ZeitZeichen

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ZeitZeichen episodes

  • Der Geburtstag des britischen Schriftstellers Edward Bulwer-Lytton (25.5.1803)
    Er war einer der ersten Bestseller-Autoren und verhalf dem Roman zum Durchbruch als meistgelesene Erzählform: Mit "Die letzten Tage von Pompeji" schrieb Edward-Georges Bulwern-Lytton ein Klassiker. Gleichzeitig machte er Karriere als konservativer Politiker der Tories. Bulwer-Lytton sah sich in der Nachfolge von Sir Walter Scott, der den historischen Roman groß gemacht hatte. Für seinen Pompeji-Roman recherchierte er am Fuß des Vesuvs, der im Jahr 79 nach Christus die Stadt mit Lava überflutet hatte. Detailreich gezeichnete Milieus und topographische Genauigkeit kombinierte er mit einer hochdramatischen Handlung um Liebe, Intrigen und Tod. Als Politiker brachte es Bulwer-Lytton 1858 bis zum Kolonialminister, als Adeliger bis ins Oberhaus. Zwei Jahre vor seinem Tod konnte er noch einmal überraschen: mit seinem phantastischen Zukunftsroman "Das kommende Geschlecht". In ihm beschrieb er mit Seitenblick auf die Träume der Sozialisten eine perfekte, auf Gleichheit beruhende Gesellschaft. In den Augen von Edward-Georges Bulwer-Lytton erschien sie geistlos und frustrierend.
    15 min
  • Die erste deutsche Nordpolarexpedition bricht in die Arktis auf (24.5.1868)
    Mitte des 19. Jahrhunderts hielten deutsche Geographen den Nordpol noch für eine kleine Insel im eisfreien Polarmeer – ein großer Irrtum, wegen dem steckte die erste deutsche Polarexpedition nach nur 14 Tagen im Packeis fest. Trotzdem war sie wichtig für die Forschung. In den Polarregionen der Erde gibt es noch heute Orte, die noch nie ein Mensch betreten hat. Vor 155 Jahren war die gesamte nördliche Polarregion der Arktis noch buchstäblich ein weißer Fleck auf der Landkarte. Ist Grönland eine Insel? Reichen die Küsten des Kontinents bis zum Nordpol? Mitte des 19. Jh.s war der Gothaer Geograph August Petermann überzeugt, dass der Nordpol nur eine Eis-Insel sei: "Mit einem geeigneten Schraubendampfer kann man eine Reise zum Nordpol und zurück in zwei bis drei Monaten zurücklegen." Als Leiter der ersten deutschen Arktisexpedition konnte er den Mathematiker, Physiker und Astronom Carl Koldewey gewinnen. Doch Petermann irrte sich gewaltig. Kurz nach dem Start vom norwegischen Bergen aus saß das Schiff im undurchdringlichen Packeis fest. Monate vergingen. Der Winter stand bevor. Ende September kehrten sie nach Bergen zurück. "Eine unglückliche, gänzlich misslungene Expedition," stellte Carl Koldewey nüchtern fest. Dennoch kehrten die ersten deutschen polaren Abenteurer mit umfangreichen meteorologischen, ozeanographischen und erdmagnetischen Daten zurück. Die Expedition begründete die Geschichte der deutschen Polarforschung und die deutsche Forschungsstation auf Spitzbergen trägt noch heute den Namen von Carl Koldewey.
    15 min
  • Der Todestag von Francesco Doná, Doge aus der Blütezeit Venedigs (23.5.1553)
    Er ist schon fast 80 Jahre alt, als er ins höchste Amt einer europäischen Großmacht gelangt: 1545 wird Francesco Doná zum Dogen von Venedig gewählt. Er beschert der von Kriegen gebeutelten Stadt eine Friedenszeit und lässt den prächtigen Dogenpalast ausbauen. Als Francesco Doná das Amt übernimmt, regieren und repräsentieren Dogen bereits seit über 700 Jahren die Seerepublik Venedig – ein außergewöhnlich langlebiges politisches System mit einer frühen Form der Machtbeschränkung und Gewaltenteilung. Dem Dogen stand ein Rat zur Seite, zudem wurde er nach einem komplizierten Prinzip gewählt, das gewährleisten sollte, dass keine der adeligen Familien Venedigs die Macht an sich reißen konnte. Francesco Doná gelang es, den Stadtstaat Venedig neutral zu halten, zwischen den beiden Großmächten Frankreich, dem Reich der Habsburger und dem Osmanischen Reich.
    15 min
  • Der Aufbruch zum ersten großen Oregon-Treck (22.5.1843)
    Im Morgengrauen des 22. Mai 1843 kletterten in der kleinen Stadt Independence im US-Bundesstaat Missouri etwa eintausend Männer, Frauen und Kinder auf ihre weiß bedachten, von Ochsen gezogenen Planwagen, oder bestiegen ihre Pferde, und brachen auf. Wohin es ging? Immer nach Westen. Durch die Prärie, über die Rocky Mountains bis an den Pazifik. Im Gefolge des ersten, großen Oregon-Trecks: 5000 Stück Vieh, Rinder. Und die Angst, vor Überfällen der Indianer. Die war allerdings unbegründet, viel größer war die ganz alltägliche Gefahr, vom Pferd zu fallen, im Fluss zu ertrinken oder von einer Schlange gebissen zu werden. In den Oregon Blue Mountains, gar nicht mehr weit vom Ziel, blieb der Zug stecken. Die Pioniere mussten erst einen Pfad durch den Wald schlagen und verloren fast ihren gesamten Besitz. Anfang Oktober hatten die Siedler nach rund 3500 beschwerlichen Kilometern ihre neue Heimat erreicht, das fruchtbare Willamette Valley im Nordwesten des Kontinents. Jeden Sommer sollten nun weitere große Trecks folgen. Insgesamt zogen 350.000 Menschen über den Oregon-Trail. Dann wurden Eisenbahnschienen verlegt, die Ära der Planwagenzüge ging zu Ende. Was blieb: ein nationaler Mythos. Von der Eroberung des Wilden Westens durch weiße Siedler, von Abenteuer und Freiheit, Wagemut und Pioniergeist. Der Planwagen wurde zur Ikone, die Lagerfeuerromantik zum Sehnsuchtsbild. Erst in den 1980er Jahren lenkte eine kritische Geschichtsschreibung den Blick auf die Kehrseite der vermeintlichen zivilisatorischen Zähmung der Wildnis: ökologische Zerstörung, desolate Indianerreservate, verlassene Geisterstädte, tragisch gescheiterte Existenzen.
    15 min
  • Maria Stuart, Königin von Schottland, wird in Carlisle gefangen genommen (19.5.1568)
    Von allen unglücklichen Königinnen, die man aus der europäischen Geschichte kennt, ist Maria Stuart wohl die berühmteste. Ihr Leben ist an dramatischen Wendungen kaum zu überbieten: geboren wurde sie 1542 als schottische Prinzessin. 1587 wurde sie als Maria I., Königin von Schottland, hingerichtet.Maria lebte in einer Periode erbitterter Auseinandersetzungen: zwischen Schottland und England; Katholiken und Protestanten; den machtbewussten schottischen adligen Clans untereinander. Vor allem aber ging es um den englischen Thron, den Königin Elisabeth I. innehatte und auf den auch Maria Stuart Anspruch erhob. Sie schreckte dabei vor üblen Intrigen und Mord nicht zurück, selbst in ihrem privaten Umfeld – und das wurde ihr Verhängnis: Als sie den mutmaßlichen Mörder ihres Ehemannes heiratete, war das selbst ihren schottischen adligen Unterstützern zu viel. Sie musste vor ihnen aus dem Land fliehen. Am 19. Mai 1568 kam sie in der englischen Stadt Carlisle an und lieferte sich damit ihrer Konkurrentin Elisabeth I. aus. Es war der Beginn ihres Untergangs: rund 19 Jahre später wurde die schottische Königin Maria I. auf Befehl der englischen Königin auf dem Schafott geköpft.
    15 min
  • Der Geburtstag von Otto Intze, Pionier des Talsperrenbaus (17.5.1843)
    Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts brauchte – neben Kohle und Dampf – einen weniger bekannten Treibstoff: Wasser! Viele Menschen in wachsenden Großstädten, riesige Industrieanlagen – dass alle mit Wasser versorgt werden konnten, hat Deutschland zum großen Teil dem Ingenieur Otto Intze zu verdanken. Otto Intze gilt als einer der herausragenden Ingenieure des 19. Jahrhunderts. Er hat Wassertürme konstruiert und die erste Trinkwassertalsperre Deutschlands gebaut. Als der Durst nach Wasser immer größer wird, rät Otto Intze: "Baut Talsperren!" Die Pläne solcher Stauseen liegen da bereits in seiner Schublade. Die Eschbachtalsperre in Remscheid ist die erste von knapp fünfzig Talsperren, die ab 1889 nach den Intze-Prinzipien oder nach seinen persönlichen Entwürfen gebaut werden. Ein Großteil dieser Bauwerke mit den schlanken, bogenförmigen Mauern, befindet sich in Nordrhein-Westfalen. Im technikverliebten 19. Jahrhundert verlässt sich ein Ingenieur wie Otto Intze nicht mehr auf das tradierte Wissen der Handwerkskunst, sondern auf seine wissenschaftlichen Berechnungen. Intze, der am 17. Mai 1843 in Mecklenburg geboren wird, lebt für das Wasser. Er optimiert den Bau von Wasserbehältern, lehrt Baukonstruktion und Wasserbau an der "Königlich Rheinisch-Westphälischen Polytechnischen Schule", wie der RWTH Aachen damals heißt. Er leitet die Hochschule vier Jahre als ihr Rektor. Auch die Gründung des heutigen Ruhrverbandes begleitet er fachlich. Wasser ist der wahre Herrscher, heißt es, und ohne die Pionierleistungen des Otto Intze hätte sich die industrielle Revolution wohl nicht so rasant und so erfolgreich entwickeln können.
    15 min
  • Der Aufstand im Warschauer Ghetto wird niedergeschlagen (16.5.1943)
    Dieser Aufstand war zum Scheitern verurteilt: 800 Kämpfer gegen die grausame Übermacht der SS. Und doch ist die bewaffnete Erhebung für die wenigen Überlebenden des Warschauer Ghettos ein wichtiges Symbol für den Widerstand gegen die unmenschliche Gewalt der Nazis. Über 1000 Ghettos richteten die Deutschen während des Zweiten Weltkriegs in den von ihnen besetzten Gebieten ein. In der polnischen Hauptstadt Warschau lebte bis 1939 eine große jüdische Gemeinde, ein Drittel der Bevölkerung war jüdisch. Etwa 400.000 Menschen wurden vom deutschen Militärbefehlshaber in einem Stadtviertel zusammengepfercht, von der Außenwelt abgeschnitten, schikaniert, zur Zwangsarbeit gezwungen, sie wurden dem Hunger, Seuchen und der willkürlicher Gewalt der Besatzer überlassen. Eine makabre Vorstufe der Vernichtungslager, in die viele Bewohner später deportiert wurden. Hunderttausend Menschen starben allein im Warschauer Ghetto. Als Heinrich Himmler 1942 die "Umsiedlung" der restlichen Menschen befahl, womit die Auflösung des Ghettos und die Deportation in die verbliebenen Bewohner in die Vernichtungslager gemeint war, formierte sich verzweifelter Widerstand. Beinahe vier Wochen lang hielten die unterlegenen jüdischen Untergrundkämpfer durch, konnten einige Deportationen verhindern. Doch am 16. Mai schrieb SS-Brigadeführer einen Bericht: "Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr!"
    15 min
  • Nach 80 Jahren Krieg werden die Niederlande unabhängig von Spanien (15.5.1648)
    In Münster endete 1648 der Dreißigjährige Krieg. Doch das europäische Glücksjahr der Friedensschlüsse begann dort mit dem Ende eines Krieges, der 80 Jahre gedauert hatte: Die nördlichen, protestantischen Niederlande wurden unabhängig von der Weltmacht Spanien. Was wie ein Wunder schien, war allerdings gar nicht so verwunderlich. Denn die territorial kleinen Niederlande waren bereits eine Weltmacht zur See. Die stärkste Handelsmacht der Welt – und auch die reichste. Das riesige spanische Weltreich dagegen war chronisch pleite, uneffektiv, ohne Innovationen. Die Spanier hatten sich außerdem in den Dreißigjährigen Krieg um die Vorherrschaft in Deutschland eingemischt und ihre Kräfte überschätzt. Die niederländischen Kaufleute dagegen hatten nur das eine Ziel: selbständig und selbstbestimmt zu werden. In diesem "Goldenen Zeitalter" der Niederlande zog das religiös halbwegs tolerante Land verfolgte Handwerker, Gelehrte und Künstler aus ganz Europa an. Außerdem gelang es der niederländischen Ostindien-Kompanie nicht nur, den Fernhandel mit Asien auf dem Seeweg zu kontrollieren, sondern auch den innerasiatischen Handel mehr und mehr zu übernehmen und von ihm zu profitieren. Mit teils barbarischen Methoden zwangen sie die Einheimischen, für den europäischen Markt Gewürze anzubauen. Die Profite in Europa waren exorbitant.Der Spanisch-Niederländische Frieden von 1648 war der Auftakt für eine beispiellose und lang anhaltende politische Ordnung in Europa. Der Westfälische Frieden war ein Verhandlungsfrieden, mit dem alle Parteien leben konnten. Die so geschaffene Rechtsordnung hielt im Großen und Ganzen 150 Jahre lang – bis nach der Französischen Revolution Napoleon die alte Ordnung zerstörte.
    15 min
  • Der Geburtstag des Komponisten Burt Bacharach (12.5.1928)
    Sein Name mag in Musikkreisen bekannt sein – aber wirklich berühmt sind seine Melodien. Burt Bacharach hat in seiner langen Karriere so viele Hits geschrieben wie nur wenige in der Geschichte der Popmusik. Lieder wie "Say a little prayer" oder "Raindrops keep fallin‘ on my head" können Millionen Menschen mitpfeifen. Für Dionne Warwick komponierte er ihre bekanntesten Evergreens von "Walk on by" bis "What the world needs now is love". Seine Karriere begann Bacharach als Bandleader von Marlene Dietrich. Doch für deren Touren um die Welt war immer weniger Zeit, als er an der Seite von Texter Hal David zu einem der gefragtesten Songwriter der Popindustrie avancierte. Bacharachs Lieder gelten als eingängiges "Easy Listening" und werden doch auch von Rockern wie Noel Gallagher für ihre ausgeklügelten Harmonien geschätzt. Die Musik lässt Burt Bacharach bis ins hohe Alter nicht los. Noch mit über neunzig Jahren geht er mit seinen Songs auf Tour. Als er im Februar 2023 stirbt, stehen am Ende eines langen Lebens sechs Grammys, drei Oscars, vier Ehen – und vor allem hunderte Ohrwürmer.
    15 min
  • Das "Diamantsutra", erstes Buch der Menschheitsgeschichte, wird gedruckt (11.5.868)
    Einer der wichtigsten buddhistischen Texte, das "Diamantsutra", wurde im 1. Jahrhundert geschrieben – und in Tibet heute vor 1155 Jahren gedruckt, als wohl erstes Buch der Menschheitsgeschichte. Eine Rede Buddhas, deren Weisheit so scharf sei, dass sie Diamanten spalten könne, wurde deshalb als "Diamantsutra" bekannt. Sie war als wichtiger Lehrtext des Buddhismus in weiten Teilen Asiens verbreitet. Und da man dort viele Jahrhunderte vor Johannes Gutenberg bereits Holztafeln verwendete, um Texte zu drucken, wurde im Jahr 868 dieses Sutra gedruckt. Ein faszinierender und überraschend moderner Text.
    15 min

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