Es war die Zeit des Propheten Jeremia und seines Schreibers Baruch. Beide lebten in Ehrfurcht vor Gott und waren ihm treu. In jener Zeit herrschte König Jojakim über Juda. Er war der Sohn von König Josia und sein Thronfolger. Im Gegensatz zu seinem Vater Josia, der das Land vom Götzendienst gereinigt hatte, lebte und regierte Jojakim gottlos.
Er tat, was Gott missfiel, und baute die Götzenaltäre wieder auf und verführte das Volk, fremde Götter anzubeten. Daher war der Zorn Gottes groß über das Haus Juda. Gewalt und Bosheit herrschten im Land. Gericht stand bevor, falls der König und das Volk nicht von ihren gottlosen Wegen umkehrten. Deshalb berief Gott den Propheten Jeremia und sprach zu ihm: „Rede alle meine Worte zum Haus Juda. Vielleicht wird das Haus Juda, wenn sie hören von all dem Unheil, das ich ihnen zu tun gedenke, sich bekehren, ein jeder von seinem bösen Weg, damit ich ihnen ihre Schuld und Sünde vergeben kann.“
Baruch, der Sohn des Nerija schrieb auf einer Buchrolle nieder, was Jeremia von Gott empfangen hatte. Und Jeremia begann treu die Gerichtsworte Gottes öffentlich bekannt zu machen. Er rief das Volk zur Umkehr auf. Aber die Leute glaubten nicht. Sie bedrohten und verfolgten Jeremia und er musste sich verborgen halten. So sollte Baruch, der Schreiber, die Buchrolle im Tempel vorlesen.
In Kapitel 36 Vers 8 lese ich: „Baruch tat, was Jeremia ihm befohlen hatte, und er las die Worte des HERRN der anwesenden Menge im Tempel vor.“
Als die Staatsdiener des Königs davon hörten, ließen sie Baruch von dem Diener Jehudi herbeiholen.
Sie erschraken sehr über das angekündigte Gericht für Volk und König. Zu jener Zeit galt es als Hochverrat, wenn jemand einem König den Untergang seines Reiches ankündigte.
Sie waren verpflichtet, dem König die Sache zu melden und rieten Baruch sich zu verstecken.
Als sie dem König davon berichteten, befahl der König die Buchrolle zu ihm bringen zu lassen. Der Diener Jehudi musste nun dem König und den führenden Männern die Buchrolle vorlesen.
Jojakim und alle, die zuhörten, reagierten aber nicht mit Reue und Umkehr, sondern mit Ironie und Hochmut. Der König war nicht gewillt, sich dem Wort Gottes zu beugen. Er zerschnitt die Buchrolle in Stücke und warf sie ins Feuer. Diese Hiobsbotschaft entsetzte Jeremia und Baruch. Herrscher und Volk standen nun unvermeidbar unter dem Gericht Gottes.
Bereits im Kapitel 22 im Vers 19 kündigte Gott an, dass er Jojakim bestrafen wolle: „Er soll wie ein Esel begraben werden, geschleift und hinausgeworfen vor die Tore Jerusalems“. Ein Eselsbegräbnis war ein unehrenhaftes Begräbnis. Er sollte nach seinem Tod wie ein Arbeitstier verscharrt werden. Es gibt Auslegungen, die darauf hindeuten, dass Jojakim die Belagerung Jerusalems durch den babylonischen König Nebukadnezar nicht überlebte.
Das auf das Land zukommende Kriegsgeschehen bedrückte Baruch so stark, dass Angst und Sorge seine Seele belasteten. Große Trauer überkam ihn, denn auch seine eigene Zukunft stand auf dem Spiel.
Er hatte große Pläne für sich, so steht es in Vers 5. Es wird nicht erklärt, um was es sich konkret handelte. Verlustängste überkamen Baruch und lösten eine Glaubenskrise bei ihm aus. Das, was sein bisheriges Leben ausmachte, Sicherheit, Schutz und Zukunftspläne drohten zu zerplatzen.
Der Mensch an sich benötigt die Erfüllung elementarer Grundbedürfnisse, um sein Leben gesund entfalten zu können: Hoffnung, Schutz, Sicherheit, Bewahrung von Leib und Leben.
Dazu gehört auch das Bedürfnis nach sozialer Sicherheit, wie stabile Familienverhältnisse, Freunde, fester Wohnsitz, Arbeitsstelle usw. Menschen fürchten sich vor Krankheit, Alleinsein, Not, Armut, Krieg, Tod.
Also alles, was ein Leben negativ belastet.
Die Lebensgeschichte Baruchs ist auch ein gutes Beispiel für widrige Lebensumstände in der heutigen Zeit. Äußere und innere Lebenskrisen sind oft Zerreißproben für den Glauben an Gott. Unmut und Verbitterung können sich einstellen und zur Abwendung von Gott führen. Christsein garantiert nicht, beständig auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.
Im Leben von Christen gibt es Sorgen und Probleme, wie auch im Leben von Menschen, die ohne Gott leben. Anstatt sich von Gott abzuwenden, ist es besser, Gott um Hilfe zu bitten und auf Gottes Kraft zu vertrauen.
Der Pfarrer Wilhelm Busch sagte einmal ungefähr so: Nachfolger Jesu Christi stehen zuweilen vor einem Abgrund, der sich auf ihrem Weg aufgetan hat. Sollen sie umkehren? Oder sollen sie sich in den Abgrund stürzen? Beides nicht. Sie glauben — und finden sich gerettet auf der sicheren Seite wieder. Das ist das Wunder des Glaubensweges!
Gott nahm die Nöte und Zweifel von Baruch sehr ernst. Im Auftrag des HERRN sprach Jeremia zu Baruch die Worte: So spricht der HERR: Sieh her, auf der ganzen Erde lege ich in Trümmer, was ich aufgebaut habe, und reiße aus, was ich eingepflanzt habe.
Und da willst du für dich ein Leben in Wohlstand und Sicherheit? Verlange es nicht! Ich bringe Unglück über alle Menschen. Dir aber gebe ich dein Leben als Beutestück, wohin du auch kommst. Das sage ich, der HERR.
Gott gibt Baruch ein Trostwort. Er will sein Leben beschützen, wohin er auch kommt. Er macht ihm deutlich, dass er überleben, aber Hab und Gut verlieren wird.
Krisen können Chancen sein, geistlich zu wachsen und sich zu bewähren. Auch Jesus blieb von Anfechtungen nicht verschont. Beispielsweise als er 40 Tage in der Wüste versucht wurde. Niemand schien ihm beizustehen. Da scheint es so leicht aufzugeben und so schwer durchzuhalten. Und weil Jesus an seinem eigenen Leib erfahren hat, wie das ist, so ist er, als unser Hohepriester, derjenige der uns zur Seite stehen und helfen kann. Vertrauen Sie auf Gott und halten Sie an ihm fest, auch in schweren Zeiten.
Autor: Marion Christa Nickel
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