Morgenimpuls
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Morgenimpuls episodes

  • Das Erlebte im Herzen sortieren
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Heute Nacht sind wir aus Assisi zurückgekommen und ich gebe gerne zu, dass ich dann immer noch Tage brauche, um all das Erlebte im Herzen zu sortieren und in den Seelenspeicher abzulegen. Aber auch sonst war ja in den letzten Wochen ziemlich viel. Die Männerwallfahrt im Bistum Erfurt, verschiedene Ordensjubiläen in den vielfältigen Gemeinschaften in Deutschland, der Katholikentag in Würzburg und noch vieles mehr. Manchmal geht es so schnell, dass man nicht mehr hinterherkommt. Von Jörg Zink gibt es einen sehr passenden Text, den ich mitgebracht habe, um ihn mit Dir zu lesen:Herr meiner Stunden und meiner Jahre, du hast mir viel Zeit gegeben.Sie liegt hinter mir und sie liegt vor mir.Sie war mein und wird mein, und ich habe sie von dir. Ich danke dir für jeden Schlag der Uhr undfür jeden Morgen, den ich sehe.Ich bitte dich nicht, mir mehr Zeit zugeben. Ich bitte dich aber um vielGelassenheit, jede Stunde zu füllen.Ich bitte dich, dass ich ein wenigZeit freihalten darf von Befehl und Pflicht,ein wenig für Stille, ein wenig für dasSpiel, ein wenig für die Menschen amRand meines Lebens, die einen Tröster brauchen.Ich bitte dich um Sorgfalt, dass ich meineZeit nicht töte, nicht vertreibe, nichtverderbe. Jede Stunde ist wie ein Streifen Land.Ich möchte ihn aufreißen mit dem Pflug,ich möchte Liebe hineinwerfen, Gedanken und Gespräche,damit Frucht wächst. Segne du meinen Tag.
    4 min
  • Alle unter einem Dach
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Heute ist unser letzter Reisetag mit den Hörerinnen und Hörern des Domradio. Und da es keinen organisierten Punkt mehr gibt, haben wir geplant, mit denen, die Lust haben, hoch zur Rocca Maggiore zu steigen und uns dort oben außen und innen umzuschauen.Die Burg wirkt noch heute riesig, obwohl sie immer wieder von den Stadtbewohnern geschleift und ihre Steine zum Bau der eigenen Häuser genutzt haben. Es ist wahrscheinlich, dass es bereits in der Antike, vom IV. bis III. Jahrhundert v. Chr., umbrische Siedlungen gab, doch die ersten sicheren Informationen über die Existenz einer militärischen Befestigung stammen aus dem Jahr 1174, als die Stadt von der schwäbischen Dynastie im Auftrag von Kaiser Friedrich I. Barbarossa besetzt wurde.Es wird auch berichtet, dass ein junger Friedrich II. dort von Konrad Lützen betreut wurde, der damals Graf der Stadt war. Nach dem blutigen Aufstand der Assisianer im Jahr 1198, an dem auch der junge Franziskus teilnahm, wurde die Festung als Symbol der kaiserlichen Unterdrückung der Stadt dem Erdboden gleichgemacht.Das außergewöhnliche Denkmal, das wir heute noch sehen werden, ist daher das Ergebnis eines Wiederaufbaus im vierzehnten Jahrhundert, der von einem Kardinal und päpstlichen Legaten entworfen wurde, der im Auftrag von Papst Innozenz IV. zahlreiche Militärfestungen errichten ließ, um jene Gebiete zurückzuerobern, die der Kontrolle der Kirche entgangen waren.Für uns Heutige klingt das eher befremdlich, aber im Laufe der Kirchengeschichte gab es immer Dinge, die im Nachhinein erklärungsbedürftig waren.Aber es gibt noch eine andere Facette dieser Burg: Oben vom Turm kann man die gesamte Stadt überblicken und sie wirkt vor hier oben, als seien alle Häuser unter einem Dach. Da die Formation der Dächer von oben nach unten geht und Straßen und Wege überdeckt. Lediglich die großen Kirchen ragen heraus.Alle unter einem Dach, ob arm oder reich oder fromm oder eher nicht so, ob glücklich oder traurig, ob gesund oder krank, jung oder alt.Dieser Blick macht nachdenklich und zugleich hoffnungsfroh.
    5 min
  • Selig, die Frieden stiften
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Herzlich willkommen zum Impuls am Dienstag in der Pfingstwoche.Wir sind immer noch auf unserer DOMRADIO-Reise in Assisi und fahren heute nach Gubbio. Ich war noch nie in Gubbio und freue mich auf den Ort, die Kirche und das ganze Umfeld.Was hat es mit diesem Ort auf sich?Frieden und Versöhnung in einer von Gewalt geprägten Gesellschaft waren eines der zentralen Anliegen des heiligen Franziskus. Das Wesen franziskanischer Gewaltlosigkeit und Friedensarbeit zeigt sich beispielhaft in der Legende vom Wolf von Gubbio.In dieser sehr weit verbreiteten Legende geht es um einen Wolf, der außerhalb der Stadtmauern von Gubbio sein Unwesen treibt. Immer wieder fällt er Menschen an, die sich aus der Stadt wagen, greift sie an und tötet sie. Niemand traut sich mehr vor die Tore der Stadt, und der Hilferuf geht an Franziskus, doch zu kommen und zu helfen.Und Franziskus kommt. Er nimmt die Not wahr und geht ohne Angst und ohne Waffen auf den Wolf zu. Er begegnet ihm – wie wir heute sagen würden – auf Augenhöhe, beginnt das Gespräch und klagt den Wolf wegen dessen Verbrechen an, weil Verschweigen nichts bringt. Er zeigt aber auch Verständnis für den Hunger des Wolfes. Er macht den Vorschlag, dass der Wolf keine Menschen mehr angreift und die Einwohner der Stadt ihn mit Essen versorgen. Franziskus begleitet den Wolf in die Stadt, handelt mit den Bewohnern den Vertrag aus und bürgt mit seinem Versprechen für die Ehrlichkeit des Wolfes.Die Legende sagt dann, dass der Wolf noch einige Jahre in Gubbio gelebt hat und bis zu seinem Tod friedlich versorgt wurde.Franziskanische Friedensarbeit setzt Geduld und persönlichen Einsatz voraus. Wer sich einmal in einem Konflikt engagiert hat, hat eine Verantwortung übernommen, die ihn in eine Gemeinschaft mit den Konfliktparteien einbindet. Am Ende steht nicht der Stolz, etwas Besonderes geleistet zu haben, sondern das Bewusstsein, dass Gott es ist, der Versöhnung, Frieden und Gemeinschaft möglich macht.Und im Evangelium bei Matthäus sagt Jesus: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.“Ich bin gespannt auf diesen Tag und den Ort und habe dir vielleicht ein paar Gedanken in deinen Tag hineingelegt.
    5 min
  • Pfingstliche Begeisterung
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Aus Assisi grüße ich Dich herzlich und wünsche Dir ein gesegnetes Pfingstfest und alle notwendigen Gaben des Heiligen Geistes. Heute steht auf dem Programmplan die schöne Formulierung: Der heutige Tag steht zur freien Verfügung. Ist das nicht herrlich? Ein Tag, da uns zugesprochen wird, damit wir frei über Zeit und Inhalt verfügen können. Da der Pfingstmontag ja bei uns in Deutschland ein Feiertag ist, werden wir ihn auch hier in Italien feiertäglich beginnen und um 8.00 Uhr die Heilige Messe in der Krypta von San Francesco am Grab des heiligen Franziskus mitfeiern. Und dann, nach dem Frühstück im Hotel, mit allen, die dazu Lust haben, über San Damiano nach Rivotorto zu wandern, das unten im Tal liegt. Dort liegt ein sehr altes Kloster der Franziskaner-Minoriten und eine sehr schöne Kirche mit wunderbaren bunten Glasfenstern, die Szenen aus dem Leben des Heiligen Franziskus zeigen.Ein bisschen beeindruckend sind die Nachbauten von zwei Stallungen mitten in der Kirche, die dort gestanden haben. Dort im leeren Stall haben die Brüder einige Zeit miteinander gelebt und alle Höhen und Tiefen eines einfachen Lebens in Armut geteilt. In der Nachbarschaft war ein Leprosenhospital und die Brüder haben dort bei der Pflege und Betreuung der schwerkranken, an Geschwüren leidenden, schrecklich entstellten und stinkenden Kranken geholfen. Eine Skulptur draußen zeigt das ziemlich eindrücklich: Franziskus kniet vor einem der Kranken, der sich schämt und die Augen bedeckt und wäscht ihn. Er schaut zu ihm auf und zeigt ihm all seine Liebe und Fürsorge, nicht von oben herab, sondern von unten, zu seinen Füßen knieend.Das ist ein sehr entscheidender Perspektivwechsel für den Kranken. Die anderen Brüder konnten sein Geschimpfe und das Fluchen dieses Mannes nicht mehr ertragen und haben Franziskus davon erzählt. Und Franz hat sofort Krug und Schüssel genommen und ist zu ihm gegangen. Und der hat plötzlich gespürt, dass dieser Dienst an ihm aus Liebe und vollem Herzen geschah. Und so konnte er nach und nach sein Schicksal annehmen und geduldiger und friedlicher mit seinen Pflegern und den anderen Kranken sein und auch mit sich selbst.Ach, und übrigens, irgendwann kam der Bauer, dem die Stallungen gehört haben, und hat sie für seine Esel wieder beansprucht. Und die Brüder haben den Stall singend und lachend den Brüdern Esel zur Verfügung gestellt und sind weitergezogen. Das nenne ich pfingstliche Begeisterung und die Freiheit der Kinder Gottes.
    5 min
  • Der Heilige Geist – Gottes Kommunikation
    Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
    Man kann nicht nicht kommunizieren. Kein Satz hat Paul Watzlawick so berühmt gemacht wie dieser. Auch ohne Worte stehen wir ständig im Austausch mit anderen, ob wir wollen oder nicht. Watzlawick hat unser Verständnis von Kommunikation nachhaltig verändert. Kommunikation ist nicht nur das, was wir sagen, sie ist Haltung, Beziehung und Präsenz. Sie ist lebensnotwendig. Alleine können wir nicht überleben. Kommunikation lässt uns leben, und das Wort selbst verrät viel: communicare heißt übersetzt "verbinden". Menschen stehen in Verbindung, wenn sie kommunizieren. Kommunikation prägt unsere Identität, unser Bewusstsein, unser Menschsein.Und da kommt der Heilige Geist ins Spiel. Er ist die Kommunikation Gottes, die Kommunikation Gottes in sich selbst, aber auch sein Weg in diese Welt hinein. Er ist es, der Maria dazu bringt, Gott in die Welt zu tragen, und er ist heute noch präsent in jedem einzelnen von uns. Gott teilt sich mit in der Schöpfung, in der Erlösung und bleibend in seinem guten Heiligen Geist. Gott ist Kommunikation, und vollkommene Kommunikation ist vollkommene Liebe.Antoine de Saint-Exupéry hat einmal geschrieben: "Vollkommenheit entsteht nicht dann, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann." Auf Gott, auf den Heiligen Geist bezogen heißt das: Seine Vollkommenheit verliert nichts, wenn er teilt. Er wird nicht kleiner, wenn er sich dem Menschen zuwendet. Im Gegenteil: Liebe wächst, wenn sie sich verschenkt.Heute mal noch ein zweites Zitat vom seligen Johannes Duns Scotus, der nur ein paar Meter hier vom Studio des Domradios entfernt liegt: "Gott will Mitliebende." Er bringt es auf den Punkt. Der Heilige Geist befähigt uns, er befähigt immer wieder neu die Menschen dazu, mit Gott zu lieben. Es ist ein Aufruf, sich einzuklinken in Gottes Kommunikation, zu hören, zu bedenken, zu wahren, weiterzugeben und zu leben.Und doch erleben wir heute eine merkwürdige Spannung. Nie war Kommunikation so allgegenwärtig und selten war echtes Verstehen so schwierig. Wir senden ständig, aber offenbaren wir uns? Oder zeigen wir als Menschen manches Mal nur Bilder? Diese Krise der Kommunikation zeigt sich auch im Reden von Gott. Uns fehlen oft Worte, Gesten und Formen. Das ist kein neues Problem, aber wir dürfen uns diesem Problem stellen -  mit dem guten Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren. In dieser Zusage liegt auch ein Kern unseres Glaubens. Gott lässt uns in unserer Kommunikation nicht allein. Dafür hat er in sich seinen Heiligen Geist, und dieser ruft uns immer wieder in seine Kommunikation hinein: in das Leben, in die Beziehung, in die Liebe.
    6 min
  • Das Reich Gottes ist keine Utopie
    Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
    "Jede Nacht um 12:30 Uhr, wenn das Fernsehen rauscht, lege ich mich aufs Bett und male mir aus, wie es wäre, wenn ich nicht der wäre, der ich bin, sondern Kanzler, Kaiser, König oder Königin." Rio Reiser hat diese Worte gesungen in seinem berühmten Lied "König von Deutschland". Eine satirische Fantasie, ein Spiel mit dem: Was wäre, wenn. "Das alles und noch viel mehr würde ich machen, wenn ich König von Deutschland wär".Solche Gedankenspiele kennen wir manchmal: Was wäre, wenn wir mehr Möglichkeiten hätten, mehr Einfluss, mehr Freiheit oder einfach ein ganz anderes Leben. Solche Bilder nennt man Utopien – Entwürfe einer besseren, oft fiktiven Welt. Schon Thomas Morus hat vor über fünfhundert Jahren mit seinem Buch Utopia einen idealen Staat beschrieben, nicht weil er glaubte, dass es ihn wirklich gibt, sondern um der eigenen Gegenwart einen Spiegel vorzuhalten.Ist das Evangelium auch so eine Utopie – eine schöne Idee, aber letztlich weltfremd? Jesus spricht immer wieder vom Reich Gottes, und er meint damit nicht nur eine ferne Zukunft, nicht ein Irgendwann, sondern eine Gegenwart, die schon begonnen hat. Das Reich Gottes ist kein Wunschtraum, sondern eine Wirklichkeit, die dort aufscheint, wo Menschen anders handeln: nicht Utopie, sondern Realität; nicht Zukunft, sondern jetzt; nicht Wunsch, sondern Verantwortung.Jesus beschreibt ein Reich, das keine Alleinherrschaft ist. Es braucht keine Untertanen, sondern Menschen, die mitwirken, Menschen, die Anteil bekommen an Würde, Freiheit und Verantwortung. "Von Gottes Gnaden", so nannten sich früher die Könige. Das konnte gefährlich werden, wenn menschliches Verhalten einfach auf Gott abgeschoben wurde.Heute gilt dieser Satz ganz anders. Wir alle, jeder von uns, lebt aus Gottes Gnade, und genau deshalb tragen wir Verantwortung. Verantwortung für mein Handeln übernehmen, Gnade vor Recht, verzeihen können, wo es möglich ist, und sorgsam umgehen mit dem, was mir an Fähigkeiten, Begabungen und Möglichkeiten anvertraut ist.Das Reich Gottes entsteht nicht im "Was wäre, wenn", sondern dort, wo Menschen jetzt handeln. Gott traut uns das zu. Du bist König deines Lebens.
    5 min
  • Sie haben mir einen Namen gegeben
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Ganz herzlich grüße ich Dich heute aus Assisi, wo wir gestern sehr spät am Abend angekommen sind. Nach gutem und ergiebigem Schlaf und gutem Frühstück ist heute Vormittag die erste Erkundung der Stadt und einiger Stätten geplant, die mit den frühen Jahren des Franziskus zu tun haben: der Dom und das Elternhaus mit der Chiesa Nuova, die Piazza del Comune mit der Erinnerung an das Leben in der kleinen Stadt im Mittelalter und der dortigen Kirche im ehemaligen Tempel der Minerva.Und ganz am Anfang unseres Stadtspazierganges im Dom San Rufino, der mit seiner prachtvollen Fassade begeistert, steht rechts in einer Ecke ganz unspektakulär der Taufstein. Er ist der originale Taufstein, an dem tatsächlich Franziskus und Klara und ein Kaiser getauft worden sind. Dort werden wir mit der Gruppe eine kurze Tauferinnerungsfeier halten. Die Tauferinnerung wird ja am eindrücklichsten immer in der Osternacht gefeiert mit den Fragen nach dem Widersagen an das Böse und dem Glauben an den einen Gott. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir sehr wenig bedenken, wie groß dieser so einfache Ritus ist, der durch übergießen mit Wasser jeden Täufling in die Gemeinschaft der Christen und in das Volk Gottes aufnimmt.Ein Text, den ich in einem frühen Reisebegleitheft gefunden habe, gebe ich Dir und uns heute mit in den Tag."Ich bin getauft. Sie haben mir einen Namen gegeben.Ich bin keine Nummer, kein ES und kein Fall. Ich bin von Ewigkeit gewollt. Bezeichnet mit dem Siegel des Lebens.Ich bin getauft. Sie haben mir Wasser über den Kopf gegossen.Sie haben mir den Heiligen Geist zugesagt. Ich bin nicht haltlos hinausgetrieben in eine Welt, in der Hass und Geistlosigkeit den Ton angeben.Ich bin getauft. Sie haben mir keine Lehre aufgeschwätzt, kein Vorbild präsentiert, nicht mit Argumenten vor die Entscheidung gestellt.Lange bevor ich mich entscheiden konnte, hat sich EINER für mich entschieden. Jetzt ist es an mir, ob ich seine Entscheidung annehme.Ich bin getauft. Sie haben mir eine Heimat angeboten: die Kirche.Sie haben mir einen Auftrag gegeben: die Kirche.Ich kann weghören wenn Christus mich ruft.Ich kann weglaufen, wenn er mich braucht.Ich kann auch warten und schweigen, hören und aufbrechen, eine Spur suchen und mein Leben finden."
    5 min
  • Populärer Heiliger
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Heute Abend geht es also los. Die Gruppe der DOMRADIO-Hörer, die sich angemeldet hat, trifft sich heute Abend am Flughafen in Köln. Und dann geht es nach Rom und von dort mit dem Bus nach Assisi. Warst Du schon mal dort? Ich gebe gerne zu, dass ich schon sehr oft dort war und mir diese Stadt sehr ans Herz gewachsen ist. Zum einen, weil die Stadt immer noch aus der Entfernung sehr mittelalterlich aussieht und wenn man durch ihre Gassen geht, immer das Gefühl hat, Franziskus oder andere Brüder von ihm oder Klara und ihre Schwestern könnten einem geradewegs über den Weg laufen. Und zum anderen, weil es viele Ordenshäuser dort gibt und man immer wieder Ordensleuten über den Weg läuft, was ja hier in Deutschland nicht mehr so oft vorkommt; und auch weil in diese kleine Stadt noch so viele Menschen kommen, die Franz und Klara sehr verehren und ihre Kirchen besuchen, Gottesdienste feiern, Andenken kaufen und das herrliche Flair Umbriens genießen.Franziskus hat vor 800 Jahren gelebt und dann ist ja immer die Frage danach, warum er immer noch so populär ist, sehr verständlich. Im Laufe der Jahrhunderte waren es immer andere Aspekte, die die Menschen beeindruckt haben. Am Anfang sein Leben in freiwilliger Armut, obwohl er aus sehr reichem Haus war. Dann sein Dienst an den Aussätzigen und anderen Kranken, obwohl es damals kein Heilmittel gegen die Lepra gab und eine Ansteckung tödlich war. Dann seine Liebe zur Kirche, obwohl sie damals in chaotischen Zuständen war und kaum noch Gott im Mittelpunkt stand. Ebenso sein geschwisterlicher Umgang mit seinen Brüdern, die auf Augenhöhe und ohne Hierarchie zusammenleben wollten. Später die Ablehnung jeglichen Waffentragens, wodurch im zersplitterten Italien plötzlich kaum noch Städtekrieg möglich waren. Und heute ist den meisten die Liebe zur Schöpfung ein Begriff, der sich bei Franziskus im Sonnengesang manifestierte, wobei den meisten nicht klar ist, dass dieser wunderbare Sonnengesang kein liebes Sonne- Mond- und Sterne-Liedchen ist, sondern ein Loblied auf den Schöpfergott.Du merkst schon, dieser Mensch Franziskus hat so viele Seiten in seinem eigenen und dem Leben über die Jahrhunderte angeregt, dass man irgendwie nie fertig wird. Aber der wichtigste Punkt in diesem Leben war die Begegnung mit Christus am Kreuz von San Damiano. Dort erhält er den Auftrag, seine Kirche wieder aufzubauen und damit sind seine Brüder und Schwestern damals und bis heute beschäftigt.
    5 min
  • Ein unglaublicher Mensch
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Morgen Abend werden wir mit einer Gruppe DOMRADIO-Hörer nach Assisi aufbrechen um Franziskus und Klara von Assisi näher kennen zu lernen und auch Carlo Acutis. Und am Sonntag besuchen wir die Einsiedelei Carceri oberhalb der Stadt. Das Klostergebäude wurde gebaut zur Zeit, als Bernhardin von Siena dort Oberer war. Und dort ist oben unter der Dachkante auch das Logo eingemeißelt, das er quasi erfunden hat. Ein Kreis von Sonnenstrahlen mit den Buchstaben IHS, ins Deutsche übersetzt als "Jesus, Heiland, Seligmacher". Ignatius von Lojola hat dieses Logo später für seinen neu gegründeten Jesuitenorden verwendet und so hat es sich gerade in Europa sehr stark verbreitet.An diesen Bernhardin denken die Franziskanerminoriten heute besonders. Bernhardin war ein begnadeter Prediger und Friedensstifter. Der Papst wollte ihn viermal zum Bischof ernennen und er hat es immer abgelehnt. Nun wollte er ihn zum Bischof von Siena berufen, was Bernhardin wieder ablehnte. 1427 hielt er dennoch in dieser Stadt 45 Tage lang seine wohl schönsten Predigten auf der Piazza del Campo, die alle mitgeschrieben wurden und überliefert sind. Bernhardin wirkte friedenstiftend in italienischen Städtekriegen und wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrt. Sein Ruhm beruht aber vor allem auf seinen Predigten in der Sprache des Volkes, die von seinen Hörern gesammelt und überliefert wurden. Sie beschäftigen sich mit dem familiären, sozialen und politischen Leben jener Zeit und waren auch den ersten humanistischen Strömungen gegenüber aufgeschlossen. Sie überzeugten durch ihre Klarheit und ihren gesunden Menschenverstand, waren reich an Beispielen, kräftigen Tönen und witzigen Aussprüchen. Wegen seines Christussymbols hat er viel Ärger bekommen, wurde mehrfach der Häresie angeklagt und zum Papst vorgeladen, aber immer wieder freigesprochen.Wenn jemand aus Liebe zu Christus so predigen kann, dass die Menschen ihn verstehen und er die Botschaft des Evangeliums unters Volk bringt, dass sie die Mitschriften heute noch kennen, die Berufung zum Bischof fünfmal abgelehnt hat und sogar angeklagt wurde, eine Irrlehre zu verbreiten, dann muss dass ein unglaublicher Mensch und Ordensmann gewesen sein und es ist gut an ihn zu denken.
    5 min
  • Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele
    Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Manchmal, wenn Zeit ist, höre ich gerne geistliche Musik. Das ist Musik, die biblische oder liturgische Texte nimmt und sie vertont; ob aus dem Mittelalter von Hildegard von Bingen, Claudio Monteverdi aus der Zeit der Renaissance, Händel, Bach oder Praetorius aus dem Barock und noch sehr viele mehr. Und es ist oft ein sehr diffuses Gefühl: Die Musik entführt scheinbar Geist und Seele in eine ganz andere Sphäre und beschwingt oder wühlt auf, beruhigt oder tut einfach gut.Und ganz oft bleibe ich dann so sehr in den Noten und Klängen gefangen, dass ich Raum und Zeit vergesse und ganz berührt bin, wenn nach langer Zeit ein Nachrichtenjingle kommt oder die CD zu Ende ist. Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele, heißt es nicht umsonst. Und noch ganz anders geschieht es, wenn man selbst singt oder ein Instrument spielt oder elektronisch Musik macht.Vorige Woche ist mir das seit langem mal wieder passiert. Wir haben uns zu viert auf der Orgelempore der Mutterhauskirche getroffen, um zwei wundervolle Gesänge zu üben und zu wiederholen, die wir schon lange kennen, aber nur noch selten singen. Für das Jubiläumsfest einiger unserer Schwestern wollten wir das aber gern mal wieder tun. Und ich bin immer wieder verblüfft darüber, wenn die Melodie angespielt wird und die ersten Töne kommen, dann singt es quasi ganz von allein aus mir heraus. Und es kamen in meinem Hinterkopf ganz viele Szenen wieder deutlich hervor, die mit diesen Gesängen und den Feierlichkeiten aus den ersten Ordensjahren zusammenhängen. Und es war dann, nach der kurzen Probe, den ganzen Nachmittag wie eine Dauerschleife eines Filmes mit dieser wunderschönen Musik.Heute ist vielleicht ein guter Tag, um mal wieder die Lieblingsmusik zu hören oder mal etwas ganz anderes und die Seele mit schönen Klängen umarmen zu lassen. Gönn es Dir. Es wird Dir guttun.
    4 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…

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