Die fünfte Schweiz

Die fünfte Schweiz

By Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)Society & Culture
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Die fünfte Schweiz episodes

  • Marokko ist Béatrice Buschors Leidenschaft
    Als Béatrice Buschor vor 15 Jahren nach Marokko auswanderte, war es wegen einer dreifachen Liebe: der Liebe zu ihrem heutigen Mann Lahoucine Oulkadi, zu den grandiosen Landschaften Marokkos und zu den dort lebenden Menschen. Sie seien gastfreundlich, ruhig und zufrieden.«Als Frau in Marokko unter Berbern zu leben, ist nicht ganz einfach», sagt Béatrice Buschor. Es gebe eine Männerwelt und eine Frauenwelt, die sich nur in der Familie mische. Sie sagt aber auch: «Wenn man als Frau weiss, was man will, dann hat man keine Probleme.»Vor 15 Jahren ist Béatrice Buschor nach Marokko ausgewandert. Ihr Mann Lahoucine Oulkadi ist diplomierter Bergführer und ausgewiesener Wüstenspezialist. Zusammen mit ihm organisiert die Schweizerin Individualreisen in Marokko: Trekkings im Atlasgebirge, Kameltrekkings in der Wüste oder Rundtouren im Süden. Im Bergdorf Agouti auf 1800 Metern über Meer betreiben die beiden ausserdem ein Gästehaus für rund vierzig Personen.
    16 min
  • Diana Jost in Portugal: Yoga in der Ferienecke
    Diana Jost (42) bietet Yoga-Ferien in der portugiesischen Algarve an. Touristen finden so zu ihrer inneren Ausgeglichenheit. Die eigene Ausgeglichenheit findet sie selber in ihrer neuen Heimat eher als damals in der Schweiz.Den Lebensunterhalt für sich und ihren zweijährigen Sohn verdient Diana Jost (42) mit Yoga, hauptsächlich in den Sommermonaten. Dann überrennen die Touristen aus Europa und Übersee die Ferienregion Algarve.Dass sie eines Tages auswandern würde, war nie ihr Plan. Trotzdem war der Schritt aber bereits relativ früh absehbar gewesen. Als Flight Attendant bereiste sie nämlich die Welt und lernte so ihren späteren australischen Mann kennen. Da dieser ein angefressener Segler und Wellenreiter war, suchten und fanden sie die Algarve. Die Region war ideal, damit er seiner Leidenschaft frönen konnte.Unterdessen lebt Diana Jost von ihm getrennt. Sie ist aber mit ihrem zweijährigen Sohn in der Algarve geblieben. «In die Schweiz zurückkehren ist für mich kein Thema», sagt sie.
    11 min
  • Walter Lüthi – Paris: Per Autostopp in die Stadt der Liebe
    Es ist die aussergewöhnliche Auswanderergeschichte von Walter Lüthi. Vor fünfzig Jahren machte der Zürcher vor dem damaligen Hardturm Stadion Autostopp nach Paris und kam nie wieder zurück. Aus dem gelernten Eisenbetonzeichner wurde ein erfolgreicher Balletttänzer.Eigentlich wollte Walter Lühti Maler werden und suchte die Inspiration dazu in Paris. Er lernte Leute aus der Ballettszene kennen. Der 18-Jährige entschloss sich kurzerhand, eine Ausbildung zum Balletttänzer zu machen. Seine Familie und Freunde waren anfänglich erstaunt darüber, erinnert sich Walter Lühti: «Damals war das exotisch. Als ich vortanzen ging, war ich als Mann praktisch immer alleine.» Walther Lüthi startete eine grosse Ballettkarriere und tourte zusammen mit einer amerikanischen Balletttruppe um die halbe Welt. Auf der Tour lernte er seine Frau kennen, auch eine Balletttänzerin.Gibt Ballettunterricht für SeniorenNach einem Unfall musste Walter Lüthi seine Ballettkarriere an den Nagel hängen. In Paris gründete er eine eigene Ballettschule. Der 68-Jährige unterrichtet bis heute kleine und grosse Tänzer: «Es kommt Jung und Alt. Sogar 90-Jährige tanzen in meiner Schule. Mir bereitet es viel Freude und ich roste zudem nicht ein!»
    15 min
  • Markus Oberle in Indien: Chef mit Herz
    Markus Oberle ist seit sechs Jahren CEO einer französischen Zementfabrik in Hyderabad, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Telangana. Der Aargauer fühlt sich durch die indische Kultur inspiriert – und hat ein Herz für seine Angestellten.Eigentlich könnte sich Markus Oberle mit seinen 64 Jahren gemütlich zurücklehnen und auf ein erfolgreiches Leben zurückblicken. Aber er sagt: «Das Alter ist nur eine Zahl. Ich fühle mich durch meine offene Lebenseinstellung jung und möchte auch mit 65 noch im Cockpit sitzen.» Markus Oberle ist dauernd von jungen Menschen umgeben, die ihn inspirieren und ihm Energie geben.«Ich bin privilegiert, aber nicht arrogant»Indien polarisiert. Das Land ist der Spagat zwischen Armut und Reichtum. Markus Oberle wohnt zwar in einem schicken Appartement, den Kontakt zur Aussenwelt hat er aber behalten. «Ich weiss, dass ich privilegiert bin. Aber deswegen bin ich nicht arrogant», sagt der Aargauer. «Es ist ein schwieriges Land, aber wenn man es versteht, gibt es einem extrem viel zurück.»«Als Weltverbesserer ist man in Indien am falschen Ort»Markus Oberle hat ein Herz für seine Angestellten. Die rund viertausend Arbeiter in seiner Zementfabrik hat er kurzerhand krankenversichert. Privat engagiert sich der 64-Jährige zusammen mit einem Freund für Waisenkinder. Trotzdem sagt er: «Als Weltverbesserer ist man in Indien am falschen Ort.»Die indische Kultur inspiriert den Aargauer. Er kann sich allerdings gut vorstellen, eines Tages wieder in die Schweiz zurück zu kehren: «Meine Heimat ist und bleibt die Schweiz.»
    20 min
  • Markus Ruprecht – Unternehmer und Philosoph in Thailand
    Der Grafiker Markus Ruprecht kam 1977 zum ersten Mal nach Thailand. Eher ungeplant, erinnert sich der mittlerweile 74-Jährige aus Burgdorf: «Als ich damals aus dem Flugzeug stieg, fühlte ich mich, als wäre ich nach Hause gekommen.» Mittlerweile sind fünfundzwanzig Jahre vergangen.Vom Grafiker zum Topffabrikanten In der Schweiz war Markus Ruprecht Betriebsleiter in einer industriellen Buchbinderei und machte sich später selbständig. Er gründete einen kleinen Verlag und gab Kunstbücher heraus. Doch die geringen Auflagen verursachten hohe Druckkosten. Ein Bekannter lud ihn deshalb 1977 spontan nach Bangkok ein und zeigte ihm, wie günstig die Druckpreise in Thailand sind.Es kam alles andersMarkus Ruprecht lernte einen Unternehmer aus der Töpfereibranche kennen und wurde kurzerhand Topffabrikant in Chanthaburi im Osten Thailands. Es wundert ihn noch heute, wie alles zustande kam: «Ich kam wie die Jungfrau zum Kind zu meiner Topffabrik».Zusammen mit seinem Sohn baute er das Töpferunternehmen aus. 2003 hat er die Fabrik verkauft und suchte nach einer neuen Herausforderung.«Ein Tag, an dem man nichts dazu lernt, ist ein verlorener Tag»Markus Ruprecht liebt es, das Leben zu entdecken. Nachdem er seine Firma verkauft hatte, verbrachte er neun Wochen lang in einem buddhistischen Kloster. Heute schreibt Markus Ruprecht Bücher über Religionen und ist Kirchengemeinderat in einer deutschsprachigen, evangelischen Gemeinde: «Ein Heiliger bin ich nicht. Aber die verschiedenen Religionen haben mich schon immer fasziniert.»
    17 min
  • Roman Hangartner: «Cottbus ist eine verstaubte Perle»
    Eine Autostunde südlich von Berlin und wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt, liegt Cottbus. Die Stadt aus der ehemaligen DDR ist seit einem Jahr die neue Heimat von Roman Hangartner. Auch wenn die Cottbuser nicht so ein redseliges Volk sind: der Ostschweizer ist angekommen.Trotz schlechter wirtschaftlicher Lage, hat sich Roman Hangartner eine Existenz aufgebaut. Der Deutschlehrer unterrichtet Fremdsprachige und betreut Langzeitarbeitslose: «Es ist wichtig, diesen Leuten eine Perspektive zu geben.» Der 49-Jährige ist der Liebe wegen nach Cottbus ausgewandert: «Die Cottbuser sind eigen, aber ich mag ihre Art. Ich bin der Schweizer Ossi hier.»Wohnen wie zu DDR ZeitenRoman Hangartner wohnt auf dreiundsechzig Quadratmetern in einem typischen Plattenbau aus DDR Zeiten. Die Stadt nahe der polnischen Grenze ist vor allem durch das geschichtsträchtige Zuchthaus bekannt. Während der DDR Ära zählte die Haftanstalt zu den grössten DDR-Gefängnissen für politische Gefangene.
    17 min
  • Mirjam Gerber: «Im türkischen Alltag wird man kreativ»
    Vor zehn Jahren zog Mirjam Gerber zu ihrem Freund und heutigen Lebenspartner nach Istanbul. Ihr gefällt die lebhafte, spontane und laute Art der Menschen. Auch die Buntheit der Stadt und die Verschiedenheit der Leute mag sie sehr.Bei aller Zuneigung für die neue Heimat: Mit dem ausgeprägten hierarchischen Denken in der türkischen Gesellschaft bekundet Mirjam Gerber eher Mühe. Ungewohnt sind für sie auch das Patriarchat und das grosse Gefälle zwischen den Reichen, die ihren Reichtum hemmungslos zur Schau stellen, und den Armen, die nichts haben.Zusammen mit ihrem Mann betreibt Mirjam Gerber mitten in der Stadt ein kleines Restaurant. Im Angebot sind unter anderem selber produzierte Würste, in Istanbul eher eine Seltenheit. Würste findet man nämlich nur wenig auf den Speisekarten.Sorgen bereitet ihr die Zukunft des Landes. Die Anschläge in Ankara und Istanbul haben auch sie vorsichtig und angespannt gemacht. Zudem schaut sie mit Kummer auf die politische Entwicklung hin zu einer Autokratie ohne Mitsprachemöglichkeiten der Bevölkerung.
    15 min
  • Urs Schaller: «Das Leben hier gleicht manchmal einem Kunststück»
    Urs Schaller (73) lebt seit mehr als 45 Jahren in Florenz. Er kennt die Touristenmetropole und ihre Bewohner aus der Alltagsperspektive. An die ineffiziente und überbordende Verwaltung der Stadt hat er sich mittlerweile gewöhnt – wohl oder übel.In den 1960er-Jahren war Urs Schaller ein erstes Mal in Italien – in der Lombardei. Er nahm damals an einem Modellflugwettbewerb teil. Ein paar Monate später blieb er mit einem Sprachaufenthalt in Florenz für zwei Jahre hängen. Dann kehrte er für kurze Zeit in die Schweiz zurück – anschliessend arbeitete er zwei Jahre lang auf Malta.Eigentlich war sein nächstes Ziel dann, nach Kanada auszuwandern. Für ein paar Wochen Ferien ging er dann nochmal nach Florenz. Und blieb. Bis heute. Erst aus Liebe zu Florenz und zu Italien; später aus Liebe zu seiner Frau und wegen seiner Familie.Unterdessen ist Urs Schaller Vater zweier erwachsener Töchter. 1971 gründete er einen Laden und eine Werkstatt für Modellflugbau. Heute ist er pensioniert und gönnt sich mehr Freizeit.Der Berlusconi-Schock und die leidige Verwaltung«Als Silvio Berlusconi 1992 an die Macht kam war dies für mich ein grosser Schock und ich wollte umgehend zurück in die Schweiz», erzählt Urs Schwaller. Es kam dann anders.Die italienische Gesellschaft, sagt Schwaller, sei heute eine andere. Wurde früher oft und leidenschaftlich über Politik diskutiert, seien diese Themen heute eher ins Private abgerutscht. Die ineffiziente Verwaltung bleibe aber ein Dauerthema.
    17 min
  • Sonja Roost-Weideli und ihr Mann leben in Gythion ihren Traum
    Sie wählte das Reiseziel, er das Transportmittel: Vor 26 Jahren unternahmen Sonja Roost-Weideli und ihr Mann Rolf Roost eine Velotour in Griechenland. Zurück kamen die beiden mit einem Stück Land in der Tasche. Heute produzieren sie feinstes Olivenöl.Um sich den Traum vom eigenen Haus zu erfüllen, mussten Sonja Roost-Weideli und Rolf Roost zunächst Geld in der Schweiz verdienen. Die Winterthurerin unterrichtete an einer Kinderskischule, ihr Mann jobbte saisonal als Kellner. Nach drei Jahren war es so weit: Der Auswanderung nach Griechenland stand nichts mehr im Weg.Ein paar Olivenbäume brachten sie auf eine IdeeIn der Hafenstadt Gythion, in der Region Mani im Süden der Peloponnes, haben sie ihr Traumhaus erbaut. Ein paar Olivenbäume auf dem Grundstück brachten sie auf die Idee, Olivenöl herzustellen. Unterdessen exportiert Sonja Roost-Weideli zusammen mit ihrem Mann jährlich zwölf Tonnen Bio-Olivenöl. Das Ehepaar arbeitet mit einer traditionellen Olivenölmühle, zusammen mit einem Familienbetrieb in der fünften Generation.«Morgens trinken wir Kaffee und schauen aufs Meer»«Die Uhr tickt anders in Griechenland», sagt Sonja Roost-Weideli. «Wir stehen auf, wenn wir wach sind. Beim Kaffeetrinken schauen wir aufs Meer hinaus, und schon haben wir die ganze Welt im Hosensack.» Trotzdem gebe es ständig viel Arbeit. Man nehme es aber einfach viel gelassener als in der Schweiz.
    14 min
  • Jan Kohler: «Belgrad ist das Berlin Südosteuropas»
    Jan Kohler zog es vor vier Jahren in die serbische Hauptstadt Belgrad. In der Zwei-Millionen-Metropole hat der 34-jährige Primarlehrer aus Laupen (BE) viele Freunde gefunden und kämpft gegen das schlechte Image der Serben.Jan Kohler ist begeistert von Belgrad. Als privater Deutschlehrer läuft es ihm in der serbischen Hauptstadt bestens. Und in seiner Freizeit engagiert er sich für verschiedene Kulturprojekte.Suppenküche in der öffentlichen Parkanlage«Ich organisiere immer wieder eine Suppenküche», erzählt der 34-jährige Berner. «Kunstschaffende bringen Omas Suppenschüssel mit und kochen für alle nach eigenem Rezept.» Die Suppenküche findet in einem Kulturraum oder in einer öffentlichen Parkanlage statt.«Urban Gardening» in Hausruinen«Urban Gardening», der Trend, mitten in Grossstädten zu gärtnern, hält auch in Belgrad Einzug. Jan Kohler begrünt mit seinen Kunstfreunden ganze Hausruinen und erweckt sie so zu neuem Leben.Viel kreatives PotentialAuch sonst habe Belgrad grosses Potential, sagt Jan Kohler. Die Stadt sei zwar durch die politisch und wirtschaftlich angespannte Situation ziemlich heruntergekommen. «Aber junge kreative Leute hauchen Belgrad neues Leben ein.» Belgrad habe viele Cafés, Restaurants und Bars, wo man sich trifft und neue Pläne schmiedet, sagt der Berner: «Die Stadt ist das Berlin Südosteuropas.»
    15 min

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