ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag des Bühnenbildners Caspar Neher (11.4.1897)
    Vielen galt er als "größter Bühnenbauer der Welt". Dabei war Caspar Neher mehr als ein Meister der Kulissen: Er malte, inszenierte, schrieb Texte für Opern. Und er sorgte umsichtig dafür, dass es sich sein Freund Bertolt Brecht nicht mit allen Mitmenschen verscherzte. Caspar Neher kannte seinen Mitschüler Bertolt schon seit den gemeinsamen Augsburger Kindertagen. Gemeinsam revolutionierten sie das Theater. Brechts Stücke in Nehers bewusst rohen, reduzierten Bühnenwelten haben unsere Wahrnehmung der Welt nachhaltig beeinflusst. Brecht schätzte Nehers Entwürfe, weil sie nicht dekorativ waren. Und dabei behilflich, das Stück besser zu verstehen. In einem Punkt konnten sich die beiden allerdings nicht einig werden, so dass sie beinahe ihre Freundschaft aufs Spiel setzten: Für Brecht gehörten Kunst und Politik zusammen; Neher dagegen meinte, beides hätte nichts miteinander zu tun. Trotzdem blieben Brecht und Neher ein gutes Gespann, das sich auch in der Theaterarbeit ergänzte. Wenn der bekannte Choleriker Brecht bei Proben lautstark für Kräche sorgte, dann versuchte Neher, die Gemüter zu beruhigen.
    15 min
  • Der Todestag des römischen Kaisers Caracalla (8.4.0217)
    Sie nannten ihn "Caracalla". Das war eigentlich der Name eines gallischen Kapuzenpullis: "Caracalla talaris". Und weil der Kaiser diesen überlangen antiken Hoodie so gerne trug, hatte er halt seine Namen weg. Selbst die riesigen Thermenanlagen, die der Kaiser in Rom errichten ließ, heißen bis heute "Caracalla-Thermen". "Marcus Aurelius Severus Antoninus Augustus-Thermen" könnte sich ja auch kein Tourist merken. Als der Kaiser die luxuriöse Badeanstalt bauen ließ, da sollte sie sein schmutziges Image aufpolieren – doch in den Augen der Zeitgenossen blieb er ein Drecksack. Den eigenen Bruder hatte er umgebracht, um zum Alleinherrscher zu werden. Beim eigenen Vater hatte er es zumindest versucht. Mit Mama wird ihm gelegentlich ein Verhältnis unterstellt, aber vielleicht ist zumindest das nur böse Propaganda. Nach zahlreichen Massakern an politischen Gegnern, unrühmlichen Kriegen und dem Versuch, sich selbst als Wiedergeburt des großen Alexander zu vermarkten, weint ihm jedenfalls niemand eine Träne nach, als Caracalla während einer Pinkelpause auf Reisen nicht nur Wasser, sondern zugleich auch sein Leben lässt. Mehrere Dolchstiche durchdringen den Kapuzenmantel beim Urinieren.
    15 min
  • Der Geburtstag der Orientalistin Annemarie Schimmel (7.4.1922)
    Sie war die Grand Dame der deutschen Orientalistik: Annemarie Schimmel. Arabisch, Osmanisch, Türkisch, Persisch und Urdu sprach sie wie ihre Muttersprache. Bis heute gilt sie als beste Kennerin der islamischen Mystik. In einer Zeit, als die Zahl weiblicher Professorinnen an europäischen Universitäten noch an zwei Händen abzuzählen war, lehrte Annemarie Schimmel als erste Christin an der islamtheologischen Fakultät in Ankara, später dann in Harvard und zuletzt erst in Bonn. Eine weitgereiste Frau, die aber doch bewusst sprichwörtlichen Elfenbeinturm lebte: Für Tagespolitik interessierte sie sich nicht, ihre Sprache war die der mystischen Dichtung, nicht das politische Statement. So hat Annemarie Schimmel am Ende ihres grandiosen Wissenschaftslebens durch ihre zwiespältigen Äußerungen zur Todesfatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie ihren Ruf nachhaltig beschädigt.
    15 min
  • Der Todestag von Heinrich Lübke (6.4.1972)
    Der peinliche Bundespräsident? Oder ein sozial eingestellter Konservativer und engagierter Umweltschützer? Heinrich Lübke ist die Symbolfigur für Würde und Bürde des höchsten deutschen Staatsamts. Vielen Deutschen sind Heinrich Lübkes politische Taten weniger in Erinnerung geblieben als seine manchmal unbeholfenen Reden. Dabei sind einige besonders peinliche "Lübke-Zitate" frei erfunden. Und dass angesichts einer fortschreitenden Gehirnerkrankung manche Häme über hochnotpeinliche Auftritte des Bundespräsidenten auch kein gutes Licht auf die Spötter wirft, weiß man inzwischen auch. "Ein solider Konservativer, der soziale Positionen vertrat", sagt SPD-Urgestein Franz Müntefering über den ebenfalls aus dem Sauerland stammenden CDU-Politiker Heinrich Lübke. Das Staatsoberhaupt mit stramm konservativer Haltung engagierte sich in der Entwicklungshilfe, im Umweltschutz und für die deutsche Wiedervereinigung. Anfang 1969, wenige Monate vor Ablauf seiner zweiten Amtszeit, gab Heinrich Lübke sein Amt auf. Offiziell, um die Wahl eines Nachfolgers aus dem aufziehenden Bundestagswahlkampf herauszuhalten. Es wird aber vermutet, dass seine fortschreitende Demenz und die auftauchenden Vorwürfe, er sei KZ-Baumeister in der Nazi-Zeit gewesen, die Gründe für Lübkes Rückzug waren. Heinrich Lübke starb im Alter von 77 Jahren in Bonn und wurde in seinem Geburtsort Enkhausen im Sauerland beerdigt.
    15 min
  • Das erste ZeitZeichen wird ausgestrahlt (4.4.1972)
    Das WDR-ZeitZeichen gibt es seit 50 Jahren täglich, also 365 mal pro Jahr, das macht 18.250 ZeitZeichen, in denen alles drin war: Es lebe die deutsche Republik, ich bin ein Berliner, es wächst zusammen, was zusammengehört – das ZeitZeichen hat die stets die großen Töne eingefangen, die von gestern, die uns das Heute erklären. Am 4. April dieses Jahres wird also das 18.250ste WDR-ZeitZeichen laufen. So in etwa, denn hin und wieder ist mal eine Sendung ausgefallen. Die erste Sendung lief am 4. April 1972: Ein Angriff mit Sturmkampfbombern, Hildegard Hamm-Brücher, Explosion in Walsum – die erste Sendung hatte drei Themen, erst später hat die ZeitZeichen-Redaktion die noch heute übliche Praxis eingeführt, nur ein Thema des entsprechenden Stichtags zu behandeln. Und das Thema dieses 18.250sten ZeitZeichens? Ganz klar, es ist ein ZeitZeichen über das ZeitZeichen. Und die vielen kleinen und die Zwischentöne, die uns zeigen, wie bunt und banal, groß und klein, schräg und gerade unsere Welt ist. Wichtig und unwichtig – mit dieser Mischung haucht das ZeitZeichen der Geschichte Leben ein. Und es ist selbst auch nach 50 Jahren noch lange nicht Geschichte.
    15 min
  • Der spanische König Juan Carlos widerruft das Alhambra-Edikt (1.4.1992)
    500 Jahre lang ist das "Decreto de la Alhambra" in Spanien offiziell in Kraft: 1492 hatten die katholischen Könige Isabella und Ferdinand II. die jüdische Bevölkerung vor die Wahl gestellt, innerhalb von vier Monaten das Land zu verlassen oder zum christlichen Glauben zu konvertieren. Das Edikt hat fatale Folgen für die Betroffenen – aber auch für Spanien selbst. Tausende "Sephardim" (wie die spanischen Juden sich nennen) werden von katholischen Fanatikern getötet. Weit über 100.000 verlieren ihre Heimat und müssen auswandern; viele werden von Bayezid II., Sultan des osmanischen Reiches, aufgenommen. Und die, die in Spanien bleiben und zum Katholizismus konvertieren, sind fortan als sogenannte "Conversos" Bürger zweiter Klasse; argwöhnisch beobachtet und oft genug verfolgt von der spanischen Inquisition. Spanien verliert damit seine kulturelle und wissenschaftliche Elite und fällt – trotz des enormen Reichtums, den die neuen Kolonien in Lateinamerika liefern – langfristig geopolitisch zurück. Die damals ausgelöste gesellschaftliche Erstarrung hält fast 500 Jahre lang an; bis zum Ende der Franco-Regimes in den 1970er Jahren.
    15 min
  • Der Geburtstag des Komponisten Joseph Haydn (31.03.1732)
    Joseph Haydn war der wohl bekannteste Komponist seiner Zeit. Mozart nannte ihn freundschaftlich-respektvoll "Papa". Zweifellos ein Genie. Und trotzdem blieb Haydn der Nachwelt vor allem als Vorläufer Beethovens und Mozarts in Erinnerung. Vielleicht lag es an Joseph Haydns Gemüt: Der österreichische Komponist war ein jovialer Gemütsmensch, Schöpfer heiter bis leicht bewölkter Symphonien und Sonaten, Opern und Oratorien. Unvermeidlich ist das Klischee vom Haydn´schen Humor. Und so verharmloste die Musikgeschichte den genialen Tonschöpfer zu "Papa Haydn". Doch so erscheint die Ausnahmegestalt Joseph Haydns notorisch verkleinert. Höchste Zeit, den Komponisten an seinem Geburtstag wieder einmal in das helle Licht zu stellen, das ihm gebührt.
    14 min
  • Der Geburtstag des Malers Moritz Rugendas (29.03.1802)
    Der Maler Moritz Rugendas sieht im 19. Jahrhundert Länder und Menschen, die bis dahin kein Europäer gesehen hatte: Sümpfe und Dschungel Brasiliens, das Gebiet um den sagenumwobenen Rio de la Plata. Damit prägt Rugendas das Wissen und unser Bild Südamerikas bis heute. Für Moritz Rugendas ist ein Maler nicht nur Beobachter. Für ihn muss der Maler eintauchen in die Welt, die er erfassen will. Und so beobachtet er die Ureinwohner Chiles, lebt mit ihnen, zeichnet sie. Zunächst skizziert er alles, manchmal wie im Rausch. Später verfeinert er die Werke zu Zeichnungen und Ölgemälden. Damit beeindruckt er den Entdecker Alexander von Humboldt, der sein lebenslanger Freund und Förderer wird. Gemeinsam bereisen Humboldt und Rugendas 1837 Südamerika: Moritz Rugendas illustriert, was Humboldt entdeckt. Er ist sein malender Schatten. Als er erstmals aus dem Schatten Humboldts tritt und eine eigene Reise unternimmt, entstellt ein Reitunfall das Gesicht des Malers und verändert sein Leben und seinen Blick auf die Welt für immer.
    15 min
  • Der Geburtstag der Fußballtrainers Sepp Herberger (28.3.1897)
    Als Josef "Sepp" Herberger vor 125 Jahren das Licht der Welt erblickte, wurde über den Fußball noch allenthalben die Nase gerümpft. Die deutsche Turnerschaft spottete verächtlich über die "englische Fußlümmelei". Doch dann wuchs der Fußball in Deutschland gleichzeitig mit seinem großen Trainer heran. 1897 ist an einen organisierten Fußball-Spielbetrieb in Deutschland noch nicht zu denken, schon gar nicht an eine Nationalmannschaft oder gar an eine Weltmeisterschaft. Die Deutsche Turnerschaft wähnt sich moralisch, historisch und sportlich auf der richtigen Seite. Sport bedeutete Ertüchtigung, bedeutete auch im Kaiserreich die Vorbereitung "auf den bewaffneten Kampf im Felde". Gegen einen Ball zu treten, war ein Sport für Außenseiter. Sepp Herberger, in einem Elendsviertel des Mannheimer Waldhofs groß geworden, nutzte den Fußball als Sprungbrett in ein besseres Leben. Er erkannte Chancen früher als andere, und er ging Wagnisse ein, wenn andere noch überlegten. Er ließ sich in den 20er Jahren einen Vereinswechsel bezahlen, wofür man damals (Achtung, Fußball-Millionarios!) selbstverständlich gesperrt wurde. Anfang der 1930er Jahre entschied sich Sepp Herberger für eine Laufbahn als Trainer. Er trat in die NSDAP ein, um dem Reichstrainer assistieren zu können. Nach dem Krieg baute er die deutsche Nationalmannschaft als Trainer wieder auf: 1954, Wankdorfstadion, aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen… der Rest ist Legende. Alle, die ihn kennenlernten, sprachen noch lange nach Herbergers Tod von einem Fußball-Besessenen. Er selbst tat das auch. Der Fußball war für ihn zweifellos das Spiel des Lebens.
    15 min
  • Der Geburtstag der Sängerin Aretha Franklin (25.03.1942)
    Wenn sie ihre Stimme erhob und zu singen begann, war es, als würde sich eine Naturgewalt Bahn brechen. Aretha Franklin, die "Queen of Soul", elektrisierte ihr Publikum, brachte manches Mal mit ihrer Darbietung auch Barack Obama zum Weinen, der sie während seiner Präsidentschaft mehrmals ins Weiße Haus einlud. Aretha Franklin, die gerne in Abendkleid und Pelzmantel sang, wuchs in einem Elternhaus auf, das voller Musik war. Doch sie musste von Kindesbeinen an auch schwere Schicksalsschläge aushalten: den frühen Tod der Mutter, den ihrer Schwester, gewalttätige Männer. Ihrer Strahlkraft als Künstlerin tat das keinen Abbruch. Wild, empört und ungebrochen klang ihre Stimme. Franklins größter Hit "Respect" aus dem Jahr 1967 wurde zur Hymne der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und zu der des Feminismus. Es heißt, Aretha Franklin habe Geschäftsleuten so sehr misstraut, dass sie sich jeden Auftritt in bar bezahlen ließ und die Geldscheine stets mit auf die Bühne nahm. Heute vor achtzig Jahren wurde die Sängerin und Pianistin in Memphis, Tennessee, geboren.
    14 min

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