ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Kongress der Spurenleser beginnt in Köln (11.5.2017)
    Moderne Archäologie setzt auf neueste Technik – und auf die Jahrtausende alte Kultur des Spurenlesens. Denn gute Spurenleser können aus einer einzigen alten Fußspur nicht nur Alter, Geschlecht oder Geh-Tempo bestimmen, sondern oft auch die Verfassung des Menschen, der diese Spur hinterlassen hat. 2017 laden Kölner Archäologen neben vielen Forscherinnen und Wissenschaftlern auch Indigene aus Namibia, Australien und Nordkanada nach Köln ein – zum weltweit ersten Spurenleser-Kongress. Es ist der Versuch, eine einmalige Kulturfähigkeit der Menschheit, die vom Aussterben bedroht ist, für die Zukunft zu bewahren. Vielleicht lassen sich mit Hilfe dieser uralten Kulturtechnik sogar manche Rätsel der Archäologie lösen. Seit fast 150 Jahren zerbrechen sich Forscherinnen und Forscher den Kopf, wie die berühmten südfranzösischen und nordspanischen Höhlenmalereien von Lascaux bis Altamira entstanden sind. Haben dort vor 20.000 Jahren in der Steinzeit rituelle Zeremonien stattgefunden? Wie viele "Künstler und Künstlerinnen" waren am Werk, wie alt und groß waren sie? Was hat sie bewegt? Die Kölner Archäologen Tilman Lenssen-Erz und Andreas Pastoors hatten die Idee, die prähistorischen Fußspuren, die in manchen Höhlen erhalten geblieben sind, von den besten Spurenlesern der Erde untersuchen zu lassen: den Angehörigen indigener Völker aus Afrika, Australien und der Polarregion. Ihre besonderen Fähigkeiten sind zu vergleichen mit den Können von Wein-Sommerliers, Super-Recognizern der Polizei oder Musikern mit absolutem Gehör.
    15 min
  • Der Geburtstag des Komponisten Jean-Marie Leclair (10.5.1697)
    Was war dieser Leclair nicht alles: Ein Ex-Tänzer, ein Sturkopf – aber eben auch der brillanteste Geigenvirtuose seiner Zeit. Nur seinem Zeitgenossen Johann Sebastian Bach ist Jean-Marie Leclair leider nie begegnet. Der eigenwillige Franzose Leclair kam auf einer Deutschlandreise nur bis nach Kassel ? zu gerne würde man sich aber einen gemeinsamen Wirtshaus-Besuch der beiden Großmeister des Barock ausmalen. Waren doch die deutsche protestantische Stadtkultur und die höfische französische Kultur so gegensätzlich wie Leipziger Bier und Bordeaux-Wein. Während Bach die Orgelbank drückte, begann Leclair, der Sohn eines Bortenstickers aus Lyon, als Tänzer und ließ sich daneben in Turin zu einem der glänzendsten Virtuosen auf der Geige ausbilden. Er spielte im Orchester von König Ludwig XV., war aber wohl ein eigensinniger ? manche sagen: ungemütlicher ? Zeitgenosse, der sich in die Niederlande absetzte und später nur noch komponierte und unterrichtete. 1764 wurde er in seinem Haus in einem Pariser Vergnügungsviertel brutal ermordet und ging damit auch in die Skandalgeschichte der Musik ein.
    15 min
  • Der Beginn der Zentralasien-Expedition von Sven Hedin (9.5.1927)
    Sven Anders Hedin war der Abenteurer des frühen 20. Jahrhunderts. Ein Held, ein begnadeter Erzähler und Vermarkter der eigenen Reisen – und eine widersprüchliche Person, die den deutschen Kaiser Wilhelm II., Chinas Machthaber Tschiang Kaischek und später Adolf Hitler zu seinen Brieffreunden zählte. Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert wird der Schwede Sven Anders Hedin zum gefeierter Mann. Nach seinen spektakulären Expeditionen durch Asien suchen Staatslenker, autoritäre wie demokratische, seine Nähe und lassen sich durch Hedins Erzählungen in unbekannte Länder entführen. Am 9. Mai 1927 startete Sven Hedin seine letzte große Expedition. Mit einem Tross von 60 Mann, darunter zahlreiche Wissenschaftler, mit 300 Kamelen und 40 Tonnen Gepäck suchte der Forscher sein letztes Abenteuer in der Wüste Gobi. Im Auftrag der Lufthansa sollte er herausfinden, ob eine Überquerung der gewaltigen Wüste für die Flugverbindung zwischen Deutschland und China möglich wäre. Nach acht strapaziösen Jahren kehrte Hedin zurück. Zahlreiche weiße Flecken auf den Landkarten Asiens werden jetzt mit genauen Zeichnungen ausgefüllt. Das internationale Echo war enorm: Vor allem in Deutschland wurde Hedin nun wie ein Popstar von einem Vortrag zum nächsten geschleppt; insgesamt waren es fast 100 Veranstaltungen, die er sich gut bezahlen ließ, denn seine letzte Expedition hatte ein Vermögen gekostet. Gleichzeitig verfiel Hedin mehr und mehr dem Nationalsozialismus, obwohl seine Mutter jüdischen Glaubens war. Nicht der einzige Widerspruch im Leben von Sven Anders Hedin.
    15 min
  • Der Todestag von Maria Montessori (6.5.1952)
    Ob Kindergärten, Schulen, Bücher oder Blogs – die Montessori-Pädagogik ist heute auf der ganzen Welt beliebt. Sie geht zurück auf eine Frau, die ihrer Zeit voraus war: Maria Montessori. Ärztin, Philosophin, Reformpädagogin. Die Italienerin kämpft für die Individualität, die Würde und Rechte des Kindes – in einer Zeit in der Gewalt und Kinderarbeit alltäglich sind. Montessori wird 1870 ins Bildungsbürgertum hineingeboren. Der restriktiv-autoritäre Erziehungsstil in der Schule widerspricht dem ihres Elternhauses. So stillt die junge Maria ihren Wissensdurst zunächst zuhause. Später setzt sie sich gegen viele Widerstände der patriarchalen Gesellschaft durch, besucht eine technische Oberschule und studiert als eine der ersten Frauen Italiens Medizin. Als Assistenzärztin für Kinderpsychiatrie studiert Montessori das Verhalten von geistig beeinträchtigten Kindern, die würdelos verwahrt und nicht gefördert werden. Sie entwirft ihre eigenen Arbeitsmaterialien getreu dem Motto: "Die tätige Hand fördert die Intelligenz". Montessori selbst entwickelt sich zu einer Pädagogin mit hohem sozialen Engagement. Sie setzt sich für die Rechte von Frauen und die Bildung von Armen ein. 1907 eröffnet sie ihr erstes Kinderhaus, in dem sie ihre eigene Methode ausprobieren und weiterentwickeln kann. "Hilf mir, es selbst zu tun!" wird zum Kernsatz ihrer Erziehung zur Selbständigkeit des einzelnen Kindes. Durch unzählige Reisen, Vorträge und Publikationen verbreitet die Powerfrau ihre Erfahrungen und Ideen auf der ganzen Welt. In vielen Ländern entstehen Montessori-Schulen und Gesellschaften, sowie ein internationaler Dachverband, dessen Ziel es ist den ganzheitlichen Ansatz von Maria Montessori mit Leben zu füllen, auch siebzig Jahre nach ihrem Tod.
    15 min
  • Der Geburtstag des Habsburger Kaisers Leopold II. (5.5.1747)
    Österreich und das Kaisertum? Klar, das ist KuK, dann noch ein bisschen Sissi-Nostalgie. Aber Aufklärung, Sturm und Drang nach Reformen? Ausgelöst durch zwei Habsburger Kaiser? Ja, auch das gab es! Ende des 18. Jahrhunderts gab es zwei Habsburger Herrscher, die sich um Reformpolitik bemühten: der eine, Kaiser Joseph II. mit weniger, sein Nachfolger Leopold II. mit mehr Erfolg. Das neunte von 16 Kindern Maria-Theresias kam am 5. Mai 1747 in Wien zur Welt und wurde im Geist der Aufklärung erzogen. Leopold brachte seine Idee einer aufgeklärten Herrschaft zunächst im Großherzogtum Toskana ein, die sich zu einem damals modernen Musterstaat entwickelte. Als Kaiser schloss Leopold II. 1791 Frieden mit den Osmanen und versuchte mäßig erfolgreich seine Toskana-Politik auf das Habsburgerreich zu übertragen. Mit seiner Frau Maria Ludovica hatte Leopold II. ebenfalls 16 Kinder. Nach seinem plötzlichen Tod 1792 brach Leopolds ältester Sohn und Nachfolger Franz I. mit der Reformpolitik des Vaters.
    15 min
  • Der Geburtstag des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus (4.5.1772)
    Brockhaus, wer oder was war das nochmal? Das müssen viele Menschen inzwischen in der Wikipedia nachgucken. Womit schon viel gesagt ist über "den Brockhaus": Das waren mal 30 Buchbände, schwer wie Ziegelsteine, Ledereinband, Goldschnitt. Darin: alles Wissen von A bis Z – mehr Bildungsbürgertum zum Anfassen ging nicht. Bis das Internet kam. Der Name auf den Bänden, Brockhaus, stand einst für Lexika wie Tempo für Papiertaschentücher. Der Namensgeber, Friedrich Arnold Brockhaus, war ein Tausendsassa, vielseitig interessiert, gesegnet mit untrüglichem Geschäftssinn – und gleichzeitig der Gabe, so manche Unternehmung herzhaft in den Sand zu setzen. Nicht so bei einem verwegenen Projekt, dass er auf der Leipziger Messe kennenlernt: ein sogenanntes "Conversations-Lexikon", das dem "allgemeinen Streben nach Geistesbildung" gerecht werden soll – "wenigstens dem Scheine nach", so der überaus spannende Nachsatz. Die bisherigen Verleger waren mit diesem Lexikon bankrott gegangen, Brockhaus kauft es zum Schnäppchenpreis. Der Rest ist Geschichte, möchte man sagen – wechselvolle Geschichte jedenfalls. Denn in jeder Auflage ist das Schreiben einer Enzyklopädie ein Wettlauf gegen die Zeit: Kommt ein Band heraus, ist er schon wieder überholt. Die Enzyklopädie aus der Weimarer Zeit etwa muss mit Luftschiffen und Relativitätstheorie Erfindungen erklären, die beim Start der vorherigen Ausgabe noch völlig unbekannt waren; in der Nazizeit wiederum gilt es, sich den neuen Machthabern anzudienen. Die 21. Auflage, erscheinen von 2005 bis 2014, sollte schließlich die letzte bleiben. Denn noch so eine moderne Erfindung, das Internet, hat dem Wissensprojekt in Leder den Garaus gemacht.
    15 min
  • Der Todestag der Sängerin Dalida (3.5.1987)
    Dalida war ein Weltstar – auch weil sie auf französisch, arabisch, italienisch und deutsch sang, immer mit exotisch rollendem "R" und großer Leidenschaft. "Am Tag, als der Regen kam" wird in Deutschland einer der größten Erfolge ihrer fast 30-jährigen Karriere. Iolanda Cristina Gigliotti kommt 1933 in einem Vorort von Kairo zur Welt, wo ihr italienischer Vater als erster Geiger an der Oper arbeitet. Nach ihrer Wahl zur Miss Ägypten geht sie nach Paris um Schauspielerin zu werden, wie ihr Vorbild Rita Hayworth, und jobbt zunächst nur als Sängerin. Ihr Timbre und die Melancholie in ihrer Musik bringen ihr elf goldene und sechs Platin-Schallplatten ein. Sie wird zu einer Ikone der Leidenschaft und Königin der Jukebox. Doch mit dem Erfolg kommt auch das Drama: Nachdem sie 1967 mit ihrem damaligen Freund, dem Sänger Luigi Tenco, beim San Remo Musikfestival aufgetreten ist, erschießt sich Tenco im Hotel – aus Enttäuschung darüber, dass sie nicht ins Finale gekommen sind. Fassungslos unternimmt auch Dalida wenig später einen Selbstmordversuch, feiert aber schon im Oktober im Musichall Olympia ein Comeback ganz in weiß. Das ist der Beginn ihrer "Madonnen"-Phase, gefolgt von der "Disco-Queen", dem Broadway-Showstar und der Rückkehr zum Orient als von der Kritik gelobte Filmtragödin. Trotz weiterer Schicksalsschläge hört sie nie auf zu singen – bis sie am 3. Mai 1987 in ihrem Abschiedsbrief schreibt: "Das Leben ist mir unerträglich geworden. Vergebt mir!"
    15 min
  • Der Geburtstag des deutschen Dichters Novalis (2.5.1772)
    Der Frühromantiker Novalis gilt als ein Wegbereiter der modernen Lyrik. Seine "blaue Blume" machte ihn berühmt. Doch lange konnte er sein Genie nicht erproben. Mit 29 Jahren starb er an Tuberkulose. Novalis, mit bürgerlichem Namen Friedrich von Hardenberg, machte 1798 mit Fragmenten auf sich aufmerksam: in seiner Sammlung "Blütenstaub". Verse schmieden und philosophieren konnte der studierte Jurist aber nur in "Nebenstunden". Sein Brotberuf als Bergwerksassessor und Amtshauptmann stand im Vordergrund. In seinen Texten suchte Novalis, der seine große Liebe Sophie früh verlor, nach einer neuen Spiritualität: "ohne christlichen und weltlichen Zwang". Er dichtete die berühmten, mehrfach vertonten "Hymnen an die Nacht", schrieb Abhandlungen über "Glauben und Liebe" und verfasste das Romanfragment "Heinrich von Ofterdinge"". Das ganze Ausmaß seiner neuen Ästhetik erkannte erst die Nachwelt. So erhoben die französischen Surrealisten Novalis zu ihrem Vorgänger.
    15 min
  • Der Todestag des Erfinders Roland Moreno (29.4.2012)
    Der Mann hat so Verzichtbares erfunden wie die Münzwurf-Maschine, das elektronische Miniatur-Klavier mit 8 Tönen oder den Taschenrechner, der zu allen Ergebnissen eine 1 hinzufügt. Allerdings verdanken wir auch Bahnbrechendes wie die kontaktlose Chipkarte dem Erfindergeist des spleenigen Franzosen Roland Moreno. Ganz im Gegensatz zu dem seriösen deutschen Ingenieur Jürgen Dethloff, mit dem der in Kairo geborene Daniel Düsentrieb der Elektronik 1996 von der Eduard-Rhein-Stiftung für die Erfindung und Entwicklung von Chipkartentechnologien ausgezeichnet wurde, bezeichnete sich Roland Moreno gerne als superfaul, kaum produktiv, eifersüchtig, verschwenderisch und zerstreut. Kein Wunder, dass er als Unternehmer total versagte. Immerhin gibt es seine Firma Innovatron zur Vermarktung von Ideen noch heute. Ebenso wie eine Gesellschaft, die auf sein Patent einer Namen-Erfindungsmaschine zurückgeht. Schade, dass die Menschenmassen, die täglich mit der kontaktlosen Nahverkehrskarte Navigo im Raum Paris per Metro, Bus oder Tram unterwegs sind, den Namen dieses sympathischen Originals meist ebensowenig kennen wie SIM- oder Kreditkarten-Nutzer in aller Welt.
    15 min
  • Die Hinrichtung des Grafen Struensee (28.4.1772)
    Der deutsche Arzt Struensee hatte es eigentlich nur gut gemeint mit Dänemark: Der überzeugte Aufklärer wollte einen fortschrittlichen Staat etablieren. Doch die Revolution von oben endete mit Struensees Hinrichtung.Die Hinrichtung des Grafen Johann Friedrich Struensee ist ein großes Ereignis in Kopenhagen: 30.000 Menschen strömen vor die Tore der Stadt, um mitzuerleben, wie der Politiker geköpft, gevierteilt und aufs Rad geflochten wird. Dabei war Struensee mit den besten Absichten nach Dänemark gekommen und wollte einen modernen Staat im Sinne Voltaires etablieren. 1769 war der Armenarzt aus Altona an den Hof Christians VII. gekommen und schnell zum Leibarzt des psychisch kranken jungen Königs aufgestiegen. Christian übertrug seinem Vertrauten schließlich eine Generalvollmacht, so dass Struensee ab 1771 quasi allein regieren konnte. Vom Schreibtisch aus plante er eine Revolution von oben: In 16 Monaten erließ er über 600 Dekrete, in denen er unter anderem Folter und Sklavenhandel abschaffte und die Pressefreiheit einführte. Doch in seiner Arroganz und Selbstherrlichkeit machte sich der Aufklärer schnell viele Feinde - und das nicht nur im Adel, dem er die Privilegien kappte, sondern auch im Volk. Als er dann noch ein Verhältnis mit der jungen Königin Caroline Mathilde begann, schlugen seine Gegner zurück.
    15 min

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