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International episodes

  • Verschobene Akzente – die Kirche in Lateinamerika
    Lateinamerika ist ein katholischer Kontinent: Dieser Grundsatz galt während Jahrhunderten. Doch immer mehr Menschen wenden sich von der Kirche ab – oder werden von Katholiken zu Evangelikalen. In Chile war die katholische Kirche über Jahrhunderte ein sicherer Hafen. Nicht nur für Gläubige, auch für Arme und politisch Verfolgte. Während der Pinochet-Diktatur besuchten selbst Kommunisten sonntags die Messe und stimmten mit ein ins Vaterunser. Die katholischen Gotteshäuser waren die einzigen Orte, an denen sie sich versammeln konnten. Doch der Graben zwischen der Kirche und der chilenischen Bevölkerung wird immer tiefer, nicht zuletzt wegen der Missbrauchsskandale, die sie in den letzten Jahren erschüttert haben: Von Geistlichen begangene Sexualverbrechen wurden bewusst vertuscht, die Täter geschützt. Rund die Hälfte der chilenischen Bischöfe soll involviert gewesen sein.
    Für viele Menschen in Lateinamerika gehören Kirche und Glaube nicht länger zusammen. Sie legen keine Beichte mehr ab, verzichten auf die Messe und die erste Kommunion ihrer Kinder – glauben aber Gott und Teufel, Himmel und Hölle. Sie leben ihren Glauben im Privaten oder schliessen sich evangelikalen Freikirchen an. Besonders in Brasilien haben Pfingstgemeinden einen grossen Zulauf und mittlerweile einen entsprechend grossen Einfluss auf die Politik: So hat der frisch gewählte, rechtskonservative Präsident Jair Bolsonaro sein Amt nicht zuletzt den Freikirchen zu verdanken.
    29 min
  • Kataloniens Lösung ist ein neues Spanien
    Ein Jahr ist vergangen seit der illegalen Abstimmung in Katalonien, seit der einseitigen Unabhängigkeits-Erklärung, seit den Wahlen. Seither sitzen die Anführer der Bewegung in Untersuchungshaft oder sind im Ausland. Und in Katalonien wird deutlich, dass es nur einen Weg aus dem Dauerkonflikt gibt, wenn sich Spanien erneuert.
    Die Erinnerung an den 1. Oktober 2017, den Abstimmungstag, ist noch wach. Die Bilder von der Polizeigewalt gingen um die Welt. Aber Katalonien ist ein Jahr später nicht weiter als zuvor. Der schnelle Weg in die Unabhängigkeit war eine Illusion. Dieser Traum ist geplatzt, aber die Bewegung hält fest an ihrem Projekt. Konkrete Vorstellungen, wie es zu realisieren wäre, fehlen noch. Ein Zeitplan sowieso. Und über allem liegt ein schwerer Schatten: Der Prozess gegen die Anführer der Bewegung, der im Januar beginnt.
    Die neue sozialistische Regierung in Madrid setzt auf Dialog. Das allein ist schon eine Veränderung. Aber der Handlungsspielraum bleibt. Vertiefter Föderalismus mit mehr Autonomierechten könnte zwar ein attraktives Angebot an Katalonien sein. Aber dafür muss Spanien seine Verfassung grundlegend reformieren. Das Verfahren dazu besteht vor allem aus Hürden. Und die Parteien scheinen unfähig, sich auf ein grosses gemeinsames Projekt zu einigen.
    29 min
  • Armenien – die Revolution der Hoffnung
    Friedliche Massenproteste haben in Armenien den Langzeitherrscher Sersch Sargsjan von der Macht vertrieben. Der Unmut über Misswirtschaft und Korruption war zu gross. Seit mit Nikol Paschinjan ein neuer Mann regiert, herrscht Aufbruchstimmung. Die Erwartungen der Bevölkerung an die neue Regierung sind gross – vielleicht zu gross.
    Journalist, Oppositionspolitiker, Rebell: Nikol Paschinjan ist alles in einem. Und jetzt ist er auch noch neuer Premierminister des kleinen Landes im Südkaukasus.
    Ins Amt getragen hat ihn eine bunte Koalition aus Aktivisten und Aktivistinnen der Zivilgesellschaft, die mit Witz und Einfallsreichtum die Proteste organisierten.
    Auslöser der friedlichen Revolte aber waren die Überheblichkeit, Machtgier und der Zynismus der seit 20 Jahren herrschenden republikanischen Partei. Korruption war Teil des Systems, ganze Städte und Regionen waren den Launen der regierungsnahen Lokalfürsten ausgeliefert. Wie etwa die Kleinstadt Etschmiadsin, die sich unter der Fuchtel eines habgierigen Generals befand.
    Die Armenier und Armenierinnen verliessen ihr Land in Scharen, in Richtung Europa und in die USA, oder zum Arbeiten ins nahe Russland.
    Die neuen, unverbrauchten Kräfte werden die riesigen Hoffnungen wohl kaum erfüllen können, die die Bevölkerung in sie setzt. Aber eines ist gewiss: Die friedliche Revolution hat das Land aus einer tiefen Depression und Stagnation gerissen.
    29 min
  • Bosniens Veteranen – traumatisiert und politisch missbraucht
    23 Jahre nach dem Krieg sind die Wunden in Bosnien immer noch tief. Einige wenige wurden im Krieg reich und mächtig und sagen seither, wo es lang geht. Die Mehrheit der Bevölkerung dagegen lebt in Armut und leidet unter den traumatischen Erfahrungen. Besonders hart trifft dies die Kriegsveteranen. Haris Šegalo meldete sich gleich zu Beginn des Kriegs als Freiwilliger und kämpfte die ganzen drei Jahre in der bosnischen Armee bis zum Ende 1995. Heute ist er arbeits- und obdachlos.
    Amir Sultan war gerade mal 14, als er anstelle des Schulsacks ein Gewehr schulterte. Im Krieg wurde er schwer verletzt. Die schrecklichen Erlebnisse lassen ihn noch heute nicht einschlafen und sie verfolgen ihn im Traum, wenn er dank Medikamenten doch noch einschläft.
    Sie verlangen eine faire Unterstützung aller Veteranen und dass die Regierung damit aufhört, Menschen eine Veteranen-Rente zu bezahlen, die gar nie gekämpft haben. Die Zahl der Veteranen hat sich nämlich seit dem Krieg auf mysteriöse Weise fast verdoppelt. Die «falschen» Veteranen spielen eine wichtige Rolle, damit sich eine politische Elite an der Macht halten kann, die vom Krieg wirtschaftlich profitiert hat. Wie das funktioniert, erklärt diese Sendung. Und sie beschäftigt sich auch mit dem PTSD, der Posttraumatischen Belastungsstörung, an der in Bosnien-Herzegowina schätzungweise 400'000 Menschen leiden.
    28 min
  • Die Gefahren von Trumps Afrikapolitik in Somalia
    Seit US-Präsident Trump im Amt ist, schlägt er gegenüber Afrika härtere Töne an. Die Drohung, die Entwicklungsgelder zu streichen, würde Somalia besonders hart treffen. Fallen sie weg, gefährdet dies erste Ansätze der Stabilität im Norden, etwa in Puntland und Somaliland. Denn die USA leisten in Somalia den grössten Teil der Entwicklungshilfe. Ohne sie können zum Beispiel Projekte im Kampf gegen die Klimaerwärmung nicht mehr weitergeführt werden, Gesundheits- und Beratungszentren für HIV und Familienplanung müssten ihr Angebot reduzieren oder geschlossen werden.
    Hinzu kommt die anti-muslimische Rhetorik von US-Präsident Trump, die sich im Einreiseverbot für Muslime, dem sogenannten Travel Ban niederschlägt. Dieses Verbot begründet er mit der Terrorgefahr für die USA. Und meint damit auch Somalia. Das Land am Horn von Afrika wird immer wieder von islamistischen Terroristen attackiert, vor allem im Süden. Und leidet noch heute unter den Folgen des langen Bürgerkriegs, der Diktatur und diverser Umstürze vor knapp 30 Jahren.
    29 min
  • Senioren mit Sorgen - Deutschland wird alt
    Es gibt immer mehr alte Menschen in Deutschland und oft geht es ihnen richtig gut. Doch die Sorgen über die Zukunft nehmen zu: Obwohl sie ein Leben lang gearbeitet haben, droht vielen Altersarmut. Das Pflegesystem steht vor dem Kollaps und im ländlichen Osten lässt man die Alten abgehängt zurück. Drei Geschichten übers Älterwerden in Deutschland.
    Bald kommen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer ins Rentenalter. Das ist eine Herausforderung für die ohnehin immer älter werdende Gesellschaft. Es zeigt sich, dass die Schere zwischen den Gutsituierten und den Abgehängten immer grösser wird. Viele sorgen sich zu Recht um ihre Rente: Wegen des grossen Niedriglohnsektors sind die Löhne so tief, dass sich selbst mit 45 Jahren vollem Verdienst keine Renten über dem Sozialhilfeniveau erwirtschaften lassen. Im deutschen Pflegesystem fehlen tausende Fachkräfte, dafür floriert das oft illegale Geschäft mit Polinnen, die Rentner beinahe rund um die Uhr betreuen. Regelrecht weggebrochen ist in Ostdeutschland die Infrastruktur in den Dörfern. Die Jungen sind weg, zurück bleiben die Alten. Drei Baustellen, die die Politik vernachlässigt, gespiegelt an vier Leben: Die Putzfrau aus dem Ruhrpott, die für eine ausreichende Rente malocht, der Betagte in Süddeutschland und seine polnische Haushaltshilfe und der Kaufmann in Mecklenburg, der mit seinem mobilen Supermarkt zu den Rentnerinnen fährt.
    30 min
  • Palermos langer Frühling
    Italien hat eine lange Krise hinter sich und bereits mehren sich die Zeichen einer nächsten. Und doch gibt es italienische Städte und Regionen, die in den letzten Jahren aufblühten. Palermo zum Beispiel. Die sizilianische Stadt Palermo hat viel in ihr historisches Zentrum investiert, zieht wieder Touristen an und hat die Cosa Nostra, die sizilianische Mafia, entscheidend zurückgedrängt. Palermo erlebt seit Jahren einen Frühling.
    Symbol dieses Frühlings ist Palermos Oper, die in den dunkelsten Zeit Palermos, während über 20 Jahren (1974-1997), geschlossen blieb. Heute ist sie, wie auch zahlreiche Paläste, Kirchen oder Museen in Palermos Altstadt, wieder offen.
    Viele bringen Palermos Frühling mit dem Namen Leoluca Orlando in Verbindung. Orlando ist nun bereits zum fünften Mal Bürgermeister dieser Stadt. Ihm wird aber auch vorgeworfen, zugunsten des Zentrums die Vorstädte vernachlässigt zu haben. Tatsächlich ist an der Peripherie Palermos vom Aufschwung bisher wenig angekommen.
    29 min
  • Flüchtlingselend an Venezuelas Grenzen
    Venezuela war einst das reichste Land Südamerikas. Es ist zugrunde gerichtet. Die chaotische Wirtschaftspolitik der sozialistischen Regierung hat die Produktion abgewürgt.Trotz gewaltiger Ölvorräte fehlen dem Land Devisen für Importe. Hyperinflation und Bargeldmangel stürzen die Menschen ins Elend. Hunderttausende verlassen das Land in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen. Präsident Maduro weist die Verantwortung für den Zerfall zurück, gibt «Imperialisten» die Schuld, allen voran den USA, die einen Wirtschaftskrieg führten, um Venezuela für seine eigenständige Politik zu bestrafen.
    Die Führung des Landes will auch von der Fluchtbewegung nichts wissen. Doch der Strom reisst nicht ab. Zu Fuss und mit leeren Händen überqueren Venezolanerinnen und Venezolaner die Grenzen nach Kolumbien und Brasilien. Dort treffen sie auf viel Solidarität, aber auch auf viele Vorbehalte. Die Hilfsorganisationen sind überfordert, keines der Nachbarländer kann sich angemessen um die Flüchtlinge kümmern.
    Die Reportage aus dem Grenzgebiet um Venezuela über Südamerikas grösste Flüchtlingskrise.
    28 min
  • Südkorea – ein Land im Dauerstress
    Südkorea hat in vier Jahrzehnten einen atemberaubenden Aufschwung erlebt und hat sich vom Bauern- zum Industriestaat entwickelt. Der Erfolg aber hat seine Kehrseite: Massiver Leistungsdruck, lange Arbeitszeiten und eine hohe Selbstmordrate. Aus der Gesellschaft kommt der Ruf nach Veränderungen. Südkorea war in den 50er Jahren vom Krieg verwüstet, in den 60er Jahren noch ein Entwicklungsland. Dann begann eine atemberaubend schnelle Entwicklung. Heute gehört der ostasiatische Staat zu den starken Industrienationen. Samsung, LG oder Hyundai sind grosse südkoreanische Markennamen, die längst die Welt erobert haben. Südkoreas zuckersüsse Popkultur dominiert grosse Teile Asiens.
    Hinter diesem Erfolg verbirgt sich aber noch ein anderes Land: Ein Land unter oft massivem Stress: Arbeiterinnen und Angestellten werden lange Arbeitszeiten abverlangt, die Rechte am Arbeitsplatz sind sehr beschränkt, missbräuchliche Anstellungsbedingungen sind häufig. In den letzten Jahren haben sich die Leute zu wehren begonnen, haben demonstriert und Änderungen verlangt. Aber Südkorea mit seinen gigantischen und mächtigen Familienkonzernen verändert sich nur langsam. Auch Kultur und Geschichte des Landes wirken eher bremsend. Immerhin: Die südkoreanische Regierung hat die maximale Arbeitszeit diesen Sommer auf 52 Stunden in der Woche begrenzt. Zuerst nur für Grossunternehmen, kleinere und mittlere Unternehmen sollen in den nächsten Jahren folgen. Der Druck von der Strasse jedenfalls ist da.
    28 min
  • Kreml und Kirche auf dem Solovetsky-Archipel
    Im kommunistischen Russland war die orthodoxe Kirche quasi verboten. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat sie jedoch stark an Einfluss gewonnen. Dieser Wiederaufstieg der russisch-orthodoxen Kirche ist nicht konfliktfrei – das zeigt sich gut auf den Solovetsky-Inseln in Russlands hohem Norden. Das Kloster auf den Solovetsky-Inseln war nach der Oktoberrevolution von den Kommunisten geschlossen worden. Sie vertrieben die Mönche und raubten die Kunstschätze aus den Kirchen. Später liess der kommunistische Staat das einmalige Kulturdenkmal verlottern, weil niemand einen Wert sah in der Anlage.
    Erst in den Neunzigerjahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, wurde das Kloster wiedereröffnet, heute leben rund 70 Mönche hier. Dass Tausende gläubige Russinnen und Russen auf die «Solovki» - wie das Archipel hier genannt wird – kommen, sehen viele Inselbewohnerinnen und -bewohner kritisch und sagen, dass die Kirche hier jetzt zu viel Raum einnimmt. Eine Insel des Solovetsky-Archipels wurde sogar zum Sperrgebiet erklärt.
    Auch die Kirchen wurden inzwischen für viel Geld saniert wie andere Gotteshäuser in Russland auch. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Priester und Patriarchen in der Politik wieder mitreden dürfen.
    30 min

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Die Welt ist unübersichtlich geworden – «International» hilft, sie zu verstehen. Mit den SRF-Auslandkorrespondentinnen und -korrespondenten reisen wir dorthin, wo Geschichten entstehen: Krisengebiete, Wirtschaftsmächte, vergessene Regionen.

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