Mehr als dreieinhalb Millionen Menschen sind in Frankreich arbeitslos, ein trauriger Rekord. Der Staatspräsident will Arbeitsmarktreformen, dagegen laufen aber fast alle Sturm. SRF-Frankreich-Korrespondent Charles Liebherr ist Gast von Susanne Brunner.Wer in Frankreich noch nicht im Arbeitsmarkt ist oder rausgefallen, hat es schwer. Das trifft vor allem Junge – und die Älteren. Immer mehr von ihnen haben keine Arbeit. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote bei 10,7 Prozent, mehr als doppelt so hoch als die offizielle Arbeitslosenquote in Deutschland. Als François Hollande sein Amt antrat, versprach er, die Arbeitslosigkeit zu senken. Das ist ihm nicht gelungen. Nun hat er eine Arbeitsmarktreform ohne Abstimmung im Parlament durchgeboxt – und dagegen protestieren nun Tausende. Den einen geht sie zu weit, den anderen zu wenig weit. So singulär, wie es scheint, ist diese Massnahme allerdings nicht, auch Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy habe sie schon angewandt, sagt Charles Liebherr. In diesen Tagen kommt es fast überall in Frankreich wieder zu Protesten und Streiks. Nur sind beispielsweise die Bahnangestellten, die streiken, von der Arbeitsmarktreform eigentlich gar nicht betroffen, sagt Charles Liebherr: «Die Bahnarbeiter versuchen so, weit in die Zukunft hinein ihre Privilegien zu verteidigen».