"Ich wollte eine Stimme finden, die davon erzählt, aber die vor allem eine starke Lebendigkeit hat." Anja Kampmann findet diese Stimme in Hedda, ihrer Protagonistin, die in Hamburg nach der Weltwirtschaftskrise versucht, über die Runden zu kommen. Sie arbeitet im Varieté und erlebt die Erosion ihrer Freunde und Bekannten durch die schleichende Machtübernahme der Nazis. Gerade die Frauen leiden unter der Armut, dem Hunger und der einzigen Möglichkeit, etwas zu verdienen: indem sie ihre Körper verkaufen. Ab 1933 sind diese Frauen kriminalisiert, in Heime gesperrt, zur Produktionsarbeit gezwungen und auch zwangssterilisiert worden.
Hedda führt als präzise Beobachterin, als Liebende und Leidende, als Kämpferin und ab und an auch zaudernd durch diese unerhörte Atmosphäre bis 1937. Sie empfindet Wut, Bitternis und Wehrlosigkeit – erst recht als ihr Geliebter, ein Kommunist, von den Nazis ermordet wird. Aber sie ist auch voller Zuneigung, Zärtlichkeit und Fürsorge, vor allem für Pauli, ihren beeinträchtigten kleinen Bruder, den sie retten will. Anja Kampmann gelingt es mit "Die Wut ist ein heller Stern", eine gesellschaftliche Stimmung genauso wie den Moment einzufangen und zum Leuchten zu bringen. Ein großer Wurf und von immenser politischer Aktualität ist dieser Roman. Im Gespräch mit Anja Kampmann ist MDR Kultur Literaturredakteurin Katrin Schumacher, eine Aufzeichnung vom 23. Oktober aus der Alten Nikolaischule im Rahmen des Leipziger Festivals "Literarischer Herbst".