Die fünfte Schweiz

Die fünfte Schweiz

By Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)Society & Culture
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Die fünfte Schweiz episodes

  • Sara Amsler : «Ich liebe die Insel mit all ihren Facetten»
    Mallorca ist nicht nur ein Hotspot für deutsche Touristen. Auch viele Schweizer verbringen ihre Ferien auf der beliebten Baleareninsel. Sara Amsler hat sie als Reiseleiterin viele Jahre betreut und begleitet. Heute arbeitet die 50-Jährige für eine renommierte Anwaltskanzlei in Palma.
    Sara Amsler lebt seit fünfundzwanzig Jahren auf Mallorca. Als ehemalige Reiseleiterin kennt sie die berühmte Baleareninsel durch und durch. Dorthin auswandern, wollte sie aber eigentlich nie: «Die Insel hat mich irgendwie gesucht und nicht mehr losgelassen.» Auch ihr mallorquinischer Mann Miguel hat Sara Amsler nicht mehr losgelassen. Mit den beiden erwachsenen Kindern lebt das Paar inmitten der Inselhauptstadt Palma: «Palma ist eine gemütliche Stadt mit vielen schmucken Restaurants in den verwinkelten Gassen und Ecken.»
    «Der Ballermann sichert die Existenz vieler Mallorquiner»
    Auch wenn der berühmt berüchtigte Ballermann immer wieder einen Schatten auf die beliebte Ferieninsel wirft, gehöre er dazu, sagt Sara Amsler: «Mallorca war früher die Putzfraueninsel, die mit dem Ballermann den Massentourismus angezogen hat. Bis heute ist er das Aushängeschild der Insel.» Trotzdem versuchen die Einheimischen den Tourismus auf Mallorca zu wandeln: «Mann kann dem Ballermann ausweichen. Auf der Insel hat es viele ruhige und verträumte Orte.»
    18 min
  • Jasmine und Michael in Lappland – Leben jenseits der Zivilisation
    Lappland mit seinen atemberaubenden Nordlichtern, den vielen Seen und Wäldern. Der schwedische Winter hat Michael Hanselmann schon immer in den Bann gezogen. Mit seiner Freundin lebt der Appenzeller in der Nähe von Arjeplog in der Provinz Lappland. Allerdings ohne Strom und fliessend Wasser.
    Michael Hanselmann aus Speicher (AR) ging mit seinen Huskies schon in der Schweiz viele Jahre auf Schlittentouren. Jetzt lebt er zusammen mit Freundin Jasmine seinen Traum in Schweden. In der Nähe der kleinen Ortschaft Arjeplog hat das Paar ein bescheidenes Anwesen am See, mitten im Wald und in der wilden Natur Lapplands. Strom und fliessend Wasser gibt es da nicht, sagt Michael Hanselmann: «Im Winter müssen wir am Morgen zuerst einheizen und ein Loch im eingefrorenen See bohren, bevor es den ersten Kaffee gibt.» Die beiden leben ganz autark. Es sei eine Lebensschule, sagt der 48-Jährige: «Das Leben hier ist sehr bescheiden und doch so reich an Eindrücken. Es gibt nichts Schöneres, als mit meinen Hunden und Schneeschuhen die Wildnis Lapplands zu entdecken.» Trotzdem ist eine Rückkehr in die Schweiz nicht ausgeschlossen: «Die Schweiz ist nach wie vor mein Herzensland.»
    Abenteuer Lappland
    Jetzt beginnt die Saison mit den Schlittenhunden und die ersten Gäste trudeln ein. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, sagt Michael Hanselmann: «Wir haben eine kleine Gästehütte und ein Iglu aus Glas direkt am See.» Bald ist Lappland wieder in Schnee gepackt und es geht los mit den abenteuerlichen Schlittentouren durch die schwedische Wildnis.»
    17 min
  • Verena Tagmann hat in Neuseeland die Kunst entdeckt
    Verena Tagmann aus Gais (AR) lebt in der Küstenstadt Whitianga auf der Nord-Insel von Neuseeland. Die Neuseeländer verbringen ihre Freizeit oft im Freien, sagt die 59-Jährige: «Sie lieben die Natur, das Meer und ihre Strände. Praktisch jeder hier besitzt sein eigenes Motorboot.» Auch Verena Tagmann.
    «Kia ora» ist die traditionelle Begrüssung der Maori in Neuseeland. Ein herzlicher und einladender Gruss, den man überall hört. Genauso herzlich sind auch die Menschen in Neuseeland. Verena Tagmann fühlt sich wohl in ihrer zweiten Heimat. Seit zwanzig Jahren lebt sie mit ihrem Partner in der Küstenstadt Whitianga. Ein beliebtes Urlaubsziel und ein Ort, wo es einiges zu entdecken gibt. Beispielsweise den Hot Water Beach: «Da kann man sich im Sand seinen eigenen Pool graben und gemütlich ein heisses Bad nehmen.»
    Künstlerin auf allen Ebenen
    Viele Jahre hat Verena Tagmann in ihrer eigenen Bootswerft Motorboote aller Art auf Hochglanz poliert: «Die Motorboote müssen regelmässig gewachst und neu lackiert werden. Ein körperlich anstrengender Handwerksjob.» Das Geschäft hat sie mittlerweile verkauft und widmet sich ihrer eigentlichen Passion, der Kunst. In ihrem Atelier malt die Künstlerin abstrakte und bunte Bilder. Regelmässig trifft sie sich mit Gleichgesinnten. Ihre einzigartigen Bilder kann man an vielen Vernissagen bewundern und auch kaufen: «Mein Herz schlägt für die Kunst. Sie erfüllt mich und lässt meiner Fantasie freien Lauf!»
    19 min
  • Peter Müller – Von der Karibik ins Piemont
    Peter Müller ist am Zürichsee aufgewachsen. Nach der Hotelfachschule in Lausanne zog es ihn in die Karibik: «Ich träumte vom Surfen und den weissen Sandstränden in der Karibik. Doch irgendwann wird es auch unter der ewigen Sonne langweilig.» Heute führt er ein extravagantes Hotel im Piemont.
    Peter Müller hat die Welt gesehen. Der Zürcher arbeitete auf Kreuzfahrtschiffen und führte unter anderem ein luxuriöses Hotel auf Sansibar in Tansania. Ein Freund holte ihn schliesslich nach Europa zurück: «Er besass ein altes barockes Herrschaftshaus im Piemont, wo ich schon mal gearbeitet habe. Ich war Rezeptionist und zusammen bekochten wir die Gäste.» Heute ist Peter Müller der Hoteldirektor des geschichtsträchtigen Anwesens. Es liegt in der Gemeinde Isola dAsti etwas oberhalb auf einem sonnigen Hügel: «Hier hat man einen fantastischen Panoramablick über die umliegenden Weinberge.»
    «Das Familienleben ist mir heilig»
    Peter Müller lebt mit seiner Familie direkt neben dem Hotel. Das sei sehr praktisch: «So kann ich immer wieder mal rüber hüpfen und mit meiner Familie zu Mittag essen.» Während der Hauptsaison ist der 46-jährige Hoteldirektor oft bis spät unterwegs. In der Winterzeit ist das Hotel geschlossen und wird für die nächste Saison herausgeputzt: «Da finde ich auch mal Zeit mit meiner geliebten Vespa herumzufahren.»
    17 min
  • Pius Regli auf Sylt: «Der Gasthof ist mein Wohnzimmer!»
    Er könne nicht kochen aber dafür kommunizieren, sagt Pius Regli. Der erfolgreiche Gastronom lebt auf der Insel Sylt und führt ein angesehenes Restaurant. Bei der deutschen Urlaubsprominenz hat er sich längst einen Namen gemacht. Trotzdem ist er bescheiden geblieben.
    Pius Regli aus Emmen (LU) ist in die Gastronomie regelrecht reingerutscht. In der Wintersaison arbeitete er viele Jahre in Zermatt. Im Sommer auf Ibiza: «So konnte ich im Winter Skifahren und im Sommer ans Meer.» Fasziniert war er aber immer schon von der Insel Sylt in der Nordsee: «Ich sah einen Film im Kino, der auf Sylt gedreht wurde und dachte, auf diese sonnige Insel muss ich irgendwann mal auswandern.» Tatsächlich bekam der Gastronom ein Angebot auf der beliebten Urlaubsinsel. Bei seiner Ankunft allerdings wollte er gleich wieder abreisen: «Es hat geregnet, geschneit und gestürmt, ich konnte nicht mal weg von der Insel!» Seither sind fünfundvierzig Jahre vergangen. Der 68-Jährige führt zusammen mit seiner Tochter Sarah eines der angesehensten Restaurants auf Sylt.
    Gastgeber mit Leib und Seele
    Pius Regli verbringt die meiste Zeit in seinem Restaurant: «Ich sehe die Arbeit nicht als Arbeit. Der Gasthof ist mein Wohnzimmer. Ich rede gerne und viel mit meinen Gästen.» In der Hauptsaison ist sein Restaurant meist ausgebucht. Wer einen Tisch ergattern möchte, muss lange im Voraus reservieren. Trotzdem hält er immer ein oder zwei Tische frei: «Mir ist es sehr wichtig, dass auch spontane Gäste bei uns ein schönes Plätzchen finden.»
    19 min
  • Susi Ammann liebt die Lebensart der Franzosen
    Französisch gehört zu den romantischsten Sprachen der Welt. Die Liebe zu ihr und vor allem zur französischen Kultur hat auch Susi Amman gefunden. Die Zürcherin lebt in der kleinen Küstenstadt Anglet. Mit den Basken versteht sie sich bestens: «Sie sind stolze Bergler wie unsere Urschweizer.»
    Susi Ammann hat ein Flair für Sprachen. In der Schulzeit war ihr der Französisch Unterricht zu wenig. Die Zürcherin entschloss sich kurzerhand, nach Frankreich auszuwandern. Die erste Zeit verbrachte sie in der Universitätsstadt Aix-en-Provence. Heute lebt die 66-Jährige in der Küstenstadt Anglet und pendelt zwischen Paris und dem Baskenland hin und her. Ihre Agentur hat sich auf sprachgewandtes Personal spezialisiert: «Für den G7-Gipfel 2019 in Biarritz, habe ich das gesamte Empfangspersonal organisiert.» Die Netzwerkerin hat sich längst einen Namen gemacht, auch auf der politischen Ebene. Susi Ammann hat ihre Agentur mittlerweile verkauft. Die zweifache Grossmutter schmiedet aber bereits neue Pläne: «Ich bin eine dynamische Oma, in Rente gehen und Briefmarken sammeln, das ist nichts für mich.»
    «Auch im Baskenland spürt man den Kantönligeist»
    Die Basken sind stolz auf ihre eigene Kultur und Sprache. In den Regionen werden unterschiedliche Dialekte gesprochen. Ähnlich wie in der Schweiz, sagt Susi Ammann: «Darum verstehe ich sie und sie mich. Ich mag ihre urchige Art!» Und auch die Geselligkeit der Franzosen. Susi Ammann trifft sich oft mit Freunden: «Ich esse gerne, gehe wandern oder man trifft mich an Kunstausstellungen.»
    17 min
  • Beatrice Gurdini – Ruhestand im tropischen Paradies Thailand
    Hua Hin am Golf von Thailand ist ein beliebter Ort für Schweizer Rentner. Auch Beatrice Gurdini und ihr Mann hat es vor fünf Jahren von Nussbaumen (AG) in die Küstenstadt gezogen: «Hier geht halt alles viel ruhiger und gemächlicher zu und her.»
    Beatrice Gurdini und Ihr Mann träumten schon immer vom Auswandern. Vor allem wollten die beiden ihre Lebensabende am Meer verbringen: «Das mediterrane Klima ist hervorragend für unsere Gesundheit!» Heute lebt das Paar im beliebten Viertel «Palme Avenue» in der Küstenstadt Hua Hin: «Wir haben hier viele Freunde gefunden und treffen uns regelmässig zum Essen.» Aber auch die thailändische Kultur fasziniert Beatrice Gurdini: «Die Menschen sind sehr offen und warmherzig gegenüber älteren Menschen.»
    Präsidentin vom Schweizer Club
    Beatrice Gurdini ist zwar schon längst pensioniert. Doch Nichts tun, das liegt ihr nicht. Vor drei Jahren hat die 69-Jährige kurzerhand das Amt als Präsidentin des Schweizer Clubs übernommen. Der Swiss Society Hua Hin Club zählt zu den grössten Schweizer Vereinen in Thailand: «Wir organisieren Lesungen oder Vortragsabende und sind die Anlaufstelle für Schweizerinnen und Schweizer, die nach Thailand auswandern möchten.» Und natürlich wird auch traditionell der 1. August gefeiert und gemeinsam auf das neue Jahr angestossen: «Die Schweizer Kultur zu leben, liegt uns auch hier in Thailand sehr am Herzen.»
    17 min
  • Yvonne Lang, Maui, Hawaii: «Das ist eine unvorstellbare Tragödie»
    Yvonne Lang lebt mit ihrem Mann auf Hawaii. Sie arbeitet dort eng mit Touristen zusammen. Aufgrund des Brandes ist dieses Einkommen komplett weggebrochen. Trotzdem ist sie dankbar, dass sie vom Brand verschont geblieben ist.
    Seit sechs Jahren lebt Yvonne Lang auf Maui, Hawaii. Dies ist der Teil der Inselgruppe, der durch den Brand am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das historische Städtchen Lahaina wurde komplett zerstört, viele Menschen kamen ums Leben.
    Hund wurde unruhig
    Yvonne Lang lebt ungefähr eine Stunde von Lahaina entfernt. Bei ihr entfachten sich Feuer. «Ich schlief, als mich morgens um 1 Uhr der Hund weckte», sagt Yvonne Lang. Als sie die Balkontür öffnete, roch es nach Rauch. «Ich dachte, wer macht denn jetzt noch Feuer?», erzählt Yvonne Lang.
    Viele Eukalyptusbäume seien wie Zunder abgebrannt. «Das Feuer entfachte sich in Gegenden, in denen die Feuerwehr oder Helikopter Schwierigkeiten hatten, hinzukommen.»
    Zwar fingen auch einige Häuser in ihrer Umgebung Feuer, aber das sei überhaupt nicht vergleichbar mit dem «Mauis West Side», also dem Part der Insel, wo das Feuer Tod und Verwüstung brachte, sagt Yvonne Lang.
    Touristen brachten das Geld
    Viele Touristinnen und Touristen haben ihre Reise nach Hawaii abgesagt. Für Yvonne Lang, die zusätzlich ein Ferienhaus für Touristinnen und Touristen betreibt, ist das einschneidend. «Ich bin seit dem Brand damit beschäftigt, Anrufe von Reisenden entgegenzunehmen, die ihre Reise stornieren möchten». Und dies, obwohl ihr Inselteil gar nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde.
    Nebst dem Betrieb der Ferienunterkunft kümmert sich Yvonne Lang auch um eine Teeplantage, wo sie Führungen organisiert. «Sämtliche Einkünfte durch den Tourismus sind weggebrochen», sagt sie.
    Tourismusperle – und Paradies für Rehe
    Hawaii lebt vor allem vom Tourismus. Viele wissen nicht, dass Hawaii auch andere Gäste hat: Axhirsche, die ursprünglich in Indien, Nepal und Sri Lanka heimisch sind, haben sich auch auf Hawaii ausgebreitet. Zu Jagdzwecken wurde das Tier dort eingeführt. Ohne natürliche Feinde konnte sich das Tier ungebremst ausbreiten. Das spürt auch Yvonne Lang: «Sie sind mittlerweile eine Plage hier.» Demzufolge gibt es auf Hawaii eine einzige Jagdsaison. Diese dauert 365 Tage.
    14 min
  • Pane, amore e fantasia für Yvonne Angst
    Nie mehr zurück! Das sagt heute Yvonne Angst, die seit 1980 in Süditalien lebt. Das Städtchen Altamura hat es ihr angetan. Aber: Das war nicht immer so.
    Altamura war damals ein verschlafenes Städtchen. Altamura befindet sich etwa 40 Kilometer von Bari entfernt und hatte damals kaum Leben. «Es war trist, für mich war das am Anfang nicht einfach», sagt Yvonne Angst (72) heute. Nach kurzer Zeit zog nebenan eine Nachbarin ein, mit der sie sich bald anfreundete. «Von da an ging für mich die Sonne auf».
    Plötzlich sprach sie jemand am Bellevue an
    Dass Yvonne Angst überhaupt nach Altamura kam, verdankte sie in erster Linie ihrem heutigen Mann, Domenico Cornacchia (75). Er kam im Jahr 1969 als Gastarbeiter nach Zürich. «Am Bellevue hat er mich plötzlich angesprochen, ich fand das nicht so toll», sagte Yvonne Angst heute mit einem Lachen. Etwas später traf sie ihn erneut. «Da hat es gefunkt.» Sie heirateten, und Yvonne Angst brachte drei Kinder zur Welt. Kurz darauf zogen sie in die Heimatstadt ihres Mannes, nach Altamura in Süditalien.
    Das führte zu Problemen und Schwierigkeiten. Vor allem ihre Mutter konnte diese Situation lange nicht akzeptieren. «Dass ich einfach mein Leben in der Schweiz für Süditalien aufgebe, war für meine Mutter und meinen Stiefvater schwer zu akzeptieren.»
    Die Zeit heilt Wunden
    Ihre Mutter musste lernen, loszulassen. Das tat sie auch. «Sie sagte später immer wieder, wie sehr es ihr leidtat, dass sie die Situation lange nicht akzeptieren konnte». Ihre Mutter besuchte sie sogar in Italien. Sie war es auch, die ihrer Tochter die Angst nahm, in ein Café zu sitzen. «Lange hatte ich grossen Respekt, ich war damals nie in einem Café in Süditalien». Doch ihre Mutter sagte «Und da gehen wir jetzt zusammen rein und du wirst sehen, alles ist gut!» Und das war es dann auch. 
    Berühmtes Brot
    Altamura ist heute ein wohlhabendes Städtchen. Viele ArbeiterInnen verdienen ihr Geld im Norden. Sie verbringen die Woche in der Lombardei und fahren am Wochenende in den Süden nach Apulien in ihre Heimat. Bekannt ist Altamura vorwiegend wegen der speziellen Brotsorte, das «Pane die Altamura»: Ein aus Hartweizenmehl hergestelltes Brot, das vorzüglich duftet. Halb Italien wird damit beliefert, oft aus Altamura selbst.
    15 min
  • Christian Brunnschweiler lebt seit 35 Jahren in Venezuela
    Venezuela ist vorwiegend aufgrund seiner hohen Armuts- und Kriminalitätsrate bekannt. Trotzdem sagt Christian Brunnschweiler: Eine Rückkehr in die Schweiz könne er sich nicht vorstellen.
    Es klingt paradox: Fast 95 Prozent der Menschen in Venezuela leiden unter der Armut. Die Kriminalitätsrate ist hoch, nachts durch Caracas zu laufen, wäre zu gefährlich. Trotzdem sagt Christian Brunnschweiler (70): Er bleibe in Venezuela wegen der Freiheit.
    «Hier werde ich nicht ständig beobachtet»
    Christian Brunnschweiler mag seine alte Heimat, die Schweiz. Dennoch würde er sich in der Schweiz zu eingeengt und beobachtet fühlen. Ein Erlebnis bestärkte sein Argument: «Als ich in Bern in einem Supermarkt am Tiefkühlfach eine Schachtel Vermicelles herausnahm und wieder versorgte, sprach mich ein Herr an und fragte: «Chöiter nid läse?» Er fragte zurück: «Doch, warum?» Der Herr gab zur Antwort: «Zerscht wähle, u denn ufmache!» Das habe ihn geschockt. «Das wäre hier in Venezuela undenkbar. Es ist den Venezolaner und Venezolanerinnen egal, wie ich lebe, was ich mache.» Man werde hier nicht überall beobachtet.
    Von Ciba-Geigy in die Selbstständigkeit
    Christian Brunnschweiler bleibt deshalb in Venezuela, seit 35 Jahren lebt er hier. Er wuchs in Zürich auf, absolvierte eine Landwirtschaftslehre in Zürich Seebach und studierte anschliessend an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL in Zollikofen. Er arbeitete danach einige Jahre für die Ciba-Geigy in Basel, wurde nach Asien und Afrika entsandt und dann nach Venezuela. Kurz darauf wurde er selbstständig und spezialisierte sich auf Impfstoffe für Tiere.
    Überfälle, Schüsse ins Knie, beinahe entführt
    Venezuelas wirtschaftliche Lage bereitete ihm Schwierigkeiten, sagt Christian Brunnschweiler. Aufgrund der internationalen Sanktionen ist es nicht möglich, Banküberweisungen zu tätigen oder Kredite aufzunehmen. Dies erschwert die Bezahlwege und das Handeln, was dazu führt, dass er heute rund 80 Prozent weniger verkauft als noch vor sieben Jahren.
    Aber auch das tägliche Leben ist wegen der hohen Kriminalitätsrate schwierig: Er wurde schon mehrfach überfallen; die Diebe schossen ihm ins Knie, seine Tochter wurde beinahe entführt.
    «Ich bin vertropikalisiert»
    Seine beiden Kinder sind seit einiger Zeit ausgewandert. Sie leben in Deutschland und in Brasilien. Er bleibt in Venezuela bleiben. «Wenn man einmal in den Tropen gelebt hat, will man nicht mehr weg.» Er habe die Lebensart der Venezolaner und Venezolanerinnen angenommen. Die Offenheit, dieser Lebensmut, die Freundlichkeit, auch ein wenig das Chaos, und die Spontanität. Man nennt das auch «tropicalisado», also vertropikalisiert. Das lockere, spontane Leben der Menschen.
    16 min

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