ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Todestag der Widerstandskämpferin Ina Ender (27.3.2008)
    Sie war Model, Widerstandskämpferin und Spionin. Die attraktive Ina Ender hatte wegen ihres Berufs viel Kontakt mit den Frauen hochrangiger Nazis, erfuhr viele Geheimnisse, Streitereien und Reisedaten der Nazi-Schickeria – und verriet all das unter Lebensgefahr ihrer Widerstands-Gruppe... Üblicherweise will eine aktive Spionin ihr Gesicht wohl nicht auf der Titelseite einer auflagenstarken Illustrierten sehen. Ina Ender ist genau das passiert. Womöglich nützte es ihr sogar: Wer dort abgebildet wird, wo genau eine Woche später der Führer gefeiert wird, kann ja nichts gegen die Nazis im Schilde führen. Und so plauderten die Gattinnen hoher Nazi-Funktionäre in einem Berliner Modesalon mit der Titelbild-Berühmtheit und verrieten wohl unbedarft so manches Geheimnis, dass Ida Ender für ihre Arbeit in der Widerstandsgruppe Rote Kapelle gebrauchen konnte. Ina Ende wurde schließlich von den Nazis erwischt und zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt – weil sie Flugblätter verteilt hatte. Von der Spionage wussten noch niemand etwas – die Todesstrafe wäre ihr sonst sicher gewesen.
    15 min
  • Der Geburtstag von Walter Baade (24.3.1893)
    Ein Junge aus Schröttinghausen in Ostwestfalen beobachtet gerne Sterne – und wird zu einem der bedeutendsten Astronomen seiner Zeit. Sein Lebensweg führt ihn aus dem kleinen Dorf bis in die USA. Seine Forschung hat uns den Blick ins Zentrum der Galaxis ermöglicht... Kalt glitzern die Sterne über Ostwestfalen. Weit weg sind sie und voller Rätsel. Schon als Kind will Walter Baade wissen, was es mit diesen funkelnden Dingern auf sich hat: Haben Sterne eine Geschichte? Wie viele von ihnen gibt es überhaupt? Und wie weit weg sind sie wirklich? Kann ein Stern sterben? Und wenn ja, was passiert dann? Walter Baade wird sein ganzes Leben auf der Suche nach Antworten sein – und wird so zu Deutschlands berühmtesten Astronomen. Von seinem kleinen Geburtsort in Ostwestfalen werden ihn die Sterne zunächst nach Hamburg führen. Im Auftrag der Hamburger Sternwarte aber reist er rund um die Welt – zu Beobachtungen von Sonnenfinsternissen. Gerne hätten ihn die Hamburger zum Direktor der Sternwarte gemacht – doch Baades Horizont war längst viel zu weit, als dass es ihn in Nazi-Deutschland hätte halten können. In den USA warten auf ihn mehr Möglichkeiten, größere Observatorien sowie die Hoffnung, den eigenen Namen in den Sternen unsterblich zu machen...
    15 min
  • Mozart improvisiert vor Kaiser Joseph II. (23.3.1783)
    Wenn sogar der Kaiser begeistert Zugaben fordert, sitzt wahrscheinlich ein Genie am Klavier: Mozarts Musikvortrag in Wien ist ein voller Erfolg – einige Improvisationen inklusive... Wolfgang Amadeus Mozart lässt vor dem erlesenen Publikum im Wiener Burgtheater seine neuesten Kompositionen aufführen, bei drei Stücken sitzt er auch selbst am Klavier – auch bei einer Variation über ein populäres Stück von Christoph Willibald Gluck. Anderes spielt Mozart aus dem Kopf – einige seiner musikalischen Einfälle hatte der Komponist noch gar nicht aufgeschrieben. "das theater hätte ohnmöglich völler seyn können, und alle logen waren besezt", notiert der Mozart in sein Tagebuch. Im kaiserlichen Wien des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts sind so genannte "Akademien" immer ein besonderes Ereignis. Musiker präsentieren vor großem Publikum ihre neuesten Werke. Hier werden Karrieren befeuert oder beendet. Für Wolfgang Amadeus Mozart, der die Enge seiner Heimatstadt Salzburg hinter sich gelassen hat und in Wien neue Erfolge feiern möchte, ist die Akademie vom 23. März 1783 ein großer Erfolg und ein Meilenstein auf seinem weiteren Weg: "das liebste war mir, daß seine Mayestätt der kayser auch zugegen war, und wie er vergnügt war".
    15 min
  • Der Geburtstag des Pantomimen Marcel Marceau (22.3.1923)
    Ein Meister ohne Worte: Der Pantomime Marcel Marceau hat Theatergrößen wie Bertolt Brecht oder Samuel Beckett beeinflusst und das breite Publikum mit seiner Clown-Rolle als "Monsieur Bip" begeistert. Er war ein Genie der stillen Darstellung: Seine Sprache bestand aus Mimik und Gestik. Marcel Marceau hat die Kunst der Pantomime nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris wiederbelebt. Da hatte der Straßburger Sohn einer jüdischen Metzgerfamilie bereits lernen müssen, wie existentiell wichtig die Schauspielerei sein kann. Als Mitglied der französischen Résistance hat er bei Begegnungen mit Nationalsozialisten als unschuldiger Bürger überzeugt. Humor war eine seiner stärksten Waffen: In den 1950er Jahren hat ihn die Clown-Rolle des "Monsieur Bip" bekannt gemacht. Einem größeren Publikum wurde Marcel Marceau durch das Fernsehen der 1960er Jahre vertraut. Damals traf der Pantomime auch sein größtes Vorbild am Flughafen: Stummfilm-Legende Charlie Chaplin. Mit eigener Schauspielschule und Ensemble führte Marceau zahlreiche Mimodramen auf. Auch wenn die besten Szenen im Radio unsichtbar bleiben müssen, so erinnert das Zeitzeichen vor allem an den interessanten Menschen hinter den stillen Figuren.
    14 min
  • Der Geburtstag von Sabiha Gökçen, türkische Fliegerin und erste Kampfpilotin der Welt (21.3.1913)
    Nach Frauen benannte Flughäfen gibt es kaum. Der Sabiha-Gökçen-Flughafen in Istanbul ist eine Ausnahme. Die Türkin Sabiha Gökçen ist die erste Kampfpilotin der Welt- und Kriegsgeschichte. Ihr Lebensweg liest sich wie ein Abenteuerroman. Sabihas Eltern sterben, als sie noch ein Kind ist, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Sie wächst in Obhut ihrer Geschwister in ihrer Geburtsstadt Bursa in der Westtürkei auf. Mit 12 Jahren begegnet sie Mustafa Kemal, dem Vater der türkischen Nation, als er Bursa besucht. Sie erzählt ihm, dass sie gerne auf eine weiterführende Schule gehen würde, ihre Familie aber nicht genug Geld dafür habe. Der General ist beeindruckt vom Bildungshunger des Mädchens. Sie wird eine der acht Adoptivkinder Atatürks und erhält eine fundierte Ausbildung. Im Mai 1935 besucht sie an der Seite ihres Adoptivvaters eine Flugschau und ist begeistert. Der Modernisierer Mustafa Kemal setzt sich für die Gleichberechtigung der Frauen ein. 1934 erhalten türkische Frauen das Wahlrecht, noch vor Frankreich, der Schweiz und Italien. Und seine Adoptivtochter ergreift einen Beruf, der bis dahin eine reine Männerdomäne ist: Sie wird Pilotin. Als erste Frau besucht sie die türkische Zivilflugschule in Ankara und wird später bei der Luftwaffe zur Kampfpilotin ausgebildet. Er gibt Sabiha später den Namen Gökçen, was in etwa übersetzt "Tochter des Himmels" bedeutet. 1937 beteiligt sich die Pilotin an einem Kampfeinsatz gegen Aufständische Kurden in der ostanatolischen Provinz Tunceli, was ihr später von Kritikern vorgeworfen wird. Mit 83 Jahren fliegt sie immer noch am Bord des Falcons 2000 durch die Lüfte. Im selben Jahr wird sie als einzige Frau von der renommierten US - Maxwell Air Force Base in die Reihe der berühmtesten 20 Piloten der Luftgeschichte aufgenommen. 2001 stirbt sie kurz nach der Einweihung des Flughafens, der heute ihren Namen trägt.
    15 min
  • Der Geburtstag der Schriftstellerin Ilse Losa (20.3.1913)
    Ilse Losa gehört in ihrer Wahlheimat Portugal zum Schulkanon. In Deutschland ist die Jüdin, Exilantin und brillante Schriftstellerin bis heute wenig bekannt. Es dauerte 40 Jahre, bis ihr erster Roman auch ins Deutsche übersetzt wurde... Geboren in Melle-Buer bei Osnabrück, lebt Ilse Losa seit 1934 bis zu ihrem Tod im Jahr 2006 in der Hafenstadt Porto. Ihre Romane und Kinderbücher verfasst sie auf Portugiesisch. Mit Erfolg. In ihrem Wahlland gehört Ilse Losa zu den bekanntesten Schriftstellerinnen. Ilse Losa wächst in einem assimilierten jüdischen Elternhaus auf. Der Vater stirbt früh. Ilse bricht die Schule ab und beginnt eine Ausbildung in einem Krankenhaus in Hannover. Als die Nazis an die Macht kommen, geht sie nach Berlin und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Eines Tages steht die Gestapo vor ihrer Tür. Ilse Losa hatte einer Freundin einen Brief geschrieben und Kanzler Hitler als Verbrecher bezeichnet. Der Brief wird abgefangen. Nach einem stundenlangen Verhör besorgt sich die 21jährige eine Schiffspassage und flieht an den Rand Europas, ins faschistische Portugal. In einem Café in Porto lernt die junge Exilantin den Architekten Aménio Losa kennen. Mit der Heirat erhielt sie nicht nur seinen Namen, sondern auch die portugiesische Staatsbürgerschaft. 1949 erscheint der erste Roman, der damit endet, dass das Alter Ego der Autorin aus Deutschland flieht. Weitere Romane und 21 Kinderbücher folgen. Ihre Texte sezieren den Alltag in Portugal, handeln von Menschen auf der Flucht, von starken Mädchen und Umweltthemen. Für ihr Werk erhält Ilse Losa 1991 das Bundesverdienstkreuz. Am 6 Januar 2006 stirbt Ilse Losa in Porto. In Portugal ist ihr eine Briefmarke gewidmet, in Buer ein rund 150 Meter langer Weg zum jüdischen Friedhof. Was bleibt, ist eine Literatur von aktueller Brisanz.
    15 min
  • Der Bericht über den Massenmord an Brasiliens Indigenen (17.3.1968)
    Wie schützt der brasilianische Staat seine Ureinwohner? Dieser Frage geht Staatsanwalt Jader de Figueiredo in den 1960 Jahren nach. Ihr Untersuchungsergebnis ist so schockierend, dass es jahrzehntelang unter Verschluss gehalten wurde... Die Mitarbeiter des umtriebigen Staatsanwalts reisen 16000 Kilometer durchs Land, besuchen Außenposten der Indigenen Schutzbehörde SPI und Reservate der Ureinwohner Brasiliens. Es entsteht ein Dokument, das von Folter, Grausamkeiten, Mord und Habgier berichtet. Anfang der 1960er Jahre machen parlamentarische Anfragen Brasilien aufmerksam auf die Arbeit der SPI. Der 1910 gegründete nationale Dienst sollte die Ureinwohner schützen, wenn nötig mit medizinischer Hilfe versorgen, sie aber auch in die Gesellschaft integrieren. Aber aus der Schutzbehörde wurde eine Institution der Ausbeutung, Verfolgung und Ausrottung. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht des Staatsanwalts Figueiredo. Auf einer Pressekonferenz im März 1967 erklärt die brasilianische Regierung, Tausende von Indianern seien unter Mitarbeit der SPI getötet worden, das wahre Ausmaß der kriminellen Aktivitäten verschweigt sie. Erst internationale Veröffentlichungen berichten über die Gewalt gegen die brasilianischen Indigenen. Die 30 Bände und über 7.000 Seiten des "Figueiredo-Report" sind ein Katalog der Grausamkeiten, der von Massenmord, Folter, Sklaverei, sexuellem Missbrauch und Landraub berichtet. Alphabetisch werden die Verantwortlichen und ihre Verbrechen aufgezählt. Trotz internationaler Proteste kommt es zu keiner Strafverfolgung, angeblich wird der Bericht kurz nach seiner Veröffentlichung bei einem Brand im Landwirtschaftsministerium vernichtet. Doch 2012 wird er fast vollständig in Rio de Janeiro wiederentdeckt.
    15 min
  • Der Geburtstag des französischen Kult-Schriftstellers René Daumal (16.3.1908)
    Ein Abenteuerroman, ein philosophisches Märchen: René Daumals Buch "Der Berg Analog" verzaubert Leserinnen und Fans seit über 70 Jahren. In Deutschland kaum bekannt, genießt Daumal in Frankreich und den USA Kultstatus... Zu Daumals legendärem Ruf trug der Zwist mit André Breton bei, dem selbstherrlichen Kopf der Surrealisten, genauso wie seine postume Entdeckung durch die Rockmusikerin Patti Smith. Die Tuberkulose aber stoppte sein verheißungsvolles Werk mit 36 Jahren. Seine wichtigsten literarischen Mitstreiter lernte René Daumal als Gymnasiast in Reims kennen. Der antibürgerliche Geist der Revolte trieb sie an. Sie experimentierten mit "Entrückungszuständen", mit psychischen und physischen Grenzerfahrungen - provoziert durch den Konsum von Opium, Lachgas oder Tetrachlormetan. Mit ihrer Zeitschrift "Le Grand Jeu", das große Spiel, erregten sie 1928 in Paris zum ersten Mal Aufmerksamkeit. Doch wandte sich René Daumal, nachdem einer seiner Freunde in die Drogenabhängigkeit abgedriftet war, von seinem früheren Leben ab. Im Umfeld von Georges I. Gurdjieff, einem esoterischen Lehrmeister des vierten Weges, fand er neue Orientierung. 1938 erschien sein Roman "Das große Besäufnis", eine satirische Abrechnung mit dem Kunst- und Wissenschaftsbetrieb. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht floh er mit seiner jüdischen Ehefrau Vera nach Südfrankreich. Dort arbeitete René Daumal an seinem alpinistischen Abenteuerroman "Der Berg Analog". Er sollte das utopische Gegenstück zu seinem bisherigen Werk werden.
    15 min
  • Der Geburtstag von Gerhard Seyfried, Comiczeichner (15.3.1948)
    Keine alternative WG seit den 1970er Jahren, die nicht irgendein Werk von Gerhard Seyfried besaß. Der Karikaturist ist als grafischer Chronist der linken Szene berühmt – die er auch satirisch und selbstironisch aufs Korn nahm. "Wo soll das alles enden?" Wer hatte das kleine Büchlein eigentlich nicht im aus irgendwelchen Palletten gezimmerten WG-Regal? Diesen "kleinen Leitfaden durch die Geschichte der undogmatischen Linken." Das war der Untertitel. Das Comic-Büchlein stammte von einem Mann, der ohne Abitur Malerei und Grafik in München studieren durfte - wegen seines großen Talents, und der dann von der Akademie rausgeworfen wurde, wegen seiner politischen Haltung und seiner Proteste gegen die Notstandsgesetze 1969. Gerhard Seyfried ist längst in die deutsche Geschichte eingegangen mit seinen satirischen Zeichnungen, mit denen er etwa die linke Hausbesetzerszene dokumentierte und sie zugleich liebevoll aufs Korn nahm; auch mit seine Hauptfigur Zwille, einem schwarzen Anarcho-Männchen mit kugelförmiger Bombe. Wo soll das alles enden? Angefangen hat es am 15. März 1948. An jenem Tag ist Gerhard Seyfried zur Welt gekommen.
    15 min
  • Der Todestag von Samuel Maharero, Führer des Herero-Aufstands (14.3.1923)
    1904 führte Samuel Maharero die Völker der Herero und Nama in einen Aufstand gegen die grausame deutsche Kolonialherrschaft im heutigen Namibia, das die Besatzer damals Deutsch-Südwest-Afrika und zynischerweise "Schutzgebiet" nennen. Deutsche Truppen schlagen Aufstand skrupellos nieder. Unter der Führung von Generalleutnant Lothar von Trotha begehen die Kolonisatoren den ersten Völkermord im 20. Jahrhundert. Drei Viertel der Herero- und Namavölker werden ermordet. Samuel Maharero gehörte zu den wenigen Überlebenden und floh in die Wüste von Botswana. Er starb 1923. Der Völkermord warf lange, dunkle Schatten und erst 2021 erkannte die Bundesregierung den Völkermord offiziell an.
    15 min

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