Tagesgespräch

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Tagesgespräch episodes

  • Mark Varshavsky, Simone Müller: Stalins Antisemitismus
    Dank des Studiums an den besten Musikhochschulen Moskaus wurde aus Mark Varshavsky ein berühmter Cellist. Gebrochen wird sein Erfolg durch den Antisemitismus Stalins. Weshalb es für Varshavsky wichtig war, der Autorin Simone Müller seine Geschichte zu anzuvertrauen, erzählt er Karoline Arn.
    Anstelle des Tagesgesprächs erzählt Mark Varshavsky seine Lebensgeschichte, die Autorin Simone Müller hat ihn und vierzehn andere Überlebende des Holocaust in ihrem neuen Buch porträtiert.
    Wir kennen sie bestens, die Gymnasien für musikalisch begabte Jugendliche. Bereits Mark Varshavsky, heute 89-jährig, hat eine solche in Kiew besucht. Yehudi Menuhin hat seine Schule in London nach dem sowjetischen Vorbild aufgebaut. Mark Varshavsky schaffte es, an den besten Hochschulen in Moskau zu studieren und wurde in der Sowjetunion ein berühmter Konzert-Cellist. Doch eine Welle von Antisemitismus unter Stalin bremste seinen Erfolg. Es gab Quoten für Jüdinnen und Juden in Orchester oder in anderen begehrten Positionen – er erhielt keine mehr aufgrund seines Glaubens. Weshalb er es wichtig findet, dass die Autorin Simone Müller seine und die Geschichte anderer Überlebender des Holocaust aufschreibt, erzählt er Karoline Arn im heutigen vierten Teil seiner Lebensgeschichte.
    19 min
  • Mark Varshavsky, Simone Müller: Zurück nach Charkiv, zur Musik
    Der Vater von Mark Varshavsky ist an der Front gestorben, die Mutter baut im zerstörten Charkiv als Klavierlehrerin eine Musikschule auf – Mark spielt leidenschaftlich Cello. Die Kinder im Holocaust haben ihre Erinnerungen nie vergessen, sie prägten das ganze Leben, weiss die Autorin Simone Müller.
    Charkiv und viele andere ukrainische Städte und Dörfer wurden während des Zweiten Weltkrieg völlig zerstört. Mark Varshavsky hat seinen Vater im Krieg verloren und kehrt mit der Mutter und den Geschwistern 1944 aus dem Exil in Kasachstan nach Charkiv zurück. In ihrer Wohnung lebt ein Kollaborateur, der sich weigerte, zu gehen.
    Was Mark Varshavsky vor dem Krieg verhasst war, beginnt er zu lieben: Sein Cello. Er übte fleissig und sein Zuhause wird zur Musikschule, in welche die Kinder der Stadt zum Unterricht kommen. Es gibt so eine Extraration Kohle. Mark Varshavsky erlebte den Holocaust als Kind, so wie alle der 15 Überlebenden, die Simone Müller in ihrem Buch porträtiert hat. Nach dem Krieg wurde angenommen, dass diese Kinder ihre Erlebnisse schnell vergessen würden. Doch das Gegenteil geschah; im Alter sind die Erlebnisse ebenso präsent, vielleicht gar noch dringender, hat die Autorin erfahren und im Gespräch mit Karoline Arn erzählt.
    18 min
  • Mark Varshavsky, Simone Müller: Kasachstan und das Unsagbare
    Mark Varshavsky und seine Familie war in Kasachstan in Sicherheit vor den Nazis. Die Mutter und Mark erkrankten schwer an Typhus, der Vater wurde in den Krieg eingezogen und starb an der Front. Die Autorin Simone Müller erzählt, wie auch das Unsagbare in ihren Porträts Platz fand.
    Das Tagesgespräch macht Pause. An dieser Stelle erzählt Mark Varshavsky, 89-jähriger Cellist aus Basel seine Geschichte als Überlebender des Holocaust.
    Die Ukraine war vor dem Zweiten Weltkrieg ein Zentrum des jüdischen Lebens und Kultur in Europa. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung lebte in der Ukraine. Mit dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht kam es zu grossen Massakern und Ermordungen von Jüdinnen und Juden. Mark Varshavsky wurde als Knabe zusammen mit vielen anderen Jüdinnen und Juden vom sowjetischen Staat nach Kasachstan evakuiert, in einer langen Reise in Viehwaggons. In Kasachstan lebte die Familie in einer einfachen Lehmhütte, Mark erkrankte an lebensgefährlichem Typhus. Der Vater wurde in den Krieg eingezogen und starb an der Front.
    Mark Varshavsky ist einer von fünfzehn Holocaust-Überlebenden in der Schweiz, welche Simone Müller in ihrem Buch «Bevor Erinnerung Geschichte wird», porträtiert hat. Der Cellist lebt heute in Basel und erzählt diese Woche Karoline Arn seine Lebensgeschichte und spielt dazu seine Musik. Simone Müller gibt Einblick in ihr Schreiben, auch dem Unsagbaren in ihren Porträts Raum zu geben.
    16 min
  • Mark Varshavsky, Simone Müller: Charkiw 1941 und die Evakuation
    1941 überfiel die Deutsche Wehrmacht die Ukraine. Mark Varshavsky wurde zusammen mit vielen Jüdinnen und Juden vom sowjetischen Staat nach Kasachstan evakuiert, um den Nazis zu entkommen. Er ist einer von 15 Holocaust-Überlebenden in der Schweiz, die Simone Müller porträtiert hat.
    Mark Varshavsky war acht Jahre alt, als die Deutsche Wehrmacht 1941 im ukrainischen Charkiw einmarschierte. Der sowjetische Staat organisierte eine grosse Evakuation, mit welcher Jüdinnen und Juden in Güterzügen nach Kasachstan gebracht wurden, um sie vor dem sicheren Tod zu retten. Heute lebt der 89-jährige Cellist in Basel.
    In fünf Teilen erzählt Mark Varshavsky diese Woche im «Tagesgespräch» von seiner Flucht, zuerst nach Kasachstan, später von Moskau in den Westen. Er ist einer von fünfzehn Überlebenden des Holocaust, welche Simone Müller in ihrem eben erschienen Buch «Bevor Erinnerung Geschichte wird» porträtiert hat. Die Autorin nimmt am Gespräch ebenfalls teil. Mit dem Cello-Spiel von Mark Varshavsky, seinen Erzählungen, aus den Fragen an Simone Müller und Textausschnitten des Buches hat Karoline Arn eine Hör-Collage gemacht.
    20 min
  • Patrik Wülser: «Nach pompösem Abschied zurück in der Krise»
    Ein neuer König, eine neue Premierministerin: In Grossbritannien herrscht Aufbruchstimmung. Gleichzeitig bedrohen Staatsverschuldung, Inflation, hohe Energiepreise und Armut das Land. Gelingt es, diese Herausforderungen zu meistern? Grossbritannienkorrespondent Patrik Wülser ordnet ein.
    Die neugewählte Premierministerin Liz Truss war kaum im Amt, da starb die Königin. Der Todesfall und die darauffolgende zehntägige Staatstrauer haben die drängenden Probleme des Landes jedoch nur kurz überschattet. Was Liz Truss in den Wahlen versprochen hat, will sie nun konsequent umsetzen: Enorme Steuersenkungen, Preisdeckel für Energie und viele Liberalisierungen, beispielsweise der Umweltgesetze, um wieder nach Gas bohren zu können. Was ihre konservativen Pateifreunde begrüssen, beunruhigt Anleger und sogar die Weltbank; denn das britische Pfund verliert massiv an Wert.
    Die kommenden Wochen und Monate werden über vieles entscheiden: Darüber, ob Grossbritannien ein vertrauenswürdiger Gläubiger bleibt, ob die Bevölkerung vor gravierender Armut bewahrt werden kann und ob die Probleme mit der EU eine Lösung finden.
    Die labile Situation schwächt auch die langjährige Macht der konservativen Tories. Die sozialdemokratische Labour Party hingegen wittert Morgenluft. Dies wurde hörbar an ihrem Parteitag diese Woche. Die Tories treffen sich nun nächste Woche und ziehen eine erste Bilanz zur kurzen, aber turbulenten Regierungszeit von Liz Truss. Weht ihr bereits Gegenwind aus den eigenen Reihen entgegen? Grossbritannienkorrespondent Patrick Wülser bilanziert und analysiert die letzten Wochen im «Tagesgespräch» bei Karoline Arn.
    25 min
  • Peter Maurer: «Wir wachsen, statt überflüssig zu werden»
    Peter Maurer tritt als IKRK-Präsident zurück. Ein Jahrzehnt lang hat er versucht, in Kriegen und Krisen die Not der Bedürftigsten zu lindern, mit allen zu vermitteln. Die Konflikte nehmen zu, die Kosten steigen stetig. Maurer hat nach neuen Wegen gesucht, die wachsenden Aufgaben zu meistern.
    Eine Organisation, die stetig und auch rasant wächst, obwohl sie sich gerne überflüssig gemacht hätte: Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Seit gut 160 Jahren existiert die Schweizer Organisation, die mit einem weltweiten Mandat Opfer in bewaffneten Konflikten schützt und versucht, menschliches Leid zu verhindern: Nach den Grundsätzen vom Roten Kreuz und des humanitären Völkerrechts.
    Seit zehn Jahren ist Peter Maurer IKRK-Präsident. Er hat Kriege und Konflikte begleitet, die bereits länger dauern als seine Amtszeit, zum Beispiel in Syrien. Obwohl der Konflikt noch immer einer politischen Lösung harrt, ist er zufrieden, mit grossem Aufwand wichtige Hilfe geleistet zu haben. Unzufrieden ist er dagegen mit der Weltpolitik, denn kein Konflikt wurde während seiner Amtszeit gelöst. Trotz stetig wachsendem Budget reichen die Gelder vorwiegend westlicher Staaten nicht aus, um die Aufgaben zu erfüllen. Maurer ist überzeugt, es braucht private Gelder, die sich auch für die Investoren auszahlen. Das IKRK könne Wirkung verkaufen.
    Bevor Peter Maurer neuer Präsident des Basel Institute on Governance wird, hat ihn «Tagesgespräch»-Moderatorin Karoline Arn an einem seiner letzten Arbeitstage im Hauptsitz des IKRK in Genf getroffen.
    28 min
  • Thomas Christen: Happiger Prämienanstieg für gebeutelte Haushalte
    In den letzten Jahren stiegen die Krankenkassenprämien nur moderat. Im nächsten Jahr schnellen sie nun nach oben – im Durchschnitt um 6.6 Prozent. Thomas Christen, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Gesundheit, erklärt die Gründe für den Anstieg und was der Bund dagegen unternimmt.
    Sie sind einer der grössten Posten im Haushalt der meisten Haushalte: die Krankenkassenprämien. Seit Jahren kennen sie nur eine Richtung – nach oben. Innert 25 Jahren haben sie sich im Durchschnitt von 130 Franken auf über 300 Franken mehr als verdoppelt. Besonders gross ist der Anstieg im nächsten Jahr: Das Prämienwachstum beträgt im Durchschnitt 6.6 Prozent.
    Dieser überdurchschnittliche Anstieg kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Wegen der Energiekrise und des Kriegs in der Ukraine steigen auch die Strom- und Gaspreise massiv an. Hinzu kommt die hohe Inflation.
    Wieso dieser happige Prämienanstieg gerade jetzt ansteht und was der Bund gegen die steigenden Gesundheitskosten unternimmt, weiss Thomas Christen, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Gesundheit.
    26 min
  • Peter Voegeli: Italiens steiler Schwenker nach rechts mit Meloni
    Ein Parlament, so rechts wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Erstmals wird eine Frau Ministerpräsidentin, mit postfaschistischer Vergangenheit. Wie weiter im verschuldeten Italien, mit hoher Jugendarbeitslosigkeit und seinen grossen Problemen?
    Ein Sommer, so trocken wie noch nie in Italien. Grosse Teile der Ernte fallen aus. Auch politisch durchlebt das Land einen aussergewöhnlichen Sommer: Die politische Ernte fährt erstmals eine Frau ein, Giorgia Meloni mit ihrer Partei Fratelli d Italia.
    Ihre politische Karriere hat sie im postfaschistischen Fahrwasser gestartet. Viele ihrer Mitstreiter verehren noch heute den ehemaligen Diktator Benito Mussolini. Das Parteiemblem der Fratelli d Italia erinnert mit der Flamme an den Duce. Meloni beteuert, der Postfaschismus sei Geschichte, ein neues Parteilogo lehnt sie jedoch ab.
    Wer ist Giorgia Meloni? Welche Politik strebt sie an, welche Minister wird sie ernennen? Ihre beiden Wahlhelfer Silvio Berlusconi von der Forza Italia und Matteo Salvini von der Lega hat sie in den Wahlen weit hinter sich gelassen. Treten diese in die zweite Reihe oder werden sie nun zu Rivalen? Kommen sie bei der Regierungsbildung zum Handkuss oder entscheidet sich Meloni für andere Kräfte?
    Zu ihren Vorbildern zählt der ungarische Präsident Viktor Orban. Auch zu den rechtsnationalen Kräften in Polen pflegt Meloni enge Verbindungen. Ergibt das eine neue, EU-kritische Allianz? Peter Voegeli ist Italien-Korrespondent von SRF und früherer Deutschlandkorrespondent. Er analysiert die Wahlen in Italien – und zieht Vergleiche zum nördlichen Schweizer Nachbarn, Deutschland.
    28 min
  • Nach AHV-Reform: Tiefe Gräben bei Altersvorsorge bleiben
    Nach der Reform ist vor der Reform: Denn die Probleme bei der Altersvorsorge bestehen weiter. Doch politisch droht eine Blockade. Wie weiter? Wirtschaftsvertreterin Regine Sauter und Gewerkschaftsbundpräsident Pierre-Yves Maillard zeigen sich gespalten.
    Es ist ein Erfolg für den Bundesrat und die bürgerlichen Parteien: Das Stimmvolk hat Ja gesagt zur «AHV21», äusserst knapp mit 50,6 Prozent Ja-Stimmen. Frauen müssen in der Schweiz künftig bis 65 arbeiten, gleichzeitig wird die Mehrwertsteuer erhöht, damit die AHV mehr Einnahmen erhält.
    Doch, die Zahl der Rentnerinnen und Rentner wächst, die Lebenserwartung steigt. Das trübt die finanziellen Aussichten der Altersvorsorge weiterhin. Laut Berechnungen des Bundesamts für Sozialversicherungen werden die Einnahmen der AHV ab dem Jahr 2029 nicht mehr ausreichen, um die Kosten zu decken. Für den Bund bedeutet dies, dass er bereits die nächste Reform ausarbeiten muss.
    Auch bei den Pensionskassenrenten braucht es Änderungen: Viele Pensionskassen müssen bereits heute auf einen Teil ihrer Einnahmen zurückgreifen, um alle Renten auszahlen zu können. Eigentlich sollte das System der beruflichen Altersvorsorge (BVG) ohne Umlagerung funktionieren. Vor drei Jahren einigten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eine Lösung. Doch die Vorlage steckt im Parlament fest.
    Wie lässt sich die Altersvorsorge langfristig stabilisieren? Welche Pläne liegen für die AHV und das BVG bereit?
    25 min
  • Valérie Dittli: Von Null auf Hundert in die Waadtländer Regierung
    Sie war die Überraschung der Waadtländer Wahlen: Valérie Dittli. Die Zugerin hat für die Mittepartei einen Sitz in der Regierung erobert. Im «Tagesgespräch» schaut Valérie Dittli auf ihren Start in ihr erstes politisches Mandat zurück.
    Für die Waadtländer Bevölkerung war Valérie Dittli vor den Wahlen noch ein unbeschriebenes Blatt. Zwar präsidierte sie die Mittepartei im grössten Westschweizer Kanton. Da die Mitte in der Waadt aber nicht besonders stark verankert ist und auch keine Sitze im Kantonsparlament hat, kannten nur wenige den Namen der 29-jährigen Zugerin.
    Im bürgerlichen Schulterschluss, der Alliance Vaudoise schaffte sie – zusammen mit FDP und SVP – die Wahl. Ende Juni wurde sie vereidigt. Seit Juli steht sie dem Waadtländer Departement für Finanzen und Landwirtschaft vor. Valérie Dittli ist zu Gast im «Tagesgespräch», bei Westschweizkorrespondent Andreas Stüdli
    27 min

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