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  • Kapverden: «Wer das nicht versteht, dem ist nicht zu helfen»
    Was der Tango für Argentinien ist, der Flamenco für Spanien, ist die Morna für die Kapverden. Und vielleicht sogar noch mehr als das. Verrät diese ganz eigene Musik doch so viel über die sozialen und politischen Verhältnisse in diesem Land, das nie ganz zu Europa und nie ganz zu Afrika gehörte.
    «Morabeza»: ein Gefühl, das sich nicht übersetzen lässt. Zufriedenheit? Melancholie? Fast. Aber eben nicht ganz. Ein Gefühl, das es womöglich nur auf den Kapverden gibt. Das sich dann langsam ausbreitet, wenn einer zur Gitarre greift, der andere zum Cavaquinho, wenn reichlich Bier fliesst und jemand zu singen beginnt. Über Migration, die Sehnsucht nach einem besseren Leben, die Liebe zu den heimischen Inseln – all das, was das Leben auf den Kapverden ausmacht.
    Seit der friedlichen Loslösung von Portugal 1975 sind die Kapverden – oder «Cabo Verde», wie das Land auch genannt wird – unabhängig. Und haben eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht, wie der Jurist und Schriftsteller Germano Almeida erläutert: «Ich erinnere mich noch gut an das Cabo Verde der 70er-Jahre. Cabo Verde jetzt hat damit nichts mehr zu tun. Wir haben viel erreicht in einem Land, das nichts hatte. Wir haben die internationalen Hilfen gut genutzt und hart gearbeitet. Viele haben gezweifelt, ob wir als unabhängiges Land überleben könnten. Doch das Ergebnis ist höchst positiv.»
    Tatsächlich sind die Kapverden heute eine geradezu vorbildlich funktionierende Demokratie. Sie verfügen über ein Schulsystem, das jenen der afrikanischen Nachbarstaaten weit voraus ist. Der Tourismus hat wirtschaftlichen Aufschwung gebracht – aber auch seine Schattenseiten. Längst nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner können von den grossen Hotelressorts und den All-Inclusive-Angeboten profitieren. Die Umwelt leidet, mit der Coronakrise sind die Einnahmen weggebrochen. Doch gerade die junge Generation ist fest entschlossen, das Glück nicht in der Ferne zu suchen, sondern ihre Zukunft auf den Kapverden mitzugestalten.
    29 min
  • Das Kreuz mit dem Geld
    Die Kassen des Vatikans waren lange eine Black Box, die für Finanzskandale sorgten. Jüngst etwa ein dubioses Geschäft mit einer Luxusimmobilie in London. Missbrauch fällt leicht bei der unübersichtlichen Struktur des päpstlichen Reichtums. Und schon an dessen Anfang steht ein Betrug.
    Ausgerechnet im prächtigen Palazzo Migliori direkt beim Peters-Dom gehen die ärmsten der Armen ein und aus. Sie bekommen aufwändig gekochte Speisen serviert und finden dort nächtliche Ruhe an der Wärme. Papst Franziskus höchstselbst hat das luxuriöse Gebäude aus dem Besitz des Vatikans 35 von tausenden von Obdachlosen geöffnet.
    Weniger zur Schau stellt der Heilige Stuhl seine Einkünfte und Ausgaben, sein Vermögen, seine Besitztümer. Geld, das er durch Spenden wie den Peters-Pfennig, durch die Vatikanbank oder die eigene Apotheke einnimmt und Ausgaben für eigene Medien oder diplomatische Vertretungen, das alles findet Eingang in unterschiedlichen autonomen Budgets. Die Übersicht über die diversen Kassen zu bewahren, dürfte selbst Eingeweihten schwerfallen. Lange schien es auch keinen zu interessieren. Erst nach 1968 erwachte mit der gesellschaftlichen Öffnung auch das öffentliche Interesse an den vatikanischen Finanzen. Doch es waren die wiederkehrenden Skandale unsauberer Geschäfte, die den Vatikan schliesslich dazu brachten, Einblick in die Vermögensverwaltung zu gewähren. Vier Milliarden Euro betrage das gesamte Vermögen, hiess es. Viel zu tief sei das angesetzt, sagt etwa der Vatikankenner und Wirtschaftsjournalist Carlo Marroni. Die Informationen bleiben also fragwürdig und lückenhaft. Doch es bewegt sich allmählich etwas: Einem Kardinal, der Millionen aus einer Vatikankasse verzockte, entzog Papst Franziskus die Kardinalswürde. Und er versprach auch: Die Finanzen des Vatikans sollen «una casa di vetro» sein – durchsichtig, wie ein gläsernes Haus.
    29 min
  • Armenien – eine Nation im Schockzustand
    Es waren 44 Tage, die alles verändert haben: Armenien hat im Herbst eine verheerende militärische Niederlage gegen den Nachbarn Aserbaidschan erlitten. Es hat nicht nur viele Gebiete abgeben müssen. Es fühlt sich sogar in seiner Existenz bedroht.
    Der Krieg um das umstrittene Gebiet Berg-Karabach ist zwar vorbei, unter Vermittlung Russlands haben die Konfliktparteien ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Doch die Karten sind neu gemischt: Russland hat seinen Einfluss in der Region deutlich ausgebaut. Es hat Friedenstruppen im geteilten Berg-Karabach stationiert und entscheidet über Krieg und Frieden. Und: Armenien ist abhängiger denn je von seiner Schutzmacht Russland.
    Der Krieg hat auch Armeniens Premier und Hoffnungsträger Nikol Paschinjan stark geschwächt. Einige betrachten ihn als Verräter, andere als Dilettanten. Die Opposition versucht mit Strassenprotesten, Druck auf den Regierungschef aufzubauen. Doch viele Armenier und Armenierinnen halten ihm die Treue. Sie wollen nicht zurück zu den alten, als korrupt geltenden Kräften. Risse tun sich auf in der Gesellschaft. Das Land steuert auf Neuwahlen zu.
    Wie geht es weiter? Vieles bleibt ungeklärt in der Vereinbarung, die den Krieg beendet hat. Das macht die Situation instabil. Der Wunsch nach Rache, aber auch einfach Wut und Angst sind zu spüren. Doch viele sind pragmatisch. Und versuchen, sich mit der neuen Situation zu arrangieren.
    29 min
  • Best of: Steht Jemen vor dem Zerfall?
    Nach fünf Jahren Krieg ist das ärmste arabische Land vollkommen zerrüttet. Den Norden kontrollieren fast vollständig die Huthi-Rebellen, im Süden fordern Separatisten einen eigenen Staat. Droht Jemen auseinanderzufallen? Oder wäre eine Spaltung sogar die Lösung, könnte sie den Krieg beenden?
    Arabia Felix, das glückliche Arabien, so hiess das fruchtbare Stammesgebiet in der Antike. Heute hängt das kriegsversehrte Land an der Südspitze der arabischen Halbinsel am Tropf der internationalen Nothilfe.
    Der YouTuber Ayash reist mit seiner Kamera durch die zerrüttete Heimat, um zu dokumentieren, was von deren Schönheit und Vielfalt geblieben ist. Der Graffitikünstler Thiyazen in Sanaa klagt am Telefon über den zunehmend autoritären Kurs der Huthi-Rebellen in der jemenitischen Hauptstadt. Auf der anderen Seite der Front erlebt die Provinz Marib mitten im Krieg einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch die Kämpfe rücken auch in Marib näher, während um die Hafenstadt Aden zwischen verschiedenen Stammesmilizen, die eigentlich gemeinsame Sache gegen die Huthis machen wollten, ein Krieg im Krieg tobt. Die Fronten werden immer unübersichtlicher. Die Separatisten im Süden fordern bereits die Abspaltung, sie erhoffen sich Stabilität von einem unabhängigen Staat Süd-Jemen, wie es ihn bis vor 30 Jahren gab.
    Fünf Jahre nach Kriegsbeginn steht Saudi-Arabien in Jemen vor einem Debakel. Die mächtige Ölmonarchie trommelte Ende März 2015 unter ihren Verbündeten eine Militärkoalition zusammen und begann die Rebellengebiete zu bombardieren. In wenigen Wochen werde der jemenitische Präsident Hadi zurück an der Macht sein, versprach der starke Mann Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, damals. Doch inzwischen beherrschen die Huthi-Rebellen nicht nur die Hauptstadt, sondern praktisch den gesamten Norden. Sie verfügen auch über Raketen und Kampfdrohnen und die Unterstützung der schiitischen Regionalmacht Iran.
    (Erstausstrahlung: 20. Juni 2020)
    28 min
  • Best of: Die Datscha ist mehr als nur ein Ferienhaus
    Die Datscha ist der Ort, wo Millionen von Russinnen und Russen ihre schönsten Tage verbringen. Das Sommerhäuschen vor der Stadt ist ein Sehnsuchtsort. Hier wird gegärtnert, gefaulenzt und gefeiert. Hierher fliehen die Menschen vor der Enge ihrer Wohnungen, aber auch vor der russischen Realität.
    Die ersten Datschen waren Geschenke des Zaren an treue Untertanen. Aber erst viel später in der Sowjetunion der 50er Jahren wurden Datschen zum Massenphänomen. Millionen erhielten ein Stück Land geschenkt, zumeist 600 Quadratmeter gross. Heute haben rund 40 Prozent der russischen Familien draussen in den Wäldern und Wiesen vor ihrer Stadt ein Sommerhaus.
    Wer von der Politik Wladimir Putins nichts mehr hören will, weder von seiner Politik gegenüber Belarus noch über den Nowitschok-Angriff auf den Oppositionellen Nawalny, der findet in seiner Datscha einen Ort der Ruhe, eine kleine private Welt, in der ihm niemand dreinredet.
    Die Datschen sind zumeist von hohen Zäunen und Hecken umgeben. Dahinter verbringt sich eine bürgerliche geordnete Lebenswelt. Wer in den letzten 20 Jahren zu Geld gekommen ist, konnte sein Sommerhaus ausbauen und verschönern.
    Noch in den 90er Jahren aber waren die Datschen für viele eine überlebenswichtige Einrichtung. Hier pflanzten die Leute die Lebensmittel, die in den Städten knapp und teuer geworden waren. Die Datschniki hätten Russland vor dem Zerfall gerettet, sagt Andrej Tumanow. Er ist Herausgeber der wichtigsten Datschen-Zeitung Russlands und er betont, dass die Datschenbesitzerinnen und -besitzer auch heute eine staatstragende Gesellschaftsgruppe seien.
    Wieso das so ist und wie das zusammenpasst mit der Flucht ins Private auf der Datscha, zeigt der Besuch bei Tumanow und in zwei anderen Datschensiedlungen.
    (Erstausstrahlung: 10. Oktober 2020)
    27 min
  • Best of: «China und das Virus: Zensur, Propaganda und Kontrolle»
    Seit Beginn der Coronakrise bemüht sich die chinesische Regierung darum, nicht nur die Ausbreitung des Virus zu kontrollieren, sondern auch die Information. Während manche Chinesinnen und Chinesen den offiziellen Angaben vertrauen, versuchen andere, der Wahrheit auf den Grund zu gehen.
    «In einigen Berichten heisst es, Chinas Zahlen seien falsch. In anderen heisst es, die Zahlen könnten verlässlich sein. Wie kann ich selbst herausfinden, was nun stimmt?», fragt Li Li, eine junge Frau, die als Analystin für eine Denkfabrik in Peking arbeitet.
    Und es geht ihr wie vielen anderen. Die chinesische Regierung erzählt ihre ganz eigene Version der Geschehnisse: Sie löscht kritische Kommentare auf sozialen Netzwerken, beschwört den Zusammenhalt der Nation.
    Und doch gibt es auch jene, die versuchen, sich ihr eigenes Bild zu machen. Wie etwa der Youtuber Chen Qiushi, der Ende Januar nach Wuhan reist und von dort berichtet.
    «Ich habe mich schon vor der Ankunft hier auf zwei Dinge gefasst gemacht», sagt er im Gespräch. «Erstens: dass ich mich mit dem Virus anstecke. Und zweitens: dass ich hier festgenommen werde. Und sogar, wenn ich hier aus der Stadt wieder rauskomme, könnten mich die Behörden später noch festnehmen. Ich versuche jetzt jeden Tag so zu leben, als wäre es mein letzter.»
    Wenige Tage nach diesem Interview wird es ruhig um Chen. Bis heute ist nicht klar, was mit ihm passiert ist.
    (Erstausstrahlung: 4. September 2020)
    29 min
  • Brexit – die Chronik eines Kontrollverlusts
    Den verschrienen Brüsseler Bürokraten die Kontrolle entreissen, souverän über Geld, Gesetze und Grenzen entscheiden. Das war das Ziel des Brexits. Doch es lief nicht so glatt, wie es Boris Johnson seinen Wählern versprochen hatte. Eigenes Unvermögen und die Pandemie führen zum Kontrollverlust.
    Das Vereinigte Königreich könne jetzt zu neuen Ufern aufbrechen als unabhängiger Akteur in einer globalen Welt, sagte Premier Boris Johnson sinngemäss, nachdem am 31. Januar 2020 Grossbritannien die EU offiziell verlassen hatte. Ein Freihandelsabkommen, das die künftige Wirtschafts-Zusammenarbeit mit der EU regelt, liege sozusagen «ofen-bereit» vor.
    Und den Wählerinnen und Wählern in den vernachlässigten Regionen im Nordosten Englands, die vorher Jahrzehnte lang Labour gewählt hatten und ihn jetzt zum Regierungschef gemacht hatten, versprach er einen Geldregen: sichere Strassen, neue Spitäler und bessere Schulen.
    Aus beiden Versprechen ist nichts geworden. In den Verhandlungen mit der EU spielte Johnson auf Zeit und meinte, die EU werde einknicken. Jetzt am Ende des Übergangsjahrs steht fest, dass viele Fragen mit der EU noch nicht geregelt sind, dass es an den Grenzen Staus geben wird und vielleicht sogar Lieferengpässe.
    Das Vereinigte Königreich wurde von der Pandemie härter getroffen als viele Länder in Europa. Auch hier hat Johnson mit seiner Improvisationskunst keine guten Resultate erzielt. Die britische Wirtschaft steht schon nur wegen der Pandemie vor einer Krise ungeahnten Ausmasses und jetzt muss sie noch mit den Folgen des Brexits zurechtkommen. Eine riesige Herausforderung für ein Land, dessen Zusammenhalt durch den Streit um den Brexit schwer beschädigt ist.
    29 min
  • «Arabischer Frühling» – was bleibt?
    Ein Gemüsehändler im Süden Tunesiens zündete sich selbst an. Die Verzweiflungstat Mitte Dezember 2010 wurde zum Fanal für eine nie dagewesene Protestwelle in der arabischen Welt.Doch die Eliten schlugen zurück und die Region versank in Repression und Krieg. Wo ist die Aufbruchshoffnung hin? 
    Ahmed war 19, als die Protestwelle von Tunesien kommend die ägyptische Stadt Alexandria erreichte. Damals hoffte der Salafist noch vage, dass die Rückbesinnung auf einem Islam wie zu Zeiten des Propheten das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt aus seiner tiefen Krise führen würde. Doch dann wurde auch er von er revolutionären Begeisterung mitgerissen. Hunderttausende forderten auf dem Tahrirplatz in Kairo und im ganzen Land den Sturz des Regimes. Als die Armee unter dem Druck der Strasse den Langzeitautokraten Hosni Mubarak am 11. Februar 2011 tatsächlich fallen liess, war das «der allergrösste Tag» in seinem Leben, sagt Ahmed im Rückblick. Heute träumt er von einem Ort, wo er sich frei äussern könnte, ohne von den Schergen des Regimes bedroht zu werden.
    Heba Morayef erlebte die damalige Euphorie in Kairo, aber auch die brutale Gewalt, die folgte. Die Repression in Ägypten sei heute schlimmer als sie es unter Mubarak je war, sagt die Verantwortliche der Menschenrechtsorganisation Amnesty International für die Arabische Welt. Die Muslimbrüder, die damals nach dem Aufstand die ersten Wahlen gewannen, wurden zu Tausenden getötet oder weggesperrt. Nach den Islamisten traf es die säkularen Kräfte des Aufstands: Wer immer heute Regimekritik übt, riskiert Schikane oder Gefängnis. Die Regierung rechtfertigt die Repression mit terroristischen Bedrohungen und besonderen ägyptischen Werten, die im Westen nicht verstanden würden.
    Auch Hassan war vor zehn Jahren als Aktivist dabei, er oszilliert heute zwischen Resignation und dem Glauben, dass sich trotz allem etwas fundamental verändert hat: Das Verhältnis der Jugend zu den Autoritäten sei seit jenen Tagen des Volksaufstandes ein anderes: Lehrer, Imame, Politiker – sie könnten nicht mehr selbstverständlich auf Respekt zählen.
    In der ganzen Region klammern sich zwar korrupte Eliten mit ihren Sicherheitsapparaten an ihre Privilegien. Doch trotz der Kriege und Verwerfungen des letzten Jahrzehnts, auch der Politologe und Publizist Rami Khouri in Beirut bleibt überzeugt: Der Wille des Menschen, in Freiheit und Würde zu leben, sei die stärkste Kraft - wie ein Pflänzchen, das durch Beton hindurchwächst. Mit dem «Arabischen Frühling» sei diese Kraft in der Region entfesselt worden.
    29 min
  • Westbalkan – Gangster und Politiker Hand in Hand
    Über 50 Todesopfer in mehreren europäischen Städten hat der Krieg zwischen zwei Verbrecher-Clans aus Montenegro bisher gefordert. Das blutige Geschehen wirft ein Schlaglicht auf das organisierte Verbrechen vom Westbalkan, das immer mehr global aktiv ist und im Drogenhandel Milliarden verdient.
    Der Streit um eine Ladung Kokain führte dazu, dass ein montenegrinischer Mafia-Clan in zwei Teile zerfiel und sich seit ein paar Jahren bis aufs Blut bekämpft. Er forderte Todesopfer in Malaga, Athen, Amsterdam und Berlin sowie immer wieder auf den Strassen der serbischen Hauptstadt Belgrad. Vieles deutet darauf hin, dass die Verbrecher in Serbien Verbindungen bis ganz oben in der Politik haben. Zu diesem Schluss kommen die Recherchen zum Bandenkrieg, die Stevan Dojcinovic und sein Team vom Investigativ-Portal KRIK angestellt haben.
    Auch in Montenegro ist die Staatsanwaltschaft auffällig ineffizient im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, das sich während der 30-jährigen ununterbrochenen Herrschaft von Präsident Milo Djukanovic und seiner Partei DPS breit gemacht hat.
    Das organisierte Verbrechen vom Westbalkan hat eine komplizierte Struktur. Es besteht aus zahlreichen Gruppen, die auch über ethnische Grenzen hinweg zusammenarbeiten und international vernetzt sind. Das sagt Walter Kemp von der internationalen NGO Global initative against transnational organized crime. Neu sei, dass einzelne Organisationen vollständige Lieferkettten aufgebaut haben, vom Kokain-Anbau in Südamerika bis zum Kleinhandel auf westeuropäischen Strassen alles in einer Hand.
    Wieso der Kampf gegen diese Organisationen sehr schwierig ist und wieso sie so gut vernetzt sind mit der Politik ihrer Ursprungsländer, zeigt der Blick zurück in die Geschichte. Beim Zerfall des ehemaligen Jugoslawien in den 90er Jahren benützten die Politiker das organisierte Verbrechen, um paramilitärische Truppen für den Krieg aufzubauen und um das internationale Embargo mit Schmuggelgeschäften zu umgehen. Daraus ging ein dichter Filz aus Verbrechen, Wirtschaft und Politik hervor.
    Der Soziologe Danilo Mandic an der Harvard-Universität in den USA erklärt am Beispiel von Kosovo, wieso das organisierte Verbrechen davon profitiert, dass die Konflikte aus den 90er Jahren weiter schwelen und wieso es kein Interesse hat an einer Stabilisierung und Aufnahme in die EU.
    29 min
  • Oman – das schwierige Erbe des Sultans
    Die Nachbarstaaten am Golf pflegen eine aggressive Aussenpolitik, das kleine Oman dagegen machte sich unter Sultan Qabus einen Namen als Vermittler. Nachfolger Haitham ist nun im Innern gefordert: Er muss sein Volk bei Laune halten, obwohl der Ölpreis schwächelt und die Touristen wegbleiben.
    Am 18. November war zum 50. Mal Nationalfeiertag in Oman. Fast durchgängig regierte Qabus bin Said Al-Said das dünn besiedelte Sultanat. Er stürzte 1970 seinen Vater vom Thron, befriedete die zerstrittenen Stämme und führte das abgeschottete Land im Südosten der Arabischen Halbinsel in die Moderne. Auch international machte sich Qabus einen Namen: als Vermittler zwischen verfeindeten Staaten. In einer Region, die von Kriegen und Konflikten geprägt ist, blieben die Omanerinnen und Omaner unter seiner Herrschaft von Unruhen weitgehend verschont. Bis zu seinem Tod im letzten Januar genoss der Monarch Ansehen im Nahen Osten und darüber hinaus.
    Doch seinem Cousin und Nachfolger, Sultan Haitham, hat er ein schwieriges Erbe hinterlassen: Die Einnahmen reichen nicht mehr, um den üppigen Staatshaushalt zu finanzieren. Die Jugend fordert Perspektiven. Der neue Sultan sollte Arbeitsplätze schaffen, das Bildungswesen modernisieren, die Wirtschaft umgestalten, während das Sultanat klamm ist.
    25 min

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