ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag von Gustav Stresemann (10.5.1878)
    Die erste deutsche Demokratie scheiterte – dass dies erst 1933 geschah, lag auch an Gustav Stresemann. Trotz vieler Angriffe von rechts und links stabilisierte er die Weimarer Republik und bescherte ihr die "Goldenen Zwanziger". Es gehört ins Feld der historischen Spekulationen: Was wäre passiert, wenn Gustav Stresemann 1929 nicht so jung gestorben wäre? Hätte der charismatische und weithin respektierte Politiker das Ende der Weimarer Republik aufhalten können? Gustav Stresemann war zunächst Industrie-Lobbyist und nationalliberaler Politiker. Doch als Reichskanzler und später Außenminister der Weimarer Republik bewies er eine beeindruckende Führungskraft als Demokrat und Friedenspolitiker. Stresemann wurde in einem Katastrophenjahr der Weimarer Republik Reichskanzler: 1923. Frankreich hatte das Ruhrgebiet besetzt, es folgte eine Hyperinflation mit existentieller Wirtschaftskrise. Streiks und Aufstands-Versuche von links, der missglückte Hitler-Ludendorff-Putsch im November. Stresemann setzte während der Ruhrbesetzung zunächst auf passiven Widerstand, erkannte aber am Ende rechtzeitig, dass er aussichtslos war. Er suchte und fand in Frankreichs Außenminister Aristide Briand einen Partner, mit dem ihm eine Annäherung zwischen den verfeindeten Ländern gelang. Das wertlose Geld ersetzte Stresemann durch die stabile Rentenmark, die Angriffe auf die Republik von links und rechts konnte er abwehren. Sein früher Tod war ein tragischer Verlust für das Land, denn es fehlten der Republik führungsstarke und weitblickende Politiker wie er.
    15 min
  • Aldo Moro ermordet aufgefunden (9.5.1978)
    Im Frühjahr 1978 entführen Linksterroristen in Rom den starken Mann der italienischen Christdemokraten, Aldo Moro. Nach 55 Tagen im "Volksgefängnis" wird seine Leiche in einem Auto gefunden. Aber handelten die Roten Brigaden wirklich allein? Aldo Moro gilt als einer der wenigen in der Democrazia Cristiana, die verstanden haben, dass man mit den Kommunisten reden muss: 1976 sind sie hinter den Konservativen zur zweitstärksten politischen Kraft geworden. DC-Präsident Moro handelt mit Parteichef Berlinguer den "historischen Kompromiss" aus, mit dem die Kommunisten erstmals die Regierung unterstützen wollen. Mit dem Vertrag in der Tasche wird Moro am Morgen des 16. März 1978 auf einer Kreuzung mitten in Rom von den Roten Brigaden entführt. Sie hoffen, damit eine Revolution auszulösen – aber nichts dergleichen passiert. Die Regierung lehnt Verhandlungen kategorisch ab. Die groß angelegte Suche nach dem Versteck der Linksterroristen läuft – begleitet von vielen Pannen – ins Leere. Das befeuert Verschwörungserzählungen, in denen bei der Entführung die Sowjetunion, die CIA, die NATO oder womöglich die Regierung Andreotti selbst die Fäden gezogen haben. Bis heute ist der Fall Aldo Moro nicht vollständig aufgeklärt.
    15 min
  • Der Geburtstag von Miguel Hidalgo, geistiger Vater der Unabhängigkeit Mexikos (8.5.1753)
    Der vollständige Name von Miguel Hidalgo ist kaum visitenkartentauglich: Miguel Gregorio Antonio Ignacio Hidalgo y Costilla y Gallaga Mondarte Villaseñor. Spitzname: Zorro. Dahinter verbirgt sich ein Gelehrter, der ein Kunststudium vorweisen konnte und Priester wurde, um sich auch mit seiner Kirche anzulegen. Schon einem Monat, nachdem er zum Professor der Theologie ernannt wurde, beschuldigte ihn die Inquisition der Häresie, also der Ketzerei. Hidalgo verlies Frau und Kinder und wurde Gemeindepfarrer. Später widmete er sich der wirtschaftlichen Förderung einer Gemeinde: Er gründete Werkstätten, pflanzte Weinstöcke und Olivenbäume und übersetzte Werke von Moliere, die er in einem eigenen Theater aufführen lies. Hidalgo engagierte sich für die Befreiung Mexikos und trat einem Geheimbund bei, dessen Ziel die Befreiung Mexikos von der spanischen Herrschaft war. Hidalgos Kreuzzug scheiterte, er wurde zum Tode verurteilt. Heute ist er ein Nationalheld Mexikos. Sein Porträt ziert die Vorderseite der 1000-Peso-Scheins.
    15 min
  • Johann Sebastian Bach wird Thomaskantor in Leipzig (5.5.1723)
    Heute vor 300 Jahren begann für den wohl berühmtesten Chor Deutschlands eine neue Epoche: Johann Sebastian Bach wurde Kantor des Thomanerchors. Für ihn schrieb er seine großen Chorwerke. In der Thomaskirche wirkte Bach bis zu seinem Tod 1750 als Kantor. Während er vorher überwiegend Instrumentalmusik komponierte, schrieb er in Leipzig seine bis heute berühmten Choräle. So entwickelte sich die Kantate aus dem ursprünglich italienischen Sologesang zur wichtigsten Gattung der evangelischen Kirchenmusik des Barock. Bachs Vokalwerk dominiert das Repertoire des weltweit gefragten Thomanerchors bis in die Gegenwart.Kommentare in Bachs Bibel von seiner Hand lassen auf tiefe Frömmigkeit schließen: - "Bey einer andächtigen Musique ist allzeit Gott mit seiner Gnadengegenwart." Doch belegt ist auch die Rüge der Kirchenoberen, Bach habe sich während der Predigt in den Weinkeller davongemacht. Der bekannte: "Sey ihm leid, sollte nicht mehr geschehen, und hatten ihn bereits die Herren Geistlichen deswegen hart angesehen." Leipzig galt im 18. Jahrhundert zwar als Klein-Paris, hielt aber seine Künstler knapp. Um seine große Familie zu ernähren, fand Bach im Café Zimmermann vor den Toren der Stadt ein Forum für seine weltlichen Kompositionen. Damit erzielte er das Mehrfache seines Kantorlohns.
    15 min
  • Der Geburtstag des persischen Mathematikers und Dichters Omar Khayyam (im Mai 1048)
    Der Perser Omar Khayyam war ein Universalgelehrter des Mittelalters. Als Muslim trat er vor fast tausend Jahren für Toleranz, Vernunft und Sinnengenuss ein. Seine Weltanschauung richtete sich gegen Aberglauben und Fanatismus. Er war ein angesehener Mathematiker, Astronom, Philosoph und Dichter. Das genaue Geburtsdatum von Omar Khayyam ist unbekannt. Recht gut belegt ist, dass er im Mai 1048 im ostiranischen Nischapur geboren wurde, einer Metropole an der alten Seidenstraße, die damals zu den 10 größten Städten der Welt zählte und für ihre Universität berühmt war. Als 1073 die seldschukischen Türken unter ihrem Sultan Malik Schah ins Perserreich einfallen, wird Omar Khayyam vom neuen Herrscher als Berater engagiert und Malik Schah erbaut ihm in Isfahan ein Observatorium. Hier erstellt Omar Khayyam ein Verzeichnis der Sterne und bestimmt die Länge eines Jahres mit erstaunlicher Präzision. Er führt ein Schaltjahr ein, ähnlich wie 500 Jahre später auch der Gregorianische Kalender in Europa. Als Malik Shah 1094 stirbt, gerät der Freigeist Omar Khayyam ins Visier der orthodoxen Geistlichkeit. Sein Observatorium wird geschlossen und er wird zur Pilgerfahrt nach Mekka gezwungen. Danach lebte er bis zu seinem Tod zurückgezogen in Nishapur.
    15 min
  • Mit dem Stummfilm "Raja Harishchandra" beginnt die indische Filmproduktion (3.5.1913)
    "Raja Harishchandra", ein Stummfilm über einen mythologischen König, markiert den Beginn des indischen Kinos. Heute, 110 Jahre später, ist Indien der wohl größte Filmproduktions-Standort der Welt. Den Begriff "Bollywood" hört man in Indien aber nicht so gerne. Dadasaheb Phalke war ein Mann mit Visionen: Den Fotografen und Zauberkünstler störte es, dass in Bombays Kinos nur ausländische Filme gezeigt wurden. Bei einem Besuch in London besorgte er sich eine Kamera und beschloss, selbst einen Film zu drehen. Seinen Stoff nahm er aus dem indischen Nationalepos "Mahabharata". Die Legende über den aufrechten König Harishchandra war in Indien äußerst beliebt. So wurde Phalkes Stummfilm "Raja Harishchandra" auch deshalb ein Erfolg, weil er zum ersten Mal eine Geschichte im Kino zeigte, die dem indischen Publikum vertraut war. Schon die erste öffentliche Vorstellung im Coronation Cinema in Bombay stieß auf so viel Begeisterung, dass schnell weitere Kopien angefertigt wurden. Die Vorführung gilt als Beginn der indischen Filmindustrie, die schnell wuchs und heute von der Anzahl der produzierten Filme her als größte der Welt gilt. Der Begriff "Bollywood", der sich aus Bombay und Hollywood zusammensetzt und meist für bonbonbunte Romanzen mit Gesangs- und Tanzeinlagen verwendet wird, ist in Indien allerdings nicht sonderlich beliebt. Und er wird auch der Vielfalt der indischen Filmproduktion nicht gerecht.
    15 min
  • Der Geburtstag des blinden Nazi-Widerständlers Otto Weidt (2.5.1883)
    Otto Weidt war Anarchist, Besitzer einer Blindenwerkstatt, seit 1940 selbst blind – und mutiger Widerständler gegen die Nazis. Der Berliner setzte sein Leben aufs Spiel, um jüdische Mitmenschen zu retten.Otto Weidt betrieb eine Blindenwerkstatt in Berlin. Sie ist heute ein Museum, denn von hier aus organisierte er die Unterstützung und Rettung zahlreicher Berliner Juden und Jüdinnen während der Nazizeit. Mit Geschick und Bestechungsgeldern machte der überzeugte Pazifist die Blindenwerkstatt zu einem "wehrwichtigen Betrieb" im Zweiten Weltkrieg und konnte seine jüdischen Mitarbeiterinnen lange vor der Deportation schützen. Er organisierte die Übersendung von Lebensmittelpaketen ins Ghetto Theresienstadt, versteckte selbst eine Familie und brachte andere in weiteren Verstecken unter. Nach dem Krieg setzte sich Otto Weidt für den Bau eines jüdischen Waisenhauses und eines Altenheims für KZ-Überlebende ein. Er selbst starb bereits 1947 im Alter von 64 Jahren. Seit 1971 ist Otto Weidt offiziell ein "Gerechter unter den Völkern". Dieser israelische Ehrentitel wird an Einzelpersonen verliehen, die während der Zeit des Holocaust ihr Leben riskierten, um jüdische Mitmenschen zu retten. Es gibt ein Ehrengrab des Landes Berlin für ihn, aber seine Geschichte ist erstaunlich unbekannt.
    15 min
  • Der Kakaobaum bekommt seinen botanischen Namen (im Mai 1753)
    Carl von Linné soll Schokolade geliebt haben. Der schwedische Naturforscher empfahl Kakao nicht nur als Mittel gegen verschiedene Krankheiten, sondern gab dem Kakaobaum auch seinen lateinischen Namen: Theos Broma, "eine Speise der Götter". In seinem botanischen Standardwerk "Species Plantarum", das bis heute die gültigen Namen vieler Pflanzen definiert, beschreibt Linné auch die ursprünglich aus Südamerika stammende Kakao-Pflanze. In Mittelamerika hatten schon die Hochkulturen der Olmeken und Maya aus den Bohnen des Kakaobaums flüssige Getränke hergestellt. Christoph Kolumbus soll der erste spanische Eroberer gewesen sein, der eine Kakaobohne zu Gesicht bekam – und bezeichnete sie als "seltsame Mandel". "Chocolatl" gelangte mit den spanischen Eroberern schließlich nach Europa. Doch das bittere und fette Getränk hatte hier anfangs nur weniger Liebhaber. Erst als man begann, Kakao mit Zucker, Zimt und Anis zu würzen, galt er als trinkbar. Kakao konnten sich lange Zeit nur der Adel und die wohlhabende Oberschicht leisten. Erst als der Niederländer Coenraad Johannes van Houten 1828 die Kakaobutterpresse erfand, wurde Kakao zum Modegetränk. Kakao wurde nicht nur billiger, sondern auch weniger fettig und damit bekömmlicher. Theobroma cacao L. wird heute überall in den Tropen angebaut. Er zählt zu den problematischsten Rohstoffen der Welt. Wegen der hohen Nachfrage in den Industrieländern gehören zum Kakaogenuss sehr oft katastrophale Arbeitsbedingungen in den Anbauländern, Monokulturen und die Zerstörung des Regenwaldes. Die Deutschen zählen nach den Schweizern zu den Hauptabnehmern von Schokolade. 2020 hat jeder Deutsche 9,1 kg Schokolade im Jahr gegessen.
    15 min
  • Der Geburtstag von Franz Carl Achard, Erfinder des Rübenzuckers (28.4.1753)
    Zucker ohne Sklavenarbeit? Das ist im 18. Jahrhundert kaum denkbar. Aber dann kommt Franz Carl Achard und zeigt, dass man Zucker nicht nur aus dem in den Kolonien wachsenden Rohrzucker, sondern auch aus Runkelrüben herstellen kann. Es ist der Beginn einer ganzen Industrie. Achard stammt aus einer wohlhabenden französischen Hugenotten-Familie, die durch die religiöse Toleranz im Preußen Friedrichs des Großen nach Berlin gelockt werden konnte. Privat setzt Achard, der eigentlich nie hätte arbeiten müssen, mit seinem Liebesleben zunächst sein Vermögen und seinen Ruf aufs Spiel, indem er zuerst eine neun Jahre ältere, mittellose Frau heiratet, sich anschließend scheiden lässt, ein Verhältnis mit seiner Stieftochter beginnt, um später mit einer Hausangestellten in wilder Ehe zu leben. Von der Familie enterbt, von vielen Mitmenschen seines Lebenswandels wegen gemieden, experimentiert er auf zahlreichen wissenschaftlichen Feldern, um irgendwie Geld zu verdienen. Er untersucht einheimische Pflanzen auf ihre Eignung zum Färben von Textilien, versucht Tabak in Preußen anzubauen, macht Experimente mit Blitzableitern und Heißluft Ballonen und bemüht sich vergebens, Taubheit durch elektrische Stromstöße zu heilen. Einen Erfolg aber kann er verbuchen, als es ihm gelingt, aus Rüben Zucker zu gewinnen. In Kunern, nahe dem heute polnischen, damals aber noch preußischen Ufer der Oder, baut er seine erste Zuckerfabrik. Sie soll nicht nur das Zuckermonopol aus Rohrzucker aus den britischen und französischen Kolonien brechen, sondern so auch die Sklavenarbeit in den Plantagen beenden. Allein die Fabrik sollte kein gutes Ende nehmen und ihren Besitzer endgültig in den Ruin treiben...
    15 min
  • Der Todestag von Dorothee Sölle, Theologin und Schriftstellerin (27.4.2003)
    Sie war eine unangepasste Frau mit einem großen Herzen. Dorothee Sölle war eine der ersten Frauen in der protestantischen Kirche Deutschlands, die sich offensiv zum Feminismus bekannten und Ökologie zum Thema machte. Dorothee Sölle, 1929 in Köln geboren, besaß Zeit ihres Lebens den Mut, für ihre Überzeugungen durchs Feuer zu gehen. Als Theologin, Feministin, Pazifistin, Ökologin und als Liebende. Damit stieß sie innerhalb der evangelisch-lutherischen Kirche und im Wissenschaftsbetrieb auf vehemente Ablehnung. Obwohl breit qualifiziert und im Ausland hoch angesehen - in New York war sie von 1975 bis 1987 ordentliche Professorin für systematische Theologie - blieb ihr in Deutschland eine vergleichbare Stelle versagt. Auch privat ging sie unbeirrt ihren Weg. Dorothee Sölle war Gymnasiallehrerin, Ehefrau und Mutter dreier Kinder, als sie sich Anfang der 1960er Jahre für eine wissenschaftliche Karriere entschied und auch politisch aktiv wurde. 1968 gründete sie in Köln das "Politische Nachtgebet": ökumenische Gottesdienste, in denen es um Religion und Politik ging. Sie ließ sich scheiden, heiratete den ehemaligen Benediktinermönch Fulbert Steffensky und bekam noch ein weiteres Kind. Die vierfache Mutter war eine der ersten Frauen in der protestantischen Kirche Deutschlands, die sich offensiv zum Feminismus bekannten und die Ökologie zum Thema machten. 1983 protestierte sie gemeinsam mit vielen anderen in Mutlangen gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen und blockierte die Zufahrt zum US-Camp. Unerschrocken blieb sie bis zu ihrem plötzlichen Tod 2003, kämpferische Frau, immer bereit, dazuzulernen. Kraft schöpfte Dorothee Sölle aus ihrem Glauben, Trost fand sie in der Literatur. Vom Reichtum ihrer Gedankenwelt erzählen ihre Gedichte, für die sie 1982 mit Droste-Preis geehrt wurde.
    15 min

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