ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Hörspielpreis der Kriegsblinden wird erstmals verliehen (09.03.1952)
    Günter Eich, Wolfgang Hildesheimer, Ingeborg Bachmann, Friederike Roth, Christoph Schlingensief, Elfriede Jelinek. Es sind illustre Namen, die sich auf der Liste der Preisträgerinnen und Preisträger für den Hörspielpreis der Kriegsblinden finden. Es ist die renommierteste Auszeichnung für das gesamte Genre. Im Nachkriegsdeutschland ist das Radio ein wichtiges Medium. Hier informieren sich die Menschen, hier diskutieren sie, hier lassen sie sich unter- halten, mit leichter Muse, mit Quizsendungen und auch mit Hörspielen, die keineswegs nur leichte Kost sind. Die Dramaturgen und Regisseure in der Hörspielabteilung der neu gegründeten Rundfunksender suchen engagiert nach "Zeitstücken" der "jungen Generation", für ein Publikum, das nach Kultur hungert. Besonders auch die Kriegsblinden, für die das Medium Radio oft die einzige Möglichkeit der kulturellen Teilhabe bietet. 1950 gibt Friedrich Wilhelm Hymmen, Schriftleiter des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands e.V. und selbst im Zweiten Weltkrieg kurzzeitig erblindet, den Anstoß zur Gründung des Hörspielpreises der Kriegsblinden, um das Medium zu fördern. Jährlich soll das Hörspiel ausgezeichnet werden, "das vom Menschlichen her uns anredet und uns Hilfe gibt, mit dem Dasein besser fertig zu werden oder die Aufgaben und Zusammenhänge unseres eigenen Lebens besser zu verstehen", heißt es damals. 1952 wird der Preis zum ersten Mal verliehen. Heute lauten die Vorgaben ein wenig anders, das Menschliche spielt nicht mehr die Hauptrolle, sondern das Künstlerische, das Innovative, das Experimentelle. Jährlich wird das Hörspiel ausgezeichnet, das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert.
    15 min
  • Der Todestag des Luftschiffkonstrukteurs Ferdinand Graf von Zeppelin (08.03.1917)
    Der Name - eine Marke. Nur wenige schaffen das: Taschentuch gleich Tempo, Klebeband gleich Tesafilm, Luftschiff gleich Zeppelin. Dabei sind Zeppeline mit ihrer starren Hülle nur einer von zwei Luftschifftypen, und der namensgebende Graf Ferdinand von Zeppelin war auch nicht der Erfinder des Luftschiff-Konzeptes. Zum ersten Mal erlebte der umtriebige Leutnant der Württembergischen Armee den militärischen Einsatz von Ballonen im amerikanischen Bürgerkrieg 1863, an dem er als Beobachter teilnahm. Er stieg sogar selbst mit einem Ballon auf – ein Erlebnis, das ihn zeitlebens nicht mehr los ließ. Allerdings erkannte er auch die Schwäche von Ballonen: Sie waren kaum lenkbar. Die "Notwendigkeit der Lenkballone" stand für ihn außer Frage, und so machte er sich an die Konstruktion eines "lenkbaren Luftzuges". Weder vom allgemeinen Spott (Wilhelm II.: "Der Dümmste aller Süddeutschen"), noch vom Aufkommen des Flugzeuges ließ er sich irritieren. Und als er 1900 mit dem LZ-1 bewiesen hatte, dass sein Konzept funktioniert, wurden Zeppeline schnell zum Erfolg. Die goldene Zeit seiner Geschöpfe – des riesigen "Graf Zeppelin" und der noch größeren "Hindenburg", die in den 1920er und 30er Jahren mit Atlantiküberquerungen Weltruhm erlangten - hat der Graf allerdings nicht mehr erlebt. Er starb am 8.3.1917 mit 78 Jahren.
    15 min
  • Der Geburtstag der südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba (04.03.1932)
    Der Song "Pata Pata" machte die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba 1967 weltweit zu einem Star. Dabei hielt "Mama Afrika" das Lied für viel zu belanglos angesichts all der Schrecken der Apartheid, gegen die sie kämpfte. Mit ihren Liedern ist die am 4. März 1932 bei Johannesburg geborene Miriam Makeba für die Freiheit der Schwarzen eingetreten. In vielen ihrer Texte geht es um den schwierigen Alltag und das Unrecht in den Townships. In dem international beachteten Anti-Apartheid-Film "Come Back, Africa" spielte sie 1959 eine kleine Rolle. Daraufhin durfte sie nach einer Reise in die USA nicht mehr zurück nach Südafrika. Ihre wachsende Bekanntheit setzte sie für den Kampf gegen die Rassentrennung ein. 1963 forderte sie vor den Vereinten Nationen den Boykott des südafrikanischen Regimes. Erst nach 30 Jahren sah "Mama Africa" ihr Heimatland wieder. Nach einem Auftritt in Italien starb die Freiheitskämpferin, kurz nachdem sie als Zugabe "Pata Pata" gesungen hatte.
    15 min
  • Der Geburtstag von Klaus Gysi (03.03.1912)
    Sein Nachname lautet Gysi, und er ist ein Meister des Wortes, kann komplexe Themen anschaulich erklären, ist ein Meister feiner Ironie und gut gedrechselter Sätze. Sein Vorname ist Klaus, geboren 1912 in Neukölln bei Berlin. Später, in der Sprache der Nazis, galt er als "Halbjude" und als Kommunist. Dennoch beschloss die KPD-Führung 1940, dass er aus Paris, wo er studierte und interniert war, nach Berlin gehen sollte – ein lebensgefährlicher Befehl. Später machte Klaus Gysi in der DDR Karriere: als Leiter des Aufbau-Verlages, als Kulturminister, Botschafter in Italien und Staatssekretär für Kirchenfragen. Gysi galt als linientreuer Funktionär in der DDR, der sich aber schon durch seine Eloquenz von der obersten Riege unterschied.
    15 min
  • Der Club of Rome stellt Studie "Grenzen des Wachstums" vor (02.03.1972)
    Anfang der 1970er Jahre, noch spricht kaum jemand von versiegenden Rohstoffen, Waldsterben oder gar Klimakatastrophe. Doch schon vor der ersten Ölpreiskrise 1973 weist der Club of Rome auf die missliche Lage der Menschheit hin. 1972 erscheint sein bahnbrechender Bericht, der uns "Die Grenzen des Wachstums" aufzeigt. Seit seiner Veröffentlichung sind von diesem Buch über 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen verkauft worden. Zum ersten Mal wurden Computersimulationen eingesetzt, um die zentrale Frage der Weltwirtschaft zu stellen: Wann werden die Erde und ihre natürlichen Ressourcen nicht mehr ausreichen für die Bevölkerung? Der gemeinnützige und internationale Club of Rome, 1968 gegründet um sich für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit einzusetzen, hatte die Studie in Auftrag gegeben. Forscher am Massachusetts Institute of Technology kamen zu dem Ergebnis, dass innerhalb von 100 Jahren ökonomischer und ökologischer Kollaps drohen. Doch davon unberührt wuchsen in der Folge die Weltbevölkerung, Industrialisierung, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelproduktion und Ressourcenerschöpfung. "Die Grenzen des Wachstums" und seine regelmäßig aktualisierten Nachfolger sind Teil des Kanons der großen Umweltliteratur des 20. Jahrhunderts. Dennoch hat die Öffentlichkeit wenig getan, um die darin vorhergesagte Katastrophe abzuwenden.
    15 min
  • Der Bundestag verabschiedet das Zuwanderungsgesetz (01.03.2002)
    Es war eins der Prestigeprojekte von Gerhard Schröders rot-grüner Regierung – und bereits umstritten, bevor die ersten Zeilen überhaupt zu Papier gebracht waren. Das erklärte Ziel des neuen Zuwanderungsgesetzes: mit der bundesrepublikanischen Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland, endlich aufzuräumen. Stattdessen sollte Zuwanderung sinnvoll gestaltet werden. Für den eklatanten Fachkräftemangel mancher Branchen – damals etwa der IT-Industrie – sollten mit sogenannten "Greencards" gut ausgebildete Akademiker ins Land geholt werden. Die Quittung der Opposition: Jürgen Rüttgers, damals CDU-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, zog mit dem Slogan "Kinder statt Inder" in den Wahlkampf. Neben einer besser gesteuerten Zuwanderung wollte man aber auch die Integration der Angekommenen erleichtern: mit Sprachkursen etwa oder mit beschleunigten Verfahren. Noch immer gilt: Die Einwanderungspolitik ist vermintes Gelände. Hier der Wunsch von Flüchtlingen nach einem besseren Leben, da die Angst der Alteingesessenen, zu kurz zu kommen – Vorurteile, Emotionen, Missverständnisse. Ein gefundenes Fressen für Populisten. Und heute? Will sich die Ampel-Koalition an einem neuen Einwanderungsgesetz versuchen. Geräuschlos wird auch das nicht über die Bühne gehen.
    15 min
  • Der Geburtstag von Elsa Scholten (28.02.1902)
    Mit ihrer lautstarken und deftigen Spielweise hat sie jahrzehntelang ein Millionenpublikum begeistert: Elsa Scholten war zu den Glanzzeiten des Kölner Millowitsch-Theaters neben Willy Millowitsch die wohl wichtigste Schauspielerin. Schon seit den 30er Jahren stand sie an der Seite des legendären Theater-Patrons auf der Bühne und wurde immer mehr zu seiner kongenialen Partnerin. Genau genommen war sie schon vor dem Willy "beim Millowitsch". Denn der übernahm Elsa Scholten von seinem Großvater als Ensemble-Mitglied. Vor allem in der Rolle der schlampigen und unverschämten Frau Schluddermeier hat sie Generationen von Kölnerinnen und Kölnern begeistert. Die aus einer Schauspielerfamilie stammende Scholten wurde bereits als junge Frau in der Rolle der komischen Alten eingesetzt. Für eine "Salondame" sei sie schon mit 18 etwas zu groß und zu schwer gewesen, hat Elsa Scholten selbst mal in einem Interview bekannt. In mehr als 60 verschiedenen Stücken war sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1981 in verschiedenen Rollen zu sehen. Ob als Willys Ehefrau (wie im "Meisterboxer"), als ruppig-hemdsärmeliges Hausmädchen (in "Waidmannsheil") oder als bösartige Studienrätin ("Der Pedell"): immer ging es lautstark zur Sache, wenn sich der Patriarch und die Scholten gegenseitig mit den heftigsten kölschen Schimpfwörtern belegten. Am Ende behielt Willy dabei (fast) immer die Oberhand und hatte die Lacher auf seiner Seite. In der Beliebtheit beim Publikum aber war die Scholten stets ganz vorne mit dabei. Und Willy Millowitsch wusste, was er seiner treuen Elsa schuldig war. Neben ihm hatte nur sie das Recht auf eine eigene Garderobe. Privat jedoch war Elsa Scholten keine "Rampensau". Sie lebte bescheiden und zurückgezogen in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung. Und von dort war der Weg zum Millowitsch-Theater nicht weit.
    15 min
  • Die Tierschutztransportverordnung wird verabschiedet (25.02.1997)
    Über eine Milliarde Tiere werden jedes Jahr lebend auf Lastwagen durch ganz Europa transportiert. Weitere Millionen über die Grenzen hinaus in sogenannte Drittländer. Dokumentationen über diese Transporte zeigen, wie qualvoll diese Fahrten für die "Nutztiere" oft sind. Schweine, Kühe, Hühner, Puten, Ziegen, Schafe oder Kaninchen werden auf engstem Raum zusammengepfercht. Viele verdursten, verhungern, verletzen sich oder werden zu Tode getrampelt. Diese Bilder sorgen immer wieder für Entsetzen und dafür, dass Tierschützer und Veterinäre Konsequenzen fordern. Am 25. Februar 1997 reagierte der Gesetzgeber mit der Tierschutztransportverordnung. Darin wurden Vorschriften zu Belüftung, Futter, Wasser, Pausen erlassen. Zwar wurden die Regelungen im Laufe der Zeit verschärft, aber es wird immer wieder gegen die Verordnung verstoßen.
    15 min
  • Der Geburtstag von Michel Legrand (24.02.1932)
    Er war der Spezialist von Ohrwürmern. Von mehreren hundert Melodien, die sich weltweit und zeitlos allen Rhythmen und Genres anpassen. Für Filmmusiken wie "Windmills of your mind", die Themen zu "Sommer '42" und "Yentl" bekam er einen Oscar. Aber als musikalischer Tausendsassa konnte Michel Legrand einfach alles: komponieren, arrangieren, dirigieren, virtuos Klavier spielen und auch noch singen. Bis zu seinem Tod mit 86 Jahren arbeitete der Franzose aus einer Musikerfamilie unermüdlich und genial vielseitig. Seine Evergreens begeisterten Jazz-Größen von Dizzy Gillespie bis Sarah Vaughan, seine mit Jacques Demy geschriebenen romantischen Musikfilme das Kinopublikum und seine Songs die Konzertsäle. Als Michel Legrand mit 82 eine Liebe von vor 50 Jahren heiratete, kam sogar noch sein eigenes Leben einem optimistisch-sentimentalen Musical-Plot gleich.
    15 min
  • Die Beschlagnahmung der Himmelsscheibe von Nebra (23.02.2002)
    Ein seltsames Ding ist das: eine runde, flache Scheibe, offenbar aus Bronze, mit goldenen Verzierungen: Sonne? Mond? Sterne? Die beiden illegalen Schatzsucher ahnen nicht, was sie da mit ihrem Metalldetektor auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt entdeckt haben. Sie bieten das Ding zusammen mit zwei Schwertern, zwei Beilen, einem meißelartigen Gegenstand und Bruchstücken von spiralförmigen Armreifen einem Kölner Händler an. Der zahlt für ihren heißen Fund 31.000 D-Mark. Für 200.000 D-Mark greifen später zwei Hehler zu und bieten das Ensemble für 700.000 D-Mark auf dem Schwarzmarkt feil. Als sich die beiden in einem Basler Hotel mit einem Interessenten treffen, ahnen sie nicht, dass der gleich die Polizei mitbringt. Bis dahin hat die "Himmelsscheibe von Nebra" niemandem, der mit ihr seit der Entdeckung zu tun hatte, Glück gebracht: bloß Haftstrafen auf Bewährung. Bis heute rätseln Experten, was die Scheibe genau darstellt, wozu sie einst verwendet wurde, wie alt genau sie ist: 3700 Jahre? 4100 Jahre? Unstrittig ist: Ihr Wert ist unschätzbar. Ein seltsames Ding, das heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale liegt...
    15 min

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