ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Galileo Galilei stellt sich der Inquisition in Rom (13.2.1633)
    Und sie bewegt sich doch – was heute schon Schulkinder über die Erde und ihre Bewegung um die Sonne wissen, stellte im 17. Jahrhundert die Gewissheiten der Kirche infrage. Dabei war die Katholische Kirche zuvor Jahrzehnte lang klug genug gewesen, den "Fall Galilei" einfach auszusitzen... Jetzt, im Jahr 1633, musste alles schnell gehen. Am 13. Februar kam Galilei ein letztes Mal aus Florenz nach Rom; vier Monate später schon kniete er in der Minerva: "Ich, Galileo Galilei schwöre ab. Ich schwöre ab. Ich schwöre ab.". Da war er schon fast siebzig und halb blind. Ganz erblindet aber war die Kirche. Unnötig hat sie ihre Unfehlbarkeit an einer Frage festgemacht, die überprüfbar war. Und siehe, sie war fehlbar: "Eppur si muove" – und sie bewegt sich doch. Blind hat sich die Kirche selber die schlimmste Blamage zugefügt, die eine unfehlbare Autorität erleiden kann. "Wen Gott verderben will", sagt die antike griechische Tragödie, "den macht er vorher blind."
    15 min
  • Erster Rosenmontagszug in Köln (10.02.1823)
    Heute vor 200 Jahren beginnt die Geschichte des organisierten Karnevals in Köln. Damals heißt der Prinz noch "Held Carneval". Ansonsten war aber schon vieles wie heute: Es geht um gute Geschäfte mit dem organisierten Frohsinn... Am 10. Februar 1823 besteigt der Kölnischwasser-Fabrikant Emanuel Ciolina Zanoli den "Thron" des "Helden Carneval". In einem goldenen Delphin, der auf eine Kutsche montiert ist, umkreist er mit seinem Gefolge den Neumarkt, den größten Platz im Zentrum der Stadt. Organisiert wurde dieser erste Maskenzug vom "Festordnenden Comité", das sich wenige Tage zuvor gegründet hatte, einzig zu dem Zweck, dem Volksfest einen geordneten Rahmen zu geben. Denn den preußischen Besatzern, waren die "Ausgeburten der Trivialität" ein Dorn im Auge. In dem wilden Karnevalstreiben auf Straßen und Plätzen sahen sie einen Herd von Unruhe und Aufruhr und befürchteten Übergriffe auf Militär und Verwaltung. 200 Jahre später ist aus diesen bescheidenen Anfängen ein auch international beachtetes Event geworden. Über eine Millionen Zuschauer säumen den Zugweg. 600 Millionen Euro werden in der Session umgesetzt: Sitzungen und Bälle, Gastronomie und Hotelübernachtungen, Festartikel und Kostüme spülen viel Geld in die Stadt. Wenn das Festkomitee Kölner Karneval für das Jahr 2023 den 200. Geburtstag des Kölner Karnevals ausruft, dann sieht sich der Dachverband von über 100 Vereinen ganz in der Tradition des "Festordnenden Comités" von 1823. Ganz unbescheiden versteht man sich als Elite der Stadt – mit freundlicher Unterstützung der örtlichen Medien. Sie sind bestens vernetzt in Rat und Verwaltung, in Wirtschaftsverbänden und Sportvereinen sowie der katholischen Kirche. Aus dem "Held" Karneval wurde der Prinz Karneval, aber wie zu Zanolis Zeiten muss man sich die Operettenfigur finanziell leisten können.
    15 min
  • Mit dem "Brotfrieden" wird die Ukraine als autonomer Staat anerkannt (09.02.1918)
    Schon vor über 100 Jahren war die Ukraine zerrissen zwischen Russland und Europa. Nach dem Ersten Weltkrieg verhandelte die Ukraine eigenständig mit den anderen Kriegsparteien – und erreichte so mit dem "Brotfrieden" von 1918 erstmals eine Anerkennung als eigener Staat. Jahrhundertelang stehen die Gebiete der heutigen Ukraine unter dem Einfluss unterschiedlicher Mächte wie Russland, dem Osmanischen Reich, Polen oder Österreich-Ungarn. Ende des 19. Jahrhundert erstarkt eine ukrainische Nationalbewegung. Als in Russland – zu dem der größte Teil der heutigen Ukraine damals gehört – mit der Februarrevolution 1917 die Zarenherrschaft endet, strebt die Ukraine nach Autonomie. Im Januar 1918 verkündet das Land seine Unabhängigkeit. Als autonomer Staat betreibt die Ukraine Friedensverhandlungen mit den Kriegsparteien des Ersten Weltkriegs. Da die Mittelmächte, zu denen Deutschland und Österreich-Ungarn gehören, dringend auf Getreidelieferungen aus der "Kornkammer" Ukraine angewiesen sind, wird am 9. Februar in Brest-Litowsk der "Brotfrieden" geschlossen – und damit die Ukraine als autonomer Staat anerkannt. Die Unabhängigkeit währt jedoch nur kurz. 1922 wird die "Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik" zum Teil der neu gegründeten Sowjetunion erklärt.
    15 min
  • Der Geburtstag von Carl Philipp Euler (8.2.1828)
    Ob man am Barren turnt oder in den Schulen besser Gymnastik macht: In einem Staat wie Preußen, der auf militärischen Drill setzt, führte eine solche Frage zu einem landesweiten Streit. Mittendrin der Turnpädagoge Carl Philipp Euler, dem deutsche Schülerinnen und Schüler bis heute das Geräteturnen zu verdanken haben... Barren oder schwedisch? Die Frage sollte 1860 in Preußen zu einem großen Streit führen. Ausgelöst durch den Turnpädagogen Carl Philipp Euler. Er wollte den Barren wieder im Sportunterricht einführen und machte sich so den Offizier und Turnpädagogen Hugo Rothstein zum Feind. Der hatte den Barren im Unterricht abgeschafft zugunsten der "schwedischen Gymnastik", die zwar effektiv in ihrer Methodik, aber nicht zur preußischen Vorstellung des militärischen Drills passte. Der Streit landete schließlich im Unterrichtsministerium, das ärztliche Gutachten erstellen ließ. Und obwohl die Mediziner den Barren damals aus wissenschaftlichen Gründen ablehnten, findet er sich noch heute in fast jeder deutschen Turnhalle. Denn der Streit wurde ein Fall für das Preußische Abgeordnetenhaus, es folgte sogar ein Rücktritt – und der Barren blieb. Doch Eulers Wirken erkennt man nicht nur in der Ausstattung der Tunrhallen, auch in der Physiotherapie findet man bis heute Auswirkungen von Eulers Engagement.
    15 min
  • Der Geburtstag von Thomas Morus (7.2.1478)
    Es gibt die Idee, dass alle Menschen glücklich sein könnten - und er hat dieser Wunschvorstellung den Namen gegeben: "Utopia" heißt die Insel, die sich der Engländer Thomas More ausgedacht hat. Der katholischen Kirche gilt er als Heiliger, andern gilt er als Urvater des Kommunismus... Was ist das nur für eine wunderbare Insel! Ihre Bewohner leben in Glück und Zufriedenheit, alles wird geteilt, es gibt kein Eigentum und so auch keinen Streit. Aus Gold und Silber werden die Nachttöpfe hergestellt. Zu schön, um wahr zu sein – drum heißt diese Insel auch Utopia, was übersetzt so viel wie "Nicht-Ort" bedeutet. Aber gibt es diese Insel vielleicht doch? Und wer war der Mann, der von ihr erstmals berichtete? Verrat, Intrige, Hinterlist prägten das wahre Leben des Thomas More – Lordkanzler am Hofe Heinrich VIII. Er lavierte durch schwierige Zeiten – die ihn am Ende den Kopf kosteten. Privat aber pflegte Thomas Morus – so sein latinisierter Name – Freundschaften mit den klügsten Köpfen seiner Zeit, übersetzte antike Literatur, hielt sich daheim einen Narren und einen kleinen Zoo. Und er ließ seine Kinder von den besten Lehrern unterrichten - auch die Mädchen, was damals noch als höchst ungewöhnlich galt. So schuf er sich selbst sein kleines Utopia.
    15 min
  • Der marokkanische Freiheitskämpfer Abd el Karim stirbt in Kairo (6.2.1963)
    "Ohne uns wäre Marokko nie unabhängig geworden" erzählen noch heute die Berber im schroffen Rif-Gebirge im Norden Marokkos. Hier hat Abd el Karim gegen die spanischen Besatzer gekämpft. Er gilt bis heute als Nationalheld Marokkos. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben Spanien und Frankreich das rohstoffreiche Marokko als Protektoratsgebiete unter sich aufgeteilt. 1921 führt Abd el Karim in Spanisch-Marokko mit den vereinigten Berberstämmen des Rif einen Guerillakrieg gegen die Spanier, bereitet ihnen eine spektakuläre Niederlage und ruft die "Rif-Republik" aus. Abd el Karims Ambitionen gelten aber auch den unter französischem Protektorat stehenden Regionen Marokkos, doch 1926 wird er von Frankreich gefangen genommen und auf die Insel Réunion verbannt. Es ist das Ende der kurzlebigen Rif-Republik. Bis heute gilt Abd el Karim in Marokko als Wegbereiter der Unabhängigkeit, auch wenn die erst drei Jahrzehnte später, 1956, erreicht wird. Abd el Karim kehrt nicht mehr in seine Heimat zurück. Er stirbt 1963 in Kairo.
    15 min
  • Der Geburtstag des Krimiautors Henning Mankell (3.2.1948)
    Henning Mankell ist einer der bekanntesten Krimiautoren. Dabei hat der Schwede auch Bücher anderer Genres geschrieben, darunter sehr einfühlsame Kinder- und Jugendbücher. Kritik an der Gesellschaft ist in jedem von Mankells Büchern zu finden. Häufig thematisiert Mankell auch afrikanische Themen, wenn er beispielsweise über Straßenkinder oder Ausgestoßene schreibt. Mit Afrika ist der Schwede seit Anfang der 1970er Jahre eng verbunden. Den Großteil des Jahres verbringt er in Mosambik. 1991 erscheint sein erster Wallander-Krimi, "Mörder ohne Gesicht". Diese Reihe um den Kriminalkommissar Kurt Wallander macht ihn berühmt. Mankell schildert darin Morde mit schonungsloser, kaum auszuhaltender Brutalität. "Ich versuche nur, den Spiegel des Verbrechens zu nutzen, um gesellschaftliche Entwicklungen zu beleuchten", erklärt der Schwede. Seine Kritik an der Existenz des Staates Israel im Jahr 2009 sorgt für Kontroversen. "Ich gebe ja keine Antworten, ich formuliere nur Fragen", sagt der Erfolgsautor und Theaterregisseur einmal. Henning Mankell stirbt 2015 mit nur 67 Jahren.
    15 min
  • Václav Havel wird Präsident der Tschechischen Republik (2.2.1993)
    Ein Mann mit Humor, Intellekt und Moral als Präsident: Václav Havel war ein Politiker, wie ihn sich viele Menschen wünschen. Er war der Held der "Samtenen Revolution" 1989 in der Tschechoslowakei und setzte sich für die Aussöhnung mit Deutschland ein. Zur Zeit des Kommunismus in der Tschechoslowakei war Václav Havel Schriftsteller und Bürgerrechtler. In seinen Theaterstücken hatte er ironisch und witzig die Situation in seinem Land kritisiert. Als einer der Initiatoren der Bürgerrechtsbewegung Charta 77 wurde Havel mehrmals verhaftet und zu insgesamt fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Die "Briefe an Olga" aus der Haft sind poetische Zeugnisse der Liebe zu seiner ersten Frau und seiner Lebenshaltung. Nach der Revolution wurde Havel zunächst Präsident der Tschechoslowakei. Obwohl er gegen die Trennung beider Landesteile war, nahm er 1993 das Amt des Präsidenten Tschechiens an. So blieb er einer der wenigen Dissidenten, die in einem Staat des ehemaligen Ostblocks nach der Wende führend politisch tätig wurden.
    15 min
  • Die deutsche Premiere des Musicals "Anatevka" (1.2.1968)
    Eines der schönsten Musicals hat kein Happy End: Wenn die Geschichte von "Anatevka" vorüber ist, gibt es das jüdische Schtetl nicht mehr. Nur den berühmten Ohrwurm "Wenn ich einmal reich wär'...", gesungen vom armen Milchmann Tevje lässt einen nicht los... Es ist eine berührende Figur, der jüdische Milchmann Tevje, der von einem besseren Leben träumt. Unvergessen interpretiert von Shmuel Rodensky, dem israelischen Schauspieler. Er spielte den Tevje in der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals Anatevka 1968 in Hamburg und verkörperte ihn insgesamt weit über tausend Mal auf bundesrepublikanischen Bühnen. Die Erfolgsgeschichte des Musicals von Jerry Bock (Musik), Joseph Stein (Buch) und Sheldon Harnick (Gesangtexte) beginnt 1964 am Broadway unter dem Titel The Fiddler on the Roof. Es beruht auf den in jiddischer Sprache geschriebenen Erzählungen "Tevje, der Milchmann" von Scholem Alejchem. So nannte sich der ukrainische Schriftsteller Schalom Rabbinowicz, der nach Pogromen in seiner Heimat 1905 geflohen war und sich später in New York ansiedelte. Das Musical erzählt auf tragisch-komische Weise vom Leben in einem kleinen jüdischen Schtetl namens Anatevka, in dem Tevje mit seiner Familie lebt. Es geht um Konflikte mit den Töchtern um deren Heirat und väterliche Macht, aber auch um Pogrome gegen Juden. Alle Einwohner müssen schließlich ihr Dorf verlassen.
    15 min
  • Die Fusion von "Ruhrgas" und E.ON (31.01.2003)
    Ruhrgas galt als Pionier im Geschäft mit russischem Gas – Anfang der 2000er war das Essener Unternehmen auch deshalb heiß begehrt. In einer der spektakulärsten Fusionen der deutschen Energiebranche schluckte der noch junge Konzern "E.On" die Nummer eins auf dem deutschen Gasmarkt. Auch wenn dafür das seltene Eingreifen eines Ministers nötig war... Wettbewerbshüter, Verbraucherschützer und Branchenkenner hatten aufgeschrieben, als sich die Fusion abgezeichnet hatte. Doch eine seltene, so genannte "Minister-Erlaubnisse" des damaligen Wirtschaftsministers Werner Müller machte den Deal möglich. Der drohte dann noch vor Gericht zu scheitern; doch als auch die letzte Klage zurückgezogen wurde, war die Fusion am 31.1.2003 perfekt. Ruhrgas galt als Pionier im Geschäft mit russischem Gas. 1970 leitete das "Erdgas-Röhren-Geschäft" diese schicksalhafte Beziehung ein. Als E.ON-Tochter setzte Ruhrgas seine an Russland orientierte Strategie fort und erwarb Quellen und Anteile am Gazprom-Konzern. Daraus entstand eine Abhängigkeit, die im Zuge des Ukraine-Kriegs fatale Konsequenzen für Deutschland hat.
    15 min

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