen und Briefen van Goghs, welche klinische Diagnose man dem Künstler wohl heute stellen würde.
Vor allem aber geht es auch in diesem Podcast wieder um die Kunst – also um die Frage, was die Werke von van Gogh so einzigartig macht, wie es ihm gelungen ist, seinen züngelnden Pinselstrich zu entwickeln, mit dem er in seinen beiden letzten Lebensjahren die Weizenfelder und die Himmel in einen Farbenrausch und Sog verwandelt, in dem er letztlich versunken ist.
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