ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Die Eröffnung des Hotels "Waldorf Astoria" in New York (13.3.1893)
    Streit kommt in den besten Familien vor. Dass aus dem Streit ein Luxushotel entsteht, ist schon seltener. Genau genommen sind es gleich zwei: Das "Waldorf", Eröffnung 1893, lässt der eine Cousin in den New Yorker Himmel wachsen, das "Astoria" vier Jahre später der andere. Bald wird der Zwist beigelegt. Geboren ist das Waldorf-Astoria. In der "Peacock Alley", zu deutsch "Pfauengasse", die die beiden Gebäudeteile miteinander verbindet, flanieren die Reichen, Schönen und jeder, der gesehen werden will. Übernachten kann nur, wer sich ein Hotelzimmer mit Elektrizität, Telefon und eigenem Bad – all das damals der Inbegriff von Luxus – auch leisten kann. Dass das Hotel in seinem zweiten Leben "Waldorf=Astoria" geschrieben werden wird, mit Gleichheitszeichen statt mit Bindestrich, soll jenen breiten Flur, die legendäre Pfauengasse symbolisieren. Da haben der Gang und die ursprünglichen beiden Hotelteile schon längst einem anderen Bau der Superlative Platz machen müssen: dem Empire State Building. Abriss des Hotels 1929, Neuanfang 1931 – dort, wo der markante Art-Deco-Bau bis heute steht: in der Park Avenue. Marilyn Monroe lebt dort für fast ein Jahr, bis ihr das Geld ausgeht; die US-Präsidenten Herbert Hoover und Dwight D. Eisenhower sowie die Show-Legenden Cole Porter und Frank Sinatra bedeutend länger. Und heute? Die Hilton-Gruppe, die das New Yorker Haus schon seit 1971 besitzt nennt, hat den Namen zur Marke gemacht – und den Bindestrich zur besseren Marktgängigkeit getilgt. "Waldorf Astoria"-Hotels gibt es heute weltweit, von Berlin über Dubai bis Shanghai. Das New Yorker Stammhaus wiederum hat man vor einigen Jahren an ein chinesisches Versicherungskonsortium verkauft. Seitdem wird renoviert, Neueröffnung wohl 2024.
    15 min
  • Das Geburtsjahr der Universalgelehrten Hildegard von Bingen (10.3.1098)
    Nicht viele Frauen des Mittelalters sind heute noch bekannt. Hildegard von Bingen aber ist beinah ein Popstar, eine Ikone des Mittelalters: Sie wird als Theologin, Naturforscherin, Dichterin, Komponistin, Geschäftsfrau geschätzt. Hildegard von Bingen wurde 1098 in der Pfalz geboren und war eine Universalgelehrte des Mittelalters. "Liber Scivias – Wisse die Wege" heißt das Erstlingswerk, in dem die Äbtissin ihre Visionen und göttlichen Eingebungen beschreibt. Schilderungen, die auch beim Papst mächtig Eindruck machten. Mit seinem Segen darf sich Hildegard von Bingen als erste Frau offiziell zu theologischen Fragen äußern. Auch auf gekrönte Häupter hat sie Einfluss, darunter Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Schon zu Lebzeiten wird Hildegard von Bingen wie eine Heilige verehrt. Heutige Fans schätzen die bekannte Mystikerin des Mittelalters auch als Frauenrechtlerin und Umweltschützerin.
    15 min
  • Der Todestag von Ex-Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (9.3.1988)
    Kurt Georg Kiesinger war der Bundeskanzler mit der kürzesten Amtszeit – und auch der umstrittenste Regierungschef: Kiesinger war der einzige Bundeskanzler, der in der Nazizeit Mitglied der NSDAP gewesen war. Nur knapp drei Jahre war der Christdemokrat zwischen 1966 und 1969 im Amt, die Kritik an seiner Mitgliedschaft in der NSDAP wurde Kiesinger jedoch nie los. Beate Klarsfeld gab ihm dafür öffentlich eine Ohrfeige. Seine nationalsozialistische Vergangenheit hat Kiesinger zwar nie bestritten, doch seine Selbstdarstellung als Widerstandskämpfer innerhalb des NS-Systems war unglaubwürdig. 1947 trat Kurt Georg Kiesinger in die CDU ein, 1949 wurde er bereits Abgeordneter im Bundestag. Obwohl als exzellenter Debattenredner und Mitglied des CDU-Bundesvorstandes hochgeachtet, war es geradezu verblüffend, was er alles nicht wurde. Deshalb zog es ihn 1958 als Ministerpräsident nach Baden-Württemberg. Als die FDP im Herbst 1966 die Koalitionsregierung von Kanzler Ludwig Erhard verließ, wurde er der Kompromisskandidat der Union, der dann mit Willy Brandts SPD die erste große Koalition im Bund schmiedete – der vor den Nazis geflohene Sozialdemokrat und der Ex-NSDAP-Mann reichten sich versöhnlich die Hand. Nach der Bundestagswahl 1969 trennten sich ihre Wege jedoch wieder. Brandt wurde Bundeskanzler der ersten sozial-liberalen Koalition. Kiesinger bliebe noch bis 1971 Bundesvorsitzender der Union und bis 1980 auch Bundestagsabgeordneter, danach zog er sich aus der Politik zurück.
    15 min
  • Der Geburtstag von Mathilde Jacob, Freundin und Sekretärin von Rosa Luxemburg (8.3.1873)
    Lange galt sie nur als unscheinbare Schattenfigur in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, als bescheidene Helferin im Dienst sozialistischer Umwälzungsversuche. Doch heute weiß man: Mathilde Jacob hat die Reden und Artikel von Rosa Luxemburg nicht nur abgetippt... Mathilde Jacob stand in engem Austausch mit der Revolutionärin und versorgte sie während deren Gefängnisaufenthalten mit wichtigen Informationen. Ebenso schmuggelte Mathilde Jacob die berühmten "Spartakusbriefe" Rosa Luxemburgs aus dem Gefängnis heraus und sorgte für deren Verbreitung. Sie war Gründungsmitglied der KPD, trat aber wieder aus und wurde Mitglied der USPD und schließlich der SPD. Ihre Angewohnheit, sich unauffällig im Hintergrund zu halten, war zugleich die erfolgreiche Tarnung für hochgradig konspirative Arbeit. Die Polizei unterschätzte Mathilde Jacob jahrelang. So gelang es Mathilde Jacob, den ihr anvertrauten Nachlass Rosa Luxemburgs in die USA und damit in Sicherheit bringen zu lassen. Sich selbst konnte sie nicht retten. Sie starb 1943 im KZ Theresienstadt.
    15 min
  • Der Todestag der Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense (7.3.1831)
    Sie war eine emanzipierte Frau – im Rahmen ihrer Zeit. Aber sie erlebte schmerzhaft auch die Grenzen dieser Freiheit. Denn Rahel Varnhagen von Ense war Jüdin – und das ließ man sie nie vergessen, trotz ihrer Erfolge, trotz ihres gesellschaftlichen Aufstiegs. Rahel Levin – so ihr Geburtsname - gehörte zu einer Gruppe selbstbewusster Frauen, die um die Wende des 18. ins 19. Jahrhundert dem kulturellen Leben in Berlin eine ganz besondere Note gaben. Die meisten von ihnen waren Jüdinnen aus wohlhabenden Familien, gebildet und kreativ. Sie führten ihre eigenen Salons, in denen sich jenseits der Standesgrenzen alle trafen, die sich für Dichtung und Philosophie, Wissenschaft und Musik interessierten. Doch in die Paläste des Adels wurden sie umgekehrt nicht eingeladen. Diese antisemitischen Vorurteile bekam Rahel auch noch zu spüren, als sie 1814 mit 43 Jahren den Historiker und Diplomaten Karl August Varnhagen von Ense heiratete: Sie musste sich taufen lassen und wurde dennoch bei Hofe nie anerkannt. Trotz allem waren Rahel Varnhagen von Ense und ihr Mann eines der wichtigsten und einflussreichsten künstlerisch-intellektuellen Paare der preußischen Hauptstadt. Beide veröffentlichten schriftstellerische bzw. historische Werke, der Umfang ihrer lebhaften, internationalen Korrespondenz ist phänomenal. Rahel Varnhagen von Ense starb am 7. März 1831, 61 Jahre alt. Nach ihrem Tod kümmerte sich ihr Mann mit Nachdruck um die Veröffentlichung ihrer Schriften und half ihr dadurch zum Nachruhm - als eine der wichtigsten literarischen Stimmen ihrer Epoche.
    15 min
  • Der Geburtstag von Jürgen von Manger (6.3.1923)
    Mit Adolf Tegtmeier hat der Schauspieler Jürgen von Manger eine sympathische Kunstfigur erschaffen, die seit den 1960er Jahren als Stimme des Kohlenpotts gilt: "Man muss im Leben Mensch bleiben, alles andere ist Kokolores". Der Kumpel aus Gelsenkirchen trägt sein Herz auf der Zunge, verheddert sich in seinen eigenen Sätzen und lässt sich fröhlich über die großen und kleinen Dinge des Lebens aus. Schwarze Schirmmütze, Schnauzbart und ein breiter Ruhrpott-Slang sind sein Markenzeichen. Die Leute im Ruhrgebiet mögen ihn, denn Tegtmeier ist einer von ihnen. Dabei stammt Jürgen von Manger weder aus dem Ruhrgebiet noch aus der Arbeiterschicht. 1923 wird er in Koblenz als Sohn eines Staatsanwaltes geboren und kommt mit 10 Jahren nach Hagen. Im Krieg muss er an die Ostfront, danach wird er Schauspieler und steht in Hagen, Bochum und Gelsenkirchen auf der Bühne. Populär wird er als erster Ruhrgebiets-Kabarettist. Durch Serien wie "Tegtmeier klärt auf", "Mensch bleiben" und "Tegtmeiers Reisen" wird Jürgen von Manger zum Fernsehstar. Außerdem wirkt er in mehr als 20 Hörspielproduktionen mit. Nachdem ein Schlaganfall sein Sprachzentrum gelähmt hat, zieh er sich aus der Öffentlichkeit zurück. Am 15. März 1994 stirbt er im Alter von 71 Jahren in Herne – wo bis heute ein ihm zu Ehren "Tegtmeiers Erben" genannter Kabarettpreis für Bühnenoriginale vergeben wird.
    15 min
  • Letztes Lebenszeichen des jüdischen Fußballnationalspielers Julius Hirsch (03.03.1943)
    Er war deutscher Nationalspieler, galt als einer der besten Stürmer seiner Zeit, war zwei Mal deutscher Meister, und er war Jude. Heute vor 80 Jahren schickte Julius Hirsch eine letzte Postkarte aus Dortmund – eine Zwischenstation auf dem Weg nach Auschwitz. "Meine Lieben! Bin gut gelandet, es geht gut! Komme nach Oberschlesien, noch in Deutschland. Herzliche Grüße und Küsse, Euer Juller!" Es ist das letzte Lebenszeichen von Julius Hirsch, eine Karte zum 16. Geburtstag seiner Tochter. Im Jahr 1950 erklärt ihn das Amtsgericht Karlsruhe für tot. Julius Hirsch wurde 1892 geboren und war einer der besten Fußballspieler seiner Zeit. Hirsch trug siebenmal das Trikot der deutschen Nationalmannschaft, war Olympiateilnehmer und wurde zweimal Deutscher Meister: 1910 mit dem Karlsruher FV und 1914 mit der SpVgg Fürth. Im Ersten Weltkrieg wurde Julius Hirsch für besondere Tapferkeit ausgezeichnet. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde er dann diskriminiert, verfolgt und ermordet, weil er Jude war. Der Name Julius Hirsch geriet in Vergessenheit, auch weil der Deutsche Fußball-Bund an der Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte in der NS-Zeit jahrzehntelang nicht interessiert war. Das änderte sich erst um die Jahrtausendwende. Seit 2005 verleiht der Deutsche Fußball Bund jährlich den Julius Hirsch-Preis gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung.
    15 min
  • Die Entführung von Natascha Kampusch (2.3.1998)
    3096 Tage: So lange wird Natascha Kampusch in der Gewalt ihres Entführers Wolfgang Priklopil ausharren müssen. Achteinhalb Jahre sind das, fast so viel wie ihr bisheriges Kinderleben. Zehn ist sie, als Priklopil sie auf ihrem Weg zur Schule in einen weißen Kastenwagen zerrt. Priklopil sperrt sie in ein Verlies im Keller seines Hauses. Will absolute Macht über sie, missbraucht sie als Arbeitssklavin, sucht auch körperlich ihre Nähe. Aber, darauf legt Natascha Kampusch später Wert: Es gelingt ihm offenbar nicht, sie zu brechen. Sie gestaltet ihr Verlies mit, sucht sich Beschäftigungen, gibt ihren Tagen eine selbstgewählte Struktur – schafft sich Inseln der Selbstbestimmung. Bald darf sie sich freier bewegen, im Haus, im Garten. Bisweilen nimmt Priklopil sie sogar auf Ausflüge mit. Und doch wird es dauern, bis Natascha Kampusch in einem unbeobachteten Moment die Flucht wagt. Gibt es das: Freiheit in der Gefangenschaft? Ein Entführungsopfer, das nicht nur Opfer ist – und ein Täter, der kein Monstrum ist, sondern auch, wie Natascha Kampusch betont, "menschliche Züge" trug? Und was passiert, wenn nach der Flucht auf einmal Medien und Öffentlichkeit mitwissen, mitreden, mittun wollen? Das Ringen um Autonomie, um die Hoheit über ihr Leben und ihre Geschichte, hat für Natascha Kampusch nach jenen 3096 Tagen nicht aufgehört – im Gegenteil.
    15 min
  • Der Geburtstag von Franz Hohler, Schweizer Kabarettist und Schriftsteller (1.3.1943)
    Franz Hohler ist eine Schweizer Institution: Schriftsteller, Satiriker, Nachdenker. Auch mit 80 Jahren will er künstlerisch aktiv bleiben. Die Chancen stehen gut – Franz Hohlers Vater wurde 101 Jahre alt... In seinen Werken sinniert Franz Hohler oft und gerne über das Bedürfnis zu lachen, über das, was guten und schlechten Humor ausmacht, über die Schweiz und das Schweizersein im Allgemeinen und über die Frage, ob Kunst tatsächlich die Welt verändern kann. Franz Hohler ist ein Multitalent und in vielen Rollen unterwegs. Als Kabarettist, Cellospieler, Liedermacher, Ökoaktivist und Romancier. Geboren am 01. März 1943 in Biel, gilt er mittlerweile als ein Schweizer Kulturgut. Überhaupt Kultur. "Sie soll Brücken schaffen", fordert Franz Hohler und ergänzt: "Kultur ist das Gegenteil von Krieg". Der Künstler baut auch viele andere Brücken, unter anderem die zwischen den Generationen. Er liest aus seinen Werken in Kindergärten und Schulen ebenso wie auch in Altersheimen. Mit 22 Jahren schmeißt Franz Hohler die Universität hin und möchte mal schauen, ob er von seinen Ideen leben kann. Charakteristisch für seine Werke sind der Wechsel zwischen politischem Engagement und reiner Erzähllust. Einige seiner Erzählungen zu Artensterben und Klimawandel, die er in den 1980er Jahren geschrieben hat, lesen sich heute wie Prophezeiungen. Oft geht er dabei von feinen Alltagsbeobachtungen aus, die auch unversehens ins Absurde kippen können. Seit über 50 Jahren steht er nun schon auf der Bühne. Doch seine Schwäche ist seit Beginn seiner Karriere die Liebe zu Prosa-Miniaturen. Darin umschreibt der große Meister der kleinen Form abgründig die unscheinbaren Risse im alltäglichen Gefüge und wurde dafür schon mit zahlreichen Preisen überhäuft.
    15 min
  • Watson und Crick entdecken die Doppelhelix der DNA (28.2.1953)
    An einem Samstagmorgen im Frühjahr 1953 betreten zwei aufgeregte Herren ihre Stammkneipe im englischen Cambridge. Sie bestellen reichlich Bier und teilen den anderen Gästen unaufgefordert mit: "Wir haben den Schlüssel des Lebens entdeckt!" Der Amerikaner James Watson und der Engländer Francis Crick meinten die so genannte "Doppelhelix", das vielleicht wichtigste Puzzlestück zur Entschlüsselung des menschlichen Erbguts. Ermuntert vom Buch des Physikers Erwin Schrödinger - "Was ist Leben?" - hatten sich die beiden auf die Suche nach einem Erbmolekül gemacht, mit der Fähigkeit, Informationen zu speichern und zu transportieren. Doch wenn es dieses DNA-Molekül gab: Wo konnte man es im menschlichen Körper finden und wie sah es aus? Irrtümer und Rückschläge waren dem großen Ereignis jahrelang vorausgegangen. Bis Watson und Crick ein Schachzug gelang, der ihnen den Nobelpreis einbrachte. Weil sie uns einen Blick in die Trickkiste der Natur ermöglichten - die Offenbarung eines Moleküls, das aussieht wie eine gedrehte Strickleiter. Ein Jahrzehnt sollte es noch dauern, bis auch die wissenschaftliche Öffentlichkeit begriffen hatte: Hier handelte es sich um eines der bedeutendsten Ereignisse der Biologie des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder, dass an der Stammkneipe der Pioniere später eine Plakette angebracht wurde, die an die Entdeckung der "Doppelhelix" erinnert.
    15 min

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