ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag der Sopranistin Montserrat Caballé (12.4.1933)
    Montserrat Caballé wurde vom armen Mädchen zu einer der größten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts. Eine Lebensgeschichte wie ein Märchen, das sie ihrer außergewöhnlichen Stimme und ihrem Fleiß zu verdanken hat. Über 90 Opernrollen hatte sie im Repertoire. Mit ihrem Sopran hat gebürtige Katalanin Montserrat Caballé nicht nur Klassikfans begeistert, sondern gleich ein großes Millionenpublikum erobert. Montserrat Caballé ist ein Künstlername, denn ihr eigentlicher Name liest sich kompliziert: María de Montserrat Bibiana Concepción Caballé i Folch. Geboren und gestorben ist sie in Barcelona – die Hymne auf ihre Heimatstadt, gemeinsam gesungen mit Freddie Mercury anlässlich der Olympischen Spiele, bringt sie für viele mit der Stadt in Verbindung. Spanien war immer ihre Heimat, die Bühnen in aller Welt waren ihr Zuhause. Nach ersten Berufsjahren an deutschen Stadttheatern merkte sie: Repertoire-Routine ist nicht ihre Sache. Sie wagte sich auf die freie Wildbahn und feierte schnell große Erfolge, ob in New York oder Mailand, Wien oder London. Sogar Maria Callas zollte ihre volle Anerkennung. Doch es waren nicht nur ihre Opernauftritte in Werken von Verdi, Puccini oder Donizetti, mit denen sie ihre stimmlichen Qualitäten unter Beweis stellen konnte, als Liedsängerin hat sie vor allem ihre besonderen Fähigkeiten des Leise-Singens bewiesen. Caballé hat aber auch gern über den Tellerrand hinausgeschaut und sich auf gemeinsame Auftritte mit Popmusikern eingelassen.
    15 min
  • Der Todestag von Francis Durbridge, Kultkrimi-Autor (11.4.1998)
    Wenn seine Krimis im Radio oder später im TV liefen, waren die Straßen leergefegt. Einschaltquoten wie die Paul-Temple-Geschichten von Francis Durbridge haben heute nicht einmal die Finalspiele einer Fußball-WM. Und zu Durbridge-Live-Hörspielen mit Stars wie Bastian Pastewka kommen auch heute noch tausende... Francis Durbridge war ein britischer Radio-, Fernseh- und Krimi-Schriftsteller. Als großer Bewunderer von Edgar Wallace verfasste er sein erstes Kriminal-Stück bereits als Jugendlicher. In den 1930er Jahren gelang ihm der Durchbruch mit der Hörspiel-Serie Paul Temple. Als das Fernsehen immer mehr an Bedeutung gewann, verfasste Durbridge ab 1952 jährlich eine sechsteilige Krimi-Serie, die Millionen Briten vor den Bildschirm holten. Da sie damals noch live in der BBC gespielt und gesendet wurden, gibt es keine Aufzeichnungen. Deutschland war das erste Land, das eine eigene Adaption eines Durbridge-Stoffes mit einheimischen Stars zeigte. Insgesamt schrieb Durbridge 117 Romane, Hörspiele, TV-Krimi-Serien, Kinofilme und Theaterstücke – immer nach einer bestimmten Formel mit wiederkehrenden Motiven z. B. mit einer Hauptfigur, die in den Wahnsinn getrieben werden sollte, einem normalen Gegenstand, der ein Geheimnis barg und dem berühmten Cliffhanger am Ende eines Serienteils. Francis Durbridge starb am 11. April 1998 mit 85 Jahren in London.
    15 min
  • Die totale Sonnenfinsternis, die der Dichter Archilochos schriftlich belegte (6.4.648 v. Chr)
    Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Und der Schatten einer Sonnenfinsternis ist besonders groß. In der Antike verhieß das meist nichts Gutes. Das galt auch für die Sonnenfinsternis des Archilochos im Jahr 648 v.Chr. Der griechische Dichter raunt davon, wie "die Welt ein Graus befiel", als Göttervater Zeus "um die Mittagsstunde plötzlich Nacht ergoss". Weil ein solch markerschütterndes Ereignis nichts anderes als ein Zeichen der Götter sein konnte, beschäftigten bereits chinesische Herrscher vor viertausend Jahren ganze Scharen von Astrologen, um den Zeitpunkt zu errechnen, wann sich der Mond vor die Sonnenscheibe schiebt - eine ernste Angelegenheit, manchmal auf Leben und Tod. Zwei chinesische Hofastrologen, die im Jahr 2137 v.Chr. das Ereignis aufgrund übermäßigen Alkoholgenusses verschliefen, wurden hingerichtet.Heute vor allem ein spannendes Himmelsschauspiel unter dem niedlichen Kürzel "SoFi", bedeutete die Dunkelheit mitten am Tag für die assyrischen Könige eine Bedrohung der Weltordnung und damit ihrer Macht. Zahlreiche Aufzeichnungen sind überliefert von Sternwarten im ganzen Land, in denen mögliche Sonnenfinsternisse präzise vorhergesagt werden. Dabei verbanden sich Mythologie, Religion mit (vor-)wissenschaftlichen Methoden. Denn es braucht langjährige Beobachtung, sowie eine genaue Vorstellung von der Erde und den Gestirnen, um die Bahnen von Sonne, Mond und Sternen zu bestimmen.
    15 min
  • Die Verhaftung des Theologen Dietrich Bonhoeffer (5. April 1943)
    Nach ihren größten Idolen befragt, nannte vor wenigen Jahren noch mehr als jeder zehnte Deutsche Dietrich Bonhoeffer. Kein anderer Theologe des 20. Jahrhunderts ist heute noch so vielen Menschen ein Begriff, weil seinen christlichen Glauben konsequent durchdacht und gelebt hat – bis zum Tod im Konzentrationslager. Hunderte Schulen, Einrichtungen und Initiativen tragen seinen Namen, in politischen Debatten über zivilen Ungehorsam wird häufig sein Satz zitiert, es gelte, "dem Rad in die Speichen zu fallen". Bei vielen Beerdigungen sind seine Verse zu hören: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag." Dass er diese Verse am Jahresende 1944 in einer Gefängniszelle der Gestapo schrieb, ist weniger bekannt, zwanzig Monate, nachdem ihn Hitlers Bluthunde als Staatsgefährder zunächst in Berlin-Tegel inhaftiert hatten, fünf Monate, nachdem der Anschlag auf Hitler misslungen war (20. Juli 1944). Dietrich Bonhoeffer, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs aus seinem sicheren amerikanischen Exil zurückgekehrt, um als brillanter Kopf zunächst der Bekennenden Kirche als Lehrer und Seelsorger im Widerstand gegen Hitler zu helfen, hat für seine Zivilcourage und die aktive Unterstützung des Attentäters Stauffenberg mit dem Leben bezahlt.
    15 min
  • Die Transatlantiküberquerung mit Dampfschiffen beginnt (4. April 1838)
    Mit 320 PS aus Dampfkraft über den Atlantik statt unter Segeln? Als die "Sirius" 1838 von Cork in Südirland in Richtung New York in See sticht, ist noch völlig offen, ob sie es überhaupt allein mit Dampfkraft über den Atlantik schaffen wird... Außerdem entwickelt sich sofort ein Wettrennen um den Eintrag in die Geschichtsbücher: Drei Tage nach der "Sirius" startet im südenglischen Bristol die später legendäre "Great Western" – Zielhafen ebenso New York. Ihr Konstrukteur, der geniale Isambard Kingdom Brunel, hat das damals größte Dampfschiff extra für die Transatlantik-Fahrt entworfen – und den Raddampfer mit zwei Dampfmaschinen ausgestattet, die zusammen 450 PS Leistung auf die beiden Schaufelräder übertragen. Die Sirius hingegen war eigentlich nur für den Liniendienst zwischen London und Irland konzipiert. Kein Wunder, dass die wesentlich besser motorisierte Great Western immer mehr aufholt. Beide Schiffe hätten zur Not auch den Wind nutzen können, denn aus Sicherheitsgründen wurde auf Masten und Segelgarderobe nicht verzichtet. Als auf der Sirius die Kohlevorräte zur Neige gehen, muss sich Kapitän Richard Roberts entscheiden: Segel hoch, Dampfmaschine stoppen und damit den Rekord verwirken oder eine andere Lösung finden? Roberts entscheidet sich, das Mobiliar und den Reserve-Mast der Sirius zu verheizen. Eine gute Entscheidung: Mit nur vier Stunden Vorsprung zur Great Western wird die Sirius als erstes Schiff, das den Atlantik komplett unter Dampf bezwungen hat, in New York einlaufen.
    15 min
  • Der Tod Roxelanes, "Sultana" des Osmanischen Reichs (im April 1558)
    Roxelane, die als Sklavin an den Hof des Sultan Süleyman kommt, macht dort eine erstaunliche Karriere: Sie wird die Lieblingsfrau des Herrschers, er heiratet sie – und Roxelane wird zur mächtigsten Frau des Osmanischen Reiches... Man weiß nicht sehr viel über diese Frau: Roxelane soll aus Rohatyn stammen, das heute zur Ukraine gehört. Von Krimtataren wird sie als Sklavin nach Istanbul verschleppt und gelangt dort in den Palast Süleymans des Prächtigen. Sie soll nicht besonders schön gewesen sein, aber eine echte Frohnatur: Im Harem bekommt sie deshalb den Namen Hürrem, die Freudvolle. Ob es ihr ansteckendes Lachen ist, das den oft trübsinnigen Sultan verzaubert, ihr Charme oder ihre Intelligenz - Roxelane steigt jedenfalls schnell zur Lieblingsfrau Süleymans auf. Sie bringt ihn dazu, sie zu heiraten und im Palast zu behalten, nachdem sie einen Sohn geboren hat. Damit verstößt Süleyman gegen alle Regeln. Ihre bevorzugte Stellung beim Sultan versteht Roxelane geschickt einzusetzen, um ihren Söhnen die Thronfolge zu sichern. So ist es vermutlich auf ihren Einfluss zurückzuführen, dass Süleyman seinen Großwesir Ibrahim Pascha und seinen Erstgeborenen Mustafa hinrichten lässt. Während ihr Image zu Lebzeiten denkbar schlecht ist und sie sogar der Hexerei beschuldigt wird, sieht man sie heute differenzierter. Roxelane wird unter anderem als bedeutende Stifterin gewürdigt.
    15 min
  • Das Skandalkonzert um Arnold Schönberg, auch "Wiener Watschnkonzert" genannt (31.3.1913)
    Wiener Watschenkonzert – der harmlose Name sollte nicht über das Ausmaß des Tumultes hinwegtäuschen: Die feine Wiener Gesellschaft prügelte sich wegen unterschiedlicher Meinungen zur modernen Musik... Der "Akademischer Kultur- und Musikverband" hat zum Konzert geladen: Arnold Schönberg, moderner Komponist und Virtuose der nicht immer eingängigen Zwölftonmusik, dirigiert eigene Werke und die seiner Schüler. Im Publikum: konservative "Konzert-Ultras" und begeisterte "Schönberg-Hooligans". Auch die Stimmung ist von Anfang an mindestens so angespannt wie bei einem Fußballspiel. Bei Schönbergs Sinfonie johlen die Störer, trampeln, lachen, Gegenstände fliegen auf die Bühne. Bei Alban Bergs Gesangzyklus mit dem provozierenden Titel "Lieder nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg" (Altenberg ist Psychiatrie-Insasse) eskaliert die Situation. Auf billigen wie teuren Plätzen kommt es zu heftigen Schlägereien, Brillengestelle und Zahnprothesen fliegen durch den Saal. Schönberg wird geohrfeigt, ein Augenzeuge bemerkt nachher hämisch, die Watschn sei "das weitaus Klangvollste des ganzen Abends" gewesen. Als die Kontrahenten schließlich mit Stuhlbeinen und Holzlatten aufeinander losgehen, hat irgendjemand die zündende Idee und löscht das Saallicht. Im Dunkeln hört man das atonale Stöhnen der zahlreichen Verletzten.
    15 min
  • Der Geburtstag des Malers Vincent Van Gogh (30.3.1853)
    Vincent van Gogh war so arm, dass er sich Leinwand und Farbe nur leisten konnte, wenn er weniger aß. Erst nach seinem Selbstmord 1890 begann die Kunstwelt seine Werke zu schätzen - und teuer zu verkaufen... Zu Lebzeiten verkaufte van Gogh weniger als ein Dutzend Werke und konnte nur mit Hilfe seines jüngeren Bruders Theo überleben. 100 Jahr später wurde ein Bild der Sonnenblumen-Serie auf dem internationalen Kunstmarkt für über 70 Millionen Mark versteigert. Heute gehören die Werke Van Goghs zu den berühmtesten und am häufigsten gefälschten Gemälden der Welt. Vincent Van Gogh gilt als einer der größten Maler der Geschichte, doch zu Lebzeiten wurde er verkannt und verspottet. Später haben Filme und Romane sein kurzes wildes Leben und seinen tragischen Tod zur Legende verklärt. Doch es gibt bei näherer Betrachtung Überraschendes zu entdecken.
    15 min
  • Der Todestag von James Ritty, Erfinder der Registrierkasse (29.3.1918)
    Wenn der Kapitalismus ein Geräusch hat, dann hat James Ritty es erfunden: "Ka-tsching", das Klingeln der Registrierkasse, bedeutet Einnahmen und ist das akustische Symbol florierender Geschäfte. Dabei wollte der Erfinder der Registrierkasse eigentlich Diebstahl in seinem Saloon verhindern... James Ritty betrieb in den 1870er Jahren einen Saloon in Dayton, Ohio. Aber ärgerlicherweise stimmte die Kasse nie. Immer wieder verschwand Geld. Er verdächtigte seine Angestellten der Geldgier, erwischte sie aber nie. Also ließ er sich etwas einfallen. Er bastelte und werkelte bis er 1879 seine Erfindung zum Patent anmeldete: Eine Registrierkasse. Fortan klingelte es, wenn das Geldfach der Kasse geöffnet wurde. Damit war ein heimlicher Diebstahl unmöglich. Und im Grunde wurde damit bereits lange vor den Pawlowschen Hundeexperimenten die klassische Konditionierung ein Thema.
    15 min
  • Der Todestag des Komponisten und Pianisten Sergej Rachmaninow (28.3.1943)
    Sergej Rachmaninow war ein großer Musiker – und nicht besonders selbstbewusst. Als seine erste Sinfonie von der Kritik verrissen wurde, brauchte er drei Jahre ärztliche Behandlung, um die Schaffenskrise zu überwinden. Was danach kam, ist das Meisterwerk des "letzten Romantikers" der Musikgeschichte."Ich schätze diesen Mann sehr, er hat grandiose Filmmusik geschrieben." Für manchen Komponisten wäre dieser Ausspruch ein Lob gewesen ? im Falle von Sergej Rachmaninow verriet er nur Verachtung. Denn Igor Strawinsky, von dem der Satz stammt, wusste genau, dass Rachmaninow nie für Hollywood komponiert hatte: Für Strawinsky roch die Musik seines Landsmanns generell nach Filmmusik ? und diesen Ruf ist Rachmaninow bis heute nicht losgeworden. Als die Moderne in Europa das Publikum provozierte, blieb der Sohn eines Offiziers und einer Generalstochter beim alten System der Tonalität ? und er hat in seiner Musik hartnäckig das alte Russland konserviert. Mit den Bolschewiken konnte er ohnehin nicht viel anfangen: Nach der Oktoberrevolution emigrierte er in die USA und kehrte nie wieder nach Russland zurück. Dennoch hat er aus dem Westen immer wieder Care-Pakete und Geld in die Sowjetunion geschickt, die ihm das Übel lohnte und Rachmaninow zum Klassenfeind erklärte. Ihm konnte es recht sein: als Pianist bekam er Spitzenhonorare, er lebte luxuriös in Beverly Hills (wo er 1943 starb) und der Schweiz. Dort ? und nicht in den USA ? hat er in den 1930er Jahren seine letzten großen Werke geschaffen.
    15 min

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