Forscher haben festgestellt, dass wir täglich etwa 20.000 Entscheidungen treffen.
Das bedeutet, dass wir zuvor eine Situation bewertet haben. Aus dieser Bewertung folgt dann die Entscheidung. Das beginnt schon beim Aufwachen mit der Frage, ob es möglich ist, sich noch fünf Minuten im Bett zu gönnen, oder ob die fortgeschrittene Zeit das leider unmöglich macht. Das sind diese kleinen Bewertungen, die sich über den Verlauf eines Tages auswirken werden.
Nun schreiben Paulus und Timotheus, dass sie niemanden mehr nach menschlichen Maßstäben beurteilen. Christus schließen sie dabei auch ein.
Wie gelingt ihnen das? Welche Veränderung vollzog sich in ihnen, dass ihre Beurteilungen nicht mehr einfach nur menschlich waren, sondern eine andere Qualität hatten?
Ich finde in Vers 15 die Antwort: „Christus ist deshalb für alle gestorben, damit alle, die leben, nicht länger für sich selbst leben, sondern für Christus, der für sie gestorben und auferstanden ist.“
Früher wussten sie vom Kopf her von Christus. Sie hatten viel Wissen über ihn angesammelt. Jetzt aber hatte Christus mit seiner beispiellosen Liebe am Kreuz die Versöhnung mit dem Vater vollbracht. Sie begriffen dieses Wunder mit ihrem ganzen Herzen. Sie erlebten den Auferstandenen, und davon konnten sie nicht schweigen. Sie lebten nicht länger für ihre Wünsche und die Dinge, die sie früher für erstrebenswert und attraktiv hielten, sondern für Christus.
Da war es nicht mehr wichtig, andere zu beurteilen. Es ging darum, anderen Menschen das Herz für Christus ebenso zu erwärmen.
Ich merke immer wieder, dass mir das Beurteilen anderer Menschen sehr nah liegt. In mir finden endlose Selbstgespräche statt. „Warum ist der so? Wollen die nicht anders? Könnten die nicht mal …? Wie soll das enden?“ Zum Glück kommt der Punkt, an dem ich laut sage: „Ich weiß nichts!“ Ich mache mir klar, dass ich die Geschichten der Menschen nicht wirklich kenne. Ich weiß nichts von ihren Kämpfen und was sie dazu bewegt, so zu sein, wie sie eben sind. Ich kenne ihre leisen Tränen nicht, die vielleicht mit dem Wunsch verbunden sind anders zu sein, aber keinen Ausweg finden.
Ich lerne die Unterschiedlichkeit zu bejahen und halte sie manchmal einfach aus. Die verschiedenen Generationen können eine große Bereicherung sein. Tief menschlich sind aber auch Missverständnisse und Unverständnis im Miteinander. Jede Generation hat ihre eigenen Erfahrungen gemacht und versucht, das Gute weiterzugeben. Manchmal ist das aber nicht gewollt und wirkt abstoßend. Eben wie aus einer anderen Zeit. Damit muss man dann klarkommen. Das jeweilige Handeln auf beiden Seiten mag verständlich sein, aber es passt harmonisch einfach nicht zusammen.
In Vers 17 höre ich die Wende: „Gehört jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas Neues hat begonnen.“
Wer zu Christus gehört, wurde zuvor mit dem Heiligen Geist beschenkt. Ich erlebe, wie sanft und zart der Heilige Geist in meine Gedanken kommt. Manchmal habe ich plötzlich Ideen, die mich selbst überraschen. Der Heilige Geist macht mich aufmerksam, wo ein verständnisvolles Wort nötig ist, wenn ein anderer von der Allgemeinheit verachtet wird mit den Worten: „So etwas darf doch nicht passieren!“ Es sind Reaktionen, die anders sind als das menschliche Maß und damit den Unterschied machen. Der Heilige Geist hat bei mir auch das Vergleichen mit anderen überflüssig gemacht.
Altes ist vergangen. Ja, es gehört zu mir, aber ich bin viel mehr an dem Neuen interessiert, was er für mich vorbereitet hat. Das ist ein nicht endender Prozess der Umgestaltung. Dieser Geist möchte die Leitung in meinem Leben übernehmen. Er ist der beste Begleiter. Ich verdanke das Gott, der durch Christus Frieden mit mir geschlossen hat. Sünde wird nicht mehr angerechnet. Wie befreiend ist diese Nachricht, die von höchster Stelle kommt! Der Schöpfer dieser Welt hat in Jesus den Himmel mit der Erde verbunden. Nichts soll mehr trennend zwischen uns sein.
Es gibt viele schlimme Sünden, die manchmal kaum zu ertragen sind. Die Folgen sind häufig unüberschaubar. Menschen werden ein Leben lang eine Wunde mit sich tragen, aber es gibt diese Hoffnung auf Frieden. Dieser Friede ist höher als unsere Vernunft es fassen kann. Er wird einkehren, wenn wir versöhnt sind mit Gott. Gott selbst will uns erlösen. Er hat Freude, wenn seine Geschöpfe frei sind, ihr Potential entdecken und sich zu dem hin entwickeln, was er in sie hineingelegt hat, als er sie schuf.
Gottes Auftrag an Christen ist es, diese Versöhnung zu den Menschen zu bringen. Ich bin immer wieder fasziniert von der Vielfalt, in der das geschieht. Da sind die Künstler, deren Bilder oder Skulpturen sprechen. Oder die Musiker, die instrumental oder mit Texten Gottes Boten sind. Da gibt es die Handwerker, die mit ihrem Wissen und Können zu bestaunen sind. Andere haben ihre Leidenschaft im Schauspiel entdeckt und führen Gottes Wahrheiten vor Augen. Bilder gehen ins Herz und begleiten die Menschen. Wer will denn da etwas beurteilen? Wichtig ist es, den Auftrag wahrzunehmen, der von höchster Stelle kommt, um an der Versöhnung in dieser Welt mitzuarbeiten. Es geht nicht darum, zu beurteilen, ob andere richtig leben. Ich stelle mir eher die Frage: „Wie fällt es Menschen leicht, mich zu lieben?“ Es geht darum zu zeigen, was bzw. wen ich liebe. Das regt zum Nachdenken an.
Oft möchten Menschen einfach wahrgenommen werden. Die Sehnsucht, verstanden zu werden, ist groß, und wenn das auf jemanden trifft, der Anteil nimmt, dann tut das der Seele gut. Das ist eine gute Basis für einen gewinnbringenden Austausch. Ich glaube, dass es solche Gespräche sind, an denen Gott ganz viel Freude hat, denn da werde ich echt und es passiert Wesentliches. Ich könnte auch von heiligen Momenten sprechen.
Versöhnung ist ein Prozess, der mit einer mutigen Entscheidung beginnt, hinzusehen auf das, was an Unrecht geschehen ist. Der Unterschied liegt darin, es mit Christus zu tun. Ich sage ihm, wie es mir damit geht. Ich habe erlebt, wie ich allmählich lernen konnte, Altes loszulassen. Mein Wunsch geheilt zu werden, wurde mit der Zeit sehr groß. Mein Ziel, für Gott zu leben, mit der Kraft, die mir zur Verfügung stand, war größer als mein Schmerz. Versöhnt zu leben, heißt lebensbejahend zu leben. Ich bin frei und muss nichts Altes mehr aufrechnen.
Christus ist der Auferstandene! Für mich ist dieser Text wie eine Einladung zu einem Leben mit ihm. Wenn ich versöhnt mit Gott bin, bin ich frei, ein neuer Mensch, und auch ich werde auferstehen. Ich bin schuldenfrei! Da kann keiner mehr kommen, um mir etwas anzuhängen, was die Vergangenheit belastet hat.
Mein Leben bekommt Sinn, weil ich die Ewigkeit in mein Leben mit einbeziehe.
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden