ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • In Deutschland wird eine Grundbuchordnung veröffentlicht (24.03.1897)
    Das wichtigste Buch in Deutschland kann man nicht mit nach Hause nehmen: Das Grundbuch. Es lagert sicher beim Staat. Im Grundbuchamt. Ein Sparbuch, dessen Währung nicht wertlos wird. Denn das Eigentum, was hier verbrieft ist, bleibt real: Häuser und Grundstücke. Was im Grundbuch steht, das gilt. Ein Kaufvertrag für ein Haus reicht nicht: Erst die Eintragung im Grundbuch macht aus dem Käufer auch den Eigentümer. Solche Eigentumsbücher gab es auch schon vor 1897, aber seitdem wurde das Recht in Deutschland stärker vereinheitlicht. Diese Grundbuchordnung gilt mit Änderungen bis heute. Inzwischen werden die Grundbücher mehr und mehr digitalisiert, so dass sie von Notaren und Banken auch per Internet eingesehen werden können.
    15 min
  • Der Geburtstag von Wernher von Braun (23.03.1912)
    Noch immer tragen Straßen in Deutschland seinen Namen, aber das Verhältnis der Deutschen zum Raketenpionier Wernher von Braun ist kompliziert. Für die einen ist er bis heute ein heldenhafter Visionär des Weltraums, für andere ein eiskalter Opportunist, der unter den Nazis Karriere machte. Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun wird 1912 in Wirsitz, im heutigen Polen, in eine Adelsfamilie hineingeboren. Er studiert Maschinenbau und tüftelt in seiner Freizeit an der Entwicklung von Raketen. Unter den Nationalsozialisten ist er maßgeblich an der Entwicklung der V2-Rakete beteiligt. Später treibt er das Weltraumprogramm der USA voran und bereitet den Weg zur ersten Mondlandung. Nach seinem Tod im Jahr 1977 bekommt das Heldenbild aber starke Risse, denn nach und nach wird aufgedeckt, dass Wernher von Braun nicht nur ein Mitläufer der Nazis war, sondern aktiv an deren Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sein soll.
    15 min
  • Die Aufhebung des Templerordens in Frankreich (22.03.1312)
    Schon lange waren die Templer dem französischen König ein Dorn im Auge. Er neidete ihnen den unermesslichen Reichtum und empfand ihre Macht als Bedrohung. Schließlich verfügten die Templer gemeinsam mit den anderen Ritterorden über das größte stehende Heer im Abendland und dazu noch über ein gut organisiertes Netzwerk, das ganz Europa umspannte. 1307 ließ der französische König alle Templer in seinem Reich am selben Tag verhaften. Dann schüchterte er den Papst so lange ein, bis dieser 1312 die Auflösung des Ordens verfügte. Der Prozess gegen die Templer und die massenhafte Hinrichtung seiner Mitglieder gilt vielen bis heute als Justizmord.
    14 min
  • Der Geburtstag des SPD-Politikers Egon Bahr (18.03.1922)
    Musiker wollte er werden, nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Journalist – bekannt aber wurde er als "der Mann an seiner Seite": Egon Bahr war der Kopf hinter Willy Brandts Ostpolitik, von ihm stammt die Maxime "Wandel durch Annäherung". Statt die DDR weiter zu ächten, sollte 1969 mit dem Machtantritt der sozialliberalen Koalition die Beziehung beider Staaten auf eine neue Grundlage gestellt werden. Ein kompliziertes Unterfangen, galt es doch zunächst, bei der Sowjetunion um Vertrauen zu werben – denn ohne den großen sozialistischen Bruder aus Moskau konnte die Ost-Berliner Nomenklatura kaum etwas entscheiden. Dann musste mit eben jener Nomenklatura eine tragfähige Verhandlungskultur geschaffen werden. Über ein Jahr habe es gedauert, so Bahr, bis er mit DDR-Chefunterhändler Michael Kohl überhaupt ein normales Gespräch habe führen können. "Tricky Egon", so sein Spitzname, war schließlich erfolgreich, unter seiner Regie entstanden etwa der Moskauer und der Warschauer Vertrag, der Grundlagenvertrag und das Transitabkommen: Meilensteine der Entspannungspolitik, die dabei halfen, aus dem Kalten Krieg keinen heißen werden zu lassen. Nicht verhindern konnte Bahr jedoch, dass seinem politischen Weggefährten und engen Freund Willy Brandt von den eigenen SPD-Parteigenossen übel mitgespielt wurde. Brandts parteiinternen Gegenspieler Herbert Wehner bezichtigte er der Heuchelei; bei Brandts Rücktritt brach er in einen Weinkrampf aus. Dass die beiden deutschen Staaten sich eines Tages wiedervereinigen würden, daran habe er stets geglaubt. Dass er es auch noch erleben durfte, sagte er kurz vor seinem Tod 2015, sei eines der großen Geschenke seines Lebens gewesen.
    15 min
  • Der Todestag der deutschen Schriftstellerin Monika Mann (17.03.1992)
    "Moni", "Mönle" oder "Möndchen" nannten Katia und Thomas Mann ihre Tochter Monika. Beliebt war das vierte ihrer sechs Kinder im Familienkreis des Literaturnobelpreisträgers aber nicht. Das zeigen Tagebuch-Eintragungen und Briefe. Doch fand Moni ihren Weg. Monika Mann, geboren 1910 in München, galt als unbegabt, ja "dumpf-wunderlich". Das Abitur schaffte sie nicht. Nur als Pianistin zeigte sie Talent. Ihre Ehe mit einem ungarisch-jüdischen Kunsthistoriker endete tragisch. 1940, als ihr Schiff auf der Flucht vor den Nazis torpediert wurde, ertrank er vor ihren Augen. Erst die Liebe zu einem Maurer auf Capri, fernab der familiären Ränkespiele, gab Monika Mann im Alter von 43 Jahren mehr Selbstbewusstsein. Ihr autobiografisches Buch "Vergangenes und Gegenwärtiges" erschien 1956 und wurde ein Erfolg. Romane dagegen lagen ihr nicht. Monika Mann machte sich als Feuilletonistin einen Namen und bezeichnete sich selbstironisch als literarische "Kleinkrämerin".
    14 min
  • Der Todestag des römischen Kaisers Tiberius (16.03.037)
    "Den traurigsten unter den Menschen" nannte ihn sein Zeitgenosse, der antike Historiker Plinius der Ältere. Spätere antike Quellen bezeichnen ihn als "schwierigen Charakter", der im Alter ein "grausamer, verbitterter Tyrann" gewesen sei. Tiberius war der zweite Kaiser des Römischen Reiches. Eine komplizierte, komplexe Gestalt, zu der schon die antiken Historiker höchst widersprüchliche Aussagen trafen. Er stand im Schatten des großen Augustus, der die römische Republik in eine Monarchie verwandelt hatte. Augustus adoptierte Tiberius, den Sohn seiner Frau aus deren erster Ehe, und bestimmte ihn zum Nachfolger. Als Feldherr feierte Tiberius Triumphe. Doch als er schließlich mit 55 Jahren Kaiser des Römischen Reiches wurde, geschah nichts wirklich Umwälzendes mehr, mit einer Ausnahme: Zu seiner Zeit lebte und starb Jesus Christus, und es begann, von den Zeitgenossen unbemerkt, der Aufstieg einer Weltreligion. Im Namen der Stadt Tiberias am See Genezareth lebt sein Andenken bis heute fort.
    15 min
  • Der Geburtstag der Schauspielerin und Sängerin Zarah Leander (15.03.1907)
    Sie war die Diva des nationalsozialistischen Films: Weil Greta Garbo und Marlene Dietrich jede Zusammenarbeit ablehnten, versuchte die Ufa, einen eigenen Glamour-Star aufzubauen. Die Schwedin Zarah Leander kam da gerade recht. Ihr erster deutscher Film, das Melodram "Zu neuen Ufern", präsentierte sie 1937 als verführerischen Vamp in einem Kleid aus schwarzer Spitze mit gewagtem Dekolleté. Doch sie war nicht nur die verruchte Miss Vane, sondern auch die große Duldende, zu jedem Opfer bereit. Mit ihrem sehnsüchtigen Blick, den sie vor allem einer extremen Kurzsichtigkeit verdankte, und ihrer tiefen, betörenden Stimme wurde Zarah Leander schnell zum Idol der Deutschen. Sie verlieh dem Schmerz Schönheit, dem Verzicht eine dekorative Romantik. Mit ihr konnten sich die Frauen an der Heimatfront aus dem entbehrungsreichen Alltag davon träumen. Im November 1942 kehrte sie allerdings nach Schweden zurück, wo man die "Nazi-Sirene" zunächst mit Berufsverbot belegte. Erst nach dem Krieg gelang ihr eine Rückkehr auf die Bühne, doch ihre große Zeit war vorbei.
    15 min
  • Der Todestag des Schriftstellers Jurek Becker (14.03.1997)
    Jurek Beckers erster Roman, "Jakob der Lügner" (1969), spielt in einem Konzentrationslager und war seine Art, die Traumata der eigenen Kindheit zu verarbeiten: erst im jüdischen Ghetto von Lodz, dann mit der Mutter im KZ. Doch er wollte nicht, dass diese Erfahrungen sein gesamtes späteres Leben bestimmen würden, auch wenn das Jüdischsein ein wichtiges Thema seiner Literatur blieb. Er lebte mit seinem Vater im Berliner Osten, war ein Unterstützer und später ein Kritiker des DDR-Regimes. Seine unbeirrbare Aufmüpfigkeit brachte ihm viel Ärger ein, an der Universität, als Autor. Immerhin bekam er später ein Dauervisum, das ihm ein Leben im Westen ermöglichte, ohne den Kontakt mit der Familie und den Freunden im Osten aufgeben zu müssen. Romane wie "Der Boxer", "Bronsteins Kinder" oder "Amanda herzlos" machten Jurek Becker zu einem weltweit bekannten Schriftsteller. Das breitere Publikum aber bewunderte ihn vor allem wegen seiner Drehbücher zur Fernsehserie "Liebling Kreuzberg", die er seinem Freund Manfred Krug als Hauptdarsteller auf den Leib schrieb. Jurek Becker konnte sie gerade noch beenden, bevor er am 14. März 1997 – gerade mal 60 Jahre alt – in seinem Haus in Schleswig-Holstein starb.
    15 min
  • Der Geburtstag von Helmuth James Graf von Moltke (11.03.1907)
    "Ich habe mein ganzes Leben, schon in der Schule, gegen einen Geist der Enge und der Gewalt, der Unfreiheit, der Überheblichkeit und der mangelnden Ehrfurcht vor Anderen, der Intoleranz und des Absoluten, erbarmungslos Konsequenten angekämpft, der in den Deutschen steckt und der seinen Ausdruck im nationalsozialistischen Staat gefunden hat." Das schrieb der damals 38-jährige Helmuth James von Moltke im Januar 1945 in einem Abschiedsbrief an seine zwei kleinen Söhne aus dem Gefängnis Plötzensee. Anders als viele spätere Widerstandskämpfer aus konservativem Milieu, zählte Moltke, tiefgläubiger Protestant und auch beeinflusst durch die katholische Soziallehre, von Anfang an zu den entschiedenen Gegnern Hitlers und dessen menschenverachtender Weltsicht. Als Rechtsanwalt bemühte sich Moltke, möglichst vielen nach 1933 Drangsalierten, vor allem Juden, zu helfen. Später versuchte er durch völkerrechtliche Gutachten die verbrecherische Kriegsführung der Nazis zu delegitimieren und eine humane Behandlung von Kriegsgefangenen zu erwirken. Auf dem Familiengut der Moltkes im schlesischen Kreisau, seinem Geburtsort 1907, versammelten sich Regimegegner unterschiedlichster politischer Couleur und religiöser sowie sozialer Herkunft, um die demokratische Neuordnung Deutschlands nach dem (verlorenen) Krieg zu planen. Doch der so genannte Kreisauer Kreis flog auf, einige der Mitglieder wurden hingerichtet, darunter auch Moltke.
    15 min
  • Der Geburtstag des Philosophen Friedrich Schlegel (10.03.1772)
    Friedrich Schlegel, am 10. März 1772 in Hannover geboren, war einer der kühnsten und vielseitigsten Denker seiner Zeit. Sein weitgefächertes Interesse sprengte die Grenzen von Philosophie, Kultur-, Sprach- und Literaturtheorie, statt starren Regelsystemen zu folgen, plädierte er für eine "progressive Universaltheorie". Romane z.B. sollten alle Formen wie Lyrik, Aphorismen, essayistische oder philosophische Überlegungen miteinbeziehen, das Unfertige war für ihn Zeichen einer ständigen Bewegung des Geistes. Seine Definition des Künstlers als eines freischaffenden Genies wurde eine der Grundlagen für die Jenaer Frühromantik, die er zusammen mit seiner Geliebten Dorothea Veit, seinem Bruder August Wilhelm, dessen Frau Caroline und dem Dichter Novalis 1799 begründete. Mit den Jahren allerdings wurde Friedrich Schlegel immer konservativer. 1808 konvertierte er zum Katholizismus, setzte sich für die Erneuerung der Katholischen Kirche in Deutschland ein – allerdings auch für das verfassungsmäßig garantierte Bürgerrecht der Juden –, interessierte sich für Mystik und Telepathie. Als er 1829 überraschend mit 56 Jahren starb, war sein Wirkungsradius ziemlich geschrumpft – zum Bedauern aller, die ihn früher als kreativen und inspirierenden Feuerkopf bewundert und anerkannt hatten.
    15 min

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