MDR KULTUR Diskurs

MDR KULTUR Diskurs

By Mitteldeutscher RundfunkSociety & Culture
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MDR KULTUR Diskurs episodes

  • Unterwegs: Gespräch mit der Schriftstellerin Anja Kampmann in Leipzig
    "Ich wollte eine Stimme finden, die davon erzählt, aber die vor allem eine starke Lebendigkeit hat." Anja Kampmann findet diese Stimme in Hedda, ihrer Protagonistin, die in Hamburg nach der Weltwirtschaftskrise versucht, über die Runden zu kommen. Sie arbeitet im Varieté und erlebt die Erosion ihrer Freunde und Bekannten durch die schleichende Machtübernahme der Nazis. Gerade die Frauen leiden unter der Armut, dem Hunger und der einzigen Möglichkeit, etwas zu verdienen: indem sie ihre Körper verkaufen. Ab 1933 sind diese Frauen kriminalisiert, in Heime gesperrt, zur Produktionsarbeit gezwungen und auch zwangssterilisiert worden.

    Hedda führt als präzise Beobachterin, als Liebende und Leidende, als Kämpferin und ab und an auch zaudernd durch diese unerhörte Atmosphäre bis 1937. Sie empfindet Wut, Bitternis und Wehrlosigkeit – erst recht als ihr Geliebter, ein Kommunist, von den Nazis ermordet wird. Aber sie ist auch voller Zuneigung, Zärtlichkeit und Fürsorge, vor allem für Pauli, ihren beeinträchtigten kleinen Bruder, den sie retten will. Anja Kampmann gelingt es mit "Die Wut ist ein heller Stern", eine gesellschaftliche Stimmung genauso wie den Moment einzufangen und zum Leuchten zu bringen. Ein großer Wurf und von immenser politischer Aktualität ist dieser Roman. Im Gespräch mit Anja Kampmann ist MDR Kultur Literaturredakteurin Katrin Schumacher, eine Aufzeichnung vom 23. Oktober aus der Alten Nikolaischule im Rahmen des Leipziger Festivals "Literarischer Herbst".
    53 min
  • Robert Louis Stevenson: Der Flaschenteufel (2/2)
    Der junge Hawaiianer Keawe erwirbt eine mysteriöse Flasche, die ihrem Besitzer jeden Wunsch erfüllt, ein Leben lang. Wer sie jedoch noch im Augenblick seines Todes besitzt, wird im ewigen Höllenfeuer schmoren. Deshalb muss sich Keawe rechtzeitig wieder von ihr trennen. Sie ist jedoch unzerstörbar. Um sie wieder loszuwerden, muss man die Flasche verkaufen, und zwar billiger, als man sie gekauft hat, sonst kehrt sie zu einem zurück. Und man muss dem Käufer vorher alle Bedingungen offenbaren …

    Lesung mit Achim Gertz
    Produktion: NDR 1966
    Verfügbar bis 3. November 2026

    Hintergrund zur Entstehungszeit der Novelle:
    Stevenson schrieb diese Novelle auf der Samoa-Insel Upolu, wo er mit Frau und Kindern von 1890 bis zu seinem Tod 1894 lebte. Er starb mit 44 Jahren an Tuberkulose. Stevenson, der immer viel gereist war, betrieb auf Upolu eine Plantage – und war dort schriftstellerisch sehr produktiv. Seine zwölf samoanischen Diener nahm er wie Familienangehörige in den "Stevenson-Clan" auf. (siehe Bild)

    Die Inselbewohner gaben ihm den Namen Tusitala: der Geschichtenerzähler. Stevenson versuchte, in dem dortigen Konflikt zwischen den Inselbewohnern und den europäischen Vertretern zu vermitteln, letztere empfand er als inkompetent. Er verfasste dazu den Essay: "Eine Fußnote zur Geschichte – Acht Jahre Unruhen auf Samoa".
    Stevenson unterstützte u. a. den samoanischen Oberhäuptling Mataafa, der sich im Konflikt mit seinem Rivalen Laupepa befand. Das britische Foreign Office empfahl Stevenson daraufhin, sich auf das Schreiben zu konzentrieren, was er ignorierte. Nach seiner Niederlage unterstützte der Stevenson-Clan Mataafa und weitere Inhaftierte mit Lebensmitteln und Medikamenten. Als Dankeschön bauten die Anhänger des Häuptlings 1894 eine Verbindungsstraße (genannt "Straße der liebenden Herzen") mitten durch den Urwald nach Vailima, dem Haus der Familie. Seit 1994 beheimatet es das Robert-Louis-Stevenson-Museum.
    28 min
  • Musik macht schlau! Christoph Reuter im Jazzlabor
    Das Jazzlabor untersucht den Nährboden des Jazz – und der befindet sich hauptsächlich im Kopf. Sehr willkommen ist da das neue Buch von Jazzpianist und Musikkabarettisten Christoph Reuter: Musik macht schlau – außer manche. Den darin erwähnten Studien zufolge müssen MusikerInnen schlau, sozial und gesund sein. Julia Hemmerling und Christoph Reuter erörtern unter anderem, warum das dann doch nicht so einfach ist und welche Art von Intelligenz einen eigentlich für den Berufsstand JazzmusikerIn qualifiziert.

    Titelliste:
    1. Christoph Reuter und Juri de Marco: Dvorak Re.visited#4
    2. Christoph Reuter und Juri de Marco: Morgenlicht
    3. Songland Trio: Morgenlicht
    4. Christoph Reuter, solo: Morning Waltz
    5. Rabbits in the Moon: Movies Break
    6. Christoph Reuter und Stephan Bormann: John Mayer (Unveröffentlicht)
    7. Christoph Reuter und Stephan Bormann: Energieding (Unveröffentlicht)
    8. Christoph Reuter und Juri de Marco: Dvorak Re.visited#3
    9. Christoph Reuter und Juri de Marco: Wenn Du willst
    10. Ye:Solar: Disco Carrera
    11. Berlin to Lahore: 50 Miles to Lahore
    12. Berlin to Lahore: Balcony Dance
    13. Jay D’Amico Trio: Ad-Lip
    14. Jay D’Amico Trio: Celtic Minor
    15. Makaya McCraven: Venice
    16. Makaya McCraven: Sweet Stuff
    17. Allen Austin-Bishop: The Sea
    18. Allen Austin-Bishop: Creep
    1 hr 57 min
  • Das Kind ins Leben heben – Berufung Hebamme
    "Schwangerschaft und Geburt sind natürliche Vorgänge und stellen keine Krankheit dar", heißt es im Mutterpass. Doch bei vielen Frauen überwiegen Angst und Unsicherheit. Sie vertrauen eher Medizin und Technik als ihrem eigenen Körper und wählen die Klinik als vermeintlich sichersten Geburtsort.

    So kommen in Deutschland nur noch rund zwei Prozent der Kinder zu Hause oder im Geburtshaus zur Welt. Statt CTG, Betäubung oder Kaiserschnitt, gibt es hier eine Eins-zu-Eins Betreuung durch eine Hebamme. Doch wegen immenser Haftpflichtprämien geben immer mehr freiberufliche Geburtshelferinnen auf. Die Geburt ist längst ein Politikum, das Selbstbestimmungsrecht der Frau steht auf dem Spiel.

    Feature von Julia Schäfer
    Sprecherin: Anja Schneider
    Ton und Technik: Holger König und Christian Grund
    Regie: Stefan Kanis
    Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk 2016
    Verfügbar bis 4. November 2026
    30 min
  • Goethefrauen – ein Eklat, 1811 in Weimar
    Den Eklat von Weimar, der sich am Freitag, dem 13. September 1811 zwischen Goethes Ehefrau Christiane und der jüngst vermählten Bettina von Arnim, geborenen Brentano, in der Ausstellung der Weimarer Kunstfreunde zuträgt, hätte man sich nicht einschneidender vorstellen können: Lautstarker Wortwechsel und Handgreiflichkeiten, in deren Folge Goethe den Arnims fortan sein Haus verbietet. Dabei hatte Bettina über Jahre hinweg mit Briefen und Geschenken die Nähe des Dichters gesucht. 26 Jahre alt ist sie, als sie mit ihrem Fauxpas alles auf immer verdirbt.

    In seinem vergnüglichen Zwei-Personenstück thematisiert der Autor Rolf Schneider den besonderen Anspruch, den diese so verschiedenen Frauen auf Goethe erheben. Wobei beide nennenswerte Verdienste um sein Werk und seine Person vorweisen können: Ohne die Geschichten, die Bettina in Frankfurt von Goethes Mutter über Kindheit und Jugend des Dichters erfragte, hätte er den Beginn seiner Autobiographie "Dichtung und Wahrheit" nicht schreiben können. Und ohne das beherzte Eingreifen seiner Gefährtin Christiane Vulpius hätte Goethe das Wüten napoleonischer Truppen, die 1806 plündernd in sein Weimarer Haus eingedrungen waren, nicht überlebt.

    Hörspiel von Rolf Schneider
    Mit: Maria Happel als Christiane Vulpius und Friederike Kempter als Bettina von Arnim
    Regie: Matthias Thalheim
    Komposition: John Marson
    Produktion: MDR 2020
    Verfügbar bis 31. Oktober 2026
    42 min
  • Robert Louis Stevenson: Der Flaschenteufel (1/2)
    Der junge Hawaiianer Keawe erwirbt eine mysteriöse Flasche, die ihrem Besitzer jeden Wunsch erfüllt, ein Leben lang. Wer sie jedoch noch im Augenblick seines Todes besitzt, wird im ewigen Höllenfeuer schmoren. Deshalb muss sich Keawe rechtzeitig wieder von ihr trennen. Sie ist jedoch unzerstörbar. Um sie wieder loszuwerden, muss man die Flasche verkaufen, und zwar billiger, als man sie gekauft hat, sonst kehrt sie zu einem zurück. Und man muss dem Käufer vorher alle Bedingungen offenbaren …

    Lesung mit Achim Gertz
    Produktion: NDR 1966
    Verfügbar bis 3. November 2026

    Hintergrund zur Entstehungszeit der Novelle:
    Stevenson schrieb diese Novelle auf der Samoa-Insel Upolu, wo er mit Frau und Kindern von 1890 bis zu seinem Tod 1894 lebte. Er starb mit 44 Jahren an Tuberkulose. Stevenson, der immer viel gereist war, betrieb auf Upolu eine Plantage – und war dort schriftstellerisch sehr produktiv. Seine zwölf samoanischen Diener nahm er wie Familienangehörige in den "Stevenson-Clan" auf. (siehe Bild)

    Die Inselbewohner gaben ihm den Namen Tusitala: der Geschichtenerzähler. Stevenson versuchte, in dem dortigen Konflikt zwischen den Inselbewohnern und den europäischen Vertretern zu vermitteln, letztere empfand er als inkompetent. Er verfasste dazu den Essay: "Eine Fußnote zur Geschichte – Acht Jahre Unruhen auf Samoa".
    Stevenson unterstützte u. a. den samoanischen Oberhäuptling Mataafa, der sich im Konflikt mit seinem Rivalen Laupepa befand. Das britische Foreign Office empfahl Stevenson daraufhin, sich auf das Schreiben zu konzentrieren, was er ignorierte. Nach seiner Niederlage unterstützte der Stevenson-Clan Mataafa und weitere Inhaftierte mit Lebensmitteln und Medikamenten. Als Dankeschön bauten die Anhänger des Häuptlings 1894 eine Verbindungsstraße (genannt "Straße der liebenden Herzen") mitten durch den Urwald nach Vailima, dem Haus der Familie. Seit 1994 beheimatet es das Robert-Louis-Stevenson-Museum.
    28 min
  • Goethe in seiner Zeit
    Am 7. November 1775, vor 250 Jahren, kam der 26-jährige Goethe in Weimar an. Da wusste er noch nicht, dass er in dem thüringischen Residenzstädtchen bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. Herzog Carl August, mit dem er sich in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main angefreundet hatte – soweit es der Standesunterschied zuließ – hatte ihn eingeladen, um das kleine, aber nicht unbedeutende Territorium voranzubringen. Durch sein Prestige als Bestseller-Autor des "Werther", aber auch durch seine Tätigkeit in Politik und Verwaltung, der er zeitlebens, mal mehr oder weniger intensiv nachging.

    Wie stand Goethe zur den großen politischen Umwälzungen seiner Zeit, zu Revolution und Reformen? War Goethe eher progressiv oder konservativ? Und wie stand er zu Napoleon und den wild auftrumpfenden national-demokratischen Studenten, die sich vor seiner "Haustür" an der Universität Jena aufrührerische Reden schwangen. Darüber hat MDR KULTUR-Redakteur Stefan Nölke mit dem Literaturkritiker Thomas Steinfeld gesprochen, der im Rowohlt Verlag eine lesenswerte Biografie vorgelegt hat: "Goethe – Porträt eines Lebens, Bild einer Zeit".

    Verfügbar bis 22. August 2027
    25 min
  • MDR KULTUR trifft Franziska Winter
    Franziska Winter wurde bei der diesjährigen Filmkunstmesse in Leipzig der Hauptpreis für das beste Jahresfilmprogramm 2024 einer alternativen/ nichtgewerblichen Abspielstätte von der Mitteldeutschen Medienförderung überreicht. Dieser Preis ist mit 15.000 Euro verbunden und Franziska Winter, die seit dem vergangenen Jahr das Kino mon ami im Weimar leitet, überlegt davon einen Archivschrank zu kaufen, um die über 25 Jahre aufgebaute Filmplakatsammlung zu sichern und vielleicht auch einen neuen Vorhang für den Lichtspielsaal. Neugierde treibt sie an, das Wissen um die transformative und verändernde Kraft von Kunst und Kultur. Das braucht es, um Antworten auf die Frage zu finden „Wie sieht das Kino der Zukunft aus?“, die auch auf der Filmkunstmesse in Leipzig diskutiert wurde. Gegenwart ist bereits daß die Mitteldeutschen Kurzfilmnächte noch bis Dezember die besten Kurzfilme aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in den Kategorien Animation, Dok, Fiktion und Experimental, ausgezeichnet beim diesjährigen KURZSUECHTIG Kurzfilmfestival, in ausgewählten Kinos im Mitteldeutschland zeigen. Am 14. November ist im mon ami in Weimar Kurzfilmnacht.

    Der Auf- und Ausbau des kleinen Programmkinos mon ami geht mit dem Jahr 1999 auf Edgar Hartung zurück, der es nach vielen auch finanziell schweren Zeiten, gut aufgestellt und gut besucht nach 25 Jahren an Franziska Winter übergeben konnte. Für Edgar Hartung war das Schlüsselerlebnis für die spätere Leidenschaft Programmkino in jungen Jahren "Stalker" von Andrei Tarkowski, ein Klassiker des sowjetischen Kinos. 1985 ließ sich der gelernte Maschinenbauer daraufhin zum Filmvorführer ausbilden. Franziska Winter's Schlüsselmoment war ein Schulausflug ins Kino. Dort sah sie das erste Mal einen Film in Originalton, in Französisch. Heute ist sie promovierte Kulturwissenschaftlerin.

    1988 wurde Franziska Winter in Rostock geboren. Von 2008 bis 2012 studierte sie in Hamburg Kulturanthropologie und Philosophie, sowie 2010 bis 2011 an der Universität Stockholm Social Anthropology, Gender ans Sexuality. Das Master-Studium Kulturwissenschaften - Culture, Arts and Media führte sie von 2012 bis 2014 an die Leuphana Universität Lüneburg. 2015 bis 2017 wirkte Franziska Winter als Redaktionsmitglied der EJECT - Zeitschrift für Medienkultur mit und wurde 2015 bis 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin der DFG-Forschungsgruppe Medien und Mimesis an der Bauhaus-Universität Weimar, 2020 bis 2023 Assoziierte am DGF Graduiertenkolleg Medienanthropologie an der Bauhaus-Universität Weimar, 2021 bis 2022 Stipendiatin und 2023 Wissenschaftliche Mitarbeiterin dort und von 2016 bis 2024 Doktorandin an der Fakultät Medien, Philosophie und Ästhetik an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2024 ist Franziska Winter Kino- und Programmleiterin des mon ami in Weimar.

    Moderation: Carsten Tesch
    Redaktion: Angelika Zapf
    47 min

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