ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Die Mannheimer Märzforderungen, Funken der Revolution (27.2.1848)
    1848 stehen die Zeichen in Europa auf Sturm. Europas Freigeister fordern Revolution statt Restauration. Sie sägen an Monarchie und Ständesystem. Heute vor 155 Jahren springt der Funken der Revolution nach Deutschland über – mit einem Forderungskatalog Mannheimer Bürger. Der französische König in Frankreich ist bereits gestürzt, die zweite Republik ausgerufen. Auch auf dem Territorium des Deutschen Bunds werden jetzt Barrikaden errichtet, Flugblätter verbreitet, blutige Kämpfe ausgefochten. In sämtlichen deutschen Staaten gibt es Volksversammlungen. Die erste findet im badischen Mannheim statt. Erklärtes Ziel sind Pressefreiheit, Schwurgerichte, ein deutsches Parlament. Beilagen und Feuilletons sind voll mit Berichten über die Absetzung des französischen Königs. In Mannheim wird nur drei Tage später eine Vollversammlung einberufen. Sie ist die Blaupause für unzählige weitere Zusammenkünfte im Deutschen Bund. Am Nachmittag des 27. Februars 1848 ziehen rund 2500 Menschen in Mannheims Norden, in die Schulaula des einstigen Jesuitenkollegs. Sie sind Beamte, Gelehrte, Händler, Politiker. Auch Frauen sind dabei, kämpfen um die Gleichberechtigung der Geschlechter. Am Ende der Versammlung liegt eine Petition vor, die als die Mannheimer Märzforderungen in die Geschichte eingeht. Gustav Struve, einer der führenden Köpfe der Revolution in Baden, verliest das Grundsatzprogramm, in dem das Recht auf Selbstbestimmung verlangt wird, das Recht auf Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle Klassen der Gesellschaft. Am nächsten Tag wird die Petition dem Landtag in Karlsruhe überbracht. Tausende Menschen aus ganz Baden strömen in die Hauptstadt des Großherzogtums und werden Zeugen vom Beginn der Revolution 1848/49.
    15 min
  • Der Todestag der englischen Fußball-Legende Bobby Moore (24.2.1993)
    Pelé sagte einmal, Bobby Moore sei der anständigste und gleichzeitig beste Verteidiger gewesen, gegen den er je gespielt habe. Ganz sicher ist Bobby Moore bislang der einzige englische Mannschaftskapitän, der jemals den WM-Pokal überreicht bekam. Wenn im Mutterland des Fußballs, in einer Sportart, die sich vornehmlich über Tore definiert, bis heute eine Aktion verklärt wird, die einen Treffer verhinderte, dann ist dies wahrscheinlich Ausdruck größtmöglicher Wertschätzung. Bobby Moore, Verteidiger und Kapitän der englischen Nationalmannschaft, gelang 1970 im WM-Vorrundenspiel gegen Brasiliens Ausnahmestürmer Jairzinho ein Tackling, das auf der Insel bis heute als großartigster Zweikampf aller Zeiten gefeiert wird. Präzise wie ein Chirurg im Eilzugtempo – so etwas hatte die Fußballwelt noch nicht gesehen. 1966 führte Bobby Moore die englische Nationalmannschaft zum einzigen WM-Titel. Nach dem Legenden umrankten Endspiel 1966 gegen Deutschland entstanden Fotografien, die heute einen ikonischen Wert besitzen: Moore auf den Schultern zweier Mitspieler, der rechte Arm schüchtern nach oben gestreckt, in der Hand der Weltpokal. So erfolgreich und einzigartig Moores Karriere verlief, so gewöhnlich und eigentlich tragisch endete sein Leben: Als Privatmann fehlten ihm die Ruhe, Übersicht und Souveränität, die ihn auf dem Fußballplatz ausgezeichnet hatten.
    15 min
  • Der Geburtstag des Künstlers Kasimir Malewitsch (23.2. 1878)
    Kann man die Realität malen? Kasimir Malewitsch hielt das für eine Lüge und Anmaßung. Also malte der Mann aus Kiew reine Farben, oder ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund – damals ein Skandal, heute ein Startpunkt der modernen Kunst. Ein Viereck, etwa 80 mal 80 Zentimeter, auf weißem Grund: Das "Schwarze Quadrat" von Kasimir Malewitsch zählt zu den Ikonen der Malerei: Neuanfang und Nullpunkt der Moderene. 1915 stellt er es der Öffentlichkeit vor, zusammen mit Werken von 14 anderen Künstlern in einer Galerie in St. Petersburg, damals Petrograd. Malewitsch platziert sein Bild über Eck unterhalb der Decke. Im so genannten "schönen Winkel", genau dort, wo traditionell in einer russischen Wohnung die Ikone angebracht ist und erklärt: "Ich habe die nackte Ikone meiner Zeit gemalt." Weil er die Übersetzung der Realität auf eine zweidimensionale Leinwand für eine Lüge hielt, entschied sich der Künstler für die reine Farbe. Der Skandal blieb nicht aus. In der Kunstwelt hatte das schwarze Quadrat eine enorme Wirkung. Bis heute gilt Kasimir Malerisch als einer der wichtigsten Vertreter der russischer Avantgarde. Malewitsch wurde in Kiew geboren und hat sich selbst oft als Ukrainer bezeichnet. Seine ursprüngliche Sprache und Kultur waren im damaligen Zarenreich verboten.
    14 min
  • Der Geburtstag von Arthur Schopenhauer (22.2.1788)
    Kluger Kopf, verschrobener Gelehrter, Misanthrop: Das ist das Bild von Arthur Schopenhauer. Dabei ist seine Philosophie sehr menschenfreundlich und aktuell... Arthur Schopenhauer (1788-1860) ist als Sozialphobiker in das kulturelle Gedächtnis eingegangen. Ein emotionales Stachelschwein, wie er es in einem seiner bekannten Texte beschreibt. Ein Einzelgänger, der über die Mitmenschen spottete und seine Philosophie-Kollegen verhöhnte. Der Privatgelehrte lebte völlig zurückgezogen. In seiner Nähe duldete er nur seinen Pudel. Und dem gab er den Namen: "Mensch!" Schopenhauers Breitenwirkung und sein damit verbundener zweifelhafter Ruhm geht ausschließlich auf sein Buch "Aphorismen zur Lebensweisheit" zurück, während sein philosophisches Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" kaum rezipiert wurde. Darin aber spricht ein ganz anderer Schopenhauer und entwickelt eine gerade heute aktuelle Ethik des Mitleids. Sobald man das Eigene im Anderen erkennt, ist demnach moralisches Handeln geboten: "Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst."
    15 min
  • Der Beginn der großen Dortmunder Fehde (21.2.1388)
    Wollhandel, große Brauereien: Das mittelalterliche Dortmund ist eine reiche Stadt. Das weckt Begehrlichkeiten: Der Kölner Erzbischof will sich Dortmund unterwerfen, er lässt die Stadt belagern. Aber Dortmunds Mauern und Türme bleiben uneinnehmbar... "So fest wie Dortmund" ist nicht etwa der Schlachtruf der berühmten Dortmunder Fußballmannschaft. Seit dem Mittelalter schon ist "so fest wie Dortmund" Ausdruck für das Selbstbewusstsein der heute größten Stadt des Ruhrgebiets. Bis vor kurzem noch bekannt für Stahl und Kohle, ist Dortmund im Mittelalter berühmt für seine Bierindustrie und den Wollhandel mit England, durch den die Stadt schon damals zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszentren Europas wird. Deshalb fordert der Kölner Erzbischof die Unterwerfung Dortmunds unter seine Herrschaft. Am 21. Februar 1388 erreicht die Stadt der Fehdebrief des Kölner Erzbischofs, dem sich bald Grafschaften und Ritter von Mainz, Trier und Augsburg im Süden bis Holstein im Norden anschlossen. Ein undurchlässiger Belagerungsring sollte die Dortmunder Bürger aushungern und zur Unterwerfung zwingen. Doch das Vorhaben misslang.
    14 min
  • Der US-Kongress beschließt das Ende der Alkoholprohibition (20.2.1933)
    Nach über einem Jahrzehnt war mit der Entscheidung des US-Parlaments das Ende eines weitreichenden Alkoholverbots nah: 1933 wurde die Prohibition in den USA abgeschafft. Lallende Pfarrer vor lallenden Gemeinden, alle stockbesoffen. Historische Quellen beschreiben es anschaulich: Die USA waren im 18. Jahrhundert eine alkoholisierte Republik. Anfang des 19. Jahrhunderts trank jeder Amerikaner, Frauen und Kinder mitgerechnet, pro Jahr durchschnittlich 25-30 Liter reinen Alkohols. Zum Vergleich: Im heutigen Russland sind es 12 Liter pro Kopf. Der enorme Konsum rief die radikale amerikanische Temperenzbewegung auf den Plan. Mit dem Inkrafttreten eines Zusatzartikels zur US-Verfassung 1920 war die Alkoholgegner am Ziel: Danach waren die Herstellung, der Transport und der Verkauf von Alkohol landesweit verboten. Wohlgemerkt: nicht der Konsum, zumindest nicht in den eigenen vier Wänden. Dort wurde denn auch munter weitergetrunken – von den Bürgern, die Geld genug hatten, illegal hergestellten oder importieren Stoff zu konsumieren. So sank der Alkoholverbrauch in den 13 Jahren der Prohibition nicht nennenswert. Was die Prohibition vor allem war: eine soziale Disziplinierungsmaßnahme der weißen, angelsächsischen Mittelklasse. Sie richtete sich beispielsweise gegen katholische Einwanderer aus Irland oder Polen, die Whiskey oder Wodka tranken. Die Institution des Saloon wurde dämonisiert, wodurch arme Weiße und Schwarze, die keine großzügigen Wohnungen besaßen, ihren zentralen Treff- und Kommunikationsort verloren. Die Prohibition wurde 1933 wieder abgeschafft.
    15 min
  • Der Geburtstag des Basketball Spielers Michael Jordan (17.2.1963)
    "Es gibt Michael Jordan und dann gibt es noch den Rest von uns". Das meinte der Basketball-Superstar Magic Johnson über Michael "Air" Jordan. Fast 20 Jahre lang gewann Jordan so ziemlich alles, was man im Basketball gewinnen kann. Die US-Liga NBA bezeichnet ihn heute als besten Spieler aller Zeiten. Geboren wurde Michael Jordan am 17. Februar 1963 in Brooklyn, wuchs im beschaulichen North Carolina auf. Nach seiner Zeit auf dem College kam er zu den Chicago Bulls, und machte den zuvor durchschnittlichen Club zum erfolgreichsten Basketball-Team seiner Zeit. Manche seiner Punkte-Rekorde sind heute noch unerreicht. Vor allem erzielte der ehrgeizige, vom Spiel besessene Jordan oft spektakuläre und entscheidende Punkte. Mit dem legendären US-"Dream Team" nahm er 1992 an den Olympischen Spielen in Barcelona teil. Spätestens da kannte die Welt sein Gesicht mit der heraushängenden Zunge, die markante Glatze und die Sprungkraft, mit der "Air" gefühlte Ewigkeiten in der Luft blieb. Zwischenzeitlich versuchte er sich als Baseballspieler und Golfer, kehrte aber immer wieder zum Basketball zurück. Der Basketballer war auch außerhalb des Courts populär. Er spielte sich selbst in vielen Werbespots, einem Michael-Jackson Video und in dem Animationsfilm "Space Jam" mit Bugs Bunny und Duffy Duck. Die nach ihm benannten Sportschuhe sind bis heute populär – und teuer. 2020 erschien die 10-teilige Netflix-Dokumentation "The Last Dance" über Jordans Leben und Karriere.
    15 min
  • Das erste Jugendstrafgerichtsgesetz wird erlassen (16.2.1923)
    Harte Strafen, blinde Vergeltung? Oder gilt für straffällig gewordene Jugendliche auch ein Erziehungsgedanke, der das Alter und die Reife berücksichtigt? Das deutsche Gesetz aus dem Jahr 1923 war vorbildlich und fortschrittlich – und wurde deshalb in der Nazizeit wieder zurückgenommen. 1943 ist im Reichsjugendgesetz wieder zu lesen: "Die Straftat eines Jugendlichen wird mit Strafe oder mit Zuchtmitteln geahndet". Auch galten in besonderen Fällen schon Kinder ab zwölf Jahren als strafmündig. Einige der mühsam erstrittenen Fortschritte des Jugendstrafgesetzes, das zwanzig Jahre zuvor in der Weimarer Republik eingeführt wurde, wurden zunichte gemacht. Das erste Jugendgerichtsgesetz von 1923, war viel differenzierter und zugewandter formuliert. Es ist die Rede davon, dass ein Gericht zu prüfen habe, "ob Erziehungsmaßregeln erforderlich sind". Dieses Gesetz für jugendliche Straftäter galt als Fortschritt – auch das Alter der Strafmündigkeit wurde auf 14 Jahre heraufgesetzt. Erst 1953 wurde das Gesetz in der Bundesrepublik wieder aufgegriffen. Bis dahin war noch die nationalsozialistische Terminologie zu finden. Die Debatte aber zwischen Befürwortern des Erziehungsgedanken und jenen, die harte Strafen fordern flackert in der Öffentlichkeit immer wieder auf.
    15 min
  • Der Friede zu Hubertusburg (15.2.1763)
    Es war das Ende eines Weltkrieges – zumindest war der Siebenjährige Krieg der erste, der an vielen Stellen des Globus seine zerstörerischen Spuren hinterließ. Europäische Großmachtpolitik und Kolonialansprüche vermengten sich, es gab Hunderttausende Tote. Bis zum Treffen auf einem sächsischen Jagdschloss... Europa ist kriegsmüde. Seit August 1756 kämpfen Europas Großmächte Preußen, Österreich, Russland, Frankreich und Großbritannien um mehr Macht. Die wollen die Vorherrschaft in Europa, die anderen mehr Kolonien in Indien und Nordamerika. Sieben Jahre späte gibt es viele Tote und Verletzte, leere Kassen, verwüstete Länder. Wermsdorf bei Grimma. Abgesandte des Kurfürstentums Sachsen und der Königreiche Preußen und Österreich treffen sich zu Friedensverhandlungen auf Schloss Hubertusburg, einer Perle des sächsischen Rokokos. Hier besiegeln sie das Ende des Siebenjährigen Krieges, der von manchen als der erste weltweite Krieg bezeichnet wird. Ausgestattet mit großen Vollmachten entwerfen die Staatsbeamten Friedensartikel. Am 15. Februar 1763 unterzeichnen Österreichs Hofrat Heinrich Gabriel von Collenbach und Preußens Vertreter Ewald Friedrich von Hertzberg den Friedensvertrag zwischen Österreich und Preußen. Der Status quo ante bellum ist wieder hergestellt. Preußen behält Schlesien und zieht seine Truppen aus Sachsen ab. Am Ende des globalen Krieges steigt Preußen zur fünften Großmacht Europas auf. Großbritannien schlägt Frankreich und behauptet sich als Weltmacht. Die Folgen des Krieges sind fatal. Opfer sind nicht nur hunderttausende Soldaten, sondern auch mindesten so viele Zivilistinnen und Zivilisten.
    15 min
  • Der erste Skilift wird eingeweiht (14.2.1908)
    Heute vor 115 Jahren ging der erste Skilift der Welt im Schwarzwald in Betrieb – ein umgebautes Seil, das im Sommer zum Transport von Getreide diente. Das Patent hat seinem Erfinder Robert Winterhalder nicht viel gebracht - das große Geschäft mit den Skiliften machten später andere... "Den Handgriff packen, stramm auf den Skiern stehen, an steilen Stellen zweckmäßigerweise Hockstellung einnehmen": So liest sich die Gebrauchsanweisung für den ersten Skilift. Robert Winterhalder, Wirt vom Schneckenhof in Schollach im Schwarzwald hat ihn erfunden. Er wollte seinen Kurgästen den mühevollen und beschwerlichen Berganstieg erleichtern und hatte eine Idee: Um das Getreide zu seiner Mühle, und dann das Mehl wieder zurück seinem Hof zu bringen, benutzte er ein endloses Drahtseil, das mit Wasserkraft angetrieben wurde. Diese Anlage baute er um, damit sich die Schneeschuh- und Rodelfahrer den Berg hoch ziehen lassen konnten. 1908 wurde der Skilift in Betrieb genommen. Bereits während des 1.Weltkrieges wurde der Lift wieder abgebaut, das Metall wurde für Waffen eingeschmolzen. Robert Winterhalders Patentschutz lief unbeachtet aus, das große Geschäft mit den Skiliften machten später andere.
    15 min

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