Tagesgespräch

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Tagesgespräch episodes

  • Thomas Weisskopf: «Jede Firma kann noch Energie sparen»
    Mit möglichst wenig Energie effizient produzieren, das ist die Passion von Thomas Weisskopf, Co-Geschäftsführer der Energieagentur der Wirtschaft. Die EnAW ist auch Teil der Energiespar-Allianz des Bundes. Weisskopf ist überzeugt, dass bei allen Firmen noch Sparpotential besteht und weiss auch wo.
    Licht an beim Betreten des Raums, Licht aus, wenn alle gegangen sind. Wie von Zauberhand. Ein Bewegungsmelder gekoppelt an eine Lampe. So brennt nirgends im Betrieb übers Wochenende oder über Nacht ungewollt Licht. Die jährliche Revision des Zementwerks nicht in der Ferienzeit im Sommer machen, sondern im Winter, wenn die Energie am knappsten ist: Täglich durchleuchtet die Energieagentur der Wirtschaft Unternehmen und Firmen, erarbeitet Massnahmen und macht Zielvereinbarungen, wo und wie viel gespart werden kann.
    Das macht Weisskopf nicht erst seit heute, seit der Lancierung der Energiespar-Allianz, sondern seit 21 Jahren. Die EnAW ist Teil der Kampagne des Bundes, welche heute mit über 180 Unternehmen, Gemeinden und Verbänden lanciert wurde.
    Sparen seit Jahrzehnten – was bleibt da überhaupt noch zu tun? Kann Sparen die Firmen jetzt vor den hohen Energiepreisen retten? Thomas Weisskopf ist überzeugt, dass die Zitrone noch längst nicht ausgepresst ist.
    Welche drängenden Fragen er via Hotline entgegennimmt, zu welchen Notfallplänen er den Unternehmen rät, und warum der drohende Energie-Engpass im Frühling längst nicht vorbei ist, erzählt er im Tagesgespräch bei Karoline Arn.
    27 min
  • Kapitalismus: totgesagt oder unsterblich?
    Der Kapitalismus überlebt, wenn er wächst. Diesen Wachstumszwang beschreibt der einflussreiche Ökonom Mathias Binswanger. Stimmt, sagt die Deutsche Bestseller-Autorin Ulrike Herrmann. Deshalb ist der Kapitalismus am Ende. Wirklich? Beide suchen nach Wegen in die Zukunft. Wie sehen sie aus?
    In diesen Tagen verfolgen wir die verschiedenen Quartalszahlen der Unternehmen. Ebenso die Konjunkturprognosen. Immer mit der Frage: Wächst die Wirtschaft, machen die Unternehmen Gewinn? Und wie viel? Denn: die Angst vor einer Krise ist gross. Fehlen die Gewinne, dann bahnt sich eine Rezession an. Die Arbeitslosigkeit steigt, ebenso die Konkurse, die Schulden. So funktioniert das System des Kapitalismus seit der Industrialisierung. So wichtig dieses Wachstum ist: Es hat einen Preis, einen immer höheren. Ressourcen werden übermässig verbraucht, die Klimaveränderung zerstört immer mehr Lebensräume, richtet immer grössere Schäden an, die hohe Summen kosten, sie wieder zu beheben.
    Das Phänomen des Kapitalismus erforscht seit Jahren Mathias Binswanger, er ist Professor für Volkswirtschaft an der Fachhochschule Nordostschweiz und Privatdozent an der Universität St. Gallen. Er gilt als einer der einflussreichsten Ökonomen der Schweiz. Ulrike Herrmann ist Historikerin, Philosophin, Journalistin bei der Berliner Taz und Bestseller-Autorin. Sie fordert in ihrem neuen Buch das Ende des Kapitalismus. Denn: braucht es Wachstum? Gibt es grünes Wachstum? Und ist ein anderes System als das kapitalistische überhaupt denkbar?
    Über das Phänomen unserer Wirtschaftsordnung, über Fluch und Segen und über die Perspektiven mit Blick auf die Klimaveränderung diskutieren Ulrike Herrmann und Mathias Binswanger im Tagesgespräch bei Karoline Arn.
    Ulrike Herrmann: Das Ende des Kapitalismus. Kiepenheuer & Witsch
    Mathias Binswanger: Der Wachstumszwang. Wiley-Verlag
    28 min
  • Jan Fehr: «Wir dürfen das Virus nicht unterschätzen»
    Die einen hatten es befürchtet, andere wollten es nicht wahrhaben: Aber das Coronavirus ist noch da und meldet sich zurück. Es kündigt sich eine heftige Herbstwelle an. Doch Alarmismus sei nicht angezeigt, sagt Infektiologe Jan Fehr, Professor für Public & Global Health an der Uni Zürich.
    Seit ein paar Wochen steigen die Corona-Ansteckungszahlen wieder. Das Virus drängt sich wieder ins Bewusstsein der Menschen – und der Behörden: Bereits haben erste Kantone wieder eine Maskenpflicht für das Spitalpersonal eingeführt.
    Diesen Donnerstag treffen sich die Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren der Kantone, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Sie könnten bald Massnahmen ergreifen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen. Doch die Unternehmen des öffentlichen Verkehrs beispielsweise wehren sich gegen eine Maskenpflicht, weil sie zu einem Rückgang der Passagierzahlen führen dürfte.
    Wie wird der Corona-Winter? Was uns in den kommenden Monaten erwarten könnte und wie sich jede und jeder Einzelne verhalten soll – dies erläutert Infektiologe Jan Fehr von der Universität Zürich im «Tagesgespräch».
    25 min
  • Hélène Miard-Delacroix: «In Frankreich ist die Stimmung düster»
    In Frankreich lähmen Streiks in den Raffinerien das halbe Land. Zehntausende demonstrieren in Paris für mehr Kaufkraft. Ein allgemeiner Streiktag ist angekündigt. Weiten sich die Proteste weiter aus? Die Sorbonne-Professorin Hélène Miard-Delacroix ordnet die Ereignisse im Tagesgespräch ein.
    Morgens um vier Uhr aufstehen, um irgendwo einen Tropfen Benzin zu ergattern und der Arbeit nachgehen zu können. Dies ist kein Zustand in einem Drittweltland, sondern die momentane Lage in Frankreich. Viele Menschen sind am Ende ihrer Kräfte, das Land ist gespalten in Peripherie und Zentren. Vor allem die ländliche Bevölkerung hat längst nicht überall die Möglichkeit, öffentlichen Verkehr zu benutzen.
    Zu den Verhandlungen um mehr Lohn gesellt sich nun der Unmut über zu wenig Benzin oder zu teure Energie – die Streiks der Gewerkschaften vermischen sich mit Protesten der Unzufriedenen.
    Helfen schnelle Zugeständnisse der Konzerne an die Streikenden und Protestierenden? Oder muss der Staat die Streikenden zur Arbeit verpflichten?
    Die Historikerin und Professorin für Deutsche Zeitgeschichte an der Pariser Universität Sorbonne, Hélène Miard-Delacroix, ordnet die Ereignisse in Frankreich ein - bei Karoline Arn.
    29 min
  • Mirco Moser: «Wir sind immer einen Schritt zu spät»
    In den letzten Jahren hat der Kanton Tessin sein Fahrradnetz und den öffentlichen Verkehr stark ausgebaut. Mit der Eröffnung des Ceneri-Basis-Tunnels fand eine veritable ÖV-Revolution statt. Die Bilanz zeigt jedoch: Es sind vor allem die Grenzgänger und Grenzgängerinnen, die das neue Angebot nützen.
    Zwanzig Prozent mehr Passagiere als vor dem Ausbau sind derzeit mit der Tessiner-S-Bahn unterwegs. Grosses Potential sieht der kantonale Verkehrsdirektor, Mirco Moser, in seinem Kanton vor allem noch bei den Bussen. Auch das Tessiner Busnetz wurde passend zur Ceneri-Eröffnung stark ausgebaut.
    Die Nachfrage bei der Tessiner Kundschaft ist derzeit aber nicht gross. Sie bevorzugt das Auto. Kein Wunder, lange Zeit wurde im Tessin der Individualverkehr vorangetrieben. Bestehende Tram- und Elektrobuslinien wurden eingestellt.
    «Heute müssen wir quasi einen Rückschritt machen in die Vergangenheit,» sagt Mirco Moser. Er bedauert, dass die jeweilige Verkehrsplanung so langwierig ist. Häufig werde sie den aktuellen Bedürfnissen nicht gerecht. Aktuell prüft der Kanton Tessin die Möglichkeit einer Seilbahnverbindung zwischen der Leventina und dem oberen Maggia Tal.
    23 min
  • Martin Aldrovandi: Xi Jinping stärkt seine Macht
    Die Wirtschaft Chinas wächst kaum noch. Covid lähmt den Alltag. Widerspruch ist nicht geduldet. Dennoch wird Xi Jinping nach dem 20. Parteitag eine weitere Amtszeit antreten, noch mehr Macht generieren. Martin Aldrovandi hat die Veränderungen als langjähriger Korrespondent von Radio SRF erlebt.
    Der Parteitag der Kommunistischen Partei in China ist immer ein Grossereignis, er findet alle fünf Jahre statt. Diesen Sonntag ist er besonders bedeutend, denn es ist der 20. Parteikongress. Besonders ist auch, dass der Generalsekretär der Partei, Xi Jinping sich zu einer dritten Legislatur wählen lässt, etwas, das andere Parteiführer vor ihm vermieden haben. In seiner Amtszeit hat er seine Macht nach und nach ausgebaut, den Staat zugunsten der Partei zurückgebunden und der Privatwirtschaft neue Grenzen gesetzt. Mit der Null-Covid-Strategie hat auch die Überwachung der Bevölkerung zugenommen, neue Berichte zur Situation der Uiguren zeigen eine deutliche Verschlechterung der Situation der Menschenrechte. Die Wirtschaft wächst kaum mehr, die Null-Covid-Strategie tangiert viele Menschen in ihrem Alltag, die Überwachung der Bevölkerung hat sich stetig vergrössert und die Situation der Menschenrechte massiv verschlechtert. Was hat sich in China während der Amtszeit von Xi Jinping verändert? Was bedeutet es, wenn er auf Lebzeiten an der Macht bleiben wird? Auslandredaktor Martin Aldrovandi war langjähriger China-Korrespondent von Radio SRF und zu Gast im Tagesgespräch bei Karoline Arn.
    27 min
  • Christian Hofer: «Immer mehr Menschen hungern»
    Wir befinden uns in einer globalen Nahrungsmittelkrise: Hunderte Millionen Menschen haben nicht genug zu essen. Diese Woche trifft sich in Rom der UNO-Ausschuss für Welternährungssicherheit. Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) vertritt dabei die Schweiz.
    Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Klimakrise, steigende Energiepreise sowie Konflikte, vor allem der russische Krieg in der Ukraine, haben globale Versorgungsketten unterbrochen. Die weltweiten Lebensmittelpreise steigen drastisch. Laut der UNO ist der Hunger zum sechsten Mal in Folge angestiegen. Der UNO-Ausschuss für Welternährungssicherheit trifft sich diese Woche in Rom und diskutiert Lösungsansätze.
    Die Schweiz, vertreten durch das Bundesamt für Landwirtschaft, setzt sich für die Förderung junger Menschen in Agrar- und Ernährungssystemen ein. Für viele junge Menschen sei die Landwirtschaft nicht mehr attraktiv. Das gefährde die Nachhaltigkeit der Ernährungssysteme, sagt der Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft, Christian Hofer. Er vertritt die Schweiz zurzeit in Rom.
    21 min
  • Navid Kermani: «Grosse Geschichtsereignisse sind überraschend»
    Navid Kermani, preisgekrönter Schriftsteller, Orientalist, Journalist und Sohn iranischer Eltern, hat bereits vor 20 Jahren über Reformbewegungen in Iran geschrieben. Trotzdem überrascht ihn die Dimension der jetzigen Proteste gegen das Mullah-Regime.
    Masha Amini, eine iranische Kurdin, stirbt nach Polizeigewahrsam. Sittenwächter des Regimes wollten sie über das korrekte Tragen des Kopftuchs «belehren». Seit vier Wochen halten nun die Proteste in Iran an. Angeführt von Frauen, die gegen Kopftuch- und Kleidervorschriften kämpfen: gegen die Unterdrückung der Frau. Sie schneiden sich aus Protest ihre Haare ab – öffentlich, auf den Strassen iranischer Städte.
    Die Demonstrierenden fordern nicht nur Reformen, sondern das Ende des Regimes der islamischen Republik. Unzufriedenheit, Forderungen nach Reformen und Massenproteste sind jedoch nichts Neues für das Regime. In den vergangenen Jahren wurden sie stets blutig niedergeschlagen. Auch aktuell reagiert die iranische Führung mit brutaler Gewalt und Repression.
    Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani beobachtet und analysiert diese Entwicklung seit Jahrzehnten. Als Journalist bereiste er verschiedene Kriegsschauplätze, auch die Ukraine. Als Orientalist, Philosoph und gläubiger Moslem gibt er seiner 12jährigen Tochter in seinem neusten Buch Einblick in die Religionen dieser Welt.
    26 min
  • Christian Wehrschütz: «Russland rächt sich»
    Nach Monaten der scheinbaren Normalität haben schwere Explosionen die ukrainische Hauptstadt Kiew erschüttert. Für ORF-Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz ist klar: Der Kreml reagiert mit dem massiven Beschuss auf die Attacke auf die Krim-Brücke am Wochenende.
    Russland reagiert offenbar mit Vergeltungsschlägen auf die Zerstörungen an der Krim-Brücke. In fast der gesamten Ukraine wurde Luftalarm ausgelöst. Schwere Explosionen erschütterten die ukrainische Hauptstadt Kiew und andere Städte während der Hauptverkehrszeit am Montagmorgen. Es ist die erste grössere russische Angriffsserie seit den ersten Kriegswochen.
    ORF Korrespondent Christian Wehrschütz berichtet seit zwei Jahrzehnten aus der Ukraine. Er meint: Die Russen wollen zeigen, dass sie nach wie vor in der Lage sind, das Zentrum oder weiche Ziele massiv zu beschiessen. Daneben wird die russische Führung wohl auch künftig stärker bestrebt sein, Ziele der kritischen Infrastruktur anzugreifen.
    Im Vergleich Ukraine Russland dürfte der Winter für die ukrainische Bevölkerung somit um vieles schwieriger werden, als für die russische.
    24 min
  • Mark Varshavsky, Simone Müller: 2. Flucht dank Yehudi Menuhin
    Um aus der Sowjetunion auszureisen, braucht es eine Einladung aus Israel. Unmöglich für Mark Varshavsky, diese zu bekommen. Der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin hilft. Leiden schwingt immer mit in Varshavskys Musik. Die Autorin Simone Müller hat bei vielen ihrer Porträtierten ähnliches gehört.
    Heute erzählt Mark Varshavsky anstelle des Tagesgesprächs seine Ausreise aus der Sowjetunion, seine zweite Flucht vor dem Antisemitismus. Ohne den Geigenvirtuose Yehudi Menuhin wäre dies undenkbar gewesen. Nur wenige Tage Zeit erhält Mark Varshavsky, um seinen russischen Pass abzugeben und das Land zu verlassen, Richtung Israel. Er spielt auf den wichtigen Konzertbühnen der Welt, und weiss: Leiden prägt seine Musik. Er würde anders spielen, wäre er nicht aus Charkiv geflüchtet, hätte nicht Jahre in Kasachstan ums Überleben gekämpft. Die Kunst, das ist ihm das Wichtigste seines Lebens.
    Die Autorin Simone Müller weiss, dass viele ihrer porträtierten Überlebenden des Holocaust etwas hatten, das sie am Leben erhalten hat. Sei es eine eiserne Disziplin oder das Spielen eines Musikinstruments. Mark Varshavsky hat über vieles gesprochen. Zum heutigen Krieg auch in seiner Herkunftsstadt Charkiv kann er nur sagen, dass es ihm unglaublich leidtut.
    18 min

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Die aktuelle Talk-Sendung: Im Tagesgespräch wird das Thema des Tages mit Gästen aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft diskutiert und vertieft.

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